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KI verschärft die digitale Kluft zwischen Generationen

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Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in den Alltag. Die meisten
Schweizerinnen und Schweizer blicken mit Sorgen auf KI und die nächste
Technik-Generation, doch wer KI re-gelmässig nutzt, ist zuversichtlicher.
Während die Jüngsten mehr Zeit online verbringen als sie möchten, geraten
Ältere und Personen mit wenig digitaler Kompetenz ins Hintertreffen. Dies
zeigen die neuesten Zahlen einer repräsentativen Langzeitstudie der
Universität Zürich.



Im Jahr 2025 ist die Schweizer Bevölkerung durchschnittlich 5,7 Stunden
pro Tag im Netz – drei-mal so viel wie 2011 (1,8 Std.) und zwei Stunden
mehr als vor der Covid-Pandemie 2019 (3,6 Std.). Die 20- bis 29-Jährigen
verbringen täglich 8,4 Stunden online: «Das Internet ist für diese
Altersgruppe erstmals wichtiger als persönliche Kontakte, sowohl zur
Information als auch zur Unterhaltung», sagt Studienleiter Michael Latzer,
Professor für Medienwandel & Innovation an der Universität Zürich.

Besonders Soziale Medien wie TikTok und Instagram prägen den Alltag der
Jungen (95% Nut-zung bei 20–29-Jährigen) und auch bei den Älteren steigt
deren Nutzung (58% bei 70+). Die Digitalisierung des Alltags schreitet
grundsätzlich zügig voran: Zwei von drei Transaktionen erfol-gen
bargeldlos, 39% der Produkte werden online gekauft und ein Drittel der
ortsunabhängig möglichen Arbeit wird im Homeoffice erledigt.

Fast die halbe Schweiz nutzt generative KI regelmässig

Seit der Markteinführung von ChatGPT im November 2022 stieg der Anteil der
Bevölkerung, der generative KI bereits genutzt hat, rasant: von 37% (2023)
auf 54% (2024) und 73% (2025). Aus einmaligem Ausprobieren wurde
inzwischen regelmässige Nutzung: Knapp die Hälfte der Schwei-zerinnen und
Schweizer verwendet generative KI heute mindestens monatlich (wöchentlich:
21%, täglich: 17%), bei den 14- bis 19-Jährigen sind es sogar 84%. «Die
tatsächliche KI-Nutzung ist beträchtlich höher, da KI zunehmend in
alltägliche Dienste wie Suchmaschinen und Chatbots inte-griert ist», so
Latzer.

Am häufigsten wird generative KI in Ausbildung und Beruf eingesetzt (53%),
bei den 20- bis 29-Jährigen tun dies zwei Drittel. Drei von zehn 14- bis
19-Jährigen geben an, mithilfe von KI Inhalte zu erstellen, die sie
eigentlich selbst verfassen sollten. Zudem ist KI für regelmässige
Nutzerinnen und Nutzer zur wichtigen Ratgeberin für Alltagsentscheidungen
geworden, etwa bei Finanzen und Karriere (je 21%). Im Vergleich zu
traditionellen Anlaufstellen bleibt die Wichtigkeit von gene-rativer KI
und Influencern in der Bevölkerung aber gering: Für politische
Entscheidungen halten nur 7% KI-Informationen für wichtig gegenüber 27%
bei klassischen Internetquellen.

Überwachung, Kontrollverlust und Jobangst – Wunsch nach KI-Regeln

Trotz der hohen Nutzung bleibt Skepsis und die Sorge vor potenziellen
Risiken: Zwar ist ein Grossteil (71%) der regelmässigen Nutzerinnen und
Nutzer überzeugt, dass KI ihnen hilft, Aufga-ben effizienter zu erledigen,
doch nur ein Drittel glaubt, dass KI das Leben insgesamt verbessern wird.
Sechs von zehn Schweizerinnen und Schweizer befürchten eine Zunahme von
Überwa-chung, je ein Drittel sorgt sich, dass generative KI ausser
Kontrolle gerät oder zu massiver Ar-beitslosigkeit führen könnte.
Entsprechend gross ist der Wunsch nach Regulierung: Jede zweite Person
fordert stärkere Regulierung für generative KI – deutlich mehr als beim
Internet allgemein (36%).

