Dresdner Wissenschaftler Hans Kleemann erhält Joachim Herz Preis
500.000 € für biotechnologisches Forschungsprojekt an der TU Dresden für
eine fossilfreie ElektronikDr. Hans Kleemann von der TU Dresden wird mit dem mit 500.000 Euro
dotierten Joachim Herz Preis 2025 ausgezeichnet. Der Preis für
fächerübergreifende, anwendungsbezogene Forschung wird in diesem Jahr in
der Biotechnologie vergeben und ist einer der höchstdotierten
Wissenschaftspreise.
Ausgezeichnet werden innovative Forschungsvorhaben
für mehr Nachhaltigkeit. Kleemanns Forschungsansatz verfolgt das Ziel,
biobasierte, recyclebare Leiterplatten zu entwickeln, diese sollen
konventionelle Leiterstrukturen ersetzen, die weltweit in fast jedem
elektronischen Gerät verbaut werden.
Jedes Jahr entstehen weltweit rund 62 Millionen Tonnen Elektroschrott,
rund 60 Prozent davon bestehen aus gedruckten Leiterplatten. Sie sind
Bestandteil fast jedes elektronischen Geräts, vom Smartphone bis zum
Computer, und verbinden die in ihnen verwendeten elektronischen
Komponenten. Herkömmliche Leiterplatten bringen zwei Probleme mit sich:
Sie werden aus nicht-nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und sie lassen
sich nur mit großem Aufwand recyclen. Kleemanns Forschungsprojekt
„UnbeLEAFable“ nutzt biobasierte Materialien und die strukturellen
Eigenschaften von Blattskeletten, um nachhaltige Leiterplatten zu
entwickeln.
Die Innovation der Forschung von Hans Kleemann und seinem Team liegt
darin, dass die Syntheseleistung der Natur als Vorbild dient, um zur
Lösung eines menschengemachten Problems beizutragen. Das filigrane
Gefäßsystem der Blätter wird als natürliches Gerüst genutzt und mit
biobasierten Kunststoffen aufgefüllt. So entsteht ein neuartiges Material
für nachhaltige Leiterplatten, die die herkömmlichen Bauteile ersetzen
können. Gelingt dies, kann das Projekt einen großen Beitrag zu einer
fossilfreien Zukunft leisten. Bei der Herstellung würden einerseits
weniger Energie und keine fossilen Rohstoffe benötigt werden und
andererseits wären die entstehenden Leiterplatten biologisch abbaubar, so
dass sich die übrigen Komponenten wiederverwenden lassen. Der mit 500.000
Euro dotierte Joachim Herz Preis ermöglicht es Kleemann, seine
Forschungsarbeit so weit voranzutreiben, bis ein Prototyp entwickelt ist,
der im nächsten Schritt von der Industrie übernommen werden und in die
Anwendung gehen könnte.
„Wenn es Dr. Kleemann gelingt, sein hochinnovatives Vorhaben in die
Anwendung zu bringen, dann ist dies ein echter Game-Changer für die
Elektroindustrie und bringt uns auf dem Weg zu einer für unsere Umwelt so
wichtigen Kreislaufwirtschaft einen großen Schritt voran. Seine Arbeit ist
ein beeindruckendes Beispiel für interdisziplinäre, mutige Forschung.
Genau solche Pionierleistungen wollen wir mit dem Joachim Herz Preis
unterstützen“, so Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Vorstandsvorsitzende
der Joachim Herz Stiftung.
Förderung schließt kritische Lücke im Innovationsprozess
Mit ihrer Förderung adressiert die Joachim Herz Stiftung eine Lücke in der
deutschen Förderlandschaft. Während für die Grundlagenforschung gute
Förderprogramme bestehen, gibt es für die risikobehaftete Phase der
Produktentwicklung, des Prototypings und der Skalierung kurz vor oder
während des Markteintritts wenig Unterstützung. Deswegen wird diese Phase
auch als „Valley of Death“ bezeichnet, denn das Venture Capital engagiert
sich erst nach dem Durchschreiten dieses „Tal des Todes“, wenn ein Tech-
Start-up bereits gegründet ist und sich am Markt etabliert.
Der Joachim Herz Preis
Die Joachim Herz Stiftung zeichnet mit dem Joachim Herz Preis
herausragende Wissenschaftler:innen aus, die mit interdisziplinären
Ansätzen Impulse für eine nachhaltige Zukunft geben. Der mit 500.000 Euro
dotierte Forschungspreis prämiert Vorhaben von Forschenden in einer frühen
Karrierephase, die ihre Forschung vertiefen möchten oder den Transfer
ihrer Forschungsvorhaben in die praktische Anwendung verfolgen. Teil der
Förderung ist die Finanzierung einer mehrtägigen Konferenz, die von den
Preisträger:innen zur Unterstützung ihres Vorhabens geplant und gemeinsam
mit der Joachim Herz Stiftung durchgeführt wird. Der Joachim Herz Preis
wird jährlich abwechselnd in den Naturwissenschaften und
Wirtschaftswissenschaften vergeben.
Die diesjährige Preisverleihung findet am 30. September in Hamburg statt.
Über Hans Kleemann
Dr. Hans Kleemann ist Forschungsgruppenleiter am Integrated Center for
Applied Physics & Photonic Materials der Technischen Universität Dresden.
Er geht der Frage nach, wie elektronische Systeme nachhaltig gestaltet
werden können. Dabei erstrecken sich seine Arbeiten von fundamentalen
physikalischen und materialwissenschaftlichen Fragenstellungen, über
prozesstechnische Forschung bis hin zur Systemintegration und Methoden des
neuromorphen Rechnens. Nachdem er an der TU Dresden promoviert wurde,
führte ihn sein Weg u. a. an die UC Berkeley und zum südkoreanischen
Wirtschaftsunternehmen Samsung SDI. Im April 2025 wurden Vorarbeiten für
sein Forschungsprojekt „UnbeLEAFable“ mit einem EXIST-Gründungsstipendium
des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) ausgezeichnet.
