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Im Walzertakt ins neue Jahr, KKL Luzern, 1. Januar 2020 besucht von Léonard Wüst

Solist Violine Vadim Gluzman Foto Marco Borggreve
Solist Violine Vadim Gluzman Foto Marco Borggreve

Besetzung und Programm:

Luzerner Sinfonieorchester
James Gaffigan, Leitung
Vadim Gluzman, Violine

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Marsch für Militärmusik Nr. 2 C-Dur «Zapfenstreich»
Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61

Johann Strauss II (1825 – 1899)
Ouvertüre zur Operette «Die Fledermaus»
«Seid umschlungen, Millionen», Walzer op. 443
«An der schönen blauen Donau», Walzer op. 314
«Unter Donner und Blitz», Polka op. 324

Johannes Brahms (1833 – 1897)
Ungarischer Tanz Nr. 1 G-Dur
Ungarischer Tanz Nr. 4 fis-Moll

 

Rezension:

Luzerner Sinfonieorchester
Luzerner Sinfonieorchester

Dass Beethoven musikalische Schlachtengemälde durchaus liebte, demonstrierte er mit «Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria». Auch seine Militärmärsche gehören in diese musikalische Kategorie. Und sogar sein einzigartiges Violinkonzert eröffnete Beethoven mit einem Instrument, das sich vorzüglich für Märsche eignet – nämlich mit der Solopauke, die zumindest im ersten Satz immer wieder eine wichtige Rolle spielt. Sonst aber herrscht hier pures Melos: Wohl in keinem anderen Werk verwöhnt Beethoven das Ohr des geneigten Musikfreundes mit einem derart opulenten Melodienreichtum. Nach der Konzertpause heisst es dann: alles Walzer. Von Wiener Walzermelodien, aber auch von Brahms’ Ungarischen Tänzen geht eine besondere Anziehungskraft aus – eine melancholische Aura von nostalgischer Zartbittersüsse. Walzerklänge locken und verführen, und sie künden insgeheim von kleinen, süssen Herzensgeschichten, von schüchternem Werben und heimlichen Neigungen, von schwärmerischem Glücksgefühl und verstohlener Wehmut. Ausgelassener Scherz und stiller Schmerz, leidenschaftlicher Frohsinn und federleichte Trauer gehen hier sozusagen eng umschlungen Hand in Hand.

Mix aus zwei Reminiszenzen

Es liegt nahe, dass einerseits der heuer zu feiernde 250ste Geburtstag Beethovens und andrerseits die weltweite Beachtung, das kulturelle Neujahrs TV Ereignis schlechthin, das alljährliche Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Saal des Musikvereins in der österreichischen Hauptstadt, die Programmierung bestimmt haben. Beethoven im Jahr 2020 fast ein must, Walzer andererseits, weltweit eine never ending Erfolgsstory, besonders zum Jahresanfang als publikumswirksame Absicherung? Andererseits haben sich die Luzerner in den letzten Jahren jeweils, mit Erfolg,  deutlich von den Wienern abgegrenzt mit ihren Neujahrsprogrammen. Sei es, wie z.B. letztes Jahr mit Rossini, 2017 mit Gershwin usw.

1. Konzertteil mit Beethovens Violinkonzert

James Gaffigan Dirigent
James Gaffigan Dirigent

Beethovens Violinkonzert, uraufgeführt 1806, war völlig neuartig für seine Zeit. Es hat einen Umfang, wie noch kein Violinkonzert davor. Anfangs verurteilten die Kritiker das Werk. Seinen verdienten Durchbruch erlebte es, nachdem Joseph Joachim es als Dreizehnjähriger 1844 unter der Leitung von Felix Mendelssohn in London gespielt hatte. Seither hat es seinen festen Platz im Konzertrepertoire. Obwohl das einzige Violinkonzert Beethovens und von allen grossen Violinisten geschätzt, ja geliebt, wird es dennoch recht selten programmiert.

Der erste Satz entspricht der Sonatensatzform. Vier leise Paukenschläge, gefolgt von der Vorstellung des Hauptthemas durch die Holzbläser, leiten den Satz ein, dessen liedhaftes und doch majestätisches Hauptthema eine lyrische Stimmung verbreitet. Das Paukenmotiv kehrt an mehreren Stellen des Satzes wieder. Die Solovioline setzt erst nach der Vorstellung der beiden Hauptthemen und einer etwa dreiminütigen Orchesterpassage ein.

