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Grand Théâtre de Genève Die Walküre, 13. Februar 2019, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Die Walküre Foto Carole Parodi , Grand Théâtre de Genève, Saison 2018-2019
Die Walküre Foto Carole Parodi , Grand Théâtre de Genève, Saison 2018-2019

Die Walküre Foto Carole Parodi , Grand Théâtre de Genève, Saison 2018-2019
Katja Levin (Gerhilde), Marion Ammann (Ortlinde), Lucie Roche (Waltraute), Ahlima Mhamdi (Schwertleite), Karen Foster (Helmwige), Héloïse Mas (Siegrune), Rena Harms (Grimgerde), Roswitha Christina Müller (Rossweisse)

Première journée en 3 actes du festival scénique Der Ring des Nibelungen de Richard Wagner
Livret du compositeur. Crée à Munich le 26 juin 1870 au Königliches Hof – und Nationaltheater.Reprise de la production de Dieter Dorn et Jürgen Rose (2013-14)
Direction musicaleGeorg FritzschMise en scèneDieter DornDécors & costumesJürgen RoseDramaturgieHans-Joachim RuckhäberleLumièresTobias LöfflerExpression corporelleHeinz Wanitschek

Orchestre de la Suisse Romande
Orchestre de la Suisse Romande

Siegmund Will Hartmann Wotan Tómas Tómasson Hunding Alexey Tikhomirov Sieglinde Michaela Kaune Brünnhilde Petra Lang Fricka Ruxandra Donose Gerhilde Katja Levin Ortlinde Marion Ammann Waltraute Lucie Roche Schwertleite Ahlima Mhamdi Helmwige Karen Foster Siegrune Héloïse Mas Grimgerde Rena Harms Rossweisse Roswitha Christina Müller

Orchestre de la Suisse Romande

Rezension:

Dirigent Georg Fritsch
Dirigent Georg Fritsch

Zur Wiedereröffnung des renovierten «Grand Théâtre» in Genf , durch die Renovierungsarbeiten bekam das von Jacques-Elisée Goss entworfene und 1879 eröffnete Gebäude eine neue Identität, wurde ab dem 12. Februar der «Ring des Nibelungen» geboten, eine Wiederholung der Inszenierung von Dieter Dorn und Günther Rose aus dem Jahr 2013/2014.

2. Abend Die Walküre

Die Walküre Foto CaroleParodi
Die Walküre Foto CaroleParodi

Der zweite Abend des Rings im Grand Théâtre mit der «Walküre» überzeugte mit fantastischen Stimmen und einer karg gehaltenen, aber stimmigen Bühnenausstattung, die berührende, bisweilen ergreifende Momente bescherte.Da ist nicht viel zu sehen, schwarze kistenähnliche Elemente werden herumgeschoben und grenzen so Räume ein oder öffnen sie. Die Esche mit ihren geschwungenen Tentakeln hat etwas Dinosaurierhaftes. Je nachdem wie das Licht einfällt, zieht sich eine breite klaffende Wunde über den Stamm bis hin zur Stelle, wo das Schwert steckt. Sonst ist da viel schwarze Leere. Wenn sich am Ende des ersten Auftaktes Siegmund und Sieglinde im hellen Schein des riesigen Mondes allein auf der grossen Bühne befinden und finden, gibt diese Leere der Szene eine eigene Dimension und erinnert zudem flüchtig an ein anderes, unglückliches Liebespaar.

Die Walküre Foto CaroleParodi
Die Walküre Foto Carole Parodi

Ein Haufen Platten in der Bühnenmitte, die teilweise an eingefallene Häuser nach einem Erdbeben denken lassen, symbolisieren Wotans Reich und werden schlussendlich zu Brünnhildes Grab. Eindrücklich die letzte Szene: schwarze Wände werden nach und nach um dieses Grab geschoben, züngelnde Flammen winden sich auf einem silbergrauen Vorhang in die Höhe, die Bühne wird in blutrotes Licht getaucht. Auf dem Grabhügel steht Wotan, in wallendem Mantel mit seinem Speer, zwar hoch aufgerichtet, aber sichtlich gebrochen und schmerzerfüllt, ein starkes Bild zum Abschluss dieser Walküre.


