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Gesundheit

Jeder kann ein Lebensretter sein: Deutsche Leberstiftung informiert zum Tag der Organspende über Lebertransplantation

In Freiburg wird am 1. Juni 2024 mit einer Veranstaltung der
diesjährige Tag der Organspende begangen. Der bundesweite Aktionstag steht
unter dem übergeordneten Motto „Richtig. Wichtig. Lebenswichtig.“ und
stellt außerdem die Aufforderung „Zeit, Zeichen zu setzen“ in den
Mittelpunkt. Das Ziel ist, auf das komplexe Thema Organspende aufmerksam
zu machen und gleichzeitig all den Menschen zu danken, die mit ihrer
Organspende ein Leben gerettet haben. Die Deutsche Leberstiftung nimmt den
Aktionstag zum Anlass, auf die entscheidende Rolle von
Lebertransplantationen bei der Rettung von Menschenleben und der
Wiederherstellung der Gesundheit bei schweren Lebererkrankungen
hinzuweisen.

„Liegt bei einem Patienten eine Funktionsstörung der Leber mit teilweisem
oder vollständigem Ausfall ihrer lebenswichtigen Stoffwechselaufgaben vor,
eine sogenannte Leberinsuffizienz, ist eine Lebertransplantation, kurz
LTX, die letzte Therapieoption. Ein Leberersatzverfahren, vergleichbar mit
der Dialyse für niereninsuffiziente Patienten, existiert im klinischen
Alltag noch nicht“, erklärt Prof. Dr. Michael P. Manns,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung, und nennt die
häufigsten Ursachen, die eine Lebertransplantation erforderlich machen:
„In den westlichen Ländern sind die Leberzirrhose und deren Komplikationen
wie Leberzellkrebs (HCC) oftmals der Grund dafür, dass der Patient ein
Ersatzorgan benötigt. Die Leberzirrhose wurde in den westlichen Ländern
bis vor einigen Jahren am häufigsten durch eine chronische Virushepatitis
(B, C und/oder delta) oder langjährigen, übermäßigen Alkoholkonsum
verursacht. In den letzten Jahren ist die Metabolisch-assoziierte
Steatohepatitis (MASH) der häufigste Grund für eine Leberzirrhose. Auch
das akute Leberversagen, das beispielsweise nach einer Vergiftung mit
Knollenblätterpilzen auftreten kann, macht unter Umständen eine – in
diesen Fällen sofortige – Transplantation notwendig.“

Noch immer übersteigt die Zahl der Menschen, die in Deutschland auf der
Anmeldeliste für eine Lebertransplantation stehen, die Zahl der zur
Verfügung stehenden Spenderorgane. Nach Angaben der Deutschen Stiftung
Organtransplantation (DSO) stieg die Anzahl der Anmeldungen für eine
Lebertransplantation von 1.296 im Jahr 2022 auf 1.395 im Jahr 2023. Auch
wenn bei den durchgeführten Lebertransplantationen im Jahr 2023 ebenfalls
ein Anstieg zu verzeichnen ist – 868 Transplantationen im Jahr 2023
gegenüber 748 im Jahr 2022, in dem es pandemiebedingt einen starken
Rückgang gab – gibt es noch immer viele Menschen, für die keine dringend
benötigte Spender-Leber zur Verfügung steht. Hinter diesen Zahlen stehen
menschliche Schicksale, Betroffene, deren Lebererkrankung zum relevanten
Überlebensthema wird.

Diese Relevanz des Themas Organspende kennt auch der Apotheker Gerd
Böckmann. Er ist unter anderem Vorsitzender von Lebertransplantierte
Deutschland e. V., stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Deutschen
Leberstiftung und als Patientenvertreter Mitglied in der Ständigen
Kommission Organtransplantation (STÄKO) der Bundesärztekammer. Böckmann
wurde 2015 im Alter von 55 Jahren eine Spenderleber transplantiert,
nachdem zwei seltene Autoimmunerkrankungen seine Leber so stark
unumkehrbar geschädigt hatten, dass sie ihre lebenswichtigen Funktionen
nicht mehr erfüllen konnte.

