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Reisen mit Sicherheit: Deutsche Leberstiftung erinnert an Hepatitis- Impfschutz für den Urlaub

„Ab in den Urlaub!“ Das sagen sich trotz Krisen und
angespannter wirtschaftlicher Lage immer mehr Deutsche. Laut der
„Reiseanalyse 2024“ der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) ist
der Trend zum Urlaub in Deutschland, der sich während der Pandemie zeigte,
vorbei: 78 Prozent der Deutschen reisten 2023 ins Ausland und der
Marktanteil bei Fernreisen lag mit neun Prozent bei einem neuen
Höchstwert. Und auch für die kommende Reisesaison erwartet die
Touristikbranche wieder eine hohe Zahl bei Auslands- und Fernreisen. Für
die Deutsche Leberstiftung ein Anlass, daran zu erinnern, dass gerade bei
Urlaubsreisen ein Impfschutz – beispielsweise gegen Hepatitis-Viren –
wichtig ist.

Egal wohin die Reise geht, ob Europa oder fernere Ziele, bei der
Urlaubsvorbereitung sollte neben der Gültigkeit des Reisepasses oder
Personalausweises auch eine Prüfung des Impfpasses erfolgen. In einigen
beliebten Urlaubsländern gibt es Gesundheitsrisiken durch
Virusinfektionen, die oftmals als ungewolltes und unbemerktes
Urlaubssouvenir von Urlaubern mit nach Hause gebracht werden. Gegen viele
dieser Virusinfektionen gibt es wirksame Schutzimpfungen. Deswegen sollte
im Vorfeld einer Auslands- oder Fernreise die Überprüfung des Impfstatus
erfolgen. Reiseimpfungen sind ein elementarer Bestandteil der
Gesundheitsvorsorge für Auslandsaufenthalte.

„Die Reise- und Impfmedizin wird immer komplexer. Darauf hat auch die
Ständige Impfkommission, kurz STIKO, reagiert und im April 2024 eine
überarbeitete Version der Empfehlungen zu Reiseimpfungen veröffentlicht.
Damit verfügt die Ärzteschaft über eine aktuelle Hilfestellung bei
reisemedizinischen Impfberatungen und Impfungen“, berichtet Prof. Dr.
Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung, und
nennt zwei unverzichtbare Reiseimpfungen zum Erhalt der Lebergesundheit,
die auch von der STIKO empfohlen werden: „Wichtig sind Reise-Impfungen
gegen Hepatitis A und B, deren Hochendemie-Gebiete fast identisch sind.
Hepatitis A ist weltweit verbreitet und gilt als eine der häufigsten
Infektionskrankheiten auf Reisen. Die Infektion kann zu einer schweren
akuten Leberentzündung (Hepatitis) führen. Die prophylaktische Impfung
gegen das Hepatitis A-Virus (HAV) ist der sicherste Schutz. Auch gegen
Hepatitis B kann eine Impfung schützen. Hepatitis B kann nicht nur zu
einer akuten Hepatitis führen, sondern auch chronisch verlaufen. Mit
Kombinations-Impfstoffen, die gegen Infektionen mit dem Hepatitis A- und
B-Virus wirken, ist die Anzahl der notwendigen Injektionen vermindert. Und
eigentlich hat man dann einen Dreifach-Schutz, denn wer gegen das
Hepatitis B-Virus (HBV) geimpft ist, baut gleichzeitig einen Schutz gegen
die Hepatitis delta auf, da eine Hepatitis delta nur mit einer Hepatitis B
vorkommen kann. Das Hepatitis delta-Virus (HDV) braucht das Hüllprotein
des HBV.“

