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Wir brauchen einen fairen und nachhaltigen Mulitlateralismus.”

World Health Summit 2023 endet mit klaren Forderungen. In den Panels: Mehr
Sprecherinnen als Sprecher.

Der World Health Summit 2023 ist nach drei Tagen mit 370 Sprecher:innen in
63 Sessions am Nachmittag zu Ende gegangen. Rund 3.100 Teilnehmer:innen
aus 106 Ländern waren vor Ort in Berlin. Online hatte der WHS 2023 bislang
insgesamt über 12.000 Views. Hinzu kommen mehr als 60.000 Views über die
Social Media Kanäle WHO, wo die Reden von WHO-Generaldirektor Tedros auf
dem World Health Summit live gestreamt wurden.

Es gab beim WHS 2023 mehr Sprecherinnen als Sprecher: 52% Frauen, 48%
Männer. Bei den Teilnehmer:innen gaben 55% weiblich an und 44% männlich.

Bei der offiziellen Eröffnungsveranstaltung am Sonntag, den 15.10. waren
mehr als 1.500 Teilnehmer:innen vor Ort in Berlin.

Im Mittelpunkt des letzten Tages standen die zentrale
Abschlussveranstaltung des World Health Summit 2023 sowie der Klimawandel
vor allem in Bezug auf Gesundheit.

“Die Auswirkungen der dreifachen planetaren Krise aus Klimawandel,
Artensterben und Umweltverschmutzung belasten sowohl den Menschen als auch
die Umwelt”, erklärte Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt,
Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. Dies gelte
besonders für die Klimakrise, deren Folgen für die Gesundheit bereits
überall auf der Welt spürbar seien. „Deshalb ist Klimaschutz immer auch
Gesundheitsschutz“, so Lemke.

Die Forderung nach einem Aufbau klimaresistenter, kohlenstoffarmer und
nachhaltiger Gesundheitssysteme steht im Zentrum einer gemeinsamen
Erklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des World Health
Summit, dem “Statement on Green Health”: “Es liegt in unserer
Verantwortung als führende Vertreter des Gesundheitswesens auf dem World
health Summit, ein Ende des "business as usual" in Bezug auf
Klimamaßnahmen zu fordern und uns mit Entschlossenheit auf die Seite der
Gesundheit und der Gerechtigkeit zu stellen.”

Das vollständige Statement zu Green Health können Sie hier lesen:
https://www.worldhealthsummit.org/media/publications.html#c118191

Auf der zentralen Abschlussveranstaltung rief World Health Summit
Präsident Axel R. Pries zur internationalen Zusammenarbeit auf: “Die
globale Gesundheitsgemeinschaft muss eine Vorreiterrolle für
internationale Partnerschaft und Zusammenarbeit übernehmen, um die
wachsenden Herausforderungen bei der Schaffung gesunder Lebensbedingungen
weltweit zu bewältigen”.

Der Aufruf zu einem fairen und nachhaltigen Multilateralismus und zur
Verbesserung der weltweiten Gesundheitsversorgung in Zeiten des
Klimawandels sind auch die Themen der M8 Alliance Declaration zum
Abschluss des World Health Summit. Die zentralen Forderungen: “Weg von der
Fragmentierung, hin zu Kooperation und Integration,  Beseitigung der
Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Ländern, Berücksichtigung der
Bedürfnisse der am meisten gefährdeten Menschen.”

Die M8 Alliance mit 31 Mitgliedern in aller Welt ist das akademische
Rückgrat des World Health Summit.

Die gesamte Erklärung ist hier abrufbar:
https://www.worldhealthsummit.org/media/publications.html#c112246

Auf der Agenda des World Health Summit 2023 unter dem Motto “A Defining
Year for Global Health Action” (Ein wegweisendes Jahr für globale
Gesundheitsmaßnahmen) standen Themen wie Klimawandel und Gesundheit,
Pandemieprävention, digitale Technologien, die Rolle der G7 und G20 in der
globalen Gesundheit und 75 Jahre WHO.

