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Gesundheit

Spenderorganmangel: Deutsche Herzstiftung befürwortet Initiative zur Widerspruchslösung

Organspenden scheitern zu oft an fehlender Zustimmung. Einführung der
Widerspruchslösung dringend notwendig, um Lücke an Spenderherzen zu
verringern und Leben zu retten / Zum Tag der Organspende

Jedes Jahr fehlen in Deutschland mehrere Tausend Spenderorgane. Dieser
extreme Spenderorganmangel ist alarmierend. Denn er ist fatal für schwer
und teils sterbenskranke Kinder und Erwachsenen, die auf Intensivstationen
und auf den Wartelisten für eine Transplantation auf ein neues Organ
hoffen. Die Situation ist seit vielen Jahren angespannt. Und auch nach dem
Start des Organspende-Registers im März und trotz Einführung der
erweiterten Zustimmungslösung im Jahr 2020 findet Deutschland nicht aus
seinem eklatanten Missverhältnis zwischen gespendeten und dringend
benötigten Organspenden heraus: 2023 wurden 2.877 Organe (Herz, Lunge,
Niere, Leber, Pankreas) postmortal gespendet, während auf den Wartelisten
Menschen für 8.716 dringlich benötigte Organe (davon Herzen: 690) standen.
Versuche der Bundesregierung, diesen Missstand zu ändern und eine spürbare
Zunahme an Spenderorganen zu bewirken, schlugen bislang fehl. „Weder
Aufklärungskampagnen noch die gesetzlich verankerte Zustimmungslösung
konnten diesen dramatisch anhaltenden Engpass an Spenderorganen beenden.
Somit müssen weiterhin wegen eines fehlenden Spenderorgans wie Herz oder
Lunge Patienten vorzeitig sterben oder spürbar an Lebensqualität einbüßen,
weil sie dauerhaft an ein Herzunterstützungssystem gebunden sind“, warnt
der Herzchirurg und Transplantationsmediziner Prof. Dr. Jan Gummert,
Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. „Wir sehen weiterhin die
Einführung der Widerspruchslösung – auch aufgrund der Erfolge anderer
europäischer Länder nach deren Einführung – als die entscheidende
Maßnahme, um endlich in Deutschland die Situation der Organspende
nachhaltig zu verbessern“, betont der Herzstiftungs-Vorstand und Direktor
der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und
Diabeteszentrum NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, Bad
Oeynhausen. „Wir befürworten ausdrücklich die Initiative des Bundesrats,
der die Bundesregierung durch einen Entschließungsantrag aufgefordert hat,
die Widerspruchslösung in das Transplantationsgesetz aufzunehmen.“
In über 20 europäischen Ländern gilt die Widerspruchslösung. Länder mit
Widerspruchslösung wie Spanien, Österreich und Kroatien weisen deutlich
mehr Organspenderinnen und Organspender auf als Deutschland. In Spanien
mehr als viermal so viele, in Österreich und Kroatien mehr als doppelt so
viele (1). Das Widerspruchs-Prinzip besagt: Wer eine Organspende nicht
ausdrücklich verweigert, steht als Spender grundsätzlich zur Verfügung,
wobei die Angehörigen ein Veto einlegen können. Die Herzstiftung bietet
einen kostenfreien Organspendeausweis unter
www.herzstiftung.de/organspendeausweis

