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Lifestyle

Romantisches Rokoko mit Sol Gabetta, KKL Luzern, 17. April 2019, besucht von Léonard Wüst

Sol Gabetta Solistin Cello
Sol Gabetta Solistin Cello

Besetzung und Programm:

Ottorino Respighi (1879 – 1936)
«Antiche danze ed arie per liuto», Suite Nr. 3

Pjotr Tschaikowsky (1840 – 1893)
«Rokoko-Variationen» für Violoncello und Orchester op. 33

Pjotr Tschaikowsky
Lenskis Arie aus der Oper «Eugen Onegin» (für Violoncello gesetzt von Sol Gabetta)

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550

 

Rezension:

Sol Gabetta wurde am 16. April 1981 in Villa Maria (Argentinien)  als Tochter französisch-russischer Eltern geboren. Bereits als Kind verblüffte sie durch ihr musikalisches Talent. So sang sie bei der Aufnahmeprüfung für einen musikalischen Kindergarten zur Überraschung der Jury die Melodie eines a-Moll-Violinkonzerts von Antonio Vivaldi. 2004 erlangte Sol Gabetta grössere Bekanntheit, als sie bei den Luzerner Festspielen als Gewinnerin des „Crédit Suisse Young Artist Award“ ihr Debüt mit den Wiener Philharmonikern unter Valery Gergiev gab. In der Folge gewann sie unzählige Preise im Laufe ihrer bisherigen Karriere

Das kurze Respighi Werk «Antiche danze ed arie per liuto» zum Auftakt

Stehend und ohne Dirigent James Gaffigan, in sparsamer Kammerkonzertformation – ähnlicher Besetzung, eröffneten die Musiker des Residenzorchesters des KKL Luzern den Konzertabend stimmig mit der selten aufgeführten neoklassizistischen Komposition des italienischen Avantgardisten Ottorino Respighi. In diesem Werk greift der Komponist auf Übertragungen von Lauten- und Gitarrentabulaturen des 16. und 17. Jahrhunderts zurück, die der italienische Musikwissenschaftler Oscar Chilesotti (1848–1916) editierte und für modernes Instrumentarium arrangierte. Der Untertitel des Werkes lautet Trascrizione libera per orchestra (freie Transkriptionen für Orchester). Das Publikum genoss vom ersten Ton an und belohnte die Musiker mit langanhaltendem Applaus.

Grundsätzliches zum folgenden Werk

Eigentlich ist es paradox: Um Neues zu kreieren, griffen Komponisten oft gerne auf Altes zurück und verwoben so Tradition und Innovation zu einem ganz speziellen musikalischen Stoff. Tschaikowsky orientierte sich für seine «Rokoko-Variationen » zwar nicht an einem konkreten Werk aus der Rokokozeit, sondern ahmte mit viel stilistischem Fingerspitzengefühl die verspielte, höfische Atmosphäre dieser Epoche täuschend ähnlich nach. Das Hauptthema seiner «Rokoko-Variationen» könnte jedenfalls problemlos aus der Wiener Klassik stammen, zumal es mit echt Mozartʼscher Eleganz auftritt. Genau das muss bei der Uraufführung auch Franz Liszt gespürt haben, der im Publikum sass und meinte: «Nun, das ist doch endlich wieder einmal Musik.»

Äusserst souveräne, hochkonzentrierte  Solistin

Dirigent James Gaffigan
Dirigent James Gaffigan

Eine Huldigung Tschaikowskys an das große, verehrte Vorbild Mozart und eine Herausforderung für den Solo-Cellisten: Die „Rokoko-Variationen“, deren Thema sich stilistisch an die Musik des 18. Jahrhunderts anlehnt, fordern dem Solo-Cellisten ein Äußerstes an Spielbrillanz und technischer Bravour ab. Musikalisch verbunden sind die Variationen durch Orchesterritornelle, die musikalisch-substantiell quasi eine zweite Variationen Folge bilden. Die junge Argentinierin betrat an der Seite des amerikanischen Dirigenten James Gaffigan die Bühne, empfangen vom warmen Applaus des Auditoriums im praktisch ausverkauften Konzertsaal. Sol Gabetta wurde dem, ihr vorauseilenden Ruf als eine der weltbesten Cellovirtuosen, ausgezeichnet mit sehr vielen relevanten Preisen, jederzeit gerecht. Glasklar und präzise in den kurzen Läufen, sehr gefühlsvoll in den Tremolo, durchaus auch mal rasant vorantreibend, dann wieder sich diskret in das sie begleitende, ausgezeichnete Orchester einfügend, spielte sie sich durch die Partitur.

