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Lifestyle

Grand théatre de Gèneve, Die Entführung aus dem Serail, 22.Januar 2020, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

ie Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi
Die Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi

Direction musicale Fabio Biondi
Mise en scène Luk Perceval
Scénographie Philip Bussmann
Costumes Ilse Vandenbussche
Lumières Mark Van Denesse
Dramaturgie Luc Joosten
Chorégraphie Ted Stoffer
Direction des chœurs Alan Woodbridge

Konstanze Olga Pudova · Rebecca Nelsen1
Blonde Claire de Sévigné
Belmonte Julien Behr
Pedrillo Denzil Delaere
Osmin Nahuel Di Pierro
Konstanze âgée Françoise Vercruyssen
Blonde âgée Iris Tenge
Belmonte âgé Joris Bultynck
Osmin âgé Patrice Luc Doumeyrou

Orchestre de la Suisse Romande
Chœur du Grand Théâtre de Genève

Rezension:

Wer sich auf eine mehr oder weniger traditionelle Aufführung der «Entführung aus dem Serail» im «Grand Théâtre de Genève» eingestellt hatte, wurde an der Premiere am letzten Mittwoch enttäuscht und äusserte diese Enttäuschung am Ende mit lauten Buh-Rufen. Es waren etliche, trotzdem schafften es die Nicht-Enttäuschten nach kurzer Zeit, die Rufe zu übertönen. Denn wer sich eingelesen und vor allem eingelassen hatte auf diese neue Hör-Erfahrung, erlebte eine beeindruckende und berührende Neuinterpretation des «Singspiels» von Mozart.

ie Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi
Die Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi

Regisseur Luk Perceval hatte sich auf die Inszenierung des Werks eingelassen unter der Bedingung, dieses neu gestalten zu können. Das Leben habe sich seit Mozart verändert, erklärte er in einem Interview, auch die Oper müsse sich verändern. Er hat die archaische Form aufgebrochen, die Oper sozusagen entrümpelt von den orientalisch-exotisch gefärbten und oft über-forcierten Klischees. Die ursprünglichen Texte des Singspiels ersetzte er mit Texten der türkischen Schriftstellerin Aslı Erdoğan aus ihrem Buch «Der wundersame Mandarin». Grundthema: Das Schicksal der Migranten, das Fremdsein, die Suche und Sehnsucht nach Liebe und Erfüllung. Aslı Erdoğan kennt sich aus in Sachen Fremdsein und Exil, war sie doch mit 24 Jahren die erste türkische Physik-Studentin am CERN in Genf, einzige Frau unter 40 Männern, zudem im Jahr 2016 drei Monate in der Türkei inhaftiert. Heute lebt sie im Exil in Deutschland.

Sehnsüchtige Erinnerungen

ie Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi
Die Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi

In Anlehnung an das Serail steht auf der Genfer Bühne lediglich ein Holzkonstrukt mit Turm, welches sich fast kontinuierlich dreht. Menschen laufen drum herum, suchen und finden sich, verlieren sich wieder, verharren in Posen, die zwar Nähe suggerieren, dabei aber oft Traurigkeit und Nachdenklichkeit ausdrücken.

ie Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi
Die Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi

Geblieben aus der Oper sind die Figuren Belmonte (Julien Behr), Konstanze (Olga Pudova), Blonde (Claire de Sévigné) und Osmin (Nahuel di Pierro). Ihnen sozusagen zugestellt sind Schauspieler, welche ihre gealterte Version darstellen. Erinnerungs-Monologe (in französischer Sprache) werden abgelöst von Arien, berührende Szenen spielen sich ab zwischen Sängern und Schauspielern. Äusserst eindringlich Joris Bultynck, wenn er als gealterter Belmonte mit dunkler, samtener Stimme, entrückt und doch unglaublich präsent, seine Konstanze/Geliebte anfleht, zurückzukommen. Auch die Szene zwischen Konstanze und Blonde und ihren gealterten Egos, der fragilen Françoise Vercruyssen und der eindringlichen Iris Tenge, berührt. Sehnsuchtsvoll wenden sich die Jungen singend an ihre Liebsten, während ihre gealterten Figuren erzählend Erinnerungen an vergangene Lieb- und Leidenschaften aufleben lassen, untermalt mit Mozarts wundervoller Musik. Osmin (Patrice Luc Doumeyrou) erinnert am ehesten an die ursprüngliche Figur, poltert und flucht als Alter über die Bühne in seinem Rollstuhl, behindert in Mobilität und Ausdruck, und bringt als Einziger Unruhe in die Szenen.