Solist Violine Vadim Gluzman Foto Marco Borggreve
Solist Violine Vadim Gluzman Foto Marco Borggreve

Für den 2. Satz, das Larghetto machen Leibowitz und Kolisch in ihrem“ Dialoge über Aufführungsfragen bei „Beethoven“ einen Andante-Charakter geltend, dessen Bewegungsform sich ebenfalls in Halben artikuliere. Aufgrund des charakteristischen Motivs aus Viertelnote mit angebundenem Achtel ordnet Kolisch diesen Satz dem Typ ›Adagio alla breve‹ zu. In Partitur und Stimmensatz trägt Leibowitz die Alla-breve-Vorschrift nach. Der Metronomwert= 30 wird aus den von Beethoven gemachten Metronomangaben(= 60) für die langsamen Sätze des Streichquartetts op. 59,2 und der Neunten Sinfonie abgeleitet. Vorurteilsfrei und leidenschaftlich hat sich hier Gluzman für einen Weg entschieden, der die technischen Herausforderungen zum Strahlen bringt. Er demonstriert, auch und Dank dem kongenialen  Zusammenspiel mit dem grossartigen Orchester, emotionale Überzeugtheit, ohne je sentimental oder selbstgefällig zu werden. Den dritten Satz spielt der Solist so klar und zugleich so verwegen und hingebungsvoll wie kaum ein anderer in neuerer Zeit. Kenntnisreich und leidenschaftlich Gluzman geht mit nicht weniger Ernst zur Sache als andere Interpreten. Aber um wie vieles leichter, quasi dem Himmel näher wirkt seine Darbietung, wie viel tiefer in die Musiksubstanz aus Artikulation, Tongebung und Phrasierung dringt er ein. Gluzman ist bedingungslos virtuos. Sein Können stellt er ganz in den Dienst von Beethovens wundervollem Bewegungsdrang, heißblütig spielend und präzis kalkulierend. Das Orchester ist in der Größe ideal besetzt und ausbalanciert. Unter Leitung seines Chefs, James Gaffigan, hält es ohne Mühe mit. Kenntnisreich, unbelastet und engagiert hat sich Guzman für einen Weg entschieden, der die technischen Herausforderungen zum Strahlen bringt. Ein stürmischer, langanhaltender Applaus belohnte die Protagonisten für diesen Ohrenschmaus und schlussendlich gewährte uns der Solist noch die Gavotte aus der E-Dur-Partita von Bach als Zugabe.

2. Konzertteil alles Walzer, zumindest fast

Neujahrskonzert ganz ohne Walzer, davon rückten die Luzerner für einmal ab, ergänzten das Set aber noch passend  mit zwei ungarischen Tänzen von Brahms, kannten und mochten sich doch diese beiden Komponisten sehr gut. Schon brauste eine Fledermaus durch den Konzertsaal und zwar in Form der Ouvertüre aus der gleichnamigen Strauss Operette, welche mit rasantem Drive und packendem Rhythmus fulminant den „Wiener Teil“ des Konzertes einläutete. Ebenso überzeugend kamen dann die übrigen Werke von ­Johann Strauss II, der eher sanfte Walzer «Seid umschlungen Millionen», die rasante Polka «Unter Blitz und Donner» und natürlich der Walzer der Walzer «An der schönen blauen Donau».

Gaffigan schöpfte grosszügig aus dem Vollen, liess sein Orchester fast zügellos laufen, ja galoppieren in das neue Jahr. Die zugegebene „Tritsch-Tratsch-Polka“ hob den Stimmungspegel noch mehr und fast logisch dann noch, wie in Wien alle Jahre wieder, der das Konzert abschliessende, schlicht unvermeidliche «Radetzky-­Marsch»,-bei dem das Mitklatschritual noch nicht ganz dem Wiener Original entsprach, aber Innerschweizer sind ja bekanntlich schnell lernfähig und bis ganz am Ende, nachdem Gaffigan den Dirigentenstab noch an den Fagottisten abgetreten hatte und selber mitklatschte, ja fast mittanzte, passte fast alles. Der Applaussturm und die Bravorufe sowie auch die vielen strahlenden Gesichter im KKL gaben den Programmveranwortlichen Recht

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home und

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ZKO, Silvesterkonzert 2019 mit Vesselina Kasarova und Richard Galliano, KKL Luzern, besucht von Léonard Wüst

Zürcher Kammerorchester Foto Sandro Diener
Zürcher Kammerorchester Foto Sandro Diener

Programm und Besetzung:
Jacques Offenbach Barcarolle aus «Hoffmanns Erzählungen»
Stefano Donaudy O del mio amato ben
Astor Piazzolla Oblivion
Richard Galliano La Valse à Margaux
Gerardo Matos Rodríguez La Cumparsita
Traditionell Vokaliza
Richard Galliano Aria
Astor Piazzolla Otono Porteno
Gioachino Rossini La Danza
Gioachino Rossini Canzonetta spagnuola
Astor Piazzolla Libertango
Richard Galliano Allegro Energico aus «Opale Concerto»
Astor Piazzolla Melodía en La Menor
Eduardo Di Capua Vieni sul mar
Francesco Paolo Tosti Marechiare

Vesselina Kasarova (Mezzosopran)
Richard Galliano (Akkordeon)
Willi Zimmermann (Konzertmeister)
Zürcher Kammerorchester

