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Gut zu wissen: So halten Caterer das Essen frisch

So halten Caterer das essen frisch Symbolboild unsplash
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Ein Buffet bei einer Veranstaltung, das mit frischen, knackigen Salaten, perfekt gegartem Fleisch und appetitlich angerichteten Desserts aufwartet, wirkt oft wie eine Selbstverständlichkeit. Doch hinter dieser Kulisse verbirgt sich ein hochkomplexer Prozess. Catering-Unternehmen bewegen sich in einem ständigen Spannungsfeld: Sie müssen Speisen in Restaurantqualität liefern, oft kilometerweit von der eigenen Küche entfernt und für eine große Anzahl von Gästen gleichzeitig. Damit dies gelingt, greifen Profis auf eine Kombination aus ausgeklügelter Technik, strengen Hygieneplänen und präzisem Timing zurück.

Der bloße Transport in Warmhalteboxen reicht längst nicht mehr aus.

Der luftdichte Tresor: Moderne Siegeltechnik

Ein entscheidender Schritt, um die Qualität der Speisen von der Küche bis zum Gast zu bewahren, findet direkt nach der Zubereitung statt. Hier kommen professionelle Siegelmaschinen zum Einsatz. Diese Geräte vom Experten für Siegelmaschinen verschließen die Transportbehälter nicht nur, sie versiegeln sie hermetisch. Oft geschieht dies unter einer sogenannten Schutzgasatmosphäre (Modified Atmosphere Packaging, MAP). Dabei wird die Umgebungsluft im Behälter durch ein spezielles Gasgemisch ersetzt, meist eine Mischung aus Stickstoff und Kohlendioxid.

Dieser Prozess hat handfeste Vorteile: Der Sauerstoff, der für Oxidation und das Wachstum von Mikroorganismen verantwortlich ist, wird verdrängt. Das Ergebnis ist eine deutlich längere Haltbarkeit. Farben, beispielsweise von rohem Fleisch oder geschnittenem Obst, bleiben frisch, und sensible Aromen werden konserviert. Salate behalten ihren Biss, und Saucen bilden keine unschöne Haut. Diese Technik, die man sonst vor allem aus der Lebensmittelindustrie im Supermarkt kennt, ist im hochwertigen Catering ein Standard, um den Frischeeindruck bis zum Moment des Servierens zu garantieren.

Die ununterbrochene Kühlkette als Lebensader

Der Transport ist die kritischste Phase. Jede Abweichung von der Idealtemperatur kann die Qualität mindern und, schlimmer noch, die Lebensmittelsicherheit gefährden. Fachleute sprechen vom "Temperaturrisikobereich", der typischerweise zwischen fünf und 65 Grad Celsius liegt. In dieser Spanne vermehren sich Bakterien explosionsartig. Professionelle Caterer setzen daher auf eine lückenlose Kühlkette. Das beginnt bei der Lagerung im Betrieb, geht über den Transport in spezialisierten Fahrzeugen – oft mit aktiver Kühlung – und endet erst am Aufbauort.

Für den Transport selbst nutzt man passive Systeme wie isolierte Thermobehälter, die kalte Speisen kalt und heiße Speisen heiß halten. Bei größeren Distanzen oder längeren Standzeiten sind jedoch aktive Kühl- oder Heizsysteme in den Fahrzeugen ein Muss. Die Einhaltung dieser Kette wird permanent überwacht und dokumentiert, meist im Rahmen der strengen HACCP-Richtlinien (Hazard Analysis and Critical Control Points), einem verpflichtenden System zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit.

Die Kunst des Timings: Vorbereitung und Regeneration

Der Irrglaube, ein Caterer koche morgens um acht Uhr das Essen für ein Abend-Event fertig, hält sich hartnäckig. In der Realität ist das Timing weitaus komplexer. Viele Komponenten werden im "Cook & Chill"-Verfahren zubereitet. Das bedeutet, die Speisen werden auf den Punkt gegart und anschließend binnen kürzester Zeit schockgekühlt, also extrem schnell heruntergefroren. Dieser Prozess stoppt den Garvorgang sofort und verhindert den Qualitätsverlust, der beim langsamen Abkühlen entstünde.

Die "Regeneration", also das Wiedererwärmen, geschieht erst kurz vor dem Service direkt am Veranstaltungsort. Hierfür sind spezielle Geräte wie Kombidämpfer notwendig, die mit Heißluft und gezielter Feuchtigkeitszufuhr arbeiten. Sie bringen die Speisen schonend auf Serviertemperatur, ohne sie auszutrocknen oder weiterzugaren. Andere Komponenten, etwa für kalte Platten, werden so spät wie möglich vorbereitet und bis zum letzten Moment gekühlt.

Am Veranstaltungsort: Der Kampf gegen die Zeit

Mit der Ankunft am Zielort beginnt die letzte Etappe. Auch hier gelten die physikalischen Gesetze der Thermodynamik. Heiße Speisen müssen in Chafing Dishes über 65 Grad Celsius gehalten werden, um sicher und schmackhaft zu bleiben. Kalte Speisen, wie Desserts oder Salate, benötigen Kühlplatten oder Eisbetten. Ein verbreiteter Qualitätsfehler bei Buffets ist das zu frühe und zu vollständige Bestücken.

Versierte Caterer arbeiten anders: Sie füllen die Auslagen nur mit kleineren Mengen und legen dafür häufiger frisch nach. Die Hauptmenge der Speisen verbleibt bis dahin in den mobilen Wärme- oder Kühlstationen im Hintergrund. Dieser Mehraufwand beim Personal sorgt dafür, dass auch der letzte Gast am Buffet den Eindruck von absoluter Frische erhält. Was der Gast als mühelose Opulenz wahrnimmt, ist in Wahrheit das Ergebnis einer minutiös geplanten logistischen Meisterleistung.