Produktion und Besetzung: Regie: Heike M. Goetze Bühne und Kostüme: Heike M. Goetze Licht: David Hedinger-Wohnlich Dramaturgie: Dominik Busch Daniel Nerlich (Lear) Martin Carnevali (Gloucester) Thomas Douglas (Narr) Christian Baumbach (Kent) Sebastian Schulze (Edmund) Hugo Tiedje (Edgar) Zoe Hutmacher (Goneril) Dagna Litzenberger Vinet (Regan) Marta Rosa (Cordelia) Max Rüfle (Alter Mann, Statist)
Der Herbst zeigt sich bereits in den kräftigsten Farben, lässt das Grün so intensiv erscheinen, dass ich mich in Irland wähne und meine Gedanken um all das Schöne, das sich mir in meinem Umfeld bietet, kreisen. Für heute steht ein Besuch im Luzerner Theater zu William Shakespeare’s Stück «KING LEAR» an.
Schon geerbt? Nein? …dann sehe ich SCHWARZ…
King Lear Szenenfoto von Ingo Hoehn
Dieses sehr imposante Werk – um nicht zu sagen dieser Koloss – vom grossen Meister um 1600 geschrieben, feiert Premiere! Mit dem Inhalt des Stückes vertraut, bin ich gespannt, wie die Truppe unter der Regie von Heike M Goetze, die gewählte Neuübertragung von Miroslava Svolikova umsetzt.
Lockdown und seine möglichen Folgen
King Lear Szenenfoto von Ingo Hoehn
Um in den Genuss dieser Aufführung zu gelangen, musste ich mich der Zertifikatspflicht unterziehen. Zeigte sich hier nicht eine erste Parallele zu Shakespears Stück? Grassierten in dieser Zeit nicht Pestzüge in Europa und schickten die Menschen auch in eine Art Lockdown? Will heissen, dass auch damals aus Angst vor Ansteckungen soziale Kontakte reduziert wurden und die Gesellschaft prägten, veränderten?
Schwarz dominiert
King Lear Szenenfoto von Ingo Hoehn
Gleich von Beginn an werde ich in den Bann der Geschichte gezogen. Düster, wenig Licht und wenn Licht, dann für sehr ausgewählte Szenerien, so versuche ich dem Geschehen zu folgen. Nichts erinnert mich an meine Eindrücke der kräftigen Herbstfarben. Im Gegenteil: Schwarz und Leder dominieren und verleihen der Szenerie etwas Gespenstisches, Surreales! Schon mit den ersten Sätzen Lears zeigen sich liebgewonnene Eigenschaften des Menschen: Macht, Ansehen und geliebt werden!
Macht ist geil…
King Lear Szenenfoto von Ingo Hoehn
Anfänglich etwas irritiert, dass der «alte König» mit einer im besten Alter lebenden Person UND seinem Spiegelbild als alten Mann dargestellt wurde, mache ich mir erste Gedanken über Machtansprüche und Machtabgabe in unserem Leben. Wann ist der richtige Zeitpunkt seine Macht abzulegen? Als Mensch habe ich ja die Möglichkeit, mich in die Vergangenheit zu begeben, Lehren zu ziehen, daraus Strategien abzuleiten, wie es in Zukunft weitergehen soll und so eigentlich auch meinen Abgang und die Stabsübergabe zu planen. Doch will das der Mensch überhaupt? Oder ist er schlicht zu verliebt in all die Möglichkeiten damit zu «spielen»? So ertappe ich mich im momentanen Zeitgeschehen, welches sich im Grundsatz nur sehr wenig von den damaligen überzeugten Herrschern wie er von King Lear dargestellt wird, unterscheidet. Da fallen mir die Namen vieler Weltpolitiker ein, die so von sich überzeugt sind, dass sie den Anspruch auf Unersetzlichkeit reklamieren…
Abgründe des Menschen werden sicht- und schmerzlich spürbar
King Lear Szenenfoto von Ingo Hoehn
Das Stück nimmt weiter Fahrt auf, zeigt die zerstörerische Kraft des Geliebtsein-Wollens indem die Hauptfigur seine Lieblingstochter, die ihm vordergründig die Liebe verweigert, verdammt und sie so letztlich in den Tod stösst. Durch die Aufteilung seines Reiches unter die beiden ältesten Töchter begibt er sich unbemerkt in deren Abhängigkeit und muss erleben, dass er letztlich alles verliert und in den Wahnsinn getrieben wird. Gleichzeitig erlebe ich in einer Parallelhandlung wie in der Familie des Grafes Glosters, einem alten Vertrauten Lears, weitere Intrigen, angetrieben vom unehelichen Sohn Edmund, vorangetrieben werden. Die Klaviatur des Täuschens, der fake News und der Ausnützung der Beteiligten wird in Perfektion gespielt und führt mir vor Augen, wozu der Mensch fähig sein kann, wenn er von seinen Wahnideen besessen ist. Dass Graf Gloster erst nach der Beraubung seines Augenlichts realisiert, dass er nun sehend ist und feststellen muss, dass er auf die falschen Freunde und Personen gesetzt hat lässt mich sehr nachdenklich werden. Getoppt wird das Ganze dann noch durch die Vergiftung Regans durch ihre Schwester Goneril!