Zahl der Spenderherzen gesunken
Die Deutsche Herzstiftung und Herzchirurgen wie Prof. Gummert, der das
größte Herztransplantationszentrum in Deutschland leitet, sehen die
geringe Zahl der Spenderherzen in Deutschland mit äußerster Besorgnis,
denn diese bewegt sich seit Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau. Bei
den postmortal gespendeten Herzen sank sie laut Deutscher Stiftung
Organtransplantation (DSO) um 2,9 Prozent von 312 (2022) auf 303 im Jahr
2023. Entsprechend dramatisch ist die Kluft zwischen der Zahl verfügbarer
Organe für eine Transplantation und der Zahl herzkranker Menschen auf den
Wartelisten. Für ein Herz befanden sich 2023 insgesamt 1.094 Personen auf
der Warteliste (davon 2023 auf die Warteliste aufgenommen: 485 Menschen),
nur 330 Herztransplantationen wurden durchgeführt; ein Jahr zuvor waren es
noch 358 Herzverpflanzungen. Bei Kindern unter 16 Jahren wurden 32
Herztransplantationen (2023) durchgeführt. 27 Herztransplantationen der
insgesamt 330 kamen dank importierter Herzen aus Ländern des
Eurotransplant-Verbunds –alles Länder mit Widerspruchslösung – zustande.
„Schwer herzkranke Patienten mit einer Herzinsuffizienz auf den
Intensivstationen verbleiben daher ohne die dringlich benötigte
Herztransplantation auf der Warteliste“, erklärt Herzstiftungs-Vorstand
Prof. Gummert.

Organmangel auch wegen fehlender dokumentierter Zustimmungen
In Deutschland gilt die Zustimmungslösung. Organe oder Gewebe dürfen nur
entnommen werden, wenn die verstorbene Person dem zu Lebzeiten zugestimmt
hat. Nach dem Tod der Person können stellvertretend die nächsten
Angehörigen ihre Zustimmung geben, wenn der oder die Verstorbene zu
Lebzeiten keine Entscheidung getroffen oder dokumentiert hat. Ein Problem,
das die DSO für den Rückgang der Organspenden anführt: Es fehlt häufig an
eindeutigen Einwilligungen der Verstorbenen. Und nach dem Tod ist es
ethisch auch sehr schwer, direkt bei den Angehörigen nach der Organspende
zu fragen. Nach einer aktuellen Umfrage der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BzgA) befürworten zwar rund 84 Prozent der
Bundesbürger zwischen 14 und 75 Jahren eine Organ- und Gewebespende und
immerhin rund 44 Prozent dokumentieren ihre Spendebereitschaft sogar
schriftlich (2). Untersuchungen zeigen allerdings, dass ihr Wille im
Krankenhaus dennoch vielfach unbekannt bleibt, „weil Ausweise oder andere
Dokumente nicht auffindbar sind“, berichtet die DSO. Eine Untersuchung in
sieben Unikliniken habe ergeben, dass der schriftliche Wille nur in zehn
Prozent der Fälle vorlag (3). „Wenn bei fehlender schriftlicher
Willensbekundung der verstorbenen Person die Angehörigen in einer seelisch
ohnehin sehr schwierigen Situation selbst über die Spende entscheiden
müssen, lehnen sie häufig ab“, berichtet Prof. Gummert. Laut DSO ist die
fehlende Zustimmung durch Angehörige einer der Hauptgründe, warum eine
Spende bei potenziellen Organspendern nicht stattgefunden hat.

Organspende-Register: „Kein nennenswerter Effekt, weil zu kompliziert“
Ob das im März gestartete Organspende-Register zu einer Trendumkehr
beitragen und für eine Zunahme der Spenderorgane sorgen kann, bleibt
abzuwarten. Ab dem 1. Juli 2024 sollen Entnahmekrankenhäuser online in der
Lage sein, im Register hinterlegte Erklärungen zu suchen und abzurufen.
Experten wie Klinikdirektor Gummert sind allerdings skeptisch. Seiner
Einschätzung nach wird das Register „keinen nennenswerten Effekt“ auf die
Spenderorganzahlen haben, „weil es auf freiwilliger Basis läuft und zu
kompliziert ist“, so Gummert. Letzteres betrifft besonders die technisch
wenig affinen Menschen, da für die Eingabe der Willensbekundung ein
Personalausweis mit Onlinefunktion und Pin benötigt wird. „Was nützt ein
Register mit nur 20-prozentiger Vollständigkeit bei der Entscheidung der
Bevölkerung für oder gegen eine Organspende?“, gibt der Herzchirurg zu
bedenken. „Jeder sollte auf alle Fälle weiterhin seinen Organspendeausweis
bei sich tragen und auch seine nächsten Angehörigen über seine
Entscheidung und deren Dokumentation informieren“, empfiehlt der
Herzstiftungs-Vorstand.

