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Gesundheit

Hohe 30-Tage-Sterblichkeit nach Herzinfarkt: Kein Rückschluss auf Versorgungsmängel in Deutschland

Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) versterben in Deutschland rund 8,5% der Patient:innen,
die wegen eines akuten Herzinfarkts im Krankenhaus aufgenommen werden,
dort innerhalb von 30 Tagen. Der OECD-Durchschnitt liegt mit 6,9% deutlich
niedriger. Dabei nimmt Deutschland in Europa einen Spitzenplatz bei den
Gesundheitsausgaben und der Verfügbarkeit von kardiologischen Verfahren
ein. Ein Team von Wissenschaftler:innen der Medizinischen Fakultät der
Universität Duisburg-Essen und der Universitätsmedizin Essen hat diese
widersprüchliche Situation nun genauer untersucht und festgestellt: Die
Situation ist besser als die Zahlen vermuten lassen.

In einem durch die Deutsche Herzstiftung e.V. geförderten Projekt konnten
sie zeigen, dass die Unterschiede in der 30 Tages-Krankenhaussterblichkeit
im Wesentlichen durch Artefakte hervorgerufen werden. Damit sind Faktoren
gemeint, die die Berechnung der Sterblichkeit - aber nicht die
Patientenversorgung beeinflussen. Aussagekräftige Rückschlüsse auf die
Versorgungsqualität können daher nur sehr eingeschränkt gezogen werden.

„In den Niederlanden und skandinavischen Ländern liegt die Sterblichkeit
von Patient:innen, die wegen eines akuten Herzinfarkts in ein Krankenhaus
aufgenommen wurden, zwischen 3 und 4,5 Prozent, das heißt, sie ist nur
etwa halb so hoch wie in Deutschland“, erklärt Dr. Susanne Stolpe,
Erstautorin der kürzlich in „Clinical Research in Cardiology“
veröffentlichten Studie. „Bisher wurde diese vergleichsweise hohe 30-Tages
Krankenhaussterblichkeit nach Herzinfarkt in Deutschland als Hinweis auf
Mängel in der Akutversorgung und der Effizienz des deutschen
Gesundheitswesens gewertet.“ Die Essener Epidemiolog:innen haben
verschiedene Daten gesammelt, um die Lage tiefergreifend analysieren zu
können. Dabei zeigte sich, dass gesundheitliche Risikofaktoren (z.B.
Häufigkeit des Rauchens in den verschiedenen Ländern) und
Begleiterkrankungen der Patienten, aber auch Unterschiede in der
leitliniengerechten Behandlung die großen Unterschiede in der
Krankenhaussterblichkeit nach akutem Herzinfarkt in den europäischen
Ländern nicht erklären konnten. Wichtiger waren Unterschiede in der
Registrierung von Patient:innen bei der Krankenhausaufnahme und
Unterschiede in den Strukturen der Gesundheitssysteme in den miteinander
verglichenen europäischen Ländern.

„Gerade in der Registrierung von Patient:innen und der Organisation der
Gesundheitsversorgung konnten wir erhebliche Unterschiede feststellen. Das
führt bei der Berechnung der Krankenhaussterblichkeit zu verzerrten
Ergebnissen“, so Prof. Dr. Andreas Stang, Leiter des Instituts für
Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE) in Essen.
Zwei Faktoren fallen besonders ins Gewicht. „Zum einen spielt die
Nichterfassung von Tagesfällen, also Herzinfarktpatient:innen mit einem
nur sehr kurzen Klinikaufenthalt, eine große Rolle. In den Niederlanden
gehen diese Personen z.B. nicht in die Berechnung ein. Zum anderen werden
Patient:innen für die Akutbehandlung eines Herzinfarkts in Deutschland
seltener verlegt als z.B. in skandinavischen Ländern. Beides führt zu
einer niedrigeren berechneten Krankenhaussterblichkeit.“ In Deutschland
ist die Verlegungshäufigkeit von Patient:innen mit akutem Herzinfarkt
geringer, weil eine Katheteruntersuchung und das Einsetzen von Stents in
vielen Krankenhäusern möglich ist.
Das Autor:innenteam ist deshalb der Meinung, dass der bei der OECD für
Deutschland bereitgestellte Indikator zur Krankenhaussterblichkeit nach
Herzinfarkt (‚AMI 30-day mortality using unlinked data‘) keine validen
Rückschlüsse auf die Qualität der Gesundheitsversorgung zulässt.

Originalpublikation:
OECD indicator ‘AMI 30-day mortality’ is neither comparable between
countries nor suitable as indicator for quality of acute care | Clinical
Research in Cardiology
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00392-023-02296-z.pdf?pdf=button%20sticky

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Kleiner Lebensretter im Brustkorb

Betroffene mit hohem Risiko für einen plötzlichen Herztod sind neben einer
optimalen medikamentösen Therapie mit einem implantierten Defibrillator
(ICD) am wirksamsten geschützt. Dafür gibt es verschiedene Geräte-Typen.
Eine neue Technologie steht voraussichtlich Ende dieses Jahres zur
Verfügung.

