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Gesundheit

Bessere Behandlungschancen für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler

Herzstiftung fördert Aufbau eines Patientenregisters zur Herzschwäche bei
Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH): Wertvolle Daten für mehr
Sicherheit und neue Therapieansätze. Gefahr durch Komplikationen: Wie EMAH
von regelmäßiger Nachsorge, Prävention und Gesundheitsförderung
profitieren

Weltweit leben rund 50 Millionen Erwachsene mit einem angeborenen
Herzfehler, mehr als 360.000 allein in Deutschland. Damit ist die Zahl der
erwachsenen Patienten – Ärzte verwenden auch die Abkürzung EMAH –
inzwischen größer als jene der Kinder mit einem angeborenen Herzfehler
(AHF). Während vor 100 Jahren noch 70 bis 80 Prozent der jungen Patienten,
die einen relevanten Herzfehler hatten, verstorben sind, erreichen heute
dank des medizinischen Fortschritts in den Industrienationen etwa 95
Prozent das Erwachsenenalter, viele von ihnen mit einer hohen
Lebensqualität. Um diese ermutigende Erfolgsgeschichte fortschreiben zu
können, arbeiten EMAH-Spezialisten mehrerer deutscher Herzzentren mit
Unterstützung der Deutschen Herzstiftung am Aufbau eines
Patientenregisters zur Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Zudem bemühen sie
sich darum, mehr Betroffene für regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen zu
motivieren und ihnen zu vermitteln, wie sie von Prävention und der
Gesundheitsförderung profitieren können. Darüber informiert die
Herzstiftung derzeit auch im Rahmen ihrer traditionellen Herzwochen im
November, die unter dem Motto „Herzkrank? Schütze Dich vor dem
Herzstillstand!“ stehen. Einer der Hintergründe: Angeborene Herzfehler
sind eine mögliche Ursache für den plötzlichen Herztod, der in Deutschland
jedes Jahr etwa 65.000 Menschen aus dem Leben reißt. Die Prävention dieses
dramatischen Ereignisses ist Schwerpunkt der diesjährigen
Aufklärungskampagne mit Infos unter https://herzstiftung.de/herzwochen.
Auch EMAH sind von dieser Problematik betroffen. Ein derartiges Ereignis
ist in sehr vielen Fällen die Folge einer schwerwiegenden
Herzrhythmusstörung. Aber auch im Rahmen anderer Ereignisse kann bei EMAH
ein plötzlicher Herztod auftreten, beispielsweise bei Thromboembolien,
Herzinfarkten oder Einrissen der Aorta (Hauptschlagader).

Experten-Netzwerk aus mehreren deutschen Kliniken erstellen Datenbank
In das neue EMAH-Patientenregister „Pathfinder-AHF“ für EMAH mit einer
Fehlfunktion der Herzkammer und/oder Herzschwäche (Herzinsuffizienz), das
vor einem Jahr mithilfe einer Anschubfinanzierung der Deutschen
Herzstiftung in Höhe von 83.000 Euro ins Leben gerufen worden ist, sind
bereits die Daten von etwa 1500 Patienten mit sehr unterschiedlichen
Herzfehlern eingeflossen, die eine nicht normale Herzfunktion bis hin zur
Herzinsuffizienz oder eine entsprechende Präposition (Veranlagung) dafür
haben. Die Datenbank soll kontinuierlich wachsen und wertvolle
Erkenntnisse zu einer Vielzahl der zum Teil überaus komplexen Herzfehler
oder Herzfehler-Kombinationen liefern.
„Solche Register liefern valide Daten zum Langzeitverlauf – und damit
wertvolle Ansätze, um unsere Patientinnen und Patienten noch besser
behandeln zu können. Sie helfen uns unter anderem dabei,
Risikokonstellationen frühzeitig zu erkennen und die therapeutischen
Möglichkeiten besser zu bewerten“, erklärt Prof. Dr. Dr. Harald Kaemmerer,
Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, und
langjähriger Leiter der Ambulanz im Internationalen EMAH-Zentrum der
Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie (Direktor: Prof.
Dr. Peter Ewert) am Deutschen Herzzentrum München. Der renommierte
Wissenschaftler wirbt um weitere finanzielle Unterstützung für einen
Ausbau des Patientenregisters: „Es ist einer der Schlüssel, die
Versorgungsqualität für unsere Patienten weiter zu verbessern.“

