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Venenleiden – Behandlungsmethoden und Tipps zur Vorbeugung

Venenleiden Symbobild
Venenleiden Symbobild

Schwache Venen äußern sich in verschiedenen Beschwerden und können ohne Behandlung zu Komplikationen führen. Wie sich dem Venenleiden aktiv vorbeugen lässt und welche Behandlungsmethoden es gibt, zeigt folgender Beitrag zu diesem Thema.

Venenleiden – was genau ist das?

Dabei handelt es sich um eine Funktionsstörung der Venen, das heißt, die Venen sind in ihrer normalen Funktion eingeschränkt und können das Blut nicht mehr richtig in die richtige Richtung transportieren. Alles beginnt bei den meisten Menschen mit Krampfadern, die erst kaum, dann aber deutlich zu sehen sind. Aufgrund der eingeschränkten Venenfunktion kann die Flüssigkeit aus den Beinen nicht mehr optimal abtransportiert werden, es lagert sich mehr Wasser ein, sogenannte Ödeme sind die Folge. In den meisten Fällen sind die Beinvenen betroffen.

Die Ursachen sind genetische Veranlagungen und anatomische Besonderheiten der Gefäße. Typische Symptome sind zusätzlich zu Krampfadern und geschwollenen Beinen eine bräunlich verfärbte Haut an den Unterschenkeln, aber auch Ekzeme, die schlecht heilen, offene Stellen oder Thrombosen und Embolien.

Tipp: Schwere- und Spannungsgefühle in den Beinen bis hin zu Schmerzen treten oft schon vor der optischen Ausprägung des Venenleidens auf.

Was kann man dagegen tun?

Schon bei den ersten Anzeichen zu reagieren, ist bei einer Venenschwäche sehr wichtig.

  • Besenreiser: Besenreiser sind noch keine Anzeichen eines Venenleidens und eher optisch störend. Sie können jedoch bereits Vorboten von späteren entstehende Krampfadern sein. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Patienten für das Besenreiser entfernen. Dabei kommt die Verödung oder Lasertherapie (oder eine Kombination beider Methoden) zum Einsatz.
  • Krampfadern: Echte Krampfadern lassen sich chirurgisch entfernen. Alternativ kommen Lasertherapie, Verödung und Radiowellentherapie zum Einsatz.
  • Kompression: Um den natürlichen venösen Fluss zu unterstützen, ist das regelmäßige Tragen von Kompressionsstrümpfen oder elastischen Bandagen wichtig. Diese unterstützen die Venen in ihrer Arbeit und verhindern die weitere Dehnung der Gefäße sowie das Risiko einer Thrombose oder Embolie.
  • Kneippkuren: Mit kalten Unterschenkelgüssen und Wassertreten lassen sich Beschwerden bei Krampfadern ebenfalls lindern.
  • Massagen: Ebenfalls hilfreich sind regelmäßige Beinmassagen, um den Abfluss der Gewebsflüssigkeit zu fördern.
  • Sport: Viel Bewegung und die Stärkung der Beinmuskulatur sind ebenfalls entscheidend, da eine gut ausgebildete Muskulatur die geschwächten Venen stärken kann.
  • Entwässernde oder venenstärkende Medikamente (im fortgeschrittenen Stadium)
  • Behandlung möglicher Geschwüre

Kann man einem Venenleiden vorbeugen?

Die Veranlagung zur Venenschwäche wird häufig vererbt. Dennoch lässt sich mit einigen Maßnahmen das Auftreten bzw. die Verschlimmerung von Beschwerden verhindern.