Tröstende Musik

ie Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi
Die Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi

Geblieben ist selbstverständlich auch Mozarts Musik, die Arien teils in etwas anderer Reihenfolge. Durch die dazwischen neuen gesprochenen Texte gewinnen sie aber an Tiefe und Authentizität. Man vermisst keine Sekunde die sonst oft holprig vorgetragenen, schwerfälligen und heutzutage auch als naiv empfundenen Texte der ursprünglichen Fassung. Wenn nach einem Monolog Mozarts Musik erklingt, hat das trotz der Schwermütigkeit und Melancholie etwas unglaublich Tröstliches und Erhebendes.

Zentrale Themen Sehnsucht und Einsamkeit

ie Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi
Die Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi

Mag sein, dass sich der Sinn, die Aussagen von Aslı Erdoğans Texten nicht immer mit jenen der Arien decken, sich die Themen nicht immer gleich gut überlagern. Sucht man aber den Vergleich zur ursprünglichen Geschichte nicht, erlebt man Momente tiefster Innigkeit und Musikalität. Und auch wenn die Gegenüberstellung Sänger/Schauspieler die Interaktionen teilweise einschränkt – es wird oft vorne am Bühnenrand gesungen und gesprochen – vermittelt das doch auch wieder ein Gefühl von Einsamkeit und Sehnsucht.

Die Oper endet nicht wie üblich jubilierend, sondern nachdenklich, leise, fast todessüchtig mit dem Lied «Ich würd’ auf meinem Pfad…», die gespürt einzig mögliche Art, diesen Abend zu beschliessen.

ie Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi
Die Entführung aus dem Serail Szenenfoto von Carol Parodi

Der Versuch, eine Oper inhaltlich zu erneuern, ist in diesem Singspiel gelungen.  Seitens des Publikums braucht es Offenheit, Neugier und eine gewisse Bereitschaft zum Loslassen. Dann wird man von Perceval, Erdoğan, dem ganzen Ensemble und dem Orchestre de la Suisse Romande unter Fabio Biondi belohnt und geht bereichert nach Hause. Wie weit allerdings Anpassungen an Librettos in anderen Werken möglich sind, bleibt dahingestellt. Aber Opern könnten jüngerem Publikum bestimmt eher zugänglich gemacht werden mit Themen und einer sprachlichen Umsetzung, die mehr mit der heutigen Welt zu tun haben.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Carole Parodi:

fotogalerien.wordpress.com/2020/01/22/grand-theatre-de-geneve-die-entfuehrung-aus-dem-serail-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: www.geneveopera.ch

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Konzert Theater Bern, Madama Butterfly, 19. Januar 2020, besucht von Noémie Felber

Madame Butterfly Foto Isabel Janosch
Madame Butterfly Foto Isabel Janosch

Musikalische Leitung Péter Halász  Regie Nigel Lowery

Ausstattung Nigel Lowery Licht Bernhard Bieri

Chorleitung Zsolt Czetner Dramaturgie Gerhard Herfeldt

Chor Chor Konzert Theater Bern Orchester Berner Symphonieorchester

 

Rezension:

Madame Butterfly Szenenfoto von Isabel Janosch 2
Madame Butterfly Szenenfoto von Isabel Janosch