Seitdem setzt er sich ehrenamtlich gemeinsam mit fast einhundert weiteren
Betroffenen, der mit 1.400 Mitgliedern bundesweit größten
Patientenselbsthilfeorganisation von Transplantierten, für die wichtigen
Themen Lebertransplantation und Organspende ein. „Es ist gut, dass der
jährliche Aktionstag dazu beiträgt, die Organspende und besonders die
Details zum Organspendeausweis in die Öffentlichkeit zu bringen, um sie
gesellschaftlich zu diskutieren und die Akzeptanz für die Organspende zu
erhöhen. Als Mitveranstalter sind wir mit einem Stand vertreten und auch
ich persönlich beteilige mich wieder an der Aktion ‚Geschenkte
Lebensjahre‘, die beim Tag der Organspende zum festen Programm zählt und
mit der Betroffene ihr ganz persönliches Zeichen setzen“, erklärt Böckmann
und gibt zu bedenken: „Jeder kann in die Situation geraten, ein
gespendetes Organ zu benötigen. Jeder sollte seine individuelle
Entscheidung zur Organspende treffen. Wenn keine Entscheidung getroffen
wurde, werden die Angehörigen im schlimmsten Moment, direkt nach
Bekanntgabe des Todes, damit konfrontiert.“

Umfragen kommen zu dem Ergebnis, dass die Deutschen, immerhin 84 Prozent,
eine hohe Bereitschaft zur Organspende haben, doch die Realität sieht
anders aus: Nur 44 Prozent haben ihre Entscheidung schriftlich auf einem
Organspendeausweis, in einer Patientenverfügung oder beidem dokumentiert.
Damit eine Entscheidung eventuell leichter zu treffen ist, gibt es seit
dem 18. März 2024 in Deutschland auf dem Organspende-Onlineportal eine
zusätzliche digitale Option, den eigenen Willen in einem Register
festzulegen. Ob digital oder analog mit dem Organspendeausweis im
Scheckkartenformat, der in jede Geldbörse passt, das Wichtigste ist, die
Entscheidung zu dokumentieren.

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung, Forschungsvernetzung und wissenschaftliche Projekte
zu verbessern. Mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung
die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher
erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet
außerdem Information und Beratung in medizinischen Fragen. Auf der Website
finden Sie umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für Betroffene,
Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter: https://www
.deutsche-leberstiftung.de.

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Berührungsmedizin: Forscher werben für neue medizinische Disziplin zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden

Die Berührungsmedizin zielt darauf ab, unser Berührungspotenzial klinisch
zu nutzen und in verschiedenen medizinischen Fachgebieten zu integrieren.

Eine Umarmung, eine Massage und andere soziale oder professionelle
Berührungen steigern das Wohlbefinden und wirken sich positiv auf die
Gesundheit aus. In einem gestern veröffentlichten Artikel schlagen
international bekannte Forscher die Etablierung einer neuen medizinischen
Disziplin vor: die Berührungsmedizin. „Dieser innovative Ansatz zielt
darauf ab, die Lücke zwischen den jüngsten Entdeckungen in der
Berührungsforschung und der klinischen Medizin zu schließen und das
Potenzial der zwischenmenschlichen Berührung als therapeutisches
Instrument in verschiedenen medizinischen Fachgebieten zu erschließen“,
sagt Prof. Dr. Bruno Müller-Oerlinghausen, Seniorprofessor für Klinische
Pharmakologie an der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane
(MHB) und einer der Autoren des Beitrags.

Die zwischenmenschliche Berührung wird seit langem als grundlegendes
sensorisches Erlebnis anerkannt, das für die Förderung sozialer Bindungen
und des allgemeinen Wohlbefindens entscheidend ist. In den zurückliegenden
Jahrzehnten hat die Entdeckung von speziellen dünnen Nervenfasern in der
Haut von Säugetieren, die entscheidend für die Wahrnehmung von emotionalen
Berührungen wie beispielsweise Streicheln sind, zu einem Anstieg der
Forschung über affektive Berührungen geführt. Dabei handelt es sich um
Berührungen mit emotionaler Bedeutung, die über besondere Rezeptoren in
der Haut eine chemische Reaktion auslösen, die positive Effekte auf
Gesundheit und Wohlbefinden hat. Trotz zahlreicher wissenschaftlicher
Nachweise für die Wirksamkeit professioneller Berührung (z.B. in Form sog.
psychoaktiver Massagen) bleibt die Integration von berührungsbasierten
Therapien in die klinische Praxis bisher begrenzt.

