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Lifestyle

Oslo Philharmonic Orchestra, ein Jahrhundert zum Klingen bringen

Oslo Philharmonic Orchestra , Vasily Petrenko Conductor, Joshua Bell Violin, Foto Peter Adamik
Oslo Philharmonic Orchestra , Vasily Petrenko Conductor, Joshua Bell Violin, Foto Peter Adamik

Das Oslo Philharmonic Orchestra feiert in der Saison 2019/2020 seinen 100. Geburtstag mit einer Europa-Tournee unter der Leitung von Chefdirigent Vasily Petrenko.
Die Jubiläumssaison zu Hause in Oslo widmet sich dem „Fest des Hörens“, u. a. mit Uraufführungen von Kaija Saariaho, Steve Reich, Lera Auerbach und Rolf Wallin.
Das Motto „Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft“ prägt die Konzerte des Oslo Philharmonic Orchestra im hundertsten Jahr seines Bestehens. Auf ihrer Tournee besuchen die Musiker mit ihrem Chefdirigenten Vasily Petrenko sieben Länder Europas, sie gastieren in der Kölner Philharmonie (13.10.), im Concertgebouw Amsterdam (14.10.), der Hamburgischen Elbphilharmonie (15.10.), im Wiener Konzerthaus (16.10.), in Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens, (18.10.) und in Italien in Udine (19.10.) und Turin (20.10.). Die Tour endet am 22. Oktober 2019 im Barbican Center in London.
Der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes ist bei allen Konzerten Solist in Edvard Griegs Klavierkonzert in a-Moll op. 16. Als weiteres Werk aus der Heimat des Orchesters steht die „Canzona“ von Arne Nordheim (1931–2010) auf dem Programm, eine Komposition, mit der der norwegische Komponist auch international auf sich aufmerksam machte. Außerdem spielt das Orchester zusammen mit seinem Chefdirigenten die 2. Sinfonie von Sergei Rachmaninow, die 10. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch und die Tondichtung „Don Juan“ von Richard Strauss.
„Das sind die musikalischen Aushängeschilder unseres Orchesters, die uns von unserer besten Seite zeigen,“ erklärt Vasily Petrenko, seit 2013 Chefdirigent des Orchesters. „Wir haben eines der berühmtesten Stücke zeitgenössischer norwegischer Musik im Programm, Nordheims „Canzona“, und Griegs Klavierkonzert. Und wir wollen Edvard Grieg damit eine besondere Reverenz erweisen, er hat sich maßgeblich für die Gründung des Orchesters eingesetzt und seine Musik gehört zu unserer DNA. Zur Musik Schostakowitschs und Rachmaninows hat das Orchester unter meinem Vorgänger Mariss Jansons eine besondere Beziehung entwickelt. Ich freue mich darauf, mit einer frischen Interpretation darauf aufbauen zu können. Wir haben in den vergangenen sechs Jahren viel russisches Repertoire gespielt, und es wird großartig sein, damit auf Tournee zu gehen. Die Musik von Richard Strauss schließlich hat das Orchester in den Fingern und Adern wie nichts anderes: Wir haben einen ganzen Zyklus seiner Tondichtungen im Konzert gespielt und sind gerade dabei, diesen für CD einzuspielen. Don Juan wird auf unserer nächsten CD erscheinen.“
Bürgerstolz und das Nationalbewusstsein des jungen Staates – Norwegen hatte sich 1905 von Schweden gelöst – führten 1919 zur Gründung des Filharmonisk Selskaps Orkester, das seit 1979 den Namen Oslo Philharmonic Orchestra trägt. Träger ist heute eine unabhängige Stiftung, die vom Norwegischen Parlament gegründet wurde. Die 108 Musiker des Orchesters spielen in Oslo jährlich zwischen 50 und 60 Konzerte, von denen ein Großteil im Rundfunk übertragen wird – auch heute noch wichtig in einem Land, dessen 5,3 Millionen Bürger außerhalb der großen Städte weit verstreut voneinander leben.
Ingrid Røynesdal, Chief Executive Officer des Orchesters, sieht die Jubiläumstournee in einem größeren Kontext lokaler, nationaler und internationaler Ereignisse und Feierlichkeiten. „Wir erleben gerade eine glückliche Phase im Kulturleben Norwegens. 2020 werden drei Neubauten, das Nationalmuseum, das Edvard-Munch-Museum und die Oslo Public Library, Norwegens wichtigste Bibliothek, eröffnen. Wir wollen unseren Teil beisteuern zur lebendigen Kulturszene in Oslo. Die Jubiläumstournee wird über Norwegens Grenzen hinaus, die kulturelle Vielfalt Norwegens in sieben europäische Länder transportieren.“ Das Orchester plant zudem vor Ort, unterschiedliche Publikumsschichten quer durch Oslo mit Konzerten zu erreichen, die auf der Ladefläche eines umgebauten LKWs gespielt werden. Zur Saisoneröffnung spielt das Orchester vor dem Königlichen Palast sein traditionelles Open-Air-Konzert, zu dem in den vergangenen Jahren immer rund 20.000 Zuhörer kamen.
https://ofo.no/en/
Tourdaten Herbst 2019