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 65.000 Menschen am plötzlichen
Herztod. Ursache dieses Sekundenherztods ist in den meisten Fällen ein
lebensbedrohliches Kammerflimmern, bei dem es zu einer unkoordinierten
Serie von schnellen Kontraktionen des Herzens kommt. „Nur wenn innerhalb
weniger Minuten eine Herzdruckmassage durch Laien erfolgt oder ein
sogenannter Defibrillator mit einem Stromstoß das Kammerflimmern beendet,
hat die oder der Betroffene eine Überlebenschance“, betont Prof. Dr. med.
Christian Butter, Leiter der Kardiologie am Immanuel Klinikum Bernau
Herzzentrum Brandenburg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der
Deutschen Herzstiftung anlässlich der bundesweiten Herzwochen (Motto
„Herzkrank? Schütze Dich vor dem Herzstillstand!“) mit zahlreichen
Informationsangeboten unter https://herzstiftung.de/herzwochen
An vielen Flughäfen, Bahnhöfen und in öffentlichen Gebäuden sind zunehmend
sogenannte automatisierte externe Defibrillatoren (AEDs) angebracht, die
von medizinischen Laien bedient werden können. Extern deswegen, weil der
Stromstoß von außen mittels Elektroden auf der Brust erfolgt. Auf einem
Display oder akustisch wird man Schritt für Schritt beim Bedienen eines
AEDs angeleitet, bis Ärzte und Sanitäter eintreffen. Infos zur
Wiederbelebung unter <https://herzstiftung.de/wiederbelebung>

Zwei Drittel der Betroffenen sind älter als 60 Jahre alt
„Ein plötzlicher Herztod ereilt etliche Menschen ohne Vorwarnung“, erklärt
Prof. Butter, der sich schwerpunktmäßig mit kardialen elektrischen
Implantaten beschäftigt. Zwei Drittel der Betroffenen sind älter als 60
Jahre alt; Männer trifft es doppelt so häufig wie Frauen. Verlieren
Menschen kurzzeitig das Bewusstsein (Synkope), haben regelmäßige starke
Brustschmerzen oder treten in einer Familie gehäuft Fälle eines
plötzlichen Herztodes auf, sollten sie eine kardiologische Praxis
aufsuchen. Denn dies können Warnzeichen sein, die auf das
lebensbedrohliche Ereignis hinweisen. Auch ein bereits überlebter
plötzlicher Herztod oder bestimmte Herzerkrankungen können die Gefahr
eines plötzlichen Herztods erhöhen. Das ist zum Beispiel bei einer länger
bestehenden Herzinsuffizienz (Herzschwäche) der Fall, bei der das Herz
nicht mehr in der Lage ist, genügend Blut zu pumpen und den Körper mit
ausreichend Sauerstoff zu versorgen. In jungen Jahren sind insbesondere
Menschen mit entzündlichen Herzmuskelerkrankungen, strukturellen
Veränderungen des Herzmuskels (Kardiomyopathien) oder mit genetisch
bedingten Herzrhythmusstörungen bedroht.

Sonden des Defibrillators überwachen den Herzrhythmus
„Patienten, die ein hohes Risiko für einen plötzlichen Herztod tragen,
sind neben einer optimalen medikamentösen Therapie mit der Implantation
eines Defibrillators (ICD) am wirksamsten geschützt“, betont Prof. Butter.
Die Abkürzung ICD steht für „Implantierbarer Cardioverter Defibrillator“.
Das kleine Gerät – die modernen Ausführungen sind maximal fünf Zentimeter
groß und zirka einen Zentimeter dick – wird meist in der linken Schulter
unter der Haut eingesetzt. Es besteht aus der Steuereinheit inklusive
Batterie sowie mindestens einer Sonde, die über die Vene in die rechte
Herzkammer gelegt wird. Diese Sonde überwacht den Herzrhythmus. Tritt das
gefährliche Kammerflimmern auf, normalisiert der Defibrillator mit einem
Stromstoß die Herzaktivität. Daneben kann das Gerät bestimmte regelmäßig
auftretende Herzrhythmusstörungen mittels Stimulationsimpulsen beenden
oder aber den Herzschlag wie ein Schrittmacher beschleunigen, wenn er zu
langsam ist. Davon merken die Patientinnen und Patienten nichts. „Eine
ICD-Schockabgabe dagegen ist für die meisten Patienten schmerzhaft“, sagt
Prof. Butter. „Er ist vergleichbar mit einem Schlag auf den Brustkorb.“
Allerdings würden die Betroffenen bei sehr schnellen Herzrhythmusstörungen
wie Kammerflimmern meist nach wenigen Sekunden bewusstlos werden, sodass
sie den Stromstoß nicht miterleben.

Mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Medizin
In der Regel reichen für die Implantation eines ICD-Defibrillators eine
lokale Betäubung sowie eine leichte Narkose. Die Patienten können am
selben oder am nächsten Tag die Klinik verlassen. Allein im Jahr 2021
wurden in Deutschland rund 20.000 ICD neu implantiert. „Ein ICD wacht über
den Herzrhythmus, kann lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen beenden und
so Leben retten“, so der Herzspezialist aus Bernau. „Bei der Entscheidung
für die Implantation eines ICD steht diese Schutzfunktion, einen
plötzlichen Herztod zu verhindern, im Vordergrund. Der ICD lindert keine
akuten Beschwerden wie Luftnot, Brustschmerzen oder geschwollene Beine.
Dafür kommen andere Therapien wie Medikamente oder interventionelle
Verfahren zum Einsatz.“ Patienten mit einem implantierten ICD werden
engmaschig kontrolliert. Dennoch kann es, verbunden mit einem ICD, zu
Risiken und Nebenwirkungen kommen. Die häufigste unerwünschte Nebenwirkung
sind sogenannte inadäquate Stromstöße, weil das Gerät harmlose
Herzrhythmusstörungen fehldeutet oder die Sonden falsche Messdaten
liefern. Das kann für Patienten psychisch sehr belastend sein.
Entzündungen im Bereich des implantierten Defibrillators oder der Sonden
können ebenfalls eine Folge sein. Um mögliche Komplikationen in solchen
Fällen zu vermeiden, muss der ICD dann meist entfernt werden. „Doch die
lebensrettende Wirkung der Defibrillator-Therapie, das geschenkte Leben,
überwiegt die möglichen Nebenwirkungen“, sagt Herzstiftungs-Experte Prof.
Butter. „Die Medizin hat mehr als 40 Jahre Erfahrung mit dem ICD-System.
Das ist der Goldstandard in der Defibrillator-Therapie.“
(weg)