Grossartige Interpreten

Die Walküre Foto Carole Parodi
Die Walküre Foto Carole Parodi

Die Sängerinnen und Sänger, teilweise dieselben wie 2013/2014, überzeugten durchwegs. Alexey Tikhomirov als gewaltiger Hunding sang und spielte glaubhaft den Macho, provozierte mit seinem Messer, wetzte es an der Steinbank. Bedrohend und übergreifend beherrschte er die Szene und liess Sieglinde (Michaela Kaune) und Siegmund (Will Hartmann) nicht aus den Augen. Die zwei gaben ein glaubhaftes Geschwister- und Liebespaar. Hartmann schien sich im Lauf des zweiten Aufzuges stimmlich noch zu steigern, Kaune ist eine überzeugende, berührende Sieglinde. Petra Lang begeisterte als Brünnhilde, sei es als aufmüpfige Tochter Wotans, Verbündete Sieglindes und Siegmunds oder schlussendlich als zum Tode Verurteilte. Wenn sie allerdings im letzten Akt minutenlang auf dem Boden kniend und kriechend mit Wotan argumentiert, hat das etwas Unbeholfenes, was so gar nicht zu der starken, selbstbewussten Tochter Wotans passt. Stimmlich jedoch blieb sie konstant,  ein kraftvoller, strahlender, nie an Leuchtkraft verlierender Sopran.Herausragend auch Tómas Tómasson als Wotan, ein herrlicher Bariton mit unglaubliche Bühnenpräsenz. Er vollzog auf bestechende Weise die Wandlung vom stolzen Gott und Vater zum einsamen Mann, welcher an seiner Rolle und dem unbeugsamen Willen seiner Frau Fricka zerbricht. Nicht nur stimmlich gelang ihm das exzellent, sondern auch schauspielerisch. Ruxandra Donose als Fricka, eher zierlicher Gestalt, kompensierte dies mit stolzer Haltung und hocherhobenem Kopf, was ihr die nötige Unnahbar- und Unnachgiebigkeit verlieh. Es war ein durch und durch homogenes Ensemble, welches vom Orchestre de la Suisse Romande unter der Leitung von Georg Fritzsch subtil und mit viel Gefühl begleitet wurde. Das war nie laut, nie übergreifend, blieb lyrisch und trotzdem war da die Kraft und Energie Wagners zu spüren. Ein gelungener zweiter Abend, das Publikum dankte mit langanhaltendem Applaus.

Kleine Fotodiashow der Produktion  von Carole Parodi:

fotogalerien.wordpress.com/2019/02/17/grand-theatre-de-geneve-die-walkuere-6-februar-2019-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: www.geneveopera.ch

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Wiedereröffnung des Grand Théâtre de Genève, 12. Februar 2019, Gabriela Bucher – Liechti war für uns vor Ort

Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat
Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat

Eine ereignisreiche Wiedereröffnung. Zeitgemäße öffentliche Bereiche, 1000 m² mehr Fläche, restaurierte Foyers, neu freigelegte Marmorarbeiten, durchdachte Arbeitsbereiche … durch die Renovierungsarbeiten bekommt das von Jacques-Elisée Goss entworfene und 1879 eröffnete Gebäude eine neue Identität.

Bericht von Gabriela Bucher – Liechti:

Genf und sein neues «Grand Théâtre»

Letzter Feinschliff am Gebäude
Letzter Feinschliff am Gebäude

Nach 3 Jahren Bauzeit – plus etwas mehr wegen eines Wasserschadens – wurde am 12. Februar 2019 das Grand Théâtre de Genève wieder eröffnet. Grosse Feierlichkeiten waren nicht angesagt, kein roter Teppich ausgelegt, keine Fanfare aufgeboten. Das hat das Haus aber auch nicht nötig. Es steht stolz, majestätisch und glamourös auf der Place de Neuve und strahlt in seinem neuen/alten Glanz still und stilvoll vor sich hin.

