Zum Hauptinhalt springen

Mehr Daten: Bundesweites Moorbodenmonitoring in Betrieb

Anhand von Profilgruben wird der Zustand von Moorböden beschrieben.  Copyright: Thünen-Institut/Christina Waitkus
Anhand von Profilgruben wird der Zustand von Moorböden beschrieben. Copyright: Thünen-Institut/Christina Waitkus
Pin It

Ab sofort gibt es ein funktionsfähiges Messnetz für Deutschlands
Moorgebiete. Eingerichtet wurden die 155 Messpunkte in Offenland und Wald
in den vergangenen fünf Jahren von Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern des Thünen-Instituts. Am heutigen Donnerstag übergeben
sie ihren Bericht zur Aufbauphase an den Auftraggeber, das
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat.

Braunschweig/Eberswalde (23. Oktober 2025). Ein Netz aus 155 Messstationen
spannt sich neuerdings über Deutschlands Moorböden. Eingerichtet wurden
sie in den vergangenen fünf Jahren von Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern des Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz und des Thünen-
Instituts für Waldökosysteme im Auftrag des Bundesministeriums für
Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Am heutigen Donnerstag, 23.
Oktober 2025, wurde der Bericht über den Aufbau an Staatssekretär Prof.
Dr. Dr. Markus Schick in Berlin übergeben.

Mit Hilfe von bisher 118 Monitoringflächen im Offenland und 37 Flächen im
Wald kann nun der Zustand der Moorböden langfristig und einheitlich
bewertet werden. Die Flächen decken die wichtigsten in Deutschland
vorkommenden Kombinationen aus Landnutzung wie Acker und Grünland sowie
Moorbodentypen ab. Berücksichtigt werden zudem innovative Moorboden-
Nutzungsformen, bei denen etwa der Wasserstand angehoben wird. Weitere
werden künftig nach Bedarf hinzukommen. „Wir nehmen die Kohlenstoffvorräte
und die Geländehöhen auf. Sie sind die Grundlage für die Bewertung
verschiedener Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgas-Emissionen“,
erläutert Dr. Stefan Frank, am Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in
Braunschweig für das Projekt MoMoK verantwortlich. Zudem würden
Wasserstände, Vegetation und das Management erfasst, weil darüber der
Kohlenstoffhaushalt des Moorbodens gesteuert werde. „Unsere Datenbasis für
die Modelle zur deutschlandweiten Ableitung der Treibhausgasemissionen
wird dadurch ebenfalls deutlich besser“, so Stefan Frank.

Über das Thünen-Institut für Waldökosysteme wurden bewaldete Moore in das
Moorboden-Monitoring einbezogen. Für diese gibt es bisher keine
belastbaren Emissionsfaktoren. Eingerichtet wurden daher auch zwei
Intensivmess-Standorte zur Analyse der Treibhausgas-Emissionen aus
bewaldeten Mooren während der Wiedervernässung. Rund um die Uhr werden
dort Kohlendioxid-, Methan- und Stickstoff-Emissionen des Moores gemessen.
Mit dieser flächendeckenden Datensammlung können Klimaschutz-Maßnahmen im
Wald künftig auf ihre Wirksamkeit hin bewertet werden.

Trockene Moore geben Treibhausgase ab
Derzeit gibt es bundesweit etwa 1,93 Millionen Hektar Moorböden (kurz für
Moor- und weitere organische Böden), die hauptsächlich im Norden und im
Südosten Deutschlands liegen. Das entspricht einem Flächenanteil von 5,3
Prozent. Feuchte Moore speichern große Mengen an organischem Kohlenstoff
und sind damit eine wichtige Senke für das Treibhausgas Kohlendioxid. Ein
konstanter Wasserstand schützt den Torfkörper vor dem Abbau durch
Mikroben. Bei entwässerten Mooren wird der Torfkörper hingegen ständig
abgebaut. Dabei entstehen klimaschädliche Treibhausgase. 92 Prozent der
Moorböden in Deutschland sind entwässert. Sie werden unter anderem für
Land- und Forstwirtschaft genutzt. Mit 53 Millionen Tonnen Kohlendioxid-
Äquivalenten sind sie für rund sieben Prozent aller jährlichen Emissionen
in Deutschland verantwortlich. Auf den 118 Monitoringflächen im Offenland,
zu dem Äcker und Grünland zählen, wurde bisher ein mittlerer Vorrat an
organischem Kohlenstoff von 1.066 Tonnen pro Hektar gemessen.

Ähnlich sieht es in den Wäldern aus: Die bewaldeten Moore speichern
durchschnittlich 1.242 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar Fläche, das meiste
davon im Boden. Insgesamt stehen 2,4 Prozent aller Wälder auf Moorböden.
„Die Spannweite der Kohlenstoffvorräte ist allerdings mit 103 bis knapp
3.000 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar ziemlich groß“, sagt Dr. Cornelius
Oertel, der am Thünen-Institut für WaIdökosysteme die Monitoringflächen im
Wald aufgebaut hat. Und: Je flachgründiger ein Moor ist, desto mehr
Bedeutung hat der sich darüber befindliche Wald als Kohlenstoffspeicher.
Den meisten Kohlenstoff im Baumbestand findet man in Fichten- und
Erlenbeständen. Die große Menge gespeicherten Kohlenstoffs verdeutliche
noch einmal die Bedeutung der Moorböden für den Klimaschutz.

Während der Arbeiten zum Moorbodenmonitoring wurde auch die sogenannte
Kulisse organischer Böden aktualisiert. Zusammen mit der nun ebenfalls
etablierten witterungsabhängigen Modellierung der Wasserstände in
Moorböden können die Treibhausgas-Emissionen aus Moorböden ab sofort
genauer berechnet werden. Erste Auswertungen zeigen, dass Moorböden in
Deutschland mindestens 1,6 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff
speichern. Zum Vergleich: In der ober- und unterirdischen Biomasse des
Waldes sind laut jüngster Bundeswaldinventur rund 1,2 Milliarden Tonnen
Kohlenstoff gespeichert.