Diese Maßnahmen sind vorbeugend möglich:

  • Regelmäßig Sport treiben, bei dem die Muskulatur der Beine trainiert wird. Geeignet sind zum Beispiel Ausdauersportarten wie Joggen, Nordic Walking oder Schwimmen sowie Fahrradfahren.
  • Bei sitzender Tätigkeit im Beruf regelmäßig Beinübungen am Arbeitsplatz durchführen, z. B. Fußwippe oder Oberschenkelpresse.
  • Wer Übergewicht hat, sollte unbedingt abnehmen.
  • Auf das Rauchen verzichten, da es die Gefäße zusätzlich schwächt.
  • Abends einfach mal die Beine hochlegen, das entlastet die Venen.
  • Regelmäßige Wechselduschen und Kneipp-Anwendungen verbessern die Blutzirkulation.
  • Das Tragen von flachem Schuhwerk sowie bequemer Kleidung ist ebenfalls zu empfehlen.
  • Saunagänge und lange Sonnenbäder sind bei ersten Krampfadern nicht zu empfehlen, da die Wärme die Gefäße zusätzlich erweitert.
  • Im Hochsommer sollte man sich lieber ein kühles Plätzchen im Schatten suchen, anstatt in der Sonne zu liegen.

Wichtig: Auf langen Reisen ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen zur Vermeidung einer Thrombose zu empfehlen. Regelmäßige Beinübungen zwischendurch reduzieren das Risiko zusätzlich.

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Vereint gegen Antibiotika-Resistenzen

AMS-MAN: Mainfränkisches Antimicrobial Stewardship Netzwerk wächst weiter

Die Antimicrobial Stewardship (AMS) am Uniklinikum Würzburg (UKW) setzt
sich für einen indikationsgerechten und verantwortungsvollen Einsatz von
Antiinfektiva/Antibiotika ein, um Kollateralschäden wie
Resistenzentwicklungen oder Arzneimittelinduzierte Nebenwirkungen zu
reduzieren. Ihre Expertise teilt sie im regionalen Netzwerk AMS-MAN, dem
mit den Haßberg-Kliniken gerade der fünfte Kooperationspartner beigetreten
ist.

Würzburg. Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO)
erklärte im Jahr 2019 die antimikrobielle Resistenzen (AMR) zu einer der
zehn größten globalen Bedrohungen für die Gesundheit. Wenn Bakterien,
Viren, Parasiten, und Pilze zunehmend resistent gegen Antibiotika,
Virostatika und anderen entsprechenden antimikrobiellen Wirkstoffen
werden, lassen sich Infektionen immer schlechter oder gar nicht mehr
behandeln. Im Zuge von nationalen und internationalen Aktionsplänen hat
die Bundesregierung im Jahr 2015 mit der Deutschen Antibiotika-
Resistenzstrategie (DART 2020) Maßnahmen gebündelt. Unter anderem wurde
auch das Infektionsschutzgesetz §23 entsprechend modifiziert. Zeitgleich
startete Dr. Güzin Surat am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), um als
Infektiologin und AMS-Expertin aus der Stabsstellenzugehörigkeit der
Krankenhaushygiene AMS am UKW zu etablieren. Mit Erfolg!

Fünfte Klinik im regionalen AMS-Netzwerk aufgenommen

Das UKW zeichnet sich seit einigen Jahren durch einen besonders niedrigen
Verbrauch an Antibiotika aus und steht im Vergleich mit anderen deutschen
Uniklinika an der Spitze (siehe weiter unten Informationen zum ADKA-if-
DGI-Projekt). Neben regelmäßigen Antibiotika-Visiten am UKW, Fortbildungen
und Schulungen hat Güzin Surat gemeinsam mit der Zentraleinheit für
Massenspektrometrie (ZKMS) am UKW das Therapeutic Drug Monitoring (TDM)
auf β-Laktam-Antibiotika* ausgeweitet, mit dem Servicezentrum Medizin-
Informatik (SMI) eine Antiinfektiva-App eingeführt, sowie parallel ein
regionales Netzwerk mit anderen Kliniken in Mainfranken aufgebaut. Nach
der Klinik Kitzinger Land, der Main-Klinik Ochsenfurt, dem Krankenhaus St.
Josef in Schweinfurt und dem König-Ludwig-Haus in Würzburg sind die
Haßberg-Kliniken in Haßfurt der fünfte Kooperationspartner im AMS-MAN
Netzwerk.