Presseinformationen und -fotos finden Sie im Press Kit:
https://www.worldhealthsummit.org/media/presskit.html

Die Aufzeichnungen aller Sessions stehen hier zur Verfügung:
https://www.youtube.com/worldhealthsummit
Bilder können nach Absprache genutzt werden. Quelle: World Health Summit

Der World Health Summit ist die weltweit führende internationale Konferenz
zu globaler Gesundheit. Ziele des WHS sind, innovative Lösungen zur
Verbesserung der globalen Gesundheit zu entwickeln, Austausch zu fördern,
globale Gesundheit als zentrales politisches Thema zu implementieren,
sowie die globale Gesundheitsdebatte im Sinne der UN-Ziele für nachhaltige
Entwicklung (SDGs) voranzutreiben. Das Forum wurde 2009 an der Charité –
Universitätsmedizin Berlin gegründet. Der World Health Summit 2023 stand
erneut unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Olaf Scholz,
Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und dem Generaldirektor der
Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus.

World Health Summit 2023
15.-17. Oktober
Berlin, Germany & Digital
https://www.worldhealthsummit.orgSave the Date
World Health Summit 2024
13.-15. Oktober
Berlin, Germany & Digital
Twitter: @WorldHealthSmt
LinkedIn, Facebook, Instagram: @worldhealthsummit

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OP-Roboter HUGO kommt erstmals in Deutschland in der Urologie zum Einsatz

Das Universitätsklinikum Dresden nimmt High-End Operations-Roboter in
Betrieb. Der Roboter wird bundesweit erstmals in der Urologie eingesetzt
und eröffnet Chancen für Ausbildung und Recruiting. Deutschlandweit gibt
es nur vier weitere Standorte mit dieser Ausstattung.

Erstmals in Deutschland hat ein Team in der Urologie den OP-Roboter HUGO
RAS der Firma Medtronic eingesetzt. Seit dem 17. Oktober ist das High-End-
Gerät am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden im Einsatz.
Hauptsächlich kommt der Roboter in der Klinik und Poliklinik für Urologie
zum Einsatz. Zudem steht er der Klinik für Viszeral-, Thorax- und
Gefäßchirurgie des Uniklinikums zur Verfügung. In Europa gibt es aktuell
48 dieser Geräte, in Deutschland sind es insgesamt fünf, wobei hier
bislang nur viszeralchirurgisch gearbeitet wurde. Das Universitätsklinikum
Dresden komplettiert den bestehenden OP-Robotikpark um das neue Gerät und
ist damit die einzige Einrichtung in Mitteldeutschland mit dieser
Ausstattung. Die erste urologische Operation mit dem HUGO deutschlandweit
wurde nun in Dresden durchgeführt – bei dem 78-jährigen Patienten wurde
eine Prostata-Adenomenukleation bei gutartiger Prostatavergrößerung
durchgeführt. „Damit setzt die Hochschulmedizin Dresden erneut Akzente –
in der Medizin, der Forschung und der Ausbildung“, sagt Prof. Michael
Albrecht, Medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum Dresden.

