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Gesundheit

Tabuthema Harninkontinenz: Aktualisierte Leitlinie beschäftigt sich mit Langzeitdrainage und psychosomatischen Aspekten

Inkontinenz ist immer noch ein Tabuthema. Doch vor allem ältere Menschen
verlieren ungewollt Urin – etwa beim Husten – oder schaffen es nicht mehr
rechtzeitig auf die Toilette. Um eine bestmögliche Betreuung und
Behandlung für diese Patientengruppe nach neuesten wissenschaftlichen
Erkenntnissen zu gewährleisten, wurde die aktuelle Leitlinie zum dritten
Mal umfassend aktualisiert und jetzt veröffentlicht. Die Federführung bei
der Erstellung der S2k-Leitlinie „Harninkontinenz bei geriatrischen
Patienten – Diagnostik und Therapie“ hat die Deutsche Gesellschaft für
Geriatrie (DGG) übernommen.

Leitlinien-Koordinator Professor Andreas Wiedemann, Leiter der
Arbeitsgruppe Inkontinenz bei der DGG, sagt: „Wir haben wichtige neue
Handlungsempfehlungen erarbeitet, die insbesondere bei hochaltrigen
Patientinnen und Patienten zu mehr Lebensqualität führen können.“

Insgesamt 14 Kapitel inklusive Literaturquellen umfasst das rund
150-seitige Dokument der Leitlinie. Das Themenspektrum reicht von
Diagnosemethoden und Assessmentinstrumenten über medikamentöse und
operative Therapie bis hin zu Toilettentraining und Hilfsmitteln.
„Komplett neu ist das Kapitel zur instrumentellen Harnblasen-
Langzeitdrainage. Denn gerade hier gibt es viele neue Daten über die
Lebensqualität von Katheter-Trägern. Bei geriatrischen Patienten ist es
häufig so, dass sie nicht mehr therapiert werden können oder keinen
Therapiewunsch haben, aber dank Katheter noch versorgt werden können“,
erklärt Leitlinien-Koordinator Wiedemann. Neu ist ebenfalls ein Kapitel,
das sich explizit mit psychosomatischen Aspekten von Harninkontinenz bei
älteren Menschen befasst.

Leitlinie adressiert noch mehr fachliche Anwendungsbereiche

Auch alle anderen Kapitel wurden in einem strukturierten Konsensprozess
mit allen Fachgesellschaften überarbeitet. „Die Reichweite der fachlichen
Anwendung dieser Leitlinie ist noch größer geworden. Sie ist nicht nur für
Geriater gedacht, sondern für alle, die geriatrische Patienten mit
Harninkontinenz in ihren Abteilungen und Praxen behandeln“, sagt
Wiedemann. Mit Blick auf die besondere Vulnerabilität geriatrischer
Patienten ergänzt er: „Manchmal kann es auch Sinn machen, eine abgeänderte
oder kürzere Version eines Behandlungsprogramms durchzuführen, um diesem
Umstand gerecht zu werden. Auch dafür gibt die vorliegende neue Leitlinie
konkrete Handlungsempfehlungen zur Orientierung.“
An der zweijährigen Gemeinschaftsarbeit zur Aktualisierung der Leitlinie
waren neben der DGG ebenso die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU),
die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), die
Deutsche Kontinenz Gesellschaft (DKG) sowie die Inkontinenz Selbsthilfe
und die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) beteiligt.

Weitere Informationen zur S2k-Leitlinie „Harninkontinenz bei geriatrischen
Patienten – Diagnostik und Therapie“ gibt es auf der AWMF-Website.

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Blutkrebs: Bessere Versorgung nach innovativer Zelltherapie

Am Uniklinikum kommen neuartige Stammzell- und CAR-T-Zell-Therapien
erfolgreich zum Einsatz. Das Projekt SPIZ verbessert die Versorgung von
Betroffenen - auch im ländlichen Raum. Das sachsenweite Projekt wird mit
4,1 Millionen Euro aus dem Innovationsfond des Bundes gefördert. Nun wird
die erste Patientin nach einer Antikörpertherapie (CAR-T-Zellen) über das
Projekt betreut, das Versorgungslücken in Sachsen schließen soll – passend
zum Motto des diesjährigen Weltkrebstages, der am 4. Februar 2024 begangen
wird.