Dr. Manfred Knof, Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin der Main-Klinik
Ochsenfurt, erklärt die Vorteile von AMS-MAN für die kooperierenden
Klinika: „Der Gesetzgeber fordert von uns Ärztinnen und Ärzten einen
rationalen und verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika. Durch das vom
Uniklinikum Würzburg angebotene Netzwerk haben wir beste Expertise und
Beratungen bei unseren Visiten, die durch Dr. Surat mitangeboten werden.
Wichtig ist für uns vor allem, dass wir im Rahmen der Antiinfektiva-
Surveillance die Erreger- und Resistenzprofile besprechen können. Damit
haben wir den goldwerten Vorteil vom UKW auch bei uns in Ochsenfurt.“

Antibiotika-Visiten für eine Verbesserung der Verschreibungsqualität

Da die Kliniken einer Region durch Verlegungen in einem ständigen
Austausch von Patientinnen und Patienten stehen, ist es umso wichtiger
über eine Harmonisierung von Antiinfektiva-Standards einen konformen
Wissens-und Ausbildungsstand in der Prophylaxe und Therapie von
Infektionen zu garantieren, um so auch sekundär eine verbesserte regionale
Resistenzkontrolle zu bewirken. Güzin Surat und ihr Stellvertreter, Dr.
Axel Gehrmann, besuchen in ein- bis zweiwöchigem Rhythmus ihre Kolleginnen
und Kollegen in den kooperierenden Krankenhäusern. Dort führen sie
gemeinsam Antibiotika-Visiten durch und analysieren die Verordnungspraxis.
„Wir besprechen jede Patientin und jeden Patienten, die mit Antiinfektiva
behandelt werden“, betont Güzin Surat. „Wir klären gemeinsam die
Indikation, setzen die vorhandenen mikrobiologischen Befunde in Vergleich
zum Krankheitsgeschehen und empfehlen dabei, die für die Patientinnen und
Patienten bestmögliche Substanz auszuwählen. Dabei besprechen wir auch die
Dosierung und die Form der Darreichung. Die Deeskalation ist ein weiteres
Prinzip der Verordnungsanalysen, indem wir zum Beispiel von einem
Breitband-Antibiotikum mit breitem Erregerspektrum, auf ein
Schmalspektrum-Antibiotikum gehen, mit dem wir gezielt nachgewiesene
Erreger angreifen.“

Antiinfektiva-App für eine verbesserte Anwendung des Antibiotika-Einsatzes

In den vergangenen Jahren konnte die Arbeitsgruppe AMS - bestehend aus
Apotheke, Hygiene, Mikrobiologie, Infektiologie der medizinischen Klinik
und pädiatrische Infektiologie - mehr als 20 klinische Standards
implementieren, die sich an den aktuellen Leitlinien orientieren und das
spezifische lokale Erreger- und Resistenzprofil berücksichtigen. Zu den
Standards zählt zum Beispiel eine detaillierte Dosistabelle für die von
der Klinikapotheke regulär vorgehaltenen Antiinfektiva. „Diese und weitere
Standards haben wir in der Antiinvektiva-App zusammengefasst. Sie ist
quasi unsere Antibiotika-Fibel, die wir allen stationären und ambulanten
Bereichen am UKW, aber auch unseren Partnern im Netzwerk für eine
verbesserte Anwendung des Antibiotika-Einsatzes zur Verfügung stellen“,
sagt Axel Gehrmann.