„Wir brauchen einen Kulturwandel bei der Organspende“
Deutschland, das seit Jahren mehr Organe importiert als exportiert,
profitiert von den verhältnismäßig höheren Spendezahlen der Nachbarländer.
Während 490 Organe aus Ländern des Eurotransplant-Verbundes im Jahr 2023
importiert wurden, erhielten diese nur 384 Organe aus Deutschland (DSO).
„Daran sehen wir, dass sich unter den derzeitigen Bedingungen nur mit
Hilfe von Spenderorganen aus dem Ausland – wohlgemerkt alles Länder mit
Widerspruchslösung – auch die Zahl der transplantierten Herzen erhöhen
lässt“, so Gummert. Dieser Organ-Import sei moralisch fragwürdig, solange
sich Deutschland gegen eine Widerspruchslösung entscheide, so der
Herzchirurg. Deutschland hat als einziges Mitgliedsland von Eurotransplant
keine Widerspruchslösung. „In vielen Teilen der Bevölkerung fehlt leider
das Selbstverständnis dafür, dass eine Organspende nach dem Tod eines
Menschen das Leben eines anderen Menschen rettet. Wir brauchen daher in
Deutschland einen Kulturwandel bei der Organspende. Die Widerspruchslösung
wäre ein möglicher Schritt dahin.“
(wi)

Literatur:
(1) Quelle: IRODaT 2023, zitiert nach BZgA, abgerufen am 23.05.24:
https://www.organspende-info.de/zahlen-und-fakten/statistiken/

(2) Zimmering, R. et al. (2023). Bericht zur Repräsentativstudie 2022
„Wissen, Einstellung und Verhalten“, zitiert nach DSO-Jahresbericht 2023:
https://www.dso.de

(3) Englbrecht JS.: Advance directives and consent to organ donation in
seven university hospitals in North Rhine–Westphalia — a retrospective,
multicenter analysis. Dtsch. Arztebl. Int. 2023; 120: 133–4. DOI:
10.3238/arztebl.m2022.0367, zitiert nach DSO-Jahresbericht 2023:
https://www.dso.de

Service

Ein Organspendeausweis der Deutschen Herzstiftung kann kostenfrei unter
https://herzstiftung.de/organspendeausweis (E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) angefordert werden.

Podcast der imPULS-Reihe:
„Ein neues Herz - Warum es bei der Organspende hakt“:
https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/podcasts/neues-herz-warum-
organspende

"Herzinsuffizienz: Letzter Ausweg Herztransplantation?":
https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/podcasts/letzer-ausweg-
herztransplantation

Weitere Infos zur Organspende sind abrufbar unter www.herzstiftung.de und
https://herzstiftung.de/podcasts

Infos zum Organspende-Register: https://www.organspende-info.de
/organspende-register/

BZgA: www.organspende-info.de

Daten & Fakten
Die häufigsten Ursachen und Indikationen für eine Herztransplantation
sind:
-       schwerwiegende Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien)
-       die koronare Herzkrankheit (KHK), die Grundkrankheit des
Herzinfarkts
-       weitere chronische Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems wie
Herzmuskelentzündung (Myokarditis).
-       Angeborene Fehlbildungen des Herzens

Hauptursachen für die Entwicklung einer schweren Herzinsuffizienz sind im
Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter ein Versagen des Herzmuskels
im Endstadium (z. B. nach Herzmuskelentzündung, Kardiomyopathien) und
komplexe angeborene Herzfehler im terminalen Herzkreislaufversagen.
Für Patientinnen und Patienten mit schwerer Herzschwäche
(Herzinsuffizienz) im Endstadium ist die Herztransplantation eines
Spenderorgans Goldstandard.

