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Collegium Vocale Gent, KKL Luzern 17. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

ollegium Vocale Gent und Philippe Herreweghe Foto Marco Borelli, Salzburger Festspiele
ollegium Vocale Gent und Philippe Herreweghe Foto Marco Borelli, Salzburger Festspiele

Besetzung und Programm:

  • Philippe Herreweghe (Dirigent)
  • Dorothee Mields (Sopran)
  • Hanna Blazikova (Sopran)
  • Alex Potter (Alt)
  • Thomas Hobbs (Tenor)
  • Krešimir Stražanac (Bass)

 

Rezension:

Dirigent Philippe Herreweghe Foto PD Wouter Maeckelberghe -
Dirigent Philippe Herreweghe Foto PD Wouter Maeckelberghe -

Auch weil ab Frühling 2020, aufgrund des Wegfalls des Lucerne Festivals an Ostern, nicht mehr so viele Chorkonzerte im KKL Luzern zu hören sein werden, nutzten sehr viele noch die Gelegenheit, das, im Rahmen der Migros – Kulturprozent – Classics Tournee lV, programmierte Konzert mit dem „Collegium Vocale Gent“ zu besuchen. So wurde dem grossen Besucherandrang Rechnung getragen, indem selbst der 4. Balkon geöffnet wurde.

Grundsätzliches zu den belgischen Protagonisten

Dorothee Mields (Sopran)  Foto Harald Hoffmann
Dorothee Mields (Sopran) Foto Harald Hoffmann

Das Collegium Vocale Gent ist ein 24-köpfiges Orchester ausgezeichneter Instrumentalisten, auf historischen Instrumenten spielend, ergänzt durch einen, in der Anzahl der Sänger/innen, variierenden Chor. In Luzern waren neben sieben Frauenstimmen, inklusive Solistinnen, elf Männerstimmen, inklusive Solisten, im Halbrund hinter den Instrumentalisten aufgereiht, dabei standen die Solisten inmitten des Gesamtchores, nicht separat.  Bei Konzertbeginn, vom Publikum her gesehen, die Damen links, die Herren rechts.

Zur Aufführung

Alex Potter (Alt, Countertenor) Foto  Annelies van der Weg
Alex Potter (Alt, Countertenor) Foto Annelies van der Weg

Die h-Moll-Introduktion aller Stimmen am Beginn des Kyrie nahm Philippe Herreweghe noch feierlich, ging dann zügig in die lange Orchestereinleitung, auf der der Chor eine umfängliche fünfstimmige Fuge mit klarer verständlicher Diktion aufbauen konnte. Nach instrumentalem Zwischenspiel dann ein weiterer Fugenkomplex, den die Singstimmen in veränderter Reihenfolge und neuem kontrapunktischen Spiel zusammensetzten, kunstvoll und modulationsreich bis zum Satzschluss ergreifend steigerten.

Leicht körperlich lädierter Dirigent führt trotzdem souverän

Ohne Taktstock formte Philippe Herreweghe, einer der Doyens der historisch informierten Aufführungspraxis, dabei den Klangausdruck wie ein Bildhauer mit den Händen, setzte raffiniert wischende Bewegung des Unterarms ein, gab der Redensart „aus dem Ärmel schütteln“ neue fordernde Rhetorik. Zum Teil war dies auch bedingt durch eine Verletzung der rechten Schulter, das ihm das Dirigieren mit der rechten Hand erschwerte, gar verunmöglichte.

Exzellenter Chor, hervorragende Solist/innen

Hanna Blazikova (Sopran)
Hanna Blazikova (Sopran)

Dorothée Mields und Hana Blazikova gestalteten berührend im „Christe eleison“ ein lyrisches erstes Duett, innig und gefühlvoll um die Bitte nach Vergebung wissend. In zartem Piano legten die Streicher einen atmosphärischen Klangteppich für die Sängerinnen aus, der von Bach wohl intendierten Zwiesprache von Gottvater und Sohn den Vortritt lassend. Zusammen mit Thomas Hobbs und Alex Potter gab Mields auch den Duetten im „Gloria“ und „Credo“ eindrückliche Gestalt, setzten die herrlichen Solostimmen durch unangestrengte Koloratur schwerelos auf das Primat der Klangrede. Zu einem Höhepunkt wurde auch das „Laudamus te“, wo das Lob Gottes in der Virtuosität der konzertierenden Violine und der glasklar expressiven Sopranstimme Ausdruck fand.

Mit voluminösem Streicherklang ins „Gloria“

Thomas Hobbs (Tenor)
Thomas Hobbs (Tenor)

Mit festlichem Streicherklang, nun ins parallele D-Dur gewendet, und zupackenden Trompetensignalen wurde das „Gloria“ angestimmt, nahmen die Soprane noch zurückhaltend die frohbewegte Huldigung Gottes auf, kanonisch gefolgt von absolut textverständlichen Einsätzen der tiefen Stimmen. Die sich daraus entwickelnde Fuge steigerte sich zum Forte Jubel, bei dem die letztlich befreienden Freudenraketen nicht mehr zündeten. Dieser Eindruck blieb auch beim „Credo“ haften, insbesondere im vielschichtigen „Confiteor“, in dem gregorianische und Renaissanceklänge aufeinandertreffen und mit barocker Choralmusik verwoben werden.

