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Lifestyle

Lucerne Festival, Sinfoniekonzert 5 Shanghai Symphony Orchestra, Long Yu, Frank Peter Zimmermann, 23. August 2019 besucht von Léonard Wüst

Shanghai Symphony Orchestra
Shanghai Symphony Orchestra

Besetzung und Programm:
Shanghai Symphony Orchestra
Long Yu  Dirigent
Frank Peter Zimmermann  Violine

Qigang Chen (*1951)
Wu Xing (Die fünf Elemente)
Sergej Prokofjew (1891–1953)
Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 19
Sergej Rachmaninow (1873–1943)
Sinfonische Tänze op. 45

 

Rezension:

Das Shanghai Symphony Orchestra dieses Jahr  feiert seinen 140sten Geburtstag. Dem Jubiläum entsprechend durften die Chinesen in einem prallgefüllten Konzertsaal konzertieren, sogar die 4. Galerie war geöffnet und die Orgelempore war auch vollbesetzt

Qigang Chen (*1951) Wu Xing (Die fünf Elemente)

Komponist Qigang Chen
Komponist Qigang Chen

Der in China geborene Komponist Qigang Chen kam 1984 nach Frankreich, wo er durch ein staatliches Stipendium gefördert wurde und er war der letzte Schüler von Olivier Messiaen. Seine 1999 entstandene Komposition bezieht sich auf die fünf Elemente Wasser, Holz, Feuer, Erde und Metall in der daoistischen Philosophie, auf der sehr viele chinesische Wissenschaften usw. fussen, so u.a. auch die traditionelle chinesische Medizin (TCM). Zitat des Komponisten: Das Stück entstand vor zwanzig Jahren in Paris im Mittelpunkt der westlich-musikalischen Ästhetik. Gleichzeitig stand ich unter dem großen traditionellen Einfluss chinesischer Kultur, die ich verinnerlicht hatte. Unter diesem äußeren Druck wurde «Wu Xing» geboren, das «gemischte» Kind aus westlich-avantgardistischer Ästhetik und den ältesten Aspekten chinesischer Ideen.

West oder Fernost? Wo soll man das Werk einordnen?

Long Yu  Dirigent
Long Yu Dirigent

Qigang Chen: Es ist schwierig für mich, meine eigene Arbeit einzuschätzen, aber der chinesische Aspekt dieses Stücks ist wohl die Einbeziehung der älteren Epoche. Erstaunlich, wie es Chen fertigbringt, in den, pro Element, jeweils sehr kurzen zwei Minuten, akustisch die Geräusche des jeweiligen Elements zu zeichnen. Wenn er, beim Element Wasser, durch Pizzicato der Celli das Plätschern von Regentropfen hörbar macht, durch brummende Bässe die bedrohliche Brandung nachgestaltet. Das Feuer, das knisternd, Vibrato der Celli,  das Holz verzehrt. Eine besondere Komponente auch der Einsatz des Ehu, der zweisaitigen, mit dem Bogen gestrichenen Röhrenspießlaute, die ganz spezielle Töne erzeugt und so dem fernöstlichen Tongemälde eine eigene, unverwechselbare Identität verleiht. Die durchschimmernde, transparente, gar sphärisch oszillierende, tremolierende Struktur der Komposition entführt die Zuhörer in eine ganz und gar nicht lineare Klangwelt, die dem westlichen  Ohr vertraut ist, dennoch widerspricht sie nicht der akustischen Ästhetik, wie wir sie kennen, sodass auch das an sich ungewohnte erstaunlich vertraut wirkt.

Erhu, zweisaitige, mit dem Bogen gestrichene Röhrenspießlaute
Erhu, zweisaitige, mit dem Bogen gestrichene Röhrenspießlaute

Es ist denn auch keine Überraschung, dass die Werke von Qigang Chen, für einen zeitgenössischen und erst noch asiatischen Komponisten, weltweit relativ häufig gespielt werden. Auch das Publikum im Luzerner Konzertsaal war angetan von den Tönen und der vorzüglichen Interpretation des, personell sehr gross besetzten Orchesters. Der Beifall war demensprechend lang für diesen gelungenen Auftakt in den Konzertabend.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sergej Prokofjew Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 19

Solist Frank Peter Zimmermann voll konzentriert
Solist Frank Peter Zimmermann voll konzentriert

Sergei Prokofjew instrumentierte sein Violinkonzert D-Dur op. 19 zu einer Zeit, als er die Symphonie Classique schrieb – erklärtermaßen »im Stile Haydns«. Kein Wunder also, dass auch das fast zeitgleich entstandene Konzert mit ätherisch-träumerischem Beginn einem »klassischen« Klangbild verpflichtet ist, allerdings im Sinne einer »inszenierten Rückkehr zu klassischen Formen und Ausdrucksmitteln, deren karikierende Verfremdungen sich gleichsam mikroskopisch aus winzigen Verschiebungen und Schräglagen der harmonischen Struktur ergeben.