Patientenindividuelle Dosierung mit Therapeutic Drug Monitoring

Ein weiterer Baustein im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen ist das TDM
für patientenindividuelle Dosierung. „Medikamente werden von Frauen,
Männern, Kindern, übergewichtigen und vorerkrankten Personen sehr
unterschiedlich verstoffwechselt“, weiß Güzin Surat, die sich gerade zum
Thema AMS habilitiert. „Um die Dosierung präzise anzupassen, messen wir
die Konzentrationen der Wirkstoffe im Blut der Patientinnen und
Patienten.“

Ein weiteres Ziel der Infektiologin sind einheitliche regionale
Resistogramme, die darüber informieren, wie empfindlich welche
bakteriellen Krankheitserreger gegen bestimmte Antibiotika sind. „Dazu
müssen wir eng mit den mikrobiologischen Laboren zusammenarbeiten“, so
Surat. „AMS bedeutet auch Diagnostic Stewardship, also die optimierte
Anwendung von diagnostischen Mitteln.“

Signifikante Senkung des Antibiotikaverbrauchs hat keinen negativen
Einfluss auf das Behandlungsergebnis

Mit ihren multimodalen Maßnahmen konnte am UKW der Gesamtverbrauch an
Antibiotika am UKW signifikant gesenkt werden. So ging zum Beispiel der
Verbrauch von Cephalosporinen der dritten Generation, einem Breitband-
Antibiotikum mit ungünstigem Resistenzmechanismus, deutlich zurück. Auch
der Verbrauch an Reserveantibiotika konnte reduziert werden. „Denn ein
Reserveantibiotikum soll auch eine Reserve bleiben und nicht zum Standard
werden, da jeder Einsatz von Antibiotika die Bildung von Resistenzen
fördert“, kommentiert Güzin Surat. „Die Überprüfung unserer Maßnahmen hat
zudem gezeigt, dass die Senkung des Antibiotikaverbrauches keinen
negativen Einfluss auf das Behandlungsergebnis geführt hat.“

* β-Lactam-Antibiotika gehen auf das Penicillin zurück und haben in ihrer
Strukturformel einen viergliedrigen Beta-Laktam-Ring, wodurch sie die
Synthese der bakteriellen Zellwand stören.

Über das ADKA-if-DGI-Projekt:
Im ADKA-if-DGI-Projekt erheben die Abteilung Infektiologie des
Universitätsklinikums Freiburg und der Bundesverband Deutscher
Krankenhausapotheker seit dem Jahr 2007 die Antiinfektiva-Verbrauchsdaten
von mehr als 100 deutschen Krankenhäusern. Dargestellt wird der Verbrauch
quartalsweise in Form von Anwendungsdichten, stratifiziert nach
Fachabteilungen sowie Normal- und Intensivstationen. Dies ermöglicht den
für die Qualitätssicherung essentiellen Benchmark. Die erforderlichen
Daten des UKW werden -regelmäßig von der Klinikapotheke bereitgestellt.
Seit dem Jahr 2018 weist das ADKA-if-DGI-Projekt Uniklinika als eigene
Teilnehmer-Kategorie aus.

Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie DART:
Das Bundesministerium für Gesundheit hat 2015 gemeinsam mit den
Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie Bildung und
Forschung die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie „DART2020“
erarbeitet. Sie wurde im Mai 2015 vom Bundeskabinett verabschiedet. Die
erzielten Ergebnisse sollen mit der im April 2023 verabschiedeten
Resistenzstrategie „DART2030“ weiter vertieft werden. Die zu erreichenden
Ziele und Maßnahmen bei der Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen auf
nationaler Ebene und in der internationalen Zusammenarbeit werden in sechs
Handlungsfeldern dargestellt: 1. Prävention, 2. Surveillance und
Monitoring, 3. Sachgerechter Antibiotikaeinsatz inklusive Labordiagnostik,
4. Kommunikation und Kooperation, 5. Europäische und internationale
Zusammenarbeit, 6. Forschung und Entwicklung.

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Erhöht eine Allergie das Risiko für Long-COVID?

Wissenschaftler:innen der Universitätsmedizin Magdeburg untersuchen
erstmals systematisch die Rolle von Allergien bei der Entwicklung von
Long-COVID.