Verschiedene Defibrillator-Typen

       Transvenöse Defibrillatoren werden unterhalb des Schlüsselbeins
auf dem Brustmuskel implantiert. Über die Schlüsselbeinvene werden ein
oder mehrere Sonden in die rechte Herzkammer gelegt. Dieses System heißt
„Implantierbarer Cardioverter Defibrillator“(ICD).

       Subkutane Defibrillatoren (subkutane ICD oder s-ICD) werden
unterhalb der linken Achsel zwischen Muskelschichten eingebracht, die
Sonden neben dem Brustbein unter der Haut platziert. Sie werden mit dem
Gerät per Kabel unter der Haut verbunden. Vorteil: Keine Gefahr von
schweren Infektionen. Nachteil: Sie können nicht wie die ICDs bestimmte
Herzrhythmusstörungen beheben oder als Schrittmacher fungieren.

       Extravaskuläre Defibrillatoren haben eine neue Technologie, die
voraussichtlich Ende 2023 zur Verfügung stehen wird. Das Aggregat wird in
der Achsellinie implantiert, die Elektrode hinter dem Brustbein auf dem
Herzen. Diese können Stimulationsimpulse abgeben und so bestimmte
regelmäßig auftretende Herzrhythmusstörungen beheben.

       Kardiale Resynchronisationssysteme (CRT) mit Defibrillator sind
besondere Herzschrittmacher, die über zwei Elektroden beide Herzkammern
erreichen und dafür sorgen, dass diese synchron aufeinander abgestimmt
schlagen. Dadurch verbessern sich bei Patienten mit Herzinsuffizienz die
Symptome. Diese Systeme haben häufig zusätzlich eine Defibrillatorfunktion
(CRT-D).

       Defibrillatorwesten sind Textilwesten mit Gurten, in die eine
Elektronik integriert ist, die den Herzrhythmus überwacht und falls
notwendig einen Stromstoß abgibt. Mittels Stimulationsimpulsen kann sie
bei Herzrhythmusstörungen auch den normalen regelmäßigen Herzschlag
ermöglichen. Die Westen werden vorübergehend von Patienten mit neu
diagnostizierter Herzinsuffizienz getragen oder wenn die Implantation
eines ICD noch unklar ist. Die Westen werden mit WCD abgekürzt für
„Wearable Cardioverter Defibrillator“.

(weg)

Service-Tipps
Die Deutsche Herzstiftung informiert in den bundesweiten Herzwochen 2023
(1.-30. November) unter dem Motto „HERZKRANK? Schütze Dich vor dem
HERZSTILLSTAND!“ darüber, wie Vorbeugung, Erkennung und konsequente
Behandlung von Herzerkrankungen helfen, das Risiko auf ein Minimum zu
reduzieren, dass das Herz plötzlich stillsteht. Infos zur Kampagne mit
kostenfreien Präsenz- und Online-Veranstaltungen, Herzseminaren,
Broschüren sowie Podcasts und Video-Clips unter
<https://herzstiftung.de/herzwochen> und über die sozialen Medien
instagram, facebook, YouTube, Linkedin und X (Twitter).

Der Ratgeber „Herzkrank? Schütze Dich vor dem Herzstillstand!“ (158 S.)
kann kostenfrei per Tel. unter 069 955128-400 (E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) angefordert werden. Leicht verständlich
informieren Herzexperten über die wichtigsten Ursachen des Herzstillstands
und wie Vorbeugung, Diagnose und konsequente Behandlung von
Herzerkrankungen helfen, das Risiko eines plötzlichen Herztods auf ein
Minimum zu reduzieren. Überlebende eines plötzlichen Herztods berichten
eindrücklich in Patientenportraits. Weitere Infos unter
https://herzstiftung.de/herzwochen

Experten-Videos und Podcasts zu Themen der Herzwochen bietet die
Herzstiftung unter:
<https://herzstiftung.de/herzwochen>

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Sechs Ursachen des plötzlichen Herztods: Worauf bei diesen Herzkrankheiten zu achten ist

Warum kann es bei Herzerkrankungen wie koronare Herzkrankheit,
Herzschwäche oder Myokarditis überhaupt zum Sekundenherztod kommen und
worauf sollten Betroffene achten?

