KIT-Expertinnen und -Experten zu 10 Jahren Pariser Klimaabkommen: „Es gibt keine Entwarnung.“
Vor zehn Jahren, am 12. Dezember 2015, beschlossen die Mitgliedsstaaten
der Vereinten Nationen in Paris auf der Weltklimakonferenz (COP21) das
historische Klimaabkommen mit dem 1,5-Grad-Ziel. Zum erfolgreichen
Abschluss hat auch die Wissenschaft beigetragen, indem Forschende weltweit
zusammengearbeitet und ihre Daten und Handlungsempfehlungen eingebracht
haben. Jetzt, kurz vor der COP30 in Brasilien, ziehen Forschende des
Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) Bilanz über die Entwicklungen
und Erkenntnisse in der Klimaforschung des vergangenen Jahrzehnts:
„Die Klimaforschung hat seither ihr methodisches und inhaltliches
Verständnis des Erdsystems noch einmal deutlich vertieft – und kann
Risiken heute genauer benennen als je zuvor“, sagt Professor Joaquim Pinto
vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Troposphärenforschung
(IMKTRO) des KIT. „Tropische Gewittersysteme und Zyklonen konnten in
früheren Klimamodellen kaum realistisch abgebildet werden. Heute erreichen
Erdsystemmodelle Auflösungen im Kilometerbereich und liefern deutlich
präzisere Simulationen, etwa zu Starkregen, Sturzfluten oder
Sturmintensitäten. Diese Verbesserungen – künftig unterstützt durch KI-
basierte Modelle – helfen uns, Unsicherheiten weiter zu verringern. Für
tropische Gewitter in Afrika zeigen sich leider höhere
Niederschlagsintensitäten, für Zyklonen stärkere Winde und vor allem mehr
Regen.“
Sein Kollege Professor Andreas Fink (IMKTRO) stimmt dem zu: „Heute wissen
wir noch viel mehr über das Klimasystem – und es gibt keine Entwarnung. So
konnten wir in den letzten zehn Jahren auch mehrere potenzielle Kipppunkte
besser identifizieren und ihre Wechselwirkungen grob abschätzen – etwa
beim Absterben von Warmwasserkorallen oder dem Abschmelzen des
grönländischen Eisschilds. Wir nähern uns hier kritischen Schwellen, teils
haben wir sie womöglich schon überschritten. Besonders im Blick steht auch
die atlantische Umwälzströmung, deren Abreißen gravierende Folgen für das
Klima in Europa hätte. Heute kann niemand mehr sagen, er oder sie habe von
diesen Risiken nichts gewusst.“,
Professor Harald Kunstmann vom Institut für Meteorologie und
Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMKIFU), dem Campus Alpin
des KIT in Garmisch-Partenkirchen, betont, dass insbesondere die
verbesserte Datenverfügbarkeit eine wichtige Errungenschaft ist: „Ein
wirklicher Meilenstein der vergangenen Jahre ist der offene Zugang zu
Klimadaten über das europäische Copernicus-Programm. Diese Daten sind die
Grundlage vieler Analysen und Vorhersagen zu Wetterextremen oder
Wasserverfügbarkeit. Sie schaffen eine gemeinsame Wissensbasis und
ermöglichen eine bessere Zusammenarbeit bei der Bewältigung der
Klimaveränderungen.“
Kunstmann hat die Beschlüsse 2015 in Paris vor Ort erlebt und nimmt auch
an der kommenden Weltklimakonferenz teil, die vom 10. bis 21. November
2025 in Belém stattfindet. Gemeinsam mit Partnerinstitutionen veranstaltet
er am 12. November 2025 das Side-Event „Early Warning, Anticipatory Action
and Risk Insurance for Proactive Disaster Risk Management“. (mhe)
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