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Lifestyle

Lucerne Festival, Sinfoniekonzert 14 Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY, Sir George Benjamin u.a., 1. September 2019, besucht von Léonard Wüst

Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Foto Stefan Deuber
Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Foto Stefan Deuber

Besetzung und Programm:

 

Dirigentin (Liik)
David Fulmer
Dirigent (Planells Schiaffino)
Sir George Benjamin  Dirigent
Reinhold Friedrich  Trompete
Robyn Schulkowsky  Schlagzeug

Marianna Liik (*1992)
Kurzschluss für Orchester
Uraufführung «Roche Young Commissions»
Josep Planells Schiaffino (*1988)
Torna für Orchester
Uraufführung «Roche Young Commissions»
Wolfgang Rihm (*1952)
Marsyas. Rhapsodie für Trompete mit Schlagzeug und Orchester
George Benjamin (*1960)
Palimpsestsfür Orchester
Dieter Ammann (*1962)
glut für Orchester

 

Rezension:

Wolfgang Rihm (*1952) Marsyas. Rhapsodie für Trompete mit Schlagzeug und Orchester

Reinhold Friedrich  Trompete Foto Rosa Frank com
Reinhold Friedrich Trompete Foto Rosa Frank com

Rihm, fast schon ein Klassiker, jedenfalls unter den „Zeitgenössischen“. Seine Tonstrukturen doch schon etwas vertrauter als die der zwei relativen „Frischlinge“, deren Werke anschliessend gar uraufgeführt wurden und bei denen ich mich, im Nachgang, fast genötigt sehe, Arnold Schönberg und Karlheinz Stockhausen als hoffnungslos Harmonie süchtig zu klassieren, derart avantgardistisch waren diese zwei Auftrags Kompositionen. Zurück zu Rihm, der da tief in der griechischen Mythologie Kiste gewühlt hat und daraus  inszeniert er den musikalischen Zweikampf zwischen Satyr Marsyas, einem Virtuosen des antiken Blasinstruments „Aulas“ und engagiertem Streiter für die Musik und Apollon (u.a. Gott des Lichts, der Heilung, des Frühlings, der sittlichen Reinheit und Mäßigung sowie der Weissagung und der Künste, insbesondere der Musik, der Dichtkunst und des Gesangs). Der, mit seiner wallenden Mähne und kräftigen Gestalt an einen, von einem Renaissancemeister gemalten Barockengel erinnernde Reinhold Friedrich, duellierte  sich, mit seiner Trompete bewaffnet, mit der amerikanischen Apollon Darstellerin Robyn Schulkowsky an ihren zahlreichen Schlagwerkutensilien, die, zumindest in der Mystik, den Sieg erfocht.

Robyn Schulkowsky  Schlagzeug Foto wowe
Robyn Schulkowsky Schlagzeug Foto wowe

Auf der Konzertbühne hingegen, bewegten sich die Kontrahenten auf Augenhöhe, unterstützt vom souveränen Orchester unter abgeklärtem Dirigat von Sir George Benjamin. Teils drifteten die schrägen Töne ins jazzige ab, einem eigentlichen Thema untergeordnet waren sie faktisch nie. Dem Publikum passte die ungewöhnliche, aber doch nicht ganz zu abgehobene Komposition und applaudierte den Protagonisten denn auch reichlich. Der anwesende Komponist, Wolfgang Rihm, durfte, sichtlich erfreut,  einen Extraapplaus in Empfang nehmen

Marianna Liik (*1992) Kurzschluss für Orchester  Uraufführung «Roche Young Commissions», dirigiert von Ruth Reinhard

Dirigentin Ruth Reinhardt, Foto Harrison Linsey
Dirigentin Ruth Reinhardt, Foto Harrison Linsey