Mit: Vasily Petrenko Dirigent | Leif Ove Andsnes Klavier
13. Oktober 2019 | Köln, Philharmonie Nordheim: Canzona Grieg: Klavierkonzert Rachmaninow: Sinfonie Nr. 2 15. Oktober 2019 | Hamburg, Elbphilharmonie Nordheim: Canzona Grieg: Klavierkonzert Rachmaninow: Sinfonie Nr. 2 16. Oktober 2019 | Wien, Konzerthaus Strauss: Don Juan Grieg: Klavierkonzert Rachmaninow: Sinfonie Nr. 2
Weitere Termine: 14. Oktober 2019 | Amsterdam, Concertgebouw 18. Oktober 2019 | Ljubljana, Cankarjev Dom 19. Oktober 2019 | Udine, Teatro Giovanni da Udine 20. Oktober 2019 | Torino, Centro Congressi Turin 22. Oktober 2019 | London, Barbican
Höhepunkte der Jubiläumssaison 2019/2020 in Norwegen
Das Programm der Jubiläumssaison verfolgt die Themenstränge Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft und umfasst allein 15 Kompositionsaufträge, darunter „Vista“ von Kaija Saariaho (gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern, dem New York Philharmonic und dem Helsinki Philharmonic Orchestra), Lera Auerbachs „Arctica“ und Werke von Steve Reich und Lasse Thoresen, um nur einige zu nennen. Auch Vasily Petrenko wird in der Jubiläumssaison zahlreiche Uraufführungen dirigieren, darunter eine Auftragskomposition von Øyvind Torvund und im September Rolf Wallins „Soundspeed“. Ein Schwerpunkt ist für Petrenko die Verbindung zwischen Beethoven und Mahler: „Gustav Mahler hat Beethovens Werk nicht nur als Dirigent viel Gehör verschafft, er ist als Komponist auch sein legitimer Erbe. Seine Neu-Orchestrierung von Beethovens 9. Sinfonie zu spielen und zu hören wird für uns alle eine spannende Erfahrung werden“. Weitere Highlights sind sicher auch die 5. Sinfonie von Schostakowitsch mit dem designierten Chefdirigenten Klaus Mäkelä oder Kent Naganos Programm, das Musik von Wagner, Berg und Brahms kombiniert; von Gustav Mahler die Sinfonien Nr. 3 mit Esa-Pekka Salonen und Nr. 5 mit Manfred Honeck, Beethovens Violinkonzert mit Vilde Frang und Herbert Blomstedt und ein neues Werk von Steve Reich und Gerhard Richter.

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Saisonprogramm 2019/20 Das Luzerner Sinfonieorchester auf dem Weg in die Erstklassigkeit

Luzerner Sinfonieorchester aktuelles Portraitfoto
Luzerner Sinfonieorchester aktuelles Portraitfoto

Das Programm für die Konzertsaison 2019/20 des Luzerner Sinfonieorchesters ist bekannt. Es besticht durch seine Vielseitigkeit und verspricht spannende Hörerlebnisse. Die Zusammen-arbeit mit Chefdirigent James Gaffigan, erstklassigen Gastdirigenten und Solisten sowie Tourneen an renommierte Konzertorte unterstreichen die Qualität und internationale Ausstrahlung des Klangkörpers.