Aufgrund von innovativen Zelltherapien haben sich die Heilungschancen bei
Patientinnen und Patienten mit Blut- oder Lymphdrüsenkrebs in den
vergangenen Jahren deutlich verbessert. Das Universitätsklinikum Carl
Gustav Carus Dresden ist eines von drei hämato-onkologischen Zentren in
Sachsen, an denen Patientinnen und Patienten mit einer
Stammzelltransplantation oder einer CAR-T-Zell-Therapie behandelt werden
können. Nach diesen komplexen Therapien besteht für die Betroffenen ein
hohes Risiko für lebensgefährliche Komplikationen. Dort setzt unter
anderem das Projekt SPIZ (sektorenübergreifende Versorgung von
Patientinnen und Patienten mit hämatologischen Erkrankungen nach
innovativer Zelltherapie) an. „Patientinnen und Patienten, die in diese
Studie eingeschlossen werden, erhalten eine intensive Nachsorge,
unabhängig ihres Wohnortes“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer
Vorstand am Uniklinikum. „Ziel ist es, schwere Komplikationen rechtzeitig
zu erkennen, aber lange Fahrten ins Krankenhaus zu vermeiden.“

Im Rahmen des neuen Nachsorgeprogramms SPIZ werden insgesamt 302
Patientinnen und Patienten aus den drei sächsischen hämato-onkologischen
Zentren an den Uniklinika in Dresden und Leipzig sowie am Klinikum
Chemnitz in die Studie eingeschlossen, nachdem sie eine der neuartigen
Zelltherapien erhalten haben. Das Einzugsgebiet beträgt bis zu 200
Kilometer, was regelmäßige ambulante Vorstellungen in der Nachsorge
erschwert. „In Studien sind die Ergebnisse der innovativen Zelltherapien
besser als in der Routineversorgung, was nicht zuletzt an einer effektiven
Nachsorge liegen dürfte. Unser Anspruch ist es, dieses Potential der
Therapien in die Versorgungsrealität vor allem im ländlichen Raum zu
übertragen“, erklärt Prof. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen
Klinik I des Universitätsklinikums Dresden und Mitglied im
geschäftsführenden Direktorium des Nationalen Centrums für
Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC).

SPIZ hat zum Ziel, die Patientinnen und Patienten engmaschig und digital
unterstützt unter anderem mittels App und Videosprechstunde zu betreuen,
um Komplikationen nach der Zelltherapie rechtzeitig zu erkennen und die
Lebensqualität der beteiligten Patientinnen und Patienten zu erhöhen.
Zugleich sollen ihnen übermäßig viele lange Fahrten für die regelmäßige
Nachsorge in die Zentren erspart werden, indem abwechselnd zu den
Ambulanzvorstellungen am Zentrum Hausbesuche durch onkologische
Fachpflegekräfte durchgeführt werden. Am Universitätsklinikum Dresden
werden in diesem Jahr etwa 80 bis 100 Blutkrebspatientinnen und -patienten
über das Programm SPIZ betreut. Weitere Patientinnen und Patienten werden
an den ebenfalls beteiligten Zentren Universitätsklinikum Leipzig und
Klinikum Chemnitz behandelt. Um die Wirksamkeit zu prüfen, ist SPIZ als
randomisiert kontrollierte Studie konzipiert, wobei der innovative
Versorgungspfad mit der aktuellen Regelversorgung verglichen wird.
Zusammen mit dem Konsortialpartner AOK PLUS wird zudem eine
gesundheitsökonomische Analyse durchgeführt, um nach einer positiven
Evaluation die Übertragung in die Regelversorgung zu ermöglichen.

