Neue Leitlinie „Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention“ veröffentlicht
Beratung und gemeinsame Entscheidungsfindung sind zentrale Elemente, wenn
es in der hausärztlichen Praxis um die Prävention von kardiovaskulären
Erkrankungen geht. Die dafür nötige Wissensgrundlage wird in einem Update
der Leitlinie zur Risikoberatung von der Deutschen Gesellschaft für
Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zusammengefasst.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den klassischen Beratungsanlässen
in der hausärztlichen Praxis. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind immer noch
die häufigste Todesursache. Umso wichtiger, hier präventiv anzusetzen. Vor
diesem Hintergrund hat die DEGAM vor fast zehn Jahren die erste
S3-Leitlinie zur hausärztlichen Risikoberatung zur kardiovaskulären
Prävention erstellt. Nun wurde die Leitlinie aktualisiert und mit neuen
mehrsprachigen Patienteninformationen veröffentlicht. Im Mittelpunkt der
Leitlinien-Empfehlungen zur Risikoberatung steht nach wie vor ein gesunder
Lebensstil. Die Arbeit wurde vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen
Bundesausschuss (G-BA) gefördert.
„Die gemeinsame Entscheidungsfindung ist eine der wichtigsten Grundlagen
in der hausärztlichen Praxis. Dafür braucht es Wissen zur aktuell
verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz. Mit unseren Leitlinien ermöglichen
wir es, auf Grundlage dieser Evidenz eine gut informierte Entscheidung zu
fällen“, kommentiert Prof. Eva Hummers, Präsidentin der DEGAM.
„Gleichzeitig nehmen wir mit der Leitlinienarbeit unsere gesellschaftliche
Verantwortung wahr, indem wir abwägen, ob Interventionen zielführend und
effizient sind.“
Die S3-Leitlinie richtet sich an Hausärztinnen und Hausärzte, die
Patienten ohne manifeste kardiovaskuläre Vorerkrankung zu präventiven
Optionen informieren. „Es war uns als Autorinnen und Autoren wichtig, den
beratenden Aspekt ins Zentrum zu rücken. Das Ziel ist es, dass die
Betroffenen selbstbestimmt entscheiden, welche Art der Prävention für sie
am besten passt“, kommentiert Prof. Erika Baum, Past-Präsidentin der DEGAM
und Autorin der Leitlinie.
Ihr Kollege, Dr. Jörg Haasenritter, Pflegewissenschaftler und
Methodikexperte, ergänzt als koordinierender Autor der Leitlinie: „Eine
Beratung zum individuellen kardiovaskulären Risiko ist dann erfolgreich,
wenn die Patientinnen und Patienten die Optionen verstehen und einordnen
können. Also zum Beispiel, dass Medikamente wie Statine eine wichtige
Option sind – ebenso wie Lebensstilfaktoren“.
Die neue Leitlinie wurde von einer Autor:innengruppe der DEGAM erstellt
und mit den Vertreter:innen 15 weiterer medizinischer Fachgesellschaften
und einer Patient:innenorganisation konsentiert. Die Evidenzrecherche
hatte ein Team der Universitäten Marburg und Bielefeld übernommen. Die
aktualisierte Leitlinie beinhaltet 28 Empfehlungen und vier Statements.
Die Sichtung der Evidenz hat gezeigt, dass die wichtigsten Botschaften im
Vergleich zur Vorgängerversion gleich geblieben sind. Neu aufgenommen
wurden folgende Empfehlungen: viel Bewegung (und wenig Sitzen!), möglichst
geringer Alkoholkonsum und eine ausgewogene, möglichst pflanzlich basierte
Ernährung. Neu ist zudem eine Empfehlung zum Absetzen von Statinen.
Laut der Arbeitsgruppe berücksichtigt die neue Version jetzt auch die
besonderen Belange von Menschen mit Diabetes, zwei oder mehr chronischen
Erkrankungen, von Menschen mit einer Migrationsgeschichte sowie
unterschiedliche Altersgruppen. Neu ist auch, dass die Arbeit an der
Leitlinie von einem Patientenbeirat begleitet wurde.
Hier kommen Sie zur S3-Leitlinie Hausärztliche Risikoberatung zur
kardiovaskulären Prävention: https://www.degam.de/leitlinie