In seiner 214. Konzertsaison widmet sich das Luzerner Sinfonieorchester unter Chefdirigent James Gaffigan thematisch dem grossen sinfonischen Repertoire von Beethoven, Brahms, Bruckner, Dvořák, Prokofjew, Rachmaninoff, Sibelius und Tschaikowsky. Die Meisterdirigenten Marek Janowski und Pinchas Steinberg erweitern diese Reihe mit Werken von Haydn, Mozart, Schubert und Smetana. Ebenfalls am Pult stehen in der kommenden Saison Persönlichkeiten wie Juanjo Mena und Peter Oundjian oder die Dirigentinnen Dalia Stasevska und Elena Schwarz.

Die Mitwirkung als Opernorchester in Projekten wie «Carmen», «Salome» oder «Eugen Onegin» ist eine Bereicherung der künstlerischen Palette des Luzerner Sinfonieorchesters. Seinen Facettenreichtum zeigt das Orchester aber auch in zahlreichen Kinder-, Jugend- und Inklusionsprojekten, in denen sich die Musiker und Musikerinnen mit viel Herzblut engagieren.

Neuheiten, Experimente und Highlights
Gross ist die Dichte an Glanzlichtern im Frühjahr 2020: Passend zur Jahreszeit bringt das Orchester unter der Leitung von Sänger und Ausnahmepersönlichkeit Herbert Grönemeyer die Frühlingssinfonie von Schumann zur Aufführung. Jenen Schumann also, den Grönemeyer bereits 1983 im Film «Frühlingssinfonie» an der Seite von Nastassja Kinski verkörperte.

Gleich zwei Festivals veranstaltet das Luzerner Sinfonieorchester zudem im Mai: Vom 13. bis 17. Mai 2020 findet bereits die neunte Ausgabe des Zaubersee-Festivals statt, dessen Programm gegen Jahresende kommuniziert wird. Zwischen dem 20. und 26. Mai 2020 wird im Rahmen des Festivals «Les introuvables de Camille Saint-Saëns» das farbenreiche und hierzulande oft unbekannte Œuvre dieses Komponisten ins Zentrum gesetzt. Die elf Kammermusik-, Nacht- und Sinfoniekonzerte finden im KKL Luzern, in der Lukaskirche Luzern sowie im neuen Probenhaus statt, welches ebenfalls im Frühjahr eröffnet wird. Mit dem Probenhaus entsteht auf dem Südpol-Areal in Kriens ein Zentrum für die preisgekrönte und umfangreiche Musikvermittlung des Luzerner Sinfonieorchesters.

International unterwegs
Tourneen führen das Luzerner Sinfonieorchester dieses Jahr ans Ravinia Festival nach Chicago (USA), in die Niederlande nach Utrecht und Amsterdam (Concertgebouw) sowie nach Spanien (unter anderem nach Barcelona, Madrid und Zaragoza). Diese Tourneen werden ergänzt durch Gastspiele in Udine, Lugano und an den Sommets Musicaux de Gstaad 2020. Erstklassige Solisten wie Martha Argerich und Gautier Capuçon (Spanien), Vadim Gluzman (Utrecht), Gil Shaham (Lugano und Udine) oder Kian Soltani (Amsterdam) begleiten das Orchester dabei.

Das gesamte Saisonprogramm 2019/20 des Luzerner Sinfonieorchesters finden Sie auf unserer Website sinfonieorchester.ch.

Luzerner Sinfonieorchester
Das Luzerner Sinfonieorchester ist das Residenzorchester im renommierten KKL Luzern. Als ältestes Sinfonieorchester der Schweiz hat es internationale Anerkennung erlangt und wird als eines der führenden Schweizer Orchester wahrgenommen. Stark verankert in der weltweit bekannten Musikstadt Luzern, bietet es mehrere eigene Konzertzyklen an und organisiert das Festival Zaubersee – Kammermusikfestival russischer Musik in Luzern. Als Opernorchester des Luzerner Theaters begleitet es dessen Musiktheaterproduktionen. Seit der Saison 2011/12 ist James Gaffigan Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters.
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34. Maifestival Rellingen vom 24. bis 26. Mai 2019, Versuch einer Annäherung von Léonard Wüst

CTP Chef und Musikfestivalförderer Kapitän Thomas Poetzsch mit Gattin Ulrike, Foto Die Pinnebergerin
CTP Chef und Musikfestivalförderer Kapitän Thomas Poetzsch mit Gattin Ulrike, Foto Die Pinnebergerin

Rellingen, ein kleiner, eigentlich unbedeutender norddeutscher Ort in Grossstadtnähe, mit ca. 14700 Einwohnern und etwa 1100 Betrieben einer der gewerbereichsten Orte der Region. Ein Ort, wie so manch anderer auch in dieser Region. Hätt ja sein können, ist es aber nicht.