Sol Gabetta  Foto Uwe Arens
Sol Gabetta Foto Uwe Arens

Zitat Sol Gabetta: Die Purheit dieses Themas ist das Schwierigste, was es überhaupt gibt. Und dann, was alles dazu kommt, mit allen diesen Verzierungen. Das ist für mich Rokoko. Rokoko muss für mich auch einen Stil haben. Eine Art von Stil, eine Feinheit (…), sehr artikuliert, sehr klar gezeichnet, galant – genau! Zitatende. Auffallend, wie zurückhaltend Dirigent James Gaffigan agierte, er, der sich sonst manchmal wie Rumpelstilzchen auf dem Dirigentenpult aufführt. Das würde sich im zweiten Konzertteil dann wieder zeigen. Das Auditorium konnte so der Darbietung all seine Aufmerksamkeit widmen, lauschte der Solistin gebannt zu, fasziniert von ihrer Fingerfertigkeit und der Intensität ihres Spiels, ihrer manchmal introvertierter, dann wieder sehr expressiver Interpretation, aber jederzeit äusserst einfühlsam. Fasziniert von dieser Demonstration wurden die Protagonisten mit einem Applausorkan überschüttet, ein Applaus, der nie aufzuhören schien, sich aber erstaunlicherweise nicht zu einer „Standing Ovation“ entwickelte. Die dann folgende Lenski Arie aus der Oper «Eugen Onegin» (für Violoncello gesetzt von Sol Gabetta) kam einem Schaulaufen gleich und wurde ebenso gefeiert, wie das vorherige Werk. Vergnügt aufgedreht begab man sich zur Pause in die Foyers, wo man sich angeregt über das gebotene unterhielt.

Mozart as its best im zweiten Konzertteil

Echtester Mozart – und was für Musik! – dann zum Schluss: Seine g-Moll-Sinfonie zählt zu den bedeutendsten Schöpfungen nicht nur innerhalb seines Oeuvres, sondern überhaupt in der Geschichte der sinfonischen Gattung. Im Sommer 1788 schrieb Mozart innerhalb von etwa sechs Wochen fast in einem Zug seine drei letzten Sinfonien nieder, die zugleich als seine bedeutendsten gelten: die Sinfonien Nr. 39, Nr. 40 und Nr. 41. Mozart hat fast nie ohne Aufführungsabsicht oder Auftraggeber komponiert und doch sind genau diese Angaben bei diesen drei gewichtigen Werken unbekannt geblieben. So glaubt man heute, Mozart habe vielleicht eine besonders große Anstrengung unternommen, um sich mit dieser Trias von seinen Geldsorgen zu befreien. Darüber hinaus hat die fast unerklärlich kurze Entstehungszeit den Mythos vom mühelos komponierenden Mozart begründet.
Besonders die Sinfonie g-Moll wurde wegen ihrer schmerzlich-düsteren Grundhaltung gerne als bekenntnishaftes Werk angesehen – als Ausnahme von der Regel, dass sich Mozarts Musik nie mit den Lebensumständen in Verbindung bringen lässt, in der sie entstand.

Zur Interpretation der Komposition durch das Residenzorchesters des KKL Luzern

Luzerner Sinfonieorchester Foto Vera Hartmann
Luzerner Sinfonieorchester Foto Vera Hartmann

