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Lifestyle

Keinen Käse erzählt Herbert Huber

Alles Käse? Alles Käse! Ein Streifzug durch die Welt des Milchprodukts mit Geschichte
Alles Käse? Alles Käse! Ein Streifzug durch die Welt des Milchprodukts mit Geschichte

Alles rund um den Käse. Nach einem Schlemmermahl gibt es noch etwas Süsses. Oder Käse. Oder besser beides. Aber in welcher Reihenfolge? Wir versuchen, ein wenig Klarheit zu schaffen.

Den süssen Desserts wird im gelebten Luxus seit Jahrhunderten ein Ehrenplatz zugeordnet. Honig und Früchte waren die ersten Desserts der Menschheit. Mit

dem gesteigerten Bedürfnis nach kultiviertem Essen wurde dem Süssen zunehmend

ein besonderer Stellenwert verliehen. Es war das Finale eines gelungenen Mahles und kam ganz am Schluss, also nach dem Käse.

 

Regeln was vorher – was nachher

Der erste Käse entstand wahrscheinlich durch Zufall
Der erste Käse entstand wahrscheinlich durch Zufall

Wobei, um auch das gleich festzuhalten: Eine unumstössliche Regel gibt es nicht.

Man kann das je nach Gusto auch anders handhaben und macht nichts falsch dabei.

Auch ein Käseplättli anstelle von Süssem geht, vor allem dann, wenn man um die

Vorlieben seiner Gäste weiss, man kann ja gleichwohl noch ein Dessert in der

Hinterhand haben. Einzige Ausnahme: Käse passt nicht, wenn es zuvor Fondue

oder Raclette gegeben hat. Zunehmender Käse-Kult zum Nachtisch wurde und wird vor allem in Frankreich zelebriert. In der Schweiz kam das erst vor etwa zwei,

drei Jahrzehnten grösser in Fahrt. Vielleicht, weil Käse in unserem Land öfters

die Hauptspeise war. Einer der ersten Schweizer Maître fromager affineur war

Rolf Beeler, der bis heute auch Luzerner Marktstandbetreiber ist. Silvio Rizzi,

damaliger Chef des Gourmetführers Gault Millau, hat Wesentliches zu

Beelers Ruf und damit zur Käsekultur allgemein beigetragen.

Kult um den Käse – auch die Schweizer dürfen sich zeigen

Besondere Käse der Alpen
Besondere Käse der Alpen

Gepflegten Kult um den Käse erlebten wir vor Jahren im Burgund bei Jean Crotet, in Levernois ausserhalb von Beaune. Oder bei Stefan Wiesner im «Rössli» Escholzmatt, der ausnahmslos Käse aus der Region serviert. Ganz im Sinne der Schweizer Käseproduzenten, die heuer eine Kampagne lancieren, um mehr Lustgefühle für unseren Käse zu wecken. Schweizern eine Chance geben? 450 Sorten soll es in unserem Land geben, viele davon von höchster Güte. Doch wie so oft: Das Naheliegende hat manchmal einen schweren Stand. Noch immer herrscht unter vielen Konsumenten die Meinung vor, dass guter Käse nur aus dem Ausland komme. Eine Zeit lang war eine solche Aussage tendenziell nicht grundfalsch, zählte doch oft mehr die Masse als die Klasse. Doch mittlerweile hat die Schweiz mächtig aufgeholt, und unsere Käse müssen sich im Vergleich mit der importierten Konkurrenz nicht verstecken. Man muss ja nicht gleich ausschliesslich auf schweizerische Sorten setzen, aber viele sind einen Versuch wert. Lassen Sie sich von Ihrem Käsehändler beraten.

Käse und Wein Kombinationen
Käse und Wein Kombinationen

Der Wein zum Käse Bei uns kommt definitiv immer Käse auf den Tisch. Und zwar ebenfalls vor dem Dessert, welches mit Leidenschaft meine Gertrude zubereitet – obwohl sie selber selten Desserts isst. Ich bin ein Koch geblieben und kein „Chläberi“( kommt von kleben), wie man früher die Pâtissiers nannte und sie mit diesem Prädikat gehörig in Rage brachte.

