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Großes Jubiläum im Forschungsverbund: 25 Jahre Nachwuchswissenschaftlerinnenpreis

Dr. Afroditi Grigoropoulou  Quelle: Berit Kraushaar  Copyright: BeritKraushaar/FVB
Dr. Afroditi Grigoropoulou Copyright: BeritKraushaar/FVB
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Die Biologin Dr. Afroditi Grigoropoulou wird mit dem renommierten Marthe-
Vogt-Preis ausgezeichnet.
2025 feiert der Forschungsverbund Berlin e. V. (FVB) ein ganz besonderes
Jubiläum: Der Marthe-Vogt-Preis für exzellente
Nachwuchswissenschaftlerinnen wird ein Vierteljahrhundert alt

. Im
Jubiläumsjahr erhält die Biologin Dr. Afroditi Grigoropoulou (Leibniz-
Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, IGB) die Auszeichnung.
Die Preisverleihung findet am 13. Oktober 2025 im Berliner
Naturkundemuseum statt.

DIE PREISTRÄGERIN
Dr. Afroditi Grigoropoulou verteidigte ihre innovative Dissertation mit
dem Titel „Open science approaches on assessing global aquatic insect
biodiversity“ im November 2024. Ihr komplexes Projekt erarbeitete sie als
Doktorandin in der internationalen Forschungsgruppe „Globale
Süßwasserbiodiversität“ unter der Leitung von Dr. Sami Domisch am Leibniz-
Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Die Biodiversität
aquatischer Insekten ist ein wichtiger Marker für die Gesundheit eines
Ökosystems, d. h. von Gewässern. Diese wiederum wird durch den Klimawandel
beeinflusst. Grigoropoulou erarbeitete in ihrem Dissertationsprojekt die
erste internationale, standardisierte, standortbezogene Datenbank für
Süßwasserinsekten. Sie entwickelte außerdem Tools zur Kartierung von
Flüssen – keine einfache Aufgabe, denn im Gegensatz zum Festland sind
Flüsse komplexe, miteinander verbundene, fließende Systeme. Und
schließlich untersuchte sie die ökologische Nischenbreite aquatischer
Insekten, d. h. räumliche Muster, in denen hochspezialisierte Insekten
vorkommen. Solche stark spezialisierten Arten reagieren besonders stark
auf den Klimawandel und damit einhergehende Veränderungen von Ökosystemen.

Nutzen und Implikationen ihrer Forschung sind nicht zu unterschätzen!
Aufgrund der Daten und Werkzeuge, die Grigoropoulou zusammengestellt,
erarbeitet und untersucht hat, könnten zukünftig beispielsweise
Voraussagen darüber getroffen werden, wie der Klimawandel die
Biodiversität von Süßwasserinsekten beeinflusst, die wiederum wesentliche
Plätze in den Nahrungsketten ihrer Ökosysteme einnehmen. Damit leistete
Grigoropoulou einen wichtigen Beitrag zum Verständnis dieses Komplexes.

Die Juror*innen waren nicht nur von den Forschungsergebnissen der
Preisträgerin beeindruckt, die in bereits neun Publikationen einflossen,
sofern auch von ihrer Fähigkeit, ein großes internationales
Forscher*innenteam unter einer gemeinsamen Zielsetzung zusammenzubringen.

Die Nachwuchswissenschaftlerin, inzwischen Postdoc am IGB, stammt
ursprünglich aus Griechenland. Sie erwarb ihren Bachelorabschluss im Fach
Biologie an der Universität Athen und zog für ihr Masterstudium im Fach
„Ecology, Environmental Management and Restoration“ nach Barcelona, wo sie
bereits ein Erasmusjahr absolviert hatte. Dort arbeitete sie in einem
meeresbiologischen Lab und spezialisierte sich schließlich auf
Süßwasserinsekten. Nach Berlin und zum IGB kam sie 2020 während der
Coronapandemie.

