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Für optimale Sprachverständlichkeit in Film und Fernsehen

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»Speech Intelligibility Meter« in internationale Broadcast-
Produktionslösung integriert
In Film-, Fernseh-, Streaming- oder Live-Produktionen ist die
Gewährleistung guter Sprachverständlichkeit eine der größten
Herausforderungen von professionellen Tonschaffenden.

Algorithmen des
Fraunhofer IDMT in Oldenburg geben Handlungsempfehlungen durch eine
objektive Bewertung der Höranstrengung in Echtzeit. In enger
Zusammenarbeit und nach langjähriger Forschungskooperation integrierte RTW
die Technologien nun in seine hardwarebasierte Audiomessplattform.

Oldenburg, 22. Oktober 2025. Unklare Dialoge in einer Fernsehserie, zu
laute Hintergrundmusik im Reality TV oder ein durch Zuschauerjubel
überlagertes Sport-Interview können das Medienerlebnis von Zuschauenden
schmälern. Zur Überprüfung von Pegeln und Lautstärke kommen technische
Messgeräte während der Produktion von Medien zum Einsatz. Eine objektive
Messung der Verständlichkeit von Sprache muss sich erst noch etablieren.
Sie würde Arbeitsprozesse erleichtern, denn Tonschaffende hören
Audiomischungen so oft, dass Gewöhnungseffekte leicht zu einer
Fehleinschätzung der Verständlichkeit führen können.

Der Oldenburger Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA des
Fraunhofer IDMT hat in den vergangenen Jahren Technologien für eine
objektive Bewertungsgrundlage von Sprachverständlichkeit entwickelt.

»Speech Intelligibility Meter« für Profi-Hardware

Im September präsentierte das Unternehmen RTW das »Speech Intelligibility
Meter« auf der International Broadcast Convention IBC in Amsterdam und
dessen Integration in das hardwarebasierte Messgerät TMxCore als optionale
Software. Produktionsprofis aus den Bereichen Rundfunk, Fernsehen und
Streaming sollen mit diesem Werkzeug sicherstellen können, dass Dialoge
objektiv bewertet werden und gleichbleibend klar für das Publikum
verständlich sind. »Unsere Zukunftsvision ist es, gemeinsam mit anderen
Branchenakteuren, wie dem Fraunhofer IDMT, internationale Empfehlungen zur
Messung und Wahrung von Sprachverständlichkeit in Medienproduktionen zu
formulieren. Das Speech Intelligibility Meter kann als Ausgangspunkt für
diese Bemühungen dienen«, sagt Thomas Valter, Director of Product
Management & Marketing bei RTW.

Kooperation als Fundament für besonders robuste Technologien

Die vertrauensvolle Kooperation des Fraunhofer IDMT mit RTW begann bereits
vor neun Jahren. In den Projekten »SI4B« (Speech Intelligibility for
Broadcasting)1 und »SITA« (Speech Intelligibility Transformation &
Autocorrection)2 verfolgte man gemeinsam das Ziel, Sprache im Broadcast-
Bereich besser verständlich zu machen. Die Partner fokussierten
insbesondere die Entwicklung und Evaluation von Algorithmen zur
automatischen Bewertung und Korrektur von Sprachverständlichkeit.

»Durch die Zusammenarbeit in Forschungsprojekten haben wir bereits
frühzeitig tiefe Einblicke in die Produktion von Medien im
Broadcastbereich erhalten. Dadurch konnten wir in den letzten Jahren an
Technologien arbeiten, die nicht nur die Bedürfnisse der Zuschauenden
berücksichtigen, sondern auch die konkreten Herausforderungen von
Tonschaffenden adressieren«, erklärt Prof. Dr. Jan Rennies-Hochmuth,
Gruppenleiter Persönliche Hörsysteme am Fraunhofer IDMT.

KI misst die Höranstrengung in Echtzeit

Im Rahmen der Entwicklung arbeiteten die Forschenden mit Branchenexperten
zusammen. Die Sprachverständlichkeitsmessung wurde bereits in die
Postproduktionssoftware Nuendo von Steinberg Media Technologies integriert
sowie als Plug-in von NUGEN Audio realisiert. Technisch basiert die
Messung auf einer Kombination aus automatischer Spracherkennung und
psychoakustischer Modellierung, und hat in den letzten Jahren viele
Evaluationstests durchlaufen. Über die einfache Messung der
Sprachverständlichkeit sind noch weitere Funktionalitäten denkbar, wie zum
Beispiel das automatische Markieren kritischer Bereiche direkt in der
Timeline oder eine automatisierte Verbesserung der Sprachverständlichkeit.

1 Das Projekt »SI4B« (Speech Intelligibility for Broadcasting) wurde
gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
(BMWi), heute Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE).

2 Das Projekt »SITA« (Speech Intelligibility Transformation &
Autocorrection) wurde gefördert durch das Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF), heute Bundesministerium für Forschung, Technologie
und Raumfahrt (BMFTR).

Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA am Fraunhofer-Institut für Digitale
Medientechnologie IDMT in Oldenburg

Der im Jahre 2008 unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier und
Dr. Jens-E. Appell gegründete Institutsteil Hör-, Sprach- und
Audiotechnologie HSA des Fraunhofer-Instituts für Digitale
Medientechnologie IDMT steht für marktnahe Forschung und Entwicklung mit
Schwerpunkten auf
-       Sprach- und Ereigniserkennung
-       Klangqualität und Sprachverständlichkeit sowie
-       Mobile Neurotechnologie und Systeme für eine vernetzte
Gesundheitsversorgung.
Mit eigener Kompetenz in der Entwicklung von Hard- und Softwaresystemen
für Audiosystemtechnologie und Signalverbesserung setzen die
Mitarbeitenden am Standort Oldenburg wissenschaftliche Erkenntnisse in
kundengerechte, praxisnahe Lösungen um.
Über wissenschaftliche Kooperationen ist der Institutsteil eng mit der
Carl von Ossietzky Universität, der Jade Hochschule und der Hochschule
Emden/Leer verbunden. Das Fraunhofer IDMT ist Partner im Exzellenzcluster
»Hearing4all« und im Sonderforschungsbereich »Hörakustik«.
Weitere Informationen auf www.idmt.fraunhofer.de/hsa