Sorgfalt bis ins kleinste Detail

Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat
Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat

Olivier Gurtner, Pressechef des Grand Théâtre, erklärte den anwesenden Interessierten bei einem Rundgang durch die diversen Räumlichkeiten welche Arbeiten wie und warum ausgeführt worden sind. Drei Aspekte waren von zentraler Bedeutung bei der Renovation: Mehr Raum, mehr Sicherheit und der Erhalt des historischen Erbes. Nach dem Brand im Jahr 1951 fehlten einerseits die Mittel, um alles wieder so aufzubauen wie vorher, andererseits herrschte damals ein anderer Zeitgeist. Schlicht, modern und nüchtern musste es sein. Decken wurden mit Gips abgedeckt, Fresken übermalen, Parkett mit Teppichen belegt. Jetzt wurden die Kassettendecken wieder hervorgeholt und sorgfältig restauriert, die Teppiche entfernt und das Parkett nach Fotografien wieder hergestellt. Keine Mühen wurden gescheut, um die Räume in alter Pracht aufleben zu lassen. So wurde z.B. in dreitägiger Arbeit ein Spiegel entfernt, nur weil man darunter Fresken vermutete. Spezialisten wurden zugezogen für die diversen Arbeiten. Erinnerungen wurden wach an den Besuch der Baustelle vor ein paar Monaten, wo junge Restauratorinnen in Kleinstarbeit im grossen Foyer mit feinen Pinseln die Goldfarbe rund um die Spiegel nachmalten und halb kauernd halb liegend und mit Hilfe von Lampen die rote Farbe der Wände zuerst sorgfältig abmischten und dann über den Bodenleisten auffrischten.

Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat
Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat

Ein Raum ist schöner als der nächste. Die relativ kühl gehaltene Eingangshalle mit Marmor, Stuck und den Holztüren mit Messinggriffen geht über ins Atrium, ein wunderbar warmer, farbiger Saal mit der erwähnten Kassettendecke. Auf der «étage noble» kommt man zuerst ins Vorfoyer mit dem Parkettboden und den neuen Schallschutztüren, welche die Motive der Tapete des Foyer Lyrique aufnehmen. Das absolute Prunkstück des Hauses ist das grosse Foyer: Gold soweit das Auge reicht, zartrosa Töne, glitzernde Lüster die von den grossen Spiegeln ins Unendliche vervielfacht werden, wunderschönes Parkett, Deckenfresken, kurz ein Traum, in dem man nicht geht sondern wandelt. Der Ausblick auf die Place de Neuve mit ihrem Verkehr und auf den noch leicht schneebedeckten Salève wirkt irgendwie befremdlich und fast unnatürlich.

Alt und neu stehen sich gegenüber

Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat
Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat

Zu den neugeschaffenen Räumen, alles in allem 1000m2, davon 800 m2 für Sänger, Choristen, Tänzer und Statisten, gelangt man durch lange, verwinkelte Gänge, wo sich Wände von 1879 und 2019 gegenüberstehen. Da gibt es Proberäume, ein Personalrestaurant und ein Sitzungszimmer in luftiger Höhe. Raffinierte Lösungen bringen Tageslicht auch in die Räume unter der Erde. Fürs leibliche Wohl sind neue Bars entstanden, in zeitgemässem, klarem Design. In der Bar im Untergeschoss steht eine 27 Meter lange, goldene Messingtheke, verkleidet mit rohem Pressbeton, über welche sich drei Bögen spannen. Im dritten Stock erinnert die Sternendecke der Bar des Amphitheaters an die Decke im Zuschauerraum.

Die neue Milchstrasse

Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat
Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat

Im Zuschauerraum selber wurde wenig gemacht, die Lüftung wurde angepasst und die «voie lactée», die «Milchstrasse» wie die Genfer ihre Theaterdecke nennen,  ist mit LED-Lämpchen aufgerüstet und komplett computerisiert worden. Die Galaxie kann sich jetzt um sich selber drehen.

Und so sonnte sich das Haus an seinen Eröffnungstagen majestätisch im wunderbaren Abendlicht und öffnete seine Pforten für die Besucher des «Ring des Nibelungen». Mit gezückten Fotoapparaten wandelten diese staunend und bewundernd durch ihr neues «Grand Théâtre».