Herzstiftungs-Experte: Viele EMAH verpassen Möglichkeiten der Vor- und
Nachsorge
Ein weiterer Sicherheitsaspekt für EMAH sind regelmäßige Vor- und
Nachsorgeuntersuchungen. Die Notwendigkeit erklärt Prof. Kaemmerer seinen
Patienten oft anhand eines Alltags-Beispiels: „Wenn Sie Auto fahren,
müssen Sie alle zwei Jahre zum Tüv. Wenn Sie einen Herzfehler haben,
sollten sie ebenso von Zeit zu Zeit zum Gesundheits-Tüv gehen. Nicht
deshalb, weil man unbedingt einen Schaden finden will, sondern um
sicherzustellen, dass man ruhigen Gewissens weiter durchs Leben steuern
kann.“ Das große Problem: Sehr viele EMAH nutzen diese Chance nicht. Nach
Daten der Deutschen Herzstiftung, die im Herzbericht 2022 veröffentlicht
wurden, stellten sich nur rund 30.000 der mehr als 360.000 Betroffenen zu
Kontrolluntersuchungen in den Ambulanzen der spezialisierten deutschen
EMAH-Zentren vor.
Oft verabschieden sich die Patienten bereits beim Übergang von der Jugend
ins junge Erwachsenenalter aus dem flächendeckend in Deutschland
verfügbaren Nachsorgesystem („Transition“). Wenn Kinder mit einem
angeborenen Herzfehler volljährig werden, blenden sie ihre Erkrankung aus
– oftmals, weil sie keine Beschwerden haben. Sie wollen dann
uneingeschränkt Sport treiben, eine Familie gründen, sich einen Beruf
suchen, ohne dabei an ihren angeborenen Herzfehler zu denken. „Doch das
kann fatale Folgen haben“, warnt Prof. Kaemmerer. „Mitunter landen die
Patienten dann als Notfälle in den Kliniken, und wir Ärzte stehen vor dem
Dilemma, dass wir ihnen dann nicht mehr gut helfen können.“

350 EMAH-Spezialisten in Deutschland verfügen über wichtige
Zusatzausbildung
Auch deshalb rät die Deutsche Herzstiftung zu regelmäßigen
Nachsorgeuntersuchungen bei einem EMAH-Spezialisten. „Eine Untersuchung
beim Hausarzt oder bei einem Kardiologen, der auf erworbene
Herzerkrankungen fokussiert ist, reicht oftmals nicht aus. Beide
Disziplinen sind für die oft sehr komplexe Betreuung von EMAH nicht
ausreichend ausgebildet – insbesondere, wenn es sich um komplexe
Herzfehler handelt, deren Betreuung fachlich extrem herausfordernd und
sehr zeitaufwendig sein kann“, erläutert EMAH-Experte Kaemmerer. Dies kann
aber in Deutschland von spezialisierten EMAH-Zentren sowie auch von
niedergelassenen Kardiologen und Kinderkardiologen übernommen werden, die
eine Zusatzausbildung auf diesem Gebiet der Herzmedizin erworben haben.
Die Adressen dieser rund 350 Spezialisten in Kliniken und Praxen finden
sich auf der Website der Deutschen Herzstiftung (Stichwort „Dein
Herzlotse“) unter  https://herzstiftung.de/dein-herzlotse
Gerade nach einer erfolgreichen Behandlung im Kindesalter verlieren
Patienten mit einem angeborenen Herzfehler mitunter aus dem Blick, dass
sie trotzdem mit dieser chronischen Erkrankung und ihren Folgen umgehen
müssen. Experten sprechen von Rest- und von Folgezuständen. Restzustände
entstehen dann, wenn ein bestimmter angeborener Herzfehler nur in Teilen
behoben wurde. Ein Beispiel: So wird bei bestimmten Verengungen der
Hauptschlagader (Aortenisthmusstenose) die häufig ebenfalls fehlgebildete
Aortenklappe nicht mitbehandelt, weil sie (noch) keine Probleme verursacht
und den Eingriff nur komplizieren würde. Folgezustände sind demgegenüber
Einschränkungen, die durch einen Eingriff entstanden sind, etwa durch das
Einsetzen einer künstlichen Herzklappe oder einer Gefäßstütze (Stent).