Zu späte Einsicht
Vollends düster wird es dann, als der sterbende Edmund sein schlechtes Gewissen beruhigen möchte und versucht, seinen Tötungsauftrag für Gordelia und Lear rückgängig zu machen, was scheitert. Für beide kommt dieses Ansinnen zu spät…
Shakespears Tragödie führte mich in die dunkelsten Abgründe des Menschen. Sie zeigt Menschen, die den Vergleich eines Tieres auf zwei Beinen rechtfertigen. Zum Glück spielt die Geschichte aber in einer Zeit, die längst der Vergangenheit angehört…. Oder lassen sich da nicht auffällig viele Parallelen zum Hier und Jetzt ziehen? Beeindruckt von der schauspielerischen Leistung aber nachdenklich über das Gesehene verlasse ich diese reale Kunstwelt und freue mich, wenn ich mit meinen Augen «sehend» das Leben erfahren darf!
Besetzung und Programm: Bamberger Symphoniker Jakub Hrůša Dirigent Juliane Banse Sopran Ilya Gringolts Violine
Iris Szeghy (*1956) Offertorium für Sopran und Orchester nach einem Gedicht von Emily Dickinson Uraufführung
Beat Furrer (*1954) Konzert für Violine und Orchester Schweizer Erstaufführung
Miroslav Srnka (*1975) move 01-04 für Orchester Erste Gesamtaufführung aller bestehenden Teile (move 01-03 in revidierten Fassungen, Erstaufführungen)
Die Orchestermitglieder hatten sich auf der Bühne eingerichtet und stimmten ihre Instrumente, bevor sich Juliane Banse, die in Zürich aufgewachsene Sopranistin und der 1981 im tschechischen Brno geborene Dirigent Jakub Hrůša dazugesellten, beide mit «Coronamaske» dekoriert., wie sie auch die ca. 900 Besucher tragen mussten. Im Konzertsaal anwesend waren auch, nebst Festivalintendant Michael Häfliger, Komponist*innen zeitgenössischer Musik, u.a. Wolfgang Riehm und die drei Schöpfer*innen der an diesem Abend aufzuführenden Werke.
Offertorium für Sopran und Orchester nach einem Gedicht von Emily Dickinson Uraufführung
Juliane Banse Sopran Foto Elsa Okazaki
Unter Offertorium versteht man den liturgischen Gesang zur Gabenbereitung bei der heiligen Messe. Musikalisch charakterisiert Iris Szeghy ihr Werk als «eine ruhig fliessende, aber dennoch expressive Meditation mit ein paar kleinen Steigerungen». Dynamisch sehr zurückgenommen, das Stück beginnt im dreifachen Piano und endet ebenso leise sind es auch hier die verhaltenen Töne, die vorherrschen. Der Orchestersatz erscheint konzentriert, äusserst dicht gearbeitet mit einem stark polyphonen Liniengeflecht, das den Fluss der melodischen Linie nie überdeckt, sondern meist zart und einfühlsam kontrapunktiert.
