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Lifestyle

Luzerner Theater Le nozze di Figaro, Première 30. Oktober 2021, besucht von Anna Rybinski

Le nozze di Figaro Szenenfoto von Ingo Hoehn
Le nozze di Figaro Szenenfoto von Ingo Hoehn

Produktion und Besetzung:
Musikalische Leitung: Gabriella Teychenné Regie: Gerard Jones Bühne: Anna Yates Kostüme: Donna Raphael Licht: Marc Hostettler Dramaturgie: Talisa Walser Nachdirigat: Jesse Wong Choreinstudierung: Mark Daver

Vladyslav Tlushch (Conte Almaviva) Eyrún Unnarsdóttir (Contessa Almaviva) Tania Lorenzo (Susanna) Sebastià Peris (Figaro) Solenn’ Lavanant Linke (Cherubino) Marcela Rahal (Marcellina) Robert Maszl (Don Basilio / Don Curzio) Rainer Zaun (Don Bartolo / Antonio) Aline Dätwyler (Barbarina) Xenia Romanoff (Due donne) Hanna Jung (Due donne) Chor des LT Luzerner Sinfonieorchester

Figaro Susanna Foto Ingo Hoehn
Figaro Susanna Foto Ingo Hoehn

Der geniale Tausendsassa, Lorenzo Da Ponte, (1749-1838) wurde wegen seiner drei Libretti für Mozarts Opern berühmt. «Figaros Hochzeit», «Don Giovanni» und «Cosí fan tutte» zählen zu den Meisterwerken der Musikgeschichte. Er schrieb aber ca. 40 Textbücher für die damaligen Komponisten in Wien, und manche dieser Opern waren weit erfolgreicher als Mozarts Figaro! Schon mal zum Beispiel vom Komponisten Vicente Martín y Soler gehört? Ich nicht.

Da Pontes Leben war voller Abenteuer (Sex- und Finanzskandale). 1805 wanderte er – notgedrungen – nach Amerika aus und wurde u.a. Tabak- und Gemüsehändler, Professor für italienische Literatur und Verleger. Er setzte sich sogar für die Verbreitung der Opernkultur in New York ein.

Da Ponte musste die französische Komödie von Beaumarchais: «Le mariage de Figaro ou la folle journée» gleich nach ihrer Premiere 1784 kennengelernt haben. Mozart, stets auf der Suche nach einem geeigneten Sujet, hatte bei ihm das Libretto bestellt und konnte mit der Komposition schon im Oktober 1785 beginnen. In sechs Monaten war die Partitur fertig und trotz aller Intrigen am Hof wurde die Uraufführung ein grosser Erfolg. Ist es nicht ein Gaudi für das Publikum, wenn ein adliger Schürzenjäger von seinem schlauen Diener – mit der Hilfe der Gattin und des übrigen Personals – übertölpelt wird? Bis dato aber unerhört; sicher auch der Grund, warum die Komödie als Vorspiel zur französischen Revolution verstanden wurde.

Was kann man über diese Oper noch sagen? Musikliebhaber und Fachleute beten sie an. Aber Da Ponte muss auch mal ins Rampenlicht gerückt werden: Er leistete mit dem Libretto etwas Geniales, das Mozart zu diesem Höhenflug inspirierte, das er eins zu eins in Musik umsetzen konnte.

Figaro Cherubino Foto Ingo Hoehn
Figaro Cherubino Foto Ingo Hoehn

Genug der Schwärmerei. Die Erwartungen sind hoch, wenn ein neuer Figaro angekündigt wird, wie jetzt im Luzerner Theater. Das Werk stellt höchste Ansprüche an alle … Zuhörer!  Und das Dargebotene sprengt den Rahmen mancher romantischen Grossoper. Worauf soll man achten? Auf die vertrackte Handlung, die schwierigen Gesangspartien, die anspruchsvolle Schauspielerei, die himmlische Orchestrierung und – last, but not least – die neuen Einfälle der Regie? Alles wird mit Spannung beobachtet, alles ist von grösster Wichtigkeit.