EMAH-Patienten sind vor zusätzlichen Herzerkrankungen nicht gefeit
Rest- und Folgezustände erfordern eine lebenslange Kontrolle durch einen
EMAH-Spezialisten. Dieser kann seinen Patienten auch sehr individuell über
wichtige Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung beraten. „Bei
der EMAH-Nachsorge gilt es zu berücksichtigen, dass zusätzlich zu den
Problemen, die der angeborene Herzfehler mit sich bringt, auch
Komplikationen durch erworbene Herzerkrankungen entstehen können. Dazu
zählen beispielsweise die Koronare Herzkrankheit, erworbene Herzfehler und
Herzrhythmusstörungen“, erläutert Kaemmerer. Hinzu kommen auch andere
Organerkrankungen, zum Beispiel an Leber, Niere, Lunge, Nervensystem oder
Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder
Fettstoffwechselstörungen, die sich durch effektive Therapie heute gut
behandeln lassen. Voraussetzung sind allerdings in jedem Fall regelmäßige
Untersuchungen bei einem Spezialisten. Nicht selten ließen sich die
hieraus resultierenden Konsequenzen abmildern oder vermeiden, wenn
rechtzeitig entsprechende vorbeugende, gesundheitsfördernde Maßnahmen
ergriffen würden.

Service-Tipps
Über den plötzlichen Herztod bei EMAH berichten Prof. Kaemmerer und
Kollegen am Deutschen Herzzentrum München in dem Artikel „Gefahr schwer
einzuschätzen“ in dem Ratgeber „Herzkrank? Schütze Dich vor dem
Herzstillstand!“ (158 S.). Der Ratgeber kann kostenfrei per Tel. unter 069
955128-400 (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) angefordert werden.

Das Interview „Riskante Lücke“ mit Prof. Kaemmerer in der HERZ heute-
Ausgabe 3/2023 „Leben mit angeborenem Herzfehler“ widmet sich der
aktuellen Versorgungslage von EMAH. Ein Exemplar dieser Ausgabe kann
kostenfrei per Tel. unter 069 955128-400 (E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) angefordert werden.

Mit dem Online-Suchdienst „Dein Herzlotse“ bietet die Kinderherzstiftung
in der Deutschen Herzstiftung unter https://herzstiftung.de/dein-herzlotse
einen zuverlässigen und aktuellen Arzt- und Klinikfinder.
Informationen für EMAH bietet die Herzstiftung kostenfrei unter
https://herzstiftung.de/emah-ratgeber

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Kleines und großes Blutbild: Warum Blutuntersuchungen so wichtig sind

Blutuntersuchung Symbolbild
Blutuntersuchung Symbolbild

Blut wird nicht umsonst auch als „Saft des Lebens“ bezeichnet. An ihm lassen sich zahlreiche Krankheiten sowie Mangelerscheinungen zuverlässig bestimmen und anschließend behandeln. Aus diesem Grund ist es nicht nur für chronisch kranke Menschen wichtig, regelmäßig ihre Blutwerte kontrollieren zu lassen. Aber was wird eigentlich bei der Blutuntersuchung genau untersucht, und wie häufig sollte man die Werte checken lassen?

