Stress, Angst, Depression: Wie Sie über den Vagusnerv Ihr Herz stärken
Neue Erkenntnisse dazu, wie Hirn und Herz kommunizieren: Warum der
„Entspannungsnerv“ Vagus ein zentraler Ansatzpunkt sein kann, um seine
Herzgesundheit zu stärken / Expertin informiert in aktueller HERZ heute
Das Herz und unser Gefühlsleben haben eine ganz besondere Verbindung. Das
wird nicht nur in unserer Sprache deutlich, wenn das Herz „vor Freude
hüpft“ oder „vor Schmerz bricht“.
Aktuelle Studien enthüllen immer mehr
wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, wie Hirn und Herz kommunizieren – und
eröffnen so Möglichkeiten, den schädlichen Auswirkungen etwa von Stress,
Depressionen oder Angst auf die Herzgesundheit vorzubeugen. „Ein zentraler
Ansatzpunkt könnte dabei der Vagusnerv sein. Er transportiert Signale vom
Gehirn zum Herzen“, berichtet Privatdozentin Dr. Cora Stefanie Weber in
der aktuellen Ausgabe der Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute 2/2025, die
sich dem Themen-Schwerpunkt „Herz & Hirn“ widmet und unter
https:///herzstiftung.de/beste
Vagusnerv gehört zum parasympathischen Nervensystem, das für die
Entspannung zuständig ist“, erläutert die Chefärztin der Fachabteilung
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in der Klinik Henningsdorf,
Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité Universitätsmedizin Berlin,
Campus Benjamin Franklin. Den Gegenpart bildet das sympathische
Nervensystem, das bei Stress aktiviert ist und den Herzschlag
beschleunigt, den Blutdruck sowie die Blutgerinnung erhöht.
„Zahlreiche wissenschaftliche Studien machen deutlich, wie eng der
Zusammenhang von Stress, aber auch Depressionen und Angsterkrankungen mit
einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Gesunde wie
herzkranke Menschen sollten diesen Zusammenhang kennen, um gegebenenfalls
Hilfe in Anspruch zu nehmen“, betont Prof. Dr. Thomas Voigtländer,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung sowie Kardiologe und
Ärztlicher Direktor am Agaplesion Bethanien Krankenhaus, Frankfurt am
Main. Infos zur Psychokardiologie bietet die Herzstiftung unter
https://herzstiftung.de/psycho
Chronischer Stress? Den Vagus als „Entspannungsnerv“ stärken!
Normalerweise sollten sich sympathisches und parasympathisches
Nervensystem im Gleichgewicht befinden. Doch viele Menschen leiden heute
unter chronischem Stress – ihr sympathisches Nervensystem ist ständig
überaktiv – und macht sie krank. Bei diesen Personen gilt es, den Vagus
als „Entspannungsnerv“ zu stärken.
Eine Messgröße, um Gefährdete zu erkennen, ist die Herzratenvariabilität,
erläutert Dr. Weber. Sie ist ein Maß für die unterschiedlichen Abstände
zwischen den Herzschlägen. Jüngere, herzgesunde Menschen und Sportler
haben in der Regel eine hohe Herzratenvariabilität (HRV): Bei körperlicher
oder emotionaler Belastung wird der Sympathikus aktiviert, was die
Herzfrequenz, den Blutdruck und die Atemfrequenz steigen lässt. Doch im
Anschluss entfaltet der Vagus seine erholsame, entspannende Wirkung und
Puls sowie Blutdruck sinken rasch wieder.
Doch diese Regulation funktioniert nicht bei jedem Menschen gleich gut.
Zum einem nimmt mit dem Alter die HRV ab: Blutgefäße sind durch
Ablagerungen verhärtet und weniger elastisch. Auch bei Diabetes,
Bluthochdruck oder Herzmuskelschwäche ist die HRV eher niedrig – und
bekanntlich das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöht.
Eine weitere Risikogruppe sind Menschen mit Angst- und Panikstörungen. Sie
haben, wie Studien zeigen, ebenfalls ein im Vergleich zur übrigen
Bevölkerung signifikant erhöhtes Infarktrisiko. „Man nimmt an“, so Dr.