Der plötzliche Herztod ist die häufigste Todesursache außerhalb von
Krankenhäusern. Jedes Jahr sterben in Deutschland über 65.000 Menschen
daran. Unmittelbarer Auslöser des plötzlichen Herztods ist fast immer eine
lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung aus den Herzkammern (Kammerflimmern,
Kammertachykardien), die Folge einer Herzerkrankung ist und innerhalb
weniger Minuten zu einem Kreislaufstillstand führt und das Herz
stillstehen lässt. Bei der Häufigkeit eines plötzlichen Herztods besteht
eine deutliche Abhängigkeit von Alter und Geschlecht: Männer über 65 Jahre
sind besonders häufig betroffen. Die Todesrate der über 79-jährigen Männer
ist sogar doppelt so hoch wie die der Frauen in dieser Altersgruppe.
Die Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte Herzkrankheiten einen plötzlichen
Herztod auslösen, ist ebenfalls abhängig vom Alter. „Die mit Abstand
häufigste Ursache bei Patienten über 40 Jahren ist die koronare
Herzkrankheit und ein dadurch bedingter Herzinfarkt, gefolgt von
Herzschwäche, Kardiomyopathien und Myokarditis sowie
Herzklappenerkrankungen“, stellt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas
Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, anlässlich
der bundesweiten Herzwochen unter dem Motto „Herzkrank? Schütze Dich vor
dem Herzstillstand!“ fest. Die Aufklärungskampagne bietet unter
<https://herzstiftung.de/herzwochen> ein umfangreiches Infoangebot für
Menschen mit Herzerkrankungen und Interessierte an.

Auch junge Herzen sind betroffen
Allerdings erleiden auch junge (sportliche) Menschen unter 40 Jahren, wenn
auch viel seltener als Ältere, einen plötzlichen Herztod. Plötzlich und
unerwartet kommt es bei ihnen meist ohne die bekannten vorherigen
Warnzeichen zum Herzstillstand. Jüngstes prominentes Beispiel war der
dänische Fußballprofi Christian Eriksen, der 2021 während der Fußball-EM
einen Herz-Kreislauf-Stillstand dank sofortiger Wiederbelebung überlebte.
Die häufigsten Ursachen bei Patienten vor dem 40. Geburtstag sind
angeborene Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien), genetisch bedingte
elektrische Herzerkrankungen (Ionenkanalerkrankungen),
Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) und Drogenabhängigkeit. Infos unter:
<https://herzstiftung.de/junge-herzen-retten>

Welche Warnzeichen gehen dem Sekundenherztod voraus?
Auch wenn der „Sekundenherztod“ plötzlich, nicht selten im Schlaf,
eintritt, gehen mit ihm in vielen Fällen vorangehende Symptome einher. Ein
Großteil der Überlebenden eines plötzlichen Herztods berichtet nach
erfolgreicher Wiederbelebung von Herzrasen, Atemnot, Brustschmerz,
Schwindelattacken und kurzer Bewusstlosigkeit oder Schwarzwerden vor den
Augen (Synkopen).

1.      Koronare Herzkrankheit (KHK): häufigste Ursache des
Sekundenherztods
Durchblutungsstörungen des Herzens durch die KHK, die Verkalkung der
Herzkranzgefäße (Arteriosklerose), sind die Hauptursache des plötzlichen
Herztods. In Deutschland ist bei rund fünf Millionen Menschen eine KHK
bekannt. Untersuchungen von plötzlich Verstorbenen ergaben, dass bei 75
bis 80 Prozent eine KHK bestand. Aber auch bei obduzierten unter
35-Jährigen, die einem plötzlichen Herztod erlagen, wurde in einer US-
Untersuchung bei 23 Prozent eine KHK festgestellt. Tückisch an der KHK
ist: Vom Patienten jahrelang unbemerkt, können sich durch Plaques aus
Kalk, Bindegewebe und Cholesterin an den Wänden von Herzkranzgefäßen
(Koronararterien) Veränderungen entwickeln, die sich erst bemerkbar
machen, wenn die Arterienverengung eine kritische Schwelle von 70-80
Prozent erreicht hat und es zur Minderversorgung des Herzmuskels mit
Sauerstoff und Nährstoffen kommt. Das führt dann unter körperlicher
Anstrengung zu Brustschmerzen, Brustenge (Angina pectoris) oder Luftnot.
„Hier sollte man unverzüglich eine Klinik aufsuchen“, betont Prof.
Voigtländer. Kommt es zu den Symptomen bereits in Ruhe und dauern sie
länger als fünf Minuten an, besteht Verdacht auf Herzinfarkt, der jeden
Moment in Kammerflimmern übergehen und so einen Herzstillstand auslösen
kann. „Betroffene müssen bei Herzinfarkt-Verdacht sofort den
Rettungsdienst über die 112 rufen.“ Bei manchen Patienten mit KHK oder
nach einem Herzinfarkt ist der plötzliche Herztod das erste Zeichen einer
Herzerkrankung, bei der vorab keine Symptome bemerkt wurden. Infos zu den
Herzinfarkt-Symptomen: <https://herzstiftung.de/herzinfarkt-anzeichen>

Therapie-Fokus auch auf Bluthochdruck, Diabetes und Cholesterin
Für die Behandlung der KHK stehen wirksame Medikamente gegen die Grund-
und Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, hohes Cholesterin und Diabetes
mellitus zur Verfügung. Zur Behandlung von Gefäßverengungen kommen neben
Medikamenten häufiger die katheterbasierte Stent-Therapie
(Stent=Gefäßstütze) zum dauerhaften Offenhalten der betroffenen Arterie
und bei komplexeren und Mehrgefäßverengungen die Bypassoperation zum
Einsatz. Therapiebegleitend sind Lebensstiländerungen durch regelmäßige
Bewegung, ausgewogene Ernährung, Rauchstopp und Gewichtskontrolle
erforderlich.

2. Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Gebannte Herztodgefahr dank
Defibrillator
Die Herzschwäche ist besonders häufig Ursache des plötzlichen Herztods, da
sie Endstadium zahlreicher Herzkrankheiten wie KHK und Herzinfarkt,
Klappenerkrankungen, Herzmuskelerkrankungen wie Herzmuskelverdickung
(durch Bluthochdruck und Diabetes) oder Rhythmusstörungen wie
Vorhofflimmern ist. „Deshalb sind die frühzeitige Erkennung und Therapie
dieser Herzkrankheiten so wichtig, um eine Herzschwäche zu verhindern oder
sie in ihrem Verlauf zu verzögern“, betont Prof. Voigtländer. Bei
Herzinsuffizienz ist das Herz nicht mehr in der Lage, genügend Blut zu
pumpen, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen zu
versorgen. Bei Herzinsuffizienzpatienten mit schwer eingeschränkter
Pumpleistung der linken Herzkammer besteht die Gefahr für plötzlichen
Herztod meist durch das Auftreten bösartiger schneller Rhythmusstörungen
aus der Herzkammer. Daher wird bei ihnen die Implantation eines
Kardioverter-Defibrillators (ICD), kurz „Defi“, empfohlen, wenn die Herz-
Pumpfunktion trotz optimaler medikamentöser Therapie über mindestens drei
Monate schwer eingeschränkt ist, die Auswurfleistung der linken Herzkammer
35 Prozent oder weniger beträgt (normal sind in Ruhe 55-65 Prozent, unter
maximaler Belastung 75 Prozent). Ein ICD schützt durch eine Schockabgabe
vor bösartigen Rhythmusstörungen aus der Herzkammer, die den
Herzstillstand auslösen. Je nach Art und Ursprungsort der zu verhindernden
bösartigen Herzrhythmusstörung stehen verschiedene ICD-Typen und bei nicht
mehr synchron schlagenden Herzkammern sogenannte Kardiale
Resynchronisationssysteme mit Defibrillator (CRT-D) zur Verfügung.

Medikamente verbessern Pumpleistung
Mit Hilfe von Medikamenten, meist in Kombination aus mehreren Substanzen,
bessert sich die Pumpleistung des Herzens häufig deutlich.
Therapiebegleitend sind Maßnahmen für einen gesunden Lebensstil durch
regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und Gewichtskontrolle
unverzichtbar. Infos unter <https://herzstiftung.de/herzschwaeche-
therapie>

3.      Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Typisch sind mehrdeutige
Symptome
Junge und ältere Menschen können von ihr betroffen sein: Die Myokarditis
und Perimyokarditis (Herzmuskel und Herzbeutel sind gleichzeitig
entzündet), sind in fünf Prozent der Sterbefälle durch plötzlichen Herztod
die Ursache. Man unterscheidet zwischen der viralen Myokarditis aufgrund
einer Infektion mit Coxsackieviren, Influenzaviren oder aktuell
Coronaviren sowie einer autoimmunen (autoreaktiven) Myokarditis, bei der
Immunzellen den Herzmuskel nicht von außen, sondern fälschlicherweise von
innen angreifen. Auch Bakterien und Pilze können eine Myokarditis
verursachen. „Ein Problem sind die mehrdeutigen Beschwerden bei der
viralen Myokarditis, weil Betroffene bei einer Virusinfektion Müdigkeit,
Abgeschlagenheit oder Kurzatmigkeit auf den Infekt zurückführen, ohne an
eine Beteiligung des Herzens zu denken“, berichtet Kardiologe Voigtländer.
„Schmerzen hinter dem Brustbein und Herzrasen können, müssen aber
keineswegs auftreten“, erklärt er. Besonders gefährdet, einen plötzlichen
Herztod zu erleiden, sind Patienten mit Myokarditis und Synkopen
(plötzlich kurzzeitige Bewusstlosigkeit), Attacken von Schwindelgefühl,
Herzklopfen und Herzstolpern. Infos unter
<https://herzstiftung.de/herzmuskelentzuendung>

Sport und Myokarditis: lebensgefährliche Kombination
Sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Sportlern kann auch eine
unerkannte Herzmuskelentzündung (Myokarditis) zum plötzlichen Herztod
führen. Eine Studie hat gezeigt, dass fast alle jungen Sportler, die
aufgrund einer Myokarditis gestorben waren, vorher eine Infektion der
oberen Atemwege durchgemacht hatten. Herzspezialisten raten Sportlern
deshalb, sich bei einem Infekt immer ausreichend zu schonen und das
Training erst dann wieder aufzunehmen, wenn sie wieder vollständig gesund
sind und sich fit fühlen. Wird eine Herzmuskelentzündung vermutet oder
diagnostiziert, muss die erkrankte Person eine Sportpause von mindestens
drei bis sechs Monaten einhalten, um das Risiko für schwere
Herzrhythmusstörungen und einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu minimieren.

4.      Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien): häufiger bei unter
40-Jährigen
Kardiomyopathien bestehen bei ca. 15 Prozent der am plötzlichen Herztod
Gestorbenen. Man unterscheidet zwischen krankhafter Erweiterung des
Herzmuskels (dilatative Kardiomyopathie, kurz: DCM), krankhafter
Verdickung (hypertrophe Kardiomyopathie, kurz: HCM) oder Versteifung des
Herzmuskels (restriktive Kardiomyopathie). Eine Herzmuskelverdickung (HCM)
kann auch durch Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Übergewicht
verursacht werden, wo ungünstige Druckverhältnisse bzw. entzündliche
Vorgänge Gefäßverengungen und Rhythmusstörungen mit negativen Folgen für
den Herzmuskel bewirken können.