 

 

 

 

 

 

 

Komposition entspricht nicht dem vorrevolutionären Zeitgeist

Long Yu Dirigent und Frank Peter Zimmermann Solist Violine beglückwünschen sich
Long Yu Dirigent und Frank Peter Zimmermann Solist Violine beglückwünschen sich

Diese antiromantischen »Schräglagen« Prokofjews entsprachen gar nicht dem Zeitgeist, im Petrograd waren Vorboten der kommenden Oktoberrevolution zu spüren, vor denen er, ausgerüstet mit einem Teleskop zur Firmament Betrachtung, auf eine Flussfahrt auf der Wolga und der Kama flüchtete, die im folgenden Jahr in das Exil mündete. Er verliess Russland und kam Jahre später, getrieben von existenziellem Heimweh in seine Heimat zurück, die aber inzwischen zur Sowjetunion mutiert war. Schwirrend eröffnen die Violinen den ersten Satz, die aber schnell von der Solo Violine abgelöst werden, weiterhin aber im Verbund mit dem gesamten Orchester den Klangteppich weben, auf dem sich Frank Peter Zimmermann bewegen kann. Besonders spannend, die Sequenz nach etwa fünf Minuten, wo er, die Saiten zupfend, mit der Querflöte korrespondiert, um unmittelbar in einen Sololauf zu starten, bei dem die Harfe, in Einklang mit der Querflöte, den Gegenpart gibt, bevor sich Solist und Orchester wieder sanft vereinen, aber unverzüglich grenzen sich der Solist, in Verbund mit dem Kleinbläsern wieder aus und schwelgen in weit gezogenen Melodienbögen, die brüsk von fulminanten, spitzen Läufen des Solisten abgelöst werden, kontrapunktiert von Bläsern und Schlagwerk und angetrieben von knapp akzentuierten Tönen der Celli, überflogen von Oboe, untermalt von der Harfe, sich auflösend im Tutti, welches sich abrupt ins Nichts auflöst. Der Solist, der die äusserst anspruchsvolle Partitur, gelöst, ruhig, hochkonzentriert, dennoch äusserst souverän meisterte und das ihn kongenial begleitende Orchester durften sich einer wahren Applauskaskade erfreuen, in der natürlich auch der souveräne Dirigent eingeschlossen war. Da der Applaus nicht enden wollte, gewährte uns der Solist noch eine kurze Zugabe, bevor man sich beeindruckt vom gehörten, in die Pause begab.

Sergej Rachmaninow (1873–1943)  Sinfonische Tänze op. 45

Szenenfoto des Konzertes
Szenenfoto des Konzertes

Das verlangte Orchester ist groß, zur üblichen Besetzung mit dreifachem Holz kommt ein Altsaxophon (einer der wenigen Fälle eines Saxophons in der klassischen Musik), stark erweitertes Schlagwerk (3 Pauken, Tamburin, Triangel, kleine und grosse Trommel, Becken, Tamtam, Glockenspiel, 3 Glocken), Klavier und eine Harfe. Das Werk gilt in der Orchesterliteratur als anspruchsvoll zu spielen. Ungewohnt auch der Einbezug eines Alto Saxophons für ein kurzes Solo im Mittelsatz. Ein Instrument, erfunden im Jahre 1840, das damals praktisch nur in der „schwarzen“ Musik zum Zug kam. Das wendet den Ausdruck ins Lyrische. hin zu einem melancholisch, sehnsüchtig, verklärten russischen Gesangsmotiv. Übernommen wird das Thema dann in einer auffälligen Klangmischung von Bläsern, einstimmig geführten Streichern und einem Klavier Am Ende des Satzes zitiert Rachmaninow einen kurzen Abschnitt seiner ersten Sinfonie, deren Uraufführung 1897 zum Fiasko wird und ihn in eine schwere Krise stürzt. Doch warum hellt er dieses Motiv nach einer geradezu „gen Himmel“ führenden Skala nach Dur auf?

Gregorianik im 3. Satz

Szenenfoto des Konzertes
Szenenfoto des Konzertes

Im dritten Satz beruht das thematische Material fast komplett aus der Gregorianischen „Dies-irae“-Melodie. Eine Art Totentanz? Die Röhrenglocken sind vermutlich direkt aus Hector Berlioz „Symphonie fantastique“ übernommen, vielleicht auch das Sujet, ebenso schimmert etwas von Ravels Bolero in Schlagwerksequenzen durch. Kurz vor Schluss gibt es ein weiteres Zitat, diesmal ein Halleluja aus einem der großen geistlichen Werke Rachmaninows, der „Ganznächtlichen Vesper“ (1915). Dieses Halleluja kennzeichnet er in der Partitur ausdrücklich. Das „Dies irae“ taucht in den folgenden knapp 30 Takten nicht mehr auf. Ein Sieg des Glaubens, gar ein persönliches Bekenntnis Rachmaninows? Vielleicht. Ein Aspekt stört jedoch diese naheliegende Deutung: der Einsatz des Gongs. Das Schlagzeug ist viel beschäftigt in diesen „Tänzen“, bis hin zu einer Art „Todesmarsch“ der kleinen Trommel kurz vor jenem Halleluja-Zitat. Der Gong aber kommt erst nach dem Halleluja insgesamt sechsmal zum Ein­satz, davon auch im Schlussakkord, in dem er als einziges Instru­ment nachklingt – eine Anweisung, die nicht immer berücksichtigt wird. Das kann schlicht als raffinierte Klangfarbe gedacht sein, aber auch ganz bewusst als Todessymbol, in Anlehnung an eine Tradition, die sich in der Spätromantik gebildet hat.

