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Krickelakrak – wenn Chaos im Kopf zu Kunst wird

Projektteam Krickelakrak: Julia Heinemann, Marieke Finn, Gianina Schomacker, Lea Hartlein (v.l.). Nicht im Bild: Miriam Henke  Quelle: Nadine Metzler  Copyright: Hochschule Bremerhaven
Projektteam Krickelakrak: Julia Heinemann, Marieke Finn, Gianina Schomacker, Lea Hartlein (v.l.). Nicht im Bild: Miriam Henke Quelle: Nadine Metzler Copyright: Hochschule Bremerhaven
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Chaos im Kopf und Gedanken, die in alle Richtungen springen – so sieht der
Alltag mit ADHS aus. Die Betroffenen müssen nicht nur mit den Symptomen
leben, sondern auch mit den Vorurteilen. Denn: Alle Außenstehenden sehen
das Verhalten, aber nicht den Leidensdruck dahinter. Studentinnen der
Hochschule Bremerhaven haben nun ADHS zum Thema ihrer Kampagne
„Krickelakrak“ gemacht. Ab sofort sind ihre interaktiven Plakate in
Bremerhaven zu sehen. Die dazugehörige Webseite kann unter krickelakrak.de
aufgerufen werden.



Es ist das eine Kind in der Klasse, das immer unaufmerksam und laut ist.
Das mit den Fingern auf dem Tisch trommelt, Schulmaterialien vergisst und
immer reinruft, ohne sich zu melden. Alle anderen fühlen sich gestört.
Aber wie geht es diesem Kind? Wie lebt es mit dem Gefühl, dass sein Kopf
sich wie eine Fernbedienung anfühlt, die jemand anderes steuert? Diese
Frage haben die fünf Studentinnen Julia Heinemann, Marieke Finn, Gianina
Schomacker, Lea Hartlein da Silva und Miriam Henke nicht nur sich, sondern
auch von ADHS betroffenen Menschen gestellt. Mit ihrer Kampagne
„Krickelakrak“ möchten sie aufklären und dazu beitragen, dass weniger
Vorurteile verbreitet werden. Der Name stehe symbolisch für das
vermeintliche Durcheinander, das viele mit ADHS verbinden. Gerade in
diesem kreativen Chaos sehen die Studentinnen aber viel Potenzial: Nicht
nur Unruhe und Unkonzentriertheit gehören zu den Symptomen, sondern
beispielsweise auch große Kreativität, Hyperfokus bei persönlichen
Interessensgebieten und Begeisterungsfähigkeit.

Seit Oktober 2024 haben die Studentinnen an der Kampagne gearbeitet.
Zunächst haben sie sich viele Gedanken über ihre Zielgruppen gemacht. Um
das passende Design zu finden, haben sie mit sogenannten Kratzbildern
gearbeitet, bei denen Formen in eine schwarze Oberfläche gekratzt werden
und die dahinterliegende bunte Schicht freilegen. Später haben sie
Kritzelbilder mit chaotischen Formen an Kindergärten und Schulen
geschickt. Die Kinder sollten daraus Bilder malen. „Es ist toll, was die
Kinder im Gekritzel gesehen haben. Ihre Bilder sind wirklich kreativ“,
sagt Julia Heinemann. Daher kam auch die Idee, die Plakate interaktiv zu
gestalten. Wer den QR-Code scannt, landet auf einer Internetseite und kann
beobachten, wie sich die chaotischen Kritzeleien zu einem richtigen Bild
zusammensetzen. So sei es auch bei den Betroffenen. „ADHS ist
vielschichtig, lebendig und manchmal chaotisch. Aber es ist auch voller
Energie und Kreativität. Wir machen sichtbar, dass aus jedem Krickelakrak
ein Kunstwerk werden kann – mit Ecken, Kanten und ganz viel Charakter“ so
das Projektteam.

Die Idee für ihr Projektthema im Seminar „Soziale Kampagne“ im Studiengang
Digitale Medienproduktion kam den Studentinnen nicht zufällig. Sie alle
kennen Menschen mit der Diagnose ADHS. Julia Heinemann hat vor ihrem
Studium eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und dort auch immer wieder
mit betroffenen Kindern gearbeitet. Bei Lea Hartlein da Silva war es der
Bruder, bei dem dies diagnostiziert wurde. „Der Anfang war schwer für
alle. Die Diagnose hat alles verändert“, sagt sie. Oft habe es wenig
Verständnis von Außenstehenden gegeben. Daher haben die Studentinnen auf
der Webseite krickelakrak.de Informationen zusammengetragen. Dort finden
Interessierte auch weitere Informationen zu Hilfsangeboten.

Die Plakate zur Kampagne sind ab sofort in Bremerhaven zu bewundern.
Unterstützt wurde das Kampagnenprojekt von der Dieckell Stiftung, der
Druckmanufaktur Müllerditzen, der ergänzenden und unabhängigen
Teilhabeberatung (EUTB) und Sarah Theinert, Heilpädagogin in der Praxis
für Neonatalbegleitung und Familiencoaching in Geestland.