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Gesundheit

Bessere Versorgung von Nierentransplantierten

Ein Forschungsteam der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-
Essen hat in einer Studie gezeigt, wie Menschen nach einer
Nierentransplantation besser versorgt werden können. Ihre Erkenntnisse
sollen helfen, das Risiko eines potentiell tödlichen Nierenversagens nach
einer Transplantation zu verringern. Aufgelegt wurde die Studie von Prof.
Dr. Lars Pape von der Universität Duisburg-Essen und Prof. Dr. Mario
Schiffer aus dem Universitätsklinikum Erlangen. Die Studie wurde vom
Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit 5,4 Millionen Euro
gefördert und in mehreren deutschen Nierentransplantationszentren
durchgeführt.

Die Wissenschaftler:innen um Prof. Dr. Lars Pape und Prof. Dr. Mario
Schiffer untersuchten anhand der Daten von 1.010 Teilnehmenden die
multimodale und interdisziplinäre Behandlung nach einer
Nierentransplantation. Im Fokus stand die Wirksamkeit des Nachsorge-
Programms „NierenTX-360-Grad“. Das neue Konzept vereint den Einsatz von
Fallmanager:innen vor Ort sowie digitale Ansätze, Sporttherapien und
sogenannte Adhärenz-Coachings. Das umfasst eine möglichst intensive
Betreuung der Patient:innen, zum Beispiel durch individuelle Motivation
und psychologische Unterstützung bei der Bewältigung von Ängsten. „Unsere
Studie zeigt, dass das Ergebnis einer Nierentransplantation durch dieses
Nachsorge-Programm signifikant verbessert werden kann“, sagt Prof. Dr.
Pape, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II des
Universitätsklinikums Essen.

Die Studienteams konnten zudem nachweisen, dass die verbesserte Nachsorge
der Transplantierten, die 12 Monate nach der Operation oder später in das
NierenTX-360-Grad-Programm aufgenommen wurden, signifikante Wirkung zeigt.
Um die Ergebnisse noch weiter spezifizieren zu können, werden im nächsten
Schritt die Biomarker von Studienteilnehmer:innen untersucht. Dieses
Vorhaben ist Teil des Großprojekts IMMEDIATE, das von 12
wissenschaftlichen Einrichtungen in der Europäischen Union (EU),
Großbritannien sowie Israel durchgeführt und von der EU mit 6,2 Millionen
Euro bis 2026 gefördert wird.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Lars Pape, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II,
UKE, Tel. 0201/723-2810, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2024.102652 Studienergebnisse:
eClinicalMedicine, Vol. 73, Juli 2024

  • Aufrufe: 98

Neuer OP-Roboter kommt bei Bauchoperationen zum Einsatz

Das Uniklinikum Dresden setzt auf roboterassistierte Chirurgie, weil sie
präziser und schonender ist. // In der Viszeral-, Thorax- und
Gefäßchirurgie kommt OP-Roboter HUGO erstmals zum Einsatz. // Neue
Professur für Minimalinvasive und Robotische Chirurgie schult angehende
Ärztinnen und Ärzte.

Seit zehn Jahren setzt das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
auf minimalinvasive und robotergestützte Chirurgie. Rund 1.500 Operationen
fanden seitdem mithilfe von Da-Vinci-OP-Robotern statt. Dies hat für
Patientinnen und Patienten viele Vorteile, denn die Eingriffe sind noch
genauer und zugleich schonender. Inzwischen wird bei minimalinvasiven
Operationen eine neue Generation der OP-Technik eingesetzt: Mit dem HUGO
RAS fand im Oktober 2023 am Uniklinikum die erste urologische Operation
deutschlandweit statt. Nun wird das Robotersystem zusätzlich in der
Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie (VTG) für Eingriffe an Magen, Darm,
Bauchspeicheldrüse und Leber genutzt, darüber hinaus aber auch für
wissenschaftliche Studien und für die Ausbildung angehender Operateurinnen
und Operateure. Auf den zunehmenden Einsatz der robotergestützten OP-
Technik reagiert auch die Lehre der Hochschulmedizin Dresden: Im Mai
dieses Jahres wurde die neu geschaffene Professur Minimalinvasive und
Robotische Chirurgie besetzt. „Die Professur passt hervorragend in die
Ausrichtung von Uniklinikum und Medizinischer Fakultät. Damit setzt die
Hochschulmedizin Dresden erneut Akzente in Medizin, Forschung und Lehre“,
sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum
Dresden.

