Kein Grund zur Sorge: Freundliche Drohnen über Hohenheimer Gärten
Datengetriebenes Bewässerungsmanagement: Seit April setzt die Universität
Hohenheim regelmäßig Drohnen über Grünflächen ein. In diesen Tagen blickt man anders in den Himmel. Spätestens seit der
Münchner Flughafen seinen Betrieb wegen dubioser Drohnenflüge unterbrechen
musste, löst der Anblick ferngesteuerter Flugobjekte bei vielen
unwillkürlich ein mulmiges Gefühl aus.
In den Gärten der Universität
Hohenheim in Stuttgart gibt es dazu allerdings ausdrücklich keinen Grund:
Die regelmäßigen Drohnenflüge hier sind Teil eines wissenschaftlichen
Projekts zum Schutz des historischen Baumbestands und für ein nachhaltiges
Bewässerungsmanagement.
Sie ist rund 80 cm groß (ohne Propreller) und dreht schon seit April ca.
einmal pro Woche ihre Kreise über den Hohenheimer Gärten.
„Bei den Besucher:innen sorgt unsere High-Tech-Drohne schon mal für
neugierige Nachfragen“, weiß Helmut Dalitz, der wissenschaftliche Leiter
der Hohenheimer Gärten. „Die Kolleg:innen vor Ort klären
selbstverständlich gerne auf, was es mit unserem neuen Helfer in der Luft
auf sich hat.“
Datengestützte Bewässerung gegen Klima-Stress
Tatsächlich ist die Technik keine Spielerei, sondern hat einen ernsten
Hintergrund. Denn der Klimawandel setzt den bis zu 200 Jahre alten
Baumbestand der Hohenheimer Gärten zunehmend unter Stress.
„Unsere Drohne ist mit einer Spezialkamera ausgestattet, die uns wichtige
Daten über die Gesundheit und den Wasserbedarf unserer Bäume liefert.
Beispielsweise interessiert uns in den kommenden Wochen besonders, wann
genau die Bäume ihr Laub verlieren“, erklärt Dalitz.
Die Drohnendaten helfen ihm und seinem Team nicht nur die alten Bäume zu
schützen, sondern auch den Wasserverbrauch durch gezielte Bewässerung zu
minimieren. Dazu tragen auch Daten von rund 100 Sensoren bei, die
Baumkletterer an Kronen ausgewählter Baumriesen installiert haben.
Medienberichte sorgen für Nachfragen
„Bisher überwog bei den Spaziergänger:innen vor allem die Neugier und das
Interesse an unserem Projekt. Tatsächlich könnte unser Pilotprojekt ein
Vorbild für Grünanlagen in ganz Deutschland werden“, berichtet Dalitz
stolz. „Dafür erhalten wir eine Förderung in Höhe von 350.000 Euro von der
Eva Mayr-Stihl Stiftung.“
Angesichts der aktuellen Schlagzeilen zu Drohnenvorfällen, etwa am
Münchner Flughafen, seien in den letzten Tagen allerdings auch erste
besorgte Nachfragen eingegangen. Der Stuttgarter Flughafen befindet sich
immerhin in unmittelbarer Nähe.
„Wir möchten daher noch einmal ausdrücklich Entwarnung geben“, betont
Dalitz. „Unsere Drohne ist freundlich gesinnt und steht ganz im Dienst
unserer wertvollen Bäume. Selbstverständlich sind alle Flüge bei den
zuständigen Behörden und der Polizei angemeldet. Dem Flughafen kommt sie
niemals näher als 1.700 Meter.“
Sicherheit hat oberste Priorität
Die strengen Sicherheitsvorgaben nehmen Dalitz und sein Team sehr ernst.
Dazu gehört, dass bei jedem Flug immer zwei ausgebildete Drohnenpiloten
parallel im Einsatz sind. Die Drohne selbst verfügt über eingebaute
Ersatzsysteme, die auch bei Ausfall eines Akkus oder Flugmotors eine
sichere Landung ermöglichen.
Einer der Drohnenpiloten ist Christian Trautmann von der Fakultät
Agrarwissenschaften. Als Mitarbeiter des Instituts für Phytomedizin
verfügt er bereits über langjährige Erfahrung. Denn diese und andere
Drohnen werden auch über landwirtschaftlichen Versuchsflächen eingesetzt,
beispielsweise um Krankheiten von Ackerpflanzen zu erkennen.
Dass eine unbekannte Drohne bei Passant:innen Unbehagen auslösen kann,
kann er durchaus nachvollziehen. Deshalb liegt auch ihm Aufklärung am
Herzen.
„Wir fliegen ausschließlich über klar definierte Bereiche der Hohenheimer
Gärten“, betont er. „Vom Boden aus lässt sich die genaue Position einer
Drohne allerdings oft nur schwer einschätzen. Es kann also für Laien unter
Umständen so wirken, als flögen wir auch über das Schloss oder die Mensa.
Tatsächlich bestimmt die Drohne ihre Position jedoch auf zwei Zentimeter
genau. Ein Verlassen des erlaubten Bereichs – selbst aus einem Versehen
heraus – ist technisch ausgeschlossen.“
Hintergrund: Projekt-Steckbrief
• Titel: Datengestützte Bewässerung von Gehölzen in öffentlichen
Parks
• Fördersumme: 350.000 Euro
• Förderinstitution: Eva Mayr-Stihl Stiftung
• Dauer: 1.1.2025 – 31.12.2027
• Beteiligte: Hohenheimer Gärten
Text: Leonhardmair
