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Pädiater des Uniklinikums führt Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin

Prof. Mario Rüdiger ist neuer Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Perinatale Medizin. // Der Direktor des Zentrums für feto/neonatale
Gesundheit am Uniklinikum bringt breite Expertise und Netzwerk ein. //
Uniklinikum setzte Akzente bei der perinatalen Versorgung auch im
ländlichen Bereich.

Prof. Mario Rüdiger, Direktor des Zentrums für feto/neonatale Gesundheit
am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, ist zum Präsidenten der
Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) gewählt worden. Sein
zweijähriges Engagement in diesem Amt hat er jetzt angetreten. Mit in das
neue Amt bringt er eine breite Expertise in der Peri- und Neonatologie
sowie Erfahrung beim Aufbau von Netzwerken zur breiten Versorgung von
Schwangeren, Müttern sowie Neugeborenen – in der Stadt und im ländlichen
Raum.

Prof. Dr. med. Mario Rüdiger, Jahrgang 1969, war nach einer Ausbildung zum
Krankenpfleger und dem Studium der Medizin zunächst an der Klinik für
Neonatologie der Charité Berlin als Assistenzarzt tätig. Nach der
Facharztprüfung im Jahr 2000 erhielt er die Schwerpunktbezeichnung
Neonatologie und die Lehrbefähigung für das Fach Kinderheilkunde. Von 2004
bis 2008 war er als Klinischer Oberarzt sowie Leiter der Arbeitsgruppe
„Pulmonary Research in Neonatology“ an der Klinik für Neonatologie der
Medizinischen Universität Innsbruck tätig. Im März 2008 wurde er als
Professor für Pädiatrie der Leiter des Fachbereiches Neonatologie und
Pädiatrische Intensivmedizin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
des Universitätsklinikums Dresden. Seit 2019 hat er die deutschlandweit
erste Professur für feto/neonatale Gesundheit inne.

Die DGPM ist die älteste wissenschaftliche Fachgesellschaft in
Deutschland, die eine optimale Betreuung von Schwangeren und Neugeborenen
zum Ziel hat und Mitglieder verschiedener Fächer und Professionen vereint.
Anfang Dezember trafen sich mehr als 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
zu dem alle zwei Jahre stattfindenden Kongress in Berlin. Der mittlerweile
31. Kongress der DGPM stand unter dem Motto „Cogito ergo sum“ und
demonstrierte die Lebendigkeit der Fachgesellschaft. Prof. Mario Rüdiger
hatte in diesem Jahr die Kongresspräsidentschaft übernommen.

Neben vielen wissenschaftlichen Themen wurde in einigen Sitzungen die
Zukunft der perinatalen Versorgung sehr intensiv diskutiert. Dabei zeigte
sich, dass das in Ostsachsen gestartete Konzept der engen Zusammenarbeit
verschiedener Einrichtungen im Rahmen des Zentrums für feto/neonatale
Gesundheit auch bundesweit die Chance bietet, den Herausforderungen der
Zukunft gerecht zu werden. „Jetzt müssen wir nur noch Wege finden, diese
enge Zusammenarbeit in Netzwerken zu finanzieren“, so Marian Schemken von
der AOK Plus. „Die Sitzung zur Zukunft der perinatalen Medizin mit
verschiedenen Expertinnen und Experten hat sehr deutlich gezeigt, welche
wichtigen Aufgaben auf mich als Präsident der DGPM warten“, sagt Mario
Rüdiger. „Unsere Erfahrungen in Ostsachsen belegen, welchen Mehrwert
erfolgreiche Netzwerke, kollegialer Austausch und ein starkes
telemedizinisches Netz haben. Diese Impulse möchte ich nun deutschlandweit
einbringen.“

„Erneut haben wir als Hochschulmedizin Dresden in einem Bereich Akzente
gesetzt und die Versorgung von Patientinnen und Patienten verbessert. In
diesem Fall kommt dies jungen Familien, Müttern und Neugeborenen zugute.
Es ist unser Anspruch, Lösungen für die Versorgung der Menschen in der
Fläche zu liefern. Das gelingt uns immer wieder und findet mit dem
Engagement unserer Mitarbeitenden in den Fachgremien und -gesellschaften
Wertschätzung“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand im
Uniklinikum Dresden.

