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Kampf gegen Alzheimer - Einblicke in Christian Haass´ Forschung

Die Hector Fellow Academy veröffentlicht ein neues Video-
Porträt über den renommierten Biochemiker und Hector Fellow Christian
Haass zu den molekularen Grundlagen seiner Alzheimer-Forschung.

Christian Haass ist Professor für Stoffwechselbiochemie an der Ludwig-
Maximilians-Universität München und Sprecher des Deutschen Zentrums für
Neurodegenerative Erkrankungen München. Er und sein Team erforschen die
molekularen und zellulären Mechanismen der Alzheimer-Erkrankung, um die
Vorgänge im Gehirn auf kleinster Ebene besser zu verstehen. „Was läuft im
Gehirn falsch? Warum sterben Nervenzellen? Das wollte ich rausbekommen.
Und was mich von Anfang an enorm interessiert hat: Warum ist für uns alle
(…) das Risiko so hoch an Alzheimer zu erkranken? Dafür muss es eine
molekulare Grundlage geben,“ erklärt Haass im Interview.

Die Alzheimer-Erkrankung stellt eine immense globale Herausforderung dar.
Das Risiko für Demenz steigt mit dem Alter, und derzeit wird alle 3
Sekunden eine neue Demenzerkrankung diagnostiziert. Die Forschung von
Christian Haass konzentriert sich darauf, die komplexen biologischen
Prozesse zu entschlüsseln, die zur Degeneration von Nervenzellen führen.
Durch seine Arbeiten wurden bereits wichtige Fortschritte erzielt, die das
Verständnis und die Behandlung dieser schweren Erkrankung voranbringen
könnten.

Im Team von Christian Haass ist auch der Nachwuchswissenschaftler Matteo
Rovere, der an einer genetisch bedingten Variante der Alzheimer-Erkrankung
forscht. Roveres Promotionsstelle wird von der Hector Fellow Academy
finanziert.

Ein bedeutendes Projekt von Christian Haass ist die Zusammenarbeit mit
einer US-Biotechfirma, bei der es um klinische Tests eines Antikörpers zur
Alzheimer-Behandlung geht. Ziel ist es, ein Medikament auf den Markt zu
bringen, das die Erkrankung effektiv bekämpfen kann. Diese Kooperation
zeigt, wie wichtig internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit in
der modernen Wissenschaft ist.

Christian Haass betont die Bedeutung von Kreativität und
interdisziplinärer Zusammenarbeit für wissenschaftliche Erfolge. Das
interdisziplinäre Netzwerk der Hector Fellow Academy ermöglicht es ihm,
mit Experten aus verschiedenen Fachbereichen zusammenzuarbeiten und neue
Impulse für seine Forschung zu erhalten.

Die Hector Fellow Academy veröffentlicht regelmäßig Video-Porträts über
die Wissenschaftler*innen ihres Netzwerks. Diese Videos bieten
allgemeinverständliche Einblicke in die vielseitigen Forschungsprojekte
der Hector Fellows und Nachwuchswissenschaftler*innen und ermöglichen es
den Zuschauer*innen, die Hector Fellow Academy besser kennenzulernen.

Über die Hector Fellow Academy

Im Jahr 2013 hat Hans-Werner Hector, einer der Gründer des
Softwareunternehmens SAP, die Hector Fellow Academy ins Leben gerufen.
Sein Ziel: den Forschungs- und Wissenschaftsstandort Deutschland zu
stärken, zukunftsweisende gesellschaftspolitische Diskurse in Gang zu
setzen und zur Lösung globaler Herausforderungen beizutragen. Mittlerweile
haben 30 herausragende Forscher*innen aus den Natur- und
Ingenieurwissenschaften sowie aus Medizin und Psychologie den einmal
jährlich vergebenen Hector Wissenschaftspreis erhalten. Die
Wissenschaftsakademie bietet diesen Hector Fellows nicht nur eine
Plattform zum Austausch und Förderung für gemeinsame interdisziplinäre
Forschungsprojekte. Sie hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, den
Erfahrungsschatz ihrer Mitglieder an die nächste Generation weiterzugeben.
Dazu finanziert die Hector Fellow Academy Promotionsstellen von
Absolvent*innen mit überdurchschnittlichem Master-Abschluss und hat den
Hector Research Career Development Award  ins Leben gerufen, um Postdocs
auf dem Weg zur Professur zu unterstützen.

