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Gesundheit

Gewebebrücken sind zuverlässige Prädiktoren zur Gene-sung bei Halswirbelsäulenverletzungen

Die Prognose zur Genesung nach einer Rückenmarksverletzung (SCI) ist für
die direkt Betroffenen und ihr Umfeld von grosser Bedeutung. Bisher blieb
sie aber ungenau. Forschern aus drei internationalen
Rehabilitationszentren in Zürich, Murnau und Denver ist es nun gelungen,
den Wert von Neuroimaging-Messungen für die Vorhersage der sensorischen
und motorischen Genesung bei Menschen mit Tetraplegie aufzuzeigen. Die aus
klinischen Magnetresonanztomographien (MRT) abgeleiteten Neuroimaging-
Messungen erfassen das Ausmass des unverletzten Nervengewebes neben der
Rückenmarksläsion, die sogenannten «spinalen Gewebebrücken».

Die Ergebnisse der Längsschnittstudie «Prognostic value of tissue bridges
in cervical spi-nal cord injury» haben das Potenzial, die klinische Praxis
zu verändern. Sie wurden soeben in «The Lancet Neurology», der weltweit
führenden Zeitschrift für klinische Neurologie, ver-öffentlicht. Das Team
um Erstautor Dr. Dario Pfyffer und Seniorautor Prof. Dr. med. Patrick
Freund von der Universitätsklinik Balgrist und der Universität Zürich, dem
SCI-Experten aus der ganzen Welt angehören, hat in einer grossen,
multizentrischen Kohorte von Patien-ten mit zervikaler SCI erfolgreich
Modelle entwickelt, die Gewebebrücken im Rückenmark für eine verbesserte
Prognose der klinischen Ergebnisse einbeziehen. Diese Gewebebrü-cken
wurden auf (früh nach Eintreten der Rückenmarksverletzung aufgenommenen)
MRT-Bildern gemessen. Dadurch ergab sich für die bisherigen
Prognosemodellen, die auf der Erfassung des klinischen Zustands der
Patienten bei deren Eintritt ins Krankenhaus basie-ren, ein entscheidender
Mehrwert. Dr. Pfyffer sagt dazu: «Eine genaue Ergebnisvorher-sage ist für
die Patienten, die behandelnden Therapeuten und die behandelnden Ärzte von
grösster Bedeutung.»

Bemerkenswerterweise haben sich in allen drei Rehabilitationszentren die
Gewebebrücken auch als leistungsfähigere und genauere Prädiktoren erwiesen
als die klinischen Aus-gangsdaten zur Einteilung der Patienten in
Untergruppen mit ähnlichen klinischen Ergebnis-sen. Dr. Pfyffer betont,
wie wichtig es ist, dass die Modelle zur Vorhersage der Genesung
reproduzierbar und auf neue Patienten verallgemeinerbar sind. Insbesondere
wurden die Studienergebnisse in den einzelnen SCI-Patientenkohorten der
drei Zentren mit ihren de-mografischen und klinischen Unterschieden
validiert. «Unsere Modelle und Ergebnisse können auf andere
Patientenkohorten übertragen werden und sind für alle SCI-Zentren, MRT-
Scanner und Personen, die die Messungen durchführen und beurtei-len
gültig.» Damit ist der Grundstein für eine erfolgreiche Anwendung von
Gewebebrü-cken zur verbesserten Durchführung von multizentrischen
Interventionsstudien gelegt.

In dieser wegweisenden Bildgebungsstudie wurden die Fortschritte der
Genesung beim Spitalaustritt des Patienten etwa drei Monate nach der
Verletzung und bei der Nachunter-suchung nach zwölf Monaten untersucht.
Dadurch konnte die Studie überzeugende Bewei-se dafür liefern, dass
Gewebebrücken im Rückenmark mit kurz- und langfristigen klini-schen
Verbesserungen einhergehen, was die breite klinische Anwendbarkeit des
Studien-ansatzes unterstreicht. Die Studie zeigt das unglaubliche
Potenzial von Gewebebrücken zur Optimierung der klinischen
Entscheidungsfindung, der Patientenberatung und der Pla-nung von SCI-
Studien, wenn die Gewebebrücken routinemässig als Teil der klinischen
Versorgungsstandards erfasst werden. Sie ist ein weiterer Schritt bei der
Entwicklung spe-zifischerer Rehabilitationsprogramme und
individualisierter Behandlungsstrategien für Men-schen mit einer
Rückenmarksverletzung.

Über die beteiligten Rehabilitationszentren
Die Patienten dieser multinationalen Studie wurden in der
Universitätsklinik Balgrist, Zürich (Schweiz), im BG Traumazentrum, Murnau
(Deutschland) und im Craig Hospital, Denver (USA) behandelt. Diese
renommierten Trauma- und Rehabilitationskliniken haben es sich zur Aufgabe
gemacht, die medizinische Forschung voranzutreiben und durch innovative
Studien und klinische Anwendungen die Ergebnisse für die Patienten zu
verbessern. Ihr Expertenteam ist bestrebt, neue Ansätze für die Diagnose,
Behandlung und Rehabilitation von Rückenmarksverletzungen zu entwickeln

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Gewebebrücken sind zuverlässige Prädiktoren zur Gene-sung bei Halswirbelsäulenverletzungen

Die Prognose zur Genesung nach einer Rückenmarksverletzung (SCI) ist für
die direkt Betroffenen und ihr Umfeld von grosser Bedeutung. Bisher blieb
sie aber ungenau. Forschern aus drei internationalen
Rehabilitationszentren in Zürich, Murnau und Denver ist es nun gelungen,
den Wert von Neuroimaging-Messungen für die Vorhersage der sensorischen
und motorischen Genesung bei Menschen mit Tetraplegie aufzuzeigen. Die aus
klinischen Magnetresonanztomographien (MRT) abgeleiteten Neuroimaging-
Messungen erfassen das Ausmass des unverletzten Nervengewebes neben der
Rückenmarksläsion, die sogenannten «spinalen Gewebebrücken».

Die Ergebnisse der Längsschnittstudie «Prognostic value of tissue bridges
in cervical spi-nal cord injury» haben das Potenzial, die klinische Praxis
zu verändern. Sie wurden soeben in «The Lancet Neurology», der weltweit
führenden Zeitschrift für klinische Neurologie, ver-öffentlicht. Das Team
um Erstautor Dr. Dario Pfyffer und Seniorautor Prof. Dr. med. Patrick
Freund von der Universitätsklinik Balgrist und der Universität Zürich, dem
SCI-Experten aus der ganzen Welt angehören, hat in einer grossen,
multizentrischen Kohorte von Patien-ten mit zervikaler SCI erfolgreich
Modelle entwickelt, die Gewebebrücken im Rückenmark für eine verbesserte
Prognose der klinischen Ergebnisse einbeziehen. Diese Gewebebrü-cken
wurden auf (früh nach Eintreten der Rückenmarksverletzung aufgenommenen)
MRT-Bildern gemessen. Dadurch ergab sich für die bisherigen
Prognosemodellen, die auf der Erfassung des klinischen Zustands der
Patienten bei deren Eintritt ins Krankenhaus basie-ren, ein entscheidender
Mehrwert. Dr. Pfyffer sagt dazu: «Eine genaue Ergebnisvorher-sage ist für
die Patienten, die behandelnden Therapeuten und die behandelnden Ärzte von
grösster Bedeutung.»

Bemerkenswerterweise haben sich in allen drei Rehabilitationszentren die
Gewebebrücken auch als leistungsfähigere und genauere Prädiktoren erwiesen
als die klinischen Aus-gangsdaten zur Einteilung der Patienten in
Untergruppen mit ähnlichen klinischen Ergebnis-sen. Dr. Pfyffer betont,
wie wichtig es ist, dass die Modelle zur Vorhersage der Genesung
reproduzierbar und auf neue Patienten verallgemeinerbar sind. Insbesondere
wurden die Studienergebnisse in den einzelnen SCI-Patientenkohorten der
drei Zentren mit ihren de-mografischen und klinischen Unterschieden
validiert. «Unsere Modelle und Ergebnisse können auf andere
Patientenkohorten übertragen werden und sind für alle SCI-Zentren, MRT-
Scanner und Personen, die die Messungen durchführen und beurtei-len
gültig.» Damit ist der Grundstein für eine erfolgreiche Anwendung von
Gewebebrü-cken zur verbesserten Durchführung von multizentrischen
Interventionsstudien gelegt.

In dieser wegweisenden Bildgebungsstudie wurden die Fortschritte der
Genesung beim Spitalaustritt des Patienten etwa drei Monate nach der
Verletzung und bei der Nachunter-suchung nach zwölf Monaten untersucht.
Dadurch konnte die Studie überzeugende Bewei-se dafür liefern, dass
Gewebebrücken im Rückenmark mit kurz- und langfristigen klini-schen
Verbesserungen einhergehen, was die breite klinische Anwendbarkeit des
Studien-ansatzes unterstreicht. Die Studie zeigt das unglaubliche
Potenzial von Gewebebrücken zur Optimierung der klinischen
Entscheidungsfindung, der Patientenberatung und der Pla-nung von SCI-
Studien, wenn die Gewebebrücken routinemässig als Teil der klinischen
Versorgungsstandards erfasst werden. Sie ist ein weiterer Schritt bei der
Entwicklung spe-zifischerer Rehabilitationsprogramme und
individualisierter Behandlungsstrategien für Men-schen mit einer
Rückenmarksverletzung.

Über die beteiligten Rehabilitationszentren
Die Patienten dieser multinationalen Studie wurden in der
Universitätsklinik Balgrist, Zürich (Schweiz), im BG Traumazentrum, Murnau
(Deutschland) und im Craig Hospital, Denver (USA) behandelt. Diese
renommierten Trauma- und Rehabilitationskliniken haben es sich zur Aufgabe
gemacht, die medizinische Forschung voranzutreiben und durch innovative
Studien und klinische Anwendungen die Ergebnisse für die Patienten zu
verbessern. Ihr Expertenteam ist bestrebt, neue Ansätze für die Diagnose,
Behandlung und Rehabilitation von Rückenmarksverletzungen zu entwickeln

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Durchbruch auf dem Weg zu einem Früherkennungsprogramm für Lungenkrebs

Ab Montag können Rauchende und ehemals Rauchende unter bestimmten
Bedingungen eine strahlungsarme CT-Untersuchung erhalten, durch die ein
Lungenkrebs frühzeitig erkannt werden kann. Die Lungenkrebs-
Früherkennungs-Verordnung (LuKrFrühErkV) des Bundesministeriums für
Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV), die
jetzt am 1. Juli in Kraft tritt, ist Grundlage für diesen ersten wichtigen
Schritt. „Wir begrüßen das Inkrafttreten dieser Rechtsverordnung“,
erklären die acht medizinischen Fachgesellschaften und Berufsverbände, die
an der Lungenkrebsfrüherkennung beteiligt sind.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung betonen sie aber: „Bis zu einem für
alle Risikopersonen erreichbaren Früherkennungsprogramm müssen allerdings
weitere Schritte folgen!“ Insbesondere sei jetzt der Gemeinsame
Bundesausschuss (G-BA) gefordert, die genauen Bestimmungen für die
Durchführung und die Kostenübernahme für gesetzlich Versicherte
festzulegen.

In Deutschland erkranken jährlich rund 57.000 Menschen neu an Lungenkrebs.
Darüber hinaus versterben noch einmal rund 45.000 Menschen pro Jahr, da
diese Erkrankung meistens erst im fortgeschrittenen Tumorstadium
festgestellt wird. Eine entsprechend hohe Bedeutung kommt einem breiten
und in der Bevölkerung anerkannten Früherkennungsprogramm zu –
idealerweise kombiniert mit dem Angebot von Programmen zur
Raucherentwöhnung.

CT-Früherkennung ist wirksame, sichere und kosteneffektive Methode

Die strukturierte Früherkennung von Lungenkrebs durch eine Niedrigdosis-
Computertomographie (LDCT) in Personengruppen mit einem hohen
Lungenkrebsrisiko ist – wissenschaftlich belegt – eine wirksame, sichere
und kosteneffektive Methode. Durch eine Diagnosestellung bereits in einem
frühen – und damit noch heilbarem Tumorstadium – kann die Sterblichkeit an
Lungenkrebs signifikant gesenkt werden.

Entsprechend wurden LDCT-basierte Lungenkrebs-Screeningprogramme weltweit
unter anderem in den USA, Kanada, Australien, China und Südkorea
etabliert. In Europa laufen bereits erfolgreiche nationale
Früherkennungsprogramme mittels LDCT in Kroatien, Polen und der
Tschechischen Republik.

Erstmals LDCT zur Früherkennung jetzt auch in Deutschland möglich

Die neue BMUV-Verordnung erlaubt nun erstmals die Anwendung der LDCT zur
Früherkennung von Lungenkrebs bei rauchenden Personen in Deutschland und
stellt damit den ersten entscheidenden Schritt hin zu einem strukturierten
nationalen Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm dar. Der Gemeinsame
Bundesausschuss (G-BA) ist nun aufgefordert, innerhalb der nächsten 18
Monate einerseits zu prüfen, ob diese Maßnahme zulasten der gesetzlichen
Krankenkassen zu erbringen ist. Andererseits muss der G-BA parallel eine
Richtlinie zur Implementierung und Durchführung eines strukturierten LDCT-
basierten Lungenkrebs-Screeningprogramms als Gesundheitsuntersuchung gemäß
§25 SGB V erarbeiten.

In einem gemeinsamen Positionspapier haben bereits im Oktober 2023 die
Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), die
Deutsche Röntgengesellschaft (DRG), die Deutsche Gesellschaft für
Thoraxchirurgie (DGT) sowie die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin
und Umweltmedizin (DGAUM) konkrete Vorschläge zur Implementierung eines
nationalen organisierten Programms in Deutschland zur Früherkennung von
Lungenkrebs in Risikopopulationen mittels Low-dose-CT-Screening inklusive
Management von abklärungsbedürftigen Screeningbefunden unterbreitet. „Wir
sehen es deshalb als Bestätigung unserer Vorschläge“, heißt es aus den
Reihen der unterzeichnenden Verbände, „dass das BMUV wesentliche
Kernelemente unseres Positionspapiers in seine Verordnung integriert hat.“

Hierunter fallen zum Beispiel
•       die Identifikation und Eignungsprüfung potenzieller Programm-
Teilnehmer,
•       die Anforderung, Durchführung wie auch Bewertung der LDCT,
•       die Kopplung der LDCT-Zweitbefundung an auf Lungenkrebs
spezialisierte Zentren sowie
•       die notwendige Qualifikation von Ärzten.

Die niederschwellige Einladung und regelmäßige Wiedereinladung geeigneter
Teilnehmer, die einheitlich-strukturierte CT-Befundung und
Berichterstellung wie auch die enge Verzahnung des LDCT-Screeningprogramms
mit den auf Lungenkrebs spezialisierten Zentren sind essenzielle Bausteine
des Aufbaubauprozesses eines organisierten, kosteneffektiven Lungenkrebs-
Früherkennungsprogramms in Deutschland. Weitere Bestandteile sind die
obligate leitliniengerechte Tabakentwöhnung, die strukturierte Fortbildung
für Behandelnde sowie die epidemiologische Qualitätssicherung.

Lungenkrebs kann früh erkannt und Heilungschance verbessert werden

„Im Rahmen dieses weiteren Planungs- und Implementierungsprozesses eines
strukturierten nationalen LDCT-Lungenkrebs-Früherkennungsprogrammes
bringen wir uns weiterhin gerne als Experten ein“, unterstreichen deshalb
die beteiligten Fachverbände. Die Maßnahmen hätten zusammengenommen großes
Potenzial: „Damit kann Lungenkrebs im frühen Stadium erkannt und somit die
Heilungschance verbessert werden.“

Eine gemeinsame Pressemitteilung
•       der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
(DGP)
•       der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT)
•       der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG)
•       der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin
(DGAUM)
•       der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
•       der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) mit der Arbeitsgemeinschaft
Internistische Onkologie (AIO), der Arbeitsgemeinschaft Bildgebung in der
Onkologie (ABO) und der Pneumologisch-onkologische Arbeitsgemeinschaft
(POA) in der DKG
•       des Bundesverbandes der Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin
(BdP)
•       des Berufsverbandes der Deutschen Radiologie (BDR)

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Plötzlich bewusstlos? Bei Herzstillstand mit Herzdruckmassage Leben retten

Herzstiftung zeigt, was man als Ersthelfer beim plötzlichen Herzstillstand
tun muss: Die vier Schritte der Wiederbelebung

Jederzeit kann es passieren – zu Hause, am Arbeitsplatz oder auch auf dem
Fußballplatz: Jemand bricht plötzlich zusammen, liegt bewusstlos am Boden
und atmet nicht mehr: Herzstillstand! Die Bilder des EM-Spiels im Jahr
2021 zwischen Finnland und Dänemark, in dem der dänische Fußballspieler
Christian Eriksen erfolgreich wiederbelebt werden konnte, gingen um die
Welt. Heute steht er wieder im Nationalteam. Der Fall Eriksen hat gezeigt,
wie lebensentscheidend richtiges und schnelles Handeln im Notfall ist.
„Ohne unverzügliche Wiederbelebungsmaßnahmen endet ein Herzstillstand
tödlich“, warnt Herzspezialist Professor Dr. med. Heribert Schunkert,
stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.
„Sofort muss nach Erkennen eines Herzstillstandes der Notarzt mit der
Notrufnummer 112 alarmiert und die Herzdruckmassage begonnen werden. Denn
mit jeder Minute, die bis zur Wiederbelebung verstreicht, verringert sich
die Überlebenswahrscheinlichkeit um etwa zehn Prozent“, betont Schunkert,
Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am
Deutschen Herzzentrum München. Auch im Rahmen von Massen-Events wie
Fußball-EM oder Konzerten kann es passieren, dass Zuschauer im Stadion
oder beim Public Viewing Zeuge eines Herzstillstands werden und sofort
handeln müssen. Jeder sollte daher die vier Schritte der Wiederbelebung
(Prüfen, Rufen, Drücken, Schocken) unter
<www.herzstiftung.de/wiederbelebung> kennen.
Jedes Jahr fallen dem plötzlichen Herztod in Deutschland ca. 65.000
Menschen zum Opfer. Er ist die Folge einer bösartigen Herzrhythmusstörung
(zumeist Kammerflimmern), die innerhalb weniger Sekunden zum
Herzstillstand führt.

Jede Minute zählt! – Sofortige Herzdruckmassage für das Überleben
essenziell
„Je schneller mit der Wiederbelebung durch Herzdruckmassage begonnen wird,
desto größer ist die Chance, dass der Patient überlebt“, hebt Prof.
Schunkert hervor. Als Taktgeber für die richtige Frequenz beim Drücken
dienen Pop-Hits wie „Stayin‘ Alive“ der Bee Gees. Ein Rettungswagen
braucht bis zum Notfallort im Durchschnitt neun Minuten. Bis dahin dient
die Herzdruckmassage zum Überbrücken der Blutzirkulation, um vor allem das
Gehirn mit Sauerstoff zu versorgen. „Wird jedoch mit
Wiederbelebungsmaßnahmen gewartet, bis der Rettungsdienst mit dem Notarzt
da ist, dann bedeutet das für Betroffene nach wenigen Minuten den Tod oder
ein Leben mit meist schwersten bleibenden Hirnschädigungen“, warnt der
Herzstiftungs-Vize-Vorsitzende. Helfer vor Ort – häufig sind es
Angehörige, Freunde oder Personen aus dem näheren Umfeld der Betroffenen -
müssen daher unmittelbar nach Absetzen des Notrufs 112 mit
Wiederbelebungsmaßnahmen loslegen:  Das heißt nach Prüfen und Rufen (112)
sind die Schritte Drücken und Schocken (AED) durchzuführen. „Auch bei
beobachtetem Herzstillstand in Nähe eines Stadions oder beim Public
Viewing, wo meistens Rettungsdienste vor Ort präsent sind, müssen
Ersthelfer sicherstellen, dass nach Absetzen der 112 ein Ersthelfer sofort
die Herzdruckmassage durchführt, während eine andere Person medizinische
Hilfe holt.“
Die vier Schritte der Reanimation im Video „Prüfen, Rufen, Drücken,
Schocken – und ein Leben retten!“ sind unter <www.herzstiftung.de
/herzwochen-videos> oder auf  <www.herzstiftung.de/wiederbelebung>
abrufbar.

Warum alleinige Herzdruckmassage ohne Atemspende?
Grund für das Nichtstun von Ersthelfern bei beobachtetem Herzstillstand
ist oftmals die zusätzliche Atemspende. Viele lähmt im Ausnahmezustand die
Komplexität und der noch nähere körperliche Kontakt, neben der
Herzdruckmassage zusätzlich die Atemspende anwenden zu müssen. „Diese
Verunsicherung kann bei Ersthelfern dazu führen, dass sie aus Angst vor
Fehlern gar nichts mehr unternehmen“, erklärt der stellvertretende
Herzstiftungs-Vorsitzende Schunkert und betont: „Wir raten Laien in der
Erstversorgung zur alleinigen Herzdruckmassage.“ Die Atemspende sollte nur
von regelmäßig medizinisch geschulten Personen, die die einzelnen Schritte
sicher beherrschen, angewendet werden (zum Beispiel Rettungssanitäter).
Studien haben zudem gezeigt, dass eine Unterbrechung der Herzdruckmassage
z. B. durch eine Atemspende ungünstig ist (1, 2). Es ist nicht der
Sauerstoff, der dem Körper in den ersten Minuten nach einem Herzstillstand
fehlt. Es ist der fehlende Blutfluss, so dass der Sauerstoff nicht zum
Gehirn transportiert werden kann. Nur durch das Durchführen der
Herzdruckmassage für die erforderlichen Thoraxkompressionen wird der
Blutfluss im Körper künstlich aufrechterhalten, um Sauerstoff zum Gehirn
zu transportieren. „Auch bei der alleinigen Herzdruckmassage ist
ausreichend Sauerstoff im Blut. Durch die passive Lungenbewegung während
der Herzdruckmassage kommt es zu einem minimalen Beatmungseffekt“, erklärt
Schunkert. So könne die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ohne
Beatmung überbrückt werden.

Quellen:
(1)     Bobrow Bentley J. et al., Chest Compression–Only CPR by Lay
Rescuers and Survival From Out-of-Hospital Cardiac Arrest; JAMA.
2010;304(13):1447-1454. doi:10.1001/jama.2010.1392
(2)     Riva G., et al., Survival in Out-of-Hospital Cardiac Arrest After
Standard Cardiopulmonary Resuscitation or Chest Compressions Only Before
Arrival of Emergency Medical Services: Nationwide Study During Three
Guideline Periods, Circulation (2019; doi:
10.1161/CIRCULATIONAHA.118.038179)

Zusatz-Material zum Thema

Laienreanimation bei plötzlichem Herzstillstand

Prüfen, Rufen, Drücken, Schocken – unbedingt in dieser Reihenfolge.
Das ist die überlebensentscheidende Basis einer erfolgreichen
Laienreanimation

Bei einem Herzstillstand hört das Herz auf zu schlagen oder es „zuckt“ nur
noch, das sogenannte Herzkammerflimmern (über 300 Herzschläge pro Minute).
Der Kreislauf bricht in Sekundenschnelle zusammen. Der Blutdruck sinkt
komplett „auf null“ ab. Herzmuskel, Gehirn und andere Organe werden nicht
mehr versorgt, geschädigt und im Zeitverlauf zunehmend zerstört.

Prüfen
Durch Hören, Sehen und Fühlen checken, ob der auf dem Boden liegende
Betroffene noch atmet (nicht länger als 10 Sekunden). Ist ein Lufthauch
aus dem Mund zu fühlen oder senkt und hebt sich dessen Brustkorb?

Rufen
112 ist überall in Europa ohne Vorwahl die medizinische Notfallnummer.
Name, genaue Adresse und Beschwerden nennen. Sind zwei Ersthelfer vor Ort,
ruft der an, der gerade nicht damit beschäftigt ist, Bewusstsein und
Atmung zu prüfen.

Drücken
Bei fehlender Atmung umgehend mit der Herzdruckmassage beginnen. Hierfür
den Handballen auf die Mitte des Brustkorbs legen, beide Hände
aufeinander. Dabei kontinuierlich 100-120mal/Minute mit gestreckten Armen
das Brustbein etwa 5-6 Zentimeter tief in Richtung Wirbelsäule
herunterdrücken. Um im Takt zu bleiben, können Lieder wie der Bee Gees-Hit
„Stayin‘ alive“ oder andere Songs mit einem Tempo von 100-120 bpm eine
gedankliche Stütze sein.

Schocken
Sind zwei Helfer vor Ort, setzt einer die Herzdruckmassage ohne
Unterbrechung fort, während der andere einen Automatischen Externen
Defibrillator (AED) holt, sofern er weiß, wo sich einer in der Nähe
befindet. Das Gerät ist selbsterklärend und leitet Retter mit einem
integrierten Sprachmodul exakt an. Per AED kann das Herz im Idealfall
wieder in seinen natürlichen Rhythmus gebracht werden und die Pumpfunktion
wieder eigenständig übernehmen.

Professionelle Hilfe
Unbedingt so lange drücken und - sofern erforderlich - schocken (AED), bis
der Rettungsdienst die weitere notfallmedizinische Versorgung des
Patienten übernimmt oder der Betroffene Lebenszeichen zeigt. Das
Eintreffen des Rettungsdienstes dauert im Durchschnitt neun Minuten. Der
Rettungsdienst leitet weitere Maßnahmen ein, die Klinik führt die
Versorgung nach Einlieferung fort.
Zumeist zu Hause
64 % der Herz-Kreislauf-Stillstände treten in der eigenen Wohnung auf. Bis
zu 45 %
aller Ereignisse werden von Familienangehörigen, Freunden oder anderen
Personen beobachtet.

Fehlende Kenntnisse
Weltweit erleiden alljährlich 67 bis 170 von 100 000 Menschen einen Herz-
Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. Der plötzliche Herztod
gehört damit weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Nur 2 bis 20
Prozent der Patienten überleben. Das liegt unter anderem daran, dass die
Scheu die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, groß ist. Oft fehlen die
notwendigen Kenntnisse.

Notfall-Set
Das Herznotfall-Set der Deutschen Herzstiftung kann kostenfrei unter
<www.herzstiftung.de/herznotfall-set> bestellt werden. Gerne können
Interessierte oder auch medizinisches Fachpersonal das
Informationsmaterial auch telefonisch unter 069 955128-400 oder per E-Mail
unter <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> anfordern.

Herzinfarkt-Symptome
<www.herzstiftung.de/herzinfarkt-anzeichen>

Wenn das Herz eines Fußballprofis aus dem Takt gerät
Podcast-Gespräch mit Steffen Friedrich
<www.herzstiftung.de/fussball-herzattacken>

Plötzlicher Herztod bei jungen Menschen
<www.herzstiftung.de/junge-herzen-retten>

Der Ratgeber „Herzkrank? Schütze Dich vor dem Herzstillstand!“ (158 S.)
kann kostenfrei per Tel. unter 069 955128-400 (E-Mail:
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>) angefordert werden. Leicht verständlich
informieren Herzexperten über die wichtigsten Ursachen des Herzstillstands
und wie Vorbeugung, Diagnose und konsequente Behandlung von
Herzerkrankungen helfen, das Risiko eines plötzlichen Herztods auf ein
Minimum zu reduzieren. Überlebende eines plötzlichen Herztods berichten
eindrücklich in Patientenportraits.

HerzFit-App: Gesund, aktiv und informiert
Herzgesund leben und einem Herzinfarkt vorbeugen – alles was dazu nötig
ist, finden Sie in unserer HerzFit-App. Mit der App können Sie
Gesundheitsdaten erfassen wie etwa Blutdruck, Herzfrequenz, LDL-
Cholesterin, Gewicht und Langzeitblutzucker und den Verlauf durch eine
tagesaktuelle Darstellung kontrollieren. Mit dem von Herzexperten
entwickelten integrierten Risikorechner können Sie zudem Ihr Herzalter
bestimmen und ermitteln, wie hoch Ihr Risiko für Herz-Kreislauf-
Erkrankungen ist. Infos zur App: <www.herzstiftung.de/herzfit-app>

Quellen
-       Deutsche Herzstiftung e. V. (Hg.), „HERZKRANK? Schütze dich vor
dem HERZSTILLSTAND!“, Frankfurt am Main, Nov. 2023.
-       Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
-       Jahresbericht des Deutschen Reanimationsregisters 2022:
Außerklinische Reanimation 2022
-       Bundesministerium für Gesundheit: Informationen zur
Laienreanimation in Deutschland 2022

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