Auch ein Grund für die Formel Käse vor Dessert: Oft serviere ich einen passenden

Süsswein zum Käse, der dann meist auch noch zur Süssspeise Gefallen

findet. Zu einem Hartkäse (Sbrinz) oder Stilton passt Portwein. Zu einem Weichkäse

aus der Region ein Wein aus der Region (Dornenfelder, Kerner, Muscat

Bleu rosé). Säuerliche Käse rufen nach einem halbtrockenen oder einem Edelsüsswein. Blauschimmel oder Gruyère verlangen nach einem Elsässer Gewürztraminer oder einem fruchtigen Wein aus der Mosel. Man darf da ruhig etwas

experimentieren. Zwei Regeln aber gelten: Niemals soll ein Käse den Wein

„erschlagen“. Und umgekehrt. Zu mildem Käse gehört milder Wein.

Käse kombinieren lieber klassisch oder aussergewöhnlich
Käse kombinieren lieber klassisch oder aussergewöhnlich

Was gehört auf ein Plättchen? Bei uns gibt es meistens sechs Sorten.

Einen Alpkäse aus dem Tessin, einen alten, höhlengereiften Emmentaler, den

Stanser Fladä, den Stanser Meierskählen- Geisskäse (sehr mild) und einen

Franzosen – den Brillat-Savarin, Prestige de Bourgogne. Oder mal einen feinen

Brie oder Taleggio. Auch achte ich darauf, dass die Käse allesamt aus Rohmilch

hergestellt sind. Die sind kräftiger und munden halt schon anders als

pasteurisierte Serienware. Was serviert man zu Käse? Am liebsten ein Baguette. Natürlich passt auch ein Bündner Birnenbrot oder zu Hartkäse ein Sauerteigbrot.

Und was ist es mit den Früchten. Bitte keine Erdbeeren, selbst wenn es Saison ist. Und die Sternfrucht namens Karambole hasse ich wie der Teufel das Weihwasser. Ebenso wenig haben Physalis auf dem Käseplättli etwas zu suchen. Ein Peterlisträussli auch nicht. Wenn schon etwas Grünes, dann ein

Oregano- oder ein Thymian-Zweiglein. Was passt, sind frische Baumnüsse, Mandeln, Sultaninen und natürlich Trauben (blaue oder weisse). Am liebsten

habe ich die Muskattraube. Ist dafür keine Saison, gibt es die klassische

Kaiser-Alexander-Birne. Auch gedörrte Aprikosen, Dörrbirnen und getrocknete

Apfelscheiben sind herrlich

Nie direkt aus dem Kühlschrank.

Von wegen alles Käse Facts zum Schweizer Exportschlager
Von wegen alles Käse Facts zum Schweizer Exportschlager

Auch wichtig: Käse sollte mindestens eine Stunde vor dem Essen aus dem

Kühlschrank genommen werden. Frigor kalten Käse aufzutischen ist eine Sünde.

Bleibt Käse übrig, kann man für den Folgetag Häppchen mit Toastbrot machen.

Oder einfach Gschwellti und Käse. Oder ein besonderer Tipp:

Beliebige Käseresten einfrieren (Rinde entfernen), und wenn genug beisammen ist, daraus ein „Überraschungsfondue zubereiten. Und weil ich nun den Käse so glorifiziert habe, gibt es zum Trost und als Krönung ein süsses Dessert.

Eine gebrannte Creme nach dem Rezept meiner Gertrude.

Zutaten (für 4 bis 8 Portionen)

100 g Kristallzucker

ó dl Wasser

5 dl Vollmilch

15 g Maizena

4 bis 5 Eigelb

30 g Zucker

1 Prise Salz

2 dl Vollrahm

Zubereitung

  1. 100 g Zucker mit dem Wasser

bei mittlerer Hitze bis zum Caramelsirup einkochen lassen. 4 dl vorgewärmte Milch dazugeben. Wieder aufkochen und rühren, bis der

  1. Caramelzucker mit der Milch vermischt ist (= Caramelmilch).
  2. Maizena und restliche Milch verrühren (= Maizenamilch). Eigelb, 30 g Zucker und Salz zu einer schaumigen Creme aufschlagen (Eicreme).Dann die Maizenamilch dazugeben.
  3. Die kochend heisse Caramelmilch zur Eicreme giessen und

alles zurück in die ausgewaschene ausgekühlte Pfanne. Dauernd rühren und bis kurz vor das Kochen bringen. Die Creme wird dicklich. Kochen darf sie nicht, sonst würden die Eier gerinnen.