Neben dem Da-Vinci-System wird in der Viszeral-, Thorax- und
Gefäßchirurgie ein weiteres OP-Robotersystem etabliert. Seit Oktober 2023
ist der OP-Roboter HUGO bereits in der Urologie im Einsatz und
vervollkommnet das Robotik-Instrumentarium des Uniklinikums Dresden. Im
Mai dieses Jahres wurde das High-End-Gerät erstmals in der Klinik für
Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie für eine Bauch-Operation genutzt.
Anfang Juni kam der HUGO bei Patientin Marita Grellmann zum Einsatz. Die
74-jährige Meißnerin erhielt vor wenigen Wochen die Diagnose Darmkrebs.
„Ich war geschockt, denn ich hatte keinerlei Schmerzen“, erzählt sie.
Aufgrund von Verdauungsbeschwerden hatte sie ihren Arzt in Meißen
aufgesucht, der sie nach dem Befund ans Uniklinikum Dresden überwies. Im
Dickdarm hatte sich ein faustgroßer Tumor gebildet, sodass ein 50
Zentimeter großes Darmstück operativ entfernt werden musste.

Robotik in der VTG bringt viele Vorteile für Patientinnen und Patienten

Prof. Marius Distler, stellvertretender Direktor der VTG-Klinik, entschied
sich im Fall von Marita Grellmann aus mehreren medizinischen Gründen für
den Einsatz des HUGOs. „Bei solchen komplexen Operationen an Gefäßen
entlang ist dieses System sehr präzise. Vor allem beim Zusammennähen der
beiden Darmbereiche unterstützt es uns enorm.“ Das Operationsfeld sieht
der Chirurg auf einem Bildschirm, eine Datenbrille übermittelt das Bild in
3-D. Über eine Konsole steuert Prof. Distler die Instrumente, die an den
Roboterarmen angebracht sind. Ein solcher minimalinvasiver und
robotergestützter Eingriff hinterlässt nur sehr kleine Operationswunden,
sodass die Heilung insbesondere älterer oder kranker Patientinnen und
Patienten auch nach einer komplexen Operation in der Regel schnell und
komplikationslos verläuft. Marita Grellmann leidet seit vielen Jahren an
der Lungenerkrankung COPD. „Durch die schonende Operation gab es dadurch
aber keine Probleme“, sagt Prof. Distler. Wenige Tage nach der Operation
fühlt sich Marita Grellmann sehr gut und hat keine Beschwerden mehr.
Zusätzlich bekommt sie die gute Nachricht: Der Tumor hat nicht gestreut
und konnte komplett entfernt werden, eine weitere Therapie muss nicht
erfolgen – auch dank der Unterstützung durch den OP-Roboter.

„Wie in der Urologie ist es auch in der Viszeral-, Thorax- und
Gefäßchirurgie wichtig, dass Medizinerinnen und Mediziner mit mehreren
Systemen operieren können. Für uns und unsere Mitarbeitenden ist der HUGO
eine enorme Bereicherung, die nicht zuletzt den Patientinnen und Patienten
zugutekommt“, sagt Prof. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-,
Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Dresden. Für die
Patientinnen und Patienten bringt das multiplattformelle Angebot mehrere
Vorteile. Je nach individuellem Befund sowie der Lage des Operationsfeldes
im Körper können die OP-Teams zwischen den beiden Systemen wählen. Der
HUGO verfügt über vier sehr individuell einstellbare Arme und eine offene
Konsole. Die Arbeit des Operateurs oder der Operateurin rückt damit wieder
enger in die Mitte des Teams. Das Gerät stellt mittels 3-D-Technik
hochaufgelöste Bilder zur Verfügung und gewährleistet zudem eine bessere
Sicht auf die Gesamtszenerie im OP. Zum Vergleich: Die vier Arme des OP-
Roboters Da Vinci werden über eine separat stehende Konsole abseits des
OP-Tisches bedient. Beide Systeme ermöglichen minimalinvasive und damit
schonende Eingriffe.

