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Von der Paläogeografie gezeichnet – eine neue Weltkarte der Meeresmollusken

Monodonta labio (Linnaeus, 1758), Bunaken National Park, Sulawesi Island, Indonesia  Copyright: SNSB-ZSM, Sektion Mollusca
Monodonta labio (Linnaeus, 1758), Bunaken National Park, Sulawesi Island, Indonesia Copyright: SNSB-ZSM, Sektion Mollusca
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Temperatur in Kombination mit Ozeanströmungen haben einen wesentlichen
Einfluss auf die Verteilung mariner Lebewesen. Der stete Wandel der Land-
Meerverteilung auf der Erdoberfläche prägen diese Strömungsmuster. SNSB-
Wissenschaftler Thomas A. Neubauer korrelierte in einer neuen Studie über
3 Millionen Beobachtungsdaten heutiger bodenlebender Mollusken aus den
Schelfgebieten der Weltmeere mit der Entwicklung heutiger Meeresströmungen
während der jüngeren Erdgeschichte.

Seine Ergebnisse publizierte das
Forscherteam jüngst in der Fachzeitschrift Scientific Reports.

Biogeographische Regionen mariner Lebewesen, das heißt deren Verteilung
auf unterschiedliche Lebensräume, überlappen oft gut mit den großen
globalen Meeresströmungen. Dabei spielt das erdgeschichtliche Alter der
Strömungen eine große Rolle. Die Strömungsmuster auf der Erde sind stark
an die Verteilung der Kontinente geknüpft. Viele Strömungen, wie auch
Landbrücken oder Meeresstraßen, sind erst vor wenigen Millionen Jahren
entstanden. Andere liegen viele Millionen Jahre zurück. Ihr
unterschiedliches Entstehungsalter in der Erdgeschichte hat
unterschiedlich starken Einfluss auf die Verbreitungsgebiete heutiger
mariner Mollusken. Dies zeigt eine neue statistische Studie um den SNSB-
Paläontologen Thomas A. Neubauer von der Bayerischen Staatssammlung für
Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG).

Ein Beispiel ist die Schließung der Landenge von Panama vor 2,8 Millionen
Jahren: Ihr vergleichsweise junges geologisches Alter ist immer noch in
der Ähnlichkeit der Molluskenfaunen des tropischen Ost-Pazifiks und West-
Atlantiks sichtbar. Deutlich stärker ist dagegen der Unterschied der
Faunen des West- und des Ost-Atlantik, unter anderem weil die Öffnung des
atlantischen Ozeans mehr als 100 Millionen Jahre zurückliegt.

Thomas A. Neubauer und seine Kollegen publizierten jetzt eine neue
Übersichtskarte der geografischen Verbreitung heutiger Weichtiere wie
Muscheln und Schnecken in den Schelfgebieten der Meere weltweit. Die
Forscher korrelierten darin über 3 Millionen Verbreitungsdaten der Tiere
mit Daten zur Meerestemperatur sowie mit dem Verlauf der globalen
Meeresströmungen, insbesondere mit Blick auf deren geologische Geschichte.
Ihre Analysen belegen: Temperatur sowie Meeresströmungen und deren
paläogeografische Entwicklungsgeschichte haben einen erheblichen Einfluss
auf das Leben in flachen Meeresgewässern. Dabei sind beide Faktoren eng
miteinander verflochten: Die globalen Meeresströmungen heute orientieren
sich an der Umgestaltung von Land und Meer während der letzten Millionen
Jahre und wirken sich damit auch auf die Temperaturverteilung entlang der
Schelfgebiete aus.

Eine große Gefahr sehen die Autoren der Studie auch im aktuell rasch
fortschreitenden Klimawandel. „Temperatur beeinflusst das Leben im Meer
immens. Sie steuert Stoffwechselfunktionen, Fortpflanzung oder
Lebenszyklus mariner Lebewesen ebenso wie evolutionäre Prozesse, wie
Artentstehung oder -aussterben. Die rasche Klimaerwärmung verändert schon
jetzt die Temperaturen der Meeresoberfläche, was sich wiederum auswirkt
auf Meeresströmungen. Das hat Konsequenzen für die Biologie und
Lebensräume mariner Arten und in der Folge auf ganze Ökosysteme“, sagt
Thomas A. Neubauer, Hauptautor der Studie.

Die Beobachtungsdaten der Mollusken für ihre Arbeit stammen aus den beiden
Biodiversi-täts-Datenbanken Global Biodiversity Information Facility
(GBIF, https://www.gbif.org/) und Ocean Biodiversity Information System
(OBIS, https://obis.org/). An der Studie beteiligt waren auch Forscher des
Naturhistorischen Museums Wien sowie der Universität Malaga.