Kleine Fotodiashow des restaurierten Theaters von Fabien Bergerat:

fotogalerien.wordpress.com/2019/02/17/grand-theatre-de-geneve-kleine-fotodiashow-von-fabien-bergerat/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: www.geneveopera.ch

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Luzerner Sinfonieorchester, Die sieben Todsünden, KKL Luzern, Konzertsaal, 13. Februar 2019, besucht von Léonard Wüst

Nicola Benedetti Solistin Violine, Foto Simon Fowler
Nicola Benedetti Solistin Violine, Foto Simon Fowler

Besetzung und Programm:

Luzerner Sinfonieorchester

James Gaffigan, Leitung

Nicola Benedetti, Violine

Delia Mayer, Gesang

Die Singphoniker

Mona Petri, szenische Mitarbeit

George Gershwin (1898 – 1937)
«Cuban Overture»

Wynton Marsalis (*1961)
Konzert für Violine und Orchester in D

Kurt Weill (1900 – 1950)
«Die sieben Todsünden»

 

Rezension:

Dirigent James Gaffigan Foto Vera Hartmann
Luzerner Sinfonieorchester Foto Vera Hartmann

Am 6. November 2015 brachte Nicola Benedetti das eigens für sie komponierte Violinkonzert des Jazz-Trompeters Wynton Marsalis zusammen mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von James Gaffigan im Londoner Barbican Center zur Uraufführung. Eine Komposition, des aktuell populärsten Jazztrompeters, für ein klassisches Orchester, eine Programmation, die natürlich Aufsehen erregt und sehr neugierig macht.

Gershwins «Cuban Overture» als Verbeugung vor der kubanischen Musikkultur zum Auftakt

Dirigent James Gaffigan Foto Vera Hartmann
Dirigent James Gaffigan Foto Vera Hartmann

War dieRhapsody in Blue“, komponiert ca. ein Jahrzehnt zuvor noch ein klar nordamerikanisches Werk, vereint die „Cuban Ouverture“ bereits diverse amerikanische, sowie karibische Musikelemente, inklusive die vielen dafür typischen Schlaginstrumente der Rhythmussektion, wie das Tipani, Guiro, Maracas, Batá- und Yuka-Trommeln. Diese prägen auch heute noch die mitreissenden Rhythmen aus dieser Weltgegend. Dirigent James Gaffigan wusste den Steilpass von Gershwin zu nutzen und verwandelte, zusammen mit seinem Orchester, das Werk in eine wahre Fiesta, voller ansteckender Lebensfreude, die aber trotzdem immer ein Hauch Melancholie beinhaltete. Der optimale Auftakt in ein Konzert, das so ganz und gar nicht wie ein normales Sinfoniekonzert sein sollte. Stürmischer Applaus des Auditoriums war der verdiente Lohn für die Protagonisten.

Konzert für Violine und Orchester in D von Wynton Marsalis

Nicola Benedetti Foto Simon Fowler
Nicola Benedetti Foto Simon Fowler

In ihrer ersten Kadenz ließ die 32 jährige Schottin Nicola Benedetti eine Mischung aus wildem Sägen und zarten, hoch liegenden Melodiefäden zerreißen: Die ganze Komposition ist technisch sehr anspruchsvoll. Im zweiten Satz ertönte ihr Instrument Quietschen und Zwitschern über einem Wah-Wah-Bass, und es endete in einem schottischen Volkslied mit doppelter Violine. Der dritte Satz, eine Feier des Blues, fühlte sich als Herzstück der Arbeit an. Hier war Benedettis Spiel überzeugend idiomatisch, wenn es auch zeitweise einen Balkan-Anflug bekam; Obwohl Improvisation nicht auf der Speisekarte stand, fühlte sich dies improvisiert an.

Der Amazone wilder Ritt durch de Partitur

Nicola Benedetti und Wynton Marsalis
Nicola Benedetti und Wynton Marsalis

Benedettis funkelnde Performance packte das Publikum ebenso wie ihre Mitmusiker, brachte Dirigent James Gaffigan gar ab und zu zum Hüpfen auf seinem kleinen Dirigentenpodium. Die junge Solistin interpretierte das Werk als eine Liebesbeziehung zwischen ihr selbst und den Noten. Sie überragte die ungemein anspruchsvollen technischen Anforderungen mit einer strahlend hohen Lyrik, mal mit berührender Intimität, dann wieder mittels wütend rhythmischer Energie. All dies zelebriert auf dem perfekten Notenteppich, den das gut aufgelegte Orchester ihr ausbreitete. Trotz des eher generell konservativen Stils ist es ein sehr ehrgeiziges Werk, dessen schiere Länge zum absoluten Genuss wurde, so perfekt dargereicht von Nicola Benedetti und dem Luzerner Sinfonieorchester an diesem Abend, dass eine Steigerung nur schwer vorstellbar ist. Dieser Meinung war auch das gutgelaunte Auditorium, was sich in einer wahren Applauskaskade äusserte.