 

 

 

 

 

 

Die grossen Partien

Le nozze di Figaro Szenenfoto von Ingo Hoehn
Le nozze di Figaro Szenenfoto von Ingo Hoehn

Nun, dem jungen Luzerner Ensemble gelingt eine aktionsreiche, fesselnde Aufführung von hohem Standard. Nach der überraschenden Ouvertüre (darüber später mehr) bereiten die Chormitglieder die Szene vor und die Handlung kann mit den ungewöhnlichen Worten beginnen: Cinque… dieci… venti… trenta…

Figaro misst den Platz für sein Hochzeitsbett aus!

So haben wir gleich die ideale Besetzung für die Titelrolle vor unseren Augen: Sebastià Peris, hochgewachsen, jung, gutaussehend, mit einer wandlungsfähigen, schmeichelnden Baritonstimme. Seine Auserwählte, die Zofe Susanna, hinreissend gesungen und gespielt von Tania Lorenzo, ist eine quirlige, temperamentvolle Hübsche, die auch schlagen und fauchen kann, wenn sie ihre Rechte verteidigen muss.

Der ständig hintergangene Graf Almaviva muss andauernd zwischen seinem wahren Gesicht, dem geilen Schürzenjäger, und dem des würdevollen Hausherren wechseln. Dieser Pfauentanz gelingt dem Bariton Vladyslav Tlushch vorzüglich, zumal seine geschmeidige Stimme und elegante Statur ihn für diese Rolle prädestiniert.

Die Gräfin? Das Publikum fiebert mit, dass Figaros Hochzeit endlich ungestört stattfinden kann, wir lieben das Brautpaar und sind zuversichtlich, dass die Sache gut endet; aber echtes Mitleid haben wir nur mit Rosina, der Gräfin, weil die Schöne diesen Ehemann auch weiterhin ertragen muss.

Mozart, wissend um unser Mitgefühl, schenkte ihr zwei Arien – und was für welche! War es seine Absicht, ihr stets den wärmsten Applaus zukommen zu lassen und uns fast zu Tränen zu rühren? Ja, das Theatergenie wusste Bescheid: Wenn uns etwas gefällt, applaudieren wir gern. Wenn wir jedoch Mitleid haben, applaudieren wir mit Inbrunst. Das echte Leiden, das man selten in einer Opera Buffa findet, konnte der dramatische Koloratursopran, Eyrún Unnarsdóttir wunderbar vermitteln. Ihre Stimme besitzt die ideale Fülle, auch in der Höhe, die zu Herzen geht.

Ich muss endlich zu Cherubino kommen: eine zauberhafte Gestalt, einmalig in der Operngeschichte. (Richard Strauss hatte ehrlich zugegeben, dass er mit seinem «Rosenkavalier» Mozart huldigen, das heisst, dieselbe Magie erreichen wollte. Ist es ihm gelungen?)

Dieser Halbwüchsige, der sich in jede Frau am Hof verliebt, weil er in die Liebe selbst verliebt ist, hat eine doppelte Geschlechterrolle. Ein Knabe, der von einer Frau gespielt wird, der sich wegen der obligaten Verkleidungen auch mal als Frau verkleiden lassen muss – und er geniesst es sichtlich! Erotik pur. Voilà, das Genderproblem auf die Spitze getrieben und aktueller als je. Wie ging die prüde Hofgesellschaft damit um? Vielleicht lockerer als manche rechtspopulistische Regierung in unseren Tagen. Die Sängerin Solenn’ Lavanant Linke gibt sich herrlich linkisch, tollpatschig in der Hosenrolle, ihre lyrische Sopranstimme strahlt in den berühmten Arien.

Ensemble und Regie

Graf Almaviva Chor Luzerner Theater Foto Ingo Hoehn
Graf Almaviva Chor Luzerner Theater Foto Ingo Hoehn

Die mittleren Partien sind ebenfalls hervorragend besetzt. Marcela Rahal gibt eine kokette, überzeugende Marcellina, die schnell von der Rolle der Buhlerin zur Mutter-Rolle findet. Die Männer in den Doppelrollen können ihre komödiantischen Talente auch voll einsetzen. Seit der Uraufführung bevorzugt man nämlich Don Basilio und Don Curzio mit einem Sänger (Spieltenor) zu besetzen, hier geschehen mit Robert Maszl. Don Bartolo und der Trunkenbold Antonio (Charakterbass) wird von Rainer Zaun zum Besten gegeben. Mit Alina Dätwyler als Barbarina überzeugen stimmlich alle mittleren Partien und fügen sich hervorragend in die grossen Ensemblesätze ein, namentlich im Finale des dritten und des vierten Aktes.