Bewegende Uraufführung
Ursprünglich sollte bei Lucerne Festival ihr 2018 vollendetes Requiem für Solisten, gemischten Chor und Orchester zur Uraufführung kommen, ihre bislang umfangreichste Komposition. Doch da pandemiebedingt auf den Einsatz von Chören verzichtet werden muss, hat Szeghy den vierten Satz, das Offertorium, zu einem selbständigen Werk ausgearbeitet. Das Stück basiert auf einem Gedicht von Emily Dickinson, das die Botschaft des herkömmlichen Offertoriums aus der lateinischen Totenmesse gewissermassen auf den Kopf stellt. Wird dort um den Schutz der Seele eines Verstorbenen gebeten, so beschreibt die amerikanische Dichterin dagegen eine Situation von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit: den erfolglosen Versuch, bei Jesus Aufnahme zu finden.
Fast schon eine sakrale Darbietung
Die Sopranistin intonierte das feierliche Werk äusserst einfühlsam, streichelte die Noten sanft mit ihrem weichen Timbre, ohne dabei energielos zu wirken. Das relativ gross besetzte Orchester unterstützte sie dabei sehr zurückhaltend und behutsam, unter dem diskreten Dirigat ihres tschechischen Leiters. Das Auditorium belohnt dieses fast sakrale Tongemälde mit ausgiebigem Applaus und Bravorufen, den auch die auf die Bühne geholte Komponistin geniessen durfte.
Beat Furrer Konzert für Violine und Orchester Schweizer Erstaufführung
Beat Furrer, der Erfinder der Eruption
Der gebürtige Schaffhauser Furrer nennt sein komponieren: ‹Musik denken›. Klang ist natürlich ein physisches Ereignis, es gibt eine konkrete Vorstellung von Klang. Aber es gibt eben auch ein Denken darüber, den Versuch, das zu fassen. Und Denken geschieht ja mittels der Sprache. Das ist ein Grenzbereich. Furrer weiter: ‹Musik denken› ist vielleicht etwas zwischen formal logischem Denken und Klang erleben. Ich glaube, das ausgetüfteltste formale Konzept wäre ohne das physische Erfahren von Klang völlig wertlos.» Doch auch Stille hat bei Furrer ihren Platz: «Jedes Verklingen eines Tones ist bereits ein Drama für sich», erklärt er. Dieses Erfahren von Klang ist für Furrer allerdings keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Innehalten, Nachhorchen, Neuansetzen, Verharren — das sind typische Verfahrensweisen in seinem Umgang mit musikalischem Material.
Komposition für den Geiger Ilya Gringolts
Ilya Gringolts war Solist in Beat Furrers Violinkonzert
Dieses Werk schuf Furrer für den Solisten Ilya Gringolts, der es zusammen mit dem Münchener Kammerorchester am 15. Oktober 2020 im Prinzregententheater unter der Leitung von Clemens Schuldt in der bayerischen Hauptstadt uraufführte. Der erste, zehnminütige Satz besitzt eine Bogenform, die vom Nahezu-Stillstand und einem harmonischen Schweben mit einer faszinierenden, oftmals geräuschhaften Struktur in die Getragenheit zurückkehrt, während der Mittelteil der Geige bewegte, fast “klassische” Figurationen erlaubt, die beinahe erzählerischen Charakter besitzen. Der siebenminütige zweite Satz ist eine vielfältig schillernde, ungemein spannende Eruption, und die letzten drei Minuten haben die Funktion einer Coda.
Jeder Ton, jede Harmonie, alles Mikrotonale und jedes Glissando haben in diesem Werk seinen exakten Platz. Die Präzision und Intensität, mit der die Bamberger und der technisch wie musikalisch absolut souveräne Ilya Gringolts die Partitur durch-leuchten und zum Ereignis machen, lässt dem Hörer keinen Augenblick des Abschweifens. So unmittelbar und zwingend muss zeitgenössische Musik sein.
Die ungewohnten Töne irritierten zwar etwas das harmoniesüchtige Musikgehirn der meisten Zuhörer, denen Mozart doch näher ist als etwa Schönberg oder Stockhausen, aber der furiose Applaus und viele Bravorufe bezeugten, dass das Auditorium sehr wohl auch «neue» Musik zu schätzen und würdigen weiss. Auch Komponist Beat Furrer betrat die Bühne und wurde klatschend gefeiert.
Miroslav Srnka move 01-04 für Orchester. Erste Gesamtaufführung aller bestehenden Teile (move 01-03 in revidierten Fassungen, Erstaufführungen)
«In moves», so Srnka, «verfolge ich das Konzept eines organischen Klangstroms in einem raffiniert kontrollierten Strukturnetz, das auf einer Kurve aus der Vektorbeschreibung basiert, die von den französischen Mathematikern Pierre Bézier und Paul de Casteljau für das Design französischer Autokarosserien entwickelt wurde.
