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Nach Sanierung des Philosophenturms: Berühmtes Kokoschka-Gemälde kehrt an die Universität Hamburg zurück

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Im Philosophenturm der Universität Hamburg ist nun auch die Kunst zurück:
Ein großes, dreiteiliges Gemälde des bedeutenden österreichischen
Künstlers Oskar Kokoschka hängt wieder im Hörsaal D auf dem Campus Von-
Melle-Park. Im Zuge der umfassenden Sanierungsarbeiten an dem Gebäude
musste das Werk „Thermopylae oder der Kampf um die Errettung des
Abendlandes“ 2019 eingelagert werden. Nun ist das bei Studierenden und
Forschenden beliebte Triptychon wieder an seinem Platz – und durch
aufwendige Maßnahmen bestens geschützt.

Während der Sanierungsarbeiten im höchsten Gebäude auf dem Campus Von-
Melle-Park wurde auch in dessen Hörsaal D eine Sprinkleranlage
installiert, aus der im Brandfall oder beim Auslösen der Anlage mehrere
Hektoliter Wasser von der Decke in den Raum gelangen. Weil dadurch das
wertvolle Gemälde unwiederbringlich beschädigt werden könnte, hat sich die
Universität Hamburg um einen passgenauen und durchdachten Schutz des Werks
gekümmert. Die Lösung wurde durch ein Expertenteam der Universität unter
Federführung der Stabsstelle für wissenschaftliche Sammlungen sowie
gemeinsam mit der Sprinkenhof GmbH, einer Diplomrestauratorin sowie dem
Denkmalschutzamt Hamburg entwickelt.

So haben die Rahmen der drei Bilder in der Restaurierungswerkstatt des
Hamburger Denkmalschutzamtes an den Verglasungen auf der Vorderseite und
an den Rückwänden eine wasserdichte Abdichtung durch zusätzliche
Dichtbänder erhalten. Zudem wurden die Bilderrahmen durch zusätzliche
Leisten verstärkt, um ausreichend Platz für Kunststoffplatten aus Silica-
Gel zu schaffen, die zukünftig die jahreszeitlich bedingten klimatischen
Schwankungen der Luftfeuchte in den dann abgedichteten Rahmen ausgleichen
sollen.

Da dieser Umbau das Gesamtgewicht der einzelnen Werke (jedes Bild wiegt
etwa 140 Kilogramm) um circa 30 Prozent erhöht hat, wurde zur Sicherheit
in dem täglich von etwa 3000 Personen besuchten Gebäude ein Ingenieurbüro
mit der statischen Prüfung der im Hörsaal vorhandenen Wandhaken aus den
1960er Jahren sowie der Tragfähigkeit der alten Rahmenaufhängungen und der
neu konstruierten Bilderrahmen beauftragt. Die alten Wandhaken mussten
nach der Prüfung entfernt werden, weil sie zu schwach waren und die Lasten
nicht hätten tragen können. Neue Wandanker aus Stahl wurden direkt in die
Wand hinter der Holzvertäfelung eingebaut. In den vergangenen Tagen
konnten die Gemälde vor Ort im Hörsaal D in die Rahmen eingesetzt und
aufgehängt werden, was heute offiziell gefeiert wurde.

„Identitätsstiftendes Symbol unserer wissenschaftlichen Kultur“

Prof. Dr. Hauke Heekeren, Präsident der Universität Hamburg: „Die Rückkehr
des Kokoschka-Gemäldes an seinen ursprünglichen Ort im Philosophenturm ist
ein bedeutendes Ereignis für die Exzellenzuniversität Hamburg. Sie
vervollständigt die erfolgreiche Sanierung des Gebäudes und bereichert das
kulturelle Leben unserer Hochschule. Besonders freut mich, dass das Werk –
1954 im Geist humanistischer Bildung entstanden – weiterhin in einem
Hörsaal seinen Platz findet und damit die enge Verbindung von Kunst,
Wissenschaft und gesellschaftlicher Verantwortung verkörpert. Mein
herzlicher Dank gilt allen Beteiligten.“

Prof. Dr. Silke Segler-Meßner, Dekanin der Fakultät für
Geisteswissenschaften an der Universität Hamburg: „Das Kokoschka-
Triptychon ist für unsere Fakultät weit mehr als nur ein Kunstwerk – es
ist ein identitätsstiftendes Symbol unserer wissenschaftlichen Kultur,
unserer Tradition und unseres engagierten Bekenntnisses zu kreativen und
kritischen Denkweisen. Das Triptychon erinnert uns daran, wie
unverzichtbar es ist, die lebendige Verbindung zwischen Kunst, Geschichte
und Wissenschaft aufrechtzuerhalten und damit unsere gemeinsame Kultur des
Denkens und Lernens nachhaltig zu stärken. Der ‚Kokoschka‘ gehört zur
Fakultät der Geisteswissenschaften, zum Philosophenturm – und umgekehrt.“

Das großformatige Gemälde mit dem Titel „Thermopylae oder Der Kampf um die
Errettung des Abendlandes“ hat der bedeutende österreichischer Maler,
Grafiker und Schriftsteller Oskar Kokoschka (1886-1980) 1954 für die
Universität Hamburg in Tempera auf Leinwand angefertigt. Es zeigt in drei
Szenen die griechische Erzählung der Schlacht an den Thermopylen, die von
dem antiken Geschichtsschreiber Herodot überliefert ist.

Ursprünglich hatte der Künstler von der Universität dafür kein Geld,
sondern nur „eine große Wand“ haben wollen, die ihm der damalige Rektor
der Universität Hamburg, Bruno Snell, 1952 versprach. Doch nach der
Fertigstellung des Werks entschuldigte sich Kokoschka, dass er das
Versprechen einer Schenkung nicht einhalten könne, da viel Lebensenergie
in den Gemälden stecke und er darüber hinaus auch an seine Familie denken
müsse.

Die Universität trat daraufhin gemeinsam mit der Freien und Hansestadt
Hamburg in Verhandlungen ein, um die Gemälde zu kaufen, was durch ein
Darlehen des Hamburger Industriellen Kurt A. Körber möglich wurde.
Letztendlich übernahmen der Unternehmer und Kunstmäzen Philipp F. Reemtsma
und seine Frau Gertrud die gesamte Summe und stifteten der Universität
damit das bekannteste und wertvollste Kunstwerk ihrer Sammlung. Seit Mai
1963 hat es seinen Platz im Philosophenturm.