Zwar auch hier viele der typischen, bodenständigen Häuser mit den rotbraunen Backsteinen, teils sogar noch mit Reetdächern, gepflegte Vorgärten Reih an Reih. schmucke Hausansammlungen entlang der Hauptstrasse, dem eigentlichen Ortskern, wenn man denn eine lange Gerade als Kern bezeichnen kann. Natürlich auch hier im hanseatischen Norden mit den unerlässlichen 1950/1960er Bausünden, die wir damals als chic und up to date empfanden, heutzutage aber die unsäglichen Fernsehmöbel und Ohrensessel, inklusive pelzigem Kaminvorleger vor dem geistigen Auge heraufbeschwören.

Der grosse Trumpf, gar Juwel, der Provinzgemeinde Rellingen

Die Rellinger Kirche, der Tatort
Die Rellinger Kirche, der Tatort

Und hier endet das Gewöhnliche an Rellingen, denn mittendrin, an prominenter Lage, steht die Kirche der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rellingen, welche als die schönste Barockkirche Schleswig-Holsteins gilt und als vollkommenste Leistung des Meisters Cai Dose (holsteinischer Architekt und Baumeister des 18. Jahrhunderts, 1700 – 1768). Nachdem der 500 Jahre alte Kirchenbau trotz Erweiterungen zu klein geworden war und die Gläubigen des 150 qkm großen Kirchbezirks nicht mehr fassen konnte, baute der damalige Stararchitekt ab 1754-56 das heutige barocke Kirchenschiff, das in etwa 2000 Personen Platz bietet. Der Jørn Oberg Utzon* des 18. Jahrhunderts bekam diesen Auftrag vom dänischen König Friedrich V, denn Schleswig-Holstein war damals dänisch.

Oktogon Form der Kirche garantiert für alle einen ungetrübten Hörgenuss

Günter Rasinski und Luz Leskowitz 1986
Günter Rasinski und Luz Leskowitz 1986

Um möglichst vielen Gottesdienstbesuchern gleich gutes Hören und Sehen während der Predigt zu ermöglichen, wählte Dose einen Oktogon-Grundriss und einen Raum mit Emporen, in dem die Plätze auf die Kanzel ausgerichtet sind. Die dadurch entstehende gute Akustik ist bis heute Grund für die Beliebtheit der Kirche, insbesondere bei Musikveranstaltungen des Mai-Festivals, des Schleswig-Holstein-Musik-Festivals und zahlreichen weiteren Konzerten. Damals war das Gotteshaus fast kastenmässig eingeteilt. Die Reichen und Bedeutenden, was zwangsläufig meistens einherging, hatten ihre, teilweise mit heute noch sichtbarer persönlicher Namensanschrift, für sie reservierten Sitze auf den Bänken in Kanzelnähe.

Sehen und gesehen werden war schon dannzumal wichtig

Luz Leskowitz, Gründer der Salzburger Solisten und des Rellinger Maifestivals, anlässlich des Maifestivals 2019 mit Léonard Wüst, rechts, Foto Die Pinnebergerin
Luz Leskowitz, Gründer der Salzburger Solisten und des Rellinger Maifestivals, anlässlich des Maifestivals 2019 mit Léonard Wüst, rechts, Foto Die Pinnebergerin

Also damals galt schon: Sehen und gesehen werden¨! Knechten, anderen Bediensteten und dem gemeinen Fussvolk waren die nur etwa halb so tiefen Sitzbänke mit fast senkrechten, sehr unbequemen Lehnen auf den Emporen zugeteilt. Für die ganz ganz  wichtigen Leute, die noch Besseren, heut würd man sie VIPs nennen,  gab es sogar, wo in katholischen Kirschen die Nebenaltäre sind, verschliessbare Logen für bis zu 20 Personen für die Promis mit ihren Familien und persönlichen Gästen. ähnlich wie in Opernhäuser, aber zusätzlich durch Fenster und Türen abgetrennt von den «Gewöhnlichen».