Nun von der Platte nehmen und das Ganze durch ein Haarsieb in eine Porzellanschüssel umgiessen und diese in kaltes Wasser stellen.

Weiter rühren, bis sie etwas abgekühlt ist. Klarsichtfolie darauf, damit

sich beim Abkühlen keine Haut bildet. In Kühlschrank stellen oder an

einen anderen kühlen Ort.

  1. Vor dem Servieren den Rahm steif schlagen und sorgfältig unter die abgekühlte Creme mischen.

Servieren mit einem Trockengebäck.

Tipp: Erfrischend ist eine Kugel Bourbon- Vanilleeis dazu. Früchte als Garnitur

sind unpassend. Übrig gebliebene Creme ist zugedeckt 2 bis 3 Tage

bedenkenlos im Kühlschrank haltbar.

 

Kleine Fotodishow zum  Artikel

fotodiashows.wordpress.com/2021/05/06/keinen-kase-erzahlt-herbert-huber/

Text: www.herberthuber.ch

Fotos: www.-pixelio.de

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Festival Strings Lucerne: Konzert Reihe Luzern #Zeugheersaal Saison 2020/2021 “Quintette”, 2.Mai 2021, besucht von Léonard Wüst

Konzertimpression des Quintetts im Zeugheersaal des Hotel Schweizerhof Luzern
Konzertimpression des Quintetts im Zeugheersaal des Hotel Schweizerhof Luzern

Besetzung und Programm:

«Verborgene Juwelen»

Festival Strings Lucerne Chamber Players
Daniel Dodds Violine
Regula Dodds, Violine
Katrin Burger, Viola
Sylvia Zucker, Viola
Alexander Kionke, Violoncello

Ludwig van Beethoven
Quintett für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello C-Dur Op. 29

Felix Mendelssohn-Bartholdy
Quintett für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello B-Dur Op. 87

Rezension:

Konzertimpression
Konzertimpression

Am 28. Oktober letztes Jahr konnte ich ein letztes Mal ein Livekonzert geniessen, dies mit den Festival Strings im Konzertsaal des KKL Luzern. Dass nun der Restart ins Konzertgeschehen mit dem gleichen Orchester, wenn auch in viel kleinerer Formation,  diesmal im Zeugheersaal des Hotels Schweizerhof stattfand, ist ein sehr schöner Zufall, dass ich trotz der auf 50 Personen limitierten Teilnehmerzahl, akkreditiert wurde, einfach nur ein tolles Geschenk.

Intendant Hans-Christoph Mauruschat begrüsste die erwartungsvollen 50 erlaubten Besucher, darauf hinweisend, wie glücklich alle Musiker seien, nach dem zweiten Lockdown, endlich ihren Beruf, der ja auch eine Berufung ist, wieder vor Publikum ausüben zu können und verkündete, dass man das erfolgreiche Format dieser Kammermusikkonzerte im Schweizerhof, auch in Zukunft pflegen werde.

Eröffnet wurde das Konzert durch Beethovens Quintett für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello C-Dur Op. 29, das folgende vier Sätze umfasst:

  1. Allegro moderato – 2. Adagio molto espressivo – 3. Scherzo. Allegro – 4. Presto

Der lyrische Duktus des Werkes, verbunden mit frühromantisch geweiteter Harmonik, nimmt allerdings deutlich Franz Schubert vorweg und zeigt, wie sehr gerade der frühe Beethoven die Romantiker beeinflusst hat.  So wird gleich das Hauptthema des ersten Satzes (Allegro moderato) in einer später von Schubert aufgegriffenen Manier wechselnd harmonisch beleuchtet.

