Digitaler Wandel und Künstliche Intelligenz in der Schlafmedizin
Das neue europäische Gesetz zur Künstlichen Intelligenz (EU AI Act) tritt
ab 2025 schrittweise in Kraft und bringt strengere Regeln mit sich, gerade
für Medizin-Apps mit KI-Kern. Während einfache Chatbots meist nur als KI-
Systeme mit begrenztem Risiko angesehen werden und daher weniger strenge
Auflagen erfüllen müssen, gelten für KI-Systeme in der Diagnostik die
höchsten Anforderungen. Transparenz, Datenqualität und menschliche
Aufsicht sind Pflicht.
Was es dabei zu beachten gibt, erläutern diverse
Vorträge während der 33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für
Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), die vom 27.-29. November 2025 in
Hannover stattfinden wird.
„Apps auf Rezept“ – was vor wenigen Jahren noch Zukunftsmusik war, ist
mittlerweile im Alltag angekommen. Seit 2020 können ÄrztInnen in
Deutschland digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) verschreiben. Sie
helfen Menschen mit Tinnitus, Diabetes oder Schlafstörungen und haben den
Gesundheitsmarkt revolutioniert. Mit dem DiGA-Fast-Track hat Deutschland
einen Meilenstein gesetzt. Parallel dazu verändert nun der EU AI Act in
Europa die Spielregeln für Künstliche Intelligenz. Das Gesetz, das 2024
verabschiedet wurde und ab 2025 schrittweise in Kraft tritt, verfolgt
einen risikobasierten Ansatz. Während verbotene KI-Anwendungen wie Social
Scoring ausgeschlossen werden, gelten für Hochrisiko-KI, unter die auch
medizinische Diagnosesysteme fallen, strenge Anforderungen. Dazu zählen
Transparenz, Datenqualität, menschliche Aufsicht und technische
Robustheit. Doch was bedeutet der EU AI Act für DiGas und Co?
„Der DiGA-Fast Track sorgt für den Versorgungseffekt, der EU AI Act für
ein stabiles Fundament vertrauenswürdiger KI“, fasst Dr. Sarah Dietz-
Terjung vom Zentrum für Interdisziplinäre Telemedizin und TeleCare der
Universitätsmedizin Essen zusammen. Konkret bedeutet das: Eine App, die
mithilfe von Algorithmen Krankheitsverschlechterungen vorhersagt, muss
künftig nicht nur ihren Nutzen für PatientInnen belegen, sondern muss
künftig zeigen, dass ihre KI robust, nachvollziehbar und frei von
systematischen Verzerrungen funktioniert. Das klingt nach viel Bürokratie,
ist aber auch eine große Chance, findet Sarah Dietz-Terjung: „Denn mit
klaren Regeln wächst das Vertrauen in digitale Therapien. Dies eröffnet
Chancen und Herausforderungen zugleich. Einerseits stärkt es das Vertrauen
der Anwender in digitale Medizin, erhöht die PatientInnen-Sicherheit und
fördert europäische Standards. Andererseits sind die regulatorischen
Hürden hoch, insbesondere für kleinere Anbieter. Entscheidend wird sein,
wie gut nationale und europäische Vorgaben harmonisiert werden können.“
Ihr Fazit: Der digitale Wandel in der Medizin gelingt nur, wenn
Sicherheit, Nutzen und Innovation zusammengedacht werden. Der DiGA-Fast-
Track treibt die Versorgung voran, der EU AI Act sorgt dafür, dass
Künstliche Intelligenz dabei auf einem verlässlichen Fundament steht.
Damit kann eine Medizin entstehen, die prädiktiv, präventiv,
personalisiert und partizipativ ist, ganz im Sinne einer modernen
P4-Medizin.
Eine gründliche Analyse des Schlafes im Labor, die sogenannte
Polysomnographie, ist für die Erkennung von unterschiedlichen
Schlaferkrankungen die Grundlage. Seit einigen Jahren schon, werden dazu
Patientendaten maschinell ausgewertet, jedoch immer zusätzlich von einem
Schlafmediziner kontrolliert. Was ist, wenn in Zukunft auch künstliche
Intelligenz zum Einsatz kommt? Wie behält Mensch hier den Überblick? Also
woher wissen wir, dass die KI richtig trainiert wurde, und wer kann die
Lösungswege des maschinellen Handelns nachvollziehen? Damit beschäftigt
sich Philip Zaschke, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für
medizinische Informatik der Universitätsmedizin Göttingen. „Die
Prüfbarkeit muss gewährleistet sein und Voraussetzung dafür ist es, dass
man weiß, welche Prozesse dahinter ablaufen. Gerade wenn diese in einem
Medizinprodukt ablaufen, dass für die Versorgung eingesetzt wird. Das darf
keine Black Box sein, sondern muss in jedem Schritt erklärbar und
nachvollziehbar sein“, sagt er. Das Potential von KI,
entscheidungsunterstützende Aufgaben zu übernehmen, sei unbestritten, zum
Beispiel beim Finden der geeigneten Therapie bei einer obstruktiven
Schlafapnoe. Das Problem sei, so Zaschke, dass, wenn die KI-Systeme größer
werden – und das werden sie ständig –, verliere man den Überblick, was
genau in den Millionen von Parametern passiert. In seinem Vortrag auf der
DGSM-Jahrestagung informiert Philip Zaschke darüber, wie es gelingen kann,
die „Black Box“ — zumindest teilweise — zu öffnen und die KI bzw. ihre
Entscheidungen nachzuvollziehen. Dies ist ein Teil, um die Prüfbarkeit zu
gewährleisten, was entscheidend ist für die Zulassung von
Medizinprodukten. Sein einfaches Fazit ist: „Die KI kann dem Menschen ganz
klar helfen, wenn sie keine Fehler macht.“ Das zu gewährleisten ist u.a.
der Job von Zaschke, der sich in der Grundlagenforschung ansiedelt. Um zum
Beispiel schnarchenden Menschen und ihren behandelnden Ärztinnen und
Ärzten in Zukunft eine sichere und schnelle Diagnose darüber geben zu
können, ob eine Schlafapnoe vorliegt, die durch KI-Auswertung
stattgefunden hat.
Wir erklären Ihnen die Nacht!
Die Geschehnisse in der Nacht und vielleicht der Schlaf selbst sind in
vielerlei Hinsicht unerklärlich. Die Schlafforschung und Schlafmedizin
bringt immer mehr Licht ins Dunkel. Daher wissen wir inzwischen, wie
wichtig dieser Abschnitt in unserem Leben für die menschliche Gesundheit
ist. Doch leider schlafen mehr Menschen eher schlecht als recht.
Schlafstörungen müssen behandelt werden, das ist keine Frage. Doch bevor
sich manche Schlafstörung verfestig, könnte man präventiv dagegenhalten.
Dazu ist es nötig, über den Schlaf gut informiert zu sein. Die Deutsche
Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) hat es sich zur
Aufgabe gemacht, die Nacht besser verstehen zu lernen, dieses Wissen
öffentlich weiterzugeben und dadurch den Schlaf mehr wertzuschätzen. Auch
die Jahrestagung der DGSM trägt dazu bei. Erfahren Sie mehr über die
Inhalte des wissenschaftlichen Programms und wir helfen Ihnen gern weiter,
wenn Sie Interview-PartnerInnen suchen!
