Heidelberger Antikengespräch: Eine literarische Auseinandersetzung mit Penelope
Der Gräzist Jonas Grethlein spricht mit der Autorin Ulrike Draesner über
Frauen- und Männerbilder des antiken Griechenlands
Eine außergewöhnliche literarische Auseinandersetzung mit einer zentralen
Gestalt der griechischen Mythologie – der Penelope – steht im Mittelpunkt
des 2. Heidelberger Antikengesprächs, zu dem das Seminar für Klassische
Philologie der Universität Heidelberg am 6. November 2025 einlädt.
Zu Gast
ist die Autorin Ulrike Draesner, die aus ihrem im Sommer erschienenen Buch
„penelopes sch()iff“ lesen wird. Über ihr Werk und die Frauen- und
Männerbilder des antiken Griechenlands spricht sie im Anschluss mit dem
Heidelberger Gräzisten Prof. Dr. Jonas Grethlein, dem Initiator der
Antikengespräche. Die öffentliche Veranstaltung findet im Atrium des
Heidelberg Center for American Studies, Hauptstraße 120, statt und beginnt
um 18.15 Uhr.
Ulrike Draesners Buch „penelopes sch()iff“ ist eine lyrische Neuerzählung
von Homers Epos „Odyssee“ – eine der ältesten und einflussreichsten
Dichtungen der abendländischen Literatur – aus einer dezidiert weiblichen
Perspektive. In ihrer Erzählung macht die Schriftstellerin Penelope, die
Frau des griechischen Helden Odysseus, zur Hauptfigur und zeigt sie nicht
„als treue, bescheiden dienende Ehefrau, sondern als Trägerin einer kühnen
feministischen Utopie“, so Prof. Grethlein. Nach Odysseus’ Rückkehr als
traumatisiertem Kriegsteilnehmer begibt sich Penelope gemeinsam mit
hundert Frauen auf eine abenteuerliche Reise. In dem Gespräch zwischen
Jonas Grethlein und Ulrike Draesner geht es unter anderem um Fragen von
Macht, Geschlecht, Versklavung und Gemeinschaft sowie um die Wirkung, die
die Frauen- und Männerbilder des antiken Griechenlands noch heute
entfalten.
Ulrike Draesner studierte Rechtswissenschaften, Anglistik, Germanistik und
Philosophie an den Universitäten in München, Salamanca und Oxford. Anfang
der 1990er-Jahre gab sie ihre wissenschaftliche Laufbahn zugunsten der
schriftstellerischen Arbeit auf. Für ihre Romane, Essays und Gedichte
wurde sie vielfach ausgezeichnet. Zuletzt erhielt Ulrike Draesner den
Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung und den Großen Preis des
Deutschen Literaturfonds, mit dem sie für ihr Gesamtwerk geehrt wurde.
Nach verschiedenen internationalen Gastdozenturen und Poetikvorlesungen
ist sie seit 2018 als Professorin am Deutschen Literaturinstitut Leipzig
tätig. Die Autorin ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der
Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
Jonas Grethlein lehrte und forschte zunächst als Assistant Professor an
der University of California in Santa Barbara (USA), bevor er 2008 auf
eine Professur für Griechische Literaturwissenschaft an die Universität
Heidelberg berufen wurde. Im Jahr 2006 erhielt Prof. Grethlein den Heinz
Maier-Leibnitz-Preis sowie 2023 den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, die
von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Anerkennung herausragender
wissenschaftlicher Leistungen vergeben werden. Der Gräzist veröffentlichte
zuletzt „Mein Jahr mit Achill. Die Ilias, der Tod und das Leben“ (2022)
und „Hoffnung. Eine Geschichte der Zuversicht von Homer bis zum
Klimawandel“ (2024).
Die Heidelberger Antikengespräche verfolgen das Ziel, die Präsenz der
Antike in Kunst und Kultur der Gegenwart zu beleuchten.