Frühromantische Gefühle

Konzertimpression
Konzertimpression

Als Kontrast zu diesem breit ausgesungenen Hauptthema mit seinen frühromantischen Stimmungsvaleurs fungiert ein Triolenmotiv, das den ganzen Satz durchzieht. Das Seitenthema, das zu Beginn in der Terzverwandten A-Dur eingeführt wird, erinnert in seiner kanonischen Führung an das Seitenthema aus dem Kopfsatz von Mozarts Klarinettenkonzert. Das rasant explosive Intro durch die zwei Violinen liess ahnen, wohin die Reise gehen würde. Nachdem sich die andern drei Streicher dazugesellt hatten, brachen die Geigen immer wieder mit kleinen Soli aus dem Verbund aus, um sich dann wieder harmonisch ins Ganze einzufügen.

Auch das Adagio molto espressivo folgt in seinem Aufbau einem Vorbild bei Mozart: dem Adagio aus dem Streichquintett KV 593. Hier wie dort wird ein Cantabile im langsamen Dreiertakt zweimal von einem Geigensolo über rhythmisch aufgerautem Klanggrund abgelöst.

Konzertimpression
Konzertimpression

Der dritte Satz (Scherzo. Allegro) zeigt Beethovens schon früh entwickelte Neigung zum sinfonischen Scherzo. Der drängende, nervöse Zug dieses Satzes beherrscht auch das Presto-Finale, das mit Überraschungen aufwartet: Einem harmonisch unstabilen Hauptsatz tritt ein pastoraler Seitensatz gegenüber; in der Durchführung wird der Sechsachteltakt mit einem Zweivierteltakt überblendet; vor der Reprise und Coda wird jeweils ein Andante con moto e scherzoso eingeschoben.

Felix Mendelssohn-Bartholdy im 2. Konzertteil

Konzertimpression
Konzertimpression

Im zweiten Teil kam Felix Mendelssohn-Bartholdys
Quintett für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello B-Dur Op. 87 zur Aufführung, das dieser im Jahre 1845 komponierte.

 

 

 

 

Satzbezeichnung:

  1. Allegro vivace 2.Allegretto scherzando
  2. Adagio e lento 4.Allegro molto vivace
Konzertimpression
Konzertimpression

Mendelssohns Streichquintett Nr. 2 B-Dur hat lange im Schatten seines frühen Oktetts und seiner Streichquartette gestanden. Schwärmerisch und schwungvoll in den Ecksätzen, dabei sorgfältig durchgearbeitet und bisweilen von fast orchestraler Klangwirkung, zeigt das Quintett Mendelssohn auf der Höhe seines Könnens. Uraufgeführt wurde es erst nach seinem plötzlichen Tod 1847. Mendelssohn selbst hat das Werk nie im Konzert gehört.

Furioser Auftakt mit scharf gezeichnetem Klang der beiden Violinen von Daniel und Regula Dodds, zu denen sich nach und nach die andern drei Streicher gesellten, immer wieder veredelt von kurzen Soli der Geigen, denen auch mal die Thema Übernahme der Violen folgte, die dann vom Cello schwungvoll wieder ins tutti geführt wurden.

Mit der heftig auflodernden Dramatik der Violinen im Adagio verstärkte sich auch der Diskurs mit der dunklen, von zartbitter schokoladiger Mystik geprägten Spielweise von Alexander Kionke am Cello.

Im Finale liessen die Bratschen von Katrin Burger und
Sylvia Zucker die Melodien dunkel schimmern und prägten mit scharfen Akzenten den Schluss des Stücks, bevor dieses im tutti furios zu Ende gespielt wurde.