Mit dem OP-Roboter HUGO vervollkommnet das Universitätsklinikum Dresden
sein Robotik-Armamentarium: Bislang sind am Klinikum drei Da-Vinci-OP-
Roboter im Einsatz – zwei in der klinischen Versorgung und einer für
wissenschaftliche Projekte. Mit dem HUGO steht nun eine völlig neue und
hochentwickelte Komponente zur Verfügung. „Unsere Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter aus der Medizin und der Pflege können somit mit zwei
verschiedenen Geräten arbeiten, damit lernen und sich weiterbilden“, sagt
Frank Ohi, Kaufmännischer Vorstand des Uniklinikums. „Dies ist ein enormer
Vorteil, wenn es darum geht, Mitarbeitende für uns zu gewinnen.“ Neben dem
klinischen Einsatz wird das Gerät zudem wissenschaftlich eingesetzt.
Patientinnen und Patienten können entsprechend in Studien eingeschlossen
und behandelt werden. „Die gleichzeitige Verfügbarkeit der beiden
anspruchsvollsten und am höchsten entwickelten chirurgischen
Robotiksysteme bietet der Dresdner Hochschulmedizin die einzigartige
Möglichkeit, wissenschaftliche Fragestellungen in Bezug auf onkologische
Ergebnisse, anatomischen Funktionserhalt, ökonomische Aspekte und
Herausforderungen an das medizinische Personal zwischen beiden Systemen
prospektiv zu untersuchen“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer
Vorstand des Uniklinikums.

„Neben der interdisziplinären nationalen und internationalen Vernetzung
exzellenter Fachexpertinnen und -experten sowie der engen Zusammenarbeit
von Medizinischer Fakultät und Universitätsklinikum wird die Nutzung
neuester Technologien immer wichtiger, um das Spitzenniveau in der
onkologischen Forschung auszubauen.  Die Vielfalt innovativer
Therapiemethoden bietet einen entscheidenden Standortvorteil, nicht nur
für die Krankenversorgung, sondern auch für Forschung und Lehre sowie die
Aus-, Fort- und Weiterbildung sowohl des ärztlichen als auch des
pflegerischen Personals. Das neue Robotersystem bringt die Dresdner
Hochschulmedizin auf ein neues chirurgisches Level“, sagt Sachsens
Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow.

Für die Patientinnen und Patienten bringt das multiplattformelle Angebot
ebenfalls Vorteile. Je nach individuellem Befund sowie der Lage des
Operationsfeldes im Körper können die OP-Teams zwischen den beiden
Systemen wählen. Der HUGO verfügt über vier sehr individuell einstellbare
Arme und eine offene Konsole. Die Arbeit des Operateurs oder der
Operateurin rückt damit wieder enger in die Mitte des Teams. Das Gerät
gewährleistet zudem eine bessere Sicht auf die Gesamtszenerie im OP. Zum
Vergleich: Die vier Arme des OP-Roboters Da Vinci werden über eine separat
stehende Konsole abseits des OP-Tisches bedient. Beide Systeme ermöglichen
minimalinvasive und damit schonende Eingriffe. Für den OP-Roboter HUGO von
der Firma Medtronic belaufen sich die Investitionen auf ca. 1,7 Millionen
Euro. Für das am Dresdner Universitätsklinikum implementierte Gerät werden
Förderungen über die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG beantragt.

„Die robotische Diversität an einem Standort ermöglicht es uns, unsere
Expertise auszubauen. Wir wollen künftig Trainings im Umgang mit dem HUGO
anbieten und forschen zudem daran, Künstliche Intelligenz beim Einsatz zu
integrieren“, sagt Prof. Christian Thomas, Direktor der Klinik und
Poliklinik für Urologie. „Robotic diversity am Universitätsklinikum soll
dafür sorgen, dass die moderne minimalinvasive Chirurgie in Zukunft nicht
automatisch mit einem Hersteller in Verbindung gebracht wird. Das OP-Team
rückt damit wieder mehr in den Vordergrund, was hauptentscheidend für das
Wohlergehen der Patientinnen und Patienten ist.“ „Auch in der Viszeral-,
Thorax- und Gefäßchirurgie ist es wichtig, dass Medizinerinnen und
Mediziner mit mehreren Systemen operieren können. Für uns und unsere
Mitarbeitenden ist der HUGO eine enorme Bereicherung, die nicht zuletzt
den Patientinnen und Patienten zugutekommt“, ergänzt Prof. Jürgen Weitz,
Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am
Universitätsklinikum Dresden.