Das Werk eröffnete sich mit der herrlichen Mozartschen Sinfonie aus G moll, dieser unsterblichen Arbeit des grossen Komponisten, welche mit höchster Erhabenheit die grösste Schönheit verbindet, und doch nie ins Wilde und Abenteuerliche abschweift. Es ist ein kolossales Bild, aber von den schönsten Verhältnissen, das zugleich Ehrfurcht und Liebe einflösst. James Gaffigan, nun ganz in seinem üblichen Element führte sein Orchester mit viel Spielfreude, u.a. ausgedrückt durch seine Körperhaltung, Gestik und Mimik zügig durch die eigentlich düstere Partitur, die einem aber nie so vorkommt, vor allem, wenn sie so schwungvoll – freudig serviert wird. Der Satz beginnt als teppichartige Achtelbegleitung der geteilten Violen mit grundierenden Bass-Vierteln, über denen auf der vierten Zählzeit des ersten Taktes die auftaktige Melodie in den oktaviert parallel geführten Violinen einsetzt. Kennzeichnend für die Melodie ist der gebundene Halbtonschritt abwärts mit Wiederholung des Zieltons im Rhythmus zwei Achtel – eine Viertel (diese Figur wird zunächst dreimal wiederholt) sowie die Sexte aufwärts. Das Seufzer Motiv des gebundenen Halbtonschritts abwärts mit der Tonwiederholung ist für den weiteren Aufbau des Satzes von Bedeutung. Den charakteristischen rhythmischen Partikel des zweiten Satzes hat Wagner als „Engelsflügel“ missverstanden. Bei Gaffigan geht es irdisch zu: Dramaturgisch „drohende“ Einwürfe der Hörner und weiträumige Steigerungen geben der Musik ein markantes Profil voller Spannung und Überraschungen – auch für den, der das Werk schon dutzendmal gehört hat. Die einzelnen Register und Solisten bekamen ausreichend Gelegenheit, ihr Können zu dokumentieren und wurden dafür beim Schlussapplaus auch noch mit Separatapplaus bedacht. Dieser Schlussapplaus, der äusserst lang anhaltend durch den Saal brauste, entrang den Protagonisten noch eine kurze Zugabe,

Trailer:Sol Gabetta Eugene Onegin: Lensky’s Aria (Arr. for Cello and Orchestra)

youtu.be/8bv2gr_cWIk

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: Luzerner Sinfonieorchester

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Sinfoniekonzert 2 Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks | Iván Fischer | Janine Jansen, KKL Luzern, 13. April 2019, besucht von Léonard Wüst

Iván Fischer dirigiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Janine Jansen als Solistin. Luzern, 13.04.2019 Foto: LUCERNE FESTIVAL Priska Ketterer
Iván Fischer dirigiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Janine Jansen als Solistin. Luzern, 13.04.2019 Foto: LUCERNE FESTIVAL Priska Ketterer

Besetzung und Programm:

Iván Fischer  Dirigent
Janine Jansen  Violine
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791)
Sinfonie C-Dur KV 338
Béla Bartók (1881–1945)
Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 Sz 36
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791)
Sinfonie Es-Dur KV 543
Béla Bartók (1881–1945)
Rumänische Volkstänze für Orchester Sz 68

 

Rezension:

Konzertimpression von Priska Ketterer (4)
Konzertimpression von Priska Ketterer

Die Orchestrierung in den Sätzen 1 und 3, mit Pauken und Trompeten und in der blockhaften Gestaltung verleiht ihnen den festlichen Charakter, gar etwas Barockes und den Typus der Italienischen Ouvertüre. Man verfolgt das Sonatenschema (wie gestaltet Mozart erstes und zweites Thema, wie die Durchführung etc.) und schon bald ist man wieder fasziniert von Mozarts Schattierungskunst, von seiner farbigen Orchesterbehandlung, seinem Spiel mit Motiven und vor allem auch vom Dur-Moll Wechsel im ersten Satz, der ohne Wiederholungen abläuft.

Wolfgang Amadé Mozart Sinfonie C-Dur KV 338

Konzertimpression von Priska Ketterer
Konzertimpression von Priska Ketterer

Der zweite Satz, „Andante di molto più tosto Allegretto“, zweiteilig (der zweite Teil variiert den ersten leicht), packt mich in seiner Gesanglichkeit genauso wie mit einigen auf sich aufmerksam machen wollenden (zum Teil synkopischen) Akzenten.
Das festlich-flotte 6/8 Finale, „Allegro vivace“, wieder fast barock anmutend, setzt in seinem Achtelbewegungs-Drive die feine motivische und farbliche kompositorische Arbeit fort. Es ist wieder ein Sonatensatz, diesmal werden aber sowohl die Exposition als auch Durchführung/Reprise wiederholt. Klar, es gibt herausragendere Symphonien Mozarts, KV 338 ist quasi „die letzte vor den ganz Großen“, aber allein mit den Farbmischungen des Werks, von Fischer und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks klangschön in die Ohren gezaubert, packt einen die Mozart Magie auch hier.Ein Auftakt ganz nach dem Gusto des sachkundigen Publikums, das die Darbietenden entsprechend beklatschte.

