COP30 muss Signal gegen Trump und für Klimaschutz setzen
Wuppertal Institut formuliert Erwartungen an diesjährige UN-Klimakonferenz
in Bélem. Vom 10. bis 21. November 2025 findet die 30. Konferenz der
Vertragsparteien des UN-Rahmenübereinkommens über Klimaveränderungen
(Conference of the Parties, COP30) im brasilianischen Belém statt.
Angesichts geopolitischer Spannungen und wachsender internationaler
Verwerfungen – darunter die erneut ablehnende Haltung der US-Regierung
gegenüber internationalen Klimaabkommen – steht die COP30 unter besonderem
Druck. Die Konferenz muss beweisen, dass ambitionierter Klimaschutz auch
ohne die USA möglich bleibt.
Wuppertal, 31. Oktober 2025: Die diesjährige Weltklimakonferenz findet vor
dem Hintergrund zunehmender internationaler Spannungen statt. Die Trump-
Administration versucht mit allen Mitteln, die Energiewende nicht nur
national, sondern auch international auszubremsen – und fährt auch in der
Handelspolitik einen ausgesprochen konfrontativen Kurs. Auch seitens der
Europäischen Union und China kommt es zunehmend zu Ein- und Beschränkungen
des internationalen Handels. Daneben haben die geopolitischen Spannungen
aufgrund der Kriege in der Ukraine und in Gaza weiter zugenommen. Hinzu
kommen in vielen Ländern weltweit gesellschaftliche
Polarisierungstendenzen und die gezielte Verbreitung von
Fehlinformationen, die eine ambitionierte Klimapolitik heute deutlich
schwerer umsetzbar machen.
„Angesichts der globalen Krisen muss von der COP30 die klare Botschaft
ausgehen, dass eine erfolgreiche Klimapolitik nicht nur ein optionales
Extra ist, sondern ganz konkret vor einer Zuspitzung weiterer Konflikte
schützt. Mit Blick auf die Blockadehaltung der Trump-Administration ist es
umso wichtiger, dass die Weltgemeinschaft auch ohne die USA weiter am
Pariser Klimaabkommen und seinen Zielen festhält sowie entsprechende
Maßnahmen zur Umsetzung konsequent weiter verfolgt und beschleunigt
umsetzt", betont Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und
wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts. Dieses
Bekenntnis muss insbesondere auch die Ergebnisse der ersten globalen
Bestandsaufnahme (Global Stocktake, GST) einschließen, die 2023 in Dubai
abgeschlossen wurde. Die Dubai-Konferenz hatte erstmals vereinbart, dass
eine weltweite Abkehr von der Nutzung fossiler Brennstoffe nötig ist;
zudem hatte die Konferenz Ziele für die Verbesserung der Energieeffizienz,
den Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Beendigung von Entwaldung und
Walddegradation vereinbart.
National festgelegte Beiträge bleiben bisher hinter Pariser Zielen zurück
Der zentrale Mechanismus für die Erreichung der Klimaschutzziele sind die
national festgelegten Beiträge (Nationally Determined Contributions, NDCs)
der Vertragsparteien. Zur COP müssen alle Staaten neue NDCs für den
Zeitraum bis 2035 vorlegen – bisher haben dies jedoch weniger als die
Hälfte der Vertragsparteien getan. Zudem reicht das Ambitionsniveau der
eingereichten NDCs nicht aus, um einen adäquaten Beitrag dafür zu
leisten, die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius, idealerweise 1,5 Grad
Celsius, zu begrenzen. „Die Konferenz in Bélem sollte daher alle Staaten
auffordern, ihre NDCs weiter im Sinne des Pariser Abkommens und der
Ergebnisse des Global Stocktake zu verbessern”, sagt Wolfgang Obergassel,
Co-Leiter des Forschungsbereichs internationale Klimapolitik am Wuppertal
Institut, und ergänzt: „Zudem ist es extrem wichtig, dass die Länder in
ihren NDCs spezifizieren, wie sie konkret zu den in Dubai vereinbarten
globalen Zielen beitragen werden. Daneben ist ein Monitoring-Mechanismus
sinnvoll zu implementieren, um die tatsächliche Erreichung dieser Ziele zu
überwachen und bei Bedarf nachsteuern zu können.”
Integrierte Lösungen für Klima und Biodiversität notwendig
„Da die Konferenz am Rande des brasilianischen Regenwaldes stattfindet,
wäre es ein starkes Signal, wenn die brasilianische COP-Präsidentschaft
dies nutzen würde, um auf die Verzahnung der Klima- und
Biodiversitätskrise hinzuweisen und um für eine stärkere Kooperation und
Integration mit der Biodiversitätskonvention zu werben”, stellt Dr. Chris
Höhne, Senior Researcher im Forschungsbereich internationale Klimapolitik
am Wuppertal Institut, heraus. „Die Klima- und Biodiversitätskrise lässt
sich nur integriert lösen, aber bisher fehlt ein gemeinsames Forum, um
solche Lösungen zu verhandeln.”
Zudem könnte das Thema gerechter Strukturwandel (Just Transition) stärker
in den Fokus rücken. Nach Fortschritten bei den Zwischenverhandlungen in
Bonn wächst die Hoffnung auf die Entwicklung eines holistischen
Mechanismus, der Gerechtigkeitsaspekte als Grundlage ambitionierten
Klimaschutzes verankert. Höhne ergänzt, dass es für ambitionierten
Klimaschutz vonnöten ist, internationale sowie inländische
Gerechtigkeitsaspekte zu berücksichtigen, um Klimaschutz auf breiter
Legitimationsbasis voranzutreiben. Nur so lässt sich die notwendige
Akzeptanz und Teilhabe für die erforderlichen Veränderungsprozesse
erreichen.
Wuppertal Institut gibt bei Sideevents Impulse für die Zukunft
Das Wuppertal Institut organisiert im Rahmen der COP30 eine Reihe von
Sideevents, um seine Forschungsprojekte und -ergebnisse vorzustellen und
den Austausch mit Delegiert*innen und Praxispartner*innen zu fördern. Der
thematische Schwerpunkt liegt dabei auf den internationalen
Kohlenstoffmärkten – also in denen CO₂-Emissionen einen Preis bekommen und
Kohlenstoffzertifikate gehandelt werden – sowie auf transformativen
Klimapartnerschaften zwischen dem Globalen Norden und Globalen Süden.
Analyse der Konferenzergebnisse
Die Forschenden des Wuppertal Instituts beobachten seit Beginn des UN-
Klimaprozesses die laufenden Verhandlungen. Auch dieses Jahr wird das
Wuppertal Institut kurz nach Abschluss der Konferenz eine erste Auswertung
der Ergebnisse veröffentlichen. Weitere Informationen zur COP30 sind über
die unten stehenden Links zu finden.
Virtueller Wuppertal Lunch zu COP30-Ergebnissen
Die Forschenden des Wuppertal Instituts stellen ihre Bewertung der COP-
Ergebnisse am 4. Dezember 2025 bei einem Wuppertal Lunch vor, der in
Kooperation mit Table.Briefings veranstaltet wird, und diskutieren mit
Expert*innen darüber. Die digitale Veranstaltung findet in englischer
Sprache statt. Die Teilnahme ist kostenfrei, Anmeldungen sowie Details zum
Programm folgen in Kürze.