 

 

Ausgewogenheit mit Glanzpunkten

Krešimir Stražanac (Bass)
Krešimir Stražanac (Bass)

Die Sänger sangen in den meisten Chor-Stücken in Registerpaaren, mit klarer Diktion und guter Intonation. Ausgewogenheit war so gut wie nie ein Problem. In Ensembles dieser Größe werden die meisten Musiker zu Solisten und der Grat zwischen Ruhm und potentiellem Fiasko viel schmäler als der, dem die Mitglieder eines gewöhnlichen Chores oder Orchesters jemals ausgesetzt sind. Wenn nun also wirklich die Sänger auch den „Chor“ besetzen, können sie sich nicht mehr während der Chor-Stücke erholen, sondern singen das gesamte Werk hindurch, trotzdem war keinerlei Qualitätsverlust, etwa infolge stimmlicher Ermüdungserscheinungen, hinzunehmen.

Arien als strahlkräftige Glanzlichter

So blieben herausragende Arien als effektvolle Glanzlichter in Erinnerung: Alex Potters Altus, der in Zwiesprache mit der anrührenden Melodie der Oboe d’amore im „Qui sedes“ den Textinhalt dramatisch und atemberaubend brillant ausdeutete, beim ungewohnten g-Moll des „Agnus Die“ im schmerzlichen Ausdruck menschlicher Schuld berührte. Tenor Thomas Hobbs drückte im „Benedictus“ den Willkommensgruß glaubhaft, ja freudig und heiter aus. Dagegen kam Bass Bariton Kresimir Strazanacs Beiträge weniger stark zur Geltung. Im „Quoniam“ schlug das begleitende Naturhorn jedenfalls mehr Funken als der Bassist.

Berauschendes Konzerterlebnis

Das Gesamtergebnis war überaus positiv: die Tempi blieben immer lebhaft und der fast ausschließliche Verzicht auf Vibrato schuf eher eine besondere Qualität als eine unangenehme Trockenheit im Klang hervorzurufen. Das ausgezeichnete Continuo schob die Musik sachte aber beständig an, und der Einsatz von historischen Instrumenten und historischer Spielweise ist eine der ganz grossen Stärken dieses Ensembles, das denn zum Schluss vom begeisterten Publikum ausdauernd mit kräftigem, langanhaltendem Applaus gefeiert  wurde.

Text: www.leonardwuest.ch

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Cirque du Soleil, „Toruk“ – The First Flight, Hallenstadion Zürich, 13. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

Die Lichtshow Farben und Bilder auf die Installation (Bühne) war erste Sahne, Foto Ruedy Hollenwäger
Die Lichtshow Farben und Bilder auf die Installation (Bühne) war erste Sahne, Foto Ruedy Hollenwäger

Multimedia-Topkünstler und -Innovatoren, Michel Lemieux und Victor Pilon gestalten ein Reise durch die Welt von Pandora.Das Publikum kann so eine Odyssee durch eine Welt der Imagination, der Entdeckungen und unendlichen Möglichkeiten erleben.

Rezension:

Das Bühnenbild der eindrücklichen Welt von Pandora
Das Bühnenbild der eindrücklichen Welt von Pandora

Da ich schon über 20 Jahre nie mehr in einem Zirkus war und auch den Film Avatar nicht gesehen habe, konnte ich den Abend im Hallenstadion entspannt und vorurteilsfrei in Angriff nehmen. Gewisse Gerüche wecken unwillkürlich ganz bestimmte Assoziationen, z.B Bratwurstgeruch bedeutet Pause beim Fussballmatch, Popcornschwaden in der Luft: ganz klar Kinobesuch usw. Wenn gar beide Geruchsschwaden  abwechselnd, meistens aber vermischt durch die Lüfte ziehen, dann ist der Cirque du Soleil zu Gast im Zürcher Hallenstadion. Das in Baie-Saint-Paul, Kanada im Jahre 1984 vom Straßenkünstler Guy Laliberté unter Assistenz von Daniel Gauthier und Gilles Ste-Croix gegründete Vorzeigeunternehmen, beschäftigt heute weltweit etwa 5000 Menschen, davon etwa 1300 Artisten aus ca. 50 Ländern und ist in verschiedenen Formationen mit diversen Programmen auf Welttourneen.

Gigantische, mehrheitstaugliche Show für ein durchmischtes Publikum

Zwei Schweizer bei Cirque du Soleil. Wie von einem anderen Planeten die Schweizer Nick Beyeler (links) und Elia Aymon nach der Verwandlung in ihre Bühnenfiguren
Zwei Schweizer bei Cirque du Soleil. Wie von einem anderen Planeten die Schweizer Nick Beyeler (links) und Elia Aymon nach der Verwandlung in ihre Bühnenfiguren

Mit einem Zirkus hat die gigantische Show nur noch wenig gemein. In Zürich stand das neueste Projekt, die bereits 37. Produktion «Toruk – The First Flight» auf dem Programm. Die  Produktion ist inspiriert von James Cameron’s Film «Avatar»  So war denn auch ein äusserst durchmischtes Publikum vor Ort, da sassen Jungverliebte neben der Grossmutter mit ihren fünf Enkeln, Zirkusfans aus Tradition neben kinoaffinen Fantasyfilm Fans usw.