Sehr transparent, auch irgendwie transzendente Komposition, Tonbögen nicht ineinander verschlungen, eher fast beiläufig ungeordnet hingelegt. Trotzdem rieben sich die halt doch vorhandenen Gegensätze, auch mittels der kurzen eingeflochtenen Solopartien. lyrische, tonale Gedankenspielereien in der Traumwelt der Werkschöpferin. Schwer verständlich für nicht grad total „angefressene“ Verfechter sehr moderner Musik, wurde aber trotzdem freundlich zur Kenntnis genommen, aber auch nicht mehr. Überzeugte, vermochte aber nicht zu berühren, so auch der eher höfliche Applaus erklärbar, der dann stärker wurde, als die Komponistin auf die Bühne gebeten wurde und sich zu den Musikern gesellte.

Josep Planells Schiaffino (*1988)  Torna für Orchester  Uraufführung «Roche Young Commissions» dirigiert von David Fulmer

David Fulmer Dirigent, Planells Schiaffino
David Fulmer Dirigent, Planells Schiaffino

Ähnliches könnte man auch über die zweite Auftragskomposition schreiben, würde der junge Spanier nicht doch etwas mehr (südländisches) Temperament in Töne giessen und auch den selbstbewussten „Macho“ durchschimmern lassen. Ebenso wirkte das Orchester hier deutlich überzeugter, unterstützender. Das Publikum schien auch angetaner von diesem Werk und so gesellte sich der Komponist gern zum Schlussapplaus zu den Musikern auf der Bühne.

George Benjamin (*1960) Palimpsests für Orchester

Sir George Benjamin  Dirigent Foto Michiharu Okubo
Sir George Benjamin Dirigent Foto Michiharu Okubo

Benjamin bedient sich hier einer mittelalterlichen Technik Schichten von Noten und Schriften, um Papier zu sparen, übereinander auf einer Seite zu schreiben. Dies ergab einen Klang, der dem Academy Orchestra erlaubte, sich voll zu entfalten, zu demonstrieren, dass es der Klangkörper ist, der wie kein anderes Orchester, über die Fähigkeit verfügt, zeitgenössisch auch zeitgemäss zu interpretieren. Inspiriert vom Tongeflecht, animiert vom Dirigenten packten die Akademist*innen auch das Publikum, liessen dieses teilhaben an dieser Delikatesse an Präzision und schon fast vollkommenen Zusammenspiel. Dafür ernteten die Protagonisten einen tosenden Applaus, den besonders Komponist und Dirigent Sir George, sichtlich gerührt, in vollen Zügen genoss.

Dieter Ammann (*1962) glut für Orchester

Sinfoniekonzert 14, Impressionen von Priska Kettere
Sinfoniekonzert 14, Impressionen von Priska Kettere

Bombastische Komposition von Dieter Ammann. Dieter Ammann komponiert wenig und in gemächlichem Tempo, daher gibt es bis heute erst etwas mehr als 20 Stücke. Dass er dabei instrumental gern aus den Vollen schöpft, ist inzwischen hinlänglich bekannt. So standen denn u.a. auch gleich acht Schlagwerker auf der Bühne um die monströse Komposition zu interpretieren. Deutlich schimmert immer wieder die Vergangenheit Ammanns als „Jazzer“ durch, ebenso Anlehnungen an die neue, von Gershwin und Bernstein angestossene amerikanische Musik.

Wechsel zwischen berufen auf grosse Komponisten und Schritten auf neuen Wegen

Sinfoniekonzert 14, Impressionen von Priska Ketterer, das iomposamte Schlagwerk der Amerikanerin
Sinfoniekonzert 14, Impressionen von Priska Ketterer, das iomposamte Schlagwerk der Amerikanerin

Zwischendurch auch mal eine Reminiszenz an die ganz Grossen seiner Zunft, wie z. B.  Ravel, um unvermittelt wieder auf diesen ganz neuen Weg einzubiegen, den auch viele seiner Weggefährten, wie Wolfgang Rihm, Matthias Pintscher usw. eingeschlagen haben und der von Pierre Boulez mit seiner „Lucerne Festival Academy“ massgeblich vorbereitet und aufgezeigt wurde. «glut» – nach des Komponisten eigenen Worten «eine Welt, deren innere Glut, zu Klang geformt, nach aussen drängt»; eine klangfarblich höchst vielfältige Musik, die «von einer ausserordentlichen Dichte der Ereignisse geprägt» ist. Ja, hochkomplex, kompliziert, irgendwie unvorherseh – und undurchschaubar sind die Klangwerke des 1962 in Aarau geborenen Schweizer Komponisten.

