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Gesundheitsrisiko Klimawandel: BZgA informiert zu Hitzeschutz

Das vergangene Jahr war das wärmste in Deutschland seit Beginn der
Wetteraufzeichnung. Besonders im Juli und September gab es Hitzerekorde.
Mit dem Portal https://www.klima-mensch-gesundheit.de bietet die BZgA der
Allgemeinbevölkerung, Eltern mit kleineren Kindern und älteren Menschen
Hilfestellung, um künftige Hitzewellen besser zu überstehen. Kommunen,
Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen erhalten Hinweise, wie sie
hitzebezogenen Gesundheitsproblemen vorbeugen und Menschen dabei
unterstützen können, gut mit Hitzeperioden umzugehen. Auch zu den
Belastungen zunehmender UV-Strahlung und dem Thema Allergie und
Allergieschutz informiert das BZgA-Internetangebot.

Das vergangene Jahr war das wärmste in Deutschland seit Beginn der
Wetteraufzeichnung. Besonders im Juli und September gab es Hitzerekorde.
Immer häufiger auftretende Hitzeperioden haben Auswirkungen auf unsere
Gesundheit: So erhöhte sich mit steigenden Temperaturen die Sterberate
deutlich. Für das Jahr 2023 wird für den Zeitraum April bis September von
3.200 Todesfällen aufgrund von Hitze ausgegangen. Die Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unterstützt Bürgerinnen und Bürger
zielgruppengerecht mit Informationen zu Schutzmöglichkeiten und
praxisnahen Handlungsempfehlungen.

Dr. Johannes Nießen, Errichtungsbeauftragter des Bundesinstituts für
Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM) und Kommissarischer
Leiter der BZgA: „Vielen Menschen sind die gesundheitlichen Risiken durch
Hitzebelastungen nicht bewusst. Dabei sind Hitzetage und Hitzewellen ganz
besonders für ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen sowie Babys
und Kleinkinder riskant. So verändern sich mit steigendem Lebensalter der
Stoffwechsel und andere Prozesse im Körper. Da ältere Menschen außerdem
seltener Durst verspüren, besteht die Gefahr, dass sie dehydrieren und
überhitzen. Babys und Kleinkinder bekommen schneller einen Sonnenstich,
Fieber oder Symptome von Hitzeerschöpfung. Unser Ziel ist daher, das
Wissen der Menschen über Schutzmöglichkeiten für sich und andere zu
stärken.“

Mit dem Portal https://www.klima-mensch-gesundheit.de bietet die BZgA der
Allgemeinbevölkerung, Eltern mit kleineren Kindern und älteren Menschen
Hilfestellung, um Hitzewellen besser zu überstehen. Multiplikatorinnen und
Multiplikatoren, Kommunen, Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen erhalten
Hinweise, wie sie hitzebezogenen Gesundheitsproblemen vorbeugen und
Menschen dabei unterstützen können, gut mit Hitzewellen umzugehen. Auch zu
den Belastungen zunehmender UV-Strahlung und dem Thema Allergie und
Allergieschutz informiert das BZgA-Internetangebot. Ergänzend stehen
kostenlos bestellbare Printmedien zur Verfügung.

Wie sich insbesondere ältere Menschen auf Hitzebelastungen vorbereiten
können, beschreibt das BZgA-Angebot https://www.gesund-aktiv-aelter-
werden.de. Auf der Website gibt es praktische Tipps für den Alltag sowie
Merkblätter zum Download für Angehörige und Fachkräfte.

Speziell an Eltern, Betreuende und Fachkräfte richtet sich das BZgA-
Internetportal https://www.kindergesundheit-info.de mit einer Vielzahl an
Gesundheitsthemen, die in den ersten Lebensjahren von Bedeutung sind –
darunter auch viele Tipps, wie Babys und Kinder vor Sonne und Hitze
geschützt werden können.

Warum Alkohol und Hitze keine gute Kombination sind, erläutert die
Internetseite der BZgA-Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.”: https://www
.kenn-dein-limit.info/gesundheit/


Kostenfreie BZgA-Angebote zum Thema Klimawandel und Gesundheit im
Überblick:

Klima – Mensch – Gesundheit:
https://www.klima-mensch-gesundheit.de
• Flyer „So kommen Sie gut durch Hitzewellen“
• Flyer „So bleiben Sie bei einer Hitzewelle gesund – Empfehlungen für
ältere Menschen“
• Flyer „Diabetes und Hitze – was muss ich beachten?“
• Infokarten Tipps Ernährung, Trinktipps, Rezept Cooler Drink,
Sommerliches Memo I und II, Ausmalbild zum UV-Schutz, Hitze-Rätsel,
Sonnenschutz mit UV Index, Tipps Sport bei Hitze

Gesund und aktiv älter werden:
https://www.gesund-aktiv-aelter-werden.de/gesundheitsthemen/hitze-und-
gesundheit/

• Checkliste „Gesund durch die Sommerhitze”
• Plakat „Gesund durch die Sommerhitze”
• Flyer „Gesund durch die Sommerhitze”
• Flyer kompakt „Gesund trinken im Alter”

Kindergesundheit:
https://www.kindergesundheit-info.de/themen/risiken-
vorbeugen/sonnenschutz/
• Merkblatt „Sonnenschutz für Kinder“
• Checkliste „Ohne Wenn und Aber: Sonnenschutz für Kinder“

Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.”:
Alkohol und Hitze https://www.kenn-dein-limit.info/gesundheit/alkohol-und-
hitze/


Bestellung der kostenlosen BZgA-Materialien unter:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 50819 Köln
Online-Bestellsystem: https://shop.bzga.de/
Fax: 0221/8992257
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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Detektivarbeit der Medizin – die Arbeit der Klinischen Infektiologie

Seit über zehn Jahren unterstützt die Klinische Infektiologie am
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden die Arbeit der
Medizinerinnen und Mediziner auf den Stationen und in den Ambulanzen. Als
erstes deutsches Universitätsklinikum gingen die Dresdner 2013 einen
ungewöhnlichen Weg und etablierte neben den Zentralbereichen
Krankenhaushygiene sowie Qualitäts- und Risikomanagement zusätzlich einen
Zentralbereich Klinische Infektiologie unter der Leitung von Dr. Dr. Katja
de With. Die Klinische Infektiologie untersteht direkt dem Medizinischen
Vorstand. Internisten, Mikrobiologen, Apotheker, alle infektiologisch
weitergebildet, gehören zu dem Team.

Erst im November wurde die Arbeit der Klinischen Infektiologie in einem
externen Zertifizierungsprozess der Deutschen Gesellschaft für
Infektiologie (DGI) bewertet und entsprechend ausgezeichnet. Seit
vergangenem Jahr darf sich die Klinische Infektiologie zudem „Zentrum für
Infektiologie (DGI)“ nennen und ist damit eines von 34 DGI-Zentren
deutschlandweit. „Dies zeigt, dass wir mit unserer Entscheidung zur
Fokussierung der Infektiologie einen wichtigen und klugen Schritt gegangen
sind. Die Expertise bietet eine wertvolle Unterstützung bei der Behandlung
von komplex erkrankten Patientinnen und Patienten“, sagt Prof. Michael
Albrecht, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden.

Andreas Herrmann kann auf beiden Beinen stehen, er kann laufen und
wandern. Selbstverständlich ist das nicht. Seine Mobilität verdankt der
68-Jährige dem Team der Klinischen Infektiologie. Vor zwei Jahren gingen
bei ihm die Beschwerden los. Aufgrund einer akuten Infektion hatte er
lange ein steifes Bein, konnte dieses nur bis zu 20 Kilogramm belasten und
war auf Krücken angewiesen. Lange haben behandelnde Expertinnen und
Experten den Ernst der Lage seiner Infektion nicht erkannt. Im April 2022
stellt er sich dann im Universitätsklinikum Dresden vor. Dem Team ist es
durch die Auswahl und hohe Dosierung der Antibiotika gelungen, diese
selten vorkommende Infektion auch im Knochen und Knochenmark zu besiegen.
„Meine Rettung war die aus meiner Sicht sehr enge Zusammenarbeit von
Chirurgie und Infektiologie. Das entscheidende Signal für des Kniegelenk
kam von den Infektiologinnen. Der Tag, an dem sie mir sagten, dass ich
keine Antibiotika mehr brauche, war wunderbar. Selbst die Schwester auf
der Station hat sich mit mir gefreut“, erinnert sich der Senior.
Mittlerweile hat er wieder Urlaub machen können und war in Schweden und
auf Mallorca mit Wanderstöcken unterwegs. Für Andreas Herrmann absolutes
Glück und Lebensqualität.

Der Fall ist exemplarisch für die Arbeit der Klinischen Infektiologie. Die
Infektiologie versteht sich primär als klinisch orientiertes Fachgebiet,
welches sich mit der Diagnostik, Therapie und Prävention von
Infektionserkrankungen befasst. Eine Besonderheit dabei ist ihr
interdisziplinärer Charakter, da Infektionserkrankungen ganz verschieden
sind beziehungsweise alle Organe und Organsysteme betreffen können.
Infektionen kommen somit in allen medizinischen und operativen
Fachgebieten vor. In Abhängigkeit des Erregers besitzen
Infektionskrankheiten darüber hinaus die Fähigkeit, sich in der
Bevölkerung auszubreiten. Sie stellen weltweit eine der häufigsten
Todesursachen dar und Antibiotika gehören aus diesem Grund zu den
meistgebrauchten Arzneimitteln in der Medizin. Eine Folge des intensiven,
aber auch übermäßigen Antibiotikaeinsatzes ist eine zunehmende
Resistenzentwicklung der Erreger gegenüber den aktuell verfügbaren
Substanzen, welche sich besonders im Krankenhausbereich in der Behandlung
von Infektionspatienten und -patientinnen bemerkbar macht. „Ein
fortgebildeter Arzt und ein aufgeklärter Patient fördern den sinnvollen
und wirksamen Einsatz von Antibiotika“, sagt Katja de With, Leiterin der
Klinischen Infektiologie. Sie plädiert für den rationalen Einsatz der
Medikamente und verweist auf die gute Resistenzsituation am Uniklinikum.

„In der Infektiologie geht es darum, individuell und differenziert jeweils
den Leiden der Patientinnen und Patienten auf den Grund zu gehen, richtig
zu diagnostizieren und richtig zu therapieren“, sagt Katja de With. Das
sei in vielen Fällen ähnlich einer akribischen Detektivarbeit: Mitunter
haben es die Mitarbeitenden mit langwierigen, komplizierten,
chronifizierten Krankheitsbildern zu tun. Auch seltene, multiresistente
Erreger gehören zum Alltag. Mittels radiologischer Diagnostik, über Blut-
und serologische Proben sowie Ganzkörperscreenings werden die Patientinnen
und Patienten in der Ambulanz untersucht. „Die Hochschulmedizin bietet
einen großen Erfahrungsschatz und Expertise, auch bei der Beurteilung von
Verläufen – deshalb ist es sinnvoll hier Ambulanzen für Infektiologie zu
etablieren“, sagt die Leiterin. Dabei ist es nicht immer
selbstverständlich, dass es sich um eine Infektion handelt. Mitunter wird
diese auch ausgeschlossen und an andere Fachbereiche verwiesen. „Hier gilt
es sensibel mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Viele leiden lange
an ihren Beschwerden und haben kaum Geduld, weiter auf die Diagnose zu
warten.“

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Psychische Gesundheit ist nicht nur Privatsache

Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit sieht Verantwortung bei
Arbeitgebern

Berlin, 29.04.2024 – Die Zahlen sind hoch – und sie steigen immer weiter:
15 Prozent aller in Deutschland anfallenden Fehltage gehen auf das Konto
seelischer Erkrankungen. Das bewirkt nicht nur individuelles Leid, sondern
auch einen enormen wirtschaftlichen Schaden. Prof. Dr. Silvia Schneider,
Sprecherin des Standorts Bochum-Marburg des Deutschen Zentrums für
Psychische Gesundheit (DZPG), sieht einen großen Bedarf in der
Betriebsmedizin: „Gerade von Arbeitgebern kann die seelische Gesundheit
noch viel umfassender und gezielter gefördert werden.“ Laut Schneider
haben in den vergangenen Jahren auch die zum Teil einschneidenden
Veränderungen in der Arbeitswelt zu den steigenden Zahlen von psychischen
Erkrankungen beigetragen. Unter anderem treibe der Fachkräftemangel die
Ausfälle wegen seelischer Probleme nach oben; aber auch Homeoffice-
Regelungen können zum Risikofaktor werden. Die Forschung am DZPG ist dem
Problem bereits auf der Spur.

Der Tag der Arbeit ist längst nicht nur ein „Feier“-tag. Denn neben
anderen Faktoren können auch im Berufsleben Auslöser liegen, die krank
machen. Und das sowohl somatisch als auch psychisch. Besonders drängend
ist dieses Problem nicht nur durch das individuelle Leid der Betroffenen,
sondern auch durch die Krankheitsdauer, die mit durchschnittlich 36 Tagen
dreimal so hoch ist wie bei somatischen Erkrankungen mit zwölf Tagen, wie
Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums belegen. „Forschung und Medizin
haben sich lange auf die Faktoren Resilienz und Coping bei den
Beschäftigten konzentriert., aber das greift zu kurz: Die Verantwortung
für menschengerecht gestaltete Arbeit liegt bei den Arbeitgebern. Hier
können Fachärzte für Arbeitsmedizin wertvolle Beiträge leisten, das muss
essenzieller Bestandteil in der Betriebsmedizin sein“, so Schneider.

Faktoren, die seelisch krank machen: Druck, Einsamkeit und
Fachkräftemangel

„Natürlich kann Arbeit auch Ressource sein“, sagt Prof. Dr. Martin Schütte
von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), einer
Partnerinstitution des DZPG. Er ist Wissenschaftlicher Leiter des BAuA-
Fachbereichs „Arbeit und Gesundheit“ und forscht zum Thema Analyse von
Arbeitsbedingungen und deren Effekte auf die mentale Gesundheit. „Arbeit
hat auch einen stabilisierenden Einfluss auf die psychische Gesundheit“,
so Schütte.

Aber ebenso können bei der Arbeit Gefahren für die Seele liegen. Die WHO
fasst diese Belastungsfaktoren knapp zusammen: Arbeitsumgebungen, die von
Diskriminierung und Ungleichheit geprägt sind, gehören ebenso dazu wie
übermäßige Arbeitsbelastung, geringe Kontrolle und Jobunsicherheit. Silvia
Schneider sieht in diesem Zusammenhang auch sehr junge Entwicklungen als
Belastung: „Der technologische Fortschritt bringt nicht nur
Arbeitserleichterung, sondern auch Arbeitsverdichtung und oft komplexere
Aufgaben. Das kann Druck erzeugen. Das Gleiche gilt für die
Flexibilisierung der Arbeit. Homeoffice-Regelungen können Einsamkeit und
Isolation fördern; das ist ein erheblicher Risikofaktor für Depressionen,
wir untersuchen auch das im DZPG.“

Auch Sonja Haase, Erfahrungsexpertin und Mitglied im Trialogischen
Zentrumsrat des DZPG, sagt: „Die Verknüpfung von digitalen Tools und die
daraus resultierenden Folgen wie ständige Erreichbarkeit auf mehreren
Wegen und Kanälen können Stress bewirken.“
Prof. Harald Baumeister vom DZPG-Standort Mannheim-Heidelberg-Ulm
erläutert: „Mit New-Work-Ansätzen ergeben sich Fragen von Zugehörigkeit
und Einsamkeit als Herausforderung. Eines unter vielen Forschungsprojekten
des DZPG zielt daher auch auf das Zusammengehörigkeitsgefühl im
Arbeitskontext als möglicher Schutzfaktor.“

Fachkräftemangel setzt Belegschaften unter Druck

Beim Stichwort Arbeitsverdichtung spiele auch der steigende
Fachkräftemangel eine große Rolle, sagt Silvia Schneider: „In
Berufsgruppen wie zum Beispiel dem Gesundheitssektor oder öffentlichen
Dienst sind die Mitarbeitenden durch die Inhalte ihrer Arbeit ohnehin
schon höherer psychischer Belastung ausgesetzt. In den vergangenen Jahren
ist eine enorme Arbeitsverdichtung hinzugekommen. Denn in Kliniken, an
Schulen und in Behörden fehlen Arbeitskräfte; das steigert die Gefahr
seelischer Erkrankungen wie Erschöpfungszuständen oder Depressionen für
alle.“

Psychische Störungen Krankschreibungsgrund Nummer 2

Der jüngste Report der Techniker Krankenkasse belegt, wie drängend das
Problem ist: Die mit Abstand häufigste Ursache von Krankschreibungen
bildeten demnach auch 2023 wieder Krankheiten des Atmungssystems.
„Depressive Episoden“ belegten aber bereits Rang zwei der Tabelle – noch
vor Rückenschmerzen.

Arbeitgeber können viel für die seelische Gesundheit der Angestellten tun

Dabei gibt es wirksame Maßnahmen, um psychische Gesundheitsrisiken am
Arbeitsplatz zu verhindern, die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz zu
schützen und zu fördern sowie Arbeitnehmer mit psychischen Erkrankungen zu
unterstützen. „Prävention und die Förderung der psychischen Gesundheit als
Teil eines nachhaltigen betrieblichen Gesundheitsmanagements sind von
enormer Bedeutung. Die Gesundheit der Beschäftigten trägt maßgeblich zum
wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen bei. Während das bei somatischen
Krankheiten schon gängiges Wissen ist, müssen Arbeitgeber für die
psychische Gesundheit noch weiter sensibilisiert werden“, so Schneider.
Und Schütte ergänzt: „Neben der Primärprävention, das heißt der
menschengerechten Gestaltung der Arbeitsbedingungen, sind sekundär- und
tertiärpräventive Ansätze wichtig, wie zum Beispiel eine nachhaltige
Rückkehr in den Betrieb zu erreichen. Hier sind niedrigschwellige Angebote
hilfreich, etwa eine psychosomatische oder psychotherapeutische
Sprechstunde, um auftretende Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit
frühzeitig erkennen zu können.“

Die Forschung hat das Thema im Blick

Martin Schütte betont: „In diesem Kontext bietet das Deutsche Zentrum für
Psychische Gesundheit die Möglichkeit, das Thema Arbeit in den
therapeutischen Prozess einzubeziehen. Damit könnten umfassendere
Therapiemöglichkeiten entstehen. Das DZPG kann hier weiterhin
sensibilisieren, welche Arbeitsbedingungen Einfluss auf die psychische
Gesundheit und für den therapeutischen Prozess Relevanz haben.
Psychosoziale Faktoren wie Führung, soziale Unterstützung am Arbeitsplatz,
Arbeitszeit, Entwicklungsmöglichkeiten bei der Arbeit oder die
Arbeitsmenge müssen immer mitgedacht werden. Das DZPG kann somit
evidenzbasierte Informationen zur psychischen Gesundheit für Wissenschaft,
Praxis und Politik liefern."

Woche der Seelischen Gesundheit zielt auf das Arbeitsleben

Die Relevanz des Themas zeigt auch die Woche der Seelischen Gesundheit
2024. Sie findet vom 10. bis 20. Oktober unter der Schirmherrschaft des
Bundesministers für Gesundheit Prof. Dr. Karl Lauterbach statt und trägt
das Motto „Hand in Hand für seelische Gesundheit am Arbeitsplatz“. Dann
informieren Selbsthilfeverbände, psychosoziale Einrichtungen und
Initiativen des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit an über 100
Standorten mit einem breit aufgestellten Programm über psychische
Belastungen am Arbeitsplatz, präventive Maßnahmen und Strategien zur
Bewältigung. Den Auftakt in Berlin macht eine Veranstaltung im
Kulturzentrum Pfefferberg am 10. Oktober. Trägerin des Aktionsbündnisses
ist die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

Informationen zur Woche der Seelischen Gesundheit 2024:
https://www.seelischegesundheit.net/aktionen/aktionswoche/


Über das DZPG

Seit Mai 2023 arbeiten im Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit
(DZPG) Expertinnen und Experten daran, durch gemeinsame Forschung die
psychische Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und psychische
Erkrankungen zu entstigmatisieren. An sechs Standorten in Deutschland
wirken hierfür Forscherinnen und Kliniker gemeinsam mit Expertinnen aus
Erfahrung, also Betroffenen und ihnen Nahestehenden, sowie internationalen
Wissenschaftlern zusammen. Unter www.dzpg.org finden Interessierte
Informationen zur Organisation, zu Forschungsprojekten und Zielen sowie
informative Texte und hilfreiche Links rund um das Thema psychische
Gesundheit.

Quellen:
Gesundheitsreport 2024 – Arbeitsunfähigkeiten, Herausgeber: Techniker
Krankenkasse, Unternehmenszentrale Hamburg, 22291
https://www.tk.de/resource/blob/2168508/ee48ec9ef5943d2d40dc10a76bedf290
/gesundheitsreport-au-2024-data.pdf

https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/mental-health-at-work
(Stand 26.4.2024)
BAuA (2017). Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Wissenschaftliche
Standortbestimmung. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin. Autor*innen: Isabel Rothe, Lars Adolph, Beate Beermann,
Martin Schütte, Armin Windel, Anne Grewer, Uwe Lenhardt, Jörg Michel,
Birgit Thomson, Maren Formazin

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Zweitmeinung vor dem Herz-Eingriff: Wann sinnvoll?

Wer einen Eingriff am Herzen vor sich hat, kann eine zweite Meinung vom
Arzt einholen. Ein erfahrener Kardiologe erklärt die damit verbundenen
Chancen und Grenzen – und welche No-Gos zu beachten sind

Jährlich unterziehen sich hunderttausende Herzpatienten einem Eingriff am
Herzen per Herzkatheter (interventionell) oder chirurgisch. Beispielsweise
dokumentiert der Deutsche Herzbericht zur Behandlung der koronaren
Herzkrankheit (KHK), der Grunderkrankung des Herzinfarkts, für das Jahr
2021 über 36.000 Bypass-Operationen und über 300.000 implantierte
Gefäßstützen (Stents). Und für die kathetergeführte Verödung fehlerhafter
Erregungsherde (Ablation) zur Behandlung von Vorhofflimmern sind für 2021
rund 103.000 Katheter-Ablationen zu verzeichnen (Deutscher Herzbericht
2022). Betroffene, denen ein vorausplanbarer Eingriff bevorsteht, können
eine zweite ärztliche Meinung einholen, wenn sie an der Notwendigkeit
eines Eingriffs Zweifel haben. „Bestimmte medizinische Entscheidungen sind
eine Sache des Ermessens und Ärzte können ein und dieselbe Situation
unterschiedlich beurteilen“, berichtet Prof. Dr. Thomas Meinertz vom
Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung in einem Experten-
Beitrag in der aktuellen Ausgabe von HERZ heute. „Ebenso wird den
Patienten deutlich, wie häufig ärztliche Entscheidungen nicht
übereinstimmen beziehungsweise voneinander abweichen“, so der Hamburger
Kardiologe. In seinem Beitrag „Im Zweifel zum Zweiten“ in der Ausgabe
1/2024 von HERZ heute erläutert Meinertz, vor seiner Emeritierung
langjähriger Ärztlicher Direktor des Universitären Herzzentrums Hamburg,
wann es sinnvoll ist, die zusätzliche Einschätzung eines Arztes
einzuholen. Er gibt zudem wichtige Hinweise, worauf Herzkranke vor ihrem
Eingriff achten sollten. Die HERZ heute-Ausgabe kann kostenfrei
telefonisch unter 069 955128-400 oder unter www.herzstiftung.de/bestellung
bei der Herzstiftung bestellt werden.

Zweitmeinung nur dann, wenn keine Zeitnot besteht
Das Einholen einer ärztlichen Zweitmeinung, einer „second opinion“, nimmt
seinen Ursprung mit der zunehmenden Spezialisierung und Differenzierung in
der Medizin: Wenn für Diagnosen und Therapien mehrere „gleichwertige“
Vorgehensweisen verfügbar sind, ist die zweite Meinung immer häufiger
gefragt. Nur dürfe sie auf keinen Fall eingeholt werden, wenn bereits
Gefahr in Verzug ist, etwa bei einem akuten Koronarsyndrom oder einem
Herzinfarkt. „Der Versuch, in einer derartigen Situation eine zweite
Meinung einzufordern und auf diese Weise unnötig Zeit zu verlieren, kann
für den Patienten tödlich enden“, warnt Meinertz. Eine Zweitmeinung sei
nur dann von Nutzen, wenn ohne Zeitdruck schwerwiegende medizinische
Entscheidungen für einen Patienten zu treffen sind, also etwa vor einer
empfohlenen chirurgischen oder interventionellen Therapie.

Bei welchen Herz-Eingriffen ist die Zweitmeinung sinnvoll?
Bei Herzpatienten kann das Einholen einer Zweitmeinung bei folgenden
Eingriffen sinnvoll sein:
- Perkutane koronare Intervention (PCI): ein Katheterverfahren, um
verengte Herzkranzgefäße zu öffnen, oft wird gleichzeitig ein Stent
eingebracht;
-       Bypassoperation: dabei wird chirurgisch eine Umgehung (Bypass)
geschaffen, um verengte Blutgefäße zu überbrücken;
- Operativer Ersatz von kranken Herzklappen;
- Kathetergestützte elektrophysiologische Herzuntersuchungen und
Ablationen (Verödungen) am Herzen;
- Ersatz kranker Herzklappen mithilfe eines Katheters (interventionelle
Klappentherapie, TAVI );
- Einpflanzen eines Schrittmachers oder Defibrillators, kardiale
Resynchronisationstherapie (CRT);
- Operation angeborener Herzfehler;
- Herz- oder Lungentransplantation;
-       Operation von Aortenaneurysmen.

Besonders kritisch sieht der Herzspezialist die Entscheidung zwischen
operativer und interventioneller Therapie. „Wichtig ist, dass der um die
Zweitmeinung Gefragte nicht von vorneherein auf eines der beiden Verfahren
festgelegt ist.“ Ebenso entscheidend sei, dass der beratende Arzt dazu
bereit ist, von einem operativen oder interventionellen Eingriff
gegebenenfalls ganz abzuraten und stattdessen eine „konservative“
Behandlung, etwa mit Medikamenten, zu empfehlen. Im Alltag kaum
praktiziert, obschon theoretisch möglich, wird das Einholen einer
Zweitmeinung bei einer Herz- oder Lungentransplantation.
Die Kosten für eine ärztliche Zweitmeinung tragen die gesetzlichen
Krankenkassen bei den gesetzlich vorgeschriebenen Indikationen. Darunter
fallen im kardiologischen/herzchirurgischen Bereich die kathetergestützte
elektrophysiologische Herzuntersuchung (EPU) und die Katheter-Ablation am
Herzen, die Implantation von Schrittmacher, Defibrillator und CRT sowie ab
Oktober 2024 die Operation von Aortenaneurysmen. Manche gesetzlichen
Kassen bieten ihren Versicherten ein Zweitmeinungsangebot, das über die
gesetzlich vorgeschriebenen Indikationen hinausgeht. Hierfür ist eine
gezielte Nachfrage bei der eigenen Krankenkasse sinnvoll. Infos zur
Richtlinie de Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA):
www.g-ba.de/richtlinien/107/

Häufig wird nach dem besten Zentrum für einen Eingriff gefragt
Bei der Empfehlung zur operativen oder interventionellen Therapie wird
häufig auch danach gefragt, wo diese Therapie am besten erfolgen sollte.
„Abgesehen von seltenen Fällen ist es schwierig, einzelne Zentren für eine
medizinische Maßnahme zu empfehlen. Vielmehr sollten dem Anfragenden
mehrere Zentren genannt werden, in denen eine empfohlene Therapie gut
erfolgen kann“, rät Meinertz. „Selbstverständlich wird der beratende Arzt
dabei seine eigenen Erfahrungen einbeziehen.“ Herzpatienten finden auf der
Herzstiftungs-Homepage unter https://herzstiftung.de/arztsuche hilfreiche
Links zu externen Stellen wie z. B. Kliniken mit Zertifizierungen für
bestimmte medizinische Therapien oder Fachabteilungen über die Websites
der Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK) und
Kinderkardiologie/Angeborene Herzfehler (DGPK) oder für Herzchirurgie
(DGTHG). Für Menschen mit angeborenem Herzfehler ist der Online-Suchdienst
der Kinderherzstiftung „Dein Herzlotse“ unter https://herzstiftung.de
/dein-herzlotse eine Hilfe bei der Arzt- und Kliniksuche.

Woher bekomme ich den richtigen Zweitmeinungsarzt?
Die Auswahl des Spezialisten für die Zweitmeinung sollte nach dem
Erkundigen durch den
Patienten, beispielsweise bei den Krankenkassen oder Ärztekammern,
erfolgen. Informationen über das Internet einzuholen hält, Kardiologe
Meinertz für problematisch, „da hier positive Selbstdarstellungen eine
entscheidende Rolle spielen“. Auch der primär behandelnde Arzt könne eine
Empfehlung für einen Zweitmeinungsfachmann aussprechen. Dass der primär
behandelnde Arzt dem um die Zweitmeinung angefragten Arzt relevante
Befunde überlässt, ist das Recht des Patienten.

Diese No-Gos sind zu beachten
Prof. Meinertz stellt in HERZ heute einige Szenarien vor, die Patienten
bei einer Zweitmeinung beachten sollten. Hier ist eine Auswahl daraus:
- Die Gefahr der Voreingenommenheit des Zweitmeinenden besteht, wenn der
behandelnde Arzt einen befreundeten Spezialisten anruft, ihn über die
Situation seines Patienten informiert und dem um eine zweite Meinung
angefragten Arzt diejenige Empfehlung begründet, die er bereits gegenüber
seinem Patienten abgegeben hat.
- Nicht selten rät der primär behandelnde Arzt seinem Patienten davon ab,
eine zweite
Meinung einzuholen. Bittet der Patient um die Möglichkeit, eine
Zweitmeinung einzuholen, sollte der behandelnde Arzt das dem Patienten
nicht verweigern. In keinem Fall sollte der primär behandelnde Arzt einem
Patienten seine Fürsorge entziehen, wenn dieser gegen seinen Rat eine
Zweitmeinung einfordert.
- In keinem Fall sollte der um die Zweitmeinung Gebetene sich selbst als
weiteren Therapeuten anbieten.

Die Basis einer gelingenden Therapie ist das Vertrauen in den behandelnden
Arzt. Eine Zweitmeinung kann und sollte im besten Fall dem Patienten eine
Hilfe bei der Entscheidungsfindung für die richtige Therapie sein, jedoch
ihn nicht zusätzlich verunsichern und das Vertrauen in den Arzt
erschüttern. „Was der Patient in jedem Fall vermeiden sollte: Nach der
Zweitmeinung noch eine Dritt- oder Viertmeinung einzuholen. Das führt
nicht selten zu einer kompletten Verunsicherung des Anfragenden“, so
Meinertz.
(wi)

Literatur:
Meinertz T, Im Zweifel zum Zweiten, HERZ heute 2024; 1:41-43

Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zum
Zweitmeinungsverfahren: www.g-ba.de/richtlinien/107/

Infos der Verbraucherzentrale:
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/aerzte-und-
kliniken/aerztliche-zweitmeinung-was-die-krankenkasse-zahlt-13493


Service
Mehr Informationen rund um das Thema Zweitmeinung einholen bietet die
Herzstiftung in der Ausgabe 1/2024 ihrer Zeitschrift HERZ heute mit dem
Titel „Herz in Not – Wenn die Herzkranzgefäße erkranken“. Ein Probe-
Exemplar dieser Ausgabe kann kostenfrei unter Tel. 069 955128-400 oder
unter https://herzstiftung.de/bestellung angefordert werden.

Auf der Herzstiftungs-Homepage unter https://herzstiftung.de/arztsuche
finden Herzpatienten hilfreiche Links zu externen Stellen wie z. B.
Kliniken mit Zertifizierungen von herzmedizinischen Fachgesellschaften für
bestimmte medizinische Therapien.

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