Rezension:

Vesselina Kasarova Foto Suzanne Schwiertz
Vesselina Kasarova Foto Suzanne Schwiertz

Eine Grande Dame der Opernszene und der Erfinder einer neuen Tango-Stilrichtung: An Silvester begeisterten die, in Zollikon am Zürichsee lebende bulgarisch – schweizerische Doppelbürgerin, Mezzosopranistin Vesselina Kasarova und der französische Akkordeonist Richard Galliano musikalisch das Publikum im sehr gut besetzten Konzertsaal des KKL in Luzern. Gemeinsam mit dem Zürcher Kammerorchester wurden Musikstücke aus unterschiedlichen Genres zu einem stimmungsvollen Ganzen zusammengetragen – von der grossen Oper über den argentinischen Tango bis zum neapolitanischen Volkslied. Galliano, der seine Karriere erst mit dem Musettegenre lancierte, dann über den Gypsie Jazz im Stile eines Django Reinhardt, über den Tango argentino, zu eigenen aussergewöhnlichen Projekten fand, ist heute in fast allen Sparten der Musik zuhause und ein gern gesehener Gast bei Konzerten bedeutender Musiker*innen und/oder Orchestern. Also bot das Zürcher Kammerorchester auch dieses Jahr wieder ein spezielles Konzert zum Jahresabschluss, wie man sich das schon seit Jahren gewohnt ist. Und wie immer herrschte auf der Bühne eine aufgeräumte Stimmung, da scherzte der Konzertmeister schon mal mit den Solisten oder machte eine launische, von Lachen quittierte Bemerkung in Richtung seiner Mitmusiker. Dies aber ohne je die Konzentration auf die eigentliche Aufgabe, das Musizieren, zu vernachlässigen. Auch mit der Mezzosopranistin hat es was Besonderes auf sich. Vor fünf  Jahren sprang Vesselina Kasarova am Silvesterkonzert des ZKO in Luzern für die vorgesehene, aber plötzlich erkrankte, Elina Garanca kurzfristig ein. Zuerst entführte uns die Mezzosopranistin ins Paris der beginnenden „Belle Epoque“ mit Jacques Offenbach`s Barcarolle aus «Hoffmanns Erzählungen» worauf sie „O del mio amato ben“ von Stefano Donaudy mit ihrem dunklen Mezzo intonierte. Unterstützt wurde sie vom tadellosen Orchester und auch Galliano liess es sich nicht nehmen, seine Solistenkollegin mit dem Akkordeon zu supportieren.

Akkordeonspiel auf höchstem Niveau

Akkordeonist Richard Galliano Foto Vincent Catala
Akkordeonist Richard Galliano Foto Vincent Catala

Während bei uns die Handorgel mehr als Begleitinstrument für Gesang, z.B. beim Jodeln usw. wahrgenommen wird und, Ausnahme Schwyzerörgeli, als Soloinstrument eher ein Schattendasein fristet, ist dieses in Frankreich in der typischen Musettemusik, in Italien für die Tarantella und natürlich beim Tango in Argentinien, dort meist in Form des ähnlichen Bandoneons, schlicht nicht wegzudenken und prägt grosse Teile der Musiktradition einiger Länder und/oder Ethnien, wie man auf dem Balkan unschwer feststellen kann. Wie das dann tönt, demonstrierte der französische Meister des „Schifferklaviers“ im Folgenden mit zwei Tangos und seiner Eigenkomposition der „Valse a Margaux“. Dann war Raum für ein Instrumentalwerk durch das Orchester, bevor Galliano mit seiner Eigenkomposition „Aria“ die Bühne zurückeroberte.

Start in den 2. Konzertteil mit Bizet statt Rossini

Willi Zimmermann (Konzertmeister)
Willi Zimmermann (Konzertmeister)

Es ging munter weiter mit den Programmänderungen, fast wurde es ein Ratespiel, oder war es etwa gar ein versteckter Wissenstest des immer verschmitzt grinsenden Konzertmeisters Willi Zimmermann, der uns mit Bizets Arie „Habanera“ aus „Carmen“ in die Falle locken wollte, die er uns statt Gioachino Rossinis „La Danza“ auftischte? Ein bisschen zu einfach wär das wohl schon gewesen, selbst für Nicht Musikwissenschaftler. Dann doch noch etwas korrekt programmiertes mit Rossinis „Canzonetta spagnuola“ mit der bestens aufgelegten Karasova. Darauf beglückte uns Galliano mit dem, eigentlich vor der Pause programmierten „Otono Porteno“, liess dafür den „Libertango“ weg, bekam dafür mit dem Allegro Energico aus «Opale Concerto» reichlich Gelegenheit sein aussergewöhnliches Können auf seinem angestammten Instrument zu demonstrieren.