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Rheuma - eine unterschätzte Krankheit vieler Kinder und Jugendlichen

Die Stiftung Kindergesundheit informiert über ein Leiden, das oft nur
schwer zu erkennen ist, aber immer besser behandelt werden kann

Viele Menschen glauben, Rheuma sei eine typische Krankheit
schmerzgeplagter alter Frauen und Männer. Das stimmt so aber nicht: In
Deutschland leiden neben den rund zwei Millionen erwachsenen Rheumatikern
etwa 40.000 Kinder und Jugendliche an einer rheumatischen Erkrankung, d.h.
einer Entzündung von Gelenken und Organen. Rheuma tritt bei Kindern etwa
genauso häufig auf wie Diabetes oder Krebs und zählt damit zu den
häufigsten chronischen Leiden im Kindesalter, berichtet die in München
beheimatete Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme.

„Es ist zu wenig bekannt, dass Rheuma-Erkrankungen in allen Altersgruppen
auftreten können. Besonders Kleinkinder, Schulkinder und Jugendliche sind
von ganz verschiedenen Erkrankungen betroffen, die nicht gleich als
entzündlich-rheumatisch erkannt werden“, berichtet Kinder- und
Jugendärztin Priv.-Doz. Dr. Annette Jansson, Leiterin der Rheumatologie
des Dr. von Haunerschen Kinderspitals und des Fachbereiches Rheumatologie
im integrierten Sozialpädiatrischen Zentrum der Universität München.
„Besonders dann, wenn keine Gelenkentzündungen vorhanden sind, denkt man
nicht auf Anhieb an Rheuma. Viele Mädchen und Jungen mit Rheuma-
Erkrankungen haben deshalb einen zu langen Leidensweg, bis die richtige
Diagnose gestellt und eine Behandlung eingeleitet wird“.

Bei Kindern besteht nicht jede rheumatische Erkrankung lebenslänglich, in
manchen Fällen heilt sie spontan aus, ohne Folgeschäden zu hinterlassen,
sagt PD Dr. Annette Jansson. Dennoch ist sie für die kleinen Patienten und
ihre Familien sehr belastend. Durch gezielte Therapien lassen sich jedoch
die Symptome oft gut behandeln, betont die Spezialistin der Münchner
Universitätskinderklinik.

Kinderrheuma hat viele Gesichter

„Rheuma“ ist der Oberbegriff für mehr als 400 bekannte unterschiedliche
Erkrankungen aufgrund von Entzündungen, die nicht durch Infektionen
verursacht werden. Neben dem bekannten Gelenkrheuma werden auch
Erkrankungen mit Entzündungen anderer Organe oder Systeme zu den
rheumatischen Erkrankungen gezählt. Sie können in jedem Alter auftreten.

Gelenkrheuma gehört zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das
Immunsystem den eigenen Körper – in dem Fall die Gelenke - angreift und
Entzündungen verursacht. Allerdings kann es auch im Rahmen von Infekten
oder aufgrund anderer Ursachen zu Gelenkentzündungen kommen, die entweder
spontan heilen oder mit Medikamenten heilbar sind. Sie machen 80 bis 90
Prozent aller Gelenkentzündungen aus und verlaufen häufig mild. Bei den
übrigen 10 bis 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen entwickeln sich
jedoch chronische Gelenkentzündungen. Bei diesen Kindern verläuft die
Erkrankung oft schubweise. Es können auch Knochen, Muskeln und sogar die
Augen betroffen sein. Diese Kinder benötigen eine spezielle Rheuma-
Therapie.