Ungewöhnlicher Werdegang des Komponisten

Sinfoniekonzert 14, Impressionen von Priska Ketterer
Komponist Wolfgang Rihm, Sinfoniekonzert 14, Impressionen von Priska Ketterer

Widersprüchlich auch sein Werdegang: Nach Studium von Schulmusik und Jazz wandte er sich der Musiktheorie und Komposition zu, performte parallel dazu in diversen Formationen, an diversen Instrumenten, u.a. in „Steven`s Nude Club“, der Ska – Punkformation des unvergesslichen, viel zu früh verstorbenen Luzerners Thomas Hösli (1965 – 2007). Das Orchester, unter der souveränen Leitung von Sir George Benjamin, intonierte sichtlich inspiriert und  angetan vom Werk Ammanns. Das sachkundige Publikum, honorierte die Leistung der Protagonisten denn auch mit langanhaltendem, kräftigen Applaus, der sich noch steigerte, als dann auch noch der im Saal anwesende Komponist aufstand und sich mit entsprechenden Gesten bei den Musikern bedankte.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Lucerne Festival: Roche Young Commissions 2021 an Kirsten Milenko und Alex Vaughan

Alex Vaughan und Kirsten Milenko Foto NikHunger
Alex Vaughan und Kirsten Milenko Foto NikHunger
Roche Young Commissions: Die Kompositionsaufträge für 2021 gehen an die Komponisten Kirsten Milenko und Alex VaughanKirsten Milenko (27) und Alex Vaughan (31), zwei junge Komponisten aus Australien, erhalten die renommierten Kompositionsaufträge der Roche Young Commissions für 2021. Ausgewählt wurden sie von Wolfgang Rihm, dem künstlerischen Leiter der Lucerne Festival Academy. Gestern, am 2. September, wurden die jungen Talente bei Roche offiziell empfangen. Milenko und Vaughan werden bis 2021 je ein Werk für Orchester schreiben, an dem sie im Sommer 2020 zusammen mit Rihm und dem Orchester der Lucerne Festival Academy arbeiten und proben. Die Uraufführung ihrer Werke findet dann im Rahmen des Sommer-Festivals 2021 statt. 2017 hatten Marianna Liik und Josep Planells Schiaffino die Aufträge der Roche Young Commissions erhalten, ihre Kompositionen wurden vorgestern, am 1. September 2019 unter der Leitung von David Fulmer und Ruth Reinhardt mit der Lucerne Festival Academy im Konzertsaal des KKL Luzern uraufgeführt.

Die Roche Young Commissions wurden 2013 erstmals als einzigartige Kooperation zwischen Roche, Lucerne Festival und der Lucerne Festival Academy ins Leben gerufen. Seit 2003 werden im Rahmen der Roche Commissions Werke an weltweit renommierte Komponisten in Auftrag gegeben, mit den Roche Young Commissions wurde die Partnerschaft erweitert. Die Werke der Roche Commissions und der Roche Young Commissions werden jeweils alternierend alle zwei Jahre uraufgeführt.