Näheres zum Komponisten
Miroslav Srnka
Seine Oper South Pole, uraufgeführt 2016 an der Bayerischen Staatsoper München unter Kirill Petrenko, inszeniert von Hans Neuenfels und mit Rolando Villazón und Thomas Hampson in den Titelrollen, brachte Miroslav Srnka den internationalen Durchbruch. Bereits zuvor wurde er mit bedeutenden Kompositionsaufträgen und Preisen, u.a. dem Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung 2009, ausgezeichnet Bewegung deutet der Prager Komponist in seinem vierteiligen Werk nicht nur musikalisch, sondern auch physisch – als Spielbewegung der Musiker. Die Struktur für ein Werk müsse sich ein Komponist heute selbst vorgeben, sagt Srnka.
Jakub Hrůša dirigiert die Bamberger Symphoniker Foto Patrick Hürlimann
Die Doppeldeutigkeit von «move», also Bewegung, erläutert er so: «Die erste Deutung liegt in der Bewegung als Struktur: Mit musikalischen Mitteln, beispielsweise mit der Gestalt eines polyphonen Schwarms, wird eine bewegte, changierende dreidimensionale Struktur suggeriert, die etwa an Vogelschwärme erinnert. Die zweite Deutung bezieht sich auf die Bewegungen der Musiker*innen, mit denen sie physisch den Klang erzeugen.»Die Partitur lässt das Orchester akustische Vogelschwärme unorthodox durch den Saal schwirren, vielschichtig und ungeordnet, aber nicht disziplinlos. Eine äusserst eigenwillige, spannende Komposition, fernab ausgetrampelter, konventioneller und traditioneller Vorgaben. Jakub Hrůša dirigierte das Werk ganz im Sinne des Komponisten, mit vollem Körpereinsatz und totaler Emotionalität, was besonders beim Finale durchschlug.Ich kenne kein anderes zeitgenössisches Werk, das auch nur annähernd ein solch dramatisches, aufwühlendes Finale hat. Das war ein ununterbrochenes tonales Petting, das in einem akustischen Orgasmus explodierte. Dirigent Jakub Hrůša liess sich ungehemmt mitreissen, juckte und sprang auf seinem Podium auf und ab.
Dass zeitgenössische Musik, so souverän vorgetragen, begeistert, bezeugten, nebst dem stürmischen Applaus jeweils am Ende der Werke, auch die Bravorufe, die ebendiese garnierten.
Produktion: Musikalische Leitung: Stefan Schreiber Regie: Lydia Steier Mitarbeit Regie: Matthias Piro Bühne: Barbara Lenartz , Sophia Schneider Kostüme: Jennifer Mosen Choreografie: Luca Signoretti Dramaturgie: Lars Gebhardt , Johanna Mangold Choreinstudierung: Mark Daver
Besetzung: Eyrún Unnarsdóttir Solenn’ Lavanant Linke Marcela Rahal Ziad Nehme Sebastià Peris Rainer Zaun Christian Baumbach Hugo Tiedje Raphael Schmitz TanzLuzern: Carlos Kerr Jr. , Dario Dinuzzi , Valeria Marangelli , Lisa Gareis , Phoebe Jewitt , Igli Mezini , Flavio Quisisana , Mathilde Gilhet , Mathew Prichard , Gabriele Rolle , Marija Burceva , Marta Llopis MolláChor des LTEnsemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO; Chloë Abbott, Jack Adler-McKean, Alice Belugou, Carlota Cáceres, Lucia Carro Veiga, AntoiLuzerner Sinfonieorchester (Einspielung)
Allgemeiner Prolog zum «Staatstheater»
Staatstheater Szenenbild von Ingo Hoehn
Regisseur Jürgen R. Weber über Mauricio Kagels provokative szenische Komposition „Staatstheater“. Bombendrohung vor der Uraufführung 1971 in Hamburg: Die anonyme „Aktionsgemeinschaft junger Freunde deutscher Opernkunst“ zeigte sich im Jahr 1971 nicht erfreut über die in Hamburg angekündigte Uraufführung von Mauricio Kagels „Staatstheater“ und artikulierte dies wenig zimperlich in einer Bombendrohung. Von dem angekündigten Attentat sollte die eilig unter Polizeischutz gestellte Hamburgische Staatsoper zwar verschont bleiben, aber das Stück selbst sorgte dann doch für erhebliche Erschütterungen in der Opernwelt. Denn es stellte in seinem anarchischen Furor die Gattung selbst radikal in Frage. Doch wenn Intendant Rolf Liebermann später gefragt wurde, was denn das wichtigste Werk unter all den vielen Neuheiten an seinem Haus gewesen sei, fiel seine Antwort immer gleich aus: „Staatstheater“ von Mauricio Kagel.