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Hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D können langfristig die Gesundheit beeinträchtigen

Auch ein Nutzen durch die Kombination derartiger Präparate mit Vitamin K
ist nicht belegt

Vitamin D nimmt eine Sonderstellung unter den Vitaminen ein: Anders als
die meisten Vitamine, die mit der Nahrung aufgenommen werden müssen, kann
der Körper es selbst bilden, und zwar in der Haut unter dem Einfluss von
Sonnenlicht. Bei ausreichender Sonnenlichtbestrahlung trägt die
körpereigene Bildung zu 80 bis 90 Prozent zur Vitamin-D-Versorgung bei.
Für einige Menschen kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit
Vitamin D dennoch sinnvoll sein - z. B. für kranke oder pflegebedürftige
Personen, die sich kaum oder gar nicht im Freien aufhalten. Hochdosierte
Nahrungsergänzungsmittel mit 100 Mikrogramm (µg) bzw. 4.000
Internationalen Einheiten (IE) Vitamin D oder mehr pro Tagesdosis sind
aber für eine ausreichende Versorgung nicht nötig. „Wer solche Mittel
langfristig einnimmt, riskiert gesundheitliche Beeinträchtigungen“, sagt
Dr. Karen Ildico Hirsch-Ernst. „In einigen klinischen Studien wurde durch
die tägliche Gabe von 100 Mikrogramm Vitamin D über längere Zeit im
Vergleich zur Kontrolle eine stärkere Abnahme der Knochendichte bei
älteren Frauen, eine Erhöhung des Sturzrisikos sowie eine Verschlechterung
der Herzfunktion bei herzkranken Menschen beobachtet.“ Das Bundesinstitut
für Risikobewertung (BfR) empfiehlt: Wer als Verbraucherin oder
Verbraucher Vitamin D ergänzen möchte, sollte auf Nahrungsergänzungsmittel
mit bis zu 20 µg Vitamin D pro Tagesdosis zurückzugreifen. Mit dieser
Dosis lässt sich auch gänzlich ohne Sonnenbestrahlung der Haut die nötige
Vitamin D-Konzentration im Körper erreichen, ohne dass gesundheitliche
Beeinträchtigungen zu erwarten sind.

Wieviel Vitamin D der Körper bildet, ist von Mensch zu Mensch sehr
unterschiedlich und hängt von zahlreichen Faktoren wie Hauttyp, Alter und
Jahreszeit ab. So bilden etwa Menschen mit dunkler Haut weniger Vitamin D
als Menschen mit heller Haut und ältere Menschen weniger als jüngere. Im
Winterhalbjahr von Oktober bis März ist die Sonneneinstrahlung in
Deutschland darüber hinaus nicht stark genug für eine ausreichende
Produktion von Vitamin D.  Allerdings kann der Körper das Vitamin im Fett-
und Muskelgewebe speichern. Durch körperliche Aktivität kann es wieder
freigesetzt werden und im Winter zur Vitamin-D-Versorgung beitragen.

Allerdings werden nicht immer ausreichende Vitamin-D-Spiegel durch die
körpereigene Bildung erreicht. Daher kann eine zusätzliche Aufnahme von
Vitamin D über Präparate für bestimmte Personengruppen, insbesondere in
den Wintermonaten, sinnvoll sein.

Das Angebot Vitamin D-haltiger Nahrungsergänzungsmittel ist sowohl im
traditionellen Handel als auch im Internet riesig. Darunter sind auch
solche Mittel zu finden, die besonders hohe Dosen an Vitamin D enthalten,
teils in Kombination mit anderen Stoffen, wie etwa Vitamin K. Doch solche
hochdosierten Nahrungsergänzungsmittel sind aus Sicht des BfR nicht zu
empfehlen; vielmehr sollten sie nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen
werden.

Bei langfristiger Einnahme von hochdosierten Vitamin D-haltigen
Nahrungsergänzungsmitteln steigt das Risiko für gesundheitlich negative
Folgen. So wurde in einigen klinischen Studien durch die tägliche Gabe von
4.000 IE (100 µg) Vitamin D über längere Zeit im Vergleich zur Kontrolle
eine stärkere Verringerung der Knochendichte bei älteren Frauen, eine
Erhöhung des Sturzrisikos sowie eine Verschlechterung der Herzfunktion bei
herzkranken Menschen beobachtet. In exzessiven Mengen aufgenommen kann es
zur Vitamin-D-Vergiftung kommen. Diese zeigt sich durch eine ausgeprägte
Erhöhung der Calciumwerte im Blut. Symptome einer solchen Hypercalcämie
können z. B. Müdigkeit, Muskelschwäche, Übelkeit, Herzrhythmusstörungen
und Gewichtsverlust sein. Besteht die Hypercalcämie für längere Zeit, kann
es zu Nierensteinen und einer Nierenverkalkung bis hin zu einer
(irreversiblen) Abnahme der Nierenfunktion kommen.