Mädchen häufiger betroffen als Jungen

„Die bei Weitem häufigste Form der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen
im Kindesalter ist die ‚juvenile idiopathische Arthritis‘ JIA, also die
chronische Gelenkentzündung“, erläutert Kinderrheumatologin PD Dr. Annette
Jansson. Als Arthritis werden entzündliche Erkrankungen der Gelenke
bezeichnet, „idiopathisch“ nennt die Medizin Krankheiten, deren Ursachen
nicht genau geklärt sind.

„Die Erkrankung beginnt oft im Vorschulalter. Von ihr sind Mädchen
häufiger betroffen als Jungen. Als erstes befällt die Entzündung meist die
Knie- oder Sprunggelenke, es können aber auch einzelne Finger- oder
Zehengelenke betroffen sein“.

Eine seltenere, aber durch wiederkehrende Fieberschübe ebenfalls sehr
belastende rheumatische Krankheit ist das sogenannte „Still-Syndrom“. Sie
betrifft den ganzen Körper, manchmal auch ganz ohne Gelenkentzündung. Der
Organismus des Kindes reagiert mit ähnlichen Symptomen wie bei den
ansteckenden Kinderkrankheiten: Das Kind fiebert oft über zwei Wochen und
auf seiner Haut zeigt sich ein Ausschlag mit lachsfarbigen Flecken.
Weitere mögliche Symptome sind Lymphknotenschwellungen, eine
Herzbeutelentzündung, vergrößerte Leber und Milz und eine Störung der
Blutbildung im Knochenmark.

Keine Lust auf Laufen und Bewegung

Anders als bei Erwachsenen äußert sich Gelenkrheuma bei Kindern oft nicht
gleich mit Schmerzen, sondern durch Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit
und durch Schonhaltungen.

Der chronische Entzündungsprozess im Bindegewebe führt dann aber auch bei
Kindern und Jugendlichen zu Gelenkbeschwerden mit Schmerzen und
Schwellungen, zu Problemen, die das Kind und die gesamte Familieüber
Monate bis Jahre oder sogar Jahrzehnte belasten können. Heute weiß man,
dass Bewegung und Sport auch für Kinder mit Gelenkrheuma gut und wichtig
sind. Aus diesem Grund zielt die Behandlung darauf ab, dies möglichst
uneingeschränkt  zu ermöglichen.

Die ganze Familie leidet mit

Die Diagnose „rheumatische Erkrankung“ verändert abrupt das Leben der
Betroffenen und ihrer Familien. Priv-Doz. Dr. Annette Jansson berichtet:
„Es ist für die Familie und das Umfeld schwer zu verstehen, dass manche
Kinder mit Gelenkrheuma wegen der typischen Morgensteifigkeit Mühe haben,
einen sehr zeitig beginnenden Schulunterricht zu besuchen. Dass sie einen
langen Schulweg oft nicht ohne Hilfsmittel bewältigen können. Dass sie
nicht mehr Treppen steigen können. Dass sie keinen gelenkbelastenden
Schulsport absolvieren können, auch wenn die Funktionen ihrer Gelenke
scheinbar unbeeinträchtigt sind“.

Als besonders gravierend erweisen sich die Behinderungen der
Bewegungsfähigkeiten. Die davon betroffenen Kinder sind auf die Hilfe der
Familie angewiesen: Sie muss oft eine Vielzahl von Fahrten organisieren –
zu Arztvorstellungen, physiotherapeutischen Behandlungen und zu
Ergotherapien, zum Heilschwimmen und zum täglichen Besuch von Kita oder
Schule. Sind beide Eltern berufstätig, dann lassen sich diese Aufgaben
kaum bewältigen. In der Regel ist es die Mutter, die diese Pflichten
erfüllen muss, zu Lasten der übrigen Familienmitglieder und damit auch der
Geschwister.