Akustik und Ästhetik der Rellinger Kirche beflügelten

Im Fries des Kuppelaufsatzes spielt das himmlische Orchester, Engel mit Geigen Trompeten, Pauken und Flöten.
Im Fries des Kuppelaufsatzes spielt das himmlische Orchester, Engel mit Geigen Trompeten, Pauken und Flöten.

Diese, weitherum bekannte Akustik, in Kombination mit der schmucken Kirche inspirierten Kantor Wolfgang Zilcher mit seiner engagierten Musikgemeinde, aus der heraus der damalige 1. Vorsitzende des Vereins, Günter Rasinski, aktiv wurde. Der wiederum war befreundet mit Luz Leskowitz, Geiger und Ensembleleiter der „Salzburger Solisten“. Im Februar 1985 folgten Luz Leskowitz und seine „Salzburger Solisten“ einer Einladung des MRK zu einem kammermusikalischen Abend in der Rellinger Kirche. Dieses Konzertereignis ließ den Funken auf Musiker und Publikum derart überspringen, dass ein kraftvolles Feuer entbrannte: die Idee eines Musik-Festivals war geboren und am 9., 10. und 11. Mai 1986 fand das „1. Mai-Festival Rellinger Kirche“ statt.

Überwältigender Erfolg belohnt die Initianten

Die Salzburger Solisten bei Schuberts Forellenquintett, Foto Wolfgang Gaedigk
Die Salzburger Solisten bei Schuberts Forellenquintett, Foto Wolfgang Gaedigk

Der überwältigende Erfolg gab der Idee Recht. Der Kreis begeisterter Musikfreunde erweiterte sich sprunghaft, so dass zukünftige Arbeiten in Sachen „Musik“ – ob ideell oder finanziell – nun auf mehreren Schultern getragen werden konnten. Und nachdem Unterstützung auch von offiziellen Entscheidungsträgern am Ort, wie der Kirchengemeinde und dem Kulturausschuss der politischen Gemeinde, zugesichert war, konnte die Frage nach einem 2. Mai-Festival nur positiv beantwortet werden. Luz Leskowitz garantiert seither für ein stets facettenreiches Programm und hat, als herausragender und einfühlsamer Interpret, – solistisch und im Team – eine begeisterte Fangemeinde gefunden.

Dauerhafte grosse Freundschaften entstanden im Zeichen der Musik

Rellingen auch die Noten müssen sortiert werden
Rellingen auch die Noten müssen sortiert werden

Über die Jahre gewachsene Freundschaften zeugen von einer außergewöhnlichen Festspiel-Atmosphäre, ihrer Intimität und der gemeinsamen Liebe zur Musik. Um das Echo der Medien wiederzugeben: nachdem das 1. Mai-Festival erfolgreich „geboren“ worden war, das 2. Mai-Festival bereits „das Laufen“ gelernt hatte, profilierte sich das Festival in der Folgezeit zu einer eigenständigen, festen Institution in Rellingen. Viele bedeutende Namen und musikalische Sternstunden binden sich seither in dieses alljährlich zur Maienzeit wiederkehrende Musikereignis ein, das mit Stolz auf seinen 33. Geburtstag blicken durfte und das sich mit der in 33jähriger entwickelten Tradition seinen ganz besonderen Charme erhalten hat (Quelle. Ulrike Ostermann)

Auch der Autor verfiel der norddeutschen Gastfreundschaft und liess sich bereitwillig mit dem „Rellinger Fieber“ infizierten.

Misa Hasegawa (Klavier) an der Seite des Festivalleiters Luz Leskowitz
Misa Hasegawa (Klavier) an der Seite des Festivalleiters Luz Leskowitz