Wer Vitamin D ergänzen möchte: Nahrungsergänzungsmittel mit bis zu 20 µg
Vitamin D pro Tagesdosis sind auch langfristig gesundheitlich unbedenklich
und reichen aus, um die Serumkonzentration des Blutmarkers
25-Hydroxyvitamin D auf angemessene 50 Nanomol (nmol) pro Liter (L) zu
heben – auch ohne die Bildung über die Sonnenbestrahlung. Bei Kindern ab 1
Jahr und Erwachsenen entspricht die Dosis von 20 µg pro Tag dem Schätzwert
der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für eine angemessene Zufuhr
an Vitamin D bei fehlender endogener Synthese.

Hochdosierte Vitamin-D-haltige Nahrungsergänzungsmittel werden oft mit
Vitamin K, insbesondere Vitamin K2, kombiniert. Inwieweit sich die
Interaktion dieser beiden Vitamine auf die Gesundheit auswirkt, ist
gegenwärtig nicht hinreichend wissenschaftlich erforscht. Für eine
zuverlässige Risikobewertung zu Kombinationen von Vitamin D mit Vitamin K
liegen somit nicht genügend Daten vor. Die Behauptung, dass Vitamin K2 bei
gleichzeitig hoher Vitamin D-Aufnahme das Risiko einer Gefäßverkalkung
senkt, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Für Vitamin K empfiehlt das BfR, einem Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr
als 80 Mikrogramm (µg) Vitamin K1 oder nicht mehr als 25 µg Vitamin K2 pro
Tagesdosis zuzusetzen. Menschen, die bestimmte blutgerinnungshemmende
Medikamente (Antikoagulanzien vom Cumarin-Typ) etwa zur Thrombose-
Prophylaxe einnehmen, sollten Vitamin K grundsätzlich nur unter ärztlicher
Kontrolle einnehmen, denn Vitamin K kann die therapeutische Wirkung dieser
Mittel abschwächen.

Fazit: Hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D helfen gesunden
Menschen nicht, können in Einzelfällen aber schaden.

Zur Stellungnahme :
https://www.bfr.bund.de/cm/343/hochdosierte-nahrungsergaenzungsmittel-mit-
vitamin-d-koennen-langfristig-die-gesundheit-beeintraechtigen.pdf


Weitere Informationen auf der BfR-Website zu Vitamin D und
Nahrungsergänzungsmitteln

Fragen und Antworten zu Vitamin D:
https://www.bfr.bund.de/de/ausgewaehlte_fragen_und_antworten_zu_vitamin_d-131898.html

Stellungnahme: Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D – sinnvoll oder
überflüssig?
https://www.bfr.bund.de/cm/343/nahrungsergaenzungsmittel-mit-vitamin-d
-sinnvoll-oder-ueberfluessig.pdf


Vitamin D, das Immunsystem und COVID-19
Mitteilung Nr. 015/2021 des BfR vom 14. Mai 2021
https://www.bfr.bund.de/cm/343/vitamin-d-das-immunsystem-und-covid-19.pdf

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Kranke Schilddrüse schädigt auch unser Herz

Die Schilddrüse beeinflusst mit ihren Botenstoffen nahezu jede Zelle
unseres Körpers. Eine Fehlfunktion wirkt sich daher auch auf Herz und
Kreislauf aus. Doch auch Herzmedikamente können ungünstige Wirkung auf die
Schilddrüse haben

Die Schilddrüse ist ein kleines, aber äußerst wirkmächtiges Organ: Sie
produziert Substanzen, die den kompletten Organismus beeinflussen – die
Schilddrüsenhormone. Praktisch alle Zellen des Körpers stehen unter der
Regie dieser chemischen Botenstoffe. Besonders ausgeprägt sind die Effekte
der Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) auf Herz und
Kreislauf, deren zentrale Steuerung durch das Gehirn erfolgt. Beide
Hormone sind unerlässlich für den Stoffwechsel des Körpers und wahre
Multiplayer. Schilddrüsenhormone
- regulieren den Energieverbrauch,
- sind wichtig für das Aufrechterhalten der Körpertemperatur,
- regulieren Blutdruck und Cholesterinspiegel,
- bestimmen die Funktionen des Gehirns und der Muskeln,
- spielen entscheidend mit bei Wachstum und Entwicklung und noch vieles
mehr.