Genmutationen erschweren es Gefährdete früh zu erkennen
Meist sind die Ursachen wie im Fall der HCM und DCM genetisch bedingt und
daher vererbbar. Auch Faktoren wie langjähriger Bluthochdruck, Diabetes,
übermäßiger Alkoholkonsum oder Entzündungen können die Herzmuskelzellen
schädigen bis hin zur Kardiomyopathie. Führt eine Myokarditis zu einer DCM
mit Herzschwäche, spricht man von inflammatorischer DCM. Genetisch
bedingte Kardiomyopathien sind neben elektrischen Herzerkrankungen häufig
Ursache von plötzlichen Herztodesfällen unter 40 Jahren. Eine Genvariante
mit Potenzial für bösartige Herzrhythmusstörungen ist die Arrhythmogene
rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC). „Aufgrund der erblichen
Komponente sollte jeder mit einer Häufung von plötzlichen Herztodesfällen
in der Familie, besonders im Alter unter 40 Jahren, hellhörig sein und
dies rasch in einem spezialisierten Zentrum diagnostisch abklären lassen“,
betont Prof. Voigtländer. Je nach Ursache und Art der Kardiomyopathie
können die Symptome variieren wie Abnahme der Pumpleistung des Herzens
oder Auslösen lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen. „Das Risiko für
vorzeitigen Herztod kann unterschiedlich ausfallen und muss individuell
vom Kardiologen eingeschätzt werden, ebenso die zu ergreifenden
Therapiemaßnahmen“, stellt Voigtländer fest. Infos unter
<https://herzstiftung.de/junge-herzen-retten>

5.      Herzklappenerkrankungen: Seltene Ursache für plötzlichen Herztod
Auch Patienten mit einer strukturellen Herzerkrankung wie Defekte der
Herzklappen haben ein erhöhtes Risiko für vorzeitigen Herztod. Der
Mitralklappenprolaps, der häufig vorkommt und überwiegend harmlos ist,
kann in seltenen Fällen mit Herzrhythmusstörungen einhergehen, die
lebensgefährlich werden können. Beim Mitralklappenprolaps wird die
Mitralklappe undicht und Blut fließt aus der linken Herzkammer in den
linken Vorhof zurück, was diese Klappe eigentlich verhindern müsste. In
seltenen Fällen kann der Mitralklappenprolaps zu einer deutlichen
Undichtigkeit der Herzklappe führen sowie eine Herzklappenentzündung und
Herzrhythmusstörungen, etwa Vorhofflimmern oder Extrasystolen,
begünstigen. Warum der plötzliche Herztod bei einem Mitralklappenprolaps
auftritt, ist bisher nicht bekannt. Angenommen wird ein Zusammenspiel aus
Gewebeveränderungen des Herzmuskels, einer vermehrten Neigung des Herzens
zu Rhythmusstörungen sowie vorübergehend vorhandenen ungünstigen Faktoren.

6.      Angeborene Herzfehler im Erwachsenenalter: Überlebenswichtige
Nachsorge
Über 90 Prozent der Patienten mit einem angeborenen Herzfehler erreichen
heute dank der Behandlungsfortschritte das Erwachsenenalter. Heute leben
ca. 330.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) in Deutschland.
EMAH stellen im Zusammenhang mit dem plötzlichen Herztod eine sehr
uneinheitliche Patientengruppe dar, weil es sehr viele verschiedene
angeborene Herzfehler und dementsprechend viele unterschiedliche Maßnahmen
zur Behandlung gibt. „Für EMAH erhöht sich das Risiko für plötzlichen
Herztod in Abhängigkeit von einer bestehenden Fehlfunktion der
Herzkammern, Vernarbungen oder fibrotischen Herzmuskelveränderungen
besonders bei komplexeren Herzfehlern im Langzeitverlauf. Ebenso bedeutsam
ist die Anzahl vorangehender Interventionen und Komplikationen“, berichtet
etwa die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene
Herzfehler (DGPK). Bei EMAH ist der plötzliche Herztod zwar ein seltenes
Ereignis (betroffen sind unter 0,1 Prozent aller EMAH pro Jahr), aber nach
einer Herzschwäche ist er einer der häufigsten Todesursachen (ca. 25
Prozent aller Todesfälle).
Herzrhythmusstörungen sind für ca. 80 Prozent aller Fälle eines
plötzlichen Herztods bei EMAH verantwortlich. Bei Patienten mit
angeborenem Herzfehler lassen sich Rhythmusstörungen zum Teil auf
anatomische Veränderungen im fehlgebildeten Herzen zurückführen. Oder sie
entwickeln sich mit der Zeit durch die beeinträchtigte
Strömungseigenschaft des Blutflusses in den Gefäßen (Hämodynamik) und der
Herzmuskelfunktion. Ebenso können sie Folge herzchirurgischer Eingriffe
und ihrer Restzustände sein. Bei EMAH können Rhythmusstörungen aus dem
Vorhof oder aus der Herzkammer entstehen mit entweder krankhaft
beschleunigter oder verlangsamter Herzfrequenz und oftmals zu schweren
Symptomen führen. Zu beachten ist, dass ein plötzlicher Herztod bei EMAH
auch im Rahmen anderer Ereignisse auftreten kann, z. B. bei
Thromboembolien, Herzinfarkten oder Einrissen der Aorta (Hauptschlagader).
„Für die Prävention von Komplikationen wie plötzlicher Herztod oder
Schlaganfall ist die kontinuierliche Nachsorge bei diesen Patientinnen und
Patienten durch einen EMAH-Spezialisten oder -Spezialistin daher
überlebenswichtig“, betont Herzstiftungs-Vorstand Prof. Voigtländer. Infos
für EMAH sind abrufbar unter <https://herzstiftung.de/emah-ratgeber>
(wi)