Das Luzerner Sinfonieorchester gibt ihnen die ideale Unterstützung und spielt mit Verve unter der Führung der jungen Dirigentin Gabriella Teychenné.

Über das Sängerische hinaus, schauspielern und agieren die Ensemble-Mitglieder mit so viel Lust und Motivation, dass es eine Freude ist zuzusehen. Das Verdienst der Regie?

Graf und Gräfin Almaviva Foto Ingo Hoehn
Graf und Gräfin Almaviva Foto Ingo Hoehn

Wohl auch, abgesehen davon, dass diese Traumrollen auf der Wunschliste jeder Sängerin und jedes Sängers zuoberst stehen. Der Regisseur Gerard Jones verzichtet auf altes Theaterplunder und versetzt die Handlung in die 1960er Jahre; für die Jugend vielleicht auch schon was Historisches. Passende Bühne und Kostüme dazu von Anna Yates und Donna Raphael. Das Tempo der Vorstellung ist ideal, Freizügigkeit mit einem Hauch Vulgarität entspricht dem Zeitgeist. Die Schauspielerei beginnt sogar schon während der Ouvertüre. Eine stumme, aber lebhafte Tafelszene zeigt die Spannungen unter den Protagonisten auf und bereitet uns auf die folgenden Ereignisse vor. Die Szenerie wird nicht diskret hinter dem Vorhang verändert; die Chormitglieder und Statisten, die aktiv die Bühne mitgestalten, lassen uns ständig an Bertolt Brecht erinnern: Es ist nur Theater!

Gott sei Dank, es ist Theater. Noch immer. Seit Stendhal 1824 den Tod der Gattung Oper prophezeite, kommen regelmässig düstere Weissagungen über uns, sogar von prominenten Musikern. Der Doyen des Lucerne Festival, Pierre Boulez sagte mal in jungen Jahren: «Sprengt die Opernhäuser in die Luft!»

Naja, das war 1967. Später ist auch er weiser geworden, hatte selbst Opern dirigiert, sogar in Bayreuth. Und wir sind dankbar, dass sein Rat nicht befolgt wurde. Es lebe die Oper.

 

Text: https://annarybinski.wordpress.com/

Fotos: Luzerner Theater Ingo Hoehn www.luzernertheater.ch

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Die erste Capsule-Kollektion von Ariat, eine modische Country-Kollektion

Argentium-Parker ist in einem satten Erdton
Argentium-Parker ist in einem satten Erdton

Die führende Marke für Country-Mode und -Schuhe, Ariat, freut sich, ihre erste Capsule-Kollektion Countryside” zu präsentieren. Zu den Highlights der Kollektion zählen vier Klassiker für die     Herbst-/Wintersaison, die modische Landhausmode präsentieren. Jedes Kleidungsstück vereint die innovativen Technologien von Ariat mit dem Gespür für stilvolle Landhausmode und bietet somit ausreichend Spielraum, um das perfekte Outfit für zu Hause oder in der Stadt zu kreieren.

Als wärmende Außenschicht eignet sich der Argentium-Parker optimal für den Einsatz bei Regen und Kälte. Die Jacke fühlt sich weich an, wie Wildleder und erinnert an gewachste Baumwolle. Das Obermaterial aus einem Bio-Baumwollgemisch ist perfekt wasserdicht und verfügt über die umweltfreundliche EcoDRY™-Technologie von Ariat sowie über einen versiegelten Nahtschutz und winddichte Ärmelbündchen, die für einen trockenen und angenehmen Tragekomfort sorgen. Die Primaloft®Black-Isolierung aus 60 % recyceltem Material sorgt für warmen und gleichzeitig leichten Tragekomfort. Die aufgesetzten Taschen mit Reißverschluss an den Händen und auf der Brust sind ideal, um die Hände warm zu halten und Wertsachen unterwegs zu schützen. Der Argentium-Parker ist in einem satten Erdton mit einem schönen Akzent aus kariertem Druck für das Futter erhältlich.