Behandlung in spezialisierten Zentren

Wegen anhaltender oder erneut auftretender Beschwerden benötigen
rheumakranke Kinder mitunter auch stationäre Therapien in spezialisierten
Zentren. Dort muss eine komplexe Behandlung durchgeführt werden. Dabei
wird unter anderem mit einer intensiven Krankengymnastik versucht, die
bereits entstandenen Fehlhaltungen und Fehlstellungen zu lösen und die
Beweglichkeit des erkrankten Kindes zu verbessern. Priv.-Doz. Dr. Annette
Jansson: „Immer häufiger beobachten wir, dass Kinder und vor allem
Jugendliche unter Schmerz-Syndromen leiden, die sie – ohne dass organische
Ursachen gefunden werden können – erheblich an ihrer sozialen Teilhabe und
Entwicklung hindern. Hierfür gibt es mittlerweile Zentren, die multimodale
Therapie-Konzepte anbieten“.

Im Vergleich zu älteren Rheumatikern haben Kinder mit Rheuma heute
deutlich bessere Heilungschancen, betont die Stiftung Kindergesundheit. Es
sei jedoch entscheidend, dass das Kinderrheuma frühzeitig erkannt und
angemessen behandelt wird. Bei fast der Hälfte der Patienten heilt
Kinderrheuma bis zum Erwachsenenalter aus.

Hier finden Sie weitere Informationen :

- www.rheuma-liga.de (Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V.)
- https://dgrh.de/Patienten.html (Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie
und Klinische Immunologie e.V.)
- www.gkjr.de/fur-patienten-und-eltern/krankheitsbilder/ (Gesellschaft
für Kinder- und Jugendrheumatologie)
- www.kinderrheuma.com/kinder-jugendrheuma/medizinische-aspekte/
(Bundesverband Kinderrheuma e.V.)
- www.kinder-rheumastiftung.de/kinderrheuma-2/ (Deutsche Kinderrheuma-
Stiftung)
- www.jungundrheuma.nrw (Deutsche Rheuma-Liga Nordrhein-Westfalen e.V)

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Mit Forschung psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen reduzieren: DZPG hat Risikofaktoren im Visier

Bis zu 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben eine
psychische Störung. Aber nicht alle Kinder sind gleichermaßen gefährdet.
Am Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) wird in vielen
Projekten speziell für Gruppen geforscht, die von Risikofaktoren betroffen
sind. Ziel ist es, früher Diagnosen zu stellen und in Deutschland ein
breites Netz an Präventions- und Hilfsangeboten für jede Altersstufe zu
schaffen.

„Psychische Erkrankungen sind eines der relevanten Gesundheitsprobleme in
Deutschland. Mit Präventionsangeboten kann ein Teil der Kinder und
Jugendlichen geschützt werden. Dafür setzt das DZPG sich mit
translationaler Forschung ein“, betont Prof. Dr. Peter Falkai,
Klinikdirektor der Psychiatrie und Psychotherapie an der LMU Klinik und
Standortsprecher des DZPG in München.

Angststörungen, hyperkinetisches Syndrom, Lernstörungen, Depressionen,
Suchterkrankungen und Essstörungen: Der Katalog der psychischen Störungen,
die Kinder und Jugendliche treffen, ist gewichtig. Werden psychische
Probleme im Kindes- und Jugendalter nicht behandelt, wirken sie oft bis
ins Erwachsenenalter. „Bei Kindern und Jugendlichen ist schon jeder fünfte
von psychischen Störungen betroffen“, so Falkai. „Bei Erwachsenen wächst
der Anteil auf jeden vierten. Damit sind seelische Erkrankungen eine der
großen Herausforderungen im Medizinbereich.“

Risikofaktor Erwachsenwerden: Mit dem Alter steigt das Risiko für
psychische Erkrankungen