Hepatitis A – die „klassische Reisehepatitis“

Die Hepatitis A wird als „Reisehepatitis“ bezeichnet und tritt häufig in
beliebten Urlaubsländern mit geringen Hygienestandards auf wie
beispielsweise im Mittelmeerraum, Südostasien, Afrika, Mittel- und
Südamerika sowie dem Vorderen Orient. Das HAV wird fäkal-oral übertragen,
das heißt entweder über direkten Kontakt mit Infizierten oder über
verunreinigte Nahrungsmittel. Manchmal können schon die Eiswürfel im Drink
oder das Menü mit frischen Muscheln eine Gefahrenquelle sein – das wissen
Urlauber häufig nicht. Das HAV ist froststabil und sehr lange infektiös,
es wird erst ab einer Temperatur von mindestens 80 Grad Celsius
inaktiviert. Deswegen ist alles potenziell infektiös, was nicht gekocht
ist. Darüber hinaus besteht bei bestimmten Praktiken die Gefahr einer
Ansteckung bei Sexualkontakten. Die Folge einer Infektion mit dem HAV kann
eine akute Leberentzündung sein, die oft ohne ernsthafte Komplikationen
ausheilt, aber die Leber durchaus schädigen kann. In seltenen Fällen wie
beispielsweise bei älteren oder immunsupprimierten Menschen kann Hepatitis
A auch zu einem akuten Leberversagen führen.

Hepatitis B – schon eine kleine Verletzung kann gefährlich sein

Das Risiko, sich mit dem Hepatitis B-Virus zu infizieren, besteht
weltweit. Neben der Gefahr einer akuten Hepatitis, kann die Hepatitis B
chronisch werden und in der Folge zu Leberzirrhose und Leberzellkrebs
(HCC) führen. Hepatitis B ist für etwa 50 bis 60 Prozent der
Leberzellkrebs-Fälle weltweit verantwortlich. Die meisten chronisch
Infizierten leben in Nordamerika, Australien, Zentralafrika und
Südostasien. Zu den häufigsten Ansteckungsquellen zählen unter anderem
Kontakte mit der Gefahr kleinster Hautverletzungen. Tätowierungen,
Rasuren, Ohrlochstechen oder Piercings, die unter nicht sterilen
Bedingungen durchgeführt werden, können zu einer Ansteckung führen. Auch
beim ungeschützten Geschlechtsverkehr kann das Hepatitis B-Virus
übertragen werden. Das HBV ist umweltstabil und hochansteckend, so dass
chronisch Infizierte andere anstecken können.

Hepatitis C – kein Impfschutz möglich, aber heilbar

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa 58 Millionen
Menschen weltweit chronisch mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) infiziert –
allein in Deutschland sind wahrscheinlich knapp 200.000 Menschen
betroffen. Das HCV wird fast ausschließlich über Blut-zu-Blut-Kontakte
übertragen. Unsterile Tätowiernadeln, Piercings oder Rasiermesser sind die
Haupt-Infektionsquellen. In einigen Regionen Asiens oder Afrikas tragen
mehr als fünf Prozent der Bevölkerung das Hepatitis C-Virus in sich. Gegen
das HCV steht bisher keine Schutzimpfung zur Verfügung. Zur Behandlung
dieser Virus-Variante gibt es aber hochwirksame Medikamente, die direkt in
den Vermehrungszyklus des Virus eingreifen (sogenannte DAAs – Direct
Acting Antiviral Agents). Damit kann die chronische Hepatitis C seit
einigen Jahren bei fast allen Patienten in kurzer Zeit und nahezu ohne
Nebenwirkungen geheilt werden.

Auch wer gemäß reisemedizinischer Impfberatung und anschließender
Impfungen, die für das gewählte Reiseland empfohlen werden, gut geschützt
auf die Reise geht, sollte sich trotzdem im Ausland an diese Maßnahmen
halten: In vielen Ländern sollte man kein Leitungswasser trinken und nur
gekochte oder frisch geschälte Lebensmittel zu sich nehmen. Und die
sorgfältige Händehygiene sollte noch mehr als zuhause beachtet werden.