Kongress thematisiert Herausforderungen in der roboterassistierten
Urologie
Die ersten Erfahrungen bei der Arbeit mit dem HUGO werden die
Medizinerinnen und Mediziner auf einem Fach-Kongress teilen. Das 13.
Symposium der Deutschen Gesellschaft für Roboterassistierte Urologie e.V.
(DRUS) findet am 16. und 17. November in Dresden unter wissenschaftlicher
Leitung von Prof. Christian Thomas statt. Themen sind Robotische Systeme
2023, Navigierte Chirurgie, Künstliche Intelligenz, Robotische
Uroonkologie, Rekonstruktive Robotik, Robotische Salvage-Chirurgie sowie
das Hands-On-Training für Pflegenden, Assistenzärztinnen und -ärzte. Bis
zu 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden erwartet.
https://dgru.de/

Über den OP-Roboter HUGO RAS
Der OP-Roboter HUGO der Firma Medtronic ermöglicht über eine offene
Konsole eine hochauflösende 3D-Sicht ohne das Situationsbewusstsein
während der Operation zu beeinträchtigen. Über den Controller können
Operateure und Operateurinnen Instrumente an vier Armen in einer Vielzahl
von Skalen steuern. Das interaktive Display bietet eine hochauflösende
Ansicht des Operationsfeldes, während zusätzliche Videoausgänge den
Anschluss an ein bestehendes OP-Anzeigesystem ermöglichen. Bisher kommt
der Roboter hauptsächlich in der Viszeralchirurgie sowie in der Urologie
zum Einsatz. Medizinerinnen und Medizinern steht damit eine neue
Generation moderner OP-Roboter zur Verfügung.

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Bochum. KfH-Nierenzentrum Bochum-Riemke Ernährungssprechstunde im Oktober für Nierenkranke

Das KfH-Nierenzentrum Bochum-Riemke bietet am 24. und 26. Oktober 2023 jeweils von 9.00 bis 14.00 Uhr spezielle Ernährungssprechstunden für Patientinnen und Patienten in den verschiedenen Stadien einer Nierenerkrankung an.

 

Neu-Isenburg/Bochum, 16.10.2023. Eine individuell angepasste Ernährung spielt bei der Behandlung von Nierenerkrankungen eine besondere Rolle und kann sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. „Dieses Wissen um den starken Einfluss der Ernährung sollte in allen Phasen einer Nierenerkrankung optimal genutzt werden“, betont Dr. med. Dirk Rattensperger, leitender Arzt des KfH-Nierenzentrums Bochum-Riemke. „Um Patientinnen und Patienten hierbei zu unterstützen, bieten wir im Oktober in unserer nephrologischen Sprechstunde spezielle Ernährungssprechstunden für Patientinnen und Patienten in den verschiedenen Stadien einer Nierenerkrankung an“, ergänzt seine Kollegin Annegret Thurner. Wichtig: Individuelle Terminvereinbarungen sind unter Telefon 01525 55204397 erforderlich.

 

Tipps und Tricks für den Alltag und leckere Rezepte finden sich auch in der für Dialysepatientinnen und -patienten vom KfH erstellten Broschüre „Gesund genießen. Gut leben“. Darüber hinaus gibt es in jeder Ausgabe des KfH-Patientenmagazin „aspekte“ Rezepte zum Nachkochen inkl. Warenkunde. Beides steht zum Download auf www.kfh.de/infomaterial/patientenratgeber bzw. www.kfh.de/infomaterial/patientenmagazin zur Verfügung.

 

Hintergrundinformation:

Im KfH‐Nierenzentrum Bochum-Riemke werden Patientinnen und Patienten umfassend nephrologisch behandelt: In der nephrologischen Sprechstunde steht die Prävention und Früherkennung chronischer Nierenfunktionsstörungen sowie möglicher Folgeerkrankungen an erster Stelle. Auch die kontinuierliche Nachbetreuung nach einer Nierentransplantation erfolgt im Rahmen der nephrologischen Sprechstunde. Darüber hinaus werden chronisch nierenkranken Patientinnen und Patienten alle Dialyseverfahren angeboten: Mit der Peritoneal‐ und der Hämodialyse stehen dabei zwei grundsätzlich gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten zur Wahl.