„Das Herz ist ein wesentliches Zielorgan der Schilddrüsenhormone“, betont
der Hamburger Kardiologe Prof. Dr. Thomas Meinertz, Chefredakteur der
Deutschen Herzstiftung, in der aktuellen Ausgabe von HERZ heute. „Die
Botenstoffe der Schilddrüse regulieren die Kraft des Herzens, die
Herzschlagfolge, also die Herzfrequenz, und das zirkulierende Blutvolumen.
Eine Funktionsstörung der Schilddrüse wirkt sich deshalb immer auch auf
Herz und Kreislauf aus.“ Bei einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems
müsse daher stets an die Schilddrüse gedacht werden, betont Meinertz,
Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung. „Trotzdem wird die
Diagnose oft erst mit Verspätung und als Zufallsbefund gestellt.“
Die aktuelle Ausgabe HERZ heute 4/2023 „Mitleidendes Herz“ mit dem Fokus
auf Krankheiten wie beispieslweise Schilddrüsenerkrankungen oder die
kardiale Amyloidose, die Herz und Kreislauf in Mitleidenschaft ziehen
können, kann kostenfrei bei der Herzstiftung unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder per Telefon unter 069 955128-400 bestellt
werden. Infos auch unter https://herzstiftung.de/schilddruese-und-herz

Klein, aber wirkmächtig
Kaum daumengroß und nur 20 bis 30 Gramm schwer liegt die Schilddrüse wie
ein Schild unterhalb des Kehlkopfs. Ihre beiden mit einer Gewebebrücke
verbundenen Seitenlappen umspannen die Luftröhre in der Form eines
Schmetterlings. Daher spricht man häufig auch von der
„Schmetterlingsdrüse“. In unserem Gehirn sitzt die kirschkerngroße
Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die wiederum eng mit dem Hypothalamus
verbunden ist, einem Areal im Zwischenhirn. Beide zusammen regeln über
Steuerhormone die Funktion aller Hormondrüsen. Für die Schilddrüse
zuständig ist das vom Hypothalamus gebildete Steuerhormon TRH
(Thyreotropin Releasing Hormone). Es gelangt in die Hypophyse und
veranlasst sie dazu, ein weiteres Hormon zu produzieren: das
schilddrüsenstimulierende Hormon TSH. Mit dem Blut gelangt TSH in die
Schilddrüse und beauftragt deren Zellen, die Schilddrüsenhormone T3
(Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) zu bilden. Herzmuskelzellen sind
hauptsächlich auf T3 angewiesen.

Schilddrüsenüberfunktion macht sich mit Herz-Kreislauf-Beschwerden
bemerkbar
„Dass eine überaktive Schilddrüse mit Herz-Kreislauf-Beschwerden
einhergehen kann, sollten sowohl Patienten als auch ihr behandelnder Arzt
mitbedenken, wenn entsprechende Symptome auftreten“, betont der Internist
Prof. Dr. Franz Rinninger, Facharzt für Endokrinologie und Diabetologie am
Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf (UKE). Eine solche Überfunktion
der Schilddrüse, in der Medizin Hyperthyreose genannt, kommt bei einer
unter 100 Personen vor. Die Schilddrüse schüttet dabei zu viele Hormone
aus und kurbelt Herz und Kreislauf an, beide arbeiten unnötigerweise auf
Hochtouren. „Die Folge sind dann Herzrasen oder Herzstolpern, Zittern,
Nervosität und Unruhe sowie ein erhöhter Blutdruck“, berichtet Rinninger.
Nicht oder nur unzureichend behandelt, könne eine Schilddrüsenüberfunktion
zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beispielsweise zu Vorhofflimmern, führen
oder gar lebensbedrohlich verlaufen, so der Internist in der aktuellen
HERZ heute. Bei der Hyperthyreose unterscheidet man zwei Verlaufsformen:
die latente Form, die keine Beschwerden verursacht, und die manifeste mit
deutlichen Beschwerden. Die latente Form wird häufig übersehen, nicht
selten ist Vorhofflimmern das einzige darauf hindeutende Zeichen. Eine
manifeste Überfunktion zeigt in der Blutanalyse erhöhte T3- und T4-Werte.
„Die manifeste Überfunktion ist behandlungsbedürftig und es werden
Thyreostatika gegeben, die die Bildung der Schilddrüsenhormone hemmen“,
erklärt Rinninger