Service-Tipps
Die Deutsche Herzstiftung informiert in den bundesweiten Herzwochen 2023
(1.-30. November) unter dem Motto „HERZKRANK? Schütze Dich vor dem
HERZSTILLSTAND!“ darüber, wie Vorbeugung, Erkennung und konsequente
Behandlung von Herzerkrankungen helfen, das Risiko auf ein Minimum zu
reduzieren, dass das Herz plötzlich stillsteht. Infos zur Kampagne mit
kostenfreien Präsenz- und Online-Veranstaltungen, Herzseminaren,
Broschüren sowie Podcasts und Video-Clips unter
https://herzstiftung.de/herzwochen und über die sozialen Medien instagram,
facebook, YouTube, Linkedin und X (Twitter).

Der Ratgeber „Herzkrank? Schütze Dich vor dem Herzstillstand!“ (158 S.)
kann kostenfrei per Tel. unter 069 955128-400 (E-Mail:
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>) angefordert werden. Leicht verständlich
informieren Herzexperten über die wichtigsten Ursachen des Herzstillstands
und wie Vorbeugung, Diagnose und konsequente Behandlung von
Herzerkrankungen helfen, das Risiko eines plötzlichen Herztods auf ein
Minimum zu reduzieren. Überlebende eines plötzlichen Herztods berichten
eindrücklich in Patientenportraits. Weitere Infos unter
https://herzstiftung.de/herzwochen

Experten-Videos und Podcasts zu Themen der Herzwochen bietet die
Herzstiftung unter:
https://herzstiftung.de/herzwochen

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Was Sie über Prävention, Ursachen und Symptome von Leberzirrhose wissen sollten

Die Leber zu schützen ist für Boxer selbstverständlich. Der sogenannte
„Leberhaken“ – ein Schlag unter die rechten untersten Rippen – führt
meistens beim Getroffenen zum Knockout. Dass die Leber als lebenswichtiges
und komplexes Organ auch außerhalb des Boxringes besonderen Schutz und
Aufmerksamkeit verdient, sollten alle Menschen wissen und im Alltag
berücksichtigen. Wenn die Leber über Jahre hinweg chronisch erkrankt ist,
kann dies zu einer Leberzirrhose führen. Dies ist eine bindegewebige
Vernarbung, die alle Leberfunktionen beeinträchtigen kann. Oft bleibt
diese ernsthafte Erkrankung über einen langen Zeitraum unentdeckt und kann
unter anderem zur Entstehung von Leberzellkrebs führen.

Um auf die Bedeutung der Früherkennung, Prävention und die Notwendigkeit
der Aufklärung aufmerksam zu machen, informieren die Ausrichter des 24.
Deutschen Lebertages im Vorfeld des bundesweiten Aktionstages über die
Gefahr der Leberzirrhose. Der Deutsche Lebertag am 20. November 2023 hat
das Motto: „Kennen Sie Ihre Leberwerte?“ und wird von der Gastro-Liga e.
V., der Deutschen Leberhilfe e. V. und der Deutschen Leberstiftung
ausgerichtet.

Bereits vor über 500 Jahren zeichnete der vielseitige Künstler und
Wissenschaftler Leonardo da Vinci bei einer Autopsie die erste
Leberzirrhose der Medizingeschichte. Die diagnostischen Möglichkeiten der
modernen Medizin ermöglichen es, eine Leberzirrhose – oder deren Vorstufen
Leberentzündung (Hepatitis) und Leberfibrose – bereits zu Lebzeiten exakt
zu diagnostizieren. Trotzdem wird in vielen Fällen die Leberzirrhose erst
dann festgestellt, wenn die Symptome bereits gravierend und irreversible
Schäden an der Leber aufgetreten sind. Häufig geht eine Leberzirrhose über
Jahre mit keinen oder nur unspezifischen Symptomen wie beispielsweise
Appetitmangel, Müdigkeit oder Gewichtsverlust einher, die von den
Betroffenen nicht mit einer Lebererkrankung in Verbindung gebracht werden.
Zudem hält sich in der Bevölkerung weiterhin das unzutreffende Vorurteil,
dass nur Alkohol zu einer ernsthaften Lebererkrankung führen kann.

„Bei der Frage, was der Leber schaden und beispielsweise zu einer
Leberzirrhose führen kann, denken die meisten Menschen vermutlich zuerst
nur an Alkohol und dass beim Betroffenen ein erhöhter Alkoholkonsum
vorliegen muss. Doch das ist nicht richtig. Neben übermäßigem
Alkoholkonsum, der nach wie vor zu den Hauptursachen für Leberzirrhose
zählt, können auch Viruserkrankungen wie Hepatitis B und C,
Fettlebererkrankungen, Autoimmunerkrankungen und Stoffwechselstörungen zu
Leberzirrhose führen“, erklärt Prof. Dr. Christoph Sarrazin,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberhilfe e. V., und ergänzt: „Eine
Leberzirrhose entwickelt sich meistens über Jahre bis Jahrzehnte hinweg,
anfangs oftmals völlig ohne Symptome und wird deswegen häufig nicht
diagnostiziert. Leberzellkrebs als schwere Komplikation tritt in der Regel
erst bei Patienten mit Leberzirrhose auf. Doch es gibt auch Ausnahmen bei
der Entstehung von Leberzellkrebs: Beispielsweise kann eine Infektion mit
dem Hepatitis-B-Virus ohne Zirrhose zu Leberzellkrebs führen. Auch bei der
nicht-alkoholischen Fettleberentzündung kann Leberzellkrebs auftreten,
bevor eine Zirrhose vorliegt. Die Leberzirrhose ist in vielen Fällen
vermeidbar und behandelbar, vorausgesetzt, sie wird frühzeitig erkannt.
Mit dem Motto des diesjährigen Deutschen Lebertages ‚Kennen Sie Ihre
Leberwerte?‘ möchten wir dazu ermutigen, die Lebergesundheit ernst zu
nehmen und Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen.“

