Crowd Innovation Summit rückt partizipative Innovationsforschung in den Fokus
Gestern ging in Berlin der zweite Crowd Innovation Summit zu Ende. Rund
100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Hochschulen und der deutschsprachigen
Crowdfunding- und Crowdsourcing-Community diskutierten auf der
Veranstaltung das Potenzial partizipativer Innovationsinstrumente.
Im
Mittelpunkt standen Fachvorträge, interaktive Workshops und
Praxisbeispiele, die zeigten, wie sich Schwarmintelligenz für den Transfer
wissenschaftlicher Erkenntnisse und gesellschaftlichen Fortschritt nutzen
lässt. Gastgeber war das Fraunhofer ISI in Zusammenarbeit mit dem
Fraunhofer-Forum Berlin.
Wie können Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam neue Lösungen für die
großen Herausforderungen unserer Zeit finden? Diese Frage ist
Ausgangspunkt von Crowdsourcing, das neue Ideen, Erfahrungen und
Kreativität einer Vielzahl von Menschen, der sogenannten Crowd, für den
Forschungstransfer nutzbar macht. Beim diesjährigen Crowd Innovation
Summit standen Beispiele aus der angewandten Forschung, Crowdsourcing-
Methoden und neue Tools im Mittelpunkt.
Crowdsourcing als Impulsgeber für Wissenschaft und Gesellschaft
Zur Eröffnung des Summits hielt Prof. Dr. Jakob Edler, Leiter des
Fraunhofer ISI, die Keynote. »In einer immer komplexeren Welt bietet
Crowdsourcing einzigartige Möglichkeiten, wissenschaftliche Arbeit zu
öffnen und gemeinsam mit ganz unterschiedlichen Akteuren Lösungen zu
entwickeln«, so Edler. In seiner Rede betonte er, dass partizipative
Formate wissenschaftliche Prozesse transparenter und flexibler gestalten.
Auch Prof. Dr. Carolin Bock, Professorin für Entrepreneurship an der
Technischen Universität Darmstadt, warb für den Einsatz von Crowdsourcing
in Forschung und Lehre: »Kollaborative Innovationsprozesse führen zu
spannenderen Lösungen. Sie bereichern nicht nur die Wissenschaft und
Lehre, sondern auch deutsche Unternehmen und Start-ups durch neue Impulse
von Studierenden oder engagierten Bürger:innen.« In ihrem Vortrag stellte
sie zudem ein Programm vor, das junge Menschen dazu befähigt, die
notwendigen Werkzeuge zu erlangen und das unternehmerische Denken zu
entwickeln, um eigene Crowd-Innovation-Projekte umzusetzen. Das Konzept
stieß beim Publikum auf großes Interesse. »Crowdfunding-Kampagnen zeigen
sofort, ob eine Idee überhaupt gesellschaftlich relevant ist«, ergänzte
Tino Kreßner, Mitgründer von Startnext und Co-Initiator der Plattform
SINN, in seinem Impulsvortrag. »Menschen, die sich an Crowdfunding- oder
Crowdsourcing-Kampagnen beteiligen, stimmen mit ihrem Geld und ihren Ideen
für Projekte ab, deren Zweck und Wirkung sie überzeugen.« Kurzfristige
Gewinnmaximierung sei für das Engagement kein Kriterium, so Kreßner.
Leuchtturmchallenge Resilient City
Ein besonderes Highlight der Veranstaltung war die Vorstellung der
laufenden Leuchtturmchallenge Resilient City durch Forschende des
Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am
Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Gemeinsam mit dem Fraunhofer
ISI ruft das Projektteam noch bis zum 10. November 2025 Interessierte zur
Beteiligung an dem Ideenwettbewerb auf. »Die Herausforderungen unserer
Städte – vom Klimawandel bis zur sozialen Ungleichheit – lassen sich nur
bewältigen, wenn unterschiedliche Akteursgruppen in die Gestaltung
resilienter Städte einbezogen werden und wir lernen, Veränderungsprozesse
besser zu verstehen und gezielt zu beschleunigen«, erklärte Prof. Dr.
Daniel Lang, Leiter der Gruppe Reallaborforschung gestalten am ITAS.
Gemeinsam mit seinen Kolleg:innen erhoffe er sich von der Kooperation neue
Ideen für resiliente, gerechte und zukunftsfähige Städte. Die
vielversprechendsten Vorschläge sollen in den kommenden Jahren
idealerweise als Pilotprojekte mit den Karlsruher Forschenden in
verschiedenen Städten Deutschlands und international getestet, verbreitet
und weiterentwickelt werden.
Deep Dives zu Crowd Impact, Crowd Education und Crowd Intelligence
In den Fachworkshops des Summits standen der persönliche Austausch und die
Vernetzung im Fokus. Prof. Dr. Alexandra Moritz (Hochschule Koblenz) und
Anne Becker-Mironici (Fraunhofer ISI) zeigten im Deep Dive Crowd
Education, wie Studierende mit Hilfe von Crowdsourcing an
unternehmerisches Denken und reale Herausforderungen von Start-ups
herangeführt werden. In der Crowd Impact Session diskutierten Christoph
Köller (Görgen & Köller GmbH) und Iliyana Madina (Fraunhofer ISI) mit den
Teilnehmenden, wie sich die Wirkung von Crowdsourcing-Challenges messen
lässt und welche neuen Innovationspotenziale daraus entstehen. Im Workshop
zu Crowd Intelligence enstand um Jens Rockel (Fraunhofer ISI) und Reinhard
Willfort (European Digital Innovation Hub) eine angeregte Debatte dazu,
wie menschliche Kreativität, Expertise und künstliche Intelligenz sinnvoll
zusammenwirken können.
Ausblick auf den Crowd Innovation Summit 2026
Die Diskussionen auf dem diesjährigen Summit zeigten, dass crowdbasierte
Transfermethoden eine immer größere Rolle in Wissenschaft und Gesellschaft
spielen – von der Lehre über die angewandte Innovationsforschung bis hin
zum zukunftsgewandten Praxisbeispiel der Stadtentwicklung. Dr. Robin
Bürger, Leiter der Gruppe Crowd Innovation am Fraunhofer ISI (Standort
Leipzig) und einer der Hauptorganisatoren, resümierte: »Unser Ziel heute
war es, die deutschsprachige Crowdfunding- und Crowdsourcing-Community in
Berlin zusammenzubringen und weiter zu vernetzen. Zusammen mit unseren
Partnern und allen Teilnehmenden sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Als eine der zentralen Veranstaltungen für die Fachcommunity haben wir
intensiv über den aktuellen Forschungsstand, Zukunftsfelder im Bereich
Innovation und Partizipation sowie neue crowdbasierte Transfermethoden
diskutiert.« Der nächste Crowd Innovation Summit des Fraunhofer ISI
findet im Oktober 2026 in Berlin statt. Die Fraunhofer-
Innovationsplattform www.crowdinnovation.net bietet schon jetzt die
Möglichkeit, aktiv an Crowd Innovation Challenges teilzunehmen und eigene
Ideen einzubringen – aktuell etwa bei der laufenden Challenge Resilient
City. Interessierte können noch bis zum 10. November 2025 mit ihren
Vorschlägen für die Zukunft unserer Städte aktiv daran mitwirken.