Der Erstautor, Francis McGlone (Manchester, GB), ist ein führender Experte
in der internationalen Berührungsforschung. Der korrespondierende Autor,
Bruno Müller-Oerlinghausen ist emeritierter Professor der Klinischen
Psychopharmakologie an der Charité Berlin und Seniorprofessor an der MHB,
der sich besonders den antidepressiven Wirkungen heilsamer „psychoaktiver“
Berührung widmet. Zudem flossen Ergebnisse aus der Dissertation des
Gesundheitswissenschaftlers Michael Eggart ein.

Die Autoren, alle Experten auf dem Gebiet der Berührungsforschung,- zwei
von ihnen sind an der MHB tätig - betonen die tiefgreifende Wirkung von
Berührung auf die psychosoziale und körperliche Gesundheit. Studien haben
einen Mangel an Berührung in der Kindheit mit negativen Auswirkungen auf
das spätere Leben in Verbindung gebracht, während professionelle
Berührungstechniken sich als wirksam bei der Vorbeugung und Behandlung
verschiedener Krankheiten erwiesen haben.

Ein wissenschaftlicher Schwerpunkt der beiden an der MHB tätigen Autoren
Prof. Müller-Oerlinghausen und Michael Eggart liegt in der Anwendung
solcher Be“hand“lungen bei depressiven Patient:innen. Kontrollierte
Studien und die Auswertung bereits bestehender Untersuchungen haben die
antidepressiven, angstlösenden und schmerzlindernden Effekte spezifischer
Massagetechniken hervorgehoben. Die Wirkungsmechanismen solcher
Berührungen, die die Summe der ständig aus unserem Körperinneren kommenden
Signale positiv beeinflussen, hormonelle Reaktionen (z. B. die Freisetzung
von Oxytocin) stimulieren, die Stressregulation harmonisieren und andere
psychologische Faktoren positiv beeinflussen, werden derzeit international
erforscht.

„Die Berührungsmedizin ist nicht auf ein einziges medizinisches Fachgebiet
beschränkt, sondern stellt vielmehr ein interdisziplinäres Unterfangen mit
weitreichenden anderen Einsatzmöglichkeiten insbesondere auch innerhalb
der Pflege dar“, betont Prof. Müller-Oerlinghausen. Von der Behandlung
Frühgeborener oder erkrankter Neugeborener (Neonatologie) bis hin zur
Schmerzmedizin, Anästhesie, Psychiatrie und Geriatrie könnten verschiedene
Fachgebiete von der Integration berührungsbasierter Interventionen in ihre
klinische Praxis profitieren. Hierfür setzt sich auch speziell die
Deutsche Gesellschaft für Berührungsmedizin e.V. ein. Darüber hinaus sind
die Klinische Psychologie und die Psychosomatische Medizin in der Lage,
diese Erkenntnisse zu nutzen, um die Patient:innenversorgung zu
verbessern.

„Die Etablierung der Berührungsmedizin markiert einen Paradigmenwechsel im
Gesundheitswesen, der die tiefgreifende Bedeutung der Berührung für die
Förderung einer ganzheitlich gedachten Gesundheit anerkennt. Während sich
die Forschung in diesem aufstrebenden Bereich weiterentwickelt, ist das
Potenzial, die klinische Praxis schon jetzt zu transformieren und damit
unsere Be‘hand‘lungsergebnisse zu verbessern, enorm“, so Prof. Müller-
Oerlinghausen.

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Aufbruchstimmung in der Alzheimer-Forschung

Bei der Alzheimer Erkrankung lagern sich Eiweiße im Gehirn ab und
schädigen es. Prof. Dr. Susanne Aileen Funke von der Hochschule Coburg hat
eine Methode gefunden, die solche gefährlichen Eiweißverbindungen
verhindern soll. Es ist angewandte Grundlagenforschung – noch weit
entfernt davon, ein Medikament zu werden. Aber die bisherigen
Forschungsergebnisse sind vielversprechend und stoßen auf großes
Interesse. Die Coburger Wissenschaftlerin hat sie der Fachwelt bei der
diesjährigen Conference on Alzheimer’s and Parkinson’s Diseases (AD/PD)
präsentiert und erklärt sie einer breiten Bevölkerung in der Sendung 4you
von TV Oberfranken.