Szenenfoto des Konzertes
Szenenfoto des Konzertes

Ist dieser Schluss also gerade kein Bekenntnis zum Glauben, sondern wird das Halleluja verdrängt von der Gewissheit, dass es vorm Tod letztlich kein Entrinnen gibt? Sieht Rachmaninow gar sein eigenes Ende nahen? Der fromme, hoffnungsvolle Lobgesang triumphiert dann aber in den letzten Takten des großen Meisters doch über die Melodie des Jüngsten Gerichts, die sich durch sein gesamtes Werk zieht. Dirigent Long Yu führt auch hier seine Mitmusiker mit wenigen Gesten, Augenkontakt und nur selten mit grossen, ausholenden Bewegungen, dafür trieb er sie dann im bombastischen Finale mit viel Körpereinsatz und Enthusiasmus zur Höchstleistung an.

Fast kein Ende nahm der tosende Applaus des begeisterten Auditoriums für diese Glanzleistung des chinesischen Renommierorchesters, Ein Applaus, der die Asiaten sichtlich beeindruckte und erfreute, sodass sie noch eine kurze orientalisch angehauchte Zugabe gewährten.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Kirche Rellingen, Festkonzert 40 Jahre Salzburger Solisten , 26. Mai 2019, besucht von Léonard Wüst

vlnr. Misa Hasegawa, Piano, Aylen Pritchin, Violine und Luz Leskowitz. Notenumwender
vlnr. Misa Hasegawa, Piano, Aylen Pritchin, Violine und Luz Leskowitz. Festivalintendant, Notenumwender

Ausführende und Programm:

David Geringas                 Violoncello Misa Hasegawa                Klavier,

Joris van den Hauwe         Oboe

Salzburger Solisten

Luz Leskowitz                   Violine  Solenne Paidassi               Violine

Vladimir Mendelssohn        Viola  Aylen Pritchin                    Viola

Ingemar Brantelid              Violoncello  Mette Hanskov                  Kontrabass

Wolfgang Amadé Mozart 1756 – 1791  Quartett für Oboe, Violine,Viola und                          Violoncello in F-Dur, KV 370  (1781)

 Allegro, Adagio, Rondeau, Allegro

Franz Schubert 1797 – 1828 Quintett für Klavier, Violine, Viola, Violoncello                          und Kontrabass in A-Dur, op.114, D 667 “Forellenquintett” (1819)

Allegro vivace, Andante, Scherzo, Presto, Tema,  Andantino Finale. Allegro giusto

Johannes Brahms 1833 – 1897   Sextett für zwei Violinen, zwei Violen und                      zwei Violoncelli in G-Dur, op.36  (1864/65)

Allegro non troppo, Scherzo. Allegro non troppo, Poco Adagio, Poco Allegro

ZUGABE ANLÄSSLICH DES JUBILÄUMS 40 JAHRE SALZBURGER SOLISTEN

 Vladimir Mendelssohn * 1949Uraufführung von “Urban Lark 2” für Klavierquartett und Notenumwender  (Uraufführung) Es spielen Misa Hasegawa, Aylen Pritchin, Vladimir Mendelssohn, Ingemar Brantelid und Mette Hanskov

A. Mozart, Oboen Quartett in F-Dur, KV 370

Joris van den Hauwe, Oboe und Luz Leskowitz, Violine Foto Wolfgang Gaedigk
Joris van den Hauwe, Oboe und Luz Leskowitz, Violine Foto Wolfgang Gaedigk

Mozarts Oboen Quartett in F-Dur KV 370 entstand wahrscheinlich im Winter 1780/81 in München. Mozart hielt sich damals wegen der Proben zu seiner Oper „Idomeneo“ in der bayerischen Residenzstadt auf. Und die Komposition ist eine echte Ausnahmeerscheinung in seinem Werkkatalog, steht dafür aber im Konzert Wunschkatalog eines jeden Oboisten. Eine weitere Gelegenheit für Joris van de Hauwe, den Brüsseler Solisten, um sein grosses Können zu demonstrieren. Den virtuos-verspielten Ecksätzen steht ein kurzer Mittelsatz in Moll gegenüber, der auch die elegischen Klangfarben des Instruments zur Geltung bringt. Eingebettet in den Klangteppich des Ensembles, schwang sich die Oboe auf in luftige Höhen, jubilierte manchmal fast wie eine Querflöte. Nicht immer leicht für den Solisten, die Balance zu finden zwischen Dominanz und Unterordnung, heisst Einfügung ins Ensemble. Eine Herausforderung, souverän gemeistert vom Oboisten, mit kongenialer Unterstützung seiner Mitmusiker und mit einem wahren Applausorkan durch das Publikum belohnt.