Schon kurz nach meinem Eintreffen vor Ort, natürlich mit der, ICE der Deutschen Bahn üblichen Verspätung von über einer Stunde und nachdem ich mich in der „Traumschmiede“, meinem temporären Domizil, eingerichtet hatte, begab ich mich auf die Suche nach den Musikern die, so hatte mir Luz Leskovitz, der mich freundlicherweise persönlich eingeladen hatte, sich entweder in der Kirche am Üben, oder beim Griechen unweit der Kirche am Verpflegen aufhalten würden. Das letztere war dann der Fall. Obwohl ich vorher weder Luz noch einen der Musiker oder Organisatoren je persönlich getroffen hatte, (mit Luz stand ich seit längerem über das Netz im Austausch), wurde ich überaus herzlich empfangen und vorbehaltslos in den „Inneren Zirkel“ integriert. durfte nach dem Essen sogar mitgehen an die nächste Probe in der Kirche, wo sie, so Luz, sich noch über die Forelle hermachen wollten. Nein, nicht dass sie, nach den mehr als üppigen Essensportionen beim Griechen noch Hunger hatten auf eine Forelle, nein,  gemeint war die Feinabstimmung von Schuberts Forellenquintett, das am Sonntag auf dem Programm gelistet war.

Die folgenden Tage widerlegten das Bild des kühlen Hanseaten

Rellingen die Musiker am Üben in der Kirche
Rellingen die Musiker am Üben in der Kirche

Auch am folgenden Tag fand ich mich um 10.00 Uhr in der Kirche zu der angekündigten Probe ein, wo ich dann die am Vorabend noch nicht anwesenden restlichen Musiker, einige der Macher, sowie etliche der Helfer hinter der Bühne kennen lernte. Sie alle hiessen mich so herzlich willkommen und behandelten mich so respektvoll, als ob ich eine sehr wichtige Persönlichkeit sei. (Was ich, unter uns gesagt, manchmal auch hoffe, gar denke, dass ich dies sei). Diese schon fast überbordende, aber zutiefst ehrliche und äusserst grosszügige Gastfreundschaft durfte ich bis zu meiner Abreise geniessen. Wo ich auch auftauchte, das ganze Dorf schien mich zu kennen, meine Wünsche waren schon erfüllt, bevor ich sie überhaupt äussern konnte.

Highlights nebst den grandiosen Konzerten

Mai Festival Plakat vor der Rellinger Kirche
Mai Festival Plakat vor der Rellinger Kirche

Auch zu den jeweiligen After Konzert Events war ich selbstverständlich geladen, an denen ich jeweils äusserst sympathische freundliche Persönlichkeiten kennen lernen durfte, manch kurze, aber interessante Smalltalks führte, auch etwas hinter die Fassade des Rellinger Maifestivals schauen konnte. Ich genoss dieses verlängerte Wochenende voller herzliher, grosszügiger Gastfreundschaft und aussergewöhnlichen Konzerten, über die ich in separaten Artikeln berichten werde. Auch erwähnenswert. Der Rellinger Theaterverein spielt teilweise in plattdeutscher Sprache, ebenfalls  eine aussergewöhnliche Sache in diesem aussergewöhnlichen Fleckchen Erde voller liebenswerter Menschen.

*Jørn Oberg Utzon, dänischer Stararchitekt 1918 – 2008, u.a. Erbauer des «Sydney Opera House» im Hafen der australischen Metropole und er wurde 2003 mit dem .Pritzker Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

So üben die Salzburger Solisten in der Kirche Rellingen, Sonntag, 26. Mai 2019:

https://www.facebook.com/leowuest/videos/2506122209399101/

Text: Leonardwuest.ch

Fotos: http://www.mrk-rellingen.de und http://www.luz-leskowitz.at/index.html

http://www.foto-gaedigk.de/gaedigk/index.php

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Luzerner Theater, Dancemakers Series #10 Choreographien aus dem Tanzensemble, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Szenenfoto Dancemakers 10 Foto Ingo Hoehn
Szenenfoto Dancemakers 10 Foto Ingo Hoehn

Produktionsteam
Choreographien und Konzepte: Janne Boere, Zach Enquist, Giovanni Insaudo, Carlos Kerr Jr., Valeria Marangelli, Emelie Söderström, Andrea Thompson Dramaturgie: Selina Beghetto
Besetzung
Tanz Luzerner Theater: Zach Enquist, Carlos Kerr Jr., Aurélie Robichon, Tom van de Ven, Andrea Thompson, Giovanni Insaudo, Sandra Salietti, Valeria Marangelli, Louis Steinmetz, Janne Boere, Francesco Morriello, Hayleigh Smillie, Emelie Söderström

 

Rezension:

Dancemakers 10 Szenenfoto von  Ingo Hoehn
Dancemakers 10 Szenenfoto von Ingo Hoehn