Was ist der Unterschied zwischen kleinem und großem Blutbild?



Wer sich unwohl fühlt und Krankheitssymptome bei sich feststellt, geht damit meist zunächst zu seinem Hausarzt. Dieser wird nach einem Gespräch mit dem Patienten eine Blutuntersuchung anordnen, denn diese gibt Auskunft darüber, ob der Körper gesund ist oder tatsächlich eine Erkrankung vorliegt. Standardmäßig handelt es sich bei dieser Untersuchung um das sogenannte kleine Blutbild. Hierzu wird Blut aus der Vene entnommen und anschließend im Labor untersucht. Für alle daraus ersichtlichen Werte, die auch auf Blutwerte.de hochgeladen werden können, gibt es für jedes Alter und Geschlecht Normbereiche, die im Idealfall eingehalten werden sollten. Werden aber Abweichungen festgestellt, deutet dies auf eine Krankheit oder einen Mangel hin. Im Rahmen des kleinen Blutbilds werden die roten und weißen Blutkörperchen (Erythrozyten und Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten) unter dem Mikroskop untersucht. Die Anzahl und die Beschaffenheit der Blutbestandteile spielen dabei eine große Rolle. Ist eine weiterführende oder umfassendere Überprüfung der Werte erforderlich, kann der zuständige Mediziner das große Blutbild veranlassen. Diese beinhaltet noch weitere Untersuchungen, die etwa dann hilfreich sein können, wenn das kleine Blutbild keine eindeutigen Ergebnisse liefert. Dann gehören auch Werte wie Cholesterin oder der Blutzucker dazu. Letzterer teilt sich in den Nüchternwert und den Langzeitwert ein. Sind beide Werte erhöht, deutet dies etwa auf eine Diabeteserkrankung hin.

Regelmäßige Kontrollen auch für Menschen ohne Beschwerden



Viele Krankheiten machen sich erst dann im Körper bemerkbar, wenn sie bereits fortgeschritten sind. Deshalb sollten nicht nur Menschen mit Vorerkrankungen, sondern auch gesunde Personen auf Routinekontrollen der Blutwerte setzen. Wird eine Krankheit rechtzeitig bemerkt, ist oft eine Heilung oder zumindest eine effektive Therapie möglich, ohne dass Folgeschäden auftreten. Im eigenen Interesse ist es also sinnvoll, die Untersuchungen nicht zu vernachlässigen. Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren haben alle drei Jahre Anspruch auf ein großes Blutbild. Hintergrund ist das mögliche Vorbeugen schwerer Erkrankungen, die mit fortschreitendem Alter vermehrt auftreten können. Dieser Check-up wird von der Krankenkasse bezahlt. Das gilt auch dann, wenn der behandelnde Arzt außerhalb dieses Zeitraums eine Notwendigkeit für eine Blutuntersuchung sieht. Werden in den Blutwerten Auffälligkeiten festgestellt, können zudem weiterführende Untersuchungen angeordnet werden, die häufig bei einem Facharzt stattfinden. Wird eine eindeutige Diagnose gestellt, ist es Zeit für eine angemessene Behandlung. Steht ein Check-up inklusive kleinem oder gar großen Blutbild an, wird dieser meist in den ersten Stunden nach der Praxisöffnung durchgeführt. Oftmals ist es erforderlich, für diese Untersuchungen nüchtern zu sein. Das bedeutet, dass vorher nichts gegessen oder getrunken werden darf, um die Werte nicht durch Zucker, Koffein oder andere Inhaltsstoffe zu verfälschen. Ob dies der Fall ist und ob noch andere Bedingungen für eine korrekte Durchführung des Blutbilds gelten, teilt das Praxispersonal beim Vereinbaren des Termins vorab mit.