Wenn ein Mensch an Alzheimer erkrankt, verändert sich etwas im Gehirn:
Zwei köpereigene Proteine fangen an, sich auf eine spezielle Art
zusammenzuballen. Das Amyloid-beta-Peptid verbindet sich mit Peptiden der
gleichen Sorte und lagert sich zwischen den Nervenzellen als Plaques ab.
Und in den Nervenzellen beginnen Tau-Proteine, mit anderen Tau-Proteinen
so genannte Tangles oder Fibrillen zu bilden. „Als einzelnes Protein ist
Tau sehr wichtig für den Körper“, erklärt Prof. Dr. Susanne Aileen Funke
von der Hochschule Coburg. „Aber sobald es mit sich selbst aggregiert,
wird es sehr giftig.“ Nach einiger Zeit sterben die betroffenen
Nervenzellen. Alzheimer-Demenz ist eine neurodegenerative Erkrankung. Die
Betroffenen verlieren kognitive Fähigkeiten. Mehr und mehr Erinnerungen
werden gelöscht, Persönlichkeiten langsam zerstört.
Die Arbeitsgruppe der Coburger Molekularbiologin Funke forscht an kleinen
Eiweißwirkstoffen, Peptiden, die an das Tau-Protein binden. So wird
verhindert, dass Tau mit sich selber aggregieren kann. „Im Reagenzglas
funktioniert das und wir haben inzwischen erste Zellkulturversuche
durchgeführt.“ Von einem Medikament ist das noch weit entfernt: „Da müssen
noch einige Zellkulturversuche folgen und für die weitere Entwicklung
braucht es Kooperationspartner.“ Bis die Wirkstoffe in der Pharmaindustrie
weiterentwickelt und getestet werden, können Jahre, vielleicht Jahrzehnte
vergehen.

Was sich weltweit in der Alzheimer-Forschung tut

Funke berichtet von der 18th International Conference on Alzheimer’s and
Parkinson’s Diseases (AD/PD), einer der wichtigsten europäischen Tagungen
zum Thema mit 4700 Teilnehmenden aus über 70 verschiedenen Ländern. Die
renommierte Alzheimer-Forscherin der Hochschule Coburg hielt dort einen
Vortrag und leitete die entsprechende Session. „Die Atmosphäre war diesmal
anders, es herrscht eine Art Aufbruchsstimmung“, sagt sie. „Es ist ja so,
dass sehr, sehr lange keine neuen Medikamente zugelassen worden sind.“ Nur
die Symptome von Alzheimer konnten bisher behandelt werden. „Jetzt sind
aber beispielsweise in den USA erste Therapien zugelassen worden, die den
Krankheitsverlauf verändern können.“ Der Effekt ist allerdings nicht so
deutlich wie erhofft, die Medikamente sind teuer, haben Nebenwirkungen und
müssen in einer sehr frühen Phase der Krankheit verabreicht werden, was
nicht so einfach ist. Alzheimer wird ja meist erst diagnostiziert, wenn
die Symptome deutlich werden. Bis dahin sind durch die Krankheit aber
unbemerkt schon viele Schäden im Gehirn entstanden, denn sie beginnt viele
Jahre vorher. „Aber auch bei der Biomarker-Forschung, die bei der
frühzeitigen Diagnose hilft, tut sich etwas“, erklärt Funke. Ihre eigene
Forschung ist ein weiterer bedeutender Ansatz: Am Institut für Bioanalytik
der Hochschule Coburg wurde mit Methoden wie dem so genannten Phagen-
Display-Verfahren zwei D-Peptide gefunden, die an genau den richtigen
Stellen des Tau-Proteins andocken. D-Peptide bestehen aus D-Aminosäuren,
diese sind das räumliche Spiegelbild natürlicher L-Aminosäuren. Sie kommen
so in der Natur nicht vor und werden im Körper nicht so schnell wie
natürliche Peptide durch körpereigene Abwehrsysteme angegriffen.
Entscheidend für die gefährliche Verbindung mehrerer Tau-Proteine sind die
Hexapeptid-Motive PHF6* (Aminosäuren 275 bis 280 von Tau, Sequenz VQIINK)
und PHF6 (Aminosäuren 306 bis 311 von Tau, Sequenz VQIVYK). Funkes
Arbeitsgruppe fand dafür zwei ideale D-Peptide: MMD3 bindet an PHF6* und
ISAD1 an PHF6. Die Aggregation von Tau-Proteinen wird damit verändert.