Die 1992 geborene Australierin Kirsten Milenko lebt und komponiert in Kopenhagen und studiert an der Royal Danish Academy of Music bei Niels Rosing-Schow und Simon Løffler. Zuvor hat sie bei Liza Lim, Rosalind Page, Natasha Anderson und Ursula Caporali am Sydney Conservatorium of Musik studiert und den Ignaz Friedman Memorial Prize 2015 gewonnen. Sie hat mehrere internationale Workshops und Meisterkurse besucht, unter anderem die Hatched Academy mit dem Ensemble Offspring in Australien, die Dartington International Summer School in England, wo sie den John Amis Award gewann, den Komponisten-Workshop mit Jessica Cottis und einen Komponisten-Workshop mit Mark Shiell und dem Melbourne Youth Orchestra in Australien. Sie ist beim australischen Label Muisti-Records unter Vertrag und ihr Debutalbum Caeli wurde im Juni 2019 veröffentlicht.

Alex Vaughan, 1987 in Sidney geboren, begann im Alter von acht Jahren mit Posaunen-Unterricht, darauf folgten mehrere Jahre der Ausbildung in Jazz- und Musiktheorie an der Music Life-School of Performing Arts unter der Leitung von Rory Thomas in Sidney. Er studierte Komposition und Jazz-Posaune an der University of New South Wales und zog dann nach Weimar, um sein Studium in Deutschland fortzusetzen. 2015 gewann er das Sonderhäuser Kompositions-Stipendium und den DAAD-Preis, verliehen durch die Hochschule für Musik Franz Liszt. Im Jahr 2017 schloss er sein Studium in Weimar ab und erhielt dabei das Baldreit-Stipendium von der Stadt Baden-Baden für 2017/18. Zu seinen Lehrern zählen unter anderem Reinhard Wolschina, Jörn Arnecke oder Hansjörg Fink, zudem hat er Meisterkurse bei Tristan Murail, Pierluigi Billone, Simon Stehen-Andersen und Klaus Lang besucht. www.lucernefestival.ch

Roche – Partner Lucerne Festival Academy

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Wie und welche Jacken man am besten mit Abendkleidern kombiniert

Jackenphoto-unsplash.com-@tamarabellis-Jacken
Jackenphoto unsplash.com @tamarabellis-Jacken

Du hast dein perfektes Abendkleid gefunden und möchtest es am liebsten zu jeder Gelegenheit tragen. Abendkleider mit kurzen Ärmeln oder ohne Ärmel sind wunderschön, können aber zu manchen Jahreszeiten zu kühl sein, oder zum Beispiel für die Kirche nicht angebracht sein.

Du möchtest dir aber deswegen kein neues Abendkleid kaufen? Klar schon die richtige Wahl kann schwierig sein, und du hast schon ein traumhaftes Kleid gefunden. Dann kannst du einfach dein Abendkleid mit einer schicken Jacke kombinieren. So bist du nicht nur immer passend gekleidet und musst nicht frieren, nein du bist auch noch flexibel und kannst einen schönen Akzent setzen.

Welche Jacken lassen sich zum Abendkleid kombinieren?

Du suchst eine passende Jacke für dein Abendkleid, dann hast du hier eine große Auswahl an verschiedenen Möglichkeiten. Prinzipiell lassen sich alle möglichen Arten von Jacken zum Abendkleid kombinieren, hier kommt es natürlich auch auf den Anlass an. Du hast hier die Wahl zwischen:

- Boleros

- Blasern

- Strickjacken

- oder auch stilbrechende Jacken, wie zum Beispiel eine Lederjacke

So umfangreich, wie die Auswahl der verschiedenen Abendkleider ist, so umfangreich ist auch die Auswahl an Jacken.

Am besten und passendsten ist es, du suchst dir dein Wunschkleid schon mit einer dazugehörigen Jacke aus. Bei JJ´s House findest du eine Auswahl an Abendkleidern, zu denen eine Jacke gehört. Aber auch alle anderen Abendkleider lassen sich wunderbar mit den verschiedenen Modellen kombinieren.

Wie triffst du die richtige Wahl für deine Jacke passend zum Abendkleid?