Franz Schubert Klavierquintett Opus post. 114 – D 667 in A-Dur „Forellenquintett“

Misa Hasegawa am Piano
Misa Hasegawa am Piano

Schuberts einziges Klavierquintett verlangt die, aus heutiger Sicht, eher unübliche Besetzung Piano, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass. Das Thema wird eher umspielt und dekoriert und im Ausdrucksgehalt abgewandelt. Auch wird es in jeder Variation von einem anderen Instrument getragen. Ab der 5. Variation wird die Tonart modulatorisch gewechselt, um in der letzten Variation zur Ausgangstonart zurückzukehren. Misa Hasegawas klares und straffes Klavierspiel zieht ihre vier Mitstreiter an den Streichinstrumenten in den Sog des Kopfsatzes und lässt das muntere Auf- und Ab der Akkordketten durch die rasch wechselnden Harmonien rollen. Wie magnetisiert schmiegen sich die Streicher an, holen in weiten Melodiebögen aus, schalten blitzschnell vom Solo in pulsierende Begleitarbeit um, sofort wieder freudig bereit für einen neuen Gesang im Stimmgefüge. Klanglich hochkultiviert, lieblich, aber nicht süßlich strömen das Andante und der namensgebende liedgeprägte Variationssatz dahin. Frisch und packend das tänzerische Finale, in dem die Akteure die vielen Anklänge an die vorangegangen Sätze zum zyklisch Ganzen abrunden. Diese festive Schubertiade aus dem Mekka der Kammermusik wusste das Auditorium zu begeistern, was es auch mit entsprechend begeistertem Applaus kundtat.

Johannes Brahms Streichsextett in G-Dur op.36

Hochkonzentrierter Ingemar Brantelid am Violoncello
Hochkonzentrierter Ingemar Brantelid am Violoncello

Geheimnisvoll steigt das Hauptthema auf über den Achtelbewegungen G-Fis von Viola I. 32 Takte lang entfaltet sich dieses so innige Thema über jenen Achtelbewegungen. Clara Schumann schreibt an Brahms, nachdem sie als Erste das Manuskript erhalten hatte: „Das Thema (sie meint diese Achtelbewegungen) könnte dir wohl gestohlen werden, aber was finge einer wohl damit an, der nicht versteht wie Du, es so aufs reizendste und geistvollste mit Motiven zu umkleiden, die immer darum herum spielen und sich ineinander schlingen wie eine Kette lieblicher Gedanken. Mir ist die Stimmung dieses Satzes außerordentlich lieb, so weich und sanft. “Eine breite energischere Überleitung führt zum verhalten jubelnden Seitenthema, zuerst vom Ersten Cello, dann von der Ersten Geige vorgestellt: Sensibel aufeinander hörend und miteinander agierend, beweisen die Musiker ihr tiefes Verständnis für diese Meisterwerke der romantischen Kammermusik. Ihr Spiel zeichnet sich durch Natürlichkeit und Expressivität aus. Tempi, Dynamik und Spannungsbögen passen wie massgeschneidert. Das räumliche und transparente Klangbild der Produktion entspricht dem besonders hohen interpretatorischen Niveau. Das souveräne Spiel des Ensembles überzeugt durch seine Transparenz sowie durch die Klarheit, mit der die musikalischen Strukturen dargelegt werden. Die Umsetzung des Werkes überzeuge das Auditorium, der entsprechende Beifall war dem Ensemble sicher.

Vladimir Mendelssohn Urban Lark 2,eine Komposition zum 40-jährigen Jubiläum der Salzburger Solisten

Vladimir Mendelssohn  Komposition und Viola
Vladimir Mendelssohn  Komposition und Viola

Natürlich fliessen beim gebürtigen Rumänen auch zigane,gitaneske Komponenten in das Werk ein, wie man sie in der osteuropäischen Volksmusik häufig findet und die vor allem von Django Reinhardt in das erweiterte Bewusstsein der Westeuropäer, wenn auch jazzartig, eingeimpft wurden. Die Töne sind neu, da vorgetragen von einem klassischen Ensemble, wenn uns auch nicht ganz fremd, wenn man Gipsy Jazz und Klezmer etwas kennt. Die Komposition beruht auf einem Thema, das schon, der aus Liveni Vîrnav im heutigen Kreis Botoșani stammende, George Enescu (1881 – 1955) vor über 100 Jahren verwendete. Die „Städtische Lerche 2“, so die Übersetzung, zeichnet urbane, hektische Geräusche nach, das Treiben, wie es heute in den Städten herrscht.

Hecktisches Stadtleben musikalisch nachgezeichnet

Mette Hanskov Kontrabass
Mette Hanskov Kontrabass

Also eine recht lebhafte, aufregende Partitur, in der alle Instrumente in etwa gleichberechtigt orchestriert sind. Original heisst die Komposition: „Urban Lark 2“. für Klavierquartett und Notenumwender. Notenumwender? Die Künstler betreten die Bühne, begrüßen das Publikum mit synchronem Kopfnicken und nehmen Platz. Diese wohlbekannte Routine überrascht niemanden mehr. Der diskreten, schwarzgekleideten Silhouette, die am hinteren Bühnenrand entlang zum Klavier schlüpft, schenken nur wenige Zuhörer Beachtung. Aber was wissen wir über diese stille Figur, die gerade auf der Bühne Position bezogen hat und doch gänzlich anonym ist?