Die Coburger Peptide verhindern die giftige Reaktion

„Wir haben die Fähigkeit der D-Peptide, an Tau zu binden und dessen
Fibrillierung zu verändern, durch biochemische, biophysikalische und
bioinformatische Methoden untersucht”, erklärt Funke. Außerdem wurde in
ersten Zellkulturexperimenten gezeigt, dass die D-Peptide von den Zellen
effizient aufgenommen werden und in der Praxis tatsächlich die giftige
Reaktion der Tau-Peptide hemmen. „Das kann sehr interessant für eine
Therapie von Alzheimer sein”, sagt die Professorin vorsichtig. Alzheimer
sei eine sehr komplexe Krankheit, bei der die Ursachen und Zusammenhänge
immer noch nicht ganz klar sind. Außerdem ist nicht gesagt, dass das, was
in Reagenzglas und Zellkultur passiert, genauso im Gehirn eines Menschen
läuft. „Es sind noch viele Schritte nötig, bis MMD3 und ISAD1 vielleicht
als Therapeutika für ein frühzeitiges Eingreifen in die Alzheimer-
Krankheit entwickelt werden.” Funke will keine falschen Hoffnungen
schüren: „Es kann immer ein Punkt kommen, an dem es kippt, an dem man
merkt: Hier funktioniert es doch nicht.“ Aber immerhin wurde bereits für
eine Reihe anderer D-Peptide gezeigt, dass sie nach oraler Verabreichung
die Blut-Hirn-Schranke überwinden – ein wichtiger Punkt, damit ein
Medikament in den Hirnzellen wirken kann. Alle Tests, alle Versuche, alle
Ergebnisse sind bisher positiv gelaufen. Jetzt sucht die Professorin erst
einmal die richtigen Partner, um das Thema weiter voranzutreiben. Wenn aus
der Forschung ein Medikament entwickelt wird, dauert das vielleicht dann
noch zehn, 15 Jahre. „Aber es sieht wirklich aus, als könnte was draus
werden.”

Beitrag von TV Oberfranken

Um die Alzheimerforschung an der Hochschule Coburg geht es am Mittwoch,
22. Mai, auch in der Sendung 4you auf TV Oberfranken: Zu sehen über Kabel
um 18.30 Uhr und über SAT (FrankenPlus) um 19.30 Uhr. Danach ist der
Beitrag in der Mediathek von TVO verfügbar:
http://www.tvo.de/mediathek/kategorie/sendungen/4you/.

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Welthypertonietag: Gute Behandlungsmöglichkeiten bei Bluthochdruck

Viele Menschen kennen ihren Blutdruckwert nicht. Dabei zählt Bluthochdruck
(Hypertonie) nicht nur zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland.
Hypertonie kann auch ernste Folgen haben. Kardiologin Dr. Anne Räthling,
Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, informiert.

Frau Dr. Räthling, warum ist ein hoher Blutdruck so gefährlich?

Das Tückische an der Erkrankung ist, dass sie im schlimmsten Fall
jahrelang unbemerkt bleibt. Wenn dann die ersten Beschwerden auftreten,
ist der Schaden schon angerichtet: Herz, Gehirn, Augen und Nieren können
in ihrer Funktion beeinträchtigt sein. Aus ärztlicher Sicht macht uns das
natürlich betroffen, denn eine regelmäßige, vorsorgliche
Blutdruckkontrolle ist heute ganz einfach in der Hausarztpraxis, in der
Apotheke oder mit dem eigenen Gerät zur Selbstmessung möglich.