Rezension:
Staatstheater Szenenbild von Ingo Hoehn
Die erste Produktion unter der neuen Intendantin des Luzerner Theaters Ina Knarr, mit dem Stück «Staatstheater» (deklariert als: Oper, Tanz, Schauspiel) von Mauricio Kagel, macht die Essenz des Theaters, das Theaterspielen selbst, zum Thema und spielt gleich an drei Orten. Es beginnt auf der Theaterbühne, das Ensemble disloziert gemeinsam mit dem Publikum zur Franziskanerkirche in Form einer Prozession und dort findet das Ganze auch seinen Abschluss.
Wenn man Regeln aufstellt, sich aber selbst nicht daran hält
Staatstheater Szenenbild von Ingo Hoehn
Die Luzerner Theatermacher gehen auf Nummer sicher, ganz nach dem Motto: doppelt genäht, hält besser! So gilt da nicht das übliche 3G, sondern G und M ist doch, neben dem Vorweisen eines Corona Zertifikats, auch das Maskentragen im ganzen Haus obligatorisch. Umso erstaunlicher, gar ärgerlich, wenn dann praktisch während der ganzen Dauer der Einführung von ca. 45 Minuten die im Foyer wohl am meisten beobachteten Personen, Stadtpräsident Beat Züsli, wie auch Stiftungsratspräsidentin Birgit Aufterbeck-Sieber und die neue Intendantin Ina Karr nach ihren Ansprachen die Masken nicht mehr trugen, im Gegensatz zu dem ebenfalls anwesenden Altbundesrat Moritz Leuenberger, der den Luzernern die Ehre seines Besuches erwies und für einmal nicht rebellisch, sondern folgsam war.
Einführung und Begrüssungsapéro
Staatstheater Szenenbild von Ingo Hoehn
Die Stiftungspräsidentin hiess im sanft aufgefrischten Foyer die Premierenbesucherinnen willkommen, stellte die neue Intendantin kurz vor, erwähnend, dass die Verpflichtung der renommierten, vielbeschäftigten Theaterfrau nicht ein ganz einfaches Unterfangen gewesen sei und man jetzt sehr optimistisch sei, mit Ina Karr die richtige Person für eine erfolgreiche Zukunft ins Boot, respektive ins Theater, geholt zu haben. Stadtpräsident Züsli war in seinem kurzen Statement zuversichtlich, dass die kommenden politischen Hürden für einen ev. Neubau, respektive eine Totalsanierung des nicht mehr zeitgemäßen Luzerner Theater überwunden werden und mit dem dann geplanten Architekturwettbewerb ein weiterer großer Schritt in die richtige Richtung getan werden könne. Dann begab man sich gespannt in den Theatersaal um das von Operndirektorin Lydia Steier aufbereitete Werk zu geniessen.
Kann man ein Theaterstück machen, wenn es dafür gar keine Geschichte gibt?
Staatstheater Szenenbild von Ingo Hoehn
Das Werk negiert alles, was Oper ausmacht: Es gibt kein klassisches Libretto, keine Handlung, weder große Arien noch ein begleitendes Orchester.
In Corona-Zeiten wichtig: In Kagels „Staatstheater“ bleibt der Orchestergraben leer. Die Musiker agieren wie alle anderen Beteiligten auf der Bühne. Und die Chorepisoden kommen — wie bei der Uraufführung — von Band.