Neue Professur richtet Fokus auf „Minimalinvasive und Robotische
Chirurgie“

Der Einsatz von OP-Robotern wird in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein.
Darauf reagiert die Dresdner Hochschulmedizin nun bereits bei der
Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte. An der Medizinischen Fakultät der
TU Dresden wurde jetzt die W2-Professur „Minimalinvasive und Robotische
Chirurgie“ ins Leben gerufen, die seit Mai 2024 mit Prof. Marius Distler
durch einen ausgewiesenen Spezialisten dieses Fachgebietes besetzt ist: Er
richtet den Fokus seiner Lehrveranstaltungen auf die neueste OP-Technik,
die in der modernen Chirurgie zum Einsatz kommt und damit
Krankenversorgung, Forschung und Lehre nachhaltig verändert. Die Professur
ist der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie (VTG) zugeordnet.
Sie ist deutschlandweit führend in komplexer, minimalinvasiver Chirurgie,
keine andere Klinik in Deutschland verfügt über so einen breiten
Erfahrungsschatz in robotischer Chirurgie. „Am Uniklinikum Dresden werden
seit über zehn Jahren komplexe Operationen minimalinvasiv durchgeführt und
seitdem stetig weiterentwickelt“, sagt Prof. Distler. Seit 2012 ergänzen
und perfektionieren OP-Roboter die sogenannte „Knopfloch-Chirurgie“ am
Universitätsklinikum. „Es ist wichtig, dass wir die Expertise, die wir
seitdem erlangt haben, an junge Medizinerinnen und Mediziner weitergeben,
indem sie Eingang in deren Ausbildung findet.“

Dabei vermittelt Prof. Distler in seinen Lehrveranstaltungen nicht nur
theoretisches Wissen, sondern führt den chirurgischen Nachwuchs in einem
sogenannten Skills Lab an die praktische Handhabung der Robotertechnik
heran. „Übung im Umgang mit den Systemen ist enorm wichtig, ebenso wie das
Feedback dazu.“ Zum Robotik-Instrumentarium des Uniklinikums gehören drei
Da-Vinci- sowie seit Oktober 2023 ein HUGO-OP-Roboter. Ein Da-Vinci-System
steht ausschließlich wissenschaftlichen Projekten und klinischen Studien
zur Verfügung. Erforscht werden soll nun unter anderem, welches Robotik-
System sich für welchen Eingriffe am besten eignet. „Mit ihren modernsten
technischen Möglichkeiten ist die Hochschulmedizin Dresden ein Magnet für
Studierende“, sagt Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät
an der Technischen Universität Dresden, mit Blick auf den Standortvorteil,
nicht nur in der Patientenversorgung, sondern auch in Forschung und Lehre.
„Die neue Professur zielt darauf ab, dass wir den Fokus noch stärker auf
diesen Bereich richten können.“ Universitätsklinikum, Medizinische
Fakultät sowie Forschende anderer technischer Fachbereiche der TU Dresden
arbeiten eng zusammen, um die Nutzung neuester Technologien voranzutreiben
und auszubauen. Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Entwicklung künftiger
OP-Robotik: der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). KI-gestützte
Assistenzsysteme werden die Qualität operativer Eingriffe weiter erhöhen
und vor allem messbar machen.

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Mehr Lebensqualität bei chronischen Knieschmerzen

Schmerztherapien mittels direkter Nervenstimulation kommen in der
Neurochirurgie zum Einsatz. | Chronischer Knieschmerz wird mithilfe einer
dünnen Elektrode einfach ausgeschaltet. | Ein unkomplizierter Test
ermittelt die Erfolgsaussichten bei Patientinnen und Patienten.

