Natur schützen, um Zukunft zu sichern – LIB appelliert an die Teilnehmenden der UN-Klimakonferenz COP30
Mit Blick auf die anstehende UN-Klimakonferenz COP30 im brasilianischen
Belém richtet das Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels
(LIB) einen Appell an die internationale Gemeinschaft: Die biologische
Vielfalt müsse stärker in die globalen Klimaverhandlungen einfließen. Ohne
intakte Ökosysteme und das Wissen über ihre Funktionsweise seien
naturbasierte Lösungen für den Klimaschutz und die ökologische
Transformation nicht umsetzbar.
„Klimaschutz und Artenschutz sind zwei Seiten derselben Medaille“, sagt
Prof. Dr. Bernhard Misof, Generaldirektor des LIB. „Wir können die Folgen
der Erderwärmung nur dann wirksam begrenzen, wenn wir zugleich die
biologische Vielfalt bewahren – und verstehen. Jeder Quadratmeter Erde
erzählt uns etwas über die Anpassungsfähigkeit des Lebens. Dieses Wissen
zu verlieren hieße, unsere Zukunft zu riskieren.“
Nach dem „Global Stocktake“ von der COP28 in Dubai und den
Finanzierungsverhandlungen der COP29 in Baku steht die COP30 in Belém vom
10. bis 21. November 2025 im Zeichen der Umsetzung und
Ambitionssteigerung: Staaten müssen ihre nationalen Klimabeiträge (NDCs)
überarbeiten, um die 1,5-Grad-Grenze erreichbar zu halten. Das LIB betont,
dass Biodiversität dabei nicht nur ein Nebenschauplatz, sondern eine
Voraussetzung für erfolgreiche Klimapolitik ist.
Das LIB erforscht, wie sich Artenvielfalt, genetische Vielfalt und
Ökosysteme weltweit verändern – und wie dieses Wissen in naturbasierte
Lösungen und nachhaltige Transformationsprozesse einfließen kann. Von
Wiederaufforstung und Habitatvernetzung über nachhaltige Landwirtschaft
bis zu urbanen Ökosystemen zeigt die Forschung des Instituts: Nur wo
Biodiversität gedeiht, kann auch Klimaresilienz entstehen.
„Am LIB führen wir Biodiversitäts- und Klimaforschung eng zusammen und
schaffen so die Grundlage für einen Dialog zwischen Wissenschaft, Politik
und Gesellschaft“, betont Prof. Dr. Simone Rödder, Leiterin des Zentrums
für Wissenstransfer. „Dabei beziehen wir auch die Sozialwissenschaften
ein, denn die ökologische Transformation gelingt nur, wenn wir die Rolle
von Expertise und Wissenschaftskommunikation in der Gesellschaft besser
verstehen.“
„Die COP30 bietet die Chance, Entscheidungen auf einer soliden
wissenschaftlichen Grundlage zu treffen“, erklärt Prof. Dr. Alexander Suh,
Leiter des Zentrums für molekulare Biodiversitätsforschung. „In unserem
Zentrum analysieren wir DNA und RNA vor allem von Tieren und
Mikroorganismen, um zu verstehen, wie sich die biologische Vielfalt im
Verlauf der Evolution verändert hat – von sehr alten Zeitskalen der
Artbildung bis hin zu jungen Zeitskalen, in denen sich Populationen an
veränderte Umweltbedingungen anpassen. Unsere Daten aus aktuellen und
historischen Sammlungen zeigen nicht nur, wie eng Arten miteinander
verwandt sind und welchen potenziellen Krankheitserregern sie ausgesetzt
sind, sondern auch, wie sich diese Interaktionen über Raum und Zeit
verändern.“
„Artenreiche Ökosysteme sind resistenter gegen Austrocknung, Überflutung
oder Schädlingsbefall. Das zeigen Experimente und Daten aus dem
Biodiversitätsmonitoring“, betont Prof. Dr. Christoph Scherber, Leiter des
Zentrums für Biodiversitätsmonitoring und Naturschutzforschung. „Unser
Appell an die COP30 lautet deshalb: Setzen Sie auf evidenzbasiertes
Handeln und investieren Sie in Biodiversitätsforschung und Naturschutz.
Nur so lassen sich naturbasierte Lösungen gezielt umsetzen und Ökosysteme
resilient gegenüber Klimaextremen machen.“
Mit seinem Appell zur COP30 ruft das LIB die Staaten dazu auf, Forschung,
Biodiversitätsschutz und naturbasierte Maßnahmen in den Mittelpunkt der
überarbeiteten Klimapläne zu stellen. Die COP30 in Belém bietet die
Chance, die Erkenntnisse der Wissenschaft endlich in konkrete, messbare
Handlungen zu übersetzen – für eine lebenswerte, vielfältige Zukunft auf
unserem Planeten.