Mit steigendem Alter sind Heranwachsende Stress ausgesetzt durch
Schulabschluss, Ausbildung, die Gründung eigener sozialer Verbünde und das
Finden sozialer Rollen. Aber eine Gefährdung für seelische Erkrankungen
ergibt sich nicht allein aus dem Reifeprozess. Forschungen am DZPG haben
spezielle Risikofaktoren im Blick. Falkai erklärt: „Während der Corona-
Pandemie mit Kontaktbeschränkungen, Einsamkeit und mehr häuslicher Gewalt
sind die Zahlen psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen
deutlich angestiegen.“ Den Zuwachs belegt eine Untersuchung des BKK
Dachverbands im Auftrag der Stiftung Kindergesundheit. Aus ihr geht
hervor, dass in den Pandemiejahren 2020 und 2021 besonders die 15- bis
19-jährigen weiblichen Versicherten unter psychischen Symptomen gelitten
haben. Überdurchschnittlich häufig waren demnach Angst- und
Anpassungsstörungen zu beobachten.¹ Und die nächste Krise ist längst da:
„Wir beobachten auch einen Anstieg von Posttraumatischen
Belastungsstörungen und Depressionen bei externen Stressoren wie
kriegerischen Konflikten.“

Vor der Behandlung steht die Prävention

„Zahlreiche Forschungen innerhalb des DZPG zielen hier auf Prävention“, so
Prof. Falkai. „Schon vor dem Auftreten vieler psychischer Störungen
entwickeln Betroffene erste Symptome.“ In der Praxis sehen diese ersten
Anzeichen von außen oft unspezifisch aus: „Dazu gehören Schlafstörungen,
innere Unruhe und körperliche Beschwerden wie Bauch-, Kopf- und
Rückenschmerzen. Schließlich kann diese Entwicklung fließend übergehen in
Angststörungen. Auch eine Verschlechterung der Konzentration und damit der
schulischen Leistungen ist häufig zu beobachten.“ Auch hier registrieren
Fachleute wachsende Fallzahlen: Bei Schulkindern haben potenziell
psychosomatische Beschwerden wie Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen, aber
auch Einschlafprobleme und Niedergeschlagenheit über die Jahre stark
zugenommen. Das ist ein Ergebnis der Studie Health Behaviour in School-
aged Children (HBSC) der WHO.²

Psychische Erkrankungen bei jungen Menschen verhindern

Auf diese Vor-Phase zielen die Forschungen zur Primärprävention des DZPG:
Ziel ist, die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Kinder und Jugendliche an
psychischen Störungen erkranken, zu verkleinern. Prof. Dr. Andreas Meyer-
Lindenberg, Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in
Mannheim und DZPG-Sprecher, erklärt: „Dazu gehört im ersten Schritt,
psychische Gesundheit überhaupt zu messen. Eine solche Messung wird am
Standort Bochum vom DZPG gerade mit dem Deutschen Gesundheitsbarometer
implementiert. Dafür wird regelmäßig eine repräsentative
Bevölkerungsstichprobe zu ihrem seelischen Befinden befragt. So kann man
Veränderungen – etwa während einer Wirtschaftskrise oder Pandemie – bei
der psychischen Gesundheit der Bevölkerung messen, um gegebenenfalls
Maßnahmen zu ergreifen, damit sie nicht kippt.“

Forschung für Kinder mit erhöhtem Risiko

Dabei ist das Risiko einer psychischen Erkrankung längst nicht bei allen
Kindern und Jugendlichen in Deutschland gleich hoch: „Wir kennen
Risikofaktoren, die psychische Krankheiten auslösen oder verschlechtern
können. Dazu gehört auch eine Frühgeburt“, so Falkai. Dieser Umstand wird
am DZPG-Standort Tübingen in den Fokus genommen. Dort werden die Familien
von Frühgeborenen im Rahmen eines Früherkennungsprogramms engmaschig
betreut, um mögliche Frühsymptome psychischer Erkrankungen zu erkennen und
den durch die Frühgeburt ausgelösten Stress in der Familie zu reduzieren.
Parallel wird eine große Zwillingskohorte nachverfolgt, um auch hier
Risiko- und Resilienzfaktoren zu verstehen, um Frühsymptome zu erkennen
und Interventionsmöglichkeiten anzubieten.

