Sängerin Pink auf ihrer großen Welttournee Foto Paul Zinken
Besetzung: Pink, Support: Vance Joy & KidCutUp
Rezension:
Nach einer etwas mühsamen Anreise mit Zugverspätungen usw., schaffte ich es doch noch rechtzeitig an meinen Platz auf der Tribüne des Letzigrund Stadions in Zürich, sodass ich grad noch die letzten zwei, drei „Aufleger“ des zweiten Support Acts DJ Kid Cut Up mitbekam, der das Publikum im vollen Stadion schon ordentlich in Fahrt gebracht hatte. Die bald 40jährige P!nk, dekoriert mit mehreren Grammys, mit über 40 Millionen verkauften Alben und mehr als 70 Millionen verkauften Singles, füllt seit 20 Jahren die Säle und Stadien weltweit, begeistert mit ihren Songs, aber ebenso mit einem, nicht nur pinken, Farbspektakel, halsbrecherischer Akrobatik, perfekter Tanzchoreografie und fliegenden Kostümwechseln.
Pink schwebt im fliegenden Käfig auf die Bühne
Die bombastische Bühne wurde zuerst von der Band geentert, bevor die kultige Amerikanerin selbst erschien, Mit «Get The Party Started», und von einem riesigen Kronleuchter baumelnd, eröffnete die amerikanische Popsängerin die fast zweistündige Show. Es blieb nicht die einzige Flugeinlage: An einem Hüftgürtel befestigt schwebte Pink später bei «So What» in schwindelerregender Höhe über die Köpfe der etwa 45’000 begeisterten Besucher im ausverkauften Letzigrund Stadion hinweg. Von der Bühne weg führte ein Laufsteg einige Meter mitten in die Fans hinein. Wie sich erwies, war es sogar ein Laufband, worauf sich jetzt die Sängerin räkelte und näher zur Menge transportieren liess, heftigst umjubelt und beklatscht.
Vollbeschäftigung für Protagonisten vor und hinter der Bühne
Das Warten auf Pink im Letzigrund in Zürich
Die Akteure, hinter und auf der Bühne, waren während der ganzen Show „very busy“, beschäftigt mit ständig wechselnden Bühnenbildern, vielen Kostümwechseln. Dazwischen sollten sie ja auch noch Musik machen, tanzen, oder akrobatische Showelemente darbieten. Es wurde also, für die doch recht happigen Eintrittspreise, auch ein reeller Gegenwert geboten, nicht Musik ab Konserve im Playback und ununterbrochen zugespielte Videoclips auf Grossleinwand, sondern echte Livemusik von echten Darstellern und nicht irgendwelchen Avataren, wie es bei den unzähligen hochgejubelten Youtube „Stars“ heute leider üblich ist. Ein paar, ebenfalls umjubelte, politische und gesellschafskritische Statements konnte sich die Performerin auch nicht verkneifen.
Schon seit März auf Welttournee
Pink auch mal in schwarzAuch akrobatisch auf der Höhe Pink
Die Beautiful Trauma World Tour startete im März, es ist bereits die siebte Konzerttournee von Pink. Stationen gab es rund um den Globus, unter anderem schon in Las Vegas, Sydney, Dublin, Amsterdam und im legendären Wembley-Stadion in London. Während eines Konzerts auf der Tour hat ein Fan sogar ein Baby geboren – zu Get The Party Started. Songs wie «What About Us», «I Am Here» oder der Tour-Titelsong «Beautiful Trauma» aus dem gleichnamigen, 2017 erschienenen Album servierte Pink ebenso wie auch Lieder wie «Hustle» oder «Walk Me Home» aus ihrem im April 2019 erschienenen achten Studioalbum «Hurts 2B Human». Dazu gabs obendrauf auch Bewährtes mit älteren Hits wie «Just Like A Pill», «Raise Your Glass» oder «Just Give Me A Reason».