In Deutschland bekommen jährlich rund 150.000 Patientinnen und Patienten
ein künstliches Kniegelenk. Häufig ist eine fortgeschrittene Arthrose oder
eine Knieverletzung der Grund für eine solche Operation. Doch trotz guter
Erfolge in der Chirurgie kann es passieren, dass die erhoffte
Schmerzlinderung ausbleibt. Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Dresden kommt nun eine neuartige Therapie zum Einsatz, die chronische
Knieschmerzen mindert, wenn die erhoffte Linderung nach dem Eingriff
ausbleibt. In der Neurochirurgie des Uniklinikums werden Patientinnen und
Patienten mit einer dünnen Elektrode versorgt, die die Weiterleitung des
Schmerzes an das Gehirn ausschaltet. Ein Test gibt noch vor dem Eingriff
Aufschluss darüber, ob diese Methode erfolgreich ist. „Die periphere
Nervenstimulation hat sich als effektive Therapie bei Schmerzpatientinnen
und -patienten etabliert und sorgt für wesentlich mehr Lebensqualität bei
den Betroffenen“, sagt Prof. Ilker Eyüpoglu, Direktor der Klinik und
Poliklinik für Neurochirurgie. „Dass wir als Maximalversorger Vorreiter in
der Anwendung dieser neuartigen Methode sind, unterstreicht einmal mehr
die große Bandbreite unserer Therapiemöglichkeiten und Expertise“, sagt
Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum.

Neben Verschleißerscheinungen im Alter, wie etwa Arthrose, können Unfälle
oder Sportverletzungen den Einsatz einer Knie-Endoprothese notwendig
machen, auch bei jüngeren Menschen. Doch nicht immer mindert dieser
Eingriff die Schmerzen. Für die Betroffenen beginnt meist eine Odyssee von
einem Behandlungsansatz zum nächsten. Die meisten unterziehen sich
weiteren Operationen am Kniegelenk, was aber selten zu einem
zufriedenstellenden Ergebnis führt. Sind alle operativen Möglichkeiten
ausgeschöpft, kommen oft starke Schmerzmedikamente zum Einsatz. Diese
können allerdings nicht gezielt am Knieschmerz eingesetzt werden, sondern
bereiten sich im ganzen Körper aus. Zudem wird im Schnitt nur bei einem
von fünf Betroffenen eine Verringerung der Schmerzen erreicht. Zusätzlich
überwiegen die oft heftigen Nebenwirkungen den eigentlichen Effekt.

Direkte Neurostimulation schaltet chronischen Knieschmerz aus

Hier bietet die sogenannte periphere Nervenstimulation (PNS) eine
Möglichkeit, den Schmerz direkt und einfach auszuschalten. Ein Vorreiter
der direkten Neurostimulation ist der Experte für periphere Nerven am
Uniklinikum Dresden, Oberarzt Dr. Daniel Martin. Er setzt die Methode bei
Fällen ein, wo Nervenschädigungen nach Verletzungen oder Operationen
aufgetreten und klar umschriebene Schmerzbereiche entstanden sind. Bei der
direkten Neurostimulation wird der betroffene Nerv kontinuierlich durch
elektrische Impulse stimuliert. Als besonders wirksam hat sich diese Art
der Neurostimulation bei Knieschmerzen erwiesen. Dafür wird in einer OP
eine dünne Elektrode direkt auf dem unter mikroskopischer Sicht
freigelegtem Nerv platziert.