Mittels App werden Symptome dokumentiert

Das Programm SPIZ sieht in der intensivierten Nachsorge in Ergänzung zu
ambulanten Vorstellungen Video-Sprechstunden vor, um eine schnelle
Abklärung von Symptomen zu ermöglichen und lange Anfahrtswege zu
reduzieren. Zudem kommt eine „Onko-Nurse“ in regelmäßigen Abständen zu
Hausbesuchen, kann den Zustand der Betroffenen vor Ort beurteilen, Blut
abnehmen, Angehörige beraten und den Unterstützungsbedarf im häuslichen
Umfeld einschätzen. In einer speziellen App dokumentieren die Patientinnen
und Patienten kontinuierlich Symptome und weitere wichtige Parameter. Die
Daten werden an fünf Tagen pro Woche von onkologischen Fachpflegekräften
ausgelesen und bei Auffälligkeiten dem ärztlichen Personal vorgelegt.
Regelmäßige Online-Fallkonferenzen ermöglichen die enge Zusammenarbeit
aller in die Patientenversorgung eingebundenen Akteure, etwa aus den
Bereichen Sozialarbeit, Psychoonkologie, der niedergelassenen Ärzteschaft
und den onkologischen Zentren. Bei Fragen und Problemen können sich die
Patientinnen und Patienten jederzeit an speziell geschulte Case-
Managerinnen und -Manager wenden, die zudem alle Termine sowie die
Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren koordinieren.

„Wir erwarten, dass aufgrund der verbesserten Nachsorge weniger
notfallmäßige Krankenhauseinweisungen erfolgen, die mit erheblichen Kosten
verbunden sind. Zum anderen können durch Video-Sprechstunden lange und
damit teure Anfahrten reduziert werden, die in der Regel per Taxi
erfolgen, da die Betroffenen aufgrund von Medikation und Abwehrschwäche
zumeist weder öffentliche Verkehrsmittel noch das eigene Auto nutzen
können“, erklärt Dr. Jan Moritz Middeke von der Medizinischen Klinik I des
Uniklinikums Dresden und Forschungsgruppenleiter am Else-Kröner-Fresenius-
Zentrum für Digitale Gesundheit (EKFZ).

Die AOK Plus begleitet das Projekt aktiv und stellt Abrechnungsdaten zur
Verfügung. Alle Auswirkungen des Projektes auf den Gesundheitszustand und
die Lebensqualität der teilnehmenden Patientinnen und Patienten sowie die
entstehenden Kosten werden kontinuierlich durch das Zentrum für
Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) erfasst und evaluiert. Bei
positiver Evaluation soll die im Projekt vorgeschlagene Versorgungsform
dauerhaft in die Regelversorgung der Krankenversicherungen überführt
werden. Das Konsortialprojekt wird aus dem Innovationsfonds des
Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit 4,1 Millionen Euro gefördert. „Die
Förderung unterstreicht die Expertise am Standort Dresden im Bereich der
onkologischen Forschung und Versorgung von Patientinnen und Patienten mit
innovativen Krebstherapien“, sagt der Medizinische Vorstand Prof. Michael
Albrecht.

Erste Patientin am Uniklinikum wird über SPIZ versorgt

Als eine der ersten Patientinnen wird Elke Hartwig am Uniklinikum Dresden
in das Programm aufgenommen. 2019 bekam die heute 60-Jährige die Diagnose
Multiples Myelom, eine bösartige Knochenerkrankung, die zu den
Blutkrebsarten zählt. Elke Hartwig ließ damals bei ihrem Arzt heftige
Rippen- und Rückenschmerzen abklären, eine Untersuchung im MRT zeigte
schließlich den Tumorbefall ihres Skeletts. Daraufhin wurde sie ans
Uniklinikum überwiesen. „Das war ein großer Glücksgriff für mich“, sagt
Elke Hartwig heute. Zunächst erfolgte eine Behandlung mittels
Stammzelltransplantation, doch der Krebs kam zurück. Inzwischen zeigten
andere, innovative Zelltherapien gute Erfolge. „In diesem Bereich hat sich
in den vergangenen ein, zwei Jahren unheimlich viel getan“, sagt Dr.
Katharina Egger-Heidrich, Fachärztin für Innere Medizin. Zwar sei ein
Multiples Myelom anders als etwa akute Leukämie nicht heilbar. „Wir haben
mit den neuartigen Zelltherapien aber gute Remissionen erreicht.“ Das
heißt, die Krankheitserscheinungen können hinausgezögert werden.