Von den Fans gabs pinke Plastiktiere, Läckerli und Käse
Der Superstar wird von ihren Tänzern auf Händen getragen
Pink zur Abwechslung mal in weiss
Die Künstlerin verliess später sogar den Laufsteg, um einige Fans zu herzen und sich für ein Selfie ablichten zu lassen, dies ganz ohne die sonst üblichen Bodyguards. Dafür wurde sie von ihren Fans beschenkt mit, u.a. einem Stück vakuumiertem Grana Padano (wieso nicht Emmentaler?), einem Säckli Basler Läckerli (mit der Aufschrift „Next Stop Basel“). Dann mit„Time After Time“ von Cyndi Lauper ein emotionaler Höhepunkt des Abends, viele im Publikum haben Tränen in den Augen, als sie mitsingen: Wenn du fällst, fang ich dich. Kuscheltiere fliegen auf die Bühne. Die Sängerin ist gerührt. Sie kann mal einzelne Sätze weglassen beim Singen, die Menge trägt sie. Am Ende ist auch der fabelhafte Gitarrist Justin Derrico besser zu hören.
Restlos begeisterte Konzertbesucher
Danke Zürich zum Schluss
Am Schluss, nach dem Abschiedssong „Glitter in the Air“, gabs ebensolchen, denn es wurde noch einiges Feuerwerk in der Zürcher Nachthimmel geschossen, dazu fielen auch noch einige wenige Regentropfen, die aber die sehr gute Stimmung im „Letzi“ nicht zu trüben vermochten. Auch erfreulich: Dank Extratrams und Bussen im 5 Minuten Takt klappte auch der Rücktransport in die City, zu den diversen Bahnhöfen usw. reibungslos. Ein Konzert, das die Besucher restlos zufrieden stellte und den grossen Erwartungen mehr als gerecht wurde.
Musikalische Leitung Enrique Mazzola Inszenierung Philipp Stölzl Bühne Philipp Stölzl, Heike Vollmer Kostüme Kathi Maurer Licht Georg Veit, Philipp Stölzl Stunt- und Bewegungsregie Wendy Hesketh-Ogilvie Mitarbeit Regie Philipp M. Krenn Chorleitung Lukáš Vasilek | Benjamin Lack Dramaturgie Olaf A. Schmitt
Der Herzog von Mantua Stephen Costello Rigoletto Vladimir Stoyanov Gilda Mélissa Petit Sparafucile Miklós Sebestyén Maddalena | Giovanna Katrin Wundsam Der Graf von Monterone Kostas Smoriginas Marullo Wolfgang Stefan Schwaiger Borsa Paul Schweinester Der Graf von Ceprano Jorge Eleazar Die Gräfin Léonie Renaud Page David Kerber
Kinder, Stuntmen, Statisten
Wiener Symphoniker
Bregenzer Festspielchor Prager Philharmonischer Chor Wired Aerial Theatre Bühnenmusik in Kooperation mit dem Vorarlberger Landeskonservatorium
Rezension:
Rigoletto Foto Karl Forster
Bregenz, das sind nicht nur eine spektakuläre Bühne und aufsehenerregende Inszenierungen, es sind auch tausende von Besuchern, die sich allabendlich friedlich über die Tribüne verteilen, tausende von Köpfen, ein Meer ohne Lücken auf der ausverkauften Tribüne. Das ist, an diesem Donnerstagabend, der Sonnenuntergang über dem See und die unglaublichen Farben, die dieser sehr heisse Sommerabend aufs Wasser zaubert. Das sind die Boote, die sich langsam hinter der Seebühne positionieren, die Lichter Lindaus, die vorübergehend gleissend in der Ferne aufleuchten, der Tanz der Mücken im Scheinwerferlicht, Schatten, die später in der Dunkelheit geräuschlos übers Wasser gleiten, Lichter, die aufblitzen und wieder erlöschen. Und dieses Jahr zusätzlich die Hitze, die in Wellen bis spät in die Nacht über die Zuschauer schwappt, mit ab und an einer ganz leichten, kaum merklichen Brise, versetzt mit dem Geruch von Mückenschutzmitteln. Das alles gibt es zusätzlich und kostenfrei zur Aufführung auf der Seebühne.
