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Dörte Weltzien wird aus dem aktiven Hochschuldienst verabschiedet

Prof.in Dr.in Dörte Weltzien  Quelle: Marc Doradzillo
Prof.in Dr.in Dörte Weltzien Quelle: Marc Doradzillo
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Prof.in Dr.in Dörte Weltzien setzt sich mit Leidenschaft für ein gutes
Aufwachsen aller Kinder ein. Über 16 Jahre lang prägte sie Lehre,
Forschung und Transfer der Kindheitspädagogik an der EH Freiburg. Ihre
Tätigkeit an der Hochschule endet zum 31. August 2025.



Dörte Weltzien wurde 2009 auf die Professur für Pädagogik der frühen
Kindheit, heute Kindheitspädagogik, an der EH Freiburg berufen. Sie wurde
im Rahmen der QuebIn-Abschlusstagung im Juli 2025 an der Hochschule
verabschiedet.

Nach dem Diplomstudium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des
Landbaus an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn schloss
Dörte Weltzien 2004 ihre Promotion (Dr. phil) an der Universität Kassel im
Fachbereich Sozialwesen ab. Von 2004 bis 2009 war sie als
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der damaligen Fachhochschule Koblenz
tätig und baute dort einen der ersten kindheitspädagogischen Studiengänge
mit auf.

An der EH Freiburg entwickelte sie gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus Fröhlich-
Gildhoff die Kindheitspädagogik als neue, eigenständige Disziplin, um das
Feld der Pädagogik mit Spitzenkräften besetzen zu können. Weltzien
übernahm 2009 die Leitung des Bachelor-Studiengangs Pädagogik der frühen
Kindheit für die folgenden sechs Jahre. Im April 2011 ging der Master
Bildung und Erziehung (BEK) im Kindesalter an den Start, zunächst unter
Leitung von Klaus Fröhlich-Gildhoff, der 2015 den Staffelstab an Dörte
Weltzien weitergab. Sie wiederum übergab 2024 die Leitung des Master-
Studiengangs an Prof.in Dr.in Silke Kaiser.

Rektorin Prof.in Dr.in Renate Kirchhoff: „Dörte Weltzien gehört zu den
Pionier*innen der akademischen Kindheitspädagogik. Sie hat wesentlich dazu
beigetragen, dass die Evangelische Hochschule früh bundesweit ein
anerkanntes Kompetenzzentrum der Kindheitspädagogik wurde. Für ihr
beharrliches Engagement, mit dem sie bis heute die Kindheitspädagogik
durch Lehre, Forschung und Transfer in Deutschland voranbringt, sind wir
ihr außerordentlich dankbar – nicht zuletzt im Interesse der Kinder und
Familien, die davon profitieren.“

Die Forschung war Dörte Weltzien immer besonders wichtig. Bereits 2010
stieg sie neben Klaus Fröhlich-Gildhoff in die Leitung des Zentrum für
Kinder- und Jugendforschung (ZfKJ) an der Hochschule ein; zum Leitungsteam
gehört inzwischen auch die Kindheitspädagogin Prof.in Dr.in Maike Rönnau-
Böse. Die Verbindung von Lehre und Forschung war und ist dem Team der
Kindheitspädagogik an der Hochschule ein zentrales Anliegen in der
Professionalisierung der Kindheitspädagogik. Auf der Forschungslandkarte
der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ist die Pädagogik der Kindheit ein
Forschungsschwerpunkt der Evangelischen Hochschule.

Zu den Arbeits- und Forschungsschwerpunkten von Dörte Weltzien zählen
Interaktions- und Beziehungsgestaltung, Kompetenz- und
Qualitätsentwicklung in Kitas sowie Vielfalt und Inklusion. Besonders
relevant war für sie der Bereich Teamentwicklung, denn die
bedarfsorientierte Teamzusammensetzung ist entscheidend für gute
Begleitung. Außerdem hat Dörte Weltzien aktiv an der Gründung des
„Studiengangstag Pädagogik der Kindheit“ mitgewirkt – einer bundesweiten
Interessenvertretung, der rund 50 Studiengänge der Kindheitspädagogik
aller Hochschultypen angehören.

Über 16 Jahre lang prägte Dörte Weltzien Lehre, Forschung und Transfer der
Kindheitspädagogik an der EH Freiburg. Herzstück ihrer Arbeit sind das
Beobachtungs- und Reflexionsinstrument GInA – Gestaltung von
Interaktionsgelegenheiten im Alltag und QuebIn - Qualitätsentwicklung
bindungsbezogener Interaktionen pädagogischer Fachkräfte in
Kindertageseinrichtungen, ein vom Bundesministerium für Forschung,
Technologie und Raumfahrt gefördertes Forschungsprojekt: beides umfassende
Qualitätsentwicklungsprogramme, die sich der zentralen Frage widmen, wie
allen Kindern im Kita-Alter Teilhabe ermöglicht werden kann. „Die Kita-
Praxis braucht andere Rahmenbedingungen, darunter bessere
Personalschlüssel, kleinere Gruppen und mehr akademisch qualifizierte
Fachkräfte“, betont Dörte Weltzien. Ungleichheit, Diskriminierung und
Ausgrenzung dürften nicht hingenommen, sondern müssten gesellschaftlich
auf allen Ebenen bekämpft werden.

Dafür setzte sie sich auch über die Hochschule hinaus ein, etwa in der
Politikberatung. Von 2020-2021 leitete sie für das Ministerium für Kultus,
Jugend und Sport Baden-Württemberg die Evaluation des Orientierungsplans
Baden-Württemberg und für das damalige Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) die Evaluation des Bundesprogramms
„Fachkräfteoffensive - Erzieherinnen und Erzieher: Nachwuchs gewinnen,
Profis binden“. Zudem engagierte sie sich in der Zertifizierungsinitiative
„Frühpädagogik Südbaden“ (ZFS), um ein verkürztes Bachelorstudium der
Kindheitspädagogik für staatlich anerkannte Erzieher*innen zu ermöglichen.
Zu den beteiligten Projektpartner*innen zählten beispielsweise die
zuständigen Landesministerien.

Mit den Kolleg*innen der Kindheitspädagogik hat Dörte Weltzien seit ihrem
Eintritt in die Hochschule eine Vielzahl an Weiterbildungsangeboten für
Kita-Fachkräfte entwickelt und durchgeführt und damit einen maßgeblichen
Qualitätsschub in die Praxis gebracht. Vor allem das wirkungsvolle Konzept
der Multiplikator*innenschulungen ist darauf ausgerichtet, dass Fachkräfte
neu erworbenes Wissen weiter in die Praxis bringen.

Aus der Zeit an der EH Freiburg wird ihr die Begegnung mit jungen,
motivierten Menschen in der Lehre besonders in Erinnerung bleiben. Dörte
Weltzien freut sich sehr, wenn ehemalige Studierende ihr berichten, wie
viel sie aus den Seminaren mitgenommen haben. „Eine Professur ist eine
wunderbare Möglichkeit, sich mit Überzeugung und großem Gestaltungsraum zu
engagieren“, resümiert sie.