(www.kfh.de/bochum/cruismannstrasse)

 

Das gemeinnützige KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. – Träger des KfH-Nierenzentrums – wurde 1969 gegründet und schuf damals die notwendigen Voraussetzungen, um schrittweise eine flächendeckende Dialysebehandlung in Deutschland zu etablieren. Heute steht das KfH für eine umfassende und qualitativ hochwertige Versorgung nierenkranker Patientinnen und Patienten. In mehr als 200 KfH‐Zentren werden über 18.000 Dialysepatientinnen und -patienten sowie aktuell mehr als 70.000 Sprechstundenpatientinnen und -patienten umfassend behandelt.

 

Mit freundlichen Grüßen

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Viren als zielgerichtete Therapeutika

Viren gelten als wichtige Werkzeuge zur Entwicklung neuer Therapeutika
gegen Krebs- und Erbkrankheiten. Das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für
Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB erhält rund 25 Millionen Euro
aus Landesmitteln, um in den nächsten fünf Jahren eine Außenstelle »Virus-
basierte Therapien« in Biberach aufzubauen. Dort will IGB-Virusforscherin
Susanne Bailer mit ihrem Team neue Technologien zur Herstellung und
Testung viraler Therapeutika entwickeln. Am 12. Oktober 2023 nahm das
Fraunhofer IGB den Zuwendungsbescheid des baden-württembergischen
Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus entgegen.

Virale Therapeutika gelten als Hoffnungsträger für die Medizin, um bisher
nicht behandelbare Krankheiten, etwa Erbkrankheiten oder Krebs, zu lindern
oder gar zu heilen. Viren bestehen aus Erbgut, das in einer Hülle aus
Proteinen und Lipiden verpackt ist. Mithilfe biotechnologischer Methoden
können sie zu neuen Therapeutika umgebaut werden.

»Die Fähigkeit von Viren, Zellen spezifisch zu erkennen, in sie
einzudringen und ihr Erbgut stabil zu verankern, prädestiniert sie als
Werkzeug, um zielgerichtet genetische Information zu übertragen«, weiß
Professorin Dr. Susanne Bailer, die am Fraunhofer-Institut für
Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB das Innovationsfeld »Virus-
basierte Technologien« und zukünftig auch die neue Außenstelle leitet.
Anders als die Vielzahl herkömmlicher Medikamente sind therapeutische
Viren äußerst komplexe kleinste Partikel, die biotechnologisch in lebenden
Zellen hergestellt werden. Um sie in die klinische Anwendung beim
Patienten bringen zu können, müssen zunächst geeignete Virus-Plattformen
aufgebaut und neue Verfahren für die präklinische Prüfung und ihre
Herstellung im größeren Maßstab entwickelt werden.

Genau das ist Ziel der jüngst bewilligten Außenstelle »Virus-basierte
Therapien VBT« des Fraunhofer IGB, das mit Landesmitteln am Standort
Biberach in der Region Oberschwaben / Biberach / Ulm aufgebaut werden soll
und nun startet. Am 12. Oktober 2023 erhielt das Fraunhofer IGB den
Zuwendungsbescheid des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus
Baden-Württemberg über rund 25 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf
Jahren.