Mendelssohns Hommage an einen oft verkannten Mitmusiker

Aylen Pritchin, Violine
Aylen Pritchin, Violine

Mendelssohn ehrt hier den unbekannten Musiker, holt ihn heraus aus seiner Unsichtbarkeit, den Notenblätterer. Eine unterschätzte, dennoch sehr wichtige Aufgabe bei vielen Musikstücken, besonders, wenn ein Musiker nicht lange Zeit hatte, um die Partitur todsicher auswendig zu lernen. Diese verantwortungsvolle Aufgabe übernahm für einmal der Meister, Festivalleiter Luz Leskowitz, persönlich. Er tat dies auf eine Art, die den sonst Unsichtbaren sichtbar, oder zumindest hörbar machte, indem er vor dem Hinsetzen einen tiefen Ton auf dem Klavier anschlug. Damit hatte das Publikum nicht gerechnet und es schien, als seien auch die Mitmusiker nicht eingeweiht gewesen. Nach dem Grundton durch Kontrabass von Mette Hanskow und Cello von Ingemar Brantelid der eigentliche Auftakt mit der Viola, dem Instrument des Komponisten, unmittelbar ergänzt durch die Violine von Aylen Pritchin, worauf sich der Kontrabass und das Cello wieder dazu gesellen, supportiert von Pianistin Misa Hasegawa samt ihrem Notenumwender. Die musikalische Reise durch das Citygewirr gestaltete sich furios fulminant. Schräge Harmonien wechseln ab mit lieblichen Volksmusikmotiven, atonal mutiert zu tonalen Polka Rhythmen, bevor sich die Violine auf einen kurzen Höhenflug begibt, der übergeht in Csárdás Andeutungen die schlussendlich in einem furiosem Finale enden. Das Auditorium klatscht begeistert, es sind gar einzelne Bravorufe zu hören. Auch die Rellinger kommen nicht jedes Jahr zu einer Uraufführung und sind dementsprechend erfreut und fühlen sich geehrt. Ein würdiger Abschluss für ein gutbesuchtes und in allen Belangen, gelungenes Maifestival 2019

Links auf die andern Konzerte des Rellinger Maifestivals 2019

1. Annäherung an Rellingen

https://innerschweizonline.ch/wordpress/34-maifestival-rellingen-vom-24-bis-26-mai-2019-versuch-einer-annaeherung-von-leonard-wuest/

2. Barock Festival

https://innerschweizonline.ch/wordpress/kirche-rellingen-barock-fest-24-mai-2019-besucht-von-leonard-wuest/

3. Opern Gala

https://innerschweizonline.ch/wordpress/kirche-rellingen-gala-der-opernkomponisten-25-mai-2019-besucht-von-leonard-wuest/

Rezension:

Text: Leonardwuest.ch

Fotos: http://www.mrk-rellingen.de und http://www.luz-leskowitz.at/index.html

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Bregenzer Festspiele, “Rigoletto” auf der Seebühne, 3. August 2019, besucht von Léonard Wüst

Szene aus Rigoletto von Giuseppe Verdi, Foto Karl Forster
Szene aus Rigoletto von Giuseppe Verdi, Foto Karl Forster

Musikalische Leitung Enrique Mazzola
Inszenierung
Philipp Stölzl
Bühne
Philipp Stölzl, Heike Vollmer
Kostüme
Kathi Maurer
Licht
Georg Veit, Philipp Stölzl
Stunt- und Bewegungsregie
Wendy Hesketh-Ogilvie
Mitarbeit Regie ​
Philipp M. Krenn
Chorleitung
Lukáš Vasilek | Benjamin Lack
Dramaturgie
Olaf A. Schmitt

Der Herzog von Mantua Stephen Costello
Rigoletto​ Vladimir Stoyanov
Gilda ​ Mélissa Petit
Sparafucile ​ Miklós Sebestyén​
Maddalena | Giovanna ​ Katrin Wundsam ​
Der Graf von Monterone​ Kostas Smoriginas
Marullo​ Wolfgang Stefan Schwaiger
Borsa ​ Paul Schweinester ​
Der Graf von Ceprano Jorge Eleazar
Die Gräfin  Léonie Renaud​
Page Hyunduk Kim

Kinder, Stuntmen, Statisten

Wiener Symphoniker​

Bregenzer Festspielchor
Prager Philharmonischer Chor

Wired Aerial Theatre
Bühnenmusik in Kooperation mit dem Vorarlberger Landeskonservatorium

 

Rezension:

Allgemeines zur Inszenierung in Bregenz

Vanessa und Enea harren der Dinge, die da kommen sollten auf der Tribune
Vanessa und Enea harren der Dinge, die da kommen sollten auf der Tribune

Bei jeder Produktion denkst du, spektakulärer kann das Bühnenbild nun wirklich nicht mehr werden, doch zwei Jahre später, belehren uns die Bregenzer wieder einmal mehr eines Besseren. Augen wie Garagentore, Hände von 11,5 Metern Länge und ein Gesamtgewicht von 175 Tonnen. Aus dem Bodensee lächelt zur Zeit der wohl imposanteste Narr der Welt. Es ist auch der traurigste. Der verkrüppelte Hofnarr Rigoletto verliert in Giuseppe Verdis gleichnamiger Oper seine einzige Tochter Gilda. Und das gleich zweimal. Zunächst, als sie vom triebhaften Grafen von Mantua verführt wird und ein zweites Mal, als sie für den, trotz seinem ausschweifenden Lebenswandel geliebten Grafen, ihr Leben opfert. Düstere Dramatik mit wunderschöner Musik heisst also die Devise der diesjährigen Bregenzer Festspiele, wo Verdis bekannte Oper zum allerersten Mal überhaupt zur Aufführung kommt. Intendantin Elisabeth Sobotka hatte in der Chronik gestöbert und Werke herausgepickt, die eben noch nie in Bregenz aufgeführt wurden. Das Resultat ist also der Rigoletto heuer und nächstes Jahr, gefolgt von Puccinis „Madame Butterfly“ die folgenden zwei Jahre.