Welche Jacke nun am besten zu deinem Kleid passt, hängt von verschiedenen Aspekten ab. Die Jacke sollte natürlich in Farbe und Material zu deinem Kleid passen aber auch den Anlass berücksichtigen.

Zu schlichten Abendkleidern, die am Oberkörper eng anliegen, passen hervorragend kurze Boleros in der passenden Farbe und Material. Bei einem schlichten Kleid kannst du auch gerne mit etwas auffälligeren Jacken arbeiten. Such dir eine aus Spitze aus oder im Material des Kleides aber mit Applikation. So bist du für Kirche und festliche Anlässe immer passend gekleidet und wertest dein Outfit zusätzlich auf. Ist dein Kleid auffälliger, solltest du einen schlichten Bolero wählen. So wirkst du nicht überladen und stiehlst deinem Kleid nicht die Show.

Boleros sind generell eine hervorragende Wahl als Kombination zu einem Abendkleid. Diese gibt es wirklich in einer Vielzahl von Variationen und so findet sich der passende Bolero für jedes Kleid. Ob mit Perlen, Strass oder Spitze verziert, simpel und unauffällig, aus Samt, Spitze, Chiffon oder Seide, hier findest du das passende Modell für dein Kleid.

Auch eine Stola ist ein wunderschöner Hingucker, der ein schulterfreies Kleid schmückt und ihm zusätzlich Eleganz verleiht. Besonders zu engen Kleidern sieht eine Stola großartig aus.

Ein Blaser eignet sich hervorragend für lockere und luftige Abendkleider. Hier diese Kombination sieht wunderschön aus und erdrückt das Kleid nicht.

Für eine Hochzeit im Freien oder eine etwas lockere Gesellschaft eignen sich auch kurze Strickjacken hervorragend. So wirkst du nicht overdressed und lockerst dein Outfit auf.

Auch ein kompletter Gegensatz kann dein Outfit optisch aufwerten. Wenn du zu deinem lockeren, luftigen Abendkleid eine Lederjacke, vielleicht sogar im Rockerstil, kombinierst, hast du ganz schnell ein neues Outfit, das sich für viele Anlässe eignet, die keine Abendgarderobe erfordern. Am besten kombinierst du hierzu die passenden Schuhe, am besten Boot, und du wirst alle Blicke auf dich ziehen.

Wo finde ich die unterschiedlichen Jäckchen?

Bei JJ´s House findest du eine große Auswahl an verschiedene Boleros, Stolen oder Blasern, die du hervorragend zu deinem Abendkleid kombinieren kannst. Mit deiner Jacke von JJ´s House siehst du nicht nur traumhaft schön aus, sondern du bekommst qualitativ hochwertige Stücke zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. So kannst du bei der nächsten Veranstaltung in vollem Glanz strahlen.

 

 

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Lucerne Festival, Sinfoniekonzert 7 Gewandhausorchester Leipzig, Andris Nelsons, 25. August 2019, besucht von Léonard Wüst

Gewandhausorchester Leipzig Foto Gerd Mothes
Gewandhausorchester Leipzig Foto Gerd Mothes

Besetzung und Programm:
Gewandhausorchester Leipzig
Andris Nelsons  Dirigent

Anton Bruckner (1824–1896)
Sinfonie Nr. 8 c-Moll WAB 108
(Fassung von Robert Haas)

 

Rezension:

Prallvoller Konzertsaal, gespannte Erwartungshaltung. Unbekannt ist sie natürlich nicht; die Sinfonie Nr. 8 von Anton Bruckner wird häufig gespielt. Aber von selbst versteht sich so eine Aufführung in keinem Fall, sie stellt das Orchester wie den Dirigenten vielmehr vor ganz besondere Anforderungen. Diese Ton-(Ver)Dichtung des Anton Bruckner in seiner 8. Sinfonie, sie ist ein schier uferloses Werk. Ein immer währender, beinahe 80-minütiger kontrapunktischer Kampf von Düsternis, Bedrohung, Zerrüttung und allüberbordender Zermalmung. Am Ende doch meist mit dem Aufscheinen eines gleißendes Lichts, das erschöpft und atemlos Erlösung verspricht.