Eine farbenfrohe Hafenszenerie blickt dem Publikum entgegen, als sich der Vorhang öffnet. Die schnellen Eröffnungsnoten der Ouvertüre untermalen das Gehetze auf der Bühne. Die Vorbereitung für die Hochzeit zwischen Madama Butterfly und Benjamin Franklin Pinkerton befinden sich in vollem Gange. Ganz Nagasaki scheint bei dem Fest beteiligt zu sein. Doch wer die Geschichte kennt, weiss, dass diese freudige Stimmung nicht von langer Dauer sein wird. Im Verlaufe des Abends wird das Publikum Zeuge, wie die Titelfigur von einem Leben voller hoffnungsvoller Freude und Liebe in eines voller Armut, Elend und Trauer versinkt. Nicht umsonst nennt sich die Oper von Giacomo Puccini, Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica «tragedia giapponese».

Tragische Liebesgeschichte

Madame Butterfly Szenenfoto von Isabel Janosch 2
Madame Butterfly Szenenfoto von Isabel Janosch

Die Oper erzählt die tragische Geschichte der Geisha Cho-Cho-San, genannt Butterfly, und ihrem Mann Pinkerton. Dieser verlässt sie kurz nach ihrer Hochzeit, um in seine Heimat Amerika zurückzukehren, wo er eine andere Frau ehelicht. Erst nach drei Jahren, die Butterfly mit hoffnungsvollem Warten verbringt, kehrt der Offizier mit seiner amerikanischen Frau nach Japan zurück. Als ihm zu Ohren kommt, dass Butterfly Mutter seines Kindes ist, möchte er seinen Sohn abholen und nach Amerika bringen. Der Verlust von Mann und Kind bricht Butterfly das Herz und die Oper endet mit ihrem Selbstmord.

Ein Hauch Exotik

Madame Butterfly Szenenfoto von Isabel Janosch 2
Madame Butterfly Szenenfoto von Isabel Janosch 2

Unter der Regie von Nigel Lowery, der bereits zum dritten Mal mit dem KTB zusammenarbeitet, bekommt die Oper den passenden Hauch Exotik. Die beiden Bühnenbilder des ersten und zweiten Aktes überzeugen durch eine kontrastierende Ästhetik, welche die Handlung passend unterstützt, sowie atmosphärischem Lichterspiel. Auch die Kostüme bereichern die Geschichte mit Einflüssen aus der japanischen und amerikanischen Kultur. Die asiatische Exotik zieht sich hin bis zur Musik: So versetzte Puccini die Partitur mit zahlreichen japanischen Einflüssen. Doch auch die amerikanische Nationalhymne wird mehrmals verarbeitet und ergänzt die Oper so mit einer Spur von Patriotismus. Ein besonderes Highlight der Inszenierung bietet die Pantomime nach dem zweiten Akt, die von fünf puppenartigen Figuren dargestellt wird. Dabei orientiert sie sich in ihrer Darstellung sowohl an ihrem traditionellen asiatischen Vorbild, beinhaltet aber auch Verweise auf die moderne Manga-Ästhetik.

Herausragende Leistung

Madame Butterfly Szenenfoto von Isabel Janosch 2
Madame Butterfly Szenenfoto von Isabel Janosch

«Madama Butterfly» zeichnet sich durch vieles aus, insbesondere auch durch ihre wunderschöne Musik. Die virtuosen Gesangspartien wurden von den Hauptdarstellern scheinbar mühelos gemeistert und auch schauspielerisch überzeugen sie mit einer stimmungsvollen Interpretation ihrer Charaktere. Unterstützt werden sie dabei vom Chor des Konzert Theater Bern und dem Berner Symphonieorchester unter der Leitung von Péter Halász, welche das Geschehen auf höchstem Niveau untermalen.
Auch wenn das Stück bei seiner Uraufführung 1904 auch nicht gut beim Publikum ankam, so gilt es heute als ein Klassiker der Opernliteratur. Das Werk überzeugt sowohl mit seiner tragischen Handlung als auch seiner zeitlosen Musik. Und ganz anders als bei der Uraufführung wird die kunstvolle Inszenierung und das hervorragende Team des KTBs bei der Premiere mit tosendem Applaus belohnt, der mehrere Minuten anhielt. Wer sich die Berner Interpretation der Tragödie um Cho-Cho-San nicht entgehen lassen will, kann sie noch bis Ende Juni in Bern erleben.