Brillanter Vortrag von Janine Jansen

Dirigent Ivan Fischer im Dialog mit Solistin Janine Jansen
Dirigent Ivan Fischer im Dialog mit Solistin Janine Jansen

Janine Jansen brillierte mit dem Werk von Bela Bartok. Mal spielte sie sanft, wie die Brise über die Puszta weht, mal heftig, wie der dort auch manchmal vorkommende Steppenwind und begeisterte das Publikum im ausverkauften Saal. Wo immer nötig, korrespondierte sie mittels Augenkontakt, auch mal durch Kopfgesten mit Orchester und Dirigenten. Technisch natürlich völlig ausgereift, besonders ausgeprägt in den Tremolos und den fulminanten Fingerläufen, Saitensprünge der besonderen Art. Beim Andante sostenuto trieb sie voran, das Allegro giocoso spielte sie auch vivace, entsprechend ihrem Temperament durchaus auch mit vollem Körpereinsatz. Janine Jansen als ein weibliches Pendant zu dem als Teufelsgeiger bezeichneten Niccolò Paganini (1782 – 1840)?

Janine Jansen und Anton Barakhovsky bei den Zugaben
Janine Jansen und Anton Barakhovsky bei den Zugaben

Kann man durchaus so sehen, was das Auditorium auch tat und die Darbietung mit einem Applausorkan belohnte und die Künstlerin so lange beklatschte, bis sie noch eine Zugabe gewährte in Form zweier kleinen Bartok Liedchen für 2 Violinen, die sie dann mit dem ersten Geiger des Orchesters , Anton Barakhovsky noch zum Besten gab. Das erstere fast ausschliesslich Pizzicato, das zweite ziganangehaucht. Die Holländerin spielt die Stradivari „Rivaz, Baron Gutmann“ von 1707, die ihr nach einer Testphase für zehn Jahre vom Eigentümer Dextra Musica überlassen wird, der Stiftung eines norwegischen Finanzkonzerns.

2.Konzertteil auch mit Mozart und Bartok

Konzertimpression von Priska Ketterer
Konzertimpression von Priska Ketterer

Mozarts Drittletzte: ein Halbstünder mit gewichtiger Einleitung, mit dramatischen Kontrasten auch im langsamen Satz und mit einem für Mozart unüblichen Schluss-Spurt à la Perpetuum Mobile. Das sind die Eckdaten dieser Es-Dur Sinfonie. Ein, nach dem bejubelten 1. Konzertteil sichtlich gutgelaunter Dirigent startete, mit dem ihm anvertrauten Orchester, fulminant in die Mozartische Partitur. Iván Fischer versprühte pure Lebensfreude, Augenzwinkern und nur zu Beginn in der pointiert gestalteten Adagio-Einleitung des Kopfsatzes einen Hauch von Dramatik. Die von Mozart erstmals geforderten obligaten Klarinetten anstelle der Oboen bereicherten die Orchesterfarben mit ihrem samtenen Klang und erhielten im dritten Satz (Menuetto, Allegretto) prominent hervorgehobene, beinahe solistische Aufgaben, welche die beiden Klarinettisten des bayerischen Renommierorchesters mit Bravour meisterten. Iván Fischer und den Bayern gelang eine packende, konzentrierte Wiedergabe dieses wunderbaren Werks, fein ausgehorchte dynamische Abstufungen und klangliche Transparenz in den Tutti. Eindringlich wurden die zum Teil kontrastierenden Themen herausgearbeitet. Das getragene, leicht zögerliche Fortschreiten der Streicherlinien im Andante, das Dialogisieren innerhalb dieser Gruppe, die agitato-Einwürfe der Bläser gelangen dabei genauso überzeugend wie das federnd gestaltete Menuetto und das rasante Finale mit dem immer wiederkehrenden Hauptthema. Dessen Ohrwurmcharakter wurde von Mozart in vielerlei Variationen in diesem fröhlichen Allegro verarbeitet. Manchmal klang es wie ein Vogelgezwitscher, dann wieder bekam es einen leicht dunklen Unterton und endete mit einem überraschenden und schalkhaften Fragezeichen. Wie rasant Fischers Tempo war belegt der Fakt, dass das Werk schon nach ca. 28 Minuten wiedergegeben war. Das Auditorium bejubelte auch diese Glanzleistung mit langanhaltendem, stürmischem Applaus.