Taschentücher bereithalten
Rigoletto Foto Karl Forster
Dieses Jahr wird «Rigoletto» aufgeführt, zum ersten Mal auf der Seebühne und in einer Produktion (Inszenierung und Bühne Philipp Stölzl), die jene der Vorjahre vor allem in technischer Hinsicht noch übertrifft. Ein riesiger Kopf, der sich in allen Richtungen dreht und neigt, Augen öffnet und schliesst, leise lächelt oder den Mund vor Schrecken aufreisst. Und zwei Hände, die aus dem Wasser ragen. Die Rechte mit einem riesigen Ballon, die Linke anfänglich übers Wasser geneigt als wollte sie dieses kitzeln. Aber sie zeigt auch mal den Mittelfinger, öffnet und schliesst, dreht und wendet sich.
Die Handlung ist ins Zirkusmilieu versetzt, Artisten unterhalten die Zuschauer bereits vor Beginn der Oper mit Musik und Kunststücken in den Rängen. Auf der Bühne – der Kragen des Clowns – putzen ein paar Zirkus-Angestellte in roten Uniformen die Arena, schlagen Saltos, vergnügen sich. Dann erscheint hoch oben auf dem Kopf ein Gaukler, begrüsst die Zuschauer, gibt den 6800 Besuchern eine letzte Chance, per Handy ein Bild zu machen, «avete pronto i fazzoletti», fragt er noch in seinem Kauderwelsch, wünscht viel Vergnügen und taucht ab.
Fantastische Farbsymphonie
Rigoletto Foto Anja Köhler
Dann erklingen die ersten dramatischen Noten der Ouvertüre über die Weite des Sees, ein magischer Augenblick und nicht der letzte dieses Abends. Von links erscheint Rigoletto im gelb-grün gestreiften Kostüm. Er hängt an einem Seil über dem blau-goldenen Wasser, das Abendrot kitschig intensiv, eine unglaubliche Farbsymphonie von einer ausserordentlichen Leuchtkraft. Rigoletto strampelt, versucht vorwärts zu kommen, das hat je länger je mehr etwas Mühsames, Verzweifeltes an sich, schlussendlich purzelt er in den See. Spätestens da wird auch jenen, die die Geschichte nicht kennen, klar, dass das nicht gut ausgehen wird mit ihm. Denn Rigoletto, der Hofnarr, hilft zwar dem Herzog von Mantua bei seinen Liebeseskapaden, ist aber verzweifelt bemüht, seine eigene Tochter Gilda vor ihm zu schützen. Schlussendlich liefert er sie nach etlichen Wirrungen ungewollt selber ans Messer des Auftragsmörders Sparafucile, welchen er doch eigentlich mit dem Mord des Herzogs beauftragt hatte.
Übertragene Emotionen
Rigoletto Foto Anja Köhler
Der riesige Clownkopf, anfänglich mit geschlossenen Augen und enigmatisch lächelnd, übertragt sozusagen Rigolettos Mimik, welche der Zuschauer aus der Ferne nur erahnen kann. Staunend und selbstzufrieden folgt er dem Geschehen mit seinen grossen Augen, strahlt beim Anblick Gildas, aber mit zunehmender Dramatik wird sein Ausdruck grimmiger, fratzenhafter, bedrohlicher. Am Ende bleibt lediglich noch eine Art Totenkopf mit leeren Augenhöhlen, die Augäpfel schwimmen im See, die Nase ist abgerissen, ein Teil der Zähne fehlt. Mit Entsetzen starrt er mit aufgerissenem Mund der im Ballon in den Nachthimmel entschwindenden Gilda.
Viel Spektakel
Rigoletto Foto Anja Köhler
Auf der Bühne ist viel los, sehr viel. Das geht sehr lange sehr gut, sie ist riesig und verträgt die Farbigkeit der Zirkusleute, der Akrobaten und herumturnenden Affen. Ab und an entstehen so wunderbare Bildkompositionen. Auch die leisen Töne haben Platz. Wenn Rigoletto mit Gilda allein auf der Bühne steht, hat das trotz der Dimensionen etwas sehr Intimes. Lediglich die Szene in der Schenke überfordert. Der Herzog stolziert peitschenknallend zwischen vielbrüstigen Frauen herum, an Seilen baumeln vier von ihnen von den Holzfingern herunter und vollführen eine Art erotisch-anzüglichen Tanz, während der Herzog «La Donne è mobile» singt. Puppets on a string? SM-Gebaren? #MeToo? Oder alles zusammen? Was auch immer, zu viel des Guten und schwierig, sich da noch auf die Musik zu konzentrieren.