Die Deutsche Leberstiftung bietet Kurzbroschüren über Hepatitis B, C und
delta für Betroffene und ihre Angehörigen an. Bestellmöglichkeiten und
Download auf der Serviceseite unter https://www.deutsche-leberstiftung.de

Deutsche Leberstiftung

Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung, Forschungsvernetzung und wissenschaftliche Projekte
zu verbessern. Mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung
die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher
erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet
außerdem Information und Beratung in medizinischen Fragen. Auf der Website
finden Sie umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für Betroffene,
Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter: https://www
.deutsche-leberstiftung.de.

UNSERE BUCHEMPFEHLUNGEN

„Das große Kochbuch für die Leber“ – 122 Rezepte mit allen wichtigen
Nährwertangaben; Küchentipps und Regeln für eine lebergesunde Ernährung,
September 2022. Das Buch ist im Buchhandel erhältlich: ISBN
978-3-8426-3100-7 € 28,00 [D].

„Das Leber-Buch“ informiert allgemeinverständlich und umfassend über die
Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien, 4. erweiterte und
aktualisierte Auflage September 2021 und ist im Buchhandel erhältlich:
ISBN 978-3-8426-3043-7, € 19,99 [D].

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Mut nach Diagnose: Sport stärkt MS-Patientinnen und -Patienten

Am Welttag der Multiplen Sklerose steht in diesem Jahr der Umgang mit der
Diagnose im Fokus. // Eine junge Patientin findet nach ihrer MS-Diagnose
Halt und Kraft im Rennradsport. // Am MS-Zentrum des Uniklinikums Dresden
profitieren Patientinnen und Patienten von innovativen Therapien.

Das Multiple-Sklerose-Zentrum der Klinik für Neurologie am
Universitätsklinikum Dresden will beim diesjährigen Welt-Multiple-
Sklerose-Tag am Donnerstag (30. Mai) Zuversicht bei den Betroffenen und
ihren Angehörigen vermitteln. Dabei machen sie auf die große Palette an
diagnostischen Verfahren und Therapiestrategien aufmerksam, die im
Dresdner Uniklinikum angeboten werden. Dank der interdisziplinären
Zusammenarbeit vieler Kliniken und Zentren lassen sich bei nicht wenigen
Patientinnen und Patienten Krankheitsschübe reduzieren, das Fortschreiten
der Erkrankung verzögern und in bestimmten Fällen sogar unterbinden. Denn
die Diagnose Multiple Sklerose (MS) bedeutet für die Betroffenen große
Veränderungen in ihrem Leben. Deutschlandweit leiden rund 280.000 Menschen
an der Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem das eigene zentrale
Nervensystem angreift. Der Welt-MS-Tag steht unter dem Motto: „Mit Mut und
Stärke leben lernen!“ Was hilft nach der Diagnose, woraus schöpfen
Menschen, die an MS leiden, Kraft für ein Leben mit dieser Erkrankung?
Eine Patientin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden
berichtet darüber, wie der Radsport sie fit hält und ihr Mut gibt.