Béla Bartók Rumänische Volkstänze für Orchester Sz 68

Konzertimpression von Priska Ketterer
Konzertimpression von Priska Ketterer

Zitat des Dirigenten Ivan Fischer: Allein mit landsmannschaftlicher Verbundenheit habe seine Bartók-Begeisterung nichts zu tun: «Ich würde seine Musik auch lieben, wenn er aus Honolulu käme.» Dieser Abschluss des Konzertes wurde denn auch zu einem eigentlichen Schaulaufen der Protagonisten, bei dem sich einzelne Register noch in je einer der sieben Volksweisen profilieren konnten. Der Dirigent nahm jetzt noch einmal richtig Fahrt auf, tänzelte und gestikulierte auf dem Dirigentenpult mit vollem Engagement, sehr zum Vergnügen des Publikums, zu dem natürlich auch das tadellose, gut aufgelegte Orchester das Seinige beisteuerte. Die Künstler durften dafür einen stürmischen, langen Schlussapplaus geniessen und die begeisterten Zuhörer liessen nicht locker, bis sie sich eine Zugabe erklatscht hatten. Dirigent Fischer wählte für diese ein Mozart Medley aus dem Köchelverzeichnis 409.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Sinfoniekonzert 1 Filarmonica della Scala | Riccardo Chailly | Denis Matsuev, KKL Luzern, 11. April, besucht von Léonard Wüst

UCERNE FESTIVAL 2019. OSTER-FESTIVAL. Sinfoniekonzert 1 vom 11. April 2019. Die Filarmonica della Scala und ein strahlender Solist Denis Matsuev, rechts, neben Dirigent Riccardo Chailly, links, Foto Peter Fischli
UCERNE FESTIVAL 2019. OSTER-FESTIVAL. Sinfoniekonzert 1 vom 11. April 2019. Die Filarmonica della Scala und ein strahlender Solist Denis Matsuev, rechts, neben Dirigent Riccardo Chailly, links, Foto Peter Fischli

Besetzung und Programm:

Denis Matsuev  Klavier
Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840–1893)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-Moll op. 23
Modest Mussorgsky (1839–1881) / Maurice Ravel (1875–1937)
Bilder einer Ausstellung

 

Rezension:

Die Filarmonica della Scala, Riccardo Chailly, Denis Matsuev, Tschaikowsky und | Mussorgsky, eine Kombination, die jeden Liebhaber klassischer Musik glatt in Verzückung versetzt.

Nebst Beethovens Ta Ta Ta…ta Sinfonie (der fünften), Mozarts Kleiner Nachtmusik, Verdis Triumphmarsch, seinem Gefangenenchor und vielleicht noch Smetanas Moldau, ist Tschaikowskys erstes Klavierkonzert wohl das Stück, das auch jeder Nicht Klassikkenner nach den ersten paar Tönen erkennt.

Der, 1975 im sibirischen Irkutsk geborene, Tastenmagier Denis Matsuev ist allein schon aufgrund seiner Herkunft für die Interpretation  von Werken russischer Komponisten prädestiniert.

Klangmagier Denis Matsuev am Klavier Foto  Matthias Creutziger
Klangmagier Denis Matsuev am Klavier Foto Matthias Creutziger

Matsuev agiert vor allem in den Überleitungen pianistisch vollgriffig brillant, immer wieder aber auch lyrisch schwelgerisch. Die Durchführung verzahnt zunächst im Orchesterspiel das erste und das dritte Thema, ehe das Klavier mit donnernden Oktavketten übernimmt und über zweites und erstes Thema „frei phantasiert“, schließlich auch im Wechselspiel mit dem Orchester, ehe das erste und das dritte Thema, um die Vorherrschaft streitend, zur Reprise führen. Die ausgeschriebene Klavierkadenz bietet weitere Metamorphosen der drei Themen, bis die Coda des ersten Satzes mit dem dritten Thema ansetzt und der Satz effektvoll abgerundet wird.

Eine träumerische Melodie, vom Solisten schwelgerisch, nicht aber süss interpretiert,  prägt den zweiten Satz, ein Andantino semplice, zuerst erklingt die Melodie von der Flöte gespielt, dann übernimmt das Klavier, und das Geschehen wird in Sechzehntel Girlanden weitergesponnen. Völlig überraschend bricht ein irrwitzig filigran-virtuoses Prestissimo in den Satz, spukhaft rasch, fast wie ein verkapptes Scherzo, sanft aber heftig treibend, bis eine Klavierkadenz zur träumerischen Melodie zurückführt, die Matsuev fein ziseliert und so  den Satz feinfühlig zu Ende führt.