Grosse Herausforderung für Dirigenten

Das sehr grosse Orchester, Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans
Das sehr grosse Orchester, Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans

Ein tief gläubiger Katholik schreibt sich die Seele aus dem Leib – so monumental wie nie zuvor. Anton Bruckner hat mit seiner Sinfonie Nr. 8 eine Klangkathedrale komponiert, deren Ausmaße alles bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Dagewesene in den Schatten stellt. Es gibt wenig Schwierigeres für Dirigenten als Bruckners Sinfonien. Hier ist also prozessuales Denken gefragt. Das es ermöglicht, den dramaturgischen Bogen über die mächtigen Themenblöcke und Durchführungsteile hinweg zu spannen, dabei die Steigerungswellen immer wieder schlüssig auf- und abzubauen und auch über die Generalpausen hinweg die Spannung zu halten. Daran scheitern – der Konzertalltag beweist es – immer noch viele. Nicht zuletzt deshalb ist der Kreis ausgewiesener Brucknerdirigenten überschaubar. Einer von ihnen ist zweifellos Andris Nelsons.

Grosse Herausforderung auch für Rezensenten

Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans
Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans

Die Zusammenfassung im Telegrammstil könnte so klingen: Der Kopfsatz bannend-genial, das bissige Scherzo herrlich unverqualmt, das Adagio schwefelgelb schwelend vor Intensität, das Finale wohltuend gedrängt, scheinbar aus einem Impuls entwickelt. So kann man das Brucknerkonzert mit Andris Nelsons beschreiben. Nelsons, der im Moment mit seinem Orchester einen Bruckner Zyklus erarbeitet, galt ja seinerzeit als grosser Favorit in der Nachfolge Claudio Abbados als Chefdirigent des „Lucerne Festival Orchestra“, bevor, etwas überraschend, Riccardo Chailly dafür berufen wurde. Im Gegenzug übernahm dann Nelsons von Chailly das Gewandhausorchester, derweil jener sein Engagement als Musikdirektor des „Teatro alla Scala di Milano“ weiterhin wahrnimmt. Zurück zum Konzert: Details, die haften: die einen Moment ins Zeitlose dehnende Pianissimo-Coda des Kopfsatzes. Der lässig-leutselige Schwung der Nebenthemen in Trio und Finale. Und voll dunkler Wucht die Celli und Bässe im Adagio (das fff nach dem letzten fff-Höhepunkt des Orchesters) und im Finale. Unsagbar reich die Kulminationsstellen (Reprise im Allegro moderato). Ach ja, fast selbstverständlich: der schier überwältigende Artikulationsreichtum der Geigen.

Ein Bruckner ganz im Stil des lettischen Dirigenten!

Gleich drei Harfen waren mit dabei, Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans
Gleich drei Harfen waren mit dabei, Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans

Ansonsten war es ein echter Bruckner. Aufregend ist, dass ein Sinnkern die zahlreichen Themenkomplexe der Ecksätze durchzieht. Dann die bis zu greller Buntheit gesteigerten Farben (was dem Scherzo guttut, im Adagio und Finale für ungewohnt komplexe Hörerlebnisse sorgt). Sodann werden Resignation und Tragik radikal mit subjektiven Gehalten gefüllt. Dazu zählt auch der bis hart an Mahlersche Ausdrucksregionen vorgeschobene Lyrismus des Adagios. das fauchende Brüllen der Tutti-Extasen weist weit voraus. Ja, in diesen Stellen vollziehen sich gar brennpunktartig die Entgrenzungen der Moderne. Adieu, du Vorstellung vom Landei Bruckner. Abschied von der falschen Vorstellung vom biederbösen Gründerjahre Pomp Bruckners.