Welche Faktoren das Long-COVID-Risiko beeinflussen können, ist nach wie
vor nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler:innen am Institut für
Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Otto-von-Guericke-
Universität Magdeburg haben die Rolle von Allergien genauer untersucht und
sind der Frage nachgegangen, ob allergische Erkrankungen das Risiko
erhöhen können, Long-COVID nach einer SARS-CoV-2-Infektion zu entwickeln.
Die Auswertung von 13 relevanten Studien mit insgesamt 9.967
Teilnehmenden, die zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 19. Januar 2023
veröffentlicht wurden, zeigte, dass Menschen mit Asthma oder allergischer
Rhinitis (Entzündung der Nasenschleimhaut) eine erhöhte Chance für Long-
COVID haben könnten. Es handelt sich um die erste systematische
Übersichtsarbeit, die Hinweise für eine Rolle allergischer Erkrankungen im
Zusammenhang mit Long-COVID liefert. Die Ergebnisse wurden in dem
Fachjournal Clinical & Experimental Allergy veröffentlicht.

Prof. Dr. Christian Apfelbacher (PhD), Institutsdirektor und
korrespondierender Autor der Arbeit, betont: „Obwohl die Daten aus den
Studien insgesamt darauf hindeuten, dass Personen mit Asthma oder Rhinitis
nach einer SARS-CoV-2-Infektion ein erhöhtes Risiko für Long-COVID haben
könnten, war die Beweislage für diesen Zusammenhang sehr unsicher.“ Daher
sei eine solidere epidemiologische Forschung erforderlich, um die Rolle
von Allergien bei der Entwicklung von Long-COVID zu klären. „Wir brauchen
eine bessere, harmonisierte Definition dessen, was als Long-COVID für
epidemiologische Studien dieser Art gilt. Unabhängig davon, werden wir
unsere Analyse aktualisieren, sobald in den nächsten Monaten weitere
Studien veröffentlicht werden", erklärt der Epidemiologe.

In der Arbeit der Forschungsgruppe wurde wissenschaftliche Literatur
systematisch nach prospektiven Kohortenstudien mit einer
Nachbeobachtungszeit von mindestens 12 Monaten für Long-COVID durchsucht.
Es wurden Personen mit einer bestätigten SARS-CoV-2-Infektion und
Informationen über vorbestehende allergische Erkrankungen eingeschlossen.

Long-COVID ist ein Krankheitsbild, das weltweit eine große Anzahl von
Menschen betrifft und durch eine Vielzahl an Symptomen gekennzeichnet ist.
Die Ursachen von Long-COVID sind noch nicht genau geklärt. Derzeit geht
man davon aus, dass hauptsächlich eine Störung des Immunsystems die
Entwicklung beeinflusst. Häufige und teilweise über ein Jahr anhaltende
Symptome von Long-COVID sind Atembeschwerden, Belastungsintoleranz und
eine chronische Müdigkeit.

Die systematische Übersichtsarbeit ist als Teil des Projekts „egePan
Unimed“ entstanden und wurde im Rahmen des Forschungsnetzwerks der
Universitätsmedizin NUM vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) (Förderkennzeichen: 01KX2021) gefördert.

Foto (v.l.): Das Forschungsteam aus dem Institut für Sozialmedizin und
Gesundheitssystemforschung (ISMG) der Universität Magdeburg: Karl Philipp
Drewitz (Wissenschaftlicher Mitarbeiter), Angela Ulrich (Wissenschaftliche
Mitarbeiterin), Institutsdirektor Prof. Christian Apfelbacher und Doreen
Wolff (Wissenschaftliche Mitarbeiterin). Fotografin: Sarah
Kossmann/Universitätsmedizin Magdeburg

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Christian Apfelbacher (PhD), Direktor am Institut für
Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Otto-von-Guericke-
Universität Magdeburg, Telefon: +49-391-67-24316,
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..de

Originalpublikation:
Allergic diseases as risk factors for Long-COVID symptoms: Systematic
review of prospective cohort studies, Clinical & Experimental Allergy
8.11.2023. https://doi.org/10.1111/cea.14391

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Neues Antikörper-Shuttle-Medikament gegen Multiple Sklerose

Ein neu entwickeltes Medikament bringt Hoffnung für MS-Patientinnen und
-Patienten. // Mithilfe eines neuartigen Molekül-Shuttles können
Antikörper direkt ins Gehirn transportiert werden. // Das MS-Zentrum am
Uniklinikum Dresden beteiligt sich an einer weltweiten Studie zur
Sicherheit.