Seit Anfang Januar wird Elke Hartwig mit einer CAR-T-Zell-Therapie
behandelt, die sehr gut anschlägt. Dabei handelt es sich um eine
Krebsimmuntherapie, bei der T-Zellen aus dem Blut gesammelt und
gentechnisch so verändert werden, dass sie Krebszellen im Körper selbst
bekämpfen. „Das macht mir zumindest die Hoffnung, dass ich die Zeit mit
meinen Enkelkindern noch etwas genießen kann“, sagt die Patientin, die in
Arnsdorf im Dresdner Umland wohnt. Dass sie nun über das Projekt SPIZ
täglich Feedback über ihren Gesundheitszustand an das Uniklinikum meldet,
gibt Elke Hartwig Sicherheit. „Es ist ein gutes Gefühl, über die App in
Verbindung mit dem medizinischen Personal zu stehen.“ Dort gibt sie etwa
an, wie hoch der Blutdruck und die Körpertemperatur ist und ob sie Fieber
oder sonstige Beschwerden hat. „Sollten Auffälligkeiten auftreten, meldet
sich eine Ärztin oder ein Arzt und bespricht das weitere Vorgehen“, sagt
Dr. Katharina Egger-Heidrich.

Neben dem Uniklinikum Dresden sind mit Saxocell, NIO/BNHO (Verbände
niedergelassener Onkologinnen und Onkologen), dem Nationalen Centrum für
Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) und dem Zentrum für Evidenzbasierte
Gesundheitsversorgung (ZEGV) der Hochschulmedizin Dresden weitere,
miteinander vernetzte Partner an dem Projekt beteiligt. Das
Zukunftscluster Saxocell fokussiert sich insbesondere auf die aktuellen
Entwicklungen im Bereich der Genmodifikation, insbesondere von
Immunzellen. Diese modifizierten oder editierten Zellen können, wenn sie
beispielsweise mit spezifischen tumorerkennenden Rezeptoren ausgestattet
werden, Tumor- und andere krankheitsverursachende Zellen vernichten.
Solche chimären Antigenrezeptoren, oder einfach CARs, sind in der Vision
von SaxoCell der Schlüssel zur Herstellung "lebender Arzneimittel". CARs
können das Immunsystem auf fast jedes beliebige Ziel umleiten. Nach
gentechnischer Modifikation, entweder der eigenen Zellen von Patientinnen
und Patienten oder von Zellen, die für alle Patientinnen und Patienten
verwendet werden können (sogenannte allogene Ansätze), kann es theoretisch
möglich werden, viele ernsthafte Erkrankungen erstmals wirklich ursächlich
zu heilen.

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Psychotherapeutische Ambulanz in Greifswald ist Gewinn für Patienten und Studierende

In Greifswald hat am Mittwoch (31.01.2024) die neue psychotherapeutische
Ambulanz an der Universität eröffnet.