Statt der Schmerzen spüren die Patientinnen und Patienten anschließend nur
noch ein minimales angenehmes Kribbeln. Die Stärke des Kribbelns können
die Betroffenen selbst regulieren. Der Großteil von ihnen berichtet von
einer Schmerzreduktion von über 50 Prozent, woraufhin die
Schmerzmedikation reduziert werden kann. In wenigen, einzelnen Fällen ist
sogar eine komplette Schmerzfreiheit möglich. Bei Gerald Jenert, der seit
2022 Patient in der Neurochirurgie des Uniklinikums ist, wurde die
Elektrode im Dezember 2023 implantiert. Dem ging ein langer Leidensweg
voraus. Schon seit 2010 leidet der heute 71-Jährige Dresdner unter starken
Knieschmerzen, war zunächst in ambulanter orthopädischer Behandlung. Dem
folgten mehrere Eingriffe wie Knorpelglättung, Arthroskopie,
Narkosemobilisation, 2016 schließlich ein Prothesenwechsel. Medikamente,
Physiotherapien, Reha, Schmerzarzt – all das begleitet Gerald Jenert seit
vielen Jahren ohne nennenswerte Besserung. Im vergangenen Jahr beginnt er
am Uniklinikum Dresden eine multimodale Schmerztherapie, Ende 2023 wird
die Elektrode für die periphere Nervenstimulation eingesetzt. Die
Handhabung sei einfach, der stechende Knieschmerz seitdem zu 80 Prozent
reduziert. Geblieben ist ein dumpfer Schmerz direkt im Knie. „Das Gehen
von längeren Strecken und allgemein eine größere Belastung sind wieder
möglich“, sagt Gerald Jenert. Obwohl sich an der eingeschränkten
Kniebeugung nichts geändert hat und Treppensteigen nach wie vor nicht im
Wechselschritt möglich ist, bringt die Reduktion des dauerhaften Schmerzes
viel Lebensqualität in den Alltag von Gerald Jenert zurück.

Einfacher Test ermittelt Erfolgsaussichten

Um eine unnötige Operation zu vermeiden, gibt es einen einfachen Test, um
die Erfolgsaussichten besser einschätzen zu können. Dabei betäubt Dr.
Daniel Martin den infrage kommenden Nerv mittels Lokalanästhetikum für
wenige Stunden. Hat diese sogenannte Nervenblockade funktioniert, sind die
Schmerzen unterdrückt – der „richtige“ Nerv ist gefunden und die
Weiterleitung der Knieschmerzen in das Gehirn wird ausgeschaltet. Genau
auf diesen Nerv wird die dünne Elektrode implantiert. Ein leichter
Stromimpuls kann nun wie ein „Störsignal“ die Knieschmerzen dauerhaft
unterbrechen. Ein weiterer Vorteil: Die Betroffenen entscheiden, wann die
Nervenstimulation startet. Grundsätzlich kommt diese Methode bei allen
chronischen Schmerzen nach Nervenverletzungen durch Unfälle oder
Operationen an Armen und Beinen in Frage.

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Intensivpflegegipfel von DIVI und DGF: Konstruktiv voran für die Zukunft der Fachpflegenden!

„Wir befinden uns in sehr turbulente Zeiten mit vielen substanziellen
Veränderungen in der Medizin.“ Mit diesen Worten leitete DIVI-Präsident
Prof. Felix Walcher den dritten Intensivpflegegipfel der Deutschen
Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und
der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste
(DGF) Mitte vergangener Woche in Berlin ein.

„Diese Chance gilt es zu nutzen“, so Walcher. In diesem Sinne saßen die
Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege, die Präsidentin des
Deutschen Pflegerates, der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen wie
auch weitere Vertreter aus den Büros der Bundestagsabgeordneten, Vertreter
der Pflegekammern und Pflegeverbänden mit DIVI und DGF am runden Tisch, um
über die Lösungsvorschläge, Reformansätze und Gesetzesentwürfe rund um die
Intensivpflege und Notfallpflege zu sprechen. Und merkten: Alle ziehen an
einem Strang!

Passend zum heutigen Tag der Intensivmedizin deshalb die gute Nachricht:
„Liebe Fachpflegenden, liebe Kollegen, die großen Probleme unseres
Berufsstandes sind auf allen Ebenen bekannt und werden wahrgenommen. Und
es sind schon erste Schritte getan – weil es ohne die Pflege nicht geht,“
resümiert der DGF-Vorsitzende Dominik Zergiebel, Leiter der Aus-, Fort-
und Weiterbildung Pflege und OP am Universitätsklinikum Münster, die
Ergebnisse des Treffens. Das Zusammenrücken der unterschiedlichen Player
war mehr als deutlich spürbar.

„Sollte das Pflegekompetenzgesetz in der Form, wie es als
Referentenentwurf noch vor der Sommerpause vorgestellt werden soll, in
Kraft treten“, unterstreicht die Präsidentin des Deutschen Pflegerates,
Christine Vogler, sei dies ein unglaublicher, qualitativer Schritt hin zur
Sicherung der Zukunft des Pflegeberufes.