Die Musiker bedanken sich für den Applaus
Die Musiker bedanken sich für den Applaus

Langanhaltender Applaus belohnte die fünf Künstler für ihre erlesene Darbietung zweier eher selten gespielten Quintette.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Fabrice Umiglia festivalstringslucerne.org/de

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Brüsseler,endive belge, veredelt Herbert Huber zu Brüsseler Spitzen

Chicoree Brüsseler Witloof
Chicoree Brüsseler Witloof

Brüsseler – ein Gemüse das man total unterschätzt. Und sich vor der angenehmen Bitterkeit scheut. Doch alles hat einmal seinen Anfang. Eigentlich bin ich ein Fleischtiger, aber auch saisonale Gemüse haben es mir schon immer angetan. Im Falle von Brüsseler allerdings nicht von Kindsbeinen an. Damals waren mir die Brüsseler Endivie oder Witloof, wie dieses Gemüse im Ursprungsland heisst, eindeutig zu bitter. Erst später lernte ich, dass die schönen langen Blätter von vornehmer Blässe zum gebleichten Winterspross einer besonders gezüchteten Zichorie gehören und vorzüglich schmecken.

Brüsseler Spitzen Piccata
Brüsseler Spitzen Piccata

Als Koch schätzte ich deren Zubereitung. Zur Gewinnung der etwa 15 Zentimeter langen, eiförmig zugespitzten und gelblich weissen Blattzapfen werden die Wurzeln von den im Frühjahr gesäten Pflanzen aus dem Boden genommen und nach bewährter Methode  „angetrieben“ . Wie man’s macht kann man googeln.

 

 

 

Auf Frische achten

Caramelisierter Orangen Chicorée
Caramelisierter Orangen Chicorée

Heute kauft man Brüsseler beziehungsweise weissen Chicorée säuberlich verpackt bei den Grossverteilern oder im Gmüeslädeli, wobei Letzteres den Vorteil hat, dass man auch Einzelstücke posten kann und nicht gleich beutelweise zugreifen muss. Brüsseler ist nämlich nicht unbeschränkt haltbar. Ich achte beim Einkauf auch auf die Schnittfläche. Die sollte nicht allzu braun sein und die Blätter noch eng anliegend, die Stange mit hellgelben Spitzen.

 

 

 

 

GESCHMORTE BRÜSSELER SPITZEN MIT TOMATEN  CHICOREE  ENDIVES BELGES
GESCHMORTE BRÜSSELER SPITZEN MIT TOMATEN CHICOREE ENDIVES BELGES

Brüsseler wird in abgedunkelter Umgebung aufgezogen und auch aufbewahrt. Durch seine Bitterstoffe ist der Brüsseler besonders im Winter ein vitaminreicher Helfer für den Verdauungsapparat. Roh zum Apéro und zum „dippen“ in folgenden Sösschen:

Grüne Sauce: Feingehackte Kresse, Kerbel und Petersilie mit Mayonnaise und etwas Mascarpone vermischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Cocktailsauce: Quark und Joghurt zu gleichen Teilen, mit etwas Ketchup gefärbt. Mit Cayenne-Pfeffer (Vorsicht scharf) und etwas Ingwerpulver vermischen, nach Belieben etwas Cognac dazu. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Curry-Sauce: Sauren Halbrahm mit Currypulver parfümieren, etwas Pfeffer und Salz und Mango Chutney nach Belieben. Alles vermischen.

Chicorée überbacken
Chicorée überbacken

Dieses Rezept meiner Frau Gertrude sorgt für Applaus.

Zutaten für 2-3 Personen:

ca 20 gr. Butter

6 mittelgrosse Brüsseler

6 Tranchen Hinterschinken

1 feingehackte kleine Zwiebel

1 feingehackte Knoblauchzehe  (nach Belieben)

2 EL rote Peperoniwürfeli

2EL Tomatenwürfeli (Tomate enthäutet)

Wer’s rassig mag: ganz wenig scharfe Peperoncini

½ dl Gemüsebouillon

2 dl Sauerrahm

1dl Vollrahm

1 dl Weisswein oder 1 EL Portwein

4 EL geriebener Sbrienz

Salz und Pfeffer

Zubereitung: Die Brüsseler Stangen in leicht gesalzenem Wasser blanchieren.

Abkühlen lassen. Den blanchierten Brüsseler mit dem Schinken umwickeln.

Geratener Brüsseler mit Schweinsfilet
Geratener Brüsseler mit Schweinsfilet

 

 

 

 

 

In einem separaten Pfännchen feingehackte Zwiebeln und Knoblauch in Butter andünsten. Mit ½ dl Gemüsebouillon auffüllen. Leicht einkochen. Weisswein, Sauerrahm und Vollrahm mischen, aufkochen und die Peperoni- und Tomatenwürfeli dazu geben. Mit wenig Salz und Pfeffer würzen.