Staatstheater Szenenbild von Ingo Hoehn
Genau das machen die Luzerner Theaterschaffenden. Nach der ausführlichen Einführung und Begrüßung im neugestalteten Theaterfoyer startet das Staatstheater im Theatersaal mit den Zuspielungen von 13 verschiedenen Videoclips aus drei, mobil in der Stadt platzierten Containern, auf die auf der Bühne aufgestellte Leinwand. Diese, teils Slapstick artigen Short Stories bringen zum Schmunzeln, erzeugen teils auch Gelächter. Da domptiert eine Cleopatra ähnliche Dame, auf dem Thron sitzend, nicht nur Geparde, sondern auch zwei, in Ketten gelegte Sklaven, mit passend unterlegtem Soundtrack von Kettengerassel. Mal imitiert eine Dragqueen am Mundstück einer Tuba eine Fellatio. Ein anderer Clip zeigt eine überdimensionierte Vulva, aus der nach etlichen Wehen, ein knallrotes Baby flutscht.
Staatstheater Szenenbild von Ingo Hoehn
Anschliessend bevölkern bekannte Figuren aus Schauspielen und Opern die Bühne, die sich gegenseitig den Platz streitig machen. So versucht z.B. Hamlet schon fast verzweifelt, endlich seinen Monolog vom „Sein oder Nichtsein anzubringen, wobei ihm gar ein Stück der Rüstung nach dem andern scheppernd zu Boden fällt. Zudem verhindern die andern, etwa Mozarts Papageno und Wagners Siegfried böswillig all seine weiteren Versuche. Jede probiert sich irgendwie in Szene zu setzen und sich so Beachtung beim Publikum zu sichern. Da entert auch noch Lohengrin die Bühne, nicht ohne seine Schwäne, die aber nicht aus dem Luzerner Seebecken stammen (Erleichterung bei Tierschützern), sondern wahrscheinlich aus einem Spielzeugladen, da aus Kunststoff mit zeitgemäßem Elektroantrieb und ferngesteuert. Figuren aus der griechischen Mythologie fanden auf der Bühne ebenso ihren Platz wie Geschöpfe aus der Commedia dell`Arte. Ein besonders eifriger Clown schlägt das Rad, macht Kapriolen, so um Anerkennung und Beachtung werbend. Die beiden Mariachi, die ihr «La Cucaracha» einfach nie anstimmen konnten usw.
Lohengrins Schwäne rollen durch barocken Kulissenzauber
Ein „Erklärer“ versuchte dann, dem Auditorium die Fassung von Regisseurin Lydia Steier näher zu erläutern, dies im Ringen um des Publikums Gunst mit einem Tanzpaar, das gleichzeitig einen „Pas de deux“ aufs Parkett zauberte. Anyway, eigentlich wollte man ja auch nichts erklärt haben, da es möglicherweise gar nichts zu erklären gibt.
Kurz darauf wurden wir des Saales verwiesen! Nicht etwa, weil wir uns nicht Coronaconform verhalten hätten, sondern weil das Stück in der Franziskanerkirche fortgesetzt werden würde.
Nein, es war kein Demonstrationszug des KKK vom Luzerner Theater zur Franziskanerkirche
Auf dem Weg zur Franziskanerkirche Foto Ingo Hoehn
So versammelten sich alle auf dem Theaterplatz, wo die Chormitglieder aufgereiht waren zur nun folgenden Prozession. Auf einer Trage, ähnlich der biblischen Bundeslade, wie sie in südlichen katholischen Ländern wie Italien und Spanien in Karwochen Prozessionen, also während der „seemana santa“, üblich sind wurde ein Modell des Luzerner Theaters zur Franziskanerkkirche getragen.
Wenn die Roben und Kapuzen weiss gewesen wären, hätte man es, bei oberflächlichem Hinsehen, tatsächlich für einen Umzug des berüchtigten Ku-Klux-Klans halten können, diese Dislokation der Akteurinnen und Besucherinnen vom Luzerner Theater zur Franziskanerkirche, anlässlich der schweizerischen Erstaufführung der Produktion «Staatstheater». Alsbald setzte sich der Zug, an dessen Spitze ein Bischof das Tempo diktierte, Richtung Kirche in Bewegung, die Akteure voraus, das Fussvolk, also wir, folgsam hinterher.