Mit der Diagnose Multiple Sklerose ist für Patientinnen und Patienten
eines klar: Sie leiden an einer unheilbaren Krankheit. Rund 280.000
Deutsche kämpfen mit der Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem das
eigene zentrale Nervensystem angreift. Im Zentrum für Multiple Sklerose
(MS) am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden wird nun erstmals
ein Medikament getestet, das die Abwehrzellen des Körpers mithilfe von
Antikörpern dort abtötet, wo sie Schaden anrichten: im Gehirn.
Problematisch war bislang, die Antikörper über die natürliche
Schutzbarriere des Gehirns hinweg direkt dorthin zu transportieren, wo die
körpereigenen B-Zellen im Falle einer MS-Erkrankung für Entzündungen
verantwortlich sind. Bei dem neuartigen Medikament macht sich die
Forschung nun die Eigenschaften von speziellen Proteinen zunutze, wobei
man den Antikörper mit einem Transport-„Shuttle“-Eiweiß verknüpft. Am
Uniklinikum nimmt bereits die zweite MS-Patientin an einer Phase-I-Studie
teil.

Mehr als 2.000 Patientinnen und Patienten werden am Multiple-Sklerose-
Zentrum des Universitätsklinikums Dresden behandelt. Eine von ihnen ist
Ivonne Dähn: Dass sie unter Multipler Sklerose leidet, stellt sich vor gut
20 Jahren heraus. Doch der Weg bis zur Diagnose war lang, ihr gingen Jahre
der Unsicherheit voraus, in denen Ivonne Dähn nicht weiß, was ihr
eigentlich fehlt. Alles begann mit einem Schleier auf ihrem Auge, später
kam hinzu, dass ihre Beine schwächer wurden, sie das Radfahren aufgeben
musste, sich ihr körperlicher Zustand weiter verschlechterte. Eine MRT-
Untersuchung brachte Ivonne Dähn nach Jahren in einem Schwebezustand
schließlich die Gewissheit: Sie leidet unter Multipler Sklerose.
Tatsächlich ist die Erkrankung in einigen Fällen sehr schwer zu
diagnostizieren und wird deshalb auch als „Krankheit der 1.000 Gesichter“
bezeichnet. Es gibt unterschiedliche Symptome, die in Schüben oder
schleichend auftreten können, die Bandbreite ist groß. Seit 2018 ist
Ivonne Dähn Patientin am MS-Zentrum im Uniklinikum Dresden. Nach der
Diagnose musste sie ihren Job als pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin
in der Apotheke aufgeben, brachte vor 13 Jahren aber einen gesunden Jungen
zur Welt und bewältigt seitdem das Familienleben gemeinsam mit ihrem Mann
- so gut es geht. Ein kleines Elektromobil oder ein Gehstock sind ihre
stetigen Begleiter. Sport gehört ebenso zu ihrem Alltag, um die Muskeln zu
kräftigen.

Multiple Sklerose ist derzeit nicht heilbar. Mittels Medikamenten ist es
zumindest möglich, die Entzündungsschübe abzuschwächen oder hinauszuzögern
– mithilfe moderner Therapien kann die Mehrzahl der Patientinnen und
Patienten stabilisiert werden, ohne dass es zu einem Fortschreiten der
Erkrankung kommt. Akute Schübe werden mit Kortison behandelt, während eine
Immuntherapie heute häufig auf Antikörper setzt, die die aggressiven
Immunzellen des Körpers eliminieren oder blockieren. Ivonne Dähn leidet
unter einer langjährigen MS, bei der keine Schübe auftreten. Diese Form
ist besonders schwierig zu behandeln, weil im Gehirn chronische Prozesse
ablaufen. Hier setzt ein neues Medikament an, das den Körper „austrickst“
und genau dort wirken soll, wo die entzündlichen Prozesse stattfinden. Ein
Hoffnungsschimmer für viele MS-Patientinnen und -Patienten.