Herztransplantation die bessere Option als Herzersatzverfahren
Erfreulicherweise leben ca. 60 Prozent der Patienten zehn Jahre und länger
nach einer Herztransplantation. Bis zu 30 Prozent leben auch nach 20
Jahren noch mit ihrem neuen Herzen. Dank stetig weiterentwickelter und
innovativer Medikamente, vor allem Immunsuppressiva, verbessert sich das
Langzeitüberleben der Herztransplantierten kontinuierlich. Für das
komplexe menschliche Herz gibt es aktuell keinen kompletten
Kunstherzersatz. Die sogenannten Kunstherzen (Total Artificial Hearts,
TAH) sind noch im Frühstadium ihres Einsatzes beim Menschen, daher sind
weder mittelfristige Erkenntnisse noch Langzeitergebnisse verfügbar.
Auch die Transplantation eines tierischen Herzens (Xenotransplantation)
ist zurzeit keine Alternative. Für Patienten auf der Warteliste für ein
Spenderherz gibt es zwar bis zur Erholung des Herzmuskels oder zur
Überbrückung bis zur Herztransplantation die Option eines
Herzunterstützungssystems für die rechte, linke oder beide Herzkammern
(RVAD, LVAD, BVAD). Die Lebenserwartung mit einem Spenderherz ist
allerdings deutlich höher als mit dem häufigsten Herzunterstützungssystem
LVAD.

  • Aufrufe: 98

Uniklinikum ruft Aktionsjahr der Patientensicherheit aus

Qualitäts- und Medizinisches Risikomanagement widmet sich dem Thema mit
zahlreichen Maßnahmen. | Aktionen sensibilisieren Mitarbeitende,
Patientinnen und Patienten sowie Angehörige. | Themen sind die Vermeidung
medizinischer Fehler, Patientenbeteiligung, Händehygiene und Forschung.

Das Jahr 2024 soll Mitarbeitenden der Hochschulmedizin Dresden einen
fokussierten Blick auf die Patientensicherheit geben. Die Direktion
Qualitäts- und Medizinisches Risikomanagement organisiert dafür
unterschiedliche Aktionen und Informationsangebote – ein Fachsymposium hat
nun einen breiten Blick auf das Thema, die Herausforderungen und mögliche
Lösungen gewährt. „Patientensicherheit ist hochaktuell und überaus
relevant für den täglichen Betrieb in einem Klinikum der
Maximalversorgung. Dieser Relevanz tragen wir Rechnung und setzen auf
umfassende Informationen und Sensibilisierung bei unterschiedlichen
Zielgruppen“, sagt Prof. Maria Eberlein-Gonska, Direktorin Qualitäts- und
Medizinisches Risikomanagement. „Nur wenn wir uns alle bewusst sind,
welchen Stellenwert Patientensicherheit auf unsere Arbeit hat, wenn wir
dazu unsere Erfahrungen und unser Wissen teilen, dann können wir die
Praxis auf ein noch sichereres Niveau heben“, sagt Prof. Michael Albrecht,
Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden.

Jedes Jahr erleiden 134 Millionen Menschen weltweit Schaden durch
medizinische Fehler. 50 Prozent davon sind vermeidbar, davon betreffen die
Hälfte Medikationsfehler. Bis zu zehn von 100 hospitalisierten Personen
bekommen mindestens eine Krankenhausinfektion. Diese beeindruckenden
Zahlen der Weltgesundheitsorganisation belegen die Relevanz der
Patientensicherheit. Für die Mitarbeitenden im Qualitätsmanagement am
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ist sie integraler
Bestandteil der täglichen Arbeit. So ist zum Beispiel die
Patientenbeteiligung mitentscheidend für die Sicherheit der behandelten
Menschen. Diese gilt es unter anderem durch klare Informationen zum
Beispiel zur Händedesinfektion zu stärken. „Ereignismeldesysteme sind
außerordentlich hilfreich, um aus Fehlern zu lernen und die Sicherheit der
Patientinnen und Patienten kontinuierlich zu verbessern“, sagt Prof. Maria
Eberlein-Gonska, Direktorin Qualitäts- und Medizinisches Risikomanagement.
Das Universitätsklinikum bietet deshalb ein breites Spektrum an
Möglichkeiten, sich zu beteiligen. Über Infostelen, einen QR-Code sowie
Online-Tools können Mitarbeitende, Patientinnen und Patienten sowie
Angehörige vielfältiges Feedback geben. Nicht immer hat dies mit der
Patientensicherheit zu tun – auch Rückmeldungen zur Organisation wie zum
Beispiel zur Länge der Wartezeiten oder besonders freundlichem oder auch
unfreundlichem Personal bis hin zu Anfragen zu speziellen
Behandlungsmethoden kommen über die genannten Meldesysteme an. „Bei den
zahlreichen, bis zu 25.000 jährlichen Rückmeldungen spüren wir, dass die
Patientensicherheit im Bewusstsein der Menschen angekommen ist und
erhalten auch dazu immer mehr Feedback“, sagt Prof. Eberlein-Gonska.