Über 2000 Quadratmeter Spielfläche für eine Megashow der Superlative

Die Artistik war toll. Bei den Männern Kunstturner (Bodenturnen, Reck, Perdspringen usw) Bei den Frauen Szenen wie Nina Burri, Denise Biellmann
Die Artistik war toll. Bei den Männern Kunstturner (Bodenturnen, Reck, Perdspringen usw) Bei den Frauen Szenen wie Nina Burri, Denise Biellmann

43 Artisten auf 2000 m2, einer von zwei mitwirkender Schweizer ist Nick Beyeler, Sport-Aerobic-Weltmeister 2002, die andere ist Elia Aymon, eine der weltbesten Trapezartistinnen. Normalerweise, sagt Nick Beyeler, stosse man als Artist erst in einem fortgeschrittenen Stadium zu einer Show. Das war für ihn bei «Toruk» anders. Der Schweizer war Teil des Kreationsteams, das die Show gemeinsam mit Starregisseur Cameron entwickelte. Die sogenannte Takami­Nummer basiert sogar auf  einer Idee von Beyeler.

Akrobatik, Puppenspiel Licht – und Musikshow der Weltklasse

Elia Aymon trägt routiniert ihr Make-up auf. Jeder Pinselstrich sitzt.
Elia Aymon trägt routiniert ihr Make-up auf. Jeder Pinselstrich sitzt.

Akrobatik, Puppenspiel und Projektionen verbinden sich auf der Bühne zu einer fantasievollen Abenteuer-Show, die sich an die farbenprächtige und magische Welt von James Camerons “Avatar” anlehnt
Die Geschichte spielt rund tausend Jahre vor den Ereignissen des Kinofilms: Der überlebenswichtige Baum der Seelen auf Pandora gerät durch eine Naturkatastrophe in Gefahr. Es gibt nur eine Rettung: Eine “gute Seele” muss auf dem Fabelwesen Toruk reiten. Zwei junge Na’vi machen sich auf die Suche nach dem Raubtier in den schwebenden Bergen.

Leicht getrübte Freude, da nur englischsprachiger Erzähler

Die Requisiten waren einzigartig (Hunde, Pferde, Vogel-Strauss, Drache) (Vögel, Drachen-Matratzen, Mikado-Bambusstangen, Licht Jongleure, Vendisches Boot usw
Die Requisiten waren einzigartig (Hunde, Pferde, Vogel-Strauss, Drache) (Vögel, Drachen-Matratzen, Mikado-Bambusstangen, Licht Jongleure, Vendisches Boot usw

Toruk Makto Erzähler des Na`vi-Volkes berichtet von einer drohenden Naturkatastrophe, die den heiligen Baum der Seelen bedroht. Zwei mutige Jungen machen sich auf die Suche nach dem fliegenden Fabeltier Toruk. Das Spektakel leicht trübte, dass „Emtu“, die Rolle des Erzählers der Geschichte, also seines Lebens, worauf die Story beruht, von einem englisch sprechenden Akteur ausgeführt wurde, mit Übertitelung auf grossen Leinwänden. selbst wenn man recht tauglich englisch verseht und gute Augen hat, war da fast nichts mitzubekommen, also schwierig zu verstehen, worum es eigentlich beim Ganzen eigentlich ging.

Bei den stolzen Eintrittspreisen wäre Landessprachen  tauglicher Erzähler Pflicht

Viel Farbe mit Avatar-Blau Beyelers Perücke
Viel Farbe mit Avatar-Blau Beyelers Perücke

Ich denke, dass bei den doch recht happigen Ticketpreisen, ab 89 Franken die günstigsten, bis zur teuersten Premium Kategorie bei 215 Franken, die Verpflichtung eines deutschsprechenden Akteurs für diese Rolle in den zu bespielenden deutschsprachigen Ländern, kein Luxus wäre, da es genügend unterbeschäftigte, ausgebildete, also dazu fähige Schauspieler dafür gäbe, die auch nicht in den allerhöchsten Gehaltsstufen zu entlohnen wären, schade. Denn das optisch gebotene genügte höchsten Ansprüchen, vom grossartigen, den jeweiligen Spielsituationen mittels Computersteuerung unverzüglich anpassbaren Bühnenbild, über die Kostüme der Artisten, dem aufwändigen Licht Design, bis hin zu den individuellen Gesichtsmakeups der Agierenden und den eingesetzten Requisiten, ist Besseres schlicht nicht vorstellbar. Die viel Kraft und Können erforderlichen Artistik Szenen unübertrefflich, dies alles scheinbar völlig mühelos wirkend.