Höllenspektakel ausgerechnet in einer Kirche
Auf dem Weg zur Franziskanerkirche Foto Ingo Hoehn
Die Mitglieder des Chors des Luzerner Theaters intonierten in der Franziskanerkirche, immer noch in die Roben des Umzugs der «Semana Santa» gehüllt, nun aber mit Halbmasken, statt Kapuzen, die überaus anspruchsvollen, aber eigentlich sinnfreien Vokalisen Kagels, wofür sie sich einzeln in der ganzen Kirche verteilt aufstellten, in deren Zentrum eine Art Laufsteg, wie für einen Catwalk aufgestellt war. Auf diesem präsentierten sich dann in lockerer Folge die vorher schon im Theatersaal agierenden Opern- und Schauspielfiguren von Hamlet über Lohengrin und Papageno bis zu Wagners Siegfried usw., wobei diese Rollen nicht spezifisch einem Geschlecht zuzuordnen sind, also genderkonform. Einige durften sich gar auf der Kanzel produzieren. Die alles zu den seltsamen Kunstklängen des argentinischen Komponisten, ergänzt durch Schlagwerk und Bläser Klänge. Kakophonisch, wie von Luzerner Guugen an der Fasnacht gewohnt.
Güdismontagtrubel in der Franziskanerkirche
Szenenfoto aus der Franziskanerkirche Foto Ingo Hoehn
In der Kirche herrschte tatsächlich eine Atmosphäre wie an der Lozärner Fasnacht vor Corona. Die Ereignisse überschlugen sich, die Figuren wie vorher auf der Theaterbühne, wollten sich auch hier mit ihren Darbietungen wieder den Rang ablaufen. Dies sogar im wörtlichen Sinn, huschten sie doch durch die Kirchengänge und über den Laufsteg, gehetzt von Mephisto und gelockt von einer sexy Madonna mit gut sichtbaren Strumpfbändern.
Es ging zu wie im «hölzige Himmel» wie wir Lozärner zu sagen pflegen
Szenenfoto aus der Franziskanerkirche Foto Ingo Hoehn
Obs der Faust`sche oder Mann’sche Mephisto ist und obs die biblische oder die Popmadonna ist, bleibt auch ungeklärt wie so vieles in diesem Spiel, das, obwohl so völlig schräg und vor allem ungewohnt, die Zuschauerinnen voll begeisterte, was sich im nicht enden wollenden Schlussapplaus klar definierte. Die Akteurinnen boten ein aussergewöhnliches Spektakel, ein Feuerwerk an Spielfreude und Ausgelassenheit.
Szenenfoto aus der Franziskanerkirche Foto Ingo Hoehn
Die neue Intendanz startete fulminant stürmisch, gewagt, aber auch gekonnt in eine neue Ära, die Aussergewöhnliches verspricht und, so meine Überzeugung, auch halten wird. Der Start jedenfalls war vielversprechend und macht «Gluscht» auf mehr. Wenn sich solch Grandioses in einigermassen absehbarer Zukunft.auch noch in einem würdigen Gebäude darbieten liesse, ist dem Luzerner Theater ein Platz auf dem nationalen Podium sicher, vielleicht gar zuoberst, wer weiss.
Was kann ich mit diesem Gemüse kunterbunt alles zubereiten? Kann man ein Ratatouille auch im Ofen garen? Welch eine Wonne mitten in der Frischgemüse Saison, bei einem Marktrundgang von Stand zu Stand zu schlendern um sich mit den schönsten Gemüse Variationen für ein Ratatouille à la Niçoise einzudecken. Zucchetti, Fleischtomaten, 3 – farbige Peperoni und Auberginen. Eschalotten und Knoblauch, Thymian, Rosmarin und Oregano (Wilder Majoran).
Etwas Geschichte
Ein Ratatouille Provençale
Ratatouille war bis Anfang des 20. Jahrhunderts das Regionalgericht aus der Gegend von Nizza. Der Name Ratatouille wurde allgemein für einfache Eintopfgerichte verwendet und ist ein dialektisches Wortspiel, setzt sich zusammen aus „rat“ (Frass) und „à touiller „ (rühren, umrühren). Ein Ratatouille war ursprünglich ein Arme-Leute-Essen aus dem „Abfall“ von Gemüse gekocht.
Verschiedenste Zubereitungsarten:
Ratatouille wie man es kennt
Ratatouille nach Grossmutter Art: Eine bodenständige Wirtin in Südfrankreich hat mir einmal zugeflüstert, dass ein aufgewärmtes Ratatouille am besten schmecke. Mag sein, mir ist diese Version eindeutig zu schlabberig. Nun es gibt ja nicht nur frisch oder aufgewärmt, es gibt viele Ratatouille-Variationen auch für Vegetarier und Veganer als Hauptspeise. Und eine flotte Abwechslung für Fleischeslustige. Eine farbenfrohe wie herrlich duftende Beilage.