Im Jahr der Patientensicherheit am Uniklinikum Dresden hat es unter
anderem bereits auf ausgewählten Stationen eine Punktprävalenzerhebung
durch die Krankenhaushygiene zum Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln
gegeben. Die Ergebnisse werden regelmäßig dem Nationalen Referenzzentrum
für Surveillance für nosokomiale Infektionen (NRZ) innerhalb des Moduls
Hand-KISS gemeldet. Weiterhin wurde im Patienten-TV zur Händedesinfektion
informiert. Mitte Mai kamen 150 Teilnehmende beim Fachsymposium
Patientensicherheit zusammen. Unter anderem haben sie sich über die
Patientensicherheit mit Blick auf die Digitalisierung der klinischen
Arbeit sowie in der Hochpräzisions-Strahlentherapie ausgetauscht. Aspekte
des Themas wurden zudem für die Neurochirurgie und beim Strahlenschutz in
der Radiologie diskutiert. „Das Symposium hat uns allen vor Augen geführt,
wie vielfältig die Patientensicherheit zu betrachten ist. Wir müssen dabei
alle Berufsgruppen und Fachdisziplinen einbeziehen, um gemeinsam das
höchste Maß an Sicherheit zu gewährleisten“, sagt Prof. Maria Eberlein-
Gonska.

Schließlich findet zum Welttag der Patientensicherheit am 17. September im
Atrium des DINZ eine Posterausstellung unter dem Motto
„Patientensicherheit bedeutet für mich ...“ statt. Zudem wird ein
Publikationspreis „Patientensicherheit UKD 2024“ ausgeschrieben und ein
Fehlerquiz für die Beschäftigten im Intranet angeboten. „Jede Handlung,
die zur Patientensicherheit beiträgt, verdient Anerkennung und
Wertschätzung. Deshalb wollen wir nicht nur dafür sensibilisieren, sondern
die Mitarbeitenden motivieren, sich daran selbst zu beteiligen und
eigeninitiativ die Patientensicherheit zu fördern“, sagt Prof. Maria
Eberlein-Gonska.

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Ein gespendetes Herz schenkt Leben

Rückgang der Herztransplantationen und Zunahme mechanischer
Herzunterstützungssysteme.

Ein gespendetes Herz schenkt Leben

Aktuelle Entwicklung der Organspende und Herztransplantation in
Deutschland
In den ersten vier Monaten dieses Jahres liegt die Zahl der Organspenden
etwas unter dem Niveau des Vergleichszeitraums 2023. Von Januar bis April
2024 gab es bundesweit 292 postmortale Organspender, im Jahr zuvor 311.
Aktuell warten ca. 8.400 Menschen auf eine lebensrettende
Organtransplantation, darunter 702 schwerst Herzkranke auf ein
Spenderherz. Diese Zahl verdeutlicht den akuten Bedarf an Spenderorganen
und zeigt, wie seit Jahren, die unverändert große Diskrepanz zwischen
Bedarf und Verfügbarkeit von Spenderorganen. Richtet man den Blick auf die
Anzahl von Organspender:innen pro eine Million Einwohner, steht
Deutschland bei einem europaweiten Vergleich nicht vorbildhaft dar. Laut
Eurotransplant International Foundation ist in Spanien ist die
Spendebereitschaft am größten.