Mehr als 2.000 Patientinnen und Patienten werden am Multiple-Sklerose-
Zentrum des Uniklinikums behandelt – es zählt damit zu den größten MS-
Zentren in Deutschland. Auch Lara Wolleschensky wird aufgrund einer MS-
Erkrankung behandelt, zunächst in Jena, seit 2018 am MS-Zentrum in
Dresden. Mit ersten Symptomen wie Zittern in den Händen und Krämpfen
kämpft sie bereits als 17-Jährige, vor allem in der Schule fällt das
Mitschreiben schwer, in der Freizeit wird Wandern zur Tortur. Was ihr
fehlt, können Medizinerinnen und Mediziner zunächst nicht feststellen.
Erst nach einem Jahr, im Alter von 18 Jahren, bekommt sie 2015 nach einer
Untersuchung auf MS Gewissheit. „Im Schnitt dauert es immer noch drei
Jahre, bis die Diagnose Multiple Sklerose gestellt wird“, sagt Prof. Tjalf
Ziemssen, Leiter des Zentrums für klinische Neurowissenschaften der Klinik
für Neurologie, zu dem auch das MS-Zentrum gehört. Andere entzündliche
Erkrankungen, verursacht etwa durch einen Zeckenbiss, äußern sich mit
ähnlichen Symptomen, was die Diagnose MS zusätzlich erschwere, so
Ziemssen. Lara Wolleschensky trifft die Diagnose nicht unvorbereitet,
erzählt sie. Ihr Neurologe habe sie schließlich gezielt auf MS getestet
und ihr das klar kommuniziert. „Ich bin ihm dafür sehr dankbar. Ich war
einfach froh, dass es endlich eine Erklärung für meine Symptome wie
Abgeschlagenheit und Müdigkeit gab.“ Multiple Sklerose tritt häufig in
Schüben auf. Lara Wolleschensky bekommt inzwischen ein Antikörper-
Medikament einmal monatlich per Infusion. Das reduziert das Auftreten von
Schüben. „Ganz verschwindet die Krankheit aber nicht, sie ist
allgegenwärtig“, sagt die Patientin.

Passend zum Motto des diesjährigen Welt-MS-Tages berichtet die heute
26-jährige Dresdnerin von ihrem persönlichen Umgang mit der Erkrankung und
wie sie im Sport die nötige Energie dafür gefunden hat – auch im
Patienten-Podcast, den das Dresdner MS-Zentrum regelmäßig produziert. „Ich
will anderen Menschen, die mit dieser Diagnose konfrontiert sind, Mut
machen und zeigen, dass auch mit Multipler Sklerose ein erfülltes Leben
möglich ist“, sagt Lara Wolleschensky. Der Weg dorthin war auch für die
junge Frau ein schwieriger. Bereits seit ihrer Geburt leidet sie an
Hemiparese, einer teilweisen Lähmung ihrer linken Körperhälfte, wofür
vermutlich ein Schlaganfall bei der Geburt verantwortlich ist. Von Klein
auf lebt Lara Wolleschensky mit ihrer körperlichen Beeinträchtigung, sie
kämpft sich durch, ist willensstärker als manch anderes Kind in ihrem
Alter. Ihr großer Traum: Fahrradfahren, so wie es ihre Schwester damals
tut. In ihren fahrradbegeisterten Eltern findet das Mädchen Unterstützung
– trotz ihrer körperlichen Einschränkungen beißt sie sich durch, meldet
sich später sogar für Radrennwettkämpfe an. „Ich mache den Sport aber vor
allem für mich, und nicht, um irgendjemanden etwas zu beweisen“, betont
Lara Wolleschensky.

Der Sport fordert sie, immer wieder muss sie ihr Gleichgewicht auf zwei
Rädern finden – das hält ihr Handicap zugleich unter Kontrolle. Ihr
sportlicher Weg – angefangen bei Lizenzrennen in Thüringen bis hin zur
Deutschen Meisterschaft – kann sich dennoch sehen lassen und gipfelt 2023
in der Teilnahme an einem Langstreckenrennen in Norwegen. Die 540
Kilometern lange Strecke wird zur Kraftprüfung, für die Lara Wolleschensky
viel trainieren muss. Letztlich kommt sie als zwölfte Frau nach gut 20
Stunden ins Ziel. Was der Sport für sie bedeutet? „Ich habe mich lange
versteckt mit meiner Krankheit. Im Radsport habe ich viel Zuspruch
erfahren – das hat mir Kraft gegeben.“ Heute trainiert die in Vollzeit
arbeitende Versicherungsfachfrau 15 Stunden wöchentlich auf ihrem Rad und
startet im Paracycling bei Weltcup-Rennen. „Damit verkörpert sie das Motto
des diesjährigen Welt-MS-Tages im besten Sinn und zeigt, dass man auch mit
MS besondere Dinge tun und sich Ziele setzen kann“, sagt Prof Ziemssen.