Die Geschichte, soweit im Groben mitbekommen

Cirque du Soleil Schlussszene
Cirque du Soleil Schlussszene

Die Show nimmt mit in schier unglaubliche, sich dauernd wandelnde Livesettings auf der 2000m2 grossen Bühne, dem Heimat Planeten der Toruks, „Pandora“. Das Publikum erlebt eine Odyssee durch eine Welt der Imagination, der vielen Entdeckungen und unendlichen Möglichkeiten, immer kommentiert von „Etmu“. Die Toruks müssen u.a. auch fünf verschiedenen Talismanen in ihren Besitz bringen, um höhere Weihen zu erhalten. Dafür begibt sich eine kleine Gruppe von ihnen in andere, ihnen völlig fremde Welten, wo sie mit wilden Tieren, aber auch gegen andere Stämme kämpfen müssen. Das alles wird noch erschwert mal durch ein starkes Erdbeben mal durch einen Vulkanausbruch und andere Naturkatastrophen. Natürlich, am Ende obsiegt auch hier das Gute, d.h. der Stosstrupp findet den Toruk und reitet, fliegt ihn gar, damit wird der erste dem das gelang, automatisch auch zum legitimen Nachfolger von „Emtu“,dem Erzähler. Das alles wird abgehandelt in rasanter Abfolge, den Zuschauer gar manchmal etwas überfordernd. Das Publikum, ob gross oder klein war begeistert vom Gebotenen und belohnte die Protagonisten mit einem langanhaltenden Schlussapplaus, bevor es sich von der „Soleil“ beglückt in die dunkle Nacht begab.

Kurzer Trailer der Show:

youtu.be/sRdfhkRVeHE

Text und Fotos: www.leonardwuest.ch

Fotos:

Ruedy Hollenwäger und

http://www.abc-production.ch/index

 

 

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Bryan Ferry, Support Act : Diane Birch, KKL Luzern, 13. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

Bryan Ferry in Köln Dezember 2018 Foto Marc Pfitzenreuter
Bryan Ferry in Köln Dezember 2018 Foto Marc Pfitzenreuter

Besetzung: Support Act Diana Birch, Bryan Ferry und Band

Rezension:

Diane Birch at Joe's Pub, New York City, Foto Stephanie F. Black
Diane Birch at Joe's Pub, New York City, Foto Stephanie F. Black

Diana Birch, die 36jährige Amerikanerin hatte keinen leichten Stand als Support Act, strömten doch noch während ihres Auftritts verspätete Konzertbesucher nicht ganz geräuschlos in den Konzertsaal. Auch ihr relativ monotones Set, war nicht wirklich inspirierend, man wartete mehr oder weniger ungeduldig auf den Main Act und war erleichtert als diese die Bühne enterten, beklatscht vom erwartungsvollen Publikum Gentleman Bryan Ferry bot, zusammen mit acht Mitmusikern und einem jungen Backgroundgesangspärchen, ein grandioses Konzert im erstaunlicherweise nicht ganz ausverkauften, aber gut besetzten Konzertsaal des KKL in Luzern. Da wurde live gespielt, mit richtigen Instrumenten und richtig guten Songs mit einem satten, ehrlichen authentischen Sound, viel Groove und jeder Menge Spielfreude.

Wo Ferry drauf steht ist Live Musik drin

Da gabs nicht, wie bei den meisten hochgejubelten YouTube „Stars“ zu 90 % Playback und unzählige Viedeozuspielungen und vielleicht grad mal 10% Eigengesang wie heutzutage offensichtlich üblich, nein, da standen Vollblutmusiker auf der Konzertbühne, gestandene Weggefährten des 74jährigen Engländers, dessen Karriere in den 1970er Jahren als Mitgründer, Komponist und Leadsänger der Artrock Band „Roxy Music“ ihren Anfang nahm, ebenso wie zwei junge Damen, wovon die eine ihre verschiedenen Saxophone sehr virtuos zu benutzen wusste, wie sie mit ein paar Soli unterstreichen konnte. Dazu eine Violinistin erster Güte, die dem Gesamtklang mit ihren Einlagen noch den ganz besonderen Touch verlieh. Überhaupt äusserst sympathisch, wie der in einem Anzug mit blauem Hemd und Krawatte agierende Bandleader – Sänger, nicht ständig nur sich in den Mittelpunkt des Geschehens stellte, sondern seinen Mitmusikern ausreichend Gelegenheit gab, auch ihre individuellen musikalischen Qualitäten zu demonstrieren, was diese denn auch gekonnt nutzten.

Start ins Set mit Songs aus der Roxy Musik Aera

Best of Roxy Music Cover
Best of Roxy Music Cover

Zuerst gabs drei Songs aus der Roxy Music Zeit, gestartet wurde mit „In Every Dream Home a Heartache“, gefolgt von „Out of the Blue“ und „The Space between“. Der Sänger mit der brüchigen Stimme und dem unverwechselbaren Vibrato spielt im ersten Teil des rund eineinhalb Stunden langen Konzerts nicht nur die bekannten Songs, sondern auch sperrige Raritäten aus der Frühphase von Roxy Music. Damals war auch Soundtüftler Brian Eno noch an Bord, die Band ebnete mit düsteren Zwischentönen und subtilen Texten späteren New-Wave-Bands den Weg. Zum Beispiel mit „Every Dream Home a Heartache“, einem Song über einen luxusliebenden Lebemann, der in devoter Haltung eine Beziehung mit einer Gummipuppe beginnt. „I blew up your body / But you blew my mind.“