Konzertfoto von  Peter Fischli Lucerne Festival  Dirigent Riccardo Chailly
Konzertfoto von Peter Fischli Lucerne Festival Dirigent Riccardo Chailly

Drei Themen auch im dritten Satz, Allegro con fuoco – das erste ein Höllenritt, intoniert vom russischen Pianisten dämonisch kraftvoll, dennoch düster. Das zweite ein übermütig enthusiastisches Volksfest, bei dem sich der Solist zum schalkhaft -lustigen Musikanten wandelte, das dritte ein ganz großer Melodiebogen, voluminös nachgezeichnet von Matsuev der sich zum Ende hin „freikämpft“ und mit einer alles überstrahlen wollenden Apotheose triumphiert. Wunderbar, dass sich der Pianist sehr sparsam des Pedals bediente und somit die Variationen immer gestochen scharf und nie verschwommen daherkamen. Es war eine atemberaubende Interpretation, wahnwitziger Tastendonner, aberwitzig virtuos, und wo es ruhiger zugeht, zeigt sich Matsuev als großer, souveräner Gestalter, getragen von einem grossartigen Orchester unter engagierter Leitung von Maestro Chailly. Klar bediente diese Umsetzung des Mussorgsky Klassikers sämtliche Clichées russischer Musik Seele, aber genau dies schien dem Auditorium im sehr gut besetzten Konzertsaal zu gefallen. Dies manifestierte sich in einer wahren Applauskaskade, die den Solisten und den Dirigenten mehrere Male zurück auf die Bühne beorderte, bis sich Matsuev nochmals an den Flügel setzte und eine kleine Zugabe gewährte.

Das Orchester führte uns grandios durch Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung

Konzertfoto von Peter Fischli Lucerne Festival
Konzertfoto von Peter Fischli Lucerne Festival

Natürlich, auch an diesem Abend, die von Maurice Ravel orchestrierte Fassung. Das sehr einprägsame Intro, immer kehrt es wieder zurück zwischen den einzelnen Bildern, das wehmütig – sehnsüchtige Thema, jedes Mal von andern Instrumenten, in leicht variierten Formen. Mussorgsky  charakterisiert das Flanieren in der Ausstellung in wechselnden Stimmungen, in denen das jeweils vorherige Motiv nachwirkt oder das aufkommende seine Schatten vorauswirft. Das wiederkehrende Zwischenspiel der „Promenade“ verbindet die Bilder und spiegelt die Stimmung des Betrachters wider.

Mussorgskys Hommage an seinen Freund Viktor Hartmann

Konzertfoto von Peter Fischli Lucerne Festival
Konzertfoto von Peter Fischli Lucerne Festival

«Ich schaue zu Mussorgsky auf, denn ich halte ihn für den grössten russischen Komponisten», bekannte Dmitri Schostakowitsch. Aber gerade das russischste der russischen Werke dieses Grössten, seine Bilder einer Ausstellung, spielt auch in Frankreich und Italien, in den Tuilerien, in Limoges, in den römischen Katakomben. Mussorgsky zeichnet musikalisch die Bilder nach und dabei fügt er, ansonsten sturer Verfechter der urrussischen Musik, auch „unrussisches“ ein, wie z.B. „Il vecchio Castello“, Tuileries, Limoges, le marché und Catacombae, Sepulcrum Romanum und skizziert so die Werke seines viel zu jung verstorbenen Freundes, des Malers und Architekten Viktor Hartmann (1834 – 1873).

Die Filarmonica della Scala zelebriert ihr grossartiges Können unter Riccardo Chailly.

Konzertfoto von Peter Fischli Lucerne Festival
Konzertfoto von Peter Fischli Lucerne Festival

Seit Januar 2015 trägt Riccardo Chailly als Musikdirektor die Verantwortung an der Mailänder Scala, und seit dem Sommer 2016 amtiert er dazu als Chefdirigent des Lucerne Festival Orchestra, so sind also die Mailänder bestens aufeinander abgestimmt. Trotzdem ist es kein routiniertes „Abspulen“ des Werkes, sondern eine höchst feinfühlige Darbietung in der die einzelnen Register dieses renommierten Orchesters ihre Fähigkeiten demonstrieren können. der Dirigent seziert das Werk förmlich, kitzelt die diversen Finessen heraus, animiert die einzelnen Register mittels Gesten und Augenkontakt, ermuntert die Solostimmen zu Spitzenleistungen. Die filigran schimmernde Dichte der Streicher perfekt als Kontrapunkt und gleichzeitig Ergänzung der intensiv klangigen Bläser. dazwischen ein Harfenarpeggio, ein Triangel der sich einmischt. Ein wunderbares Klang  Bild der Bilder., bessergeht fast nicht. Riccardo Chailly, der zurückhaltend, aber dennoch bestimmt dirigierte verzögerte das Finale hochdramatisch bis hin zum musikalischen Orgasmus. Das Publikum applaudierte begeistert, auf Bravorufe folgte, fast zwangsläufig und hochverdient, eine stehende Ovation.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Claudio Baglioni AL CENTRO Tour, Hallenstadion Zürich, 7. April 2019, besucht von Léonard Wüst

laudio Baglioni Hallenstadion Zürich, 7. April 2019 Konzertfoto von Ruedy Hollenwäger
laudio Baglioni Hallenstadion Zürich, 7. April 2019 Konzertfoto von Ruedy Hollenwäger