Mit einem Ratatouille können Sie einen würzigen Salat zubereiten. Das Ratatouille-Gemüse einfach knackig blanchieren und dann mit Olivenöl und mildem Rotweinessig, Salz und Pfeffer abschmecken. Tomaten roh am Schluss dazu geben.
Aus allfälligen Ratatouille Resten kann man eine sämige Suppe köcheln. Einfach im Mixer pürieren abseihen (Haarsieb) hinein in eine Pfanne, aufkochen, mit etwas Sauerrahm abschmecken und mit dem Stabmixer aufrühren. Ein Basilikumblatt drauf.
Ratatouille auf einer gebratenen Maisschnitte anrichten, mit geriebenem Sbrinz bestreuen und 3 bis 4 Minuten überbacken. Der Käse sollte nur zerfliessen, nicht braun werden.
Ratatouille, ein Hauch von Provence daheim
Das Ofen-Ratatouille kommt bei unseren Geladenen sehr gut an. Und das geht ganz einfach. Sämtliche Ratatouille – Zutaten roh auf ein mit Backpapier belegtes Blech verteilen, mit Olivenöl grosszügig beträufeln. Zirka 10 Minuten auf mittlerer Rille bei rund 200 Grad und dann bei 150 Grad weitere 15 Minuten garen. Da kann man von Anfang an auch fein geschnittene Kartoffelscheiben (kurz blanchiert) dazugeben. Und 10 Minuten vor Schluss je einen Rosmarin-, Thymian- oder Oreganozweig drauflegen.
Das Ratatouille-Fine, wie es heute bei vielen Edelgastronomen aufgetischt wird: Ratatouille-Gemüse in kleine Würfelchen (ca. 0,5 cm) schneiden, und alle Originalzutaten miteinander kurz im Olivenöl sautieren (nur die Tomaten zuletzt beigeben), abschmecken und als Gemüsebeilage servieren.
Das Original aus der damaligen Hotel Palace Luzern Küche
Ratatouille einfach und lecker
Rezept Vorweg: Für die Zubereitung eines Ratatouilles braucht es die perfekte Mise en Place. Alles muss säuberlich bereitgestellt sein, damit es mit der Zubereitung rassig läuft, sobald es ernst gilt.
Zutaten für sechs Personen:
400 g kleine feste Auberginen
400 g Zucchetti
500 g knackige Tomaten
Je 1 halbe rote und gelbe Peperoni
2 mittelgrosse Zwiebeln
3 Knoblauchzehen
7 EL Olivenöl
2 EL Rotwein
1 Prise gehackter Thymian oder Rosmarin
2 EL fein geschnittene Basilikumblätter.
Hähnchenfilet Röllchen mit Ratatouille
Auberginen schälen und mit den ungeschälten Zucchetti in zirka 2 cm grosse Würfel schneiden. Die Tomaten schälen (geht bei festen Tomaten mit dem Sparschäler), halbieren, etwas ausdrücken und ebenfalls würfeln. Alle Gemüse getrennt parat stellen. Zwiebeln schälen, halbieren, in 2 cm breite Streifen schneiden und diese quer halbieren. Peperoni und Zwiebeln in 2 EL Olivenöl etwa 10 Minuten in Pfanne leicht anbraten und rausnehmen. Tomatenwürfel separat in 1 EL Olivenöl kurz dünsten und rausnehmen. 2 EL Olivenöl nachgeben, und die Auberginen leicht anbraten. Fleissig wenden, rausnehmen und mit weiteren 2 EL Olivenöl die Zucchetti ebenfalls leicht anbraten.
Den «Bratfond» der verschiedenen Gemüse mit dem Rotwein ablöschen. Nun alle Gemüse in einen Topf geben, den «Ablöschfond» dazugeben.
Salz, Pfeffer, Thymian oder Rosmarin, durchgepressten Knoblauch und die Basilikumblätter beigeben und das Ratatouille etwa 5 Minuten ziehen lassen. Die Gemüse sollen weich sein, aber nicht verkocht.
Und auch das schmeckt himmlisch: Ratatouille auf Risotto oder frisch gekochten Teigwaren anrichten. Dazu rosa gebratene Lamm Koteletten oder eine saftig gedünstete Maispoulardenbrust.