 

Montara in der Farbe Oatmeal

 Montara in der Farbe Oatmeal

Weiter geht es mit dem Montara-Sweater, der sich perfekt mit dem Argentium-Parker kombinieren lässt. Der Montara-Pullover mit hübsch strukturiertem Zopfmuster und dezentem Kontrast ist aus einem ökologisch einwandfreien Wollgemisch gefertigt und eignet sich hervorragend für gemütliche Stunden vor dem Kamin. Der Montara-Sweater vereint Komfort und Stil und verfügt über eine überschnittene Schulter mit geschwungenem Saum und einen gesichtsumrahmenden Rundhalsausschnitt – ideal, um es mit auffälligem Schmuck zu kombinieren. Der Montara-Sweater ist in zwei neutralen Farbtönen erhältlich: Oatmeal eignet sich ideal für die Kombination mit dunkleren Jeans und Navy für die Kombination mit braunen Stiefeln.

R.E.A.L Mid-Rise Skinny Jeans Ella

R.E.A.L Mid-Rise Skinny Jeans Ella

Die R.E.A.L Mid-rise Skinny-Ella-Jeans von Ariat ist mehr als nur eine Jeans; sie ist das ultimative modische Essential, das zu allem passt. Die Skinny Ella Jeans aus einem Baumwoll-Elasthan-Gemisch hat genau den richtigen Stretch-Anteil, um sich bequem an Hüfte und Oberschenkel anzupassen. Sie ist elastisch, behält aber ihre Form, wenn Sie in die Stadt gehen oder sich am Abend entspannen möchten. Das Mid-Rise-Design schmeichelt jeder Figur, bedeckt die Hüften und lenkt die Aufmerksamkeit auf Ihre obere Körperhälfte – perfekt zum Styling mit dem Argentium Parker und dem Montara-Sweater für einen gehobenen, gemütlichen Look.

 

Wythburn-Tall-Wasserdichte-Stiefel in Dunkelbraun

Wythburn-Tall-Wasserdichte-Stiefel in Dunkelbraun

Der Wythburn-Tall-Waterproof-Stiefel schließlich ist ein unverzichtbarer Begleiter für alles, was mit Wandern, Arbeiten und Reiten zu tun hat. Der dunkelbraune Stiefel aus vollnarbigem Leder mit Details aus antikem Messing fügt sich in die Tradition des Reitsports ein und bietet einen einzigartigen modernen Stil. Die Waterproof PRO™-Konstruktion von Ariat sorgt für trockene Füße. Wasserdichte Premium-Materialien und eine undurchlässige Barriere sorgen für Haltbarkeit und Schutz vor den Elementen.

 

 

Der durchgehende YKK®-Reißverschluss auf der Rückseite und das Schnürsystem auf der Vorderseite sorgen für Leichtigkeit und Komfort und lassen sich leicht an der Tür öffnen oder in aller Eile anziehen. Die dämpfende All-Day-Einlegesohle stützt auch die Fersen und das Fußgewölbe und ermöglicht so ein vielseitiges Styling im Sattel und in der Stadt, egal bei welchem Wetter.

Die Countryside-Kollektion von Ariat wird erhältlich sein unter https://www.ariat.com/de/de und im Einzelhandel für:

Argentium-Jacke – 320.00€

Montara-Pullover – 110.00€

R.E.A.L Mid-Rise Skinny Ella Jeans – 80.00€

Wythburn hohe wasserdichte Stiefel – 220.oo€

 

Über Ariat:

Ariat International wurde 1993 von den ehemaligen Stanford MBA-Kolleginnen Beth Cross und Pam Parker mit dem visionären Ziel gegründet, die Leistungstechnologie von Sportschuhen in Reitstiefel zu integrieren. Unser Fokus auf innovative Technologien in Schuhen und Bekleidung hat Ariat zur weltweit führenden Performance-Marke im Reitsport gemacht, die von Spitzenreitern und Millionen von Menschen getragen wird, die in der freien Natur leben und reiten. Im Jahr 2018 wurde Beth Cross, Mitbegründerin und CEO von Ariat, zur EY-Unternehmerin des Jahres (Kategorie Verbraucher) für Nordkalifornien ernannt. Die Auszeichnung würdigt den Erfolg des Teams bei der erfolgreichen Skalierung eines florierenden Unternehmens von Weltrang, das gleichzeitig eine erstaunliche Unternehmenskultur entwickelt hat.