Besetzung: Claudio Baglioni und Band

Rezension:

50 Jahre Musik, 60 Millionen verkaufte Exemplare auf der ganzen Welt. Das sind die wesentlichen Zahlen der einzigartigen und unvergleichlichen Karriere von Claudio Baglioni.

Der am 16. Mai 1951 geborene Römer zelebriert einen sanft – lyrischen Italo Soft Pop Rock. Claudio Baglioni ist Musiker, Autor und Interpret. Wie kein anderer hat er es geschafft, von den späten sechziger Jahren bis heute, eine Generation nach der anderen zu erobern. Mit seinem populären, melodischen und verfeinerten Repertoire, in dem er Songwriting und Rock, internationale Klänge, Weltmusik und Jazz verschmelzen lässt, gelingt es ihm seit über 50 Jahren die italienische Musikge-schichte mit zu prägen.

Der Durchstart 1972 mit dem Album „Questo piccolo grande amore“

Claudio Baglioni Konzertfoto von Ruedy Hollenwäger
Claudio Baglioni Konzertfoto von Ruedy Hollenwäger

Mit dem Album „Questo piccolo grande amore“ (1972) und dem gleichnamigen Titelsong setzte ein bis heute anhaltender Erfolg ein; insgesamt stand Baglioni zwölfmal an der Spitze der Albumcharts. Drückte er in seiner Musik anfangs hauptsächlich „unter Jugendlichen verbreitete Gefühle“ aus, wandelte sich sein Stil im Verlauf der Jahre zu einem immer reiferen und stärker artikulierten musikalischen Feingefühl. Dass er nicht, wie viele seiner Sangeskollegen, auch sozialkritische Aussagen in seinen Liedern machte, schadete seiner Popularität nur kurze Zeit. Nichtsdestotrotz hat er bis heute eine Protagonistenrolle in der italienischen Musikszene beibehalten.

Baglioni schrieb auch Filmmusik und wurde oft gecovert

Einige seiner Lieder wurden auch von andern italienischen Sangesgrössen, wie z.B. Mia Martini und Rita Pavone gecovert. Im Jahr 1972 komponierte Baglioni drei Lieder für den Film Bruder Sonne, Schwester Mond des Regisseurs Franco Zeffirelli. Mit dem Titellied „Fratello sole, sorella luna“ gelang ihm der erste Singleerfolg in den Charts. Außerdem landete Rita Pavone mit dem von ihm geschriebenen Lied „Bonjour la France“ einen grossen Erfolg in den französischen Charts. Den Durchbruch bedeutete für Baglioni jedoch sein drittes Album „Questo piccolo grande amore“. Im Jahr 2003 wurde Baglioni von Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi mit dem Verdienstorden der Italienischen Republik(Komtur) ausgezeichnet.

Konzert auf dem Petersplatz in Rom als Höhepunkt einer glanzvollen Karriere

Claudio Baglioni Konzertfoto von Ruedy Hollenwäger
Claudio Baglioni Konzertfoto von Ruedy Hollenwäger

Zur Millennium Feier in Rom wurde Claudio Baglioni die unglaubliche Ehre zuteil, das einzige Popkonzert, das je auf dem Petersplatz stattgefunden hat vor 300.000 Zuhörern und Papst Paul II. zu geben. In der NZZ wurde der Barde mal so beschrieben: Eine italienische Freundin beschreibt ihn so: Claudio Baglioni ist Teil des nationalen Kulturerbes wie die Pizza. Der Vergleich ergibt Sinn. Wie das Holzofengebäck repräsentiert Baglioni geschmackvolle Einfachheit, folkloristische Italianità – und wird weltweit geschätzt.

