Ukraine Support Tracker: Militärhilfe sinkt drastisch ein – trotz neuer NATO-Initiative
Die Militärhilfe in die Ukraine ging im Juli und August 2025 trotz der
Einführung der NATO-Initiative Prioritized Ukraine Requirements List
(PURL) stark zurück. Die finanzielle und humanitäre Unterstützung blieb
hingegen stabil und wird hauptsächlich von EU-Institutionen getragen. Das
zeigt das neueste Update des Ukraine Support Trackers, das internationale
Regierungshilfen an die Ukraine bis einschließlich August 2025 erfasst.
Der größte Teil der Militärhilfen im Beobachtungszeitraum stammte aus der
neuen NATO-PURL-Initiative. Sie wurde im Juli bei einem Treffen zwischen
NATO-Generalsekretär Mark Rutte und US-Präsident Donald Trump beschlossen
und ermöglicht der NATO, einsatzbereite Waffen aus US-Arsenalen für die
Ukraine zu erwerben. Bis August hatten acht NATO-Länder dafür Mittel zur
Verfügung gestellt: Belgien, Dänemark, Deutschland, Kanada, Lettland, die
Niederlande, Norwegen und Schweden. Sie wiesen insgesamt 1,9 Mrd. EUR zu.
Militärhilfe fällt um 43 Prozent gegenüber erster Jahreshälfte
Trotz des Starts des neuen Mechanismus ging die Militärhilfe insgesamt im
Juli und August deutlich zurück. Nachdem die USA Anfang 2025 die
Ankündigung neuer Hilfspakete eingestellt hatten, sprangen die
europäischen Länder ein und weiteten ihre militärische Unterstützung
deutlich aus. Infolgedessen überstieg das monatliche Durchschnittsniveau
zugewiesener Militärhilfen in der ersten Jahreshälfte 2025 dasjenige der
Jahre 2022–2024 – trotz der fehlenden Beiträge der USA. Im Sommer brach
diese Dynamik jedoch ein: Die zugewiesenen Militärhilfen der europäischen
Länder sanken um 57 Prozent im Vergleich zu Januar bis Juni 2025 – selbst
unter Einbeziehung ihrer Beiträge zur NATO-PURL-Initiative. Der monatliche
Durchschnitt aller Militärhilfen lag in diesem Zeitraum damit 43 Prozent
unter dem Niveau der ersten Jahreshälfte 2025.
„Da die militärische Unterstützung der Ukraine zunehmend auf neuen
Rüstungsbeschaffungen basiert – deren Umsetzung oft Monate oder Jahre
dauert – ist die NATO-PURL-Initiative ein wichtiges Vehikel, um die
Ukraine kurzfristig mit einsatzbereiten Waffen aus US-Beständen zu
versorgen“, sagt Christoph Trebesch, Leiter des Ukraine Support Trackers
und Forschungsdirektor am Kiel Institut. „Gleichzeitig ist der Rückgang
der Militärhilfen im Juli und August überraschend. Trotz der NATO PURL-
Initiative fährt Europa die militärische Unterstützung insgesamt zurück.
Entscheidend wird sein, wie sich die Zahlen im Herbst entwickeln.“
EU hält zivile Hilfe auf hohem Niveau
Zwischen Juli und August wurden 7,5 Mrd. Euro finanzielle und humanitäre
Hilfen zugewiesen – ein Volumen, das dem Niveau der ersten Jahreshälfte
und der Vorjahre entspricht. Von den neu zugewiesenen Mitteln stammen 86
Prozent von EU-Institutionen, darunter neue Tranchen im Rahmen der Ukraine
Facility (5,4 Mrd. EUR) und des ERA-Kreditmechanismus (1 Mrd. EUR).
„Das Gesamtvolumen der finanziellen und humanitären Unterstützung ist
vergleichsweise stabil geblieben – selbst ohne die Beiträge der USA“, sagt
Trebesch. „Entscheidend ist nun, dass diese Stabilität auch auf die
militärische Unterstützung übergreift, da die Ukraine darauf angewiesen
ist, um ihre Verteidigungsanstrengungen vor Ort aufrechtzuerhalten.“
Über den Ukraine Support Tracker
Der Ukraine Support Tracker erfasst und quantifiziert militärische,
finanzielle und humanitäre Hilfen, die der Ukraine seit dem 24. Januar
2022 (aktuell bis August 2025) zugesagt wurden. Berücksichtigt sind 40
Länder, spezifisch die EU-Staaten, die weiteren Mitglieder der G7,
Australien, Südkorea, Norwegen, Neuseeland, die Schweiz, die Türkei,
China, Taiwan und Indien. Erfasst sind Zusagen, die Regierungen dieser
Länder der ukrainischen Regierung gemacht haben; Hilfszusagen der EU-
Kommission und der Europäischen Investitionsbank sind separat aufgeführt;
private Spenden oder solche internationaler Organisationen wie des IWF
sind in der Hauptdatenbank nicht enthalten. Ebenso nicht mitgezählt sind
Hilfen an Nachbarländer der Ukraine wie Moldawien oder andere Länder –
etwa für die Aufnahme von Geflüchteten.
Datenquellen sind Bekanntgaben offizieller Regierungsstellen und Berichte
internationaler Medien. In Sachmitteln geleistete Hilfe wie zum Beispiel
Medizingüter, Lebensmittel oder militärisches Gerät werden anhand von
Marktpreisen oder Angaben aus früheren Hilfskampagnen geschätzt. In
Zweifelsfällen werden die höheren verfügbaren Werte angesetzt.
Der Ukraine Support Tracker wird laufend erweitert, korrigiert und
verbessert. Anregungen dazu sind sehr willkommen und können gerne an
Mehr Informationen und die kompletten Daten finden Sie auf der Webseite
(https://www.kielinstitut.de/d
/ukraine-support-tracker/
Mehr zur Methodik des Ukraine Support Trackers steht in einem vertiefenden
Kiel Working Paper (https://www.kielinstitut.de/d
ukraine-support-tracker-which-