 

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Langfristig bessere Versorgung von Neugeborenen bei bekannten Risiken vor der Geburt

Anlässlich des Welt-Frühgeborenentages am 17. November weisen Experten und
Expertinnen darauf hin, dass nicht nur Frühgeborene von einer
zentralisierten Versorgung profitieren. Interdisziplinäres Pränatal-Board
am Uniklinikum Dresden sorgt für optimale Betreuung während der
Schwangerschaft und nach der Geburt.

Die Grundlagen einer langfristigen Gesundheit werden bereits vor der
Geburt gelegt. Wenn Kinder schon im Mutterleib umfassend versorgt sind und
es den Müttern ebenfalls gut geht, ist eine gesunde Entwicklung
wahrscheinlicher. Auf diesen Zusammenhang machen die Expertinnen und
Experten des Zentrums für feto-neonatale Gesundheit am
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden anlässlich des Welt-
Frühgeborenentages (17. November 2023) aufmerksam. Denn nicht nur zu früh,
sondern auch krank geborene Kinder haben oft eine verzögerte Entwicklung.
„Dank modernster pränatalmedizinischer Diagnostik ist heute ein
frühzeitiges Erkennen kindlicher Erkrankungen bereits im Mutterleib
möglich. Dann ist es wichtig, dass die Schwangere von einem
interdisziplinären Team versorgt wird, welches die weitere Betreuung der
Schwangerschaft und des Neugeborenen plant,“ sagt Prof. Mario Rüdiger,
Direktor des Zentrums für feto-neonatale Gesundheit am
Universitätsklinikum Dresden. Deshalb kommen am Uniklinikum regelmäßig
Expertinnen und Experten aus den Bereichen Pränatalmedizin, Neonatologie,
Kinderradiologie, Kinderchirurgie, Genetik, Psychologie, Kinderkardiologie
und Neuropädiatrie zusammen, um Schwangere zu besprechen, die im Rahmen
der Pränataldiagnostik aufgefallen sind. Durch diese Boards kann Eltern
und ihren ungeborenen Kindern frühzeitig, gezielt und individuell geholfen
werden.

Marta macht ihren Eltern Freude. Noch ist das Mädchen ein wenig zu leicht.
Sie muss das Trinken über das Fläschchen noch lernen und dann genügend zu
sich nehmen. Das macht sie aber schon prima. Bald kann sie mit ihren
Eltern nach Hause umziehen. Marta ist Anfang November in der 36.
Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen – einen Monat vor dem errechneten
Geburtstermin. Ihre Mama, Juliane Fischer, hatte sich Ende September im
Universitätsklinikum mit Zeichen einer Schwangerschaftsvergiftung
(Präeklampsie) vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt bestand bei Marta auch der
Verdacht auf eine schwere Zwerchfellhernie, die mit einer zu kleinen Lunge
einhergeht. Nach intensiven Untersuchungen sowie der Diskussion des Falles
im Interdisziplinären Pränatal-Board am Uniklinikum Dresden konnte diese
Diagnose entkräftet werden. „Zum Glück durfte ich dann wieder nach Hause“,
sagt die 33-Jährige. Als es ihr jedoch Ende Oktober schlechter ging, wurde
sie im Uniklinikum aufgenommen und schließlich der Kaiserschnitt
durchgeführt. Nach der Geburt wurde Marta dann nochmals genau untersucht,
wobei sich zeigte, dass die Gefäße der Lunge teilweise falsch einmünden –
ein Krankheitsbild, welches erst nach der Geburt erkannt und im ersten
Lebensjahr operativ behandelt werden muss. Aber jetzt hoffen Juliane
Fischer und ihr Partner Marko Ott zunächst, dass sie gemeinsam mit ihrem
Baby bald nach Hause dürfen.