Text: WWW.NOEMIEFELBER.CH

Fotos: http://www.konzerttheaterbern.ch  Isabel Janosch

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Stadttheater Sursee, Frau Luna, Operetten-Revue von Paul Lincke, Première 11. Januar 2020 besucht von Léonard Wüst

Mondszene mit den Hauptfiguren Fritz (Andres Esteban, vorne) und Frau Luna (Raya Sarontino, Podest) Foto Roberto Conciatore
Mondszene mit den Hauptfiguren Fritz (Andres Esteban, vorne) und Frau Luna (Raya Sarontino, Podest) Foto Roberto Conciatori

Produktion und Besetzung:
Produktionsleitung und musikalische Gesamtverantwortung: isabelle Ruf – Weber
Inszenierung, Choreografie und Bühne: Björn B. Bugiel
Choreinstudierung und musikalische Assistenz: Achim Glatz
Technik , Licht und Bauten:  Flynn Bolliger, Köstüme: Ariann Gloor
Frisuren und Maske: Hanni Nievergelt, Requisiten: Daniela Bucher Schmidlin

Flora/Frau Luna Raya Sarontino
Fritz Steppke:  Andres Esteban, Lämmermeier:  Stefan Wieland
Pannecke: Jens Olaf Müller, Frau Pusebach Cécile Gschwind
Marie/Jungfrau: Corinne Achermann, Theophil: Andreas Fitze
Ella/Stella: Gianna Lunardi, Egon/Prinz Sternschnuppe: Livio Schmid
Anna/Venus: Gaby Meier –  Felix, Bierkutscher/Mars: Pius Berger

Stenzeichen: Corinne Achermann, Lars Bolliger, Vera Christen, Larissa Deplazes, Cédric Dillier, Colin Dillier, Serge Dillier, Elena Erni, Aline Ghidoni, Urs Heller, Philipp Riedweg, Marion Sidler, Mara Wyder, Nina Wyder
Chor, Ballett und Orchester des Stadttheaters Sursee

Rezension:

Frau Luna Szenenfoto von Roberto Conciatore, FritzeSteppke, Andres Esteban  links Andreas Fitze rechts als Theophil
Frau Luna Szenenfoto von Roberto Conciatore, FritzeSteppke, Andres Esteban links Andreas Fitze rechts als Theophil

Mitten auf dem Platz steht eine der typischen, vom gebürtigen Berliner Ernst Theodor Amandus Litfaß „erfundenen“ Säulen, die nach ihm benannt sind, natürlich vollbeklebt mit Plakaten. Auf einem in typischem berlinisch vermerkt: Det Auge det Jesetzes wacht! Links davon richtet Wirtin Anna ihre Terrassentische und Stühle, während Pannecke schon ungeduldig nach einem Bier verlangt, derweil Berliner und Berlinerinnen über den Platz schreiten, vorbeispazieren oder kurz verweilen. Hier streut Regisseur Bugiel schon mal eine kleine Tanzeinlage ein um das Treiben im Berlin der goldenen 1920/30er Jahre noch zu unterstreichen.