Weber, „dass es ihrem Gehirn nicht mehr gelingt, Angstreaktionen
ausreichend zu unterdrücken, ihr Vagusnerv ist gehemmt und sie geraten so
in chronischen Stress.“ Und auch hier hat sich in Studien ein Zusammenhang
mit der HRV herstellen lassen: Menschen mit hoher HRV (und damit einem
aktiven Vagusnerv) haben laut Dr. Weber eine bessere Konzentration,
Emotionskontrolle und ein besseres emotionales Wohlbefinden.
Psychokardiologie bietet Betroffenen Hilfen
Die Expertin verweist auf Befunde, die „darauf hindeuten, dass ein
besseres Bewusstsein für die eigenen Gefühle mit einer stabileren
Herzaktion einhergeht – und damit einen Schutzfaktor darstellen kann“.
Insgesamt, so auch das Fazit des Kardiologen Prof. Voigtländer, „machen
die Studiendaten deutlich, wie wichtig es, etwa in der kardiologischen
Rehabilitation nach einem Herzinfarkt, ist, auch psychokardiologische
Aspekte zu berücksichtigen“. Infos zur Reha unter https://herzstiftung.de
/kard-reha
Als Konsequenz rät Dr. Weber: „Patienten mit Angststörungen sollen für
ihre meist unkontrolliert auftretenden dysfunktionalen Emotionen
sensibilisiert werden und schrittweise eine bessere Kontrolle über ihr
Leben erlangen. Dies ist im Rahmen einer psychosomatischen Fachbehandlung
stationär, teilstationär und ambulant möglich. Fördert man das Wahrnehmen
von Emotionen therapeutisch, lässt sich die Funktion des Herzens günstig
beeinflussen!“, ist sie überzeugt. Tatsächlich hält die Psychokardiologie
zunehmend Einzug in die kardiologische Rehabilitation. „Wir wissen aus
Studiendaten und der täglichen Erfahrung mit belasteten Herzpatienten, wie
wichtig psychotherapeutische Hilfen für sie sind“, sagt Dr. Weber, „die
Umsetzung im Versorgungsalltag indes lässt noch einen deutlichen Spielraum
nach oben, auch in der Akutbehandlung.“ Infos unter
https://herzstiftung.de/psycho
(sb)
Zusatzinfo
So können Sie den Vagusnerv und Ihr Herz stärken
Studien belegen: Herzkranke Menschen profitieren oft von
psychotherapeutischen Maßnahmen: Depressivität, Angstsymptome, Stress und
die Sterblichkeit an Herzkrankheiten nehmen ab. Diese Maßnahmen können
helfen, einem ersten Infarkt vorzubeugen oder einen Re-Infarkt zu
verhindern:
- Psychotherapeutische Gespräche
- Entspannungsverfahren (z.B. tiefe Bauchatmung aktiviert den Vagus)
- Ausdauersport (ebenfalls positiver Effekt auf die Vagus-Aktivität)
- Kunst- und Körpertherapie
- Ein besseres Stress-Management
- Gesunde Ernährung, auf Normalgewicht achten
- Möglichst geringer Konsum von Alkohol
- Nicht rauchen
- Ausreichend schlafen
- Verordnete Medikamente zuverlässig nehmen
- Kontrolltermine regelmäßig wahrnehmen
Literatur: Weber, Cora, Mein Herz und meine Seele, HERZ heute 2025; 2,
17-21
Service
Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute
Mehr Informationen rund um die komplexen Wechselwirkungen von Herz und
Gehirn bietet die Herzstiftung in der Ausgabe 2/2025 ihrer Zeitschrift
HERZ heute mit dem Titel „Herz & Hirn“. Ein Probe-Exemplar dieser Ausgabe
kann kostenfrei unter Tel. 069 955128-400 oder unter
https://herzstiftung.de/bestel
Infos zur Psychokardiologie: https://herzstiftung.de/psycho
Infos zur kardiologischen Reha: https://herzstiftung.de/kard-r