Bruckners Sinfonie als 80minütges Finale?

Andris Nelsons zeigt, wos lang gehtImpression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jan
Andris Nelsons zeigt, wos lang gehtImpression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jan

Von Dirigent Andris Nelsons  und seinen Musikern in einer wirklich hochkonzentrierten Aufführung dargebracht – mit Ovationen bedacht. Da greifen alle ineinander. Da schaffen sich alle ihren Platz, beziehen Stellung. Organisieren sich. Alle Sektionen bis in die Haarspitzen motiviert – da arbeiten, und fuhrwerken im besten Sinne des Wortes die Kontrabässe und geben damit überhaupt ein Gerüst, den so wichtigen Halt. Es gerät zum Sieg der Musikalität dieses wirklich außergewöhnlichen Klangkörpers über eine von Überspanntheit und Gereiztheit und bebender Nervosität durchäderte Komposition. Ein Orchester, das sich immer wieder selbst überraschen kann. Sich selbst, und seinen wunderbar transparenten Chefdirigenten. Dem sie hier wirklich ein Geschenk darbringen, wenn sie ihm folgen, seinen kleinen Fingerzeigen, seinem Flackern der linken Hand, wenn es im dritten Satz in eine adagiohafte Sanftheit und Leisetreterei geht.

Andris Nelsons ist nicht nur musikalisch ein Schwergewicht

Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans
Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans

Nelsons, der auch körperlich mächtig zugelegt hat in den letzten paar Jahren, zeigt den Streichern an, die Spannung zu halten, während sich die famosen Holzbläser ein kleines, Menuett artiges Stelldichein mit den drei Klarinetten liefern. Und kurz danach zieht ein Ruck durch den Körper von Nelsons, er springt beinahe in die Höhe.  Sekunden später: Ein anschwellendes Glissando – immer wieder dieses Wechselbad aus hochfahrenden, nachgerade auf die Tube drückenden, pressenden Tempi, gepaart mit einer Dynamik bis an die Grenze des Hörbaren. Jedenfalls im triumphalen Finalsatz, der dem lettischen Taktgeber und seinen wundervollen weit über 120 Musikern wie eben das eingangs erwähnte Gleißen eines Lichtscheins gelingt. Das Helle, die Erleuchtung behält die Oberhand. Dem Dirigenten gelingt es auf vorbildliche Weise, den dramaturgischen Bogen über die mächtigen Themenblöcke hinweg zu spannen und trotzdem so in Nuancen zu differenzieren, dass es nicht einfach nur möglichst laut ist.

Es wurde schon immer sehr viel über diese Sinfonie philosophiert

Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans
Impression des Sinfoniekonzert 7 von Manuela Jans

Wir ersparen uns alles weitere Philosophieren über das Werk und seine Bedeutung und können wohl anmerken: Es ist möglich, Bruckners wahnwitzige, an Wagner anknüpfende Rhythmik, eine Form zu geben. Der Dirigent schleift auch die expressiven Kanten nicht, die sich so wunderbar rau vom Wohltöner Wagner abheben und eben in eine neue Richtung weisen. Es ist ein beinahe körperlicher Akt, der hier stattfindet – athletisch, muskulös. Ja, auftrumpfend. Aber trotzdem, es gibt so viele, auch von Nelsons mit den Hörnern im Blech und den Klarinetten und Oboen und Fagotten herausgearbeiteten Miniaturen, die das Monumentale auf die Erde zurückholen, dass es eine Freude ist. Triumphal! Irgendwie ist diese Sinfonie halt doch schon fast ein 80minütiges Finale und Finale hat das Publikum besonders gern wenn sie so mächtig martialisch daherkommen. Das Auditorium zeigte sich begeistert und feierte die Leipziger mit frenetischem Applaus und vereinzelten Bravorufen, zu einer „Standing Ovation“ reichte es nicht ganz.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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