MS-Zentrum am Uniklinikum testet neuartiges Antikörper-Shuttle

Forschungsteams erzielen derzeit große Fortschritte dabei, die Ursachen
dieser entzündlichen und gleichzeitig neurodegenerativen Erkrankung zu
verstehen. „Doch noch ist nicht absehbar, wann und mit welcher Strategie
Multiple Sklerose heilbar sein wird“, sagt Prof. Tjalf Ziemssen. „Deshalb
ist es so wichtig, bereits etablierte Therapien weiter zu verbessern und
alle verfügbaren Ansätze im Sinne der Patientinnen und Patienten im Blick
zu behalten. Das ist eine verlässliche Basis, um für jeden einzelnen Fall
die beste Strategie wählen zu können“, sagt Prof. Michael Albrecht,
Medizinischer Vorstand am Uniklinikum. Seit vielen Jahren testet Prof.
Ziemssen gemeinsam mit Patientinnen und Patienten im Rahmen von weltweiten
Studien neuartige Medikamente. Eines der Medikamente transportiert als
sogenanntes Molekül-Shuttle Antikörper direkt ins Gehirn. Dort töten die
Antikörper die Abwehrzellen ab, die den eigenen Körper angreifen und
mildern somit die MS-Schübe ab.

Hier geht es zum Podcast: https://zkn.uniklinikum-dresden.de/pn/patienten-
podcast

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Menschliches Gewebe bleibt unverzichtbar – auch wenn es jetzt eine neue künstliche Augenhornhaut gibt

Patientinnen und Patienten warten hierzulande immer noch bis zu einem Jahr
auf eine neue Hornhaut, um wieder sehen zu können. Seit kurzem ist nun
auch in Deutschland eine Teilhornhaut aus Kunststoff verfügbar, die in
ausgewählten komplizierten Fällen zum Einsatz kommt. „Ein solches
Kunstimplantat ist zweifellos ein großer Fortschritt“, sagt Professor Dr.
med. Claus Cursiefen, Generalsekretär der Deutschen Ophthalmologischen
Gesellschaft e.V. (DOG). „Dennoch ist humanes Gewebe in der Regel immer
noch um Lichtjahre besser.“ Der Hornhautspezialist ruft daher zum Tag der
Organspende alle Spendewilligen auf, sich ins Organspenderegister
einzutragen oder sich einen Spenderausweis zuzulegen.

Die neue künstliche Hornhaut „EndoArt“ wurde in Israel entwickelt und ist
seit 2021 auch in Europa zugelassen. EndoArt besteht aus hydrophilem
Acrylat, einem kontaktlinsenähnlichen Material. „Diese Kunsthornhaut wird
nur bei ganz schwer erkrankten Augen eingesetzt, beispielsweise bei
komplizierten Formen des Grünen Stars mit Drainageschläuchen, bei starken
Schwellungen oder in Fällen, bei denen ein menschliches Teil-Transplantat
mehrfach abgestoßen wurde“, erläutert der DOG-Generalsekretär, der auch
als Direktor des Zentrums für Augenheilkunde der Universität Köln tätig
ist. Weil EndoArt aus Kunststoff besteht, bleiben hier
Abstoßungsreaktionen aus.

Das Kunstimplantat, berichtet Cursiefen, bewirke eine langsame
Verbesserung der Sehschärfe. „Im Vergleich zu einem Transplantat aus
humanem Gewebe erzielt die Kunsthornhaut vielleicht ein Drittel an
Sehschärfe-Verbesserung“, erläutert der DOG-Experte. Doch die Patientinnen
und Patienten, die unter hohem Leidensdruck stehen, seien zufrieden. „Ihre
Hornhaut wird klarer, auch starke Schwellungen gehen zurück“, so
Cursiefen. Implantiert wird die Kunsthornhaut wie eine Kontaktlinse, die
man an die körpereigene Hornhautinnenseite andrückt und mit einem feinen
Faden fixiert. EndoArt steht allen Versicherten zur Verfügung, die
Implantation erfolgt an spezialisierten Hornhautzentren.