Gallianos ganz spezielles Arbeitsgerät

Sein Instrument, das kein gewöhnliches Knopfakkordeon ist, sondern, wie Galliano einmal erklärte: Es ist eine italienische Fisarmonica, die klassisch, fast philharmonisch klingt. Ihr Gehäuse wurde von einem herkömmlichen Piano-Akkordeon übernommen, wodurch sie sich nicht nur fest an den Körper pressen, sondern auch leicht wie ein Schifferklavier spielen lässt. Ihr Ton ist sehr warm, bedingt durch die jahrelange Lagerung der Zungen. Man spürt ihren Anschlag kaum. Zudem habe ich die Verschalung abgenommen, damit es noch wohltemperierter klingt.

Witzige Zugabe

Da war ich mir nicht sicher, ob dieses Werk auch Rossini zuzuschreiben ist. Die dargebotene Interpretation sicher nicht, miaute sich die Solistin doch durch die Partitur, souverän unterstützte Galliano das musikalische „Katzengejammer“, wobei der Ausdruck Gejammer natürlich völlig fehl am Platz ist, war es doch ein höchst amüsantes Techtelmechtel zwischen Kasarovas Stimme und Gllianos Instrument.

Ds gefiel auch dem Auditorium, welches die Protagonisten, natürlich inklusive dem Orchester, mit einem langanhaltenden Schlussapplaus belohnte. Einmal mehr wussten die Zürcher die Innerschweizer an Silvester bestens zu unterhalten.

Link auf:

High-Heels, rote Schnürsenkel und Grenzüberschreitungen, ein Silvestergschichtli von Max Thürig

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin-magazin/boulevard/87257427-high-heels,-rote-schn%C3%BCrsenkel-und-grenz%C3%BCberschreitungen,-ein-silvestergschichtli-von-max-th%C3%BCrig

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.richardgalliano.com/    www.zko.ch  www.kasarova.com/home.html

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Landestheater, Uraufführung / Premiere, Ballett Wolfgang Amadeus, 22. Dezember 2019, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Ballett Wolfgang Amadeus Szenenfoto Rupert Larl
Ballett Wolfgang Amadeus Szenenfoto von Rupert Larl

Produktion und Besetzung:
Tanzstück von Marie Stockhausen . Libretto von Marie Stockhausen und Katajun Peer-Diamond .
Musik von Wolfgang Amadé Mozart u. a.

  • Choreografie & Regie
    Marie Stockhausen
  • Bühne & Kostüme
    Andrea Kuprian
  • Dramaturgie
    Romana Lautner
  • Mozart
    Marco Marangio, Carlos Campo Vecino
  • Constanze
    Lara Brandi, Camilla Danesi
  • Papa
    Gabriel Marseglia, Martin Seget´a
  • Mama
    Alice White, Brígida Pereira Neves
  • Schwester
    Paula Tarragüel, Deia Cabalé
  • Salieri
    Martin Seget´a, Nicola Strada
  • Cousine
    Oumy Cissé, Pilar Fernández
  • Aristokraten
    Lara Brandi, Deia Cabalé, Oumy Cissé, Camilla Danesi, Pilar Fernández, Sayumi Nishii, Brígida Pereira Neves, Paula Tarragüel, Alice White, Mikael Champs, Mingfu Guo, Mitsuru Ito, Gabriel Marseglia, Federico Moiana, Martin Seget´a, Nicola Strada, Carlos Campo Vecino
  • Die Musik
    Lara Brandi, Deia Cabalé, Oumy Cissé, Camilla Danesi, Pilar Fernández, Sayumi Nishii, Brígida Pereira Neves, Paula Tarragüel, Alice White, Mikael Champs, Mingfu Guo, Mitsuru Ito, Federico Moiana, Martin Seget´a, Nicola Strada, Carlos Campo Vecino

 

Rezension:

Ballett Wolfgang Amadeus Szenenfoto von Rupert Larl
Ballett Wolfgang Amadeus Szenenfoto von Rupert Larl

Marie Stockhausen, Choreografin am Tiroler Landestheater Innsbruck, das Tanzensemble und nicht zuletzt Wolfgang Amadeus Mozart bescherten dem Premierenpublikum am 22. Dezember ein magisches Weihnachtsgeschenk mit der Uraufführung des Tanzstückes «Wolfgang Amadeus». Die Bühne scheint auf den ersten Blick relativ schlicht (Andrea Kuprian), entpuppt sich aber als sehr effektvoll unter den verschiedenen Lichteinstellungen (Michael Reinisch). An der Hinterwand drei Türen, mit Türrahmen, welche beleuchtet werden können, mal offen mit Spiegeleffekten, mal geschlossen, darüber ein paar Wandlüster in wilder Anordnung. Rechts und links leicht-luftige, bodenlange Vorhänge, das Ganze mal in feinem Hellblau, gleissendem Gold-Gelb, düsterem Grau, je nach Stimmung der jeweiligen Szene. Dazu märchenhafte Kostüme (ebenfalls Andrea Kuprian): Wolfgang Amadeus in weinroten Unterkleidern mit herrlich blumigen Gehröcken, die sich bei seinen übermütigen Sprüngen wie Flügel öffnen, Konstanze mit einem schwarzen, weiten Rock aus Spitzen und durchsichtigem Tüll, verspielt und gleichzeitig elegant. Unglaublich übrigens, wie leichtfüssig Lara Brandi mit diesem doch recht voluminösen Kleid umgeht!

