Neues Buch von Viadrina-Historiker Dr. Frank Grelka über Zwangsarbeit als Beginn des Holocaust
Der Historiker Dr. Frank Grelka beschreibt in seinem am 24. September
erschienenen Buch „Mörderische Verschwendung. Der Beginn des Holocaust im
Generalgouvernement“ die Zwangsarbeit in den von Deutschland besetzten
polnischen Gebieten. Er rückt die Erinnerungen überlebender
Zwangsarbeiter*innen in den Fokus, die unter entmenschlichenden Umständen
im Distrikt Lublin Entwässerungsgräben anlegen mussten.
Mit seiner Arbeit
beschreibt Grelka, wie die Zwangsarbeit fern von wirtschaftlicher
Effizienz die Vernichtung polnischer Jüdinnen und Juden zum Ziel hatte.
„Mit meiner Studie möchte ich die Frühphase der nationalsozialistischen
Vernichtungspolitik neu beleuchten – aus der Nähe der Quellen, aus der
Perspektive der Betroffenen und mit Blick auf die Mechanismen deutscher
Besatzungspolitik, die aus ,Verschwendung‘ ein Instrument des Holocaust
machte“, so Frank Grelka. Besonders wichtig sei ihm die Perspektive der
wenigen Überlebenden – ihre Handlungsspielräume und ihr Überlebenswillen
–, um der Erfahrung der großen Mehrheit der jüdischen Zwangsarbeiter
gerecht zu werden, die nicht überlebten.
Im Zentrum seiner Untersuchung stehen 16 Lager für jüdische
Zwangsarbeiter*innen (ZAL), in denen seit dem Sommer 1940 polnische
Jüdinnen und Juden gezwungen wurden, Entwässerungsgräben zur Trockenlegung
von Sumpfgebieten im Osten des Distrikts Lublin zu schaufeln. Die
Bedeutung dieser Wasserwirtschaftslager für die Frühphase der Verfolgung
im deutsch besetzten Polen sei bislang kaum erforscht worden, so Grelka.
Erschienen ist das Buch als Band 16 in der Reihe „Interdisciplinary Polish
and Ukrainian Studies“ vom Viadrina Center of Polish and Ukrainian Studies
(VCPU). Das Projekt wurde finanziert von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG). Dank der Förderung durch den
Publikationsfonds des Landes Brandenburg steht die Monographie allen
Interessierten im Open-Access-Format zur Verfügung.