Bei der Übergabe des Förderbescheids hob Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut,
Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, die hohe Bedeutung der
Förderung für den Pharmastandort Baden-Württemberg und die Kompetenz des
Fraunhofer IGB in diesem Forschungsfeld hervor: »Viele große und namhafte
Pharmaunternehmen investieren derzeit massiv auf dem Feld der
therapeutischen Viren. Durch die Stärkung der wirtschaftsnahen Forschung
auf diesem Gebiet besteht die Chance, Forschung und Produktion in diesem
zukunftsträchtigen Bereich in Baden-Württemberg anzusiedeln. Mit seiner
Expertise in der Virenforschung ist das Fraunhofer IGB der ideale Partner,
um die Unternehmen bei der Weiterentwicklung viraler Therapien zu
unterstützen. Davon werden nicht nur die Unternehmen und die Pharmaregion
zwischen Ulm und Bodensee profitieren, sondern der gesamte Pharmastandort
Baden-Württemberg.«

»Mit dieser Förderung können wir ein kompetentes Team aus Wissenschaftlern
und Technikern aufstellen und Investitionen zur gerätetechnischen
Erstausstattung finanzieren«, erläutert Dr. Markus Wolperdinger,
Institutsleiter am Fraunhofer IGB. Bereits am 20. Juni 2023 hatte der
Ministerrat in Stuttgart den Beschluss zum Aufbau der Außenstelle
verabschiedet. Am 6. Juli stimmte der Finanzausschuss des Landtags Baden-
Württemberg dem Kabinettsbeschluss zu.

Grundlagenforschung, industrielle Anwendung und Translation in die Klinik
verzahnen

»Die Außenstelle Virus-basierte Therapien soll innerhalb der kommenden
Jahre die Grundlagen schaffen, um die neuen Technologien der viralen
Therapeutika im Schulterschluss von Forschung und industrieller Anwendung
bis zum Patienten voranzubringen«, so Professor Dr. Steffen Rupp,
Koordinator des Geschäftsfelds Gesundheit am Fraunhofer IGB.

Standort der neuen Außenstelle wird die Region um das BioPharma Cluster
South Germany, das von Ulm über Laupheim, Biberach und Ravensburg bis zum
Bodensee reicht. Weltweit führende Pharma-Unternehmen sind hier ebenso
zuhause wie die Universität Ulm und die Hochschule Biberach.

»Aktuell gibt es erste Aktivitäten in Biberach, im nächsten Schritt suchen
wir nun nach geeigneten Laborräumen«, verrät Bailer, die die neue
Außenstelle leitet. Zusammen mit akademischen und industriellen Akteuren
des BioPharma Cluster South Germany werden gerade erste konkrete Projekte
identifiziert. Damit sollen die Aktivitäten zu viralen Therapeutika
strategisch vorangetrieben und die VBT-Außenstelle in der Region von
Anfang an unterstützt werden.

Bailer, die seit mehr als 20 Jahren an Herpesviren forscht, baute am
Fraunhofer IGB ein neues Feld der Fraunhofer-weiten Gesundheitsforschung
auf. »Gemeinsam ist es uns gelungen, eine Fraunhofer-eigene patentierte
Virustechnologie-Plattform zu etablieren, mit der wir Herpesviren für
therapeutische Zwecke umprogrammieren können«, so die Forscherin.

Therapeutische Viren gegen Krebs und Erbkrankheiten

Unter Einsatz eben dieser Plattformtechnologie hat das Team bereits ein
onkolytisch – gezielt gegen Krebs – wirkendes Virus hergestellt, das nach
weiteren Entwicklungsschritten zur Therapie des nicht-kleinzelligen
Lungenkarzinoms eingesetzt werden kann. »Wir haben hierfür Herpesviren so
umprogrammiert, dass sie nur die Zellen des Lungentumors entern können«,
erläutert Bailer den Ansatz. Werden die onkolytischen Viren in den Tumor
injiziert, dringen sie in die Krebszellen ein, vermehren sich in ihnen und
zerstören die Krebszellen. Hierbei werden die onkolytischen Viren
freigesetzt, um weitere Tumorzellen zu attackieren. »Dadurch wird im Tumor
eine massive Entzündungsreaktion in Gang gesetzt, sodass ›kalte‹, das
heißt dem Immunsystem bisher unzugängliche Tumore, in ›heiße‹ verwandelt
und so durch das Immunsystem angreifbar werden«, führt die Virus-Expertin
aus.