Flausen im Kopf

Ballett Wolfgang Amadeus Szenenfoto von Rupert Larl
Ballett Wolfgang Amadeus Szenenfoto von Rupert Larl

Die Choreografin Marie Stockhausen ist überzeugt, dass Mozart vom Himmel gefallen ist, um uns seine Musik zu bringen. So lässt sie ihn dann auch kopfüber auf die Bühne gleiten, dirigierend, mit einem breiten Lachen im Gesicht. Während den folgenden 23 Bildern werden Episoden aus seinem Leben aufgegriffen, begleitet von unterschiedlichsten Musikstücken. Mal geht’s um Mozart als jungen, verrückten, überdrehten Jungen, mal um seine Liebschaft mit Konstanze, um die Liebe und Verehrung seines Vaters Leopold, auch um Salieris Neid. Später um den Verlust der Kinder und schlussendlich um seinen viel zu frühen Tod.

Leben und Sterben Mozarts

Ballett Wolfgang Amadeus Szenenfoto von Rupert Larl
Ballett Wolfgang Amadeus Szenenfoto von Rupert Larl

Marco Marangio gibt einen sehr intensiven Mozart. Im ersten Teil ist er der ausgelassene Junge, ein Wirbelwind mit Flausen im Kopf. Herrlich, wenn er später die Ouvertüre aus «Le Nozze di Figaro» aus dem Orchestergraben dirigiert und seine «Musiker» animiert. Der enthusiastische Szenenapplaus glich wohl jenem, den der «richtige» Mozart sich damals in Prag erspielt hatte! Berührend und intensiv der Pas de deux zwischen ihm und Constanze gegen Ende seines Lebens, er jetzt beinahe nackt, verletzlich, verzweifelt, nicht wieder zu erkennen. Auch die Tänzer des Ensembles, vorher in breiten cremefarbenen Röcken, tragen am Ende nur noch deren Gerippe.

Lara Brandi überzeugt als zarte, verspielte Constanze, die im Lauf des Geschehens erwachsen wird, Gabriel Marseglia ist ein schöner, stolzer, gradliniger Vater Leopold. Das sehr agile, homogene Tänzerensemble sorgt immer wieder für faszinierende Bilder, wobei den Tänzerinnen und Tänzern auch mimisch einiges abverlangt wird in diesem Stück.

Ballett Wolfgang Amadeus Szenenfoto von Rupert Larl
Ballett Wolfgang Amadeus Szenenfoto von Rupert Larl

Stockhausen fasst Mozarts Leben und Schaffen sehr gut zusammen, poetische Szenen folgen auf amüsante, tiefe Traurigkeit und Verzweiflung auf Ausgelassenheit, dazu Mozarts Musik, auch mal live gesungen von den Tänzerinnen und Tänzern («Leck mich im Arsch»). Die vielgespielte Klaviersonate «Alla Turca» wird Step-tanzend interpretiert, Hüfte werden geschwungen zur Arie «Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen» aus der Zauberflöte und auch Papageno und Papagena fehlen nicht. Am Ende trifft Mozarts Musik auf Zulu-Gesang, während Mozart selber wieder kopfüber in den Himmel entschwindet.

Das Premierpublikum feierte seine Tänzerinnen und Tänzer und die ganze Crew ausgelassen und mit einer Standing Ovation, Mozart hätte das ganz bestimmt sehr gut gefallen.

Weitere Aufführungen noch bis Ende März 2020, praktisch alle jedoch bereits ausverkauft

https://www.landestheater.at/produktion/wolfgang-amadeus/

KleineFotodiashow von Rupert Larl  Landestheater Innsbruck:

fotogalerien.wordpress.com/2019/12/27/tiroler-landestheater-urauffuehrung-premiere-ballett-wolfgang-amadeus-22-dezember-2019-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

 

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: https://www.landestheater.at/

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Wiener Staatsoper, Richard Strauss Die Frau ohne Schatten, 18. Oktober 2019, besucht von Léonard Wüst

Die Frau ohne Schatten, Szenenfoto von Michael Pöhn
Die Frau ohne Schatten, Szenenfoto von Michael Pöhn

Besetzung:

Dirigent Christian Thielemann
Regie Vincent Huguet
Bühne Aurélie Maestre
Kostüme Clémence Pernoud
Licht und Video Bertrand Couderc
Dramaturgie Louis Geisler
 