In Greifswald eröffnet heute die neue psychotherapeutische Ambulanz an der
Universität.
Wissenschaftsministerin Bettina Martin nennt diese Eröffnung in
Kombination mit dem in diesem Wintersemester neu gestarteten
Masterstudiengang für Psychotherapie „einen wichtigen Schritt für eine
bessere psychotherapeutische Versorgung in der Region“: „Wir setzen am
Standort der Universität Greifswald mit der Ausbildung von Fachkräften im
Bereich der Psychotherapie einen neuen Schwerpunkt. Es besteht zunehmend
Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung. Oft müssen Patientinnen und
Patienten Monate lang warten. Doch die Fachkräfte sind rar. Umso wichtiger
ist es, dass wir die benötigten Fachkräfte stärker im eigenen Land
ausbilden.“
In Greifswald existiert mit der Ambulanz ein Behandlungsangebot, das allen
jungen Patientinnen und Patienten offensteht. Gleichzeitig werden dort
Studierende praxisnah ausgebildet.
„Von der psychotherapeutischen Hochschulambulanz profitieren sowohl Kinder
und Jugendliche als auch die Studierenden an der Universität Greifswald“,
sagte Martin. „In Verbindung mit dem im Wintersemester 2023/24
eingerichteten Masterstudiengang Psychotherapie werden dort nicht nur
dringend benötigte Behandlungsangebote geschaffen, sondern auch dringend
benötigte Fachkräfte für die Zukunft ausgebildet. Hier findet eine hoch
attraktive und praxisorientierte Lehre statt, indem Studierende unter
fachkundiger Anleitung und Begleitung direkt mit den Patientinnen und
Patienten arbeiten. Die Einrichtung der Ambulanz ist ein Ergebnis der
guten Zusammenarbeit zwischen der Universität Greifswald und dem
Wissenschaftsministerium. Dafür möchte ich allen Beteiligten und im
Besonderen Frau Prof. Dr. Brakemeier meinen Dank aussprechen.“
Die Behandlungsangebote richten sich sowohl an Kinder und Jugendliche als
auch an Eltern. Gerade bei Kindern ist eine frühzeitige Behandlung
notwendig, da in der Kindheit oftmals die Ursachen für psychische
Erkrankungen im Erwachsenenalter liegen. Hier setzt die neue Ambulanz an.

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S3-Leitlinie zur Therapie von COVID-19 Patienten aktualisiert

Auch wenn das Risiko eines schweren Verlaufs bei einer COVID-19 Erkrankung
deutlich gesunken ist, erkranken derzeit nach wie vor täglich viele
Menschen in Deutschland an dem Virus. Inzwischen gibt es eine große Anzahl
an Publikationen und Therapiestudien zur Behandlung von an COVID-19
Erkrankten. Um einen guten Überblick über die Therapieempfehlungen
behalten zu können, haben Vertreter von 17 Fachgesellschaften sowie
Patientenvertreter die Leitlinie zur Therapie von COVID-19 aktualisiert.

Federführend beteiligt war neben der Deutschen Interdisziplinären
Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) auch die Deutsche
Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin
(DGIIN), die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
(DGP) sowie die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI).

Gesicherte Erkenntnisse und strukturiertes, sicheres Management von
COVID-19

Die aktualisierte Leitlinie umfasst Empfehlungen über den gesamten Verlauf
der Erkrankung von der ambulanten Therapie bis zur Behandlung im
Krankenhaus. „Nach wie vor werden täglich Hunderte neue wissenschaftliche
Arbeiten zu COVID-19 publiziert. Die vorliegende Leitlinie bezieht nun
alle neuen und gesicherten Erkenntnisse mit ein und ist für ein
strukturiertes, sicheres und ressourcenschonendes Management von
COVID-19-Patientinnen und Patienten in Praxis und Krankenhaus
unerlässlich“, sagt Professor Stefan Kluge, Koordinator der Leitlinie und
Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf. Da an der Erstellung alle an der Therapie beteiligten
Fachgruppen mitgewirkt haben, enthält die Leitlinie eine
fächerübergreifende Betrachtung.

„Die stetige Aktualisierung der Leitlinie zur Therapie von Patienten mit
COVID-19 ist sehr wichtig“, betont Prof. Gernot Marx, Vizepräsident der
DIVI und Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und
Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen. „Nur so können wir auch
die neusten Erkenntnisse aus der Forschung ans Bett unserer Patienten
bringen." Da es sich um eine relativ neue Erkrankung handele, müsse und
werde hier weiterhin sehr viel geforscht.