Weihnachtssalat mit Chicorée, Orangen und Gemüsesternen
Weihnachtssalat mit Chicorée, Orangen und Gemüsesternen

Die Wickel in eine bebutterte Gratinform legen, mit der Sauce übergiessen. Käse darüber streuen und im Umluftofen bei 180° ca ½ Std. garen bis das Ganze schön hellbraun ist. Mit Salzkartoffeln serviert – ein wunderbares Gericht um mit dem Brüsseler eine Liebesromanze einzugehen.

Kleine Fotodiashow zur Kolumne:

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Textn: www.herberthuber.ch

Fotos: www.-pixelio.de

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Nach den Grünschnäbeln preist Herbert Huber nun die Weisshäuptigen

Weisse Spargeln besonders fein kochen nachhaltig leben
Weisse Spargeln besonders fein kochen nachhaltig leben

Kürzlich habe ich über die Grünen geschrieben. Gemeint sind Spargeln. Da waren die Weissen ganz schön eifersüchtig. Damit die Kirche im Dorf bleibt – denn die Weissen haben jetzt Hochsaison.

Jetzt sind Spargeln einfach nur Spitze

Weissspargel auf Eis
Weissspargel auf Eis

„Es kann nur der kochen, dem die Kunst gelingt, Spargel ohne Zutat in wonnigster Vollendung aufzutischen! Das Zitat stammt vom Feldherrn und Feinschmecker Lucullus (117 bis 57 vor Christus). Offenbar haben also schon die Römer Spargeln als spezielles Gemüse verlustiert. Und dass Spargeln auch in der Heilkunde einen grossen Stellenwert einnehmen, ist ebenfalls seit alters her unbestritten. So empfahl der griechische Arzt Hippokrates Spargeln gegen Hautkrankheiten, Herzprobleme und Bluthochdruck.

Ohne Messer

Weißer Spargel  die hellsten Köpfchen der Saison
Weißer Spargel die hellsten Köpfchen der Saison

Noch in den letzten Fünfzigerjahren gehörte es zum guten Ton, Spargeln auswärts zu essen. Ich durfte damals mit meinen Eltern mitgehen, ins „Silbersäli“ des damaligen Bahnhofbuffets Luzern,1. Klasse, notabene. Mir machten die Gastgeber, die Gebrüder Pfenniger, mit den weissen Handschuhen und den ergebenen Bücklingen bedeutend mehr Eindruck als das Spargelessen. Das war nämlich ordentlich kompliziert für einen 10-Jährigen. Denn Spargeln mit dem Messer zu schneiden, war ein Verstoss gegen Anstand und Sitte. Jede einzelne Stange wurde mit der linken Hand auf die Gabelspitze gehievt und so sorgfältig mit der rechten Hand zum Mund geführt. Das tragen eines Esslatzes war dringendst empfohlen. So konzentrierte ich mich halt mehr auf das Weissbrot, das schicke Ambiente und die hausgemachte Mayonnaise. Und amüsierte mich ob der kuriosen Tischmanieren.

Dazu gibts heute weniger Grund, sind doch Messer und Gabel nach Knigge salonfähig geworden.

Strunk statt Spitze

Spargeln mit Rohschinken
Spargeln mit Rohschinken

Oder im Luzerner «Palace» hatten wir in den Sechzigerjahren eine Gruppe Amerikaner, die schnitten doch glattweg die Spitzen ab und assen den hinteren Teil! Die Bestätigung dieser Spargel (Un-)Kultur lieferte mir kürzlich  ein Berufskollege. Er erzählte, dass in den Neunzigerjahren in Kolumbien Monokulturen von Spargeln gepflanzt wurden – für den Export in die USA. Allerdings nur die Stängel – die Spitzen wurden von den Einheimischen selber gegessen und als Leckerbissen eingemacht.