Rückgang der Herztransplantationen und Zunahme mechanischer
Herzunterstützungssysteme

Die Herztransplantation gilt nach wie vor als Goldstandard zur Behandlung
einer schweren Herzinsuffizienz im Endstadium. Auf Grund des Organmangels
zeigen die jüngsten Daten jedoch einen Rückgang der Herztransplantationen
in Deutschland. Wurden 2023 im Zeitraum Januar bis April 108 Herzen
verpflanzt, sind es im gleichen Zeitraum 2024 nur noch 98. Im Durchschnitt
warten herzkranke Patient:innen 6 Monate bis zu 2 Jahren auf ein
Spenderherz. Aufgrund des Mangels an Spenderherzen sind permanente
mechanische Herzunterstützungssysteme (Ventricular Assist Devices; VAD)
eine lebenswichtige Übergangslösung für Patient:innen mit schwerer
Herzinsuffizienz. Im Jahr 2023 erhielten insgesamt 772 (2022: 672)
Patient:innen ein permanentes, mechanisches Herzunterstützungssystem.

Xenotransplantation: Ein Blick in die Zukunft

Ein bedeutender Fortschritt in der Transplantationsmedizin könnte die
Xenotransplantation darstellen, also die Transplantation tierischer Organe
auf den Menschen. Im Januar 2022 wurde erstmals ein speziell
konditioniertes Schweineherz erfolgreich auf einen Menschen
transplantiert. Obwohl dies eine vielversprechende Innovation darstellt,
fehlen derzeit noch evidenzbasierte Erkenntnisse, klinische Erfahrungen
und Langzeitergebnisse. Die dauerhafte Kontrolle und Therapie der
körpereigenen Abwehr und der daraus resultierenden Abstoßung des fremden
Organs bleibt eine große Herausforderung. Daher ist dieses als
Xenotransplantation bezeichnete Verfahren aktuell keine Alternative zu
einer Organspende von Mensch zu Mensch.

Diskrepanz zwischen Zustimmung und Ausweisbesitz/Registrierung

Obwohl die Mehrheit der deutschen Bevölkerung der Organspende positiv
gegenübersteht, zeigt sich eine deutliche Diskrepanz in der tatsächlichen
Bereitschaft zur Organspende. Mit dem Start des Organspende-Registers
können Entscheidungen seit 2024 zur Organ- und Gewebespende online DSGVO-
konform festgehalten werden. Bis April dieses Jahres haben sich dort
bereits ca. 100.000 Menschen registriert. Auch wenn die freiwillige
Erklärung und Erfassung im Register ein wichtiger Schritt sei, plädiert
die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie weiterhin
für die sog. Widerspruchslösung. Entgegen der bisher in Deutschland
geltenden Zustimmungsregelung würde bei einer Widerspruchsregelung jeder
als Organspender gelten, sofern er zu Lebzeiten nicht aktiv widerspricht.
„Man sollte sich darüber bewusst sein, jederzeit in die Lage kommen zu
können, ein Spenderorgan zu benötigen“, so die herzchirurgische
Fachgesellschaft DGTHG.

Weitere Informationen unter:
www.dgthg.de
www.organspende-info.de/organspende-register
www.dso.de
www.eurotransplant.org

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Neue Hausärztinnen und Hausärzte braucht das Land

Vom 26. bis zum 28. September findet in Würzburg der 58. Kongress für
Allgemeinmedizin und Familienmedizin statt. Die Registrierung ist ab
sofort möglich.