Aber auch im weiteren Verlauf ergeben sich Risiken. Prof. Dr. Dr. Andreas
Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie CCM an der
Charité – Universitätsmedizin Berlin und Sprecher des DZPG: „Ein Faktor
ist der sozioökonomische Status, vor allem in Hinblick auf
Zugangsbarrieren zu gesundheitlicher Versorgung, aber auch die Mental
Health Literacy: Wie viel weiß ich über seelische Gesundheit?“ Ein
besonderer Risikofaktor für psychische Störungen ist zudem das Aufwachsen
in städtischen Ballungsräumen und Arbeitslosigkeit eines oder beider
Elternteile. Auch ein Minderheitenstatus zählt zu den Risikofaktoren.
Deshalb startete ein Projekt des DZPG im Bochumer Stadtteil Wattenscheid.
Dort leben überdurchschnittlich viele Menschen in prekären Verhältnissen,
mit Migrationshintergrund oder von Arbeitslosigkeit betroffen. Das
Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit (FBZ) der
Ruhr-Universität Bochum entwickelt ein neuartiges Präventionskonzept unter
dem Motto „Urban Mental Health“ (UMH). Es bringt erstmals Wissenschaft,
Politik und Praxis zusammen, um die psychische Gesundheit von Kindern und
Jugendlichen nachhaltig zu verbessern. Das Projekt zielt auf die seelische
Gesundheit von Lehrerinnen und Lehrern, die mit gesteigerter Resilienz und
einem Curriculum für die Schülerinnen und Schüler deren „Mental Health
Literacy“, das Wissen über seelische Gesundheit, steigern sollen. Bei
Erfolg könnte es zur Blaupause für ganz Deutschland werden.

Risikofaktor psychische Probleme der Eltern

An der FU Berlin haben die Forschenden Kinder von Eltern im Fokus, die
aufgrund ihrer eigenen psychischen Belastung Schwierigkeiten im Umgang mit
ihren Kindern erleben. Das kann beispielsweise bedeuten, dass ein oder
mehrere Elternteile eine psychische Erkrankung (z.B. Depressionen oder
Angststörungen) haben oder nur eingeschränkte soziale oder finanzielle
Ressourcen vorhanden sind. Die Forschung zeigt, dass solche Belastungen
mit einem erhöhten elterlichen Stresserleben einhergehen können, was
wiederum die Kommunikation und den Umgang mit den eigenen Kindern
erschweren kann. Hier wird gerade eine App als niederschwelliges Angebot
entwickelt, das Eltern dazu befähigt, ihre eigene psychische Gesundheit zu
stärken und ein positives Erziehungsverhalten zu fördern.

Frühere Diagnosen für einen leichteren Start ins Erwachsenenleben

Aber auch an der Sekundärprävention, der Verbesserung von Therapiechancen
durch frühe Erkennung von Erkrankungen, forscht das DZPG. Falkai: „Das
DZPG evaluiert gerade Zentren für Früherkennung und Erstbehandlung von
Psychischen Erkrankungen und will hier das Informationsangebot für die
Bevölkerung verbessern.“ Das Ziel: Kinder, Jugendliche und ihre Familien
sollen als Anlaufpunkte kompetente Früherkennungszentren zur Verfügung
haben, die auf psychische Störungen spezialisiert sind. „Nur Fachleute
können Symptome, die auf eine psychische Erkrankung hinweisen, von solchen
unterscheiden, die sich im Rahmen von normalen Reifungs- und
Entwicklungsprozessen zeigen.“