Stolzer Enea darf auch dabei sein
Stolzer Enea darf auch dabei sein

Stölzl hat den „Rigoletto“ gesamthaft ins Zirkus-Milieu übertragen, hat aus dem Herzog einen selbstherrlichen, machistisch agierenden Zirkusdirektor gemacht und aus dem Hofnarren Rigoletto einen gar nicht lustigen Clown mit einer dunklen Kehrseite. Aus den Höflingen wurden Akrobaten und traditionell gekleidetes Zirkuspersonal, des Herzogs Häscher sind böse, gewalttätige Menschenaffen, die flink alle Hindernisse überwinden und auch Gilda entführen. Diese, in blauem Kleidchen und mit roten Schuhen, kindlich auf einer Schaukel spielend, ist klar ein Zitat aus dem „Zauberer von Oz“ – eine Kopie der Figur Dorothy Gale.

Ein Bühnenbild der Superlative

Seebühne Bregenz Szenenbild des Rigoletto
Seebühne Bregenz Szenenbild des Rigoletto

Ein gigantisches Haupt (13 Meter hoch, neun breit) als zentrales Bühnenelement und auf den beiden Seiten je eine riesige Hand, sind die Merkmale des diesjährigen Bühnenbildes. Dieser überproportionierte Hofnarr dient als Alter Ego der Titelfigur Rigoletto, des buckligen Hofnarrs des Herzogs von Mantua. Erdacht und Erschaffen von Philipp Stölzl (Regie und Bühne), den Bregenzer Bühnentechnikern und 46 beteiligten Technikfirmen ist die Figur des Protagonisten gigantisch und somit auch  begeh- und bespielbar. Dass Kopf und Hände zudem beweglich sind und der überdimensionierte Ballon in Rigolettos Hand schwebt, weil er tatsächlich mit Helium gefüllt ist, sind kleine und grosse Bühnen-Interna, die sich aber im Lauf der Vorstellung enträtseln.

Computergesteuerte, hydraulische Mechanik

Der Zeremonienmeister begrüsst das Publikum
Der Zeremonienmeister begrüsst das Publikum

Praktisch alles am Kopf ist, Computer gesteuert über mechanische, extra konstruierte, metallene Teile steuerbar, sodass der Riese den Mund öffnen, die Stirn runzeln, die Augen rollen kann und vieles mehr. Ein Clownsgesicht an einem monströsen Krangestänge, das sich als ungemein beweglich und ausdruckstark erweist. Wenn es sich hebt und senkt faucht die Hydraulik, wie die Fahrgeschäfte auf einem echten Jahrmarkt. Ebenso beweglich die beiden Riesenhände. Erstmals bei einem Spiel auf dem See und passend zum Thema Zirkusfest, boten Akrobaten und Sänger auf dem Vorplatz ihre Kunst dar und ziehen quasi gemeinsam mit dem Publikum in den Festspielbereich, sich quer durch die Zuschauertribüne spielend ein, bevor sie die Bühne entern.

Animateur zuoberst auf dem Riesenkopf

Rigoletto schwebt zu Beginn ein Foto Bregenzer Festspiele Karl Forster
Rigoletto schwebt zu Beginn ein Foto Bregenzer Festspiele Karl Forster

Kaum dort angekommen, öffnet sich eine Klappe auf dem höchsten Punkt des Riesenkopfes und heraus tritt „Marullo“ in einem schwarz – weiss gekachelten Clown Kostüm und begrüsst das Publikum mit stark italienischem Akzent mittels launigen Worten und stimmt es auf die nun unverzüglich beginnende Vorstellung ein, nicht vergessend zu erwähnen, dass es empfehlenswert sei, Taschentücher bereit zu halten. Sogleich stimmen die nur über Monitore sichtbaren Wiener Symphoniker die Ouvertüre an und das Spiel beginnt.

Mélissa Petit als Gilda „Prima inter pares“

Gilda auf der Riesenhand des Rigoletto Foto Karl Forster
Gilda auf der Riesenhand des Rigoletto Foto Karl Forster

Mélissa Petit als Gilda, die Entdeckung dieser Inszenierung, brilliert u.a. besonders mit der Intonation von  „Caro nome“ mit perfekten Koloraturen auch in den allerhöchsten Lagen. Wenn man sie hört und sieht, wird schnell klar: Ihr wurde manches in die Wiege gelegt, wofür andere hart arbeiten müssen. Sie hat eine kräftige, sehr klare und äusserst präsente Sopranstimme, die mühelos und ohne hörbare Übergänge durch alle Register klettern kann, über viele Klangfarben verfügt und auch mit virtuosen Auszierungen keine Probleme kennt. Besonders eindrücklich die „Arie der Gilda“, in der Gondel des Ballons in luftiger Höhe gesungen. Dieser Sopran hat viele Facetten, auch unendlich zarte, und ist mit großem dramatischem Potenzial ausgestattet.