Grosser Aufwand für die Jubiläumstournee

Claudio Baglioni Konzertfoto von Ruedy Hollenwäger
Claudio Baglioni Konzertfoto von Ruedy Hollenwäger

Mit seinem Jubliläumsalbum «50 Anni Al Centro» ist der Sänger nun auf grosser Tournee. Der Startschuss zur AL CENTRO Tour wurde überall sehnlichst erwartet. Im Oktober 2018 startete Claudio Baglioni in den grössten Arenen Italiens und tourt nun durch ganz Europa, wo es ja fast überall  grössere „Italodiasporas“ gibt, durch deren Einwanderung als Gastarbeiter ab den 1950er Jahren. Bei den Italienern in der Schweiz ist der Liedermacher besonders beliebt, weil er als einer von ihnen gilt. Baglioni entstammt einfachen Verhältnissen, wuchs in einer Vorstadt Roms auf.

Ein Mix aus Commedia dell`Arte, Cirque du Soleil und Las Vegas Show

Claudio Baglioni Konzertfoto von Ruedy Hollenwäger
Claudio Baglioni Konzertfoto von Ruedy Hollenwäger

Claudio Baglioni hat sich in den letzten Jahrenzehnten gewandelt: Aus dem einfachen Nachbarjungen in Jeans und T-Shirt ist ein stets gebräunter Anzugträger geworden. Seine Texte sind nun doch etwas tiefgründiger. Ob der beste Baglioni aber der frühe Baglioni war, darüber streiten sich die Fans nicht. Für diese zählt das hier und jetzt und sie saugen die Canzone förmlich auf, singen mit, illuminieren alles mit ihren Handys, stehen auf und schwenken die Arme im Rhythmus, jubeln durchaus auch mal. Dank der Bühne im Zentrum bei 360 Grad aufgestellt, liess sich zusammen mit dem Künstler ein halbes Jahrhundert seiner unvergesslichen Erfolge zurückverfolgen. Ein Instrumental-Track, der eigens als Soundtrack für  50 Jahre Karriere komponiert wurde gibt dem Publikum neue und aufregende Einblicke in das Schaffen des Künstlers: kein neuer Popsong, sondern eine echte Instrumentalsuite, die das Herzstück der außergewöhnlichen Tour „Al Centro“, der Super-Show ist. Nachgezeichnet wird die 50-jährige Beziehung zwischen Claudio Baglioni und der Musik, aber auch die unerschöpfliche und intensive Beziehung zwischen seiner Musik und der Sprache, Sitte und Kultur seines Heimatlandes Italien. Eine emotionale Reise zwischen Musik und Bildern, mit einer  spektakulären Besetzung von über 40 Mitwirkenden, Musiker, Schauspielern, Tänzern.

Ein spektakuläres Bühnenbild nach dem andern

Claudio Baglioni Konzertfoto von Ruedy Hollenwäger
Claudio Baglioni Konzertfoto von Ruedy Hollenwäger

Der Showverantwortliche von Baglioni verwandelte das Hallenstadion in einen Kultur- und Kunstraum, versammelte um den Sänger eine Supergruppe gestaltete so eine großartige Performance. Die Musiker waren nicht als Gruppe kompakt an einem Ort, sondern rund um die quadratische Bühne aufgereiht, aufgeteilt in kleine Grüppchen. So waren die Bläser zusammen mit der Keyboarderin, die Streicher bildeten mit einem Gitarristen eine Einheit, je ein Schlagwerker war rechts und links der Bühne. Einzelne Musiker performten auf dem Podium, inmitten der Tänzer und den mystischen Gestalten aus der Commedia dell`Arte Welt, Gaukler, Pierrots usw. All diese Figuren und Tänzer wirbelten über die Bühne, zu jedem Bühnenbild in andern Kostümen, die Lichtshow in wechselnden, auf die Bühnenrequisiten angepassten passenden Farben. Hätte der Sänger einmal den Text nicht mehr gewusst, wär das wohl kaum aufgefallen, so inbrünstig, lautstark und sehr textsicher sang das Publikum mit.

Konzert war ein Volltreffer mit begeistertem Auditorium

Claudio  Baglioni Tour Plakat
Claudio Baglioni Tour Plakat

Das ganz spezielle Bühnenlayout im Zentrum des Hallenstadion mit dem 360Grad Entertainment-Erlebnis, ein Sänger in Hochform mit einer Band auf Augenhöhe, Darsteller und Tänzer in passenden Outfits erfreute die begeisterten Fans, die den Grande des Italo Soft Pop, und ein bisschen auch sich selbst,  ausgiebig feierten, Der italienische Superstar musste selbstredend auch noch eine Zugabe geben.

Text und Fotos: Léonard Wüst www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.abc-production.ch/index,  Léonard Wüst, Ruedy Hollenwäger

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