Grundlage der Geschichte

Raya Sarontino, auf Erden als als Flora Huschke, mit Gaby Meier Felix, links und Cècile Gschwind, rechts.
Raya Sarontino, auf Erden als als Flora Huschke, mit Gaby Meier Felix, links und Cècile Gschwind, rechts.
Fritz Steppke ist Mechaniker und wohnt zur Untermiete bei der Witwe Pusebach in Berlin. Er ist verlobt mit der Pusebach-Nichte Marie und sehr interessiert an der Fliegerei und an Außerirdischem. Er bastelt einen Ballon für die Mondfahrt. Mit von der Mondpartie sind auch die besten Freunde Lämmermeister und Pannecke. In Handlung und Text erscheint häufig sogenannter Berliner Etagen-Kolorit, bevor sich die Gondel des Steppke-Ballons eines Nachts heimlich in den Berliner Himmel erhebt, Zielrichtung Mond. Da Steppke sich vorher schlafen legt, wird offengelassen, ob die Reise real oder nur im Traum geschieht.

2 Bühnenbilder in 3 Aufzügen und einer Pause

Nach ungefähr der Hälfte des ersten Aktes wird ein zusätzliches Bühnenelement von rechts auf die Bühne geschoben. Es zeigt das Geschehen in der Wohnung der, wie sie sich selbst nennt, möblierten Zimmerwirtin Witwe Pusebach, der Tante von Marie (Mieze) Pusebach und Zimmervermieterin von Fritze Steppke, dem Verlobtem eben dieser Mieze.

Witwe Pusebach (grandiose Cècile Gschwind) besingt mit „O Theophil“ eine amouröse Enttäuschung, die sie immer noch beschäftigt, während ebendieser Theophil, Polizist mit typischer preussischer Pickelhaube, vokal mit „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe» mit Ella anbandeln will.

Top besetzte Rollen u.a. Raya Sarontino Frau Luna, Göttin des Mondes, Andres Esteban als Fritze Steppke, Wachtmeister Theophil (Andreas Fitze), der selbstverliebte Egon , Prinz Sternschnuppe (Livio Schmid), die klar singende Marie (Corinne Achermann) oder der mondbesessene Lämmermeier (Stefan Wieland, diesmal Bariton nicht Countertenor).

Die Litfaßsäule öffnet sich, die vier Berliner Raumfahrer steigen ein und unter Feuerwerk und Getöse verwandelt sich die Säule in eine Rakete, hebt ab, fliegt in die unendlichen, noch unbekannten Weiten des Weltraums. Die Traumreise, oder die Reise im Traum hat begonnen, der Vorhang schliesst sich.

  1. Akt: Die Mondlandung
Raya Sarontino als Frau Luna
Raya Sarontino als Frau Luna

Nach einer kurzen Ouvertüre hebt sich der Vorhang und – wir sind, zusammen mit den Berlinern, auf dem Mond in einer spektakulären Umgebung, umgeben vom tiefblauen Weltall mit über 1200 funkelnden Sternen, eine halbmondförmige Treppe führt Richtung Unendlichkeit, in die unerforschten Weiten des Universums. Wie es den vier Berlinern bei ihrem Besuch unseres Erdtrabanten ergeht! Man träumt mit, lässt sich mitreissen und anstecken, wird infiziert von diesem „Mondfieber“ der andern Art. Für einmal sind wir die „Aliens“, werden von den Mondbewohnern gemustert, ja neugierig interessiert begafft, begutachtet und eingeordnet. Erstaunlicherweise existiert von jedem Mondfahrer jeweils ein „Alter Ego“ auf dem Erdtrabanten, fast fühlt man sich in vertrauter persönlicher Umgebung. Trotz mehrheitlicher Nichtexistenz dieser Rasse, „menschelet“ es auch hier. Aber anders als zuhause, haben die Bewohner hier keinen regierenden Bürgermeister, wie die Berliner, sondern eine Alleinherrscherin, die Göttin des Mondes „Frau Luna“, die in glamourösem Ambiente, umgeben von illustren Gästen ihre Herrschaft zelebriert. Ganz oben auf der Treppe intoniert Raya Sarontino die Arie Von Sternen umgeben umhüll‘ ich die Welt (Bin Göttin des Mondes – Frau Luna genannt), stimmgewaltig und selbstbewusst. Nebst den anderen Trabanten, wie Venus, Mars usw. sind auch alle Sternzeichen anwesend, was besonders Hobbyastrologe Lämmermeister fasziniert, ein ganzer Hofstaat von Elfen Pagen etc. ist Frau Luna zu Diensten und mit Prinz Sternschnuppe ist auch ein langjähriger Verehrer der Mondgöttin mit seinem Raumschiff angereist, muss aber feststellen, dass seine Angebetete im Moment nur Augen für den „Exoten“ Fritze Steppke hat. Der Mond scheint ein ewiger Vergnügungspark zu sein. Venus, Mars und die Götter der Gestirne geben sich ein Stelldichein bei rauschenden Festen, deren absoluter Höhepunkt die «Milchstrassenparade» ist, bei der alle Sternzeichen die Mondtreppe herabschreiten und in deren Verlauf man auch vernimmt, dass die Zwillinge von der Jungfrau mit dem Wassermann gezeugt wurden!  Prinz Sternschnuppe liebt Frau Luna, doch diese interessiert sich momentan nur für Steppke. Theophil erkennt in Frau Pusebach einen seiner amourösen Fehltritte auf der Erde. Pannecke, mit dem sie eigentlich verbunden ist, bändelt mit Frau Venus an. Theophil liebt Stella und leiht für der Reisenden Rückreise das Sphärenmobil des Prinzen aus, denn deren Ballon ist geplatzt. Nach einigen Turbulenzen findet jeder Topf seinen Deckel, und die Erdbewohner reisen zurück in der Erkenntnis, dass es auf dem Mond auch nicht anders zugeht als in der heimischen Mansardenwohnung.