Würzburg. Neue Wege in die Allgemeinmedizin. Nachwuchs für Versorgung und
Forschung begeistern.“ So lautet das Motto der 58. Jahrestagung der
Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM),
die vom 26. bis zum 28. September 2024 in Würzburg stattfindet. „Wir
brauchen in Zukunft viele neue Hausärztinnen und Hausärzte im ganzen
Land“, erklärt Prof. Dr. Anne Simmenroth, die gemeinsam mit Prof. Dr.
Ildikó Gágyor das Institut für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Würzburg
(UKW) leitet. Die Direktorinnen, die beide einen Tag in der Woche in
allgemeinmedizinischen Praxen in Würzburg arbeiten, freuen sich über einen
regen Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern,
Ärztinnen und Ärzten, Studierenden, Medizinischen Fachangestellten,
Studienassistenz und Beschäftigen aus der Sozialarbeit, dem
Gesundheitswesen, der Politik und allen Bereichen, die mit der
hausärztlichen Versorgung zu tun haben.

Junge Menschen für die Allgemeinmedizin begeistern

„Gemeinsam mit allen Teilnehmenden möchten wir diskutieren, wie es uns
gelingen kann, den Nachwuchs einzubinden und was wir brauchen, um junge
Menschen weiterhin für die Allgemeinmedizin zu begeistern“, sagt Anne
Simmenroth. „Der Nachwuchs ist der Grundstein für all unsere
Zukunftspläne, ihn zu fördern ist die Voraussetzung für eine qualitativ
hochwertige Versorgung, für die Forschung und für die Aus- und
Weiterbildung in unserem Fach“, fährt Ildikó Gágyor fort. „Wenn wir hier
nicht genug investieren, werden wir alt aussehen.“

Begegnung und Austausch der verschiedenen Generationen

Die Ausbildung beginnt bereits im Studium, und findet nicht nur in den
Universitätsklinken statt, sondern maßgeblich in den hausärztlichen
Praxen. „Wir brauchen daher die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen
ganz stark in der Lehre, in den Blockpraktika und im Praktischen Jahr“,
erinnert Anne Simmenroth, die am Institut für die Lehre und Lehrforschung
zuständig ist. Nicht nur Hausärztinnen und Hausärzte aus der Region,
sondern aus dem ganzen Land sind herzlich zum Kongress eingeladen. „Wir
freuen uns, wenn sich die verschiedenen Generationen – etablierte und
potentielle Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner – beim Kongress
begegnen und austauschen.“

Buntes Programm in abwechslungsreichen Formaten und schönstem Ambiente

Ildikó Gágyor, die am Lehrstuhl den Schwerpunkt Versorgungsforschung
betreut, verspricht ein buntes Programm in schönstem Ambiente, organisiert
von einem hochmotivierten und extrem engagierten Team. „Neben der
Nachwuchsförderung werden wir uns vielen weiteren Themen widmen, die in
unserem Fach wichtig sind, von Klima und Gesundheit über Digitalisierung
und E-Health bis hin zu Präventionskonzepten und Forschungsprojekten.“
Auch die Formate sind abwechslungsreich: Es wird eine Podiumsdiskussion
geben, Plenar-, Poster- und „1 slide 5 minutes“-Vorträge sowie Symposien,
Workshops, Arbeits- und Fachgruppentreffen und einen Science Slam.

Das „Leere Sprechzimmer“ und der „Reflective Practitioner“

Auch das „Leere Sprechzimmer“, das erstmals auf dem 55. DEGAM-Kongress in
Lübeck gezeigt wurde, wird in Würzburg Platz finden. Die Wanderausstellung
erinnert an die ärztlichen Opfer der NS-Diktatur. Damals waren nicht nur
tausende, vor allem jüdische Ärztinnen und Ärzte Opfer geworden, sondern
auch Kolleginnen und Kollegen zu Täterinnen und Tätern und Mitwissenden.
Die Ausstellung wird bei jeder Jahrestagung mit einem regionalen
Schwerpunkt installiert. Derzeit beschäftigen sich 20 Würzburger
Medizinstudierende im Rahmen des Wahlfaches „Reflective Practitioner“ mit
der Erinnerungs- und Gedenkarbeit an die Opfer des Nationalsozialismus in
Würzburg.

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