Forderung I: Verpflichtung zur Fortbildung für Pflegefachpersonen

Eine wichtige Forderung für die Zukunft wurde zudem im Laufe des Treffens
formuliert: Pflegefachpersonen mit und ohne zweijährige Fachweiterbildung
müssen gesetzlich zur stetigen Fortbildung verpflichtet werden! Denn
Menschen, die in hochsensiblen Bereichen arbeiten, müssen stetig ihre
Fertigkeiten trainieren und die Patienten nach dem neuesten Stand der
Wissenschaft betreuen. Zwingende Voraussetzung dieser stetigen Fort- und
Weiterbildungen ist die Finanzierung durch die Krankenkassen.

Forderung II: Finanzierung der zweijährigen Fachweiterbildung unumgänglich

Eine weitere Forderung: Die vollständige Fachweiterbildung von
Pflegefachpersonen muss klar in der Personalausstattung in Theorie und
Praxis (z.B. der Praxisanleitung) finanziert werden. „Eine Weiterbildung
darf nicht zulasten der Teilnehmenden gehen. Und die
Fachweiterbildungsstätten müssen von dem bestehenden Kostendruck entlastet
werden!“, spricht Sabrina Pelz, Sprecherin der DIVI-Sektion
Pflegeforschung und Pflegequalität, für die Anwesenden. „Diese wichtige
Arbeit muss mit ausreichenden Personalressourcen ausgestattet werden
können! Und dies geht nur mit einer externen Finanzierung.“

Professionelle Pflege braucht professionelle Strukturen

„Insgesamt müssen die Qualifikationen sowie die Abschlüsse für die Fort-
und Weiterbildung bundesweit vereinheitlicht werden“, sagt Rolf Dubb,
stellvertretender Sprecher der Sektion Pflegeforschung und Pflegequalität
der DIVI. Derzeit sind die Ausgestaltungen und die entsprechenden
Abschlüsse, auch im Hinblick auf die Akademisierung, sehr unübersichtlich.
„Professionelle Pflege braucht professionelle Strukturen – ganz einfach!“,
schließt sich Dubb den Aussagen des Deutschen Pflegerates an.

Der Vertreter der Pflegekammer NRW, Dominik Stark, führte die aktive Rolle
der Pflegekammern an: Hier werde wichtige Arbeiten geleistet! So hat die
Pflegekammer NRW gemeinsam mit der Pflegekammer Rheinland-Pfalz die
Weiterbildungsordnung gestaltet und aktuell verabschiedet. Christa
Keienburg, stellvertretende Vorsitzende der DGF und Mitglied der
Pflegekammer Rheinland-Pfalz, ergänzte die Wichtigkeit einer Umsetzung,
dass die hochqualifizierten Kompetenzen, die Pflegefachpersonen während
ihrer Fachweiterbildung erwerben, endlich auch rechtmäßig in der
Fachpraxis gelebt werden können.

Mit gutem Beispiel voran

Allerdings: In der Notfall- und Intensivmedizin sei man in puncto
Strukturen bereits in den letzten drei Jahren deutlich vorangekommen,
betont DIVI-Präsident Walcher. „Wir haben hier einen sehr speziellen
Bereich, in dem schon immer keine Profession ohne die andere arbeiten
konnte“, so der Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des
Universitätsklinikums Magdeburg. Entsprechend hätte man sich bereits auf
den Weg gemacht, um heute Impulse in andere Bereiche weitergeben zu
können.

So hat die DIVI Ende 2022 zunächst die Strukturempfehlung zur Ausstattung
der Intensivstation herausgegeben sowie in Zusammenarbeit mit der DGF
nachfolgend Handlungsempfehlungen für die Intensivmedizin und die
Notfallpflege publiziert – Pflegeratspräsidentin Vogler ging hierauf in
einer Stellungnahme dezidiert ein:
„In vielen Punkten kann der DPR in der Sache mitgehen!“ Grundsätzlich
müssten die Kompetenzen für Pflegefachpersonen allerdings für alle
Versorgungsbereiche gelten.

