Tag der älteren Generation: Pflegegrad 1 stärker für die Prävention nutzen
Am internationalen Tag der älteren Generation, am 1. Oktober, wird
weltweit das Augenmerk auf die ältere Generation gerichtet.
Benachteiligungen oder Ausgrenzungen sollen überwunden werden,
Möglichkeiten zur diskriminierungsfreien Teilhabe geschaffen werden. Mit
Blick auf die Diskussion um eine mögliche Abschaffung des Pflegegrades 1
schlägt Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche
Altershilfe (KDA), vor, die Möglichkeiten einer frühen Intervention noch
stärker zu nutzen.
Dazu sollten die Teilnahme an Beratungen über
Präventionsmaßnahmen und über geeignete Behandlungsmöglichkeiten gefördert
und die Beratungsstellen ausgebaut werden.
„Ein wichtiger Aspekt des Pflegegrades 1 ist die Möglichkeit der frühen,
präventiven Intervention“, erklärte Dr. Alexia Zurkuhlen. „Mit Pflegegrad
1 erhalten wir Zugang zu Menschen, die noch wenig pflegebedürftig sind.
Darauf zu verzichten, würde die Gelegenheit verstreichen lassen, sie und
ihr Umfeld zu diesem wichtigen Zeitpunkt zu erreichen."
Mit Teilhabe-Angeboten, Reha-Maßnahmen oder besonderen Behandlungen könne
der Allgemeinzustand oft verbessert oder stabilisiert werden, so die KDA-
Vorständin. Oder eine weitere Verschlechterung könne hinausgezögert
werden. „Das Wissen bei Betroffenen und Angehörigen um Zusammenhänge und
Möglichkeiten bietet eine enorme Chance – auch mit Blick auf eine
Reduzierung von Kosten. Man sollte also im Gegenteil die unabhängigen
Beratungsangebote ausbauen und diese regelmäßig anbieten, statt die
Pflegestufe zu streichen.“
Zudem sei der Entlastungsbetrag, der ab Pflegegrad 1 gezahlt werde, eine
„wichtige Säule zur Ermöglichung von Teilhabe und einem selbstbestimmten
Leben in den eigenen vier Wänden“, fuhr Zurkuhlen fort. Das könne eine
Leistung eines ambulanten Pflegedienstes sein. „Damit kann man aber auch
jemanden entlohnen, der sauber macht, oder helfenden Nachbarn eine
Aufwandsentschädigung zahlen“, so Zurkuhlen. „Würde Pflegegrad 1
gestrichen, wären davon direkt rund 860.000 Menschen betroffen und
indirekt noch sehr viel mehr Menschen – pflegende Angehörige, hilfsbereite
Nachbarn und ambulante Pflegedienste.“
Reset - konkrete Schritte zu einer nachhaltigen Reform der Pflege
Die ambulante Versorgung würde geschwächt, statt sie zu stärken,
unterstrich Zurkuhlen. „Der Entlastungsbetrag ist ein starkes Instrument
zu Förderung der Nachbarschaftshilfe. Die wiederum stärkt den Verbleib in
den eigenen vier Wänden.“ Auch würde das Wegfallen dieser
Unterstützungsförderung „voraussichtlich die stärkere Inanspruchnahme von
ärztlichen Leistungen“ zur Folge haben.
Tatsächlich brauche es eine grundlegende Reform der Pflege. „Mit
Einzelmaßnahmen kommen wir nicht weiter“, betonte Zurkuhlen und verwies
auf das Strategiepapier des KDA „Reset Pflegeversicherung – Strukturreform
Pflege und Teilhabe III“, in dem die Autoren Klie, Ranft & Szepan
dezidiert und praxisnah die notwendigen Schritte zu einer Reform der
Pflegeversicherung und der Pflegefinanzen darlegen.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershile
(KDA):
Originalpublikation:
https://kda.de/tag-der-aeltere
nutzen-beratung-ausbauen/