2. Konzertteil mit „Die sieben Todsünden“ von Kurt Weill

Delia Mayer, Gesang
Delia Mayer, Gesang

Das am 7. Juni 1933 am Théâtre des Champs-Élysées in Paris uraufgeführte Werk ist für den Zuhörer eine intellektuelle Herausforderung, verlangt höchste Konzentration. Die für den Gesang ( eher Sprechgesang) engagierte Delia Mayer, den meisten als Kommissarin Liz Ritschard aus dem Luzerner Tatort bekannt, platzierte sich, in eine rote Abendrobe gehüllt, etwas seitlich versetzt beim Dirigenten vor dem Orchester. Die Singphoniker, den Part der Familie singend, erschienen jeweils auf der Galerie unterhalb der grossen Orgel des gut besetzten Konzertsaales, wenn sie an der Reihe waren.

Delia Mayer als die doppelte Anna

Die Singphoniker
Die Singphoniker

Je nachdem, welche der zwei Schwesternrollen sie deklarierte, die selbstbewusste, oder die eher zurückhaltende, zerbrechliche Anna, posierte die Sängerin mal lasziv, die Robe bis an die Oberschenkel hochziehend, oder zierlich verstört auf dem Tisch liegend, der mit einem unschuldig weissen Tischtuch abgedeckt war, und, nebst einem Stuhl, als einziges zusätzliche Requisite auf der Bühne stand. Die Mimin setzte ihr ganzes schauspielerisches Können in die Rollen um, wirkte bei der starken Anna selbstbewusst in Mimik und Gestik, verstand es aber auch, die gegensätzliche Schwester verstört, gar ratlos erscheinen zu lassen. Die 7 Todsünden waren so unmittelbar greifbar, ersichtlich durch die starke Darstellung und erhörbar durch die kongenial strukturierte musikalische Darbietung der klassizistischen, damals typisch deutschen Komposition von Kurt Weill durch das Orchester unter dem souveränen Dirigat des wirbligen James Gaffigan. Das Publikum bedankte sich bei den Protagonisten mit langanhaltendem kräftigem Schlussapplaus. Die Umsetzung des Werkes von Kurt Weill liess entliess die meisten mit einer gewissen Nachdenklichkeit wieder ins normale Leben.

Nicola Benedetti on Wynton Marsalis‘ Violin Concerto 3rd Movement

/www.youtube.com/watch?v=dTU5bzrZ-zA

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home

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Paul Ott/Paul Lascaux:www.literatur.li

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Landestheater Innsbruck, Tanztheater Una noche elegante, 2. Februar 2019, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

anztheater, Una noche elegante Foto Rupert Larl
anztheater, Una noche elegante Foto Rupert Larl

Regie & Choreografie

Choreografische Assistenz
Dramaturgie

 

Rezension:

Eleganz in drei Variationen

Zur Ballettpremiere von «Una Noche elegante» war das Tiroler Landestheater in Innsbruck letzten Samstag ausverkauft. Kein Wunder, denn die Tanzcompany von Enrique Gasa Valga hat einen sehr guten Namen. Das bestätigt auch die Tatsache, dass sich fürs nächste Vortanzen Ende Februar 400 Tänzerinnen und Tänzer angemeldet haben

Übung für Musikalität

Oktett Addison Ector, Balkiya Zhanburchinova
Oktett Addison Ector, Balkiya Zhanburchinova

Eine «elegante» Nacht also, mit Choreografien von Jiří Kylián, Uwe Scholz und Nacho Duato. Den Auftakt macht «Un Ballo» von Jiří Kylián. Dieser nannte sein Stück «Übung für Musikalität und Sensibilität zwischen männlichen und weiblichen Partnern» und erklärte, «Es ist ein Tanz zur Musik, nicht mehr». Der Bühnenhimmel hängt voller Kerzen, darunter stehen 7 Paare, immer wieder tritt eines davon in den Vordergrund. Dann wieder bewegen sich alle gemeinsam zu Ravels «Le Tombeau de Couperin“ und «Pavance pour une infante défunte». Die Kostüme sind in grau-anthrazit gehalten, die Röcke der Tänzerinnen wunderbar fliessend. Ab und an spielen sie kokett damit und erzeugen so spezielle Bilder. Eine Ode an den Tanz, die Paare sind in konstantem Zwiegespräch, das ist poetisch, ab und zu witzig und Tanzlust und Freude am Interpretieren der Musik sind sicht- und spürbar an diesem Abend.