Das Quartett „Bella figlia dell`amore“ ein weiteres Highlight

Das Zirkusvolk auf der Bühne © Bregenzer Festspiele, Karl Forster
Das Zirkusvolk auf der Bühne © Bregenzer Festspiele, Karl Forster

Ob allein mit Arien, im Duett, Terzett, Quartett oder mit Chorunterstützung. Ein musikalischer Genuss folgt auf den andern. Ob im Riesenmaul des Rigoletto, auf seinen Händen, auf seinem Scheitel oder profan auf der Bühne gesungen, die Protagonisten überzeugten sprichwörtlich auf allen Ebenen. Die starken Männerstimmen bestanden problemlos gegenüber der Sopranistin und der Genuss steigerte sich noch, wenn im Verbund gesungen wurde, besonders  „Bella figlia dell`amore“ ragte heraus.

Demontage der beiden Rigoletto

Seebühne Bregenz Szenenbild des Rigoletto
Seebühne Bregenz Szenenbild des Rigoletto

Während der reale Rigoletto psychisch demontiert wird, passiert  dem Kopf seines grossen Alter Ego, der übergrossen  Bühnenfigur, dasselbe physisch, nachdem seine beiden Augäpfel in der vorherigen Szene schon von den Artisten über die Bühne gerollt und gekickt wurden, behändigt man sich jetzt auch noch seiner Nase und der geöffnete Mund, in dem Gilda und der Herzog grad ein Duett singen, strotzt nur so von Zahnlücken. Dem Kopf fallen allmählich die Augen und die Zähne aus, er verliert seine Clown Nase und wird am Ende, im furchterregenden Gewitter der letzten Szene, zum gespenstischen Totenkopf, aus dem immense Massen Wasserfontänen auslaufen und die Darsteller fast ertränken.

Der Herzog wird  zum balzenden Pfauen aufgeplustert

Rigoletto Foto Anja Köhler
Rigoletto Foto Anja Köhler

Als die Zirkusaffen, während einer seiner Arien, des Herzogs Umhang an seinem Rücken auffalten, sieht dieser wahrhaftig aus wie ein balzendes Pfauenmännchen. Natürlich fallen auch dieses Jahr wieder diverse Akteure ins den Bodensee, ich bräuchte das eigentlich nicht, aber für einfachere Gemüter ist das halt immer ein Höhepunkt des Spektakels. Der Hofnarr wandelt sich im Verlaufe des Dramas vom höfischen  Spassmacher zum Zyniker, wird böse, unnahbar, dann gar rachsüchtig böse. Diese Wandlung, eher eine Demontage, vollzieht sich nicht nur bei der Bühnenfigur, sondern ebenso bei seinem „Alter Ego“, dem mechanischen Riesen Rigoletto. Rigolettos  Versuch, nachdem seine Tochter vom unverfrorenen Frauenhelden, der sich ihr als mittelloser Student näherte, entehrt worden war, Gilda von der Schlechtigkeit ihres Geliebten zu überzeugen: „Son questi i suoi costumi“, indem er ihr das lasterhafte Leben desselbigen bildlich vor Augen führt, fruchtet wenig bis nichts.

Rigoletto bedient sich eines Profikillers

Rigoletto Foto Karl Forster
Rigoletto Foto Karl Forster

Der professionelle Mörder Sparafucile – sein Kostüm mit aufgemaltem Gerippe macht ihn zur Personifizierung des Todes – gibt am Bühnenrand seine Künste als Messerwerfer mit seiner Schwester Maddalena als Partnerin zum Besten. Und wenn der Herzog sein zynisches „La donna è mobile“ schmettert, lässt der Regisseur vier junge Damen an Seilen auf die Bühne herabbaumeln, die so wahrhaft „mobile“ werden – und deren Kostüme aus zahllosen, prallen Brüsten bestehen. Rigoletto findet den aufgehängten Leichensack, in dem aber nicht, wie vorgesehen, der Leichnam des lasterhaften Herzogs steckt, sondern Gilda, die, als Mann verkleidet flüchten wollte und im Trubel des Gewitters, bei diffusen Lichtverhältnissen, Opfer einer fatalen Verwechslung wurde.

Versöhnliche Schluss – Szene

Rigoletto Foto Karl Forster
Rigoletto Foto Karl Forster

Dass am Schluss Gilda mit dem Ballon in den Nachthimmel entschwindet, versöhnt etwas mit dem traurigen Ausgang der Geschichte, bei der durch die Rachegelüste eine besorgten und hintergangenen Vaters, dessen eigene Tochter zu Tode kommt. Natürlich lässt sich darüber streiten, ob ein eigentliches, dazu noch recht düsteres Kammerspiel wie „Rigoletto“ so spektakulär inszeniert werden soll oder darf. Indem Stölzl das Ganze als Zirkus „verpackt“, lässt er Puristen auflaufen und kann Stunts und Gags  einbauen so viel er mag, wenn er es auch ab und zu schon sehr ausreizt. Was solls, das gehört auf der Seebühne einfach dazu und wird vom Publikum auch erwartet. Trotzdem steht Verdis unvergleichliche Musik im Mittelpunkt, die von einem souveränen Orchester und grossartigen Sänger – Darsteller*innen auf die Bühne gebracht werden. Auch das Lichtdesign trägt sehr viel bei, lässt den Riesenrigoletto mal dunkelrot recht bedrohlich, dann wieder grün-gelb amüsiert erscheinen. Dazu sind die Darsteller in teils opulente, passende Kostüme gekleidet, was das Gesamtkunstwerk „Rigoletto auf dem See“ zum grossartigen Erlebnis macht. Das Publikum würdigte die Leistungen denn auch mit viel Szenenapplaus und einem langanhaltenden, stürmischen Schlussapplaus.