Generell betont Marx allerdings, gehöre die Behandlung von Corona-
Erkrankten auch auf Intensivstationen mittlerweile neben vielen anderen
Erkrankungen zum Alltag.

Aktualisierte Empfehlungen zu zahlreichen Medikamenten

Die medikamentöse Therapie von COVID-19-Patienten nimmt in der
aktualisierten Leitlinienfassung einen besonderen Stellenwert ein. So
enthält sie aktualisierte Empfehlungen zu zahlreichen Medikamenten. „Wir
gehen in der Leitlinie ausführlich auf die derzeit eingesetzten
Medikamente ein. Die Leitlinie stellt klar heraus, dass bei Patienten mit
einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf eine medikamentöse
Frühtherapie erfolgen sollte“, so Professor Christoph Spinner, Vertreter
der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI).

Mithilfe der Förderung durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen
Bundesausschusses (G-BA) und der Unterstützung des AWMF-Instituts für
Medizinisches Wissensmanagement (AWMF-IMWi), konnten die Autoren erneut
wichtige therapeutisch relevante Fragestellungen mit systematischen
Evidenzsynthesen hinterlegen. „Die Sichtung der Literatur und die
systematischen Evidenzsynthesen waren Grundlage für die konsentierten
Empfehlungen in der Leitlinie“, so Professor Nicole Skoetz, Professorin
für Öffentliches Gesundheitswesen an der Medizinischen Fakultät der
Universität zu Köln.

Leitlinie empfiehlt intensivierte Antikoagulation zu erwägen

Professor Florian Langer von der Deutschen Gesellschaft für Thrombose und
Hämostaseforschung (GTH) weist auf die Notwendigkeit einer adäquaten
Thromboseprophylaxe mit Heparin bei hospitalisierten Patienten hin: „In
den ersten Wellen der Pandemie haben wir viele Erkrankte mit Thrombosen
und Lungenembolien gesehen. Die Leitlinie empfiehlt hierzu, bei im
Krankenhaus behandelten COVID-19-Patienten mit moderater
Krankheitsaktivität und erhöhtem Risiko für einen schweren
Krankheitsverlauf eine intensivierte Antikoagulation zu erwägen, also die
Gabe von Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung in einer höheren als
sonst üblichen Dosierung.“

Empfehlungen für ambulante wie auch stationäre Behandlung

Die Leitlinie umfasst Empfehlungen über den gesamten Verlauf der
ambulanten und stationären Behandlung. Von der Diagnostik über die
Therapie bis hin zum weiteren Krankheitsverlauf. Darüber hinaus beinhaltet
sie viele andere Aspekte wie Besonderheiten bei intensivmedizinischen
Patientinnen und Patienten, beispielsweise zur Wachbauchlagerung sowie
hygienische, ethische und palliativmedizinische Aspekte.

Die vorliegende Aktualisierung wird unter dem Projekt „S3Cov19live –
Living Guideline: Empfehlungen zur Therapie von Patienten mit COVID-19“
(Förderkennzeichen: 01VSF2300) durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen
Bundesausschusses für den Zeitraum 01.08.2023 bis 31.07.2026 gefördert.

Interessierte können die S3-Leitlinie auf der Website der AWMF abrufen:
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001.html

Federführend:
•       Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und
Notfallmedizin (DGIIN)
•       Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und
Notfallmedizin (DIVI)
•       Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)
•       Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI)

Unter Mitwirkung von:
•       Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin
(DGAI)
•       Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM)
•       Gesellschaft für Thrombose und Hämostaseforschung (GTH)
•       Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)
•       Deutscher Rat für Wiederbelebung (German Resuscitation Council;
GRC)
•       Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
•       Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN)
•       Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
•       Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
•       Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
•       Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
•       Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA)
•       Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
•       Patientenvertretung (individueller Betroffener)

Originalpublikation:
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001.html

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