Der Kaiser Andreas Schager
Die Kaiserin Camilla Nylund
Die Amme Mihoko Fujimura
Geisterbote Clemens Unterreiner
Barak Tomasz Konieczny
Sein Weib Nina Stemme
Hüter der Schwelle des Tempels Daniela Fally
Stimme eine Jünglings Jörg Schneider
Stimme des Falken Maria Nazarova
Stimme von oben Monika Bohinec
Der Einäugige Rafael Fingerlos
Der Einarmige Marcus Pelz
Der Bucklige Michael Laurenz
1. Stimme der Ungeborenen Ileana Tonca
2. Stimme der Ungeborenen Mariam Battistelli
3. Stimme der Ungeborenen Stephanie Houtzeel
4. Stimme der Ungeborenen Szilvia Vörös
5. Stimme der Ungeborenen Bongiwe Nakani
1. Solostimme Ileana Tonca
2. Solostimme Mariam Battistelli
3. Solostimme Stephanie Houtzeel
4. Solostimme Szilvia Vörös
5. Solostimme Bongiwe Nakani
6. Solostimme Zoryana Kushpler

 

Rezension:

Camilla Nylund als Die Kaiserin
Camilla Nylund als die Kaiserin

Nachdem ich fünf Tage zuvor mit Bejamin Brittens „A midsummer nights dream“ meine Feuertaufe an einem der weltberühmtesten Opernhäuser der Welt erlebt hatte, begab ich mich deutlich entspannter zum Haus am Ring, obwohl „meine“ Strassenbahn, aufgrund der „Fridays for future“ Demos nicht fahren konnte und ich mir kurzfristig einen andern Anfahrtsweg suchen musste, was sich dann aber als nicht allzu kompliziert erwies, führte doch auch eine U Bahnlinie von meinem Ausgangspunkt Schwedenplatz zum Karlsplatz.

Auch die alte Wiener Dame am Ring  ist technisch à jour

Mihoko Fujimura als die Amme, Nina Stemme als Baraks Weib
Mihoko Fujimura als die Amme, Nina Stemme als Baraks Weib

Ich war trotzdem genug früh vor Ort, sodass auch noch für einen Imbiss im Opern Café genügend Zeit verblieb bis zum Beginn von Richard Strauss` schattenloser Frau, die in ersten Kritiken gefeiert und von einer mir bekannten Wiener Kulturjournalistin hochgelobt wurde. Auch dieses traditionsreiche Haus verschliesst sich neuesten Techniken nicht und so konnte man sich mittels eines kleinen Bildschirms an seinem Platz  über die Staatsoper per se und die Aufführung im Detail informieren und während der Aufführung auch die Texte der Arien und Dialoge genauer ansehen.

Relativ zurückhaltende Regie und eher unspektakuläres Bühnenbild

Andreas Schager als der Kaiser
Andreas Schager als der Kaiser

Vor einer Art Voliere, hinter deren Behang die Kaiserin verborgen ist, trifft sich die Amme mit dem Geisterboten (resolut gesungen von Clemens Unterreiner). Im Hintergrund ist ein mächtiges, dunkles Gemäuer zu sehen, das sich später als eine Wand aus grauen Styroporfelsen entpuppt. Kombiniert mit den wallenden Umhängen, die alle Protagonistinnen und Choristinnen tragen (Kostüme: Clémence Pernoud), erweckt das Bühnenbild von Aurélie Maestre den Eindruck, als wohne man der Aufführung einer Antikentragödie um 1960 bei. Die statischen Arrangements von Vincent Huguet, der weder Chöre bewegt noch die Darsteller die große Bühne mit Leben füllen lässt, verstärken dies noch. Und seine Idee zum Stück erschöpft sich darin, zu zeigen, dass die Kaiserin wohl etwas mehr als bloß Mitleid mit dem von der Färberin attackierten Barak empfindet, so sind Huguets konzeptlose Arrangements einfach zu wenig für eine wirklich festliche Aufführung. Das Gute daran: das Regiekonzept von Vincent Huguet überlässt der Musik ungehindert das Feld, interpretiert nicht und behält die schauermärchenhafte Welt dieser vierten Zusammenarbeit von Strauss und Hofmannsthal bei. Christian Thielemann verwendet  die Schalk’sche Originalpartitur, verzichtet auf Striche und führt das großartige Staatsopernorchester und das formidable Sängerensemble meisterhaft hin zu grandiosen Spitzenleistungen, auch wenn er es, für meinen Geschmack, einmal mehr, mit der Lautstärke etwas übertrieb.