Prof. Tjalf Ziemssen, Direktor des Zentrums für klinische
Neurowissenschaften und Leiter des MS-Zentrums, begleitet in Kooperation
mit der Firma Roche eine weltweite Studie, bei der dieses neu entwickelte
Medikament erstmals überhaupt an Patientinnen und Patienten verabreicht
wird. „Als MS-Zentrum haben wir personell und technisch die besten
Voraussetzungen und optimalen Möglichkeiten, eine solch wichtige
Medikamentenstudie zu realisieren“, sagt Prof. Ziemssen. Ivonne Dähn hat
sich freiwillig für die erste Testphase gemeldet und wird dabei engmaschig
vom Team um Prof. Ziemssen betreut. Studienschwestern nehmen regelmäßig
Blutproben, auch das Gehirnwasser wird im Zuge der Studie mehrmals
untersucht und das Wohlbefinden der Patientin dokumentiert.

Die aufwendige Prozedur nimmt Ivonne Dähn in Kauf, denn sie möchte die
Erforschung der Krankheit und möglicher Gegenmittel unterstützen. Ob sie
selbst von dem neuen Medikament profitiert, ist ungewiss. „Ich habe nichts
zu verlieren“, sagt die 45-Jährige, die im Vogtland wohnt und mehrmals
wöchentlich ans Uniklinikum nach Dresden kommt. Das neue Medikament
verträgt sie gut. Die Untersuchungen seien nicht immer schmerzfrei, räumt
Ivonne Dähn ein. „Aber ich weiß, worauf ich mich eingelassen habe. Und ich
möchte anderen helfen“, sagt sie. Prof. Ziemssen betont, wie wichtig die
Bereitschaft von Patientinnen und Patienten ist, an derartigen Studien
teilzunehmen. Auch wenn das Medikament ihnen selbst in dieser frühen
Testphase womöglich gar nicht hilft.

Protein-Shuttle überwindet Schutzbarriere des Gehirns

Bei dem neuen Medikament fungieren Protein-Moleküle als eine Art Shuttle,
das – bestückt mit dem Antikörper – die Barriere zwischen Gefäß und Gehirn
überwindet. Dort, wo die B-Zelle des eigenen Immunsystems an entzündlichen
Prozessen im Gehirn beteiligt ist, hofft man, dass der Antikörper die
B-Zelle gezielt ausschalten kann. Ob dies tatsächlich genauso
funktioniert, wie sich das die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
vorstellen, muss mithilfe von an MS erkrankten Menschen getestet werden.
Dafür wird nun zunächst in der Phase-I-Studie überprüft, wie verträglich
das Medikament ist. Weil dabei eine geringe Dosis verabreicht wird, um die
Patientinnen und Patienten nicht zu gefährden, entfaltet das Medikament
mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht seine volle Wirkung. Verläuft
diese Testphase erfolgreich, wird in den nächsten Phasen die Dosis erhöht,
bis die passende Menge des Medikaments ermittelt ist. Danach erfolgt dann
die mehrmalige Gabe des Medikaments im Rahmen der aktuellen Studie, für
die in Dresden noch weitere Patientinnen und Patienten gesucht werden.
Erst dann erfolgen Phase-II- und -III-Studien, die Basis für die Zulassung
des Medikamentes sind.

„Die Hochschulmedizin Dresden steht für enge Verzahnung von
Patientenversorgung und Forschung“, sagt Prof. Michael Albrecht,
Medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum. „Durch die große Expertise
in der Behandlung von MS-Erkrankten ist das Uniklinikum optimal
aufgestellt, um derart wichtige Studien zu begleiten. Wir sind dankbar für
das große Vertrauen unserer Patientinnen und Patienten, die wie in diesem
Fall die Entwicklung neuer Medikamente unterstützen und dafür sogar sehr
weite Wege in Kauf nehmen.“

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