„Der Fall zeigt deutlich, wie wichtig eine große Expertise und das
Zusammenwirken verschiedener Disziplinen bei Risikoschwangerschaften und
Frühgeburten ist“, sagt Prof. Mario Rüdiger, Direktor Zentrum für feto-
neonatale Gesundheit am Universitätsklinikum Dresden. Deshalb sind ihm und
dem Team der Geburtshilfe die gemeinsamen Boards so wichtig. Hier werden
die Patientinnen von der Pränataldiagnostik um Prof. Cahit Birdir,
Leitender Oberarzt für Geburtshilfe und Pränataldiagnostik, oder aus den
kooperierenden niedergelassenen Praxen vorgestellt. Gemeinsam diskutieren
Expertinnen und Experten aus der Pränatalmedizin, Neonatologie
Kinderradiologie, Kinderchirurgie, Genetik, Psychologie, Kinderkardio-
oder -nephrologie sowie Neuropädiatrie, wie die optimale Betreuung während
der Schwangerschaft beziehungsweise nach der Geburt aussehen sollte. „Die
Pränataldiagnostik kann heute sehr viel entdecken, wichtig ist aber auch
zu besprechen, wie die weitere Versorgung erfolgen sollte“, so Prof.
Birdir.

„Diese Versorgung aus einer Hand ist ein wichtiger Bestandteil am
Universitätsklinikum Dresden. Hier zeigt sich wieder exemplarisch, dass
eine Konzentration von Expertise sowie eine Zentralisierung der Versorgung
erforderlich ist, um eine langfristig bessere Versorgung dieser Kinder zu
realisieren“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am
Universitätsklinikum Dresden.

Ein Zeichen der Solidarität
Einmal im Jahr machen betroffene Familien, sowie Expertinnen und
Expertinnen aus der Neonatologie und Pränatalmedizin auf die besonderen
Bedürfnisse von Frühgeborenen aufmerksam. Am Welt-Frühgeborenentag, der
regelmäßig am 17. November begangen wird, finden Infoveranstaltungen statt
und werben Betroffene für eine adäquate Versorgung der kleinen Patienten.
In diesem Jahr steht insbesondere die zentralisierte Versorgung extrem
unreif geborener Kinder im Mittelpunkt des Interesses. „Die Geschichte von
Marta zeigt, wie wichtig eine Zentralisierung der Versorgung ist. Diese
umfangreiche Expertise können nur Zentren vorhalten, die im Jahr sehr
viele Frühgeborene betreuen; alles andere wäre eine
Ressourcenverschwendung,“ so Prof. Rüdiger. Von Frühgeborenen spricht man
bei einer Geburt vor der 37. Woche. Etwa jedes zehnte Kind wird so zeitig
geboren. Sehr unreif, das heißt vor der 32. Schwangerschaftswoche, kommen
etwa ein Prozent aller Kinder zur Welt.

Im Uniklinikum wurden im vergangenen Jahr (2022) 71 Kinder mit einem
Geburtsgewicht unter 1.250 Gramm geboren. Zahlenmäßig ist das Uniklinikum
damit das größte Perinatalzentrum in Sachsen – neben Dresden werden
Frühgeborene auch in Leipzig und Chemnitz behandelt. Die große Erfahrung
ermöglicht es, dass auch Kinder, die bei Geburt weniger als 500 Gramm
wiegen, gesund überleben. Sachsen hat die niedrigste
Säuglingssterblichkeit in Deutschland. Das Universitätsklinikum Dresden
ist das einzige ostsächsische Perinatalzentrum der höchsten
Versorgungsstufe – dem sogenannten ‚Level 1‘. Dies garantiert Müttern und
Vätern die Sicherheit einer optimalen ärztlichen wie pflegerischen
Versorgung, vor, während und nach der Geburt, unabhängig davon, ob es sich
um eine Risiko- oder Mehrlingsschwangerschaft handelt oder um eine ganz
normal verlaufende Schwangerschaft.