 

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London Symphony Orchestra Robin Ticciati, Leitung – Antoine Tamestit, Viola, 18. 10.2021 KKL Luzern, besucht von Léonard Wüst

London Symphony Orchestra Foto Mark Allan
London Symphony Orchestra Foto Mark Allan

Besetzung und Programm:
London  Symphony Orchestra
Dirigent Robin Ticciati
Solist Viola Antoine Tamestit
William Walton  – Konzert für Viola  und  Orchester
Johannes Brahms Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98 (ca. 40’)

Alle Jahre wieder zu Beginn der Saison des Migros- Kulturprozent – classics begrüsst Intendant Mischa Damev das Publikum mit launigen Worten und hofft, dass diese Saison wie geplant durchgeführt werden könne und heisst zum Auftakt eines der weltbesten Orchester, Zitat Damev,  im Konzertsaal des KKL Luzern willkommen.

Dirigent Ticciati Robin
Dirigent Ticciati Robin

Mit Robin Ticciati stand ein «Shooting Star» der Klassik am Pult, der Pariser Antoine Tamestitagierte als. Solist an der Viola. Mit seinem Debüt bei der Filarmonica della Scala im Juni 2005 wurde Robin Ticciati der jüngste Dirigent, der in der Historie der Mailänder Scala am Dirigentenpult stand. Im Sommer 2006 dirigierte er Mozarts Il sogno di Scipione bei den Salzburger Festspielen.

William Walton Konzert für Viola und Orchester

Antoine Tamestit spielte am Montag im KKL
Antoine Tamestit spielte am Montag im KKL

Das Bratschenkonzert von William Walton ist – ohne Übertreibung – das erste Konzert für Viola und Orchester des 20. Jahrhunderts. Und es hat die Pforten für dieses noch immer unterschätzte Instrument – wenn es um dessen Solistenrolle geht – weit aufgestoßen. Walton, der von 1902 bis 1983 lebte, hatte in den zwanziger Jahren durchaus mit Elementen der musikalischen Moderne experimentiert und ähnlich wie Strawinsky einen veritablen Skandal-Erfolg zuwege gebracht: mit dem auch sprachlich recht eigenwilligen Melodram „Facade“. Doch später machte er einen Rückzieher: das Konzert für Viola und Orchester von 1929 zeigt wieder fast schon romantische Züge. Trotzdem weigerte sich der zunächst für die Uraufführung vorgesehene Lionel Tertis, das Werk aus der Taufe zu heben, und zwar mit der Begründung, es sei zu modern und deshalb unspielbar.

Uraufführung mit Paul Hindemith als Solisten

Solist Antoine Tamestit
Solist Antoine Tamestit

Am 3. Oktober 1929 kam das Konzert dann doch in London auf die Bühne, und Solist war der keineswegs weniger prominente Paul Hindemith, der damit gleichzeitig seine Wertschätzung für den jungen britischen Kollegen zum Ausdruck brachte und dessen Karriere einen gehörigen Schub gab.

Eigenständiger Weg zwischen Spätromantik und Moderne

Waltons Musik findet einen originellen Weg zwischen Spätromantik und Moderne. Nostalgische Melodien, die das ländliche England beschwören, wechseln mit rhythmisch mitreißendem Drive, der vom nervösen Leben der Großstadt London zu erzählen scheint. Geschickt verwebt Walton den Solopart mit dem farbig instrumentierten Orchester, unterfüttert von einer süffigen, eigenwillig zwischen Dur und Moll changierenden Harmonik.