In der weit überwiegenden Zahl aller Fälle bleibt jedoch humanes Gewebe
die beste Option, eine menschliche Augenhornhaut zu ersetzen. „Leider gibt
es immer noch zu wenig Hornhautspenden, und wir müssen Transplantate aus
dem Ausland beziehen“, betont Cursiefen. Vor diesem Hintergrund ruft der
DOG-Generalsekretär auf, über die eigene Spendenbereitschaft nachzudenken
und die Entscheidung – wie auch immer sie ausfällt – in das neue digitale
Organspende-Register einzutragen. „Entscheidend ist die Dokumentation der
eigenen Entscheidung zu Lebzeiten. Das macht es Angehörigen und Ärzten
später sehr viel einfacher“, betont Cursiefen. Wem ein Organspende-Ausweis
lieber ist, kann das auf der Seite ebenfalls in die Wege leiten.

Eine Hornhautspende ist ein unauffälliger und unkomplizierter Eingriff.
„Die Gewebeentnahme ist nicht entstellend und für den Laien optisch nicht
erkenntlich“, betont Cursiefen. Für eine Hornhautspende kommt fast jeder
in Frage: Sie ist bis zu 72 Stunden nach dem Tod möglich, trotz hohem
Alter und Vorerkrankungen wie Grauer Star, Hornhautverkrümmung, Weit- oder
Kurzsichtigkeit. Ihre Wirkung ist dauerhaft, denn ein Transplantat hält
heute durchschnittlich zwanzig Jahre oder mehr, und nur bei weniger als
fünf Prozent der Transplantierten kommt es – abhängig von der eingesetzten
Operationstechnik und der Ausgangssituation – innerhalb der ersten zwei
Jahre zu einer Abstoßungsreaktion.

Zudem gibt ein Transplantat öfters sogar zwei Menschen das Augenlicht
zurück, die durch Hornhauterkrankung oder Augenverletzung erblindet sind.
Möglich wird dies durch das Split-Cornea-Konzept, nach dem das gespendete
Hornhautgewebe geteilt und auf mehrere Empfangende verteilt wird.
„Hintergrund dieser Option ist die neue minimalinvasive Operationstechnik,
so dass wir nur noch den Teil der Hornhaut austauschen, der erkrankt ist,
und nicht wie früher die ganze Hornhaut“, erläutert Cursiefen.

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Statement: Weltnichtrauchertag am 31. Mai: Neustart in der Tabakpolitik notwendig

Suchtforscher Prof. Dr. Heino Stöver sieht Alternativen zum Rauchen von
Tabak

Laut der vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Studie zum
Rauchverhalten (DEBRA) konsumieren über 30 Prozent der deutschen
Bevölkerung Zigaretten. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es sogar fast 40
Prozent. Demgegenüber liegt die Quote für die Nutzung von E-Zigaretten bei
1,8 Prozent. Dennoch konzentriert sich die öffentliche Kommunikation der
Gesundheitspolitik vor allem auf eine vermeintlich hohe Verbreitung von
E-Zigaretten. Suchtforscher Prof. Dr. Heino Stöver, Leiter des Instituts
für Suchtforschung Frankfurt (ISFF) an der Frankfurt University of Applied
Sciences (Frankfurt UAS), sieht darin eine Schieflage der Debatte, die das
tatsächliche Problem ignoriere: „Angesichts dieser dramatischen Zahlen
muss das Ziel klar sein: die Menschen um jeden Preis von der Zigarette
wegzubekommen. Die üblichen Flyer und Raucher*innentelefone reichen
offensichtlich nicht aus. Was wir brauchen, ist ein pragmatischer Ansatz,
um Raucher*innen von der schädlichsten aller Konsumformen, dem Rauchen von
Tabak, wegzubekommen.“ Ob hier Kaugummis, Verhaltenstherapien oder
risikoärmere Aufnahmeformen wie Tabakerhitzer, E-Zigaretten oder
Nikotinbeutel bzw. eine Kombination unterschiedlicher Maßnahmen den
Übergang ins rauchfreie Leben ebnen, sei laut Stöver zweitrangig. „Fakt
ist, dass wir pragmatisch handeln müssen. Es muss endlich etwas passieren,
sonst stehen wir auch beim Weltnichtrauchertag 2044 noch am selben Punkt.“