Am Ende folgt die Greatest-Hits-Show

Brian Ferry Foto Frank May dpa
Brian Ferry Foto Frank May dpa

Der erste große Hit des Abends ist „Slave to Love“. Der Prototyp eines Popsongs à la Ferry. Der Text dreht sich ums Begehren und Besitzen. Ein sphärisch anmutendes Gitarrensolo führt sanft in den Song ein. Der Background-Gesang verleiht dem Sound eine Prise Soul, was im gewollten Kontrast zur brüchigen Stimme des Altmeisters steht, die immer ein bisschen nach Film-Bösewicht klingt. Ferry und Band variieren im Laufe des Abends immer wieder den Sound, spielen einen düsteren Song aus der Serie „Babylon Berlin“ und auch Blues und Country klingen an. Beschwingte Nummern wie die Coverversion von Bob Dylans „Just Like Tom Thumb’s Blues“ gelingen ihnen besonders gut.

Und wenn der Popstar in die Mundharmonika, Bluesharp, bläst, schleicht sich das Gefühl ein, er käme aus den amerikanischen Südstaaten und nicht aus dem nordenglischen Kohlepott. Als nach rund einer Stunde zwei große Diskokugeln von der Decke hinabschweben, beginnt endgültig die Greatest-Hits-Show. Manche Songs, etwa „More Than This“und „Avalon“ spielt Ferry nur auszugsweise. Die Begeisterung ist dem lässig über die Bühne schreitenden Mann in blauen Anzug und Krawatte trotzdem gewiss. Der 74-Jährige wirkt zufrieden mit sich und seinem Werk. Noch immer ein bisschen Dandy, vor allem aber Gentleman – nämlich dann, wenn er vom Publikum gefeiert wird und freundlich winkend reagiert. Das meist etwas in die Jahre gekommene Auditorium feiert eines ihrer Popidole ausgiebig mit Applaus garniert mit vereinzelten Bravorufen.

Das immense Repertoire des Altmeisters

Let's Stick Together Album Cover
Let's Stick Together Album Cover

Bryan Ferry kann natürlich aus dem Vollen schöpfen, umfasst sein Solo-Repertoire alleine schon 15 Studioalben. Dazu kommen acht weitere Platten mit Roxy Music, von denen auch seine grössten Hits stammen – etwa «Love is the Drug», «Dance Away» oder das berühmte John-Lennon-Cover von «Jealous Guy», das er seinen Fans eigentlich bei keinem Konzert vorenthält. Zu einem Ferry-Konzert gehören immer beide Standbeine seiner über 40-jährigen Karriere. Und natürlich sein Charme, den er auch im Alter von 74 Jahren noch versprüht. Kombiniert mit einem starken musikalischen Statement, war dies das Erfolgsrezept, das vom Publikum entsprechend gewürdigt wurde, sodass dieses schlussendlich mit nicht weniger als drei Zugaben belohnt wurde, die letzte davon wurde natürlich stehen applaudierend genossen.

Text  www.leonardwuest.ch                                 

Fotos: http://www.abc-production.ch/index

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Stadttheater Sursee, Junge Weltklasse in Sursee Regula Mühlemann and Friends - ein musikalisches Rendez-vous, 14. Juni 2019, besucht von Léonard Wüst

Alle Mitwirkenden geniessen den verdienten Schlussapplaus, Foto Roberto Conciatori
Alle Mitwirkenden geniessen den verdienten Schlussapplaus, Foto Roberto Conciatori

Besetzung und Programm:

Regula Mühlemann and Friends singen Arien und Ensembles aus Opern und Operetten, begleitet vom Orchester des Stadttheaters Sursee unter der Leitung von Isabelle Ruf-Weber.

Johann Strauss Die Fledermaus Ouverture Orchester
W. A. Mozart  Così fan tutte Ah, scostati!… Smanie implacabili Stephanie Szanto
Il core vi dono   Serafin Heusser, Stephanie Szanto
Le nozze di Figaro Hai già vinta la causa Alexandre Beuchat
Crudel! Perchè finora farmi languir così? Olivia Allemann, Alexandre Beuchat
La clemenza di Tito   Ah,perdona al primo affetto   Regula Mühlemann, Stephanie Szanto Come ti piace imponi   Olivia Allemann, Stefan Wieland
Die Zauberflöte Bei Männern, welche Liebe fühlen Alexandre Beuchat, Regula Mühlemann
Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen Regula Mühlemann
Questo giorno di tormenti   Ensemble

PAUSE  Regula Mühlemann im Gespräch mit Hans Ambühl

Carl Zeller Der Vogelhändler Als geblüht der Kirschbaum Regula Mühlemann
Johann Strauss Die Fledermaus Komm mit mir zum SouperAlexandre Beuchat, Serafin Heusser
So muss allein ich bleiben  Olivia Allemann, Serafin Heusser, Regula Mühleman
Ich lade gern mir Gäste ein   Stefan Wieland
Spiel ich die Unschuld vom Lande   Regula Mühleman
Im Feuerstrom der Reben Ensemble

Rezension:

Isabelle Ruf Foto
Dirigentin Isabelle Ruf

Mit der „Ouvertüre“ aus der Fledermaus“ von Johann Strauss hatte die künstlerische Leiterin und Dirigentin Isabelle Ruf, genau das optimale Stück gewählt für den Start in diesen aussergewöhnlichen Galaabend vor proppenvollen Rängen im Stadttheater Sursee. Ebenso schwungvoll, wie die Chefin den Takt angab, sollte sich der ganze Abend erweisen. Das Surseer Operettenorchester, agierte für einmal auf der Bühne, nicht wie sonst, quasi im Orchestergraben versenkt und grossmehrheitlich unsichtbar. Der Grund: Man hatte einen veritablen weiblichen Gesangs Weltstar zu Gast, deren leiblichen und musikalischen Lebensfäden mit diesem Hause eng verwoben waren, wie wir später noch erfahren sollten. Und ebendiese, gebürtige Adligenswilerin, Regula Mühlemann mit Namen, gab ihre Gesangskünste zusammen mit Sängerinnen und Sängern des Surseer Operettenensembles zum Besten im Rahmen eines Benefizkonzertes. Sie stellte sich dafür zur Verfügung, obwohl sie noch bis am 22. Juni als Echo in „Ariadne auf Naxos“ im Teatro alla Scala in Mailand engagiert ist

Erst etwas schüchtern, dann aber forsch drauflos

Die beiden jungen Sänger, Bariton Alexandre Beuchat, rechts und Tenor Serafin Heusser, links,  im schalkhaften Operettenmodus
Die beiden jungen Sänger, Bariton Alexandre Beuchat, rechts und Tenor Serafin Heusser, links, im schalkhaften Operettenmodus
OPlivia Allemann im Duett mit Stefan Wieland
Olivia Allemann im Duett mit Stefan Wieland

Die lokalen Gesangsgrössen, also die junge Weltklasse des Hauses, kamen zuerst zum Handkuss, respektive zum Singen und das gleich mit Mozart, was Stephanie Szanto doch etwas zu beeindrucken schien. Das änderte sich aber schlagartig, als Serafin Heusser für das folgende Duett selbstsicher zu ihr auf die Bühne trat. Die beiden intonierten „Il core vi dono“ als stünde diese Oper allabendlich auf ihrem Programm. Das Publikum, angetan vom Gebotenen, spendete reichlich Beifall. Ebenso selbstverständlich selbstsicher sang sich danach Bariton Alexandre Beuchat in Figaros Hochzeit, ihm zur Seite gesellte sich Olivia Allemann für das nachfolgende Duett, auch sie beeindruckend sicher und gesanglich ebenso einwandfrei wie ihre Vorgänger/innen. Also das, was man bei einem Popkonzert Support Act oder Vorgruppe nennt, hatte schon mal überzeugt, wurde mit dem entsprechenden Applaus gewürdigt und machte Appetit auf mehr.

Dann stand sie wahrhaftig da, die weltweit gefeierte Sopranistin

Geballte Frauenpower auf der Surseer Bühne v.l.n.r. Regula Mühlemann, Olivia Allemann, Stephanie Szanto
Geballte Frauenpower auf der Surseer Bühne v.l.n.r. Regula Mühlemann, Olivia Allemann, Stephanie Szanto

Aber, auch Bescheidenheit ziert, nicht als Solistin, sondern erst mal als „normales“ Mitglied der vier, für die folgenden Arien aus „La Clemenza di Tito“ benötigten Sänger/innen. Regula Mühlemann und Mezzosopranistin Stephanie Szanto harmonierten ebenso perfekt in ihrem Duett, wie dies Olivia Allemann und Stefan Wieland (wieder einmal in einer typischen Hosenrolle) nach ihnen taten. Die nicht nur akustisch äusserst attraktive Künstlerin, mit einem braunen  Top zu einem orangen Plisséejupe gekleidet,  hatte das Auditorium sofort in ihren Bann gezogen, was keinesfalls die grossartigen Leistungen aller andern Beteiligten schmälern soll, sie war halt einfach schlicht der „Aushänger“ dieses Galakonzerts.

Aufmerksamkeit des Auditoriums nun mehr auf Regula Mühlemann

Regula Mühlemann im Mittelpunkt des Geschehens
Regula Mühlemann im Mittelpunkt des Geschehens

„Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus der Zauberflöte, im Duett mit einem auf Augenhöhe, respektive stimmlicher Ebenbürtigkeit singenden Alexandre Beuchat, stand sie schon mehr unter Beobachtung der Zuhörer, da dies kurz vor ihrer ersten Solo Arie war und die, wird sich erweisen,  sollte es in sich haben. Vorher aber gab’s noch einen langanhaltenden kräftigen Applaus, der nicht nur den im Moment auf der Bühne befindlichen Akteuren galt, sondern das gesamte Ensemble inklusive Dirigentin und Orchester einschloss.