Nun sind gewisse Blutdruckschwankungen im Verlauf eines Tages ja normal.
Es macht auch einen Unterschied, ob jemand körperlich arbeitet oder im
Büro. Eine Messung zum Beispiel nach dem Treppensteigen wird also höher
ausfallen.

Deshalb sollte man regelmäßig im Ruhemodus messen. Die Ruhemessung erfolgt
idealerweise nach fünf Minuten Ruhephase im Sitzen mit einem
elektronischen Oberarmmessgerät. Liegt der Blutdruckwert dabei häufiger
über 135/85 mmHg, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Ab 140/90 mmHg
sprechen wir von einem krankhaft erhöhten Wert, der behandelt werden
sollte.

Wie wird Bluthochdruck behandelt?

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Entstehung von Bluthochdruck häufig
durch einen ungünstigen Lebenswandel begünstigt wird. Daher zählt die
Anpassung des Lebensstils zu einer der wichtigsten Maßnahmen in der
Behandlung. Neben den Lebensstiländerungen stehen uns zur Therapie des
Bluthochdruck Medikamente verschiedener Wirkstoffklassen zur Verfügung,
die in aller Regel gut verträglich sind und zuverlässig wirken. Wichtig
ist, dass Einnahme und Dosierung unbedingt mit dem behandelnden Arzt oder
der behandelnden Ärztin abgestimmt werden sollten. Nur in seltenen
Einzelfällen sind andere Therapieoptionen außer Lebensstiländerungen und
Medikamenten notwendig.

Welche Empfehlungen nehmen Ihre Patientinnen und Patienten am besten an?

Das ist individuell ganz unterschiedlich. Grundsätzlich will man ja den
persönlichen Risikofaktoren begegnen, die das Herz, den Kreislauf und die
anderen zuvor genannten Organsysteme zusätzlich und unnötig belasten.

Werden die eigenen Gewohnheiten selbstkritisch hinterfragt, wird schnell
deutlich, in welchen Bereichen eine Veränderung angebracht ist, hin zu
regelmäßiger Bewegung, salzarmer Ernährung, gesunder Kost, weniger
Alkohol- und Nikotingenuss sowie besserer Körpergewichtskontrolle. Auch
Entspannungsübungen können möglicherweise helfen. Wer diese Themen nicht
alleine angehen möchte und fachliche Unterstützung benötigt, kann sich an
die Hausarztpraxis wenden. Gute Informationen hält auch die Deutsche
Hochdruckliga e.V. bereit. In speziellen Fällen, vor allem bei schwer
einstellbarem Bluthochdruck, sind wir als zertifiziertes Hypertoniezentrum
selbstverständlich für eine Beratung sowie gegebenenfalls weiterführende
Diagnostik und Therapie jederzeit ansprechbar.

Betroffene sind also auch dazu aufgerufen, selbst aktiv zu werden. Darauf
möchten wir im Rahmen der jährlichen Kampagnen zum Welthypertonietag am
17. Mai aufmerksam machen.

Hintergrundinformation:
In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Menschen, die an Bluthochdruck
(Hypertonie) leiden, weiter gestiegen. In Deutschland sind 30 Prozent der
erwachsenen Bevölkerung betroffen, bei den 65-Jährigen sind es bereits
mehr als 50 Prozent. Bis zur Diagnose wissen aber viele Menschen gar
nicht, dass sie erkrankt sind.
Bluthochdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-
Erkrankungen, die zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Nierenproblemen, aber
auch zu Demenz führen können.
(Quelle: www.hochdruckliga.de)

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, mit 36.000 Patientinnen und Patienten
pro Jahr, davon 14.500 in stationärer Behandlung, zu den größten und
modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Die Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie des
HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Volker Rudolph ist
zertifiziertes Hypertonie Zentrum DHL®, zudem anerkanntes Europäisches
Exzellenz-Zentrum zur Bluthochdruckbehandlung, Brustschmerzzentrum (CPU –
Chest Pain Unit) sowie als überregionales Zentrum zur Versorgung
Erwachsener mit angeborenem Herzfehler (EMAH) zertifiziert. Mehr als 5.000
kathetergestützte Verfahren jährlich, modernste diagnostische und
bildgebende Verfahren sichern die bestmögliche und schonende medizinische
Versorgung der Patientinnen und Patienten.

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