Zum Hauptinhalt springen

Vom Samen zur Faser: die Renaissance der Hanfpflanze als nachhaltiges Multitalent

Vom Samen zur Faser Symbolbild pexels
Vom Samen zur Faser Symbolbild pexels
Pin It

Hanf zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Schon vor über zehntausend Jahren wussten die Kulturen in Asien und Europa um den immensen Wert dieser Pflanze. Ihre Fasern dienten zur Herstellung von Segeln und Kleidung, die Samen waren ein wichtiges Grundnahrungsmittel.

Doch aufgrund seiner Verbindung zu bestimmten Inhaltsstoffen geriet der Nutzhanf in vielen Teilen der Welt in Vergessenheit. Heute erlebt er eine beeindruckende Renaissance.

Angesichts der globalen Forderung nach mehr Nachhaltigkeit und umweltfreundlichen Rohstoffen wird die Hanfpflanze als echtes Multitalent wiederentdeckt. Sie wächst schnell, ist robust und kommt ohne aggressive Pflanzenschutzmittel aus.

Das Besondere am Nutzhanf: Er ist eine der wenigen Pflanzen, deren Bestandteile nahezu komplett verwertet werden können – von der Wurzel bis zur Blüte. Jeder Teil der Pflanze liefert wertvolle Rohstoffe für die unterschiedlichsten Industrien.

Blüten, Blätter und Extrakte: die wertvollen Inhaltsstoffe

Die oberen Teile der Hanfpflanze – die Blüten und die Blätter – sind besonders reich an sekundären Pflanzenstoffen. Hier finden sich die sogenannten Cannabinoide, die in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus von Forschung und Industrie gerückt sind.

Aus diesen Teilen werden verschiedene Produkte gewonnen, wobei die rechtlichen Rahmenbedingungen in vielen Ländern noch im Wandel sind.

Die Rolle von Extrakten

Eines der bekanntesten Endprodukte aus den Blüten und Blättern ist das Cannabidiol (CBD). Dieser nicht psychoaktive Pflanzenstoff wird mithilfe komplexer Extraktionsverfahren aus der Biomasse gewonnen. Er findet in einer Vielzahl von Konsumprodukten Anwendung, etwa in kosmetischen Mitteln oder als Nahrungsergänzung.

Die Konzentration dieser Extrakte ist dabei unterschiedlich. So kann beispielsweise 20-prozentiges CBD-Öl hergestellt werden, indem der isolierte Pflanzenstoff mit einem Trägeröl, wie etwa Hanfsamenöl, gemischt wird. Produkte, die auf solchen Extrakten basieren, sind ein wichtiger Wirtschaftszweig geworden und zeigen das breite Anwendungsspektrum der Hanfblüte.

Ein weiterer Teil der Blätter wird traditionell auch für die Zubereitung von Aufgüssen genutzt, die als einfacher und geschmacklicher Genuss geschätzt werden.

Die Kraft der Hanfsamen: von Superfood zu Hautpflege

Während die Blüten und Blätter ihre wertvollen Cannabinoide liefern, ist der Samen – botanisch eine Nuss – ein echtes Kraftpaket in der Ernährung. Hanfsamen sind ein regionales Superfood, das durch sein außergewöhnliches Nährwertprofil besticht.

Hanfsamen bestehen zu einem hohen Anteil aus Öl und Protein und sind daher für eine ausgewogene Ernährung besonders wertvoll:

  • Hochwertiges Protein: Die Samen enthalten alle neun essentiellen Aminosäuren, was sie zu einer vollständigen pflanzlichen Proteinquelle macht.

  • Fettsäure-Balance: Hanfsamenöl, das durch Kaltpressung gewonnen wird, zeichnet sich durch ein nahezu ideales Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren aus. Diese Balance ist ernährungsphysiologisch besonders vorteilhaft.

Geschälte Hanfnüsse haben einen angenehm nussigen Geschmack und können roh über Salate gestreut, in Smoothies gemischt oder zu Mehl verarbeitet werden, das sich gut zum Backen eignet.

Nutzung in der Kosmetik

Das aus den Samen gepresste Hanföl ist auch in der Kosmetik ein geschätzter Inhaltsstoff. Es wird oft für Cremes, Lotions und Shampoos verwendet, da es reich an Vitamin E und ungesättigten Fettsäuren ist, die zur Pflege von Haut und Haar beitragen. Das Fettsäuremuster des Hanföls ähnelt dem der menschlichen Haut, was die Aufnahme der pflegenden Bestandteile unterstützt.

Stängel und Fasern: Baustoff und Textil der Zukunft

Neben den wertvollen Samen und Extrakten aus Blüten und Blättern sind die Stängel der Hanfpflanze ein begehrter Rohstoff für die Industrie. Die Stängel bestehen im Wesentlichen aus zwei Komponenten, die beide vollständig verwertbar sind: den langen Außenfasern und den holzigen Innenbestandteilen, den sogenannten Schäben.

Die Hanffaser in der Textilindustrie

Die langen, robusten Hanffasern gehören zu den stärksten Naturfasern überhaupt. Sie sind reißfester als Baumwolle, benötigen im Anbau deutlich weniger Wasser und kommen fast gänzlich ohne Pestizide aus – ein klarer Gewinn für die Nachhaltigkeit in der Textilproduktion. Aus ihnen werden strapazierfähige Stoffe für Bekleidung, aber auch Seile und technische Textilien hergestellt.

Die Schäben als ökologischer Baustoff

Die holzigen Hanfschäben, die beim Aufschluss der Fasern übrig bleiben, haben sich als hervorragendes Füll- und Dämmmaterial erwiesen. Gemischt mit Kalk entsteht Hanfkalk oder Hanfbeton – ein innovativer, ökologischer Baustoff, der zahlreiche Vorteile bietet:

  • Hervorragende Klimabilanz: Während des Wachstums bindet die Hanfpflanze große Mengen an CO₂. Hanfkalk speichert rechnerisch mehr Kohlenstoffdioxid, als bei seiner Herstellung freigesetzt wird.

  • Wärme- und Feuchtemanagement: Hanfkalk weist gute Dämmwerte auf, speichert Wärme und kann durch seine poröse Struktur Feuchtigkeit regulieren. Dies sorgt für ein besseres Raumklima und wirkt natürlich schimmelhemmend.

  • Volle Verwertung: Durch die Nutzung der Schäben wird die Hanfpflanze auch in der Bauindustrie zu einem Zero-Waste-Rohstoff.

Die industrielle Nutzung des Hanfstängels positioniert die Pflanze damit als zukunftsweisende Alternative zu konventionellen, ressourcenintensiven Materialien.

Vom Samen bis zur Faser – der Hanf als nachhaltiges Multitalent

Die Hanfpflanze ist mehr als nur eine Kulturpflanze der Vergangenheit; sie ist ein Multitalent der Zukunft.

Ihre Renaissance begründet sich in der Fähigkeit, fast vollständig verwertet zu werden:

  • Die Blüten und Blätter liefern wertvolle Cannabinoide und Extrakte (wie CBD).

  • Die Samen sind ein Superfood, das reich an Proteinen und essentiellen Fettsäuren ist.

  • Die Stängel liefern Fasern für robuste Textilien und die holzigen Schäben dienen als ökologischer, CO₂-bindender Baustoff.

In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit oberste Priorität hat, bietet der Hanf eine ressourcenschonende und vielseitige Lösung für Ernährung, Bauwesen und Textilindustrie. Er demonstriert eindrucksvoll, wie traditionelle Pflanzenrohstoffe die moderne Kreislaufwirtschaft bereichern können.