Klassische Eleganz

POR VOS MUEROFederico Moiana, Lara Brandi, Martin Segeťa
POR VOS MUEROFederico Moiana, Lara Brandi, Martin Segeťa

Eine ganz andere Eleganz in «Oktett» von Uwe Scholz zu Musik von Mendelssohn Bartholdy. Eingangs ertönt die Stimme der Tänzerin Christine Jaroszewskis, für welche Scholz damals den Solopart des Balletts choreografiert hatte. Sie erzählt von der Entstehung des Stücks und von ihrer Zeit mit dem 2004 viel zu früh verstorbenen Choreografen, was dem Publikum eine andere Dimension zeigt, einen anderen Zugang zum Stück erlaubt. Auch Scholz interpretiert die Musik bis ins Kleinste, wiederholt Bewegungsabläufe im Rhythmus der sich wiederholenden Musiksequenzen. Hier wird aber klassisches Ballett getanzt, Spitzentanz für die Tänzerinnen, Sprünge, Pirouetten für die Tänzer, anspruchsvoll und auf höchstem Niveau. Die Tänzerinnen wirken fragil in ihren blassgelben Kleidern, wie Schmetterlinge, mit auffallend grazilen, anmutigen Armbewegungen. Die Tänzer kraftvoll, leicht gewöhnungsbedürftig für Liebhaber des modernen Balletts die enganliegenden weissen Pantalons, klassisch eben. Es wird eine Geschichte über Beziehungen und Freundschaften erzählt, die Paare finden und verlieren sich, als könnten sie weder miteinander noch ohne einander. Sie nehmen die Bühne mal von rechts, mal von links ein, in verschiedenen Formationen. Auch hier viel Tanzlust, ein fulminanter Schlussakt, die Emotionen aber auf einem anderen Niveau, etwas verhaltener, auch hier klassisch eben

Archaisch und modern zugleich

Yulian Botnarenko, Balkiya Zhanburchinova, Addison Ector
Yulian Botnarenko, Balkiya Zhanburchinova, Addison Ector

Nach der Pause folgt «Por vos muero» von Nacho Duato. Hier zeigt sich wiederum, was zeitgenössischer Tanz kann: Die Bewegungsabläufe sind beinahe unerschöpflich, die Ausdrucksmöglichkeiten dadurch so vielfältig, es ist wie eine Befreiung. Die Körper umspielen sich und fliessen ineinander, da ist Rhythmik, Poesie und eine herrliche Leichtigkeit. Anfänglich tragen die Tänzerinnen und Tänzer hautfarbenen Trikots, danach dunkle, samtene Gewänder, renaissance-artig in dunklen Blautönen. Teils tanzen sie zu spanischer Musik aus dem 15. und 16. Jahrhundert, teils zu Gedichten von Garcilaso de la Vega. Das ist archaisch und trotzdem modern, das lebt, pulsiert, fliesst.

Oktett Chiara Ranca, Mingfu Guo, Maria Pilar Sanchéz, Gabriel Marseglia, Balkiya Zhanburchinova, Addison Ector
Oktett Chiara Ranca, Mingfu Guo, Maria Pilar Sanchéz, Gabriel Marseglia, Balkiya Zhanburchinova, Addison Ector

Die Tanzcompany des Tiroler Landestheater überzeugt in allen drei Choreografien und zeigt sich auf der Höhe im klassischen wie im zeitgenössischen Tanz. Das Publikum war begeistert und spendete langanhaltenden Applaus. Die «elegante Nacht» ist ein gelungener Mix aus Moderne und Klassik und bietet für alle etwas, dies noch bis Ende Juni im Tiroler Landestheater im Grossen Haus

Text

www.gabrielabucher.ch

Kleine Fotodiashow der Produktion von Rupert Larl:

fotogalerien.wordpress.com/2019/02/03/landestheater-innsbruck-una-noche-elegante/

Fotos Rupert Larl

www.haus-der-musik-innsbruck.at

 
 
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