Bei der Zerstörung der Tumorzelle werden nicht nur die onkolytischen
Viren, sondern auch tumorspezifische Proteine, sogenannte Tumormarker,
freigesetzt. »Das körpereigene Immunsystem, das den Tumor oft nur
ungenügend bekämpfen kann, wird dadurch gezielt darauf getrimmt, diese
Krebszellen zu zerstören«, erklärt Bailer den als Tumorvakzinierung
bekannten Effekt. Doch damit nicht genug. »Diesen Effekt können wir noch
verstärken, indem wir den onkolytischen Viren Immunmodulatoren
einprogrammieren, welche die Immunreaktion zusätzlich unterstützen«, so
Bailer. Derzeit stehen vielversprechende Kombinationstherapien der
onkolytischen Viren mit gut charakterisierten Immunstimulatoren, den
sogenannten Immun-Checkpoint-Inhibitoren, im Fokus.

Dabei ist Krebs ist nicht die einzige Erkrankung, bei der Virotherapien
Chancen eröffnen. Umprogrammierte Viren eignen sich ebenso als
spezifisches Werkzeug für die Gentherapie. Diese ist besonders bei erblich
bedingten Erkrankungen erfolgversprechend, bei denen ein einzelnes Gen
fehlt oder fehlerhaft vorliegt. Durch Einschleusen eines funktionsfähigen
therapeutischen Gens kann der Gendefekt oft korrigiert werden. »Virale
Vektoren können therapeutische Gene stabil in der Zelle verankern und
damit langanhaltende Effekte für den Patienten erzielen«, ist Bailer
überzeugt.

Neue Schlüsseltechnologien für Engineering, Produktion und Testung
therapeutischer Viren

Damit die komplexen Virustherapeutika regulatorische Hürden bei der
Zulassung überwinden und sich auf dem Gesundheitsmarkt auch wirtschaftlich
durchsetzen können, muss noch an zahlreichen wissenschaftlichen Grundlagen
gefeilt und an technologischen Stellschrauben gedreht werden. »Nur mit
neuesten Technologien können wir sichere therapeutische Virusprodukte in
ausreichender Menge und gleichbleibender Qualität in Bezug auf
Funktionalität, Effektivität und Reinheit bereitstellen«, so Bailer.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der neuen
Forschungseinheit haben somit vielfältigen Fragestellungen nachzugehen. So
gilt es, vorhandene Virus-Plattformen zu verbessern oder gegebenenfalls
neu aufzusetzen und im gleichen Zuge passende Analysen zu entwickeln, um
die Virus-Konstrukte in puncto Spezifität, Wirksamkeit, Sicherheit und
Stabilität untersuchen und weiter optimieren zu können. Für die Produktion
schließlich sind neue und spezifische Zelllinien erforderlich, die sich
prozesstechnisch möglichst einfach in üblichen Bioreaktoren kultivieren
lassen, ebenso wie Verfahren zur Überwachung der Virusproduktion in
Echtzeit und eine datengestützte Prozesssteuerung. »Da therapeutische
Viren größer und komplexer sind als herkömmliche Pharmawirkstoffe und sich
je nach eingesetztem Virus mitunter stark voneinander unterscheiden,
müssen wir zudem Trennverfahren für die Aufreinigung der Virusprodukte neu
denken«, verdeutlicht Bailer.

Um die Entwicklung neuer Virustherapeutika bis zur Translation in die
Klinik abdecken zu können, ist somit Teamwork verschiedener Disziplinen
gefragt. »Im BioPharma Cluster South Germany haben wir bereits exzellente
Partner identifiziert, mit denen wir hierzu zusammenarbeiten werden«, so
die Leiterin der neuen Außenstelle.

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