Grigoropoulou stellt fest, dass Geschlechterdiskriminierung zwar nach wie
vor ein Problem in der Wissenschaft ist, in ihrem Fachgebiet fühlt sie
sich jedoch dank ihrer unterstützenden Kolleg*innen und ihres Betreuers,
Dr. Sami Domisch, sehr willkommen – selbst im eher männlich dominierten
Bereich der Bioinformatik. Nach ihrer Erfahrung haben in Deutschland
Faktoren wie ethnischer Hintergrund und Sprachbarrieren oft einen größeren
Einfluss auf die Arbeit von Wissenschaftler*innen als das Geschlecht.
„Aktuell bekomme ich immer wieder die politische Tendenz zur
Ausländer*innenfeindlichkeit zu spüren.“ Deshalb ist Grigoropoulou
begeistert davon, dass Marthe Vogt nach ihrer Emigration nach
Großbritannien deutsche Jüdinnen und Juden, Antifaschist*innen aus dem
franquistischen Spanien, politische Gefangene und andere Menschen, die vor
dem Faschismus flohen, unterstützte. „Wir Wissenschaftler*innen stehen
heute unter dem Druck, uns politisch gar nicht oder neutral zu äußern. Das
finde ich schwierig. Neutralität stärkt oft die Position der
Unterdrückenden.“

DER PREIS
Der Marthe-Vogt-Preis (damals noch Nachwuchswissenschaftlerinnenpreis)
wurde 2001 vom Forschungsverbund Berlin ins Leben gerufen. Er ist nach der
Pharmakologin und Neurologin Marthe Louise Vogt (1903–2003) benannt, die
Neurotransmitter erforschte. Sie arbeitete als leitende Wissenschaftlerin
im Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch. 1935 verließ
sie Deutschland aufgrund ihrer Gegnerinnenschaft zum Nationalsozialismus,
migrierte nach Großbritannien und setzte ihre Forschung dort mit großem
Erfolg fort.

Der mit 3.000,00 € dotierte Preis wird an junge Wissenschaftlerinnen aus
dem Raum Berlin-Brandenburg verliehen, die in jüngster Vergangenheit eine
außergewöhnlich gute Dissertation auf einem der Forschungsgebiete der
Institute des FVB vorgelegt haben, u. a. Molekulare Pharmakologie,
Strukturbiologie und Chemische Biologie, Neue Materialien,
Gewässerökologie und Biodiversitätsforschung, Biologie, Veterinärmedizin
und Umweltforschung, Nanomaterialien, Quantenmaterialien, Optoelektronik
und Materialwissenschaften, Laserforschung und Licht-Materie-
Wechselwirkung sowie Angewandte Mathematik. Vorschlagsberechtigt sind
Direktor*innen außeruniversitärer wissenschaftlicher Einrichtungen sowie
Professor*innen und habilitierte Mitglieder der Fakultäten von
Hochschulen. Die erste Preisträgerin 2001 war die Biochemikerin Dr.
Kathrin Plath, die heute ein eigenes Lab an der UCLA leitet.

DIE PREISVERLEIHUNG
Die Preisverleihung findet am 13. Oktober 2025 um 18:00 Uhr im Berliner
Naturkundemuseum statt. Viele hochrangige Gäste sind zur Veranstaltung
geladen. Im Rahmen der feierlichen Zeremonie wird Dr. Afroditi
Grigoropoulou ihre Arbeit vorstellen, das Grußwort spricht Prof. Dr.
Dorothea Fiedler, stellvertretende Vorstandssprecherin des FVB sowie
Direktorin am Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie. Als
besonderes Highlight der Veranstaltung hält die bekannte Moderatorin und
Wissenschaftskommunikatorin Shary Reeves eine Keynote mit dem Titel
„Vielfalt denkt weiter – Warum Forschung Empathie braucht“.

DIE JURY
Prof. Dr. Stefan Eisebitt (Vorsitzender), Direktor am Max-Born-Institut
für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie
Prof. Dr. Jörns Fickel, Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo- und
Wildtierforschung
Prof. Dr. Dorothea Fiedler, Direktorin am Leibniz-Forschungsinstitut für
Molekulare Pharmakologie
Dr. Camila Mazzoni, Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Zoo- und
Wildtierforschung
Prof. Dr. Nathalie Picqué, Direktorin am Max-Born-Institut für
Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie
Prof. Dr. Thomas Schröder, Direktor des Leibniz-Instituts für
Kristallzüchtung