Frische beim Einkauf beachten

Spargelessen immer ein Genuss
Spargelessen immer ein Genuss

Anhand des Zustands des Triebes an der Schnittstelle kann abgeschätzt werden, wie lange Spargeln schon lagern. Möglichst hell und feucht sollte diese Stelle sein. Mit jedem Lagertag verlieren Spargeln an Saft. Sie werden zäh und holzig. Will man gekaufte Spargeln erst am folgenden Tag servieren sollte man sie nach dem Einkauf in ein feuchtes Tuch wickeln und in den Kühlschrank legen.

 

 

 

Schälen

Spargeln mit Beilagen schön arrangiert
Spargeln mit Beilagen schön arrangiert

Spargeln sollten vor dem Schälen gewaschen werden, insbesondere wenn die Schalen und Stielansätze für eine Spargelsuppe verwendet werden. Spargeln werden immer von oben nach unten geschält, ohne die Spitze selbstverständlich. Bei grünen nur gegen das Ende etwas schälen. Je näher man ans Spargelende kommt umso dicker sollte in der Regel die Schale weggeschnitten werden. Kontrolle: „Glänzende Bahnen“ noch nachschälen.

Erst nach dem Schälen werden die holzigen Enden weggeschnitten. Bei sehr frischen Spargeln sind das oft 1 bis 2 Zentimeter (oder fast gar nichts), bei älteren 4 bis 5.

Kochen kein Kunststück

Grüner Spargel vs. weißer Spargel  welcher ist besser
Grüner Spargel vs. weißer Spargel welcher ist besser

Spargeln lässt man in reichlich und leicht gesalzenem Wasser mit wenig Zucker, einem Gutsch Weisswein (und einen Schluck für den Koch) und etwas Butterflocken 15 bis 20 Minuten sanft köcheln.  Am besten sind Spargeln, wenn sie noch leicht „bissig“ sind. Anrichten auf einer gefalteten Serviette zum trocknen, denn nasse Spargeln verbinden sich schlecht mit den Saucen. Den feinen Fond kann man auch für eine Spargelsuppe verwenden.

Was heutzutage sehr „In“ ist – die Spargeln zu „steamen“.

Dampfgaren also.

Beilage

Weißer Spargel in Parmaschinken eingerollt
Weißer Spargel in Parmaschinken eingerollt

Was passt zu Spargeln? Meine Mutter servierte zu Spargeln neue Bratkartöffelchen und Rührei (das war einfacher als eine hausgemachte Sauce Hollandaise) Mayonnaise und gekochten oder geräucherten Schinken tischte meine Mutter dazu auf. Heute werden die kreativsten Kompositionen mit Fisch, Fleisch und Huhn vorgestellt. Auch mit Gitzi oder Kaninchen. Oder Spargeln in Terrinenform oder als samtige Mousse. Wie auch immer: Spargeln sind jetzt einfach Spitze. Nach der Überlieferung sollten sie bis zum Johannistag am 24. Juni geerntet werden, wie übrigens auch der Rhabarber. Aber wir haben erst Ende April, vorerst darf man also herzhaft zugreifen. Und jetzt braucht man dann nicht mehr (kann man ja momentan auch nicht), über die Grenze für einen Spargelschmaus zu reisen. Dafür braucht es etwas Geduld bis die Schweizer Spargeln auf dem Markt sind. Aus fast allen Regionen der Schweiz.

Was trinkt man zu Spargeln?

Weisse und grüne Spargeln
Weisse und grüne Spargeln

Schweizer Weine passen hervorragend. Als Innerschweizer habe ich kürzlich einen hervorragenden „Blanc de Noir“ vom Südhang in Eschenbach LU verkostet und die Assemblage Chardonnay/Muscat/Kerner aus gleichem Hause. Bon Appetit et large soif!

Link auf die Grünschnäbelkolumne:

innerschweizonline.ch/wordpress/diese-gruenen-muss-man-moegen-und-gleich-in-die-pfanne-legen-meint-herbert-huber/

Kleine Fotodiashow zur Kolumne:

fotodiashows.wordpress.com/2021/04/24/nach-den-grunschnabeln-preist-herbert-huber-nun-die-weisshauptigen/

Text: www.herberthuber.ch

Fotos: www.-pixelio.de

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