Sekundenbruchteil des Schreckens

Regula Mühlemann beim Intonieren der Königin der Nacht Arie Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen aus der Zauberflöte
Regula Mühlemann beim Intonieren der Königin der Nacht Arie Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen aus der Zauberflöte

Was  man eher bei einer, einem der Nachwuchstalente erwartet hätte, ein kleiner Aussetzer, Patzer oder Ähnliches, hatte dann ausgerechnet Regula Mühlemann bei der äussert heiklen Mozartarie „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“ (Die Königin der Nacht), aus dessen Zauberflöte. Möglicherweise durch etwas irritiert, hatte sie eine ganz kurze Unsicherheit in einer der höchst anspruchsvollen Koloraturen der Arie, im sogenannten „Flageolett Register“, mit einigen Tönen über c’’’ (c3), der höchste ist f’’’ (f3), was nicht nur die Kenner im Zuschauerraum, sondern sichtlich auch die Dirigentin kurz irritierte. Diese Arie ist eine der fordernsten der gesamten Sopranistinnen Literatur überhaupt. Aber auf der Bühne gibt’s nur das Weitermachen und routiniert überspielte man dies und schlussendlich war man sich fast nicht mehr sicher, ob es tatsächlich so war (sowas kann der doch gar nicht passieren), oder ob man es nur so wahrgenommen hatte.

Starke Männerstimmen v.l.n.r. Countertenor Stefan Wieland, Tenor Serafin Heusser und Bariton Alexandre Beuchat
Starke Männerstimmen v.l.n.r. Countertenor Stefan Wieland, Tenor Serafin Heusser und Bariton Alexandre Beuchat

Wie mich Isabelle Ruf anderntags wissen liess, war es das erste Mal, dass Regula Mühlemann diese Arie vor Konzertpublikum sang, also kamen wir unverhofft sogar noch zu einer veritablen Weltpremiere. Dies wertet das Renommee des Surseer Stadttheaters sogar nochmal auf, noch nicht grad auf das Niveau einer „Scala“, aber zu einer „Scaletta“ reichts schon mal, haben doch auch wir eine kleine Treppe (Scala) vom Herrenrain zum Theater. Das Auditorium zeigte sich von  diesem Detail unbeeindruckt und spendete den Protagonisten stürmischen und langanhaltenden Applaus, genoss noch das den ersten Konzertteil abschliessende finale„Questo giorno di tormenti“ des Gesamtensembles aus Figaros Hochzeit, überhäufte das Ensemble mit erneuten Applauskaskaden bevor man sich ins Foyer in die Pause begab um über das bis anhin gehörte angeregt zu diskutieren.

Amüsantes Verbalpingpong auf dem Diwan

Auch die beiden auf dem Diwan hatten ihren Spass an der Sache
Auch die beiden auf dem Diwan hatten ihren Spass an der Sache

Ein Diwan, der nach dem ersten Konzertteil vom Bühnenteam auf die Bühne gestellt wurde, war nicht das Zeichen, dass nach der Pause das von Daniel Barenboim 1999 mitbegründete West-Eastern Divan Orchestra die Bühne entern würde, sondern diente Regula Mühlemann und dem Präsidenten des Stiftungsrates des Stadttheaters Sursee ,Hans Ambühl, als Sitzunterlage für ihr Pausengespräch, welches dann, zum sichtlichen Vergnügen der Zuhörer, aber auch der beiden auf der Bühne selbst,  höchst amüsant und unterhaltend verlief. Jetzt erfuhren wir auch, wie die gefeierte Sopranistin mit der Surseer Bühne verbunden ist. Ihre Grossmutter Marlies Bucher, auch Sopranistin,  war ein gefeierter lokaler Bühnenstar der Sorser Operettenbühne. So spielte sie u.a.  bei der „Vogelhändler“ Inszenierung im Jahre 1946 die Kurfürstin und 1947 in „Der fidele Bauer“. Marlies Bucher als Annamirl, während ihr späterer Ehemann und folglich Grossvater von Regula Mühlemann, Franz  Schacher, den  Vinzenz gab. Und was sich, natürlich nach Wirrungen, damals auf der Bühne zusammenfand, tat es auch im realen Leben.

Dirigentin Isabelle Ruf zeigt ihren Mitmusikern wo und wie es lang geht
Dirigentin Isabelle Ruf zeigt ihren Mitmusikern wo und wie es lang geht

Zurück zum Gespräch:  Die beiden auf der Bühne warfen sich die Stichwörter und Pointen nur so zu, ein wahrhaftiges verbales Pingpongspiel auf hohem Niveau von grösstem Unterhaltungswert, trotzdem auch informativ. Beste Showtime auch in der Pause, was will man mehr!

Sehr Anspruchsvolles war auch im zweiten Konzertteil programmiert

Regula Mühlemann mit Olivia Allemann,rechts, auf der Bühne
Regula Mühlemann mit Olivia Allemann, rechts, auf der Bühne

Den Auftakt machte Regula Mühlemann mit „Als geblüht der Kirschbaum“ aus Carl Zellers „Vogelhändler“, also genau die Arie der Annemirl, die ihre Grossmutter vor 72 Jahren an gleichem Ort und Stelle gesungen hatte. Da kam nicht nur bei den Sorser Operettenurgesteinen Wehmut auf, auch andere haben manch Tränchen aus den Augenwinkeln gewischt, aber schlussendlich dann doch heftigst geklatscht. Das alles aber war beim darauf folgenden Auftritt eines wahren Operettenprinzen nur noch Makulatur.