Gesanglicher Wohllaut und kerniger Ton

Antoine Tamestit Solist  Viola
Antoine Tamestit Solist Viola

Antoine Tamestit, er spielt eine Stradivari aus dem Jahre 1672, zieht souverän die klanglichen Register seines Instruments – zwischen dem gesanglichen Wohllaut einer angenehm verschleierten Altstimme in den lyrischen Partien und einem kernigen Ton mit pointierter Attacke in den jazzigen Abschnitten. Ein hellwacher, reaktionsschneller Partner ist ihm Robin Ticciati am Pult der wunderbar warm und dunkel klingenden Londoner Symphoniker. Das ist tolle Musik – handwerklich auf höchstem Niveau, inspiriert und spontan zugänglich. Antoine Tamestit nähert sich Walton mit romantischem Ton. Mit Ruhe und einer gewissen Gelassenheit singt er die kantablen Linien großzügig aus. Den zweiten Satz, ein Scherzo, lässt er aufleben und mobilisiert hier mitreißendes Temperament und packenden Drive, von dem auch der dritte Satz profitiert.

Das Publikum, sichtlich beeindruckt, belohnte die Protagonisten mit stürmischem, langanhaltendem Applaus.

Johannes Brahms (1833 – 1897) Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98

Hochkonzntrierter Robin Ticciati
Hochkonzntrierter Robin Ticciati

Der erste Satz folgt dem konventionellen Schema der Sonatensatzform, ist geprägt von einer Folge absteigender Terzen die im Verlauf der gesamten Sinfonie mehrfach variiert werden. Auch der zweite Satz beginnt ungewöhnlich. Zuerst ein archaisch anmutendes Bläserthema, später dann eine warme, schier unendlich scheinende Kantilene der Celli. Das Intro der Hörner zu Beginn des zweiten Satzes gemahnt mich immer an das „Munotsglöckchen“, ein Motiv, das vom gesamten Ensemble in diversen Variationen übernommen und schlussendlich im Finale von den Bässen akzentuiert wird, bevor die Streicher das Ganze weich ausfliessen lassen, das von der Querflöte noch veredelt wird.

Resoluter, kontrastreicher 3. Satz

Dirigent Robin Ticciati
Dirigent Robin Ticciati

Sehr resolut der dritte Satz, der größtmögliche Kontrast: ein lärmendes, fast burleskes “Allegro giocoso”. Einwürfe von Piccolo Flöte, Kontrafagott und Triangel geben dem Ganzen einen schon fast grotesk wirkenden Charakter. eine gewollte Heiterkeit, die etwas Drohendes hat. Abrupt geht es in einer Trubel artigen C-Dur-Stimmung weiter, ebenso in einer, für Brahms, eher ungewöhnlichen Instrumentierung, mit zusätzlicher Piccolo flöte, Triangel sowie C-Klarinetten. Gegen Ende des Satzes klingt das Hauptthema des Finalsatzes an, bevor der lärmende Trubel sein Ende findet.

Beeindruckender finaler Satz

Dirigent Ticciati Robin
Dirigent Ticciati Robin

Der finale Satz startet mit schönen Hornklängen, unterstützt vom Paukisten, der von den Trompeten unterstützt wird, bevor das ganze Orchester wieder zu einer Einheit findet. Zum Ende duellieren sich die Streicher mit der Pauke, bevor sich die Querflöte und peu a peu die anderen Bläser dazugesellen, über alles erheben sich die Blechbläser, die ihrerseits von den Streichern wieder etwas zurückgebunden werden, bevor sich alle zum furiosen Ausklang wieder vereinen. Die Sinfonie, zu den weltbekanntesten  gehörend, vermochte das Publikum zu begeistern und wurde von diesem auch mit einem stürmischen, langanhaltenden Schlussapplaus honoriert. Robin Ticciati war dem Orchester ein engagierter, auch körperlich voll mitgehender Taktgeber. Nach dem nicht enden wollenden  Applaus gewährten die Engländer noch eine Zugabe in Form der Legende op. 59, Nr. 10 von Antonin Dvořák.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

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Kulinarische (Alb) Träume und frohes Erwachen erlebt Herbert Huber