Besetzung und das Staatsopernorchester brillieren

Clemens Unterreiner als Geisterbote
Clemens Unterreiner als Geisterbote

Camilla Nylund ist eine wahrlich anmutige Kaiserin, die durch Verzicht schließlich alle erlöst. Sie meistert die Herausforderungen ihrer Rolle mit bravouröser Ausdauer, silbrig blühender Stimmkraft und phänomenaler Aura. Nina Stemme als Färberin ist eine Klasse für sich: ausdrucksstark, wortdeutlich und ungeheuer präsent. Die Szenen zwischen ihr und ihrem Mann Barak (erstmals Tomasz Konieczny mit seinem außergewöhnlichen, metallischen Timbre) gehen zu Herzen.

Mihoko Fujimura als Amme agiert mit stolzer Entschlossenheit, setzt mehr auf milde Kühle denn auf aufwieglerische Glut aber als Figur bleibt sie etwas eindimensional und verbreitet kaum dämonische Aura. Auf Andreas Schager als stattlichem Kaiser ist Verlass. Musikdramatik pur!

Unterschiedliche Diven im Jubiläumsjahr

Marcus Pelz als der Einarmige, Rafael Fingerlos als der Einäugige, Tomasz Konieczny als Barak, Michael Laurenz als der Einarmige
Marcus Pelz als der Einarmige, Rafael Fingerlos als der Einäugige, Tomasz Konieczny als Barak, Michael Laurenz als der Einarmige

Der Wiener Staatsoper erging es im Mai ähnlich wie dem US-amerikanischen Gesamtkunstwerk „Cher“: Teile von ihr feiern Geburtstag. Im Falle der Wiener Institution ist es heuer der hundertfünfzigste. Doch wichtiger als der makellos renovierte Gebäudekörper des Hauses am Ring sind seine inneren Werte. „O Welt in der Welt!“ ruft die Färberin in der Frau ohne Schatten aus, als ihr die Amme für kurze Zeit ein luxuriöses Eigenheim vorgaukelt. (Zitat Stefan Ender) Ein halbes Hundert an verschiedenen Bühnenwelten zaubert man dem Publikum an der Wiener Staatsoper in jeder Spielzeit in den Abendstunden vor. Bezüglich der Jubiläums-Premiere – entschied man sich daher logischerweise für eine Märchenoper mit der Frau ohne Schatten von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Diese Oper feiert wiederum selbst einen runden Geburtstag: Im Oktober 1919 wurde sie zu Beginn von Strauss‘ Direktionszeit an der Wiener Staatsoper uraufgeführt.

Besetzung: das Nonplusultra

Christian Thielemann Foto Matthias Creutziger
Christian Thielemann Foto Matthias Creutziger

Wen bittet denn der aktuelle Hausherr Dominique Meyer für eine so prestige- und geschichtsträchtige Unternehmung ans Dirigentenpult? Natur- bzw. kunstgemäß Christian Thielemann, den Mann für alle deutsch-romantischen Fälle. Und der gebürtige Berliner brachte zwei Frauen mit, die für diese Oper nah dran sind am besetzungstechnischen Nonplusultra: Nina Stemme und Camilla Nylund.

Xanthippenhaft

Tomasz Konieczny als Barak, Camilla Nylund als die Kaiserin
Tomasz Konieczny als Barak, Camilla Nylund als die Kaiserin

Nina Stemmes Sopran ist dichter, markanter als der von Mihoko Fujimura (liegt deren Stärke doch eher im Mezzobereich) und im Fortissimo von stählerner Tragfähigkeit. Stemme schafft mit der Färberin, Strauss‘ Hommage an seine Gattin Pauline, die berührendste und auch die menschlichste Figur des Triummulierats. Überraschenderweise bleibt nicht die im Libretto dominierende xanthippenhafte Seite ihres Wesens haften, sondern ihre Verzweiflung und ihr Leid. Eine Idealbesetzung für die Kaiserin ist Camilla Nylund. Ihre hohen Töne sind glasklar und fadengrad. Wundervoll nicht nur die Souveränität, mit der die Finnin ihre Partie durchmisst, auch die Schlichtheit bei der Prüfungsszene berührt.

Dreifaltigkeit

Tomasz Konieczny als Barak, Nina Stemme als sein Weib
Tomasz Konieczny als Barak, Nina Stemme als sein Weib

Die Männer fallen gegenüber dieser Dreifaltigkeit weiblichen Idealgesangs leicht ab: Andreas Schager singt als Kaiser viele durchsetzungsstarke, wohlklingende Töne, gestaltet aber manche Phrasenenden wie nebenbei. Wenn er höher und lauter singt, wirkt es, als hätte ihn jemand dazu zu fest getreten. Für Wolfgang Kochs Färber wünscht man sich Selbiges: Sein Barak fällt, auf hohem Niveau, etwas ab, erinnert körpersprachlich eher an einen Weinconnaisseur, als an einen gutherzigen Arbeitsesel. Exzellent die mittleren und kleinen Partien, herausragend der Staatsopernchor, sowohl die engelsgleichen Frauen als auch die heldenstarken Männer.