  1. Akt: Zurück in der Realität, im Berliner Alltag

Wir finden uns wieder im Bühnenbild des ersten Aktes. Etwas verändert hat sich dieser Alltag aber doch. Fritz Steppkes Traum vom Fliegen wird wahr, seine Verlobte Marie verschafft ihm eine Stelle beim ersten Luftschiffkapitän Graf Zeppelin. Es werden die Hochzeitstermine für Pannecke und seine Witwe Pusebach und ebenso für Marie und Fritze Steppke fixiert, ansonsten geht das Berlinerleben seinen üblichen Lauf. Die Berliner feiern das junge Brautpaar, die Musik der freiwilligen Feuerwehr Alexanderplatz spielt dazu auf. Sie alle sind versammelt, inkl. Ihrer Alter Egos vom Mond und atmen wieder die gewohnte „Berliner Luft“, die sie im fulminanten Finale auch besingen.

Fazit:

Die eigentlichen Hauptdarsteller sind die vier Berliner Mondfahrer, nicht die der Revue namensgebende Titelfigur Frau Luna. Eine großartige Leistung aller Beteiligten, ob auf oder hinter der Bühne und im Orchestergraben. Meene Begleitung und ikke waren hell begeestert und haben die Berliner Luft förmlich eingesogen, nicht nur eingeatmet. Mit dieser Inszenierung ist klar, sind die Sorser alles andere als hinter dem Mond zuhause, noch möchte man sie dorthin schiessen und wenn doch, würden sie mit dieser Inszenierung auch dort oben grosse Erfolge feiern.

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High-Heels, rote Schnürsenkel und Grenzüberschreitungen, ein Silvestergschichtli von Max Thürig

Zürcher Kammerorchester Foto Sandro Diener
Zürcher Kammerorchester Foto Sandro Diener

Besetzung:

Vesselina Kasarova (Mezzosopran)
Richard Galliano (Akkordeon)
Willi Zimmermann (Konzertmeister)
Zürcher Kammerorchester