Rigoletto Foto Karl Forster
Trotzdem, die Inszenierung begeistert, es gibt viele symbolträchtige Szenen und die Bilder werden immer magischer mit der voranschreitenden Nacht, wenn die ganze Maschinerie sich im Dunkeln verliert und die Stahlwippe unsichtbar wird. Märchenhaft die blondgelockte Gilda auf ihrer Schaukel, eine Alice im Wunderland in ihrem hellblauen Tüllkleid mit den roten Schuhen, atemberaubend der Herzog in schwindelerregender Höhe in der Hängematte, Klamauk pur, wenn reihenweise Akrobaten in den See purzeln.
Unglaubliche Performance
Rigoletto Foto Karl Forster
Die Sängerinnen und Sänger leisten Grossartiges und begeistern durchgehend. Vladimir Stoyanov gibt einen ausdrucksstarken Rigoletto, anfänglich verschlagener Narr, dann leidenschaftlich liebender, leidender Vater. Stephen Costello überzeugt als Herzog von Mantua, Don Giovanni-hafter Verführer und frauenverzehrender Wüstling. Überstrahlt werden aber alle von Mélissa Petit als Gilda! Wie sie mit ihrer wunderbar klaren Stimme auf den riesigen Holzfingern herumtanzend und im Ballon in luftiger Höhe auf dem Korb sitzend mit spielender Leichtigkeit ihre Arien darbietet ist einmalig. Keine Unsicherheit, kein falscher Ton, leichtfüssige Koloraturen, das erzeugte trotz Sommerhitze Gänsehaut pur während ihrer Arie «Caro Nome».
Die Wiener Symphoniker unter Enrique Mazzola bringen Schwung in die wunderbaren Melodien Verdis, begleiten sorgfältig, differenziert und ausbalanciert.
Rigoletto in Bregenz, ein Erlebnis der ganz besonderen Art, das man nicht verpassen sollte. Leider gibt es nur noch ganz wenige Restkarten für dieses Jahr. Wiederaufnahme im Jahr 2020.
Kleine Fotodiashow der Produktion von Anja Köhler und Karl Forster:
Vladimir Mendelssohn Viola Solenne Païdassi Violine
Michala Petri Blockflöte
Ingemar Brantelid Violoncello
David Geringas Violoncello
Mette Hanskov Kontrabass
Misa Hasegawa Klavier
Joren Pritchin Violine
Joachim K. Schäfer Trompete
Wolfgang Amadé Mozart 1756 – 1791 Ouvertüre zur Oper “Le nozze di Figarofür Streicher, KV 492
Ernest Krähmer * 1795, † 1837“Variationen über ein beliebtes Thema aus der Oper
Vincenzo Bellini 1801–1835Konzert für Oboe und Streicher in Es-Dur Larghetto cantabile – Allegro alla polonese
Giuseppe Verdi 1813 – 1901 “Fantaisie sur Aïda” für Trompete, Klavier und Kontrabass in B-Dur
Gioachino Rossini 1792 – 1868 Aus dem Duo für Violoncello und Kontrabass der 1. und 3. Satz
Allegro – Allegro zingarese
Jules Massenet 1842 – 1912 Méditation aus der Oper “Thais” für Violine und Klavier
Richard Strauss 1864 – 1949 Romanze für Violoncello und Orchesterin F-Dur, Version für Violoncello und Klavier
Andante cantabile
Georges Bizet 1838 – 1975 “Carmen-Fantasie” für Violine und Klavier in der Bearbeitung von Franz Waxman (1906-1967)
Rezension:
Nachvollziehbar, dass der Salzburger Festivalverantwortliche ein Werk seines Lands- gar Stadtmannes Mozart für den Start ins Konzert gewählt hatte. Eine Melodie, die das Publikum unvermittelt fesselt und so richtig in Stimmung brachte für den folgenden zweiten Konzertabend des Rellinger Maifestivals.