DetailfuchsThielemann

Camilla Nylund als die Kaiserin
Camilla Nylund als die Kaiserin

Zu einer der berührendsten Szenen, musikalisch wie auch szenisch, wird die Annäherung, die Regisseur Vincent Huguet dem Färberpaar im 1. Akt gönnt. Der scheue Kuss, die kurze Innigkeit, und dazu die zärtlichen Klänge des Orchesters: wundervoll. In Summe agiert Thielemann aber zu detailfuchsig und kontrollfixiert, als dass man als Hörer vollkommen berauscht aus der Vorstellung hätte herausstolpern können. Und das will bei dieser Besetzung etwas heißen.

Vincent Huguet ist, trotz allen Schwächen, insgesamt eine stimmungsvolle, eingeschränkt abwechslungsreiche Einrichtung der Märchenoper gelungen. Selbst Laien verstehen die Handlung, und es gibt kein Einheitsbühnenbild: Das ist doch schon mal was. Dass der Franzose im 2. Akt mit den dazu gedichteten toten Soldaten mutmaßlich an die Entstehungszeit der Oper erinnern und einen Schuss Realismus in Hofmannsthals Märchenspiel bringen wollte, wirkt fremdkörperartig und zu gesucht. Die Bühne von Aurélie Maestre zeigt meist einen vielseitig bespielten Steinbruch, die Kostüme von Clémence Pernoud sind in einem einigermaßen geschmackvollen indifferent zeitlos angesiedelt.

Beifall und vereinzelte Bravorufe

Mihoko Fujimura als die Amme
Mihoko Fujimura als die Amme

Nach viereinhalb Stunden hat das Märchen ein Ende. Die Kaiserin hat gelernt, dass Menschsein bedeutet, sich zu plagen und zu stinken: Aber sie will trotzdem dazugehören. Die beiden aufsässigen Frauen haben sich in die patriarchale Ordnung gefügt: Die Färberin wird von der Keifzange zur devoten Dienerin ihres Gatten, die Kaiserin hat die Prüfungen ihres Vaters, des Geisterkönigs Keikobad, tipptopp absolviert. Zur Belohnung dürfen die beiden endlich zueinander finden.

Musikalisch im Rang des Außergewöhnlichen, szenisch einfach gestrickt, austauschbar: Auf diesen Nenner lässt sich die  „Frau ohne Schatten von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal bringen. Ein Ereignis: Dirigent Christian Thielemann und das philharmonisch aufspielende, sensationelle  Orchester der Wiener Staatsoper. Wie Klangmagier Thielemann bei diesem komplexen Werk alle Register seine Könnens zieht, welch herrliche Klangfarben, welch fantastische Nuancen, welch dramatische Ausbrüche  hier hörbar werden, sucht seinesgleichen. Ein verdienter beifallssturm für Dirigent und Orchester war die logische Folge.

Tomasz Konieczny als Barak
Tomasz Konieczny als Barak

Ebenso verdient, wie die Jubelstürme für die meisten Sänger. So ist Camilla Nylund eine Kaiserin von Weltformat, sie singt diese Partie mit traumhafter Sicherheit, höchster Intensität  und atemberaubender vokaler Klarheit. Wie auch Nina Stemme eine Färberin der Extraklasse ist. Die Sopranistin bewältigt diese unfassbar anspruchsvolle Partie mit einer  selten gehörten, packenden Souveränität. Als Amme hat es Mihoko Fujimura da stimmlich schon etwas schwerer, sie meistert die Rolle aber mehr als achtbar. Tenor Andreas Schager gibt einen fabelhaften Kaiser mit fast allen geforderten Höhen, Tomasz Konieczny glänzt als überaus lyrischer Barak, Clemens Unterreiner ist ein sehr markanter Geisterbote.

Zwar zündet das orchestrale Giftgemisch nicht von Anbeginn, doch Thielemann, der alte Alchemist und Hexenmeister, weiß ganz genau, welche Hebel und Kräuter er in Bewegung setzen muss. Wenn der deutsche Klangzauberer, der in Salzburg, und, nach seinem Disput mit Andris Nelsons im Sommer 2016, teilweise auch in Bayreuth in Ungnade gefallen ist, sich aus seinem Arsenal an schier unermesslicher Energie und Geheimrezepturen bedient, verwandeln sich die Wiener Philharmoniker in einen Organismus, der gemeinsam atmet und das Prädikat weltbestes Opernorchester einmal mehr verdient.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Michael Pöhn, Wiener Staatsoper GmbH:

fotogalerien.wordpress.com/2019/12/21/wiener-staatsoper-richard-strauss-die-frau-ohne-schatten-18-oktober-2019-besucht-von-leonard-wuest/

 

Text : www.leonardwuest.ch   Fotos:https://www.wiener-staatsoper.at/

 

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