Der häufigste Grund für eine Lebertransplantation in den westlichen
Ländern ist heute die Leberzirrhose. In Deutschland hat die Leberzirrhose
von allen chronischen Erkrankungen, die eine Krankenhaus-Einweisung
erfordern, die höchste Sterblichkeitsrate. Die Zahl der
Krankenhauseinweisungen mit Leberzirrhose hat sich trotz der Einführung
hochwirksamer antiviraler Medikamente gegen Hepatitis C bundesweit erhöht.
Dabei ist die Vermeidung oder die Früherkennung einer Leberzirrhose mit
den folgenden wichtigen Maßnahmen erreichbar:

Gesunde Lebensweise
Ein moderater Alkoholkonsum, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige
körperliche Aktivitäten sind entscheidende Faktoren, um die
Lebergesundheit zu erhalten. Fettlebererkrankungen können auch ohne
übermäßigen Alkoholkonsum auftreten, betreffen etwa ein Viertel der
deutschen Bevölkerung und werden insbesondere bei Menschen mit Diabetes
mellitus und Übergewicht beobachtet. Bezeichnet werden diese seit Kurzem
als MASLD. Dies steht für die englische Abkürzung „Metabolic Dysfunction-
associated Steatotic Liver Disease“, also Stoffwechselstörung-assoziierte
steatotische Lebererkrankung). Solche stoffwechsel-bedingten
Fettlebererkrankungen sind immer häufiger die Ursache für eine
Leberzirrhose.

Impfungen
Schutzimpfungen gegen Hepatitis B schützen vor Ansteckung und können damit
auch Zirrhose und Leberzellkrebs aufgrund einer chronischen Hepatitis B
verhindern.

Früherkennung
Gesundheitschecks können helfen, Lebererkrankungen frühzeitig zu erkennen,
um diese effektiv behandeln zu können. Die Untersuchung der Leberwerte im
Blut (GPT, GOT und GGT) kann einen ersten Hinweis auf eine Lebererkrankung
liefern. Gesetzliche Krankenkassen bieten ihren Versicherten ab einem
Alter von 35 Jahren an, sich im Rahmen der „Gesundheitsuntersuchung“
einmalig auf Hepatitis B und C untersuchen zu lassen. Chronische Hepatitis
B ist medikamentös behandelbar und Hepatitis C heute fast immer heilbar.

Risikobewusstsein
Menschen mit einem erhöhten Risiko wie etwa Personen mit familiärer
Vorbelastung, Adipositas oder bestimmten Krankheiten, sollten besonders
auf ihre Lebergesundheit achten.

Aufklärung
Es ist wichtig, das Bewusstsein für die Leber und Lebererkrankungen zu
schärfen und Informationen über Prävention und Früherkennung zugänglich zu
machen.

Bis vor Kurzem wurde das Stadium einer Leberzirrhose als nicht
rückbildungsfähig angesehen. Seit einigen Jahren hat sich aber gezeigt,
dass in gewissen Fällen die Leber zumindest im Anfangsstadium der Zirrhose
doch noch ein gewisses Rückbildungs- und Erholungspotenzial hat. Dieses
kann sich aber nur entfalten, wenn es konsequent gelingt, die auslösenden
Ursachen wie Hepatitisviren, Alkohol oder einen Lebensstil mit ungesunder
Ernährung und wenig Bewegung zu beseitigen. Wird eine Rückbildung der
Zirrhose nicht erreicht, besteht die Hoffnung, durch eine entsprechende
Therapie und den kompletten Verzicht auf lebertoxische Substanzen den
Leberzustand im aktuellen Stadium zu erhalten und ein weiteres
Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Gelingt auch dies nicht, sei
es durch Therapieversagen oder weiteren Konsum, ist im Lauf der Zeit mit
dem kompletten Funktionsverlust der Leber zu rechnen. Dann kann nur eine
Lebertransplantation das Leben des Patienten retten.

Mehr Informationen zum 24. Deutschen Lebertag und alle bislang im Rahmen
des diesjährigen Deutschen Lebertages veröffentlichten Presseinformationen
finden Sie unter: http://www.lebertag.org.

Ausrichter und Ansprechpartner des 24. Deutschen Lebertages:

Deutsche Leberhilfe e. V., Prof. Dr. Christoph Sarrazin,
Vorstandsvorsitzender
Krieler Straße 100, 50935 Köln ● <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> ●
https://www.leberhilfe.org

Deutsche Leberstiftung, Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover ● <presse@deutsche-leberstiftung.de>
https://www.deutsche-leberstiftung.de

Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und
Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-
Liga) e. V., Prof. Dr. Peter R. Galle, Mitglied des Wissenschaftlichen
Beirats
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen ● <geschaeftsstelle@gastro-liga.de>
https://www.gastro-liga.de

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