«Allgemeine KI» wird kommen – mit negativen Folgen

Knapp die Hälfte der Schweizer Internetnutzerinnen und -nutzer glaubt,
dass sich generative KI in naher Zukunft zu einer «Allgemeinen KI»
entwickeln wird – also zu einer Allzweck-Anwendung, die dem Menschen in
fast allen Lebensbereichen überlegen ist. Mehr als die Hälfte davon erwar-
tet, dass dies bereits in den nächsten fünf Jahren geschieht. Wer KI
regelmässig nutzt, glaubt eher an eine solche «Allgemeine Künstliche
Intelligenz». Damit einher gehen auch Sorgen um die Folgen: 60% der
Bevölkerung und 49% der KI-Nutzerinnen und -Nutzer erwarten, dass «All-
gemeine KI» mehrheitlich negative Auswirkungen auf die Menschheit hätte.
Beim Internet insge-samt überwiegt hingegen die Zuversicht: 60% denken, es
sei gut für die Gesellschaft.

Skepsis gegenüber Cyborg-Produkten überwiegen

Die nächste Technik-Generation kombiniert Internet-, Bio- und
Nanotechnologien und soll menschliche Fähigkeiten erweitern sowie
biologische Grenzen überwinden – etwa durch soge-nannte Cyborg-Produkte.
Während im Silicon Valley grosse Hoffnungen in solche Zukunftstech-
nologien gesetzt werden, bleibt die Schweizer Bevölkerung skeptisch: Nur
ein Fünftel glaubt an dieses Potenzial, unter den KI-Nutzerinnen und
-Nutzern sind es 30%. Die Mehrheit der Bevölke-rung sieht hingegen vor
allem Risiken, etwa neue Formen der Cyberkriminalität (78%), Verletzun-gen
der Privatsphäre (67%) und gesellschaftliche Ungleichheit (64%).

KI befeuert die Spaltungen zwischen Jung und Alt

Gesellschaftliche Spaltungen bezüglich Digitalisierung verlaufen entlang
von Alter und Internet-Kompetenzen, verstärkt durch die Nutzung von KI.
Während 91% der 20- bis 29-Jährigen in der Schweiz ihre
Internetfähigkeiten als gut bis ausgezeichnet einschätzen, sind es bei den
über 70-Jährigen nur 59%. Noch deutlicher ist der Unterschied im Umgang
mit generativer KI: Fast die Hälfte der 14- bis 19-Jährigen fühlt sich im
Umgang damit wohl, aber nur 20% der über 70-Jährigen. Diese Unterschiede
spiegeln sich im Zugehörigkeitsgefühl zur Informationsgesellschaft wider.
Nur 34% der Bevölkerung fühlen sich darin eingebunden, 25 Prozentpunkte
weniger als 2015. Besonders gering ist der Anteil bei Älteren (19% bei
70+) und digital weniger Kompetenten (14%), während sich 20- bis
29-Jährige und Personen mit hohen Internetfähigkeiten deutlich stärker
eingebunden fühlen (je 54%).

Während Ältere und jene, die KI nicht verwenden, den Anschluss verlieren,
kämpfen Jüngere und KI-Nutzerinnen und -Nutzer mit digitalem Überkonsum.
Immer mehr Personen verbringen mehr Zeit im Netz als sie es wünschen (38%
vs. 2019: 24%). 82% der 14- bis 19-Jährigen und 58% der KI-Nutzerinnen und
-Nutzer wollen ihre Nutzungszeit reduzieren.

World Internet Project Switzerland

Das World Internet Project (WIP) ist eine vergleichende Langzeitstudie.
Sie erfasst in 30 Ländern die Verbreitung und Nutzung des Internets und
analysiert soziale, politi-sche und ökonomische Implikationen der
Internetentwick-lung.

Das WIP-CH-Projekt wird von der Abteilung Medienwan-del & Innovation des
Instituts für Kommunikationswissen-schaft und Medienforschung (IKMZ) der
Universität Zürich unter der Leitung von Prof. Michael Latzer seit 2011
durchgeführt. Die diesjährigen Ergebnisse basieren auf einer
repräsentativen Online-Befragung von 1’078 Inter-netnutzerinnen und
-nutzern ab 14 Jahren, die von Juni bis August 2025 von gfs.bern
durchgeführt wurde. Mit-glieder des Projektteams 2025 sind Noemi Festic,
Céline Odermatt und Alena Birrer.

Alle Themenberichte finden Sie zum Download unter
http://mediachange.ch/research/wip-ch-2025