Funktionsstörung der Schilddrüse durch Herzmedikamente
Bei Patienten mit Herzerkrankungen ist wiederum das Medikament Amiodaron
nicht selten der Grund für eine Funktionsstörung der Schilddrüse.
Amiodaron ist der am häufigsten eingesetzte und effektivste Arzneistoff,
um Herzrhythmusstörungen zu behandeln, die mit einer schnellen
Herzschlagfolge einhergehen (tachykarde Herzrhythmusstörung). Bei 20 bis
25 Prozent der länger mit Amiodaron behandelten Patienten kann das
Medikament jedoch aufgrund seines hohen Jodgehalts funktionelle Störungen
der Schilddrüse auslösen. Es kann, abhängig von der geografischen Lage
(Jodversorgung), zu einer Unterfunktion (Hypothyreose) oder einer
Überfunktion (Hyperthyreose) kommen. Allerdings sind bei einer von
Amiodaron ausgelösten Hyperthyreose die typischen Zeichen einer
Überfunktion oft abgeschwächt oder gar nicht vorhanden. Blutuntersuchungen
zeigen dann allerdings einen erniedrigten Wert des Steuerhormons TSH und
deutlich erhöhte Werte des Schilddrüsenhormons T3, oft fünffach über den
oberen Grenzwert hinaus. „Schilddrüsennebenwirkungen sind unter einer
Therapie mit dem Herzrhythmusmedikament Amiodaron so häufig, dass eine
regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenfunktion vor und während der
Amiodaron-Therapie zwingend erforderlich ist“, mahnt Prof. Rinninger.

Am meisten gefürchtete Nebenwirkung: Stoffwechsel-Entgleisung
Die gefürchtetste Nebenwirkung ist, wenn sie unentdeckt und unbehandelt
bleibt, die „Amiodaron-induzierte Thyreotoxikose“ (AIT), ein durch die
Funktionsstörung der Schilddrüse verursachtes Entgleisen des
Stoffwechsels. Sie beruht auf zwei unterschiedlichen Mechanismen;
hinsichtlich der Behandlung muss deshalb zwischen einer AIT vom Typ 1 und
einer AIT vom Typ 2 unterschieden werden.
Die AIT Typ 1 geht einher mit einer vermehrten Bildung von
Schilddrüsenhormonen, die Beschwerden treten meist früh auf. Die
Betroffenen leiden zudem meist bereits vor Beginn der Amiodaron-Einnahme
an einer Schilddrüsenerkrankung, etwa an einem Morbus Basedow oder an
einer Schilddrüsenautonomie. „Bei derart vorbelasteten Patienten kann der
hohe Jodgehalt des Medikaments die Überfunktion der Schilddrüse
provozieren. Bei Personen hingegen, bei denen keine Vorerkrankung der
Schilddrüse besteht, verändern sich die Schilddrüsenwerte unter einer
Behandlung mit Amiodaron in der Regel nur geringgradig; die Funktion der
Schilddrüse bleibt letztlich normal“, erklärt Herzspezialist Prof.
Meinertz. Bei einer AIT Typ 1 sei es erforderlich, Amiodaron abzusetzen.
Zusätzlich erfolge eine medikamentöse Therapie mit Thyreostatika.
Die AIT vom Typ 2 tritt spät, meist Monate nach Beginn der Amiodaron-
Therapie auf. Das Medikament schädigt die Zellen der Schilddrüse
unmittelbar, es kommt zu einer zerstörerischen Entzündungsreaktion
(destruktive Thyreoiditis). Infolgedessen werden Schilddrüsenhormone
unkontrolliert freigesetzt. Eine AIT vom Typ 2 wird mit Glukokortikoiden,
entzündungshemmenden Medikamenten, behandelt. Nicht selten muss bei
unzureichendem Therapierfolg dann die Schilddrüse operativ entfernt werden
(Thyreoidektomie). Danach kann jedoch die Behandlung mit dem
Rhythmusmedikament Amiodaron fortgeführt werden.
(ne/wi)

Service
Mehr Informationen zu diesem Thema bietet der Experten-Beitrag „Das
getriebene Herz“ von Prof. Thomas Meinertz und Prof. Franz Rinninger in
der  aktuellen Ausgabe der Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute 4/2023 mit
dem Titel „Das mitleidende Herz“. Ein Exemplar dieser Ausgabe kann
kostenfrei unter Tel. 069 955128-400 oder unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
angefordert werden. Unter https://herzstiftung.de/ finden Sie weitere
hilfreiche Infos.