Dann flog die „Fledermaus wieder auf der Bühne“

Die Surseer Operettengrössen übernahmen jetzt wieder den Lead, mit auch uns bekannten Melodien aus der Operetten Saison 2017. Also baten Serafin Heusser und Alexandre Beuchat „Kommt mit mir zum Souper“, während sich Olivia Allemann, Serafin Heusser und Regula Mühlemann danach beklagten: „So muss allein ich bleiben“, bevor ein Herr mit sehr hoher Stimme deklamieren würde: „Ich lade gern mir Gäste ein“.

Stefan Wieland in seiner Paraderolle als Prinz Orlofsky

Gelungen, Stefan Wieland ballt die Faust
Gelungen, Stefan Wieland ballt die Faust

Es scheint, als habe der Countertenor aus Luzern, mit der Rolle des Prinzen Orlofsky aus der „Fledermaus“, die er 2017 in der Surseer Operette innehatte, so etwas wie seine Paraderolle gefunden. Der quirlige Sänger schlüpft mit einer gehörigen Portion Schalk, Witz  und Einfühlungsvermögen in diese eigentliche „Hosenrolle“, die er mindestens so gut, wie eine ursprünglich von Strauss dafür vorgesehene Altistin, interpretiert, mit seiner einzigartigen  Stimme, die auch an der Hochschule Luzern geschult wurde. Jedes Mal, wenn er nur schon die Szene betritt, freut man sich auf ein paar aussergewöhnliche Minuten, für die er aber auch immer einen wahren Applaussturm ernten darf, was ihm wiederum stets ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert.

Regula Mühlemann als Unschuld vom Lande

Natürlich ist sie das nicht, sondern spielte und sang sie nur zu ihrem finalen Solo durch die Johann Strauss Melodie, die vor dem grossen Finale noch das Programmheft zierte. Diese Aufgabe löste sie natürlich glänzend, mit einer Lockerheit und Sicherheit, die man sonst von ihr gewohnt ist. Routiniert, deswegen aber nicht minder engagiert erlebten wir so „unseren“, fast ein bisschen hausgemachten Weltstar, der nach dem äusserst gelungenen Debut an der „Scala“, nun auch dasselbe an der „Scaletta“ absolviert hat.

Auch das Champagnerfinale fehlte nicht

Isabelle Ruf präsentiert stolz ihre grossartigen Weltklassesolisten
Isabelle Ruf präsentiert stolz ihre grossartigen Weltklassesolisten

Dann erfasste uns noch das berauschende Finale, wir befanden uns mitten „Im Feuerstrom der Reben“. Das Schlussbouquet, wieder dargebracht vom Gesamtensemble, versetzte das begeisterte Auditorium definitiv in Champagnerlaune, die sich schlussendlich von stürmischem Applaus, gewürzt mit Bravorufen, zu einer nicht enden wollenden stehenden Ovation entwickelte.

Toll, wir waren wiklicht gut
Toll, geschafft , wir waren wiklicht gut

Äusserst bewundernswert auch die Leistung von Isabelle Ruf mit ihrem Orchester, das ja nicht annähernd die personelle Grösse eines Opernorchesters hat, sondern eher die eines Kammerorchesters. Umso erstaunlicher, dass der tonale Teppich trotzdem genügend dicht ausgelegt war, auf dem die Sänger ihre Können demonstrieren konnten. Ich gestehe, ehrlich erstaunt gewesen zu sein, dass trotz überschaubarer Grösse des Surseer Hausorchesters,  Abstriche nur in quantitativer, nicht aber in qualitativer Hinsicht hingenommen werden mussten, so denn  Quantität überhaupt ein Kriterium gewesen sein sollte an einem überaus und in jeder Hinsicht gelungenen Abend, für den das Wort Weltklasse zurecht auf der Affiche stand. Gerne wieder einmal!

Ehrung für Regula Mühlemanns Gesangslehrerin und Mentorin Barbara Locher

Musiklehrerin Prof. Barbara Locher, links neben Regula Mühlemann von der Hochschule Musik Luzern freut sich über die Ehrung
Musiklehrerin Prof. Barbara Locher, links neben Regula Mühlemann von der Hochschule Musik Luzern freut sich über die Ehrung
Alois Koch laudatiert Barbara Locher
Alois Koch laudatiert Barbara Locher

Geehrt, laudatiert von Alois Koch musikalischer Experte, Professor und ehemaliger Rektor der Musikhochschule Luzern und Beirat Stadttheater Sursee, wurde am Schluss auch noch Mühlemanns Gesangslehrerin und Mentorin Prof. Barbara Locher von der Hochschule Musik Luzern. Dazu wurde die Geehrte auf die Bühne gebeten und gleichzeitig wurde verraten, dass sie ab sofort die Position als Beirätin am Stadttheater Sursee in Nachfolge ihres Laudators übernimmt.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos:  Roberto Conciatori

Junge Weltklasse in Sursee, Szenefotos von Roberto Conciatori in Diashowform:/http://fotogalerien.wordpress.com/2019/06/15/stadttheater-sursee-junge-weltklasse-in-sursee-regula-muehlemann-and-friends-ein-musikalisches-rendez-vous-14-juni-2019-besucht-von-leonard-wuest/

https://www.stadttheater-sursee.ch/willkommen/de/home

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