Frische bunte Gemüseplatte
Frische bunte Gemüseplatte

Ich träume. Von frischem Gemüse aus dem Garten. Von „lindem“ Gemüse mit frischer Butter dran. Nicht vom geschmacklosen Schmarren auf dem Teller. Broccoli und womöglich noch Blumenkohl direkt aus der Tiefkühltruhe und im Dämpfer lieblos regeneriert. Der Dämpfer kann nämlich nicht kochen. Alles kommt so raus, wie es reinkam. Ich träume von Gemüse, mit viel Liebe gepflegt und serviert wie Bachmann Pralinés. Ich träume von einem saftigen Ratatouille und einem Kürbisragoût. Und plötzlich verfolgen mich wieder „mini Zucchini“ aus der Gemüsezucht und die grausamen Keniaböhnchen, fünf Stück, zwei Zentimeter lang. Der Alptraum geht weiter mit Kohlrabi ohne Geschmack und Spargel mitten im Herbst.

Hausgemachte Ravioli mit Wiedikerlifuellung
Hausgemachte Ravioli mit Wiedikerlifuellung

Wer erwartet, dass man Ravioli mit geschmortem Rindsbraten füllt, der ist ein Volldubel, ein Vorgestriger, ein Kochantiquar. Nein, heute füllen doch echte Küchendynamiker ihre „dickteigigen“ Ravioli mit Randen, Tintenfisch und mit Kartoffeln. Wenn ein hauchdünner Teig darum wäre, ginge das noch. Aber wenn das so weitergeht, kommt wohl bald Chriesibrägel oder Mettwurst in die Ravioli. Ja, was ich schon einmal geschrieben habe trifft leider Gottes zu: Wir haben eine Generation von Köchen zu Dekorateuren verbildet – dabei haben viele von Ihnen das Kochen verlernt.

Üble Träume

Crevetten
Crevetten

…also für Gäste, die nichts vom Essen verstehen. Nur geiles Design zählt und Dekorationen, die vom Geschmack ablenken. Oder wie ist es mit den vielen Fischen aus der Zucht? Den Crevetten aus den umfunktionierten Reisfeldern Vietnams. Weil Crevetten züchten mehr Batzelis geben soll? Überall das gleiche Lamm aus Neuseeland oder Australien. Dabei gäbe es doch das „Pré salé“ aus der Normandie oder aus Schottland. Und wie ist es mit den Wassersäulis aus der Schweineindustrie, den Chüngelirückenfilets von Chüngeln die gehalten wurden wie, wie eben? Und dann das spottbillige Hühnerfleisch, welches um den halben Erdball gekarrt wird und bei uns mit einer saftigen Marge verhökert wird.

Cordon bleu
Cordon bleu

Cordonblöös werden so dünn geklopft und mit Industrieschinken gefüllt, und das Gelbe, das rausquillt, dem sagen die Macher Käse.Nein ich mag das alles nicht mehr. Auf die Gefahr hin, endgültig als kulinarischer Simpel abgestempelt zu werden. So muss ich einfach sagen:

Ich mag nur noch das richtig Gekochte.

Schmorbraten mit Beilagen
Schmorbraten mit Beilagen

Das Ursprüngliche. Mustermessen auf dem Teller sind für mich ein Grund, vor lauter Hunger die nächste Beiz mit einem deftigen Wurstsalat aufzusuchen, um den Hunger zu stillen. Genug gelästert.Ich liebe einfach das differenziert Abgeschmeckte. Das frisch Gebratene. Den sanft pochierten Frischfisch. Und den weich „gesüderleten“ Schmorbraten. Weischwieguet? Alles ohne Zusatzstoffe. Die merkt mein empfindlicher Magen nämlich morgens im Bett. Wenn etwas sauer hochkommt und ich aus meinen bösen Träumen erwache. Dann frage ich mich wieder hellwach?

Lammfilets
Lammfilets

Gibt es noch die Köche, die so fein und geil und frisch und fröhlich kochen können? Ich glaube schon – man muss sie nur wieder suchen!

 

Text www.herberthuber.ch

Fotos: www.pixelio.de

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