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Meilenstein für die Erforschung rheumatischer Erkrankungen

ENDOTARGET ist ein EU gefördertes Projekt, das die Zusammenhänge zwischen
Darmmikrobiota, intestinaler Permeabilität und systemischer Endotoxämie
untersucht, um die auslösenden Faktoren für den Übergang von Gesundheit zu
Krankheit bei rheumatischen Erkrankungen zu verstehen.

Ein besonderer Fokus des EU-Projekts ENDOTARGET liegt auf Osteoarthritis
(OA), rheumatoide Arthritis (RA) und Spondylarthritis (SpA). Seit dem 1.
Januar 2023 arbeitet das ENDOTARGET-Konsortium unter der Leitung der HUS
Universitätsklinik Helsinki in neun interdisziplinären Arbeitspaketen
zusammen.

Das Steinbeis Europa Zentrum wirkt als Projektpartner mit und verantwortet
die Kommunikations- und Verbreitungsaktivitäten des Projektes sowie die
Verwertung der Forschungsergebnisse.

Im ersten Projektjahr hat sich das Konsortium zweimal persönlich
getroffen. Beim Projektauftakt im Februar 2023 in Helsinki, Finnland,
tauschten die Partner des ENDOTARGET-Konsortiums Ideen aus und
diskutierten die ersten Schritte der Projektumsetzung. Acht Monate später
traf sich das Konsortium erneut zum zweiten halbjährlichen
Konsortialtreffen in Santiago de Compostela, Spanien. Hier wurden alle
Beteiligten über den Projektfortschritt informiert und das Konsortium
legte die Prioritäten für des nächsten Jahres fest.

Was wurde im ersten Jahr von ENDOTARGET erreicht?

Im ersten Jahr des Projekts hat das Konsortium Infrastrukturen aufgebaut,
Arbeitsabläufe und Technologien validiert sowie die verschiedenen
klinischen Studien vorbereitet, einschließlich der detaillierten
Gestaltung der Studienpläne und der Beantragung ethischer Genehmigungen.
Darüber hinaus wurden in den verschiedenen Arbeitspaketen die ersten In-
vitro-Messungen an Kohortenproben durchgeführt und erste Ergebnisse, z. B.
zu den entzündlichen Wirkungen von bakteriellen Strukturen auf das
Gelenkgewebe, erzielt. Das Konsortium hat auch damit begonnen, Daten
(klinische, genomische, metabolomische, metagenomische und Lifestyle-
Daten) aus den verschiedenen Bevölkerungskohorten zu extrahieren, welche
an dem Projekt beteiligt sind. Dank der umfangreichen
Vorbereitungsarbeiten des Konsortiums konnten die folgenden klinischen
Studien bereits im ersten Jahr von ENDOTARGET beginnen:

1.) Beobachtungsstudie LEAKY (Leaked endotoxins as key drivers of chronic
inflammation, Portugal) zur Untersuchung der intestinaler Permeabilität
bei RA und SpA Patienten.
2.) Klinische Studie (Finnland) zur Untersuchung der Effektivität von
Stuhltransplantation bei SpA Patienten.
3.) TASTY-Diät-Interventionsstudie (Portugal) zur Analyse der Effektivität
einer mediterranen Ernährung bei RA Patienten.

Neben den umfangreichen wissenschaftlichen Aufgaben arbeiteten die
ENDOTARGET-Partner in den Arbeitspaketen "Ethik, Vorschriften & GDPR",
"Verbreitung, Kommunikation und Verwertung“ und "Projektmanagement" eng
zusammen. In diesem ersten Jahr wurden ein Datenmanagementplan sowie ein
unabhängiges Daten- und Sicherheitsüberwachungsgremium eingerichtet.

Darüber hinaus wurden die ENDOTARGET-Website und Social Media-Konten auf
LinkedIn und X eingerichtet und verschiedene Kommunikationsmaterialien
entwickelt. Das Konsortium hat auch Kooperationen mit anderen relevanten
Projekten und Initiativen aufgebaut und bereits gemeinsame
Verbreitungs-/Kommunikationsaktivitäten sowie gemeinsame wissenschaftliche
Aktivitäten durchgeführt. Um ein erfolgreiches und qualitativ hochwertiges
Projekt zu gewährleisten, hat das Koordinatorenteam außerdem ein
Projekthandbuch erstellt, und entwickelt momentan einen
Risikomanagementplan.

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