Alle Rigolettos beim Nachtessen vis a vis Seebühne
Alle Rigolettos beim Nachtessen vis a vis Seebühne

Kurzer Trailer des Schlussapplauses:

https://youtu.be/1-N06-LA4CI

Kleine Fotodiashow der Produktion von Anja Köhler und Karl Forster:

fotogalerien.wordpress.com/2019/07/28/seebuehne-bregenz-rigoletto-fotodiashow-von-anja-koehler-und-karl-forster/

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: bregenzerfestspiele.com/de

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Bilanz der Opernfestspiele Heidenheim 2019 // Vorschau 2020

 Ernani  Ensemble Foto Oliver Vogel
Ernani Ensemble Foto Oliver Vogel

„Glück“ war die Überschrift der insgesamt 55. Saison der Opernfestspiele Heidenheim. Das so dynamische wie traditionsreiche Festival wird von Marcus Bosch geleitet, der positive Bilanz zu seiner 10. Spielzeit als Intendant zieht: „‘Ernani‘ war nicht nur künstlerisch ein voller Erfolg. Mit meinem Wunschstück ‚Pique Dame‘ war ich sehr zufrieden, wir haben richtig Werbung für das Werk gemacht. Die Konzerte waren - ob mit ihrem russischen Einschlag oder mit Beethoven - alle eine große Freude. Mein Saison-Fazit: Glück gehabt!“

16.800 Besucher erlebten auf dem Heidenheimer Festival-Hügel und an ausgewählten Spielstätten in der östlichen schwäbischen Alb Oper und Konzert auf Höchstniveau. Drei eigene Opernproduktionen, große sinfonische Konzerte bis hin zu zahlreichen Extras – die Opernfestspiele Heidenheim gelten heute als herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Verbindung aus Event und Kunst.             

Rahmensetzungen wie diese nützen die Heidenheimer Festival-Macher nicht als Ruhekissen, sondern als Grundlage für eine geradezu exemplarische Konzentration auf das Besondere in Oper und Konzert. Beispiel „Verdi-Werkstatt Heidenheim“ (Stefan Lang, Deutschlandfunk Kultur): Die 2016 gestartete und von Deutschlandfunk Kultur und dem CD-Label Coviello Classics begleitete Verdi-Reihe mit den frühen Opern Giuseppe Verdis gelangte in der Saison 2019 zu einem neuen Höhepunkt in der Produktion von „Ernani“. Die positive Resonanz der Fachwelt spiegelt auch den großen Publikumserfolg, der sich in einer sprunghaft gestiegenen Auslastung der „Verdi-Reihe“ von aktuell 91% ausweist.                   
                
Mit der zentralen großen Festivaloper „Pique Dame“ setzten Bosch und Regisseur Tobias Heyder ein weiteres Zeichen im Besonderen und abseits der großen Blockbuster - und erreichten eine Auslastung von 83%. Oper Nr. 3 war „GOLD!“, die Erfolgs-Kinderoper von Leonard Evers (Libretto Flora Verbrugge). Im Opernzelt im Brenzpark erlebten fast 2.700 junge und junggebliebene Menschen in insgesamt 16 Aufführungen (Auslastung: knapp 93%). Zusammen mit zahlreichen Vermittlungs-Formaten und gefördert u.a. mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes und des Landes Baden-Württemberg, stellt die Auseinandersetzung mit neuen Zielgruppen der „Musikwerkstatt OH!“ (Leitung Laura Nerbl) heute eine wichtige Festivalsparte dar, wovon die stolze Anzahl von über 4.400 Teilnehmern im Festival 2019 beredtes Zeugnis ablegt. Das Projekt "Glücksschmiede" im Rahmen von OH! Komponieren wurde für den MIXED UP Preis der bkj (Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung) nominiert.               

Matthias Jochner, in einer Person Kulturchef der Stadt Heidenheim und Musiker in der Cappella Aquileia, zeigt sich mehr als zufrieden und findet eine neue Sprachregelung für Inhalt und Qualität der Opernfestspiele: „Wir sagen heute nicht mehr, dass es erstaunlich ist, was in Heidenheim möglich ist. Wir sagen heute, dass so etwas nur in Heidenheim möglich ist!“   
 

Vorschau 2020:  Opern und große Konzerte der Heidenheimer Festspielsaison 2020 sind bereits im Vorverkauf: Verdis „Don Carlo“ (Premiere 10.7.2020) und seine sechste Oper „I due Foscari“ (Premiere 23.7.2020) stehen im Zentrum. Das Gesamtprogramm wird im Herbst 2019 veröffentlicht.              

 

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