Ernest Krämer, Variation über ein Thema aus „Die weisse Dame“ von F. A. Boieldieu
Michala Petri, Solistin Blockflöte und Luz Leskowitz
Michala Petri musste, aufgrund ihrer, bedingt durch eine Verletzung, nicht uneingeschränkt belastbarer Schulter, kurzfristig das vorgesehene Programm umstellen und intonierte mit ihren Blockflöten zwei andere Werke. Sie tat dies mit der ihr eigenen Souveränität einer wahren Meisterin ihres Fachs, eingebettet in den Klangteppich des sie begleitenden Ensembles, belohnt vom Auditorium mit einem kräftigen Beifall.
Vincenzo Bellini, Konzert für Oboe und Streicher
Joris van den Hauwe, Oboe und Luz Leskowitz, Violine Foto Wolfgang Gaedigk
Einen Joris Van den Hauwe in Hochform präsentierte sich uns bei dieser Bellini Komposition, einem „Belcanto“ der Oboe. Das 1823 in Neapel entstandene Werk blieb Bellinis einziges Oboen Konzert, träumte er doch schon damals davon, der bekannteste Opernkomponist Italiens zu werden. Bestehend aus einer pathetischen langsamen Einleitung für Orchester, einem langen, kantablen Oboen Solo und einem virtuosen Hauptteil, den Bellini als brillante Polonaise anlegte. Von besonderer Schönheit ist das Larghetto cantabile, dessen lang gezogene Oboen Melodie Bellinis schönste Belcanto-Arien vorwegnimmt. Dem markanten Intro durch die Streicher folgte die Themaübernahme, die Joris Van den Hauwe glasklar intonierte, die kur-hüpfenden kurzen Läufe optimal präzis platzierte, genauso wie die fast sentimentalen überschwänglichen Sequenzen. Die Streicher blieben dabei immer diskret zurückhaltend, ermöglichten so ihrem Solisten, seine Qualitäten in angemessener Lautstärke zu demonstrieren, ohne „schreierisch“, gar „quengelnd“ werden zu müssen. Die barocken Einflüsse, auf Albinoni verweisend, in Bellinis Werk traten dadurch auch sehr deutlich hervor, was dem ganzen einen zusätzlichen Reiz verlieh. Das Publikum belohne die Protagonisten denn auch mit einem vierdient langen Applaus.
Guiseppe Verdi, Aida-Fantasie und Traviata Brindisi-Arie
Trompetensolist Joachim Schäfer
In dieser, fast Potpourriartigen Darbietung, die oft auch mit Klarinette anstelle der Trompete gespielt wird, kam Pianistin Misa Hasegawa, die sich sonst eher in Zurückhaltung üben und fast etwas im versteckten bewegen musste, nebst der Trompete eine tragende Rolle zu. Wie der Titel versprach eine sehr fantasievolle Interpretation, mit gekonntem Wechselspiel der Protagonisten bevor im Finale Trompetensolist Joachim Schäfer mit dem ultimativen Triumphmarsch als Höhepunkt brillierte. Das begeisterte Publikum bedankte sich mit stürmischem Applaus.
Gioachino Rossini 1. und 3. Satz aus Duo für Violoncello und Kontrabass
Mette Hanskov Kontrabass
Rosinis Jugendwerk ist eine eingängige Komposition mit einem gewissen „Ohrwurm-Potenzial“, hier mit leichter Artikulation und erfreulich wenig Vibrato intoniert. Der Klang war transparent, in den schnellen Sätzen dominierte die Spielfreude. Das einleitende Allegro in D-Dur beginnt mit einem leisen Tremolo, wie ein Gewitter, das sich von Ferne ankündigt. Gleich darauf poltern beide Instrumente mit kräftigen Abgängen los, so als würde sich das Gewitter plötzlich entladen. Freundlicher wirkt der Nachsatz, geradezu schmeichelnd das Seitenthema des Cellos, das vom Bass beantwortet wird. Danach stürzen sich beide Spieler wieder in die getürmten Klangwogen des Gewitters. Durchführung und Coda werden durch absteigende Pizzicato-Akkorde angekündigt – eine Rossinische Pointe wie so viele in diesem Satz.