Über das DZPG

Seit Mai 2023 arbeiten im Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit
(DZPG) Expertinnen und Experten daran, durch gemeinsame Forschung die
psychische Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und psychische
Erkrankungen zu entstigmatisieren. An sechs Standorten in Deutschland
wirken hierfür Forscherinnen und Kliniker gemeinsam mit Expertinnen aus
Erfahrung, also Betroffenen und ihnen Nahestehenden, sowie internationalen
Wissenschaftlern zusammen. Unter www.dzpg.org finden Interessierte
Informationen zur Organisation, zu Forschungsprojekten und Zielen sowie
informative Texte und hilfreiche Links rund um das Thema psychische
Gesundheit.

Quellen

Kindergesundheitsbericht 2023 der Stiftung Kindergesundheit:
https://www.kindergesundheit.de/Die-
Stiftung/Kindergesundheitsberichte/Kindergesundheitsbericht_digital.pdf

Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) study, WHO:
https://www.who.int/europe/initiatives/health-behaviour-in-school-aged-
children-(hbsc)-study/highlights

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„Leber gut - alles gut“: 25. Deutscher Lebertag klärt über Fettlebererkrankungen au

Die Zahl der Menschen mit Fettlebererkrankungen
wird immer größer. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass die
Verbreitung der steatotischen Lebererkrankung (SLD) – wie der neue
Klammerbegriff lautet – immer weiter zunimmt. In Deutschland ist etwa
jeder vierte Bundesbürger über 40 bereits betroffen. Experten sprechen von
epidemischen Ausmaßen. Zwei Erscheinungsformen der SLD werden als
hepatische Manifestation des Metabolischen Syndroms angesehen: MASLD und
MASH. Die Ausrichter des 25. Deutschen Lebertages am 20. November 2024,
der das Motto: „Leber gut – alles gut“ hat, informieren im Vorfeld des
bundesweiten Aktionstages über diese Volkskrankheiten.

Der Deutsche Lebertag wird von der Gastro-Liga e. V., der Deutschen
Leberhilfe e. V. und der Deutschen Leberstiftung ausgerichtet.

„Die steatotische Lebererkrankung, kurz SLD, zählt zu den am meisten
unterschätzten Gesundheitsrisiken und ist die häufigste Ursache für eine
Leberentzündung in der westlichen Welt. Die SLD kann verschiedene Ursachen
haben. Immer öfter tritt sie im Zusammenhang mit dem Metabolischen Syndrom
auf, das durch eine erworbene Fehlregulation des Stoffwechsels
charakterisiert ist. Das Metabolische Syndrom beschreibt eine Kombination
aus metabolischen und kardiovaskulären Risikofaktoren wie (Prä-)Diabetes,
Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Triglyceride und erhöhtes LDL-
Cholesterin. Auch die Metabolische dysfunktions-assoziierte steatotische
Lebererkrankung, kurz MASLD, zählt, wie es der neu eingeführte Name
beschreibt, zu den Krankheitsbildern des Metabolischen Syndroms“, erklärt
Prof. Dr. Christoph Sarrazin, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Leberhilfe e. V., und warnt vor den möglichen Folgeerkrankungen: „Wenn
sich eine im Zusammenhang mit dem Metabolischen Syndrom entstandene
Fettleber entzündet hat, spricht man von einer Metabolisch-assoziierten
Steatohepatitis, kurz MASH. Bei der MASH kann sich ein Hepatozelluläres
Karzinom (HCC) entwickeln – schon bevor eine Zirrhose vorliegt.“

Der Beginn einer MASLD verläuft in den meisten Fällen asymptomatisch,
sodass die Erkrankung häufig über Jahre oder Jahrzehnte hinweg unbemerkt
voranschreiten kann – bis die ersten Komplikationen, wie beispielsweise
die Entwicklung einer MASH, auftreten. Dies bedeutet, dass ein großes
Zeitfenster existiert, um die Erkrankung zu erkennen und therapeutisch zu
intervenieren.

Das Screening von Risikogruppen ist bereits hausärztlich möglich: Dazu
zählen Bestimmung der Leberwerte im Blut (GPT, GOT und gGT), Ultraschall-
Untersuchung und Nutzung des Fibrose 4-Scores (berechnet aus dem
Lebensalter, dem Verhältnis von GOT zu GPT im Serum und der
Thrombozytenzahl). Bei Verdachtsfällen und zur Risikoeinordnung können
Elastografie und Biopsie die Diagnostik konkretisieren.

Die Therapie der MASLD und der MASH besteht vor allem darin, die typischen
Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Adipositas zu
behandeln. Darüber hinaus ist das vorrangige Therapieziel, eine
langfristige Lebensstiländerung herbeizuführen. MASLD und MASH sind meist
ein Wohlstandsproblem der westlichen Industrienationen. Zu den
wesentlichen Ursachen zählt der moderne Lebensstil, der häufig durch zu
wenig körperliche Aktivität und ein überreiches Nahrungsangebot –
insbesondere Kohlenhydrate und Fructose – geprägt ist.

Eine gesunde Ernährung ist ein besonders wichtiger Baustein für die
Behandlung einer MASLD und auch einer MASH, die sich abhängig vom
vorliegenden Fibrosestadium der Leber prinzipiell vollständig zurückbilden
kann. Lebergesunde Ernährung ist ausgewogen und vollwertig. Eine
kohlenhydratarme Ernährung mit frischen und natürlichen Lebensmitteln, vor
allem mit frischem Gemüse, ergänzt durch Hülsenfrüchte und
Getreideprodukte ist dabei empfehlenswert. Als Fett sollten
Omega-3-Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen genutzt werden. Verzichten sollte
man auf Fertigprodukte, fettes Fleisch und Alkohol. Beim Obst sollten
zuckerarme Sorten bevorzugt werden – und Obst sollte gegessen, nicht
getrunken werden. Die vermeintlich gesunden Smoothies aus Früchten
beinhalten deutlich mehr Fruktose als man über den Verzehr von rohem Obst
zu sich nehmen würde.

Weitere wichtige Bestandteile der nicht-medikamentösen Maßnahmen sind
Sport und auch einfach mehr Bewegung im Alltag: Es gibt fast immer
alternative und gesündere Fortbewegungsmöglichkeiten, beispielsweise kann
man die Treppe anstatt den Lift wählen, mit dem Rad zur Arbeit fahren oder
zu Fuß gehen. Und im Büro kann man – wenn möglich – beim Telefonieren
herumgehen und anstatt die Kollegin anzurufen, bringt ein persönlicher
Besuch in ihrem Büro zusätzliche Bewegungseinheiten. Und für die
Joggingrunde oder den Spaziergang kann man sich verabreden, das erhöht die
Motivation und senkt die Ausfallquote.

Gegen Diabetes und Adipositas sind Therapien verfügbar, die eingesetzt
werden sollten. Für die Therapie der entzündlichen Fettleber werden
neuartige Substanzen in Studien untersucht.

Mehr Informationen zum 25. Deutschen Lebertag und alle bislang im Rahmen
des diesjährigen Deutschen Lebertages veröffentlichten Presseinformationen
finden Sie unter: http://www.lebertag.org.

Ausrichter und Ansprechpartner des 25. Deutschen Lebertages:

Deutsche Leberhilfe e. V., Prof. Dr. Christoph Sarrazin,
Vorstandsvorsitzender
Krieler Straße 100, 50935 Köln ● <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> ●
https://www.leberhilfe.org

Deutsche Leberstiftung, Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover ● <presse@deutsche-leberstiftung.de>
https://www.deutsche-leberstiftung.de

Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und
Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-
Liga) e. V., Prof. Dr. Peter R. Galle, Mitglied des Wissenschaftlichen
Beirats
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen ● <geschaeftsstelle@gastro-liga.de>
https://www.gastro-liga.de

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