Jahreswechsel! Diese Zeit bietet Gelegenheit sich vielleicht etwas Aussergewöhnliches auszudenken und auszusuchen. Was soll es dieses Jahr sein? Wohin soll allenfalls die Reise führen? In eine wärmere Gegend? Aber wie sieht es mit der Klimaneutralität aus?… Es wäre ja schon schön, aber…. Nein, ich verwerfe den Reisegedanken und entschliesse mich, den Jahreswechsel in meinem Umfeld zu verbringen! Ich lasse mich von verschiedenen Angeboten inspirieren und dabei fällt mein Blick auf OPUS, das Programmheft des Zürcher Kammerorchesters. Der Programmbeschreibung kann ich entnehmen, dass die Mezzosopranistin Vesselina Kasarova und der Akkordeonist  Richard Galliano zusammen mit dem Zürcher Kammerorchester, geleitet vom Konzertmeister Willi Zimmermann, für einen perfekten Einstieg in die Silvesternacht garantieren! Das gebotene musikalische Spektrum  reicht von Südamerika über Frankreich nach Italien; von der grossen Oper zum argentinischen Tango bis zum neapolitanischen Volkslied! Das bedeutet, es werden Musikstücke unterschiedlicher Genres zu einem stimmungsvollen Ganzen zusammengetragen!

Ein Wiederfinden in bester Gesellschaft

Also machen wir – meine Frau und ich – uns auf den Weg ins KKL in Luzern. Ausgewählte Kleidung zu Ehren der Protagonisten inklusive! Beim Eintritt ins Konzertgebäude ist auffallend, dass wir nicht auffallen, denn wir finden uns in einer lebendigen, gut gelaunten eher etwas angejahrten Gesellschaft wieder, suchen die Garderobe auf, um uns von den vor Kälte schützenden Mänteln zu befreien und lassen uns in den Konzertsaal führen. Beeindruckend! Immer wieder!

Begrüssung und Konzertbeginn

Lena Catharina Schneider, Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros der ZKO
Lena Catharina Schneider, Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros der ZKO

Kurze Begrüssung und Programmvorstellung durch Lena Catharina Schneider, der neuen Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros der ZKO und dann betreten die Stars die Bühne! Die virtuos vorgetragenen Stücke ziehen uns in den Bann und es bleibt Raum und Zeit zusammen mit der Musik die Blicke herumschweifen zu lassen. Mir fallen – da ich in etwa auf Augenhöhe mit dem Bühnenrand bin – die Schuhe des Orchesters auf: glänzende schwarze Lackschuhe, getoppt mit roten Schnürsenkeln; ein echter Hingucker. Oder High-Heels, wenn der Schuh als Modeaccessoire dient oder als funktionale Fussbekleidung, wie im Falle der Harfenistin. Farbtupfer, soweit das Auge, das Ohr reichen, seien sie musikalischer oder optischer Herkunft.

Vesselina Kasarova, Mezzosopran  Foto Marco-Borggreve
Vesselina Kasarova, Mezzosopran Foto Marco-Borggreve

In der Pause bleibt Zeit, sich über das Gehörte auszutauschen und sich auf den zweiten Teil zu freuen! Der Kunstgesang in Kombination mit einem Akkordeon, dem alles entlockt wird was man sich vorstellen kann, begeistert. Grenzen des musikalischen Könnens werden ausgelotet, ausgedehnt, ja vielleicht gar überschritten.

Akkordeonist Richard Galliano
Akkordeonist Richard Galliano

An der Schwelle zum neuen Jahr war dieses Konzert eine «Grenzerfahrung» der besonderen Art. Es ist ein schönes Gefühl in diesem Rahmen Grenzen zu überschreiten um letztlich wieder bei sich selbst anzukommen: erste Schritte in eine neue Dekade nach einem perfekten, stimmigen Konzert und einem gediegenen Essen machen zu dürfen; einfach herrlich!

Text: Max Thürig

Link auf:

ZKO, Silvesterkonzert 2019 mit Vesselina Kasarova und Richard Galliano, KKL Luzern, besucht von Léonard Wüst

 

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin-magazin/lifestyle/87257430-zko,-silvesterkonzert-2019-mit-vesselina-kasarova-und-richard-galliano,-kkl-luzern,-besucht-von-l%C3%A9onard-w%C3%BCst

Fotos: www.zko.ch

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