Ingemar Brantelid, Violoncello
Das abschliessende Allegro zingarese, ein „Zigeunerallegro“ im Rhythmus einer Polonaise. Das munter in die Beine fahrende Thema wird von stürmischen Episoden abgelöst, in denen Rossini beiden Spielern wiederholt das dreifache Forte gestattet. Einem Kontrabassisten musste er das nicht zweimal sagen: Zitat von M. Osbourne, bekannter Musikkritiker: „Rossinis Sinn für die Farben des alten Bassinstruments und dessen Fähigkeit, grummelnde gute Laune auszudrücken, zeigt sich im Finale dieses Werkes deutlich“. Das Zusammenspiel von Cello (Ingemar Brantelid) und Kontrabass (Mette Hanskow) war äusserst gefühl- und rücksichtsvoll, keines der Instrumente war dominant, musikalische Harmonie auf höchstem Niveau, was das Auditorium mit viel Applaus zu würdigen wusste.
Ein absoluter Höhepunkt Jules Massenets -Meditation aus der Oper Thais.
Luz Leskowitz, Gründer der Salzburger Solisten und des Rellinger Maifestivals
Die Meditation, die nach Violinsolokonzerten gerne als Zugabe gewährt wird, hatte an diesem Abend für einmal nicht die Rolle des Mauerblümchens und Lückenfüllers. Dank Luz Leskowitz stand das Werk im imaginären „Rampenlicht“ und erstrahlte in demselben. Ausdrucksstark, mit Verve und viel Einfühlvermögen zelebrierte er diese kostbare „Petitesse“ der Musikliteratur. Auch ohne die bei Orchesterkonzerten üblichen gezupften Harfenklänge, die von den Celli übernommen wurden, überzeugte die innige, wehmütige Interpretation. Vor allem, wenn die Partitur in hohe Lagen führte, die der Solist glasklar setzte, zeigte sich die hohe Kunst seines Geigenspiels und schlussendlich streichelte der Salzburger Altmeister die eindringliche Melodie gefühlvoll zu Ende. Wunderbar unterstützt von seinen Mitmusikern und gewürdigt mit stürmischem Applaus vom beeindruckten Publikum war das einer der Höhepunkte des diesjährigen Maifestivals, das an Trouvaillen wahrlich nicht arm war.
Richard Strauss „Romanze“ und „Morgen“ für Cello und Klavier
Misa Hasegawa und David Geringas
David Geringas im kongenialen Zusammenspiel mit Misa Hasegawa, erlebten wir bei der nächsten Darbietung. Der Eröffnung der Sonate mit ein paar kurz gesetzten Klavierharmonien, folgt die Themaübernahme durch das Cello. Dann kommen dramatische Sequenzen mit kurzen Klavierläufen, gefolgt von ebensolchen auf dem Streichinstrument, bevor sich die beiden Instrumente vereinen und der Cellist das Thema weiter moduliert, unterlegt von feinen Klavierakkorden, bevor die Pianistin kurz das Diktat übernimmt, danach vereint man sich wieder im harmonischen Zusammenspiel. David Geringas setzt sanfte, sehr schöne Tremolo, lässt auch mal kurz Brummen um sich danach wieder in Höhen zu schwingen, während Misa Hasegawa, durch die im Grossen und Ganzen doch eher bedächtige, aber keinesfalls weniger beeindruckende Komposition, mit sanften Klaviervariationen den Cellisten äusserst beeindruckend supportiert. Der Meister am Cello seinerseits demonstrierte eindrücklich, wieso dieses Instrument einen ganz besonderen Stellenwert im Orchester hat, noch ausgeprägter in einer Kammermusikformation. Das Auditorium zeigte sich sehr beeindruckt und belohnte die beiden mit langem kräftigem Applaus.
Georges Bizet Carmen-Fantasie von Franz Waxmann
vlnr. Aylen Pritchin, Solenne Paidassi, Luz Leskowitz Foto Wolfgang Gaedigk
Weniger oft gespielt als die Version von Pablo Saraste, aber mindestens ebenso virtuos und eine grosse Herausforderung für den Solisten, in diesem Fall Aylen Pritchin. Animiert durch das fulminante Intro durch Pianistin Misa Hasegawa, spielte sich der junge Vietnam Russe in einen wahren Spielrausch, zündete ein Feuerwerk der überschäumenden Spielfreude. Furios brauste er durch die Partitur, dabei immer äusserst präzis, nicht die geringste „verschwommene“ Passage, ohne die kleinste Unsicherheit, immer unterstützt durch die souveräne junge Japanerin am Klavier. Aber auch in den etwas weniger rasanten Zwischenstücken glänzte Pritchin mit viel Selbstvertrauen, Eleganz, Souplesse, aber auch einer Prise Verschmitztheit und Selbstironie. Die beiden jungen Musiker warfen einander die Töne und Melodiefragmente nur so zu, ein hin und her, dann wieder ein Miteinander, das schlussendlich in einem effektvollen virtuosen Steigerungslauf ins Finale führte. Gefeiert vom begeisterten Publikum strahlten die Protagonisten um die Wette, ohne dabei ihre gewisse natürliche Schüchternheit zu verlieren.