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Digitalisierung im Gesundheitswesen

Digitalisierung im Gesundheitswesen Symbolbild
Digitalisierung im Gesundheitswesen Symbolbild

Spätestens die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass immer mehr Abläufe auf digitalem Weg stattfinden können. Teilweise trifft das auch auf die Gesundheitsversorgung zu. Videosprechstunden, elektronische Krankschreibungen und die digitale Krankenakte zeigen, was möglich ist.

Die Digitalisierung vereinfacht viele Prozesse im Gesundheitswesen

Um mehr Digitalisierung im Bereich der Gesundheitsversorgung wagen zu können, muss die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stehen. Neben den modernen elektronischen Geräten benötigen Praxen, Krankenkassen und andere Schnittstellen auch die passende Software sowie stabiles Internet. Zugleich sollte eine einfache und intuitive Bedienung gewährleistet werden. Das kann über ein sogenanntes Graphic User Interface für die Medizin geschehen. Dabei handelt es sich um eine Bedienoberfläche, die speziell für das Gesundheitswesen entwickelt worden ist. Nutzerfreundlichkeit sowie eine einfache Einbindung in den Praxisalltag spielen hierbei eine wichtige Rolle. Sofern die notwendigen Voraussetzungen gegeben sind, kann die Digitalisierung jedoch dazu beitragen, Abläufe in der Gesundheitsversorgung zu beschleunigen sowie simpler zu gestalten.

Telemedizin – Fernsprechstunde mit Patienten

Nicht immer müssen Patienten zwingend persönlich zum Hausarzt kommen. Auch der Besuch beim Facharzt lässt sich manchmal durch ein kurzes Gespräch vermeiden. Das kann zum Beispiel per Videotelefonie stattfinden. Vor allem für Patienten birgt das große Vorteile. Sie müssen den Weg in die Praxis nicht auf sich nehmen und können langes Warten vor Ort vermeiden. Auch die Arztpraxen werden entlastet. Allerdings kann die Fernsprechstunde nicht alle Arztbesuche ersetzen und eignet sich oft nur für eine erste Einschätzung oder für Nachgespräche. Trotzdem ist sie ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur digitalen Transformation im Gesundheitswesen.

Elektronische Krankschreibungen reduzieren den Papierkram

Früher wurden Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen in Papierform ausgestellt und mussten dem Arbeitgeber bis zu einer gewissen Frist vorgelegt werden. Seit dem 1. Januar 2023 gibt es die elektronische Krankschreibung, die vom behandelnden Arzt direkt zur Krankenkasse weitergeleitet wird. Der Arbeitgeber muss sie dann abrufen.

Die elektronische Krankenakte erleichtert die Kommunikation zwischen den Ärzten

Seit dem 1. Januar 2021 können alle Patienten, die gesetzlich versichert sind, eine elektronische Krankenakte nutzen. Darin lassen sich Befunde und Berichte aus verschiedenen Praxen und Kliniken speichern. Per App können die Patienten alle Dokumente selbst erfassen und sie so verschiedenen Ärzten zur Verfügung stellen. Dadurch lassen sich wichtige Informationen schneller abfragen.

Erfassung des Anamnesebogens auf digitalem Weg

Erscheinen Patienten zum ersten Mal beim Arzt, müssen sie in der Regel einen Anamnesebogen ausfüllen. Der liefert Auskunft über Vorerkrankungen, die Krankengeschichte in der Familie oder die Medikamente, die eingenommen werden müssen. Je nachdem, um welchen Facharzt es sich handelt, können diese Bögen sehr umfangreich ausfallen, was zu viel Papierkram führt. Deswegen gibt es immer mehr Praxen, die eine digitale Abfrage durchführen. Dafür benötigen sie Tablets und natürlich ein spezielles Graphic User Interface, das die Patienten intuitiv durch den Fragebogen führt. Das sollte so gestaltet sein, dass es auch von älteren Personen gut bedient werden kann. Wenn eine Unterschrift benötigt wird, sind auf die Regelungen zur digitalen Signatur zu achten.

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