«Homemade with Love» ist der Titel der diesjährigen Dancemakers Series #10 und auch diese vielfältige Kurzstückreihe mit Choreografien aus dem Tanzensemble feiert ihren zehnten Geburtstag. Da auch der Südpol, das Zuhause der Kompanie, sein 10-jähriges Bestehen feiert, feiert man gemeinsam. Tänzerinnen und Tänzer präsentieren ihre Werke dieses Mal in der Mittleren Halle und nicht auf der Probebühne des Luzerner Theaters und die Bar des Südpols ist offen, was lockerere Begegnungen ermöglicht als jeweils im Untergeschoss. Das gibt dem Anlass einen leicht festlichen Charakter.

Wunderbar tot

Dancemakers 10 Szenenfoto von  Ingo Hoehn
Dancemakers 10 Szenenfoto von Ingo Hoehn

Dancemakers, das sind die Visionen, Ideen und vielleicht auch Träume der Tänzerinnen und Tänzer und die sind so unterschiedlich wie sie selbst. Alle möglichen Emotionen sind vertreten, alle möglichen Stimmungen, von komisch-kurios über jugendlich-unbefangen bis hin zu melancholisch-traurig. Zach Enquist präsentiert eine erweiterte Version, «Une autre petite soirée» aus Dancemakers Series #9, die Krimi-Geschichte in Endlosschlaufe mit viel Komik und tödlichem Ausgang für die Meisten. Einmal mehr, so wunderbar tot können nur Tänzer sein, absolut köstlich, wie sie sich wie Gummipuppen herumschleppen lassen! Schon nur dafür lohnt es sich, in den Südpol zu pilgern!

Dancemakers 10 Szenenfoto von Ingo Hoehn
Dancemakers 10 Szenenfoto von Ingo Hoehn

Das Stück von Carlos Kerr Jr. und Valeria Marangelli spielt mit Licht und Schatten, Schwarz und Weiss, ein Pas de deux, verschlungene Figuren, ein Miteinander, wo doch irgendwie beide für sich bleiben. «Collecting time» von Andrea Thompson ist ein leicht-luftiges Stück, jung und unbeschwert, das sich von der Bühne auf die Leinwand projiziert und wieder zurück auf die Bühne findet. Beeindruckend in der Tanzsprache ist «Acamante e fillide – Il Mandorlo in Fiore» von Giovanni Insaudo, ein poetischer, emotionaler und sehr ausdrucksstarker Pas de deux. «The Party was not good» von Janne Boere versetzt einen in eine Disco mit wummernden Bässen und Beats. Wie getrieben tanzen die vier Frauen, als wollten sie sich gegenseitig ausstechen.

Dancemakers 10 Szenenfoto von  Ingo Hoehn
Dancemakers 10 Szenenfoto von Ingo Hoehn

«Tremble high in Birdland» wiederum ist ein besinnliches, expressives Stück, ein Pas de deux mit dem eigenen Körper. Emelie Söderström kreiert in den drei Minuten berückende Bilder. In «Can I give you some advice» von Zach Enquist herrscht Chaos, ein Rubik’s Cube, der noch nicht ganz gelöst sei, erklärt das Programm. Da scheint noch Etliches ungelöst zwischen dem sich zu Fernsehjingles und diversen Hintergrundgeräuschen lautstark zankenden Paar im und neben dem Bett.

Do it yourself

Dancemakers 10 Szenenfoto von Ingo Hoehn
Dancemakers 10 Szenenfoto von Ingo Hoehn

Bei der Serie «Dancemakers» machen Tänzerinnen und Tänzer alles selbst, von A wie Anproben begleiten über L wie Lichtkonzept koordinieren bis Z wie Zusammenarbeit fördern. Eindrücklich ist auch immer wieder die Nähe zur Bühne, da bleibt nichts verborgen und der schnelle Atem der Tänzer zeigt auf, dass das, was so leichtfüssig daherkommt, unglaublich anstrengend sein muss. Und last but not least gibt das Format Ballettfreunden immer wieder die Möglichkeit, die Tänzerinnen und Tänzer der Kompanie besser kennen zu lernen.

Text: www.gabrielabucher.ch Fotos: Ingo Hoehn     luzernertheater.ch

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