Was der Junge Violinist Aylen Pritchin so drauf hat, bewies er auch Mitte Juni im Finale beim Tschaikowsky Wettbewerb in Moskau
Das Zürcher Kammerorchester und Music Director Daniel Hope starten im Herbst in die vierte gemeinsame Saison. Noch persönlicher, noch offener und interaktiver soll das Publikum in Zukunft Klassik erleben. Herausragende Künstler aus der ganzen Welt unterstützen das Orchester dabei, «berührend und nahbar» zu sein. Ein Motto, welches das ZKO mit rund 40 Tournee-Konzerten auch im Ausland umsetzt. In der vergangenen Saison hat das ZKO mit Sinneserlebnissen experimentiert und die Musik unter anderem mit Düften oder kulinarischen Eindrücken verbunden. Das Ziel, Konzertbesucher auf überraschende Art und Weise zu berühren, wird in der kommenden Saison 2019/20 noch intensiver verfolgt. «Berührend und nahbar» werden die Musikerinnen und Musiker das volle Gefühlsspektrum der klassischen Musik mit dem Publikum teilen. Für Daniel Hope ist es die vierte Saison als Music Director des ZKO. «Ich freue mich auf viele berührende Begegnungen – mit dem Orchester, mit Solisten, die wir einladen, mit unseren Zuhörern, aber auch mit uns selbst», sagt er. Neue Reihen 2019/20 kooperiert das ZKO mit grossen Künstlern wie der Sängerin Vesselina Kasarova, dem Celllisten Lynn Harrell, dem Mandolinisten Avi Avital, den jungen Pianisten Maxim Lando und Jan Lisiecki oder dem Ehrendirigenten Sir Roger Norrington. Die Saison 2019/20 bringt das Orchester musikalisch zu vielen Begegnungen mit dem Meister Ludwig van Beethoven. Ausserdem präsentiert das Orchester drei neue Konzertreihen. Bei «Mostly Baroque» kommen Liebhaber der Musik von 1600 bis 1750 auf ihre Kosten und bei «Hope and Friends» lädt Music Director Daniel Hope Musikerfreunde aus aller Welt zu sich auf die Bühne. Die bereits etablierte Reihe «Kammermusik@ZKO», bei der ZKO-Musikerinnen und -Musiker ihre Lieblingswerke spielen, bildet ein weiterer Schwerpunkt. Und natürlich widmet sich das Orchester den beliebten Familienkonzerten, die sich zum festen Programmbestandteil des ZKO etabliert haben. Der Limmatstadt verbunden – international vernetzt Das ZKO freut sich sehr, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Tonhalle Maag, dem Schauspielhaus Zürich sowie dem Fraumünster fortzusetzen und auch das ZKO-Haus weiterhin als Spielstätte zu nutzen. Die Begeisterung für klassische Musik trägt das Zürcher Kammerorchester über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus. Als Botschafter der Schweiz und Zürichs gibt das Orchester 2019/20 rund 40 Konzerte im Ausland. Im August spielt das Orchester ein grosses Open-Air-Konzert am «Citadel Music Festival» in Berlin, weitere Tourneen führen in die USA, nach Cremona und Meran in Norditalien sowie mehrere Male nach Deutschland – in die Elbphilharmonie Hamburg, das Konzerthaus Berlin, die Frauenkirche Dresden, die Alte Oper Frankfurt, die Tonhalle Düsseldorf und noch einige mehr. Wichtigster Konzertort ist und bleibt jedoch Zürich: Hier tankt das Orchester Energie und Kraft und kreiert innovative Konzertideen. Saisonprogramm