Der Suchtforscher ergänzt: „Der große Wurf wird uns nicht von jetzt auf
gleich gelingen. Stattdessen braucht es viele kleine Schritte, um die
Zigarette langfristig zu besiegen. Die Strategie der Schadensminimierung
(engl. Harm Reduction) wird im Bereich der ‚harten‘ Drogen erfolgreich
angewendet und steht auch so im Koalitionsvertrag. Das heißt, den
Konsument*innen wird eine weniger schädliche Konsumform ermöglicht. Wir
sollten auch den Tabak als ‚harte‘ Droge sehen und entsprechend handeln.
Jede nicht gerauchte Zigarette ist ein Erfolg.“

Stöver weiter: „Für mich sind die schwedischen Zahlen zur geringen
Krebshäufigkeit die zentralen Parameter einer gelungenen
Tabakkontrollpolitik. Schweden ist nicht nikotinfrei, hat mit Snus – also
Oraltabak – und Nikotinbeuteln aber ein wahres Kunststück vollbracht –
nämlich ein nahezu rauchfreies Land zu werden. Die EU leistet sich aber
dennoch weiterhin eine paradoxe Tabakkontrollpolitik: Zigaretten sind
überall verfügbar, obwohl sie erwiesenermaßen bis zu zwei Drittel ihrer
langjährigen Anwender*innen töten. Ein risikoreduziertes Produkt wie Snus
aber ist, außer in Schweden, EU-weit verboten, obwohl es nachweislich das
Tabakelend lindert sowie Krankheiten und den Tod zurückdrängt. Das ist zu
eindimensional und offensichtlich seit Jahrzehnten nicht erfolgreich.“

Nur durch ein grundlegendes Umdenken nach schwedischem Vorbild könne die
Bundesregierung ihre selbstgesteckten Ziele erreichen, so der
Suchtforscher. Andernfalls bleibe 'commit to quit' für viele
Konsument*innen nur ein Wunsch, der mangels Unterstützung nicht in
Erfüllung gehe, meint Stöver.

Zum ISFF:
Das Institut für Suchtforschung (ISFF) an der Frankfurt University of
Applied Sciences wurde 1997 ins Leben gerufen von Prof. Dr. Volker Happel,
Prof. Dr. Dieter Henkel und Prof. Dr. Irmgard Vogt. Es sieht seine Aufgabe
darin, Sucht in ihren verschiedenen Erscheinungsformen sowie die mit Sucht
in Zusammenhang stehenden Probleme und Aspekte zu erforschen. Das Institut
fördert den Ausbau von interdisziplinären Beziehungen zu
Kooperationspartnern auf regionaler, nationaler, europäischer und
internationaler Ebene. Forschungsprozesse und -resultate sollen in Lehre
und Studium Berücksichtigung finden und nutzbar gemacht werden.

Seit dem Sommersemester 2009 ist Prof. Dr. Heino Stöver Professor an der
Frankfurt UAS (ehemals Fachhochschule Frankfurt am Main), Fachbereich 4 –
Soziale Arbeit und Gesundheit (Schwerpunkt Sozialwissenschaftliche
Suchtforschung). Seit 1. September 2009 ist er geschäftsführender Direktor
des ISFF.

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