Der Grundgedanke von DIVI und DGF sei immer die interprofessionelle
Zusammenarbeit in den Hochrisikobereichen Intensivstation und Notaufnahmen
sowie die Erweiterung der Handlungskompetenzen und Befugnisse der
Fachpflegenden durch Fort- und Weiterbildung sowie die konsequente
Weiterentwicklung der Akademisierung, so Walcher weiter. „Und hier sind
wir ganz nah beieinander!”, sagt auch Claudia Moll, Bevollmächtigte der
Bundesregierung für Pflege. „So muss und kann es weitergehen.“

Wir wollen, dass die Pflege beim Pflegekompetenzgesetz gehört wird!

„Das Pflegekompetenzgesetz ist von größter Wichtigkeit“, betont Thomas van
den Hooven, Pflegedirektor am Universitätsklinikum Münster und Vertreter
der Gesundheitsfachberufe im DIVI-Präsidium. „Ich sage es deshalb noch
einmal ganz deutlich: Es wäre inhaltlich ein Meilenstein für die
Profession Pflege!“ Er verweist – aktuell in Bezug auf die Entwicklungen
der Landeskrankenhausreform in NRW – aber auch auf die weiterhin fehlende
Einbindung der Profession Pflege. Es bestehe die große Gefahr, so van den
Hooven, dass in dieser schwierigen Situation noch mehr Menschen dem Beruf
den Rücken kehren, da die Berufsbedingungen der Pflege bei solchen
Reformvorhaben nicht berücksichtigt werden.

Es gilt deshalb, im Dialog zu bleiben! Eine Berufspolitik, die einer
entscheidenden Profession übergestülpt werde, könne in sämtlichen
Reformvorhaben nicht funktionieren – auch hier war man sich einig. „Der
nächste Baustein ist auf jeden Fall das Pflegekompetenzgesetz“, pflichtet
DGF-Vorsitzender Dominik Zergiebel bei. „In dieses Gesetz setzen wir große
Hoffnungen! Hierbei wollen wir entsprechend gehört werden. Hier müssten
die angesprochenen Themen – Fachweiterbildung, Finanzierung sowie weitere
Entwicklung von Befugnissen und Kompetenzen für die Pflegefachpersonen mit
und ohne zweijähriger Fachweiterbildung – beinhaltet und mitgedacht
werden. „Damit geht die Arbeit an einer geltenden bundesweiten
Musterweiterbildungsordnung tatsächlich endlich los! Wir sind dafür
bereit!“, so Zergiebel.

„Wir hoffen hier entsprechend auf eine Einladung“, summiert DIVI-Präsident
Walcher und schaut dabei in die Richtung der Mitarbeiter aus den Büros der
gesundheitspolitischen Sprecher. „Weil wir es alle tagtäglich leben!“

HINTERGRUND:

Die drei wichtigsten Punkte für die Zukunft der Intensivpflegenden wurden
bereits im Dezember 2022 in der „Berliner Erklärung“ von DIVI und DGF
festgehalten. Gemeinsam will jeder Teilnehmende des Intensivpflegegipfels
seine Energie und Einflussmöglichkeiten geltend machen, um diese wichtigen
Ziele absehbar zu erreichen. Hier sei noch nicht viel passiert, wurde am
Mittwochnachmittag angemahnt.

•       Download der „Berliner Erklärung der Pflegefachpersonen in der
Intensivmedizin“: https://www.divi.de/joomlatools-files/docman-
files/dokumentenordner/221219-divi-berliner-erklaerung.pdf

•       Download „Hintergrundtext zur Berliner Erklärung“:
https://www.divi.de/joomlatools-files/docman-files/dokumentenordner/221219
-divi-berliner-erklaerung-hintergrund.pdf


•       PM: Initiative zur Stärkung und Zukunft der Intensiv- und
Notfallpflege fordert mehr politische Unterstützung ein (15. Juni 2021):
https://www.divi.de/joomlatools-files/docman-files/pressemeldungen-nach-
themen/notfallversorgung-in-deutschland/210621-pressemeldungen-divi-dgf-
initiative